Die großartige Astrid Kalantzis und ihr Team haben es wieder getan. Zum zweiten Mal fand Vision@Schule an der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar statt. Wieder trafen sich zahlreiche Bildungsoptimistinnen und Bildungsenthusiasten, um sich zwei Tage in Workshops und bei Sofagesprächen auszutauschen und hochkarätigen Keynotes zu lauschen. Ich freue mich sehr, Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft zu sein, die deutlich macht, dass Bildung eine Zukunft hat. Was uns alle verbindet, ist Bildung und Schule vom Kind aus zu denken und Beziehung und Pädagogik in den Vordergrund zu stellen.
In der ersten Keynote hat Corina Elfe (auf Insta: kapierfehler) deutlich gemacht, was sich hinter dem Begriff der Neurodivergenz versteckt und wie Lehrkräfte damit umgehen können. Die zweite Keynote gehörte Ferdinand Stebner, der neue kurzweilig Erkenntnisse aus seiner Forschung zu Selbstreguliertem Lernen zum Besten gab. Der nächste Tag startete mit Matthias Zeitler. Ihm ging es darum deutlich zu machen, warum Schule viele Kinder krank macht und wie man es besser machen kann. Den Abschluss machte Raphael Kirsch, der anhand einer unterhaltsamen Geschichte aus seiner Zeit in der Jugendpsychatrie erklärte, wie schwierige Situationen deeskaliert werden können. Alleine dafür hätten sich die zwei Tage schon gelohnt!
Allerdings gab es auch noch zahlreiche Workshops und Vorträge. Zwei davon durfte ich gestalten (siehe unten) und ich freue mich über die Teilnehmenden und den interessanten Austausch. Ich selbst habe an einem Workshop mit Swantje Dietrich, die mit ihren „fünf why“ und ihrem kindzentrierten Ansatz überzeugt hat, teilgenommen.
Mit Swantje Dietrich und Anne Herzberg
Es waren zwei wunderbare Tage mit Anne Herzberg, Kristin und Ulrike van der Meer, Susanne Burzel, Hannes Kannes, Tobias Schellenberger, Swetlana Frim, Daniel Füller, Astrid Kalantzis, Daniel Steh, Swantje Dietrich, Clemens Wandke, Dana weber, Friederike Brüssau, Alexander Putzier, Andreas Fischer, Ferdinand Stebner, Raphael Kirsch, Matthias Zeitler, Lea Hotfilter, Alix Puhl, Ireen Ferdek und vielen weiteren Bildungsentusiastinnen und -enthusiasten.
Solche Veranstaltungen zeigen, dass es viele begeisterte und begeisternde Menschen gibt, die unser Bildungssystem verändern. Daniel Füller würde sagen: „Gemeinsam machen wir Schule besser!“ und ich stelle fest: „Und wir werden mehr!“. Für mich persönlich ist Vision@Schule eine Kraftquelle für die Veränderung von Schule und ein Ort der Vernetzung mit Gleichgesinnten. Ich freue mich schon auf ein nächstes Mal!
Hier noch ein paar Schnappschüsse:
Auch der Abend diente dem Austausch und dem Netzwerken:
Vielen Dank an Astrid und das Team der Schule, die das wieder möglich gemacht haben!
Und natürlich gibt es hier auch wieder die Slides meiner beiden Workshops:
oft wird beklagt, und ich nehme mich dabei gar nicht aus, dass Schule sich nicht verändere. Dennoch gibt es natürlich Veränderungen, die sich gar nicht vermeiden lassen und auf die Schule zwangsläufig reagiert, weil sie Schule verändern, ohne dass diese etwas dafür kann.
Wenn ich zu meiner Schulzeit ein Referat oder eine Präsentation vorbereiten sollte, was selten vorkam, dann konnte die Lehrkraft davon ausgehen, dass ich zuhause vielleicht ein Lexikon habe, sonst konnte bestenfalls Schulbuchwissen abgefragt werden. Ich bin zwar einmal mit einem Mitschüler für ein Referat in die Universitätsbibliothek nach Frankfurt gefahren, war dort aber von den „Zettelkästen“ recht überfordert und war beim Inhalt besonders intrinsisch motiviert, aber das ist ein anderes Thema.
Dann kam das Internet. Plötzlich standen, weitgehend frei zugänglich, viel mehr Informationen und Quellen zur Verfügung. Also konnten mehr Themen in die Hausaufgaben verlegt werden und es konnte vor allem mehr erwartet werden. Das machte Schule für die Lernenden anspruchsvoller; für die Lehrenden natürlich auch. Gleichzeitig erweiterte sich die Wissensbasis, die Schulen vermitteln konnte. Mit dem Internet wurde aber auch die Bewertung von Fakten und die Verifizierung von Wissen bedeutsamer. Die Vertrauenswürdigkeit der genutzten Websites rückte in den Vordergrund. Das ließ sich aber noch in einem überschaubaren Rahmen abschätzen. Nebenbei wurde Wissen globalisiert und stand plötzlich in vielen verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Allerdings entstand auch hier schon ein „cultural bias“, weil nicht alle Sprachen und Kulturen gleichermaßen im WWW repräsentiert waren. Weitere Effekte waren das Verschwinden der gedruckten Enzyklopädien, eine neu entstehende Dateninfrastruktur, die Zunahme des Stromverbrauchs und der damit verbundenen Emissionen, das Entstehen sozialer Netzwerke mit allen Vor- und Nachteilen und eine Dominanz der USA auf dem Tech-Markt, um nur einige zu nennen. Und jetzt haben wir Künstliche Intelligenz. Jetzt wird das Wissen des Internets und darüber hinaus, Qualität spielt nur eine untergeordnete Rolle, so aufbereitet und immer wieder rekombiniert, sodass es zumindest den Anschein hat, dass (schulische) Fragen einfach direkt beantwortet werden. Auch damit vergrößert sich wieder die Wissensbasis für (Haus-)Aufgaben, auch dadurch wird Lehren und Lernen wieder anspruchsvoller. Aber nur, wenn es richtig gemacht wird. Schlimmstenfalls erstellen Lehrkräfte Aufgaben und Arbeitsblätter mit KI, die dann von Schülerinnen und Schülern mit KI bearbeitet werden und es kommt zu Kompetenzverlusten auf beiden Seiten, so genanntem Deskilling. Gleichzeitig wird es noch wichtiger Fakten und Wissen zu verifizieren. KI erfindet Fakten und Zusammenhänge, die dann auch noch plausibel dargestellt werden. Hier braucht es ganz neue und anspruchsvolle Kompetenzen für Lehrende und Lernende, wir erreichen also ein weiteres neues und höheres Anspruchslevel an Schulen. Außerdem steckt auch hier weiter ein bedeutsamer „cultural bias“ drin, da die Trainingsdaten wieder westlich dominiert sind. Mit China ist ein neuer bedeutender „Player“ hinzugekommen und der Ressourcenverbrauch steigt immens. KI flutet soziale Netzwerke mit „AI-Slop“, dessen Auswirkungen erst langsam deutlich werden (die Nutzung sozialer Netzwerke durch Jugendliche scheint zurückzugehen). Ein nächster Entwicklungsschritt könnte dann agentische KI sein, die schulische Prozesse noch weiter automatisiert, was die Kombination von KI und Robotik mit Schulen machen wird ist schwer abzusehen. Vermutlich muss ich dann nicht einmal mehr meine KI-generierten Arbeitsblätter selbst aus dem Kopieren holen. KI zu ignorieren oder zu verbieten ist natürlich keine Lösung, sie hat ja unsere Gesellschaft schon durchdrungen vom Chatbot auf der Homepage des Landkreises bis zum Gesprächspartner bei Snapchat oder WhatsApp, fast alle Lernenden nutzen KI für Hausaufgaben und weit darüber hinaus. Eigentlich wollte ich mit dem Text hier enden, habe aber die KI um ein Feedback gebeten und den Vorschlag bekommen, den Text noch um folgenden Abschnitt zu ergänzen, der noch einmal die aktuellen Herausforderungen pointiert zusammenfasst:
„Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht darin, KI aus Schule herauszuhalten. Das wird ebenso wenig gelingen, wie es gelungen ist, das Internet aus Schule herauszuhalten. Die Technologie ist längst Teil der Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler geworden und wird in den kommenden Jahren noch stärker in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen präsent sein. Viel wichtiger ist eine andere Frage: Was bedeutet das für das Lernen? Über Jahrzehnte konnten wir stillschweigend davon ausgehen, dass die Bearbeitung einer Aufgabe selbst bereits einen Lernprozess auslöst. Wer einen Text schreibt, muss nachdenken. Wer eine Präsentation vorbereitet, muss Informationen recherchieren, auswählen und strukturieren. Wer ein Problem löst, setzt sich mit dem Problem auseinander. Mit KI gerät diese Annahme erstmals ins Wanken. Nicht, weil Lernen unmöglich würde. Sondern weil die Bearbeitung einer Aufgabe zunehmend delegierbar wird. Die Aufgabe kann erledigt werden, ohne dass der Lernprozess zwangsläufig beim Lernenden stattfindet. Damit steht nicht weniger als eine Grundlogik von Schule zur Diskussion. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI nutzen dürfen. Sie lautet auch nicht, welche App die beste ist oder welche Funktionen künftig noch hinzukommen werden. Die entscheidende Frage lautet: Welche Aufgaben stellen wir in Zukunft, wenn Maschinen viele der bisherigen Aufgaben bereits lösen können? Vielleicht ist das die eigentliche Revolution. Nicht die Technologie selbst. Sondern die Tatsache, dass sie uns zwingt, grundlegende pädagogische Fragen neu zu stellen: • Warum lernen wir überhaupt? • Woran erkennen wir, dass jemand etwas verstanden hat? • Welche Rolle spielt Wissen in einer Welt, in der Informationen jederzeit verfügbar sind? • Und wie gestalten wir Schule so, dass Lernen auch dann noch stattfindet, wenn Antworten auf Knopfdruck erzeugt werden können? Auf diese Fragen haben wir derzeit noch keine abschließenden Antworten. Aber vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Die KI-Debatte ist keine Technologie-Debatte. Sie ist eine Debatte über Lernen, Bildung und die Zukunft von Schule.“ (erstellt mit ChatGPT, Formatierung angepasst und natürlich vor Veröffentlichung geprüft und für brauchbar befunden)
Ihr
Erik Grundmann
Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:
Leseempfehlung Alexander Brand: Die Bildungsweltmeister. Eine Reise zu den besten Schulen der Welt und was wir von ihnen lernen können, Weinheim 2026. Mit dem Buch legt der Bildungsjournalist und Lehrer Alexander Brand eine ebenso informative wie gut lesbare Bildungsreportage vor. Für das Buch bereiste er sechs Monate lang Schulen in Finnland, Estland, Japan und Singapur, den Ländern, die in internationalen Vergleichsstudien regelmäßig Spitzenplätze belegen. Dabei verbindet er Unterrichtsbeobachtungen, Gespräche mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie bildungswissenschaftliche Einordnungen zu einem spannenden Bild erfolgreicher Schulsysteme. Besonders überzeugend ist Brands Fähigkeit, komplexe bildungspolitische Fragen anhand konkreter Szenen aus dem Schulalltag greifbar zu machen. Er arbeitet heraus, welche kulturellen, gesellschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen hinter dem Erfolg der jeweiligen Systeme stehen. Themen wie adaptive Lernförderung, professionelle Lerngemeinschaften, Lehrkräftebildung, Bildungsgerechtigkeit und die Schule als Lebensraum ziehen sich als roter Faden durch das Buch.
Präambel (KI-Transparenzhinweis) Dieser Beitrag ist mit Unterstützung einer KI entstanden. Er ist jedoch nicht automatisiert erzeugt worden, sondern Ergebnis eines längeren Arbeitsprozesses: Sammlung von Studien, Blogtexten und Artikeln, Diskussion und Klärung von Gedanken sowie wiederholte Überarbeitung im Dialog. Die KI diente dabei als Denk- und Strukturierungspartner, nicht als Ersatz eigener Positionen. Der Text spiegelt daher eine entwickelte Perspektive wider, nicht eine automatisch erzeugte Meinung. Natürlich ist der KI-Stil für Kennende erkennbar.
Schule nach dem Wissen
Warum KI nicht unser größtes Problem ist – sondern unsere größte Klärungschance
In den letzten Monaten habe ich viele Texte über KI und Bildung gelesen. Sie kamen aus ganz unterschiedlichen Richtungen: Forschung, Unterrichtspraxis, Medien, Philosophie. Manche warnen vor Kontrollverlust, andere feiern eine neue Lernfreiheit. Erstaunlich war weniger, wie unterschiedlich die Positionen sind, sondern wie ähnlich ihr Kern ist. Viele beschreiben dieselbe Verschiebung: keine technologische Revolution, sondern eine Bedeutungsverschiebung von Wissen.
Was sich gerade wirklich verändert
Schule war über Jahrhunderte logisch aufgebaut. Wissen war knapp. Also organisierte man Institutionen, die Wissen vermitteln. Lehrkräfte erklärten. Schüler lernten. Später konnte man das Gelernte anwenden. Diese Logik war stabil, weil sie funktionierte. Nun ist Wissen jederzeit verfügbar und mit KI sogar generierbar. Texte, Programme, Zusammenfassungen und Lösungen entstehen auf Knopfdruck. Damit bricht nicht Lernen zusammen, sondern die alte Funktion von Lernen.
Schule kann nicht mehr primär der Ort sein, an dem Menschen erfahren, was richtig ist.
Warum plötzlich so viele Aufgaben nicht mehr funktionieren
Die erste Reaktion vieler Schulen war ein Verdacht: Schüler nutzen KI, um sich Arbeit zu ersparen. Die zweite Reaktion war häufig: Verbieten oder Ignorieren. Doch vielleicht zeigt uns die Situation etwas anderes. Wenn ein Werkzeug eine Aufgabe vollständig übernehmen kann, war die Aufgabe möglicherweise nie ein guter Lernindikator. Hausaufgaben verlieren ihre Aussagekraft. Reproduktionstests verlieren ihre Aussagekraft. Selbst viele klassische Prüfungsformate verlieren ihre Aussagekraft, nicht weil Schüler weniger leisten, sondern weil Ergebnisse nicht mehr zeigen, wer etwas verstanden hat.
Bewertbar bleibt nur noch:
Entscheidungen
Begründungen
Qualitätseinschätzungen
gedankliche Wege
Plötzlich interessiert nicht mehr nur die Antwort, sondern das Denken.
Die verbreitete, aber zu kurze Antwort: Kompetenzen
Als Reaktion entstehen neue Schlagworte: Future Skills, 4K, Kompetenzen. Sie sind nicht falsch, aber sie bleiben im alten Muster. Sie beschreiben weiterhin, was Menschen können sollen.
Die eigentliche Frage ist inzwischen eine andere:
Wozu lernen Menschen, wenn Wissen jederzeit verfügbar ist?
Die Antwort verschiebt sich von Können zu Verantwortung. Nicht mehr Informationen besitzen, sondern mit Informationen umgehen. Nicht mehr Probleme lösen, sondern Lösungen beurteilen. Nicht mehr Antworten geben, sondern Entscheidungen vertreten.
Die Rolle der Lehrkraft verändert sich nicht – sie wird klarer
Oft wird gefragt, ob KI Lehrkräfte ersetzt. Tatsächlich passiert etwas anderes. Die klassische Rolle war Wissensquelle und Kontrolle. Diese Rolle wird technisch leichter ersetzbar. Die eigentliche Rolle wird dadurch sichtbarer:
Orientierung geben
Denken strukturieren
Qualität beurteilen helfen
Verantwortung einfordern
Lehrkräfte werden nicht überflüssig. Sie werden erkennbar notwendig; nicht mehr, weil sie mehr wissen als andere, sondern weil sie Bedeutung herstellen helfen.
Die eigentliche Bildungsfrage
Wenn Information jederzeit erzeugbar ist, entsteht eine neue Grundfrage: Warum lernen Menschen überhaupt? Nicht mehr, um vorbereitet zu sein. Nicht mehr, um später anwenden zu können. Sondern um urteilsfähig zu werden. Bildung wird damit weniger Vorbereitung auf Zukunft und mehr Orientierung in Gegenwart.
Was das organisatorisch bedeutet
Diese Verschiebung ist größer als Digitalisierung. Sie betrifft die Architektur von Schule. Eine Schule, die auf gleichzeitige Stoffvermittlung ausgerichtet ist, passt schlecht zu einer Welt, in der jeder jederzeit Zugang zu Informationen hat.
Lernen braucht mehr:
Zeit zum Verstehen
Austausch zum Einordnen
Rückmeldung zum Verbessern
Verantwortung für Ergebnisse
Nicht weniger Struktur, sondern eine andere Struktur. Nicht weniger Leistung, sondern sichtbarere Leistung.
Die eigentliche Chance
KI zwingt Schule nicht, moderner zu werden. Sie zwingt Schule, ehrlicher zu werden. Viele Routinen haben lange funktioniert, weil ihre Voraussetzungen stabil waren. Diese Voraussetzungen verschwinden gerade. Das kann man als Krise sehen. Man kann es aber auch als seltene Gelegenheit begreifen, Schule neu vom Zweck her zu denken. Vielleicht geht es künftig weniger darum, Antworten zu lernen, sondern darum, mit Antworten verantwortungsvoll umgehen zu können. Und dazu Bedarf es Wissen, Kompetenz und Urteilskraft.
Und vielleicht war das immer schon Bildung.
Epilog (ohne KI) Ist dieser Beitrag jetzt ein Beispiel für verantwortlichen Umgang mit Wissen? Ich habe das Wissen anderer kompiliert und um eigene Gedanken ergänzt, das passiert in der Wissenschaft auch. Ich habe dadurch etwas Neues geschaffen, mir ein Urteil gebildet und auf etwas aufmerksam gemacht, was mir wichtig ist, nämlich Bildung und Schule in Zeiten von KI. Wie kann oder muss ich als Schulleiter Schule entwickeln, um unsere Kinder sinnvoll auf die Zukunft vorzubereiten und so eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu erhalten.
dieser Newsletter erreicht Sie aus dem Schnee, als ich diese Zeilen schreibe, schneit es schon den ganzen Tag und ich sitze im Wintersport-Home-Office in Uttenheim in Südtirol. Ich habe lange gezögert, ob ich mir es überhaupt erlauben kann an der Wintersportwoche unseres 8. Jahrgangs teilzunehmen, habe mich dann aber „überreden“ lassen und bereue es kein Stück. Natürlich bleibt eine Menge Arbeit liegen, natürlich kann ich eine Menge Termine nicht wahrnehmen, natürlich fällt im LK Unterricht aus (gibt aber einen Arbeitsauftrag) und natürlich werde ich in den nächsten Wochen Liegengebliebenes aufarbeiten müssen. Aber das ist es wert. Außerhalb des unterrichtlichen Kontexts entsteht eine andere Welt. Für einige Schülerinnen und Schüler ist es die erste Erfahrung mit Urlaub in den Bergen, Schnee und Wintersport; für wenige ist es die erste Erfahrung mit Urlaub überhaupt und das zu beobachten erdet und erfreut zugleich. Es entsteht eine besondere Atmosphäre, man erlebt die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Kolleginnen und Kollegen in einem anderen Kontext. Es findet keine Bewertung statt, kein Zwang zum Unterricht in der Enge des Klassenraums im Takt der Schulstunde. Es gibt Freiheit, natürlich in einem pädagogisch angemessenen Rahmen. Diese Freiheit wirkt. Sie schafft Vertrauen, ermöglicht Gespräche, die im Schulalltag oft keinen Raum finden, und sie lässt Beziehungen wachsen, die später auch im Unterricht tragen. Man teilt Erfolge und Misserfolge auf der Piste, lacht gemeinsam, tröstet, ermutigt, hilft sich gegenseitig. Schule wird hier ganz konkret als Lebensraum erfahrbar. Gleichzeitig zeigt sich, wie wertvoll solche Fahrten für die Persönlichkeitsentwicklung unserer Schülerinnen und Schüler sind. Verantwortung füreinander, Durchhaltevermögen, das Überwinden eigener Grenzen, Rücksichtnahme und Gemeinschaft werden nicht theoretisch besprochen, sondern praktisch gelebt. Das sind Erfahrungen, die bleiben; oft länger als mancher Unterrichtsinhalt. Auch für uns Lehrkräfte ist diese Woche ein Perspektivwechsel. Sie erinnert daran, warum wir diesen Beruf ergriffen haben, und daran, dass Bildung mehr ist als Stoffvermittlung, Noten und Abschlüsse. Sie ist Beziehung, Haltung und gemeinsames Erleben. Zu dieser besonderen Woche gehören natürlich auch Konflikte. Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, wo Müdigkeit, Kälte, ungewohnte Anforderungen und Emotionen aufeinandertreffen, bleibt Reibung nicht aus. Bei wenigen zeigt sich auch ein mangelndes Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz oder die Schwierigkeit, eigene Grenzen auszuhalten. Auch das ist Realität und kein Scheitern, sondern Teil eines Lernprozesses. Gerade in diesen Momenten zeigt sich der pädagogische Wert solcher Fahrten. Konflikte werden nicht ausgeblendet, sondern begleitet, ausgehalten und so gut es geht gemeinsam gelöst. Schülerinnen und Schüler erfahren, dass Herausforderungen dazugehören, dass man nicht alles sofort können oder mögen muss und dass Unterstützung da ist, wenn es schwierig wird. Auch diese Erfahrungen sind prägend und wirken oft nachhaltiger als jede gut gemeinte Ermahnung im Klassenzimmer. Mein Dank gilt daher allen Kolleginnen und Kollegen, die diese Fahrten mit großem Engagement ermöglichen, Verantwortung übernehmen und sich auf diese besondere Form von Schule einlassen. Ebenso danke ich den Eltern für ihr Vertrauen. Ich werde mit müden Knochen, aber klarem Kopf, vielen Eindrücken und neuer Energie zurückkehren und ja, der Schreibtisch wird voll sein. Aber auch das gehört dazu und ist es wert.
Ihr
Erik Grundmann
Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:
Leseempfehlung Dieses Buch hat mir Sjef Drummen von der Agora-Schule in Roermond empfohlen und ich empfehle es gerne weiter: Rutger Bregmann: Im Grunde gut; Eine neue Geschichte der Menschheit, Hamburg 2025. Bregmann legt überzeugend dar, warum der Mensch eher nicht dem Hobbesschen Weltbild entspricht und nicht des Menschen Wolf ist, sondern eher hilfsbereit und kooperativ, eben im Grunde gut ist.
Veranstaltungsempfehlung Am 25. Und 26. September findet wieder Vision@Schule an der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar statt. Wie im vergangenen Jahr gibt es interessante Vorträge, Workshops und mehr rund um die zukunftsfähige Schule. Und kurz vorher, am 23. September, natürlich Bob Blume im Bürgerhaus Dreieich.
Spaß im Netz Heute gibt es mal einen Persönlichkeitstest anhand der Handschrift, natürlich reliabel, objektiv und valide wie eine Schulnote: https://r74n.com/mini/handwriting.
Dr. Anika Limburg, Direktorin des Bildungscampus Saarland, und Joscha Falck, Mittelschullehrer an der Mittelschule Rednitzhembach und Schulentwicklungsmoderator, haben unter dem Hashtag #kAIneEntwertung eine Blogparade ins Leben gerufen. Inhalt ist ein gemeinsames Nachdenken über menschliche Leistung und KI. Mehr zum Hintergrund und Links zu den Teilnehmenden an der Blogparade gibt es hier.
Ich habe mich bewusst entschieden, diesen Beitrag ko-kreativ mit KI zu erstellen. Natürlich entwertet dies meinen „Werkstolz“ (vgl. Beitrag von Reinmann & Vohle), aber eben auch nicht so ganz. Die Grundidee (Marx und die Frankfurter Schule) kam ja von mir und treibt mich auch schon länger um. Außerdem wäre die Ko-Kreation ohne mein individuelles Vorwissen nicht möglich gewesen. KI-Text ist, abgesehen vom Teaser, kursiv gedruckt. Um mein Fazit vorwegzunehmen: Der Einzug von KI in die Arbeitswelt gehört zu den großen Disruptionen in der Weltgeschichte, ist aber nicht deren Endpunkt und schon gar nicht deren Untergang. KI ist ein Beschleuniger für bereits länger angelegte Prozesse, sie befördert exponentielle Veränderungsprozesse (Meinen Blick auf KI und die damit verbundenen Herausforderungen für Schule habe ich bereits hier in Grundzügen dargestellt). Mein Beitrag hat einen philosophisch-soziologischen Schwerpunkt. Ich hoffe damit den Diskurs aus dieser Perspektive bereichern zu können.
ChatGPT fasst die Inhalte der bisherigen Beiträge (Stand 27.09.2025) folgendermaßen zusammen: „Die Beiträge der Blogparade liefern ein differenziertes Bild: Bei aller berechtigten Besorgnis über Entwertung – insbesondere symbolischer, identitärer und affektiver Dimensionen – findet sich auch ein starker Wunsch, aus der Veränderung eine Chance zu machen. Statt in eine Haltung der Gegenwehr zu verfallen, schlagen viele Autor:innen vor, Begriffe, Formate und Kulturen so umzudenken, dass KI-unterstützte Produktion nicht automatisch als Abkürzung disqualifiziert wird, sondern als legitimer Anteil einer Leistung, sofern klar reflektiert, bewertet und verantwortet. Das zentrale Spannungsfeld lautet: Wie viel Technik darf, wie viel Mensch muss? Und wie erhalten wir Würde, Sinn und Motivation in der Leistung, wenn vieles automatisiert erscheint?“
Genau diese Fragestellung brachte mich (wieder einmal) auf die Spur von Marx und der Frankfurter Schule. Marx Werk ist eine Antwort auf die entstehende Moderne in Wirtschaft und Gesellschaft, ihm geht es um Produktionsverhältnisse und Klassenfragen. Die Frankfurter Schule überträgt diese Gedanken in die jüngere Moderne und fokussiert auf Kultur und Gesellschaft.
KI und Marx
Der Gedanke der „Entfremdung“ bei Marx wird durch KI wieder brandaktuell. Marx beklagte, dass sich der Arbeiter von seinem Werk entfremdet, weil dieses einer arbeitsteiligen Logik unterworfen wird und so das Werkstück als Teilprodukt eine Identifizierung mit dem Gesamtprodukt verhindert. Außerdem gehört das Produkt am Ende dem Besitzenden der Produktionsmittel. Die Frage des Besitzes von KI-Produkten ist noch im Klärungsprozess, aber es lässt sich festhalten, dass es, wie in vielen Beiträgen der Blogparade beschrieben, am Ende eine abstrakte Distanz vom Schöpfungsprozess eines KI-Textes oder KI-Bildes gibt. Somit ist auch fraglich, ob Marx einem KI-Produkt die Schaffung eines Mehrwertes zugestehen würde, da der Schöpfungsprozess nicht mit einem wirklichen Erarbeitungsprozess in Form von klassischer Werkarbeit verbunden ist. Gleichzeitig lässt sich aber durchaus argumentieren, dass der Entstehung eines KI-Produktes doch tatsächliche Arbeitsprozesse vorausgehen, schließlich wurde das LLM entwickelt, programmiert und trainiert, und nicht zu vergessen, von zahlreichen Click-Workern justiert. Es steckt also doch Arbeit in einem KI-Produkt, sogar Ausbeutung im klassischen Sinn. Und damit sind wir mitten in der ethischen Diskussion um KI. Auch diese Technologie unterliegt Ausbeutungsprozessen von Mensch und Natur und entwertet menschliche Leistung. Gleichzeitig setzt sich, marxistisch gedacht, eine Form des Klassenkampfes fort. Es gibt privilegierte Klassen mit Zugang zu KI-Werkzeugen und deren Produktionspotenzial und es gibt Menschen, die sich den Zugang zu den spezialisierten und effektiven Tools nicht leisten können oder sogar für deren Training ausgebeutet werden. Außerdem liegt der tatsächliche Besitz der KI-Produktionsmittel in den Händen weniger Tech-Firmen und verschafft diesen nicht zu unterschätzende Macht. Letztlich kann es passieren, dass KI viele Arbeitsplätze überflüssig macht, wie einst die Maschinen in der Industrialisierung, und so eine neue Verelendung der Massen erfolgt. Das muss in Schule thematisiert werden!
KI und die Frankfurter Schule
Adorno und Horkheimer als zentrale Vertreter der Frankfurter Schule prägen den Begriff der Kulturindustrie als ein Resultat der „Dialektik der Aufklärung“. Kultur wird zu einem reproduzierbaren Massengut, sie wird industrialisiert und zur Ware. So verliert Kultur Individualität und ihr gesellschaftlich relevantes kritisches Potenzial. KI wirkt hier als Beschleuniger und vielleicht sogar als Vollender der Kulturindustrie. Sie führt zur exponentiellen Reproduktion von Kultur und Kunst als Industrieprodukt. In „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ analysiert Benjamin, wie technische Vervielfältigung die Aura von Kunstwerken zerstört. KI geht noch weiter: Sie produziert neue Werke, die nie ein Original, bzw. Milliarden Originale hatten, aber so auch keine Aura. Nun könnte man argumentieren, dass Warhols Suppendosen einen ähnlichen Hintergrund hatten oder Beuys Diktum, dass jeder ein Künstler sei, hier seine demokratische Vollendung finde, aber am Ende scheint mir „KI-Kunst“, zumindest wie sie von den „Massen“ in Massen produziert wird, doch keine Kunst zu sein, sondern Trash (vgl. den Hype um Bildgenerierungen im Stil des „Studio Ghibli“ oder den „Shrimp-Jesus“). Schließlich wirkt KI auch als Beschleuniger bei der Eindimensionalität des Menschen im Sinne von Marcuse. Die vermeintliche Freiheit, die KI zu bringen scheint, führt in Wahrheit doch zu einer Uniformität, Anpassung und Kontrolle. BigTech bestimmt, was wir mit KI erzeugen können und setzt unserer Kreativität klare Grenzen. Sie erzeugt „Durchschnittstexte“ und „Durchschnittsbilder“, die die Norm verstärken. Diese stromlinienförmigen Produkte, werden ungeprüft übernommen und zerstören so eigene Kritik- und Urteilsfähigkeit, der Mensch wird eindimensional. Zuletzt muss ich noch Habermas Diskurstheorie anführen. Die vorigen Ausführungen zeigen, dass KI dem herrschaftsfreien Diskurs im Weg steht, sie schränkt kritisches Denken ein und fördert Eindimensionalität, außerdem wird sie von wirkungsmächtigen Konzernen dominiert und verursacht so Hierarchie, die der idealen Sprechsituation entgegensteht.
Fazit: KI als Bedrohung und Chance
Am Ende dieser, doch eher pessimistischen, Gedanken muss aber festgehalten werden, dass die Zeichen des Niedergangs und der Dekadenz, die Marx und die Frankfurter Schule diagnostiziert haben, doch auch nur eine Seite der Medaille waren. Die Industrialisierung und auch die Kulturindustrie haben neben Konformität auch zu steigendem Wohlstand geführt, sie haben Arbeit, Kultur und Gesellschaft verändern und tun dies immer noch, ebenso wie KI.
Für den Bildungssektor bedeutet das, dass der Erhalt von Kritikfähigkeit, das Lernen über und trotz KI, der hierarchiefreie Diskursraum und der Wert des Lernens und Menschseins an sich mehr ins Zentrum von Schule und Bildung rücken müssen. KI muss kein Verstärker der Eindimensionalität sein, sie kann auch einen deliberativen Effekt haben, indem sie neue Diskursräume schafft. Dafür muss sie aber zwingend demokratisiert werden, das heißt sie muss zu einem Gemeingut, zu einer Almende werden, auf die jede und jeder gleichermaßen Zugriff hat. Wir stehen an einem Scheideweg. KI kann in Verbindung mit Robotik große Teile der Arbeitswelt obsolet machen. Das kann zu großer Verelendung der Massen führen, kann uns aber auch vom Joch des kapitalistischen Erwerbszwangs befreien und und als Menschheit auf eine neue Stufe des Humanismus und der Mündigkeit heben. Wir haben es in der Hand.
ChatGPT schlägt alternativ folgendes Fazit vor: „Die Blogparade #kAIneEntwertung zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Perspektiven auf KI sind: von der Sorge um den Verlust von Werkstolz bis hin zu Ideen für neue Prüfungsformate und Kompetenzen. Mein Beitrag möchte diesen Diskurs um eine kritisch-theoretische Dimension erweitern. Marx und die Frankfurter Schule machen sichtbar, dass es bei KI nicht nur um praktische Fragen von Unterricht, Noten oder Stil geht, sondern auch um tiefere gesellschaftliche Dynamiken: um Entfremdung, um Macht über Produktionsmittel, um die Industrialisierung von Kultur und um die Bedingungen für eine freie Öffentlichkeit. Gerade darin liegt eine wichtige Ergänzung: Die Gefahr der Entwertung ist nicht allein pädagogisch oder individuell, sondern auch strukturell und kulturell. Gleichzeitig teilen Marx und die Frankfurter Schule mit vielen Beiträgen der Blogparade den doppelten Blick: Kritik an Entfremdung, Vereinheitlichung und Ausbeutung – aber auch das Bewusstsein, dass neue Technologien immer auch Chancen zur Veränderung und Befreiung enthalten. Für die Schule bedeutet das: Sie muss nicht nur Räume für Reflexion über KI schaffen, sondern auch Kritikfähigkeit, Diskursfähigkeit und die Frage nach Gerechtigkeit ins Zentrum rücken. So kann die Debatte über Entwertung zu einer Debatte über Ermächtigung werden – und genau darin sehe ich den gemeinsamen roten Faden der Blogparade.“
Besser hätte ich es kaum formulieren können. 😉
PS: Das KI-Fazit spiegelt die hybride Form von Textarbeit im Zeitalter von KI. Es ist gut formuliert und bringt meinen Text noch einmal prägnant auf den Punkt und schafft eine Anknüpfung an die Blogparade. Es ist entstanden als Resultat auf das KI-Feedback zu dem von mir handgeschriebenen Text, der Prompt lautete: „Bitte ein neues Fazit mit Bezug zur Blogparade formulieren“. Und das war ein wertvolles KI-Feedback, ich hatte nämlich im Schreibprozess tatsächlich die eigentliche Blogparade etwas aus dem Auge verloren. Das Fazit ist aber letztendlich doch nur bedingt ein reines KI-Produkt. Es fußt ja auf meiner intellektuellen Vorarbeit, bei der mich KI als Sparringspartner unterstützt hat.
Eigentlich lohnt sich in diesem Zusammenhang auch noch ein Schwenk zu dem italienischen Schriftsteller, Journalisten, Politiker und marxistischem Philosoph Antonio Gramsci:
“Die alte Welt liegt im Sterben und die neue Welt kämpft darum, zum Leben zu erwachen: momentan ist die Zeit der Monster.”
Vorbemerkung: Seit ich von den Agora-Schulen in den Niederlanden gehört habe, wollte ich unbedingt eine dieser Schule besuchen, wusste aber auch, dass das mit Wartezeiten verbunden ist. Bis ich mitten in den Sommerferien über LinkedIn mit Sjef Drummen, einem der Gründer, in Kontakt kam, der mir den Tipp gab, dass im September eine Delegation der Akademie des Bistums Mainz, geleitet und moderiert von Titus Möllenbeck und mit Hans Werner Jorda, pensionierter Schulleiter aus Frankfurt als Referent, nach Roermond fahren würde und es wohl noch Plätze gebe. Da habe ich sofort Kontakt aufgenommen und zugesagt und drei schöne Tage in den Niederlanden verbracht. Spoiler: Ich empfehle unbedingt eine Agora-Schule zu besuchen (und Roermond selbst ist auch ein schönes Städtchen)!
Am Freitag, dem 05. September 2025, stand ich endlich vor der Agora-Wings-Schule in Roermond und freute mich darauf, eine innovative Schule kennen zulernen, die auch schon als die beste Schule der Welt bezeichnet wurde (hier bei „Kosmo“), eine Schule, die schon von Delegationen aus aller Welt besucht wurde und deren Architektur und Konzept mehrfach ausgezeichnet wurden.
Die Agora-Wings Schule in Roermond ist eine öffentliche Schule mit ca. 300 Schülerinnen und Schülern, die sich das Gebäude mit einer berufsbildenden Schule teil. In den Niederlanden werden die Schulgebäude von den Gemeinden gestellt und es wird eine jährliche Pauschale pro Schülerin oder Schüler gezahlt, von der alle Ausgaben für den Schulbetrieb bezahlt werden müssen, mit Ausnahme der Lehrkräfte, die vom Land bezahlt werden. Die Schulen haben eine große curriculare und pädagogische Freiheit, am Ende der Schullaufbahn werden zentralisierte Abschlussprüfungen auf verschiedenen Niveaus angeboten. Es gibt staatliche Inspektionen zur Sicherung der Qualität.
Geschichte Die historischen Wurzeln der Agora-Schulen liegen in den 2000er-Jahren. 2003 haben Sjef Drummen, Kunstlehrer und späterer Gründungsschulleiter, und drei Schulleiter-Kollegen (Jan Fasen, Bert Sterken, Bert Martens) mit den Planungen begonnen und gemeinsam ein Manifest verfasst.
Diese drei Lehrkräfte haben das Konzept der Schule erarbeitet, später kam ein Architekt dazu, der einen Entwurf für ein Gebäude entwickelt hat. Ziel war: „Kein Unterricht mehr!“, so Sjef Drummen. 2007 war das Gebäude fertig und wurde mit Preisen bedacht. Es kamen Besucher aus aller Welt um sich Gebäude und Konzept anzuschauen.
Von Beginn an sollte ein innovatives Konzept die Schule prägen, es gibt eine 1:1 Ausstattung mit Laptops, einem zugehörigen Full Service und einem Gerätetausch alle drei Jahre. Zunächst gab es am Vormittag noch „traditionellen“ Unterricht nach Stundenplan und Nachmittags Projekte, die beflügeln sollten („Wings“). Nach sechs Jahren stellte sich dann die Frage, ob die Schule sich, wie von den Schülerinnen und Schülern gewünscht, radikal weiterentwickeln sollte und mit dem traditionellen Unterricht brechen sollte. Die Entscheidung fiel Richtung Innovation und der Unterricht wurde mit einem 2013-14 entwickelten Konzept endgültig abgeschafft. Es gab keine Tests mehr, keine Noten, kein Sitzenbleiben, kein Lehrplan und keine Lehrkräfte, keine Hausaufgaben mehr, sondern Lerncoaches.
Die neue Agora-Wings Schule startete dann 2014 mit 14 Lernenden, aktuell gibt es 32 Agora-Schulen in fünf europäischen Ländern und Israel. Seit 2016 können höhere Abschlüsse erreicht werden, die Schülerinnen und Schüler erreichen dabei überdurchschnittliche Ergebnisse.
Wie wird gelernt? Die Kernidee ist, dass Kinder am besten ohne jeglichen Druck lernen. Drummen ist überzeugt, dass sich die Qualität des Lernens ohne Lehrer erhöhe. Traditionelles Lehren bremse Entwicklung, seine Forderung: „Wir brauchen Lehrer 2.0!“.
Diese Lehrkräfte sind dann Lerncoaches, die 18 Schülerinnen und Schüler begleiten und keine Forderungen stellen, außer an das soziale Zusammenleben; die Coaches betreiben Menschenbildung. Agora-Wings ist dezidiert keine Schule, sondern eine Lerngemeinschaft, die über das Gebäude hinausgeht. Teil der Lerngemeinschaft sind auch die Eltern und die Kommune. Gemeinschaftssinn ist wichtiger als Wissen. Der oder die Lernende bestimmt den Weg, der Lerncoach hat eine dienende Funktion und verführt bestenfalls zum Lernen.
„Wir sind keine Schule. Wir bringen euch nichts bei. Es ist euer Gehirn. Ihr werdet lernen. Wir unterstützen euch in jeder Hinsicht beim selbstständigen Lernen. Wir schaffen die Voraussetzungen dafür. Wir unterstützen dein Selbststudium. Und du musst das nicht für uns tun. Wir rennen dir nicht hinterher. Wenn du dich auf deinen Lorbeeren ausruhen und nichts tun willst, ist das auch in Ordnung. Aber wenn du die Welt erobern und gut werden willst, musst du sehr hart arbeiten.“, so beschreibt Drummen die Haltung gegenüber den Lernenden. Die einzigen Verpflichtungen für die Schülerinnen und Schüler bestehen aus zwei Stunden Sport in der Woche und einer halben Stunde Stille (schlafen, lesen, meditieren) in der Mittagspause. Das zwanglose Lernen findet in so genannten „Challenges“ oder „Masterclasses“ statt.
„Man darf keine Forderungen an Schüler stellen!“
„Der Schlüssel zur Bildung ist bedingungslose Liebe“
Sjef Drummen, ehemaliger Schulleiter und Mitgründer von Agora-Wings
In den ersten Jahren an der Schule machen die Schülerinnen und Schüler so genannte „Challenges“, das sind von ihnen selbst entwickelte Fragen, bei deren Beantwortung sie das Lernen lernen. Die Kinder lernen alters- und leistungsgemischt mit- und voneinander. Laut Sjef Drummen lernen die Kinder so 80% der später erforderlichen Prüfungsinhalte selbstständig. Wer dann einen Abschluss macht, lernt in den letzten beiden Jahren die fehlenden 20% bei Lehrkräften von anderen Schulen, die zu bestimmten Zeiten zur Verfügung stehen. Drummen nennt das Prinzip „relationales autonomes Lernen“. Die Lernenden lernen ohne Zwang von Vorbildern und autonom. Neugierde sei der Motor des Lernens und Vorstellungskraft der Treibstoff. Aufgabe der Lerncoaches ist es für das Wohlbefinden der Lernenden zu sorgen, nicht das Kind stehe im Mittelpunkt, sondern dessen Entwicklung. Die Lernenden sind frei und haben doch einen Rahmen, es gibt keine Konkurrenz und keine Vergleiche. Sie bilden „Lerngemeinschaften zur Potentialentfaltung“ im Sinne Gerald Hüthers. „Wir können nichts ins Gehirn der Kinder reintun, wir können sie nur zum Lernen verführen“, so Drummen. Jedes Gehirn sei einzigartig und brauche eigene Rezepte. Motivation entstehe aus Freiwilligkeit, Arbeitsaufträge zerstören Motivation – eben Lernen ohne Zwang. Die Motivationstheorie von Decy und Ryan wird hier umgesetzt, indem Autonomie, Verbundenheit und Kompetenz im Vordergrund stehen. An der Agora-Schule geht man davon aus, dass Kinder lernen und gut sein wollen. Ein Fokus auf Wissen würde den Lernprozess verhindern, Wissen ist ein Nebenprodukt von Entwicklung und kommt automatisch.
Die „Challenges“ folgen einem bestimmten Format. Die Themen entstehen durch Fragen, die in einem digitalen Portfolio festgehalten werden: „Warum möchte ich diese Herausforderung? Wie gehe ich sie an? Werde ich sie alleine oder mit anderen Schülern bearbeiten? Wie viel Zeit werde ich voraussichtlich brauchen? Wem könnte mir helfen? Kann ich die Antwort online finden? Muss ich irgendwo außerhalb der Schule die Antwort suchen? War mein Zeitplan ausreichend? Welches Feedback habe ich vom Coach erhalten? Was habe ich gelernt? Was werde ich beim nächsten Mal anders machen?“ Der Lernprozess wird von den Lerncoaches begleitet und mit den Lernenden reflektiert, wobei die Frage nach dem Gelernten und den Konsequenzen für die nächste „Challenge“ im Vordergrund stehen. Bei der Beantwortung der Fragen entstehen mehr neue Fragen und das ist für Sjef Drummen die Essenz des Lernprozesses.
Der immer gleiche Ablauf der Lernprozesse soll den Lernenden Halt und Orientierung, Klarheit und Sicherheit geben. Eine Bewertung des Geleisteten findet durch formatives und wertschätzendes Feedback durch Coaches und Mitlernende statt. Da die Lernprozesse autonom initiiert sind, entsteht eine hohe Motivation, sodass sich die Lernenden ohne Zwang lange und auch noch zuhause mit ihren Fragen beschäftigen und so vertieft und nachhaltig lernen. Zur Unterstützung der Lernprozesse dürfen Handys und Laptops genutzt werden, da diese das Wissen der Welt beinhalten. Die Schule ist über WhatsApp mit den Lernenden in Verbindung. Die Schülerinnen und Schüler sind oft außerhalb der Schule unterwegs, um dort Teile ihrer „Challenges“ zu erledigen, dabei werden sie über die Standortfreigabe in WhatsApp begleitet.
Die Lerncoaches Die Lerncoaches begleiten die Lernenden bei ihren „Challenges“ und führen wöchentliche Lernentwicklungsgespräche (30 Minuten) durch. Sie begleiten die „Challenges“ und „Masterclasses“ von in der Regel 18 Lernenden. Sie kommen morgens um 08:00 Uhr in die Schule und bleiben bis 16:30 Uhr, die Schülerinnen und Schüler sind von 09:00 bis 14:30 Uhr anwesend. Die Zeiten ohne Lernende nutzen die Lerncoaches für Besprechungen und Planung, nach 16:30 Uhr ist die Arbeit erledigt, es gibt ja keine Korrekturen, Vorbereitungen usw. Es war allerdings wenig überraschend, dass während unseres Besuchs auch um 17:00 Uhr noch Lernende und Lehrende vor Ort waren.
Laut Drummen besteht „die Aufgabe der Bildung darin, junge Menschen heranzubilden, die ein hohes Verantwortungsbewusstsein für ihren Beitrag zur Gesellschaft empfinden. Weltorientiertes Lernen. Damit meine ich eigenverantwortliche, selbstdisziplinierte, einfühlsame, glückliche und demokratische Bürger. Dies kann nur erreicht werden, indem Schülerinnen und Schülern durch einen relationalen, autonomen Lernansatz die Erfahrung vermittelt wird, dass sie für ihre eigene Entwicklung verantwortlich sind.“ Überschreiten Schülerinnen oder Schüler Grenzen, führt dies nicht zu einer Strafe, sondern einem Gespräch. Mobbing gibt es in einer Agora-Schule eigentlich nicht, da gute Beziehungen zwischen allen in der Schule und zur Welt ein zentrales Lernziel sind.
Wenn neue Lerncoaches eingestellt werden sollen, müssen diese mit den Schülerinnen und Schülern sprechen, die dann über die Eignung entscheiden.
Eltern Eltern spielen im Universum der Agora-Schulen eine entscheidende Rolle. Mit Eintritt des Kindes in die Schule verpflichten sich Eltern ihre Kompetenzen einzubringen. In „Masterclasses“ wird Wissen vertieft und diese werden von den Eltern angeboten. Will eine Gruppe von Kindern zum Beispiel Lakritzeis machen, finden sich Eltern, die dabei unterstützen können, es kann aber auch sein, dass sich eine Gruppe mit Quantenphysik oder Astronomie beschäftigt. Die „Mastererclasses“ finden meistens außerhalb des Schulgebäudes in Unternehmen, Kanzleien, Werkstätten usw. statt und gehen über mehrere Wochen. Im Rahmen von „Masterclasses“ sind Lernende schon nach Kenia gereist, um Elefanten zu studieren oder haben sich eine Weile in Nepal aufgehalten, um herauszufinden, ob sie Kulturanthropologie studieren wollen.
Fazit Sicher, die Anzahl der Lernenden in einer Agora-Schule ist überschaubar und diese Art von Schule lockt sicher auch nur begrenzt die so genannten „bildungsfernen Schichten“ an. Auch bei aller Nutzung von rechtlichen Grauzonen, sind gewisse Aspekte des Konzepts nicht auf Deutschland übertragbar. Dennoch zeigt die Agora-Wings-Schule, was möglich ist, wenn Kinder ohne Druck und intrinsisch motiviert lernen. Das Lernen ist nachhaltiger, demokratischer und menschlicher. Und am Ende sogar effektiver und günstiger. Entscheidend ist, wie immer eigentlich, die Haltung aller an Schule Beteiligten. Da müssen wir ansetzen, eigentlich ist es ganz leicht, wir müssen den Lernenden auf Augenhöhe begegnen und ihre Bedürfnisse ernst nehmen, sie wahrnehmen und begleiten ohne zu überwältigen. Klingt ganz leicht und ist so schwer. Jede Lehrkraft sollte einmal eine Agora-Schule besuchen!
Epilog Am Ende unserer Führung durch die Schule sind wir auf den 16jährigen Lucas getroffen, der an einem Freitag um 17:00 Uhr noch mit einem Freund an einem Roboter gebastelt hat. Er will Mechatronik studieren. Angefangen hat er mit Arduinos und Lego Robotik in „Challenges und „Masterclasses“, jetzt trainiert er für die Teilnahme an internationalen Robotik-Wettbewerben. Lucas spricht ein perfektes Englisch – und hatte noch nie eine Stunde Unterricht.
lassen Sie mich zunächst von zwei Erfolgen berichten, die noch nicht in die ganze Schulgemeinschaft kommuniziert wurden. Erstens haben Frau Mann und ihr DSP-Kurs der E-Phase vor den Ferien bei den Hessischen Schultheatertagen einen Preis für ihr Stück „Eindeutig zu eigenständig“ gewonnen. In dem Theaterstück geht es um eine Traumwelt, die von der Jury so kommentiert wurde: „Wir sind immer noch begeistert von eurer Performance – was für eine starke, atmosphärische Präsentation! Eure Produktion hat uns mit tollen Bildern, eindrucksvollen ästhetischen Choreografien und einer traumhaft harmonischen Gruppendynamik überzeugt. Man spürt: Ihr habt euch als Ensemble gefunden und gebt gemeinsam alles für eure Inszenierung.“ Ich habe die Aufführung gesehen und war selbst auch sehr begeistert. Das zeigt wieder einmal, wie wichtig kreative und künstlerische Darbietungen in Schule sind. Vielen Dank dafür uns herzlichen Glückwunsch zur verdienten Auszeichnung. Mehr dazu hier: https://www.lshev.de/index.php/component/content/article/eindeutig-zu-eigenstaendig-der-weibelfeldschule?catid=9&Itemid=109.
Und zweitens wurde die Zukunftsschmiede Trendhub mit einer Förderung von bis zu 44.000 € von der Flughafenstiftung der Fraport bedacht. Das Team aus Schülerinnen und Schülern hat mit der Unterstützung von Frau Riedl mit dem Konzept überzeugt und kann so die erfolgreiche Arbeit intensivieren. Auch hierzu und zu dem souveränen Auftritt der Schülerinnen und Schüler bei der Übergabe im Besucherzentrum des Flughafens mit Ministerpräsident Rhein meine herzlichen Glückwünsche. Mehr Informationen zur Zukunftsschmiede gibt es hier: https://www.schulmun.de/2024/12/13/wfs-05-reallabor-weibelfeldschule-zukunftsschmiede-trendhub-think-do-tank/.
Als Nächstes wollen wir uns dann vermutlich dem Schulhof widmen. Weitere Informationen dazu folgen. Mit Erscheinen des Newsletters haben wir drei Wochen mit den neuen Nutzungsregeln für mobile Endgeräte hinter uns. In den ersten beiden Wochen nach den Sommerferien wurden die Geräte bei unerlaubter Nutzung noch nicht eingezogen, sondern es wurde auf die neue Regelung hingewiesen. Mein Eindruck war, dass die Zahl der Ermahnungen sich in Grenzen hielt und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass die Stimmung auf dem Schulgelände entspannter war. Die erste Woche in der bei unerlaubter Nutzung der Entzug des Gerätes bis zum Ende des Schultags erfolgte, zeigte dann, dass wir täglich Smartphones im unteren zweistelligen Bereich einziehen mussten. Die Regelung mit der Nutzungsfreigabe in der Cafeteria in der Mittagspause hat sich auch bewährt, es kam zu keinen Massenaufläufen, sondern es scheint sich eine verantwortungsvolle Nutzung durchzusetzen.
Ich danke den Kolleginnen und Kollegen und auch dem Schulleitungsteam für die Umsetzung der neuen Regeln mit pädagogischem Augenmaß und den Schülerinnen und Schülern, die ebenso mitgezogen haben. Ich gehe davon aus, dass sich die neuen Regeln in der nächsten Zeit etablieren und wir nur noch mit wenigen Verstößen rechnen müssen.
Mir ist durchaus bewusst, dass unsere weitgehende Verbotsregelung keine Ideallösung ist, ich glaube aber dennoch, dass die Regelung zum Schulfrieden beiträgt und uns den Raum schafft für die Zukunft über bessere Lösungen nachzudenken.
Ihr
Erik Grundmann
Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:
Leseempfehlung Wer einen positiveren Blick auf die Welt bekommen sollte, muss Hans Rosling: Factfulness; Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist, Berlin 2024, lesen. Roslings Grundthese ist, dass die Welt viel besser ist als wir glauben, weil unsere Vorstellungen eher der Faktenlage aus den 1960er Jahren entsprechen.
„Ihr habt eine tolle Schule!“ Diesen Satz hat letzte Woche ein Gast gesagt, der einen Einblick in unsere Arbeit bekommen hat. Solche Sätze tun gut und sind wichtig, bestätigen sie doch die Arbeit, die wir in unsere Schule stecken.
Man merkt das selbst oft nicht mehr, weil man im täglichen Betrieb, gerade in diesen herausfordernden Wochen, förmlich „betriebsblind“ wird. Dann kommen einem die Belastungen und Störfaktoren umso schlimmer vor, weil die Tage so durchgetaktet sind, dass all die positiven Momente und Entwicklungen verblassen.
Wenn ich dann aber einmal innehalte, weil ich einen solchen Satz vernommen habe oder weil ich mal durchatmen will und durch die Schule laufe, sei es in einer Pause über den Pausenhof oder am Nachmittag auf einen Plausch ins Lehrerzimmer gehe, dann kann ich ganz viel positive Stimmung entdecken. Schülerinnen und Schüler, die freundlich grüßen und für einen Spaß zu haben sind, Kolleginnen und Kollegen denen man ein positives Feedback geben kann und all die Plakate, Stellwände, Aushänge, die von Entwicklungsprozessen künden, bestärken, dass wir auf einem guten Weg sind.
Natürlich ist nicht alles super, natürlich läuft nicht alles glatt, natürlich gibt es Konflikte, natürlich passieren Fehler, aber das ist normal bei einer Schulgemeinschaft von ca. 5.000 Menschen. Wir müssen unseren Blick schärfen für die positiven Dinge und für all die Chancen und Optionen, die noch vor uns liegen.
Natürlich ist es manchmal anstrengend, natürlich ist manchmal alles zu viel, natürlich ist nicht jede Entwicklung in jedermanns Sinn, aber im Großen und Ganzen sind wir auf einem guten Weg. Alle Anstrengungen, die wir jetzt unternehmen, zahlen in die Zukunft ein. Wir legen jetzt das Fundament für die Weibelfeldschule der Zukunft. Dafür haben wir der DNA-Gruppe ein Mandat gegeben und dort heißt es zum Schulentwicklungsprozess:
„Ziel hierbei ist es, …
dass alle wieder mehr Lust auf (die Weibelfeld)Schule haben.
mehr Zeit zu haben, pädagogisch freier zu handeln.
das System der Weibelfeldschule zu transformieren und allen beteiligten Akteuren sinnstiftendes und selbstwirksames Arbeiten zu ermöglichen.
Organisations- und Entscheidungsprozesse zu finden und mutig zu etablieren, von denen alle beteiligten Akteure profitieren.
die Mitgestaltung der Weibelfeldschule durch Lehrende, Lernende und Eltern weiter zu stärken.“
Und genau das tun wir gerade. Ich bin froh, diesen Weg mit euch und ihnen allen gehen zu dürfen, denn: Wir haben eine tolle Schule!
Ihr
Erik Grundmann
Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:
Smartphone und Social Media Der Medienpädagogische Forschungsverbund Süd-west hat die KIM-Studie 2024 veröffentlicht. Diese zeigt, dass das Internet und soziale Medien zunehmend bereits im Grundschulalter genutzt werden: https://mpfs.de/presse/kim-studie-2024-veroeffentlicht/ (PM und Downloadlink über den Shop).
Leseempfehlung Holzki, Larissa; Scheuer, Stephan: Inside KI. Wie künstliche Intelligenz und ihre Pioniere unser Leben und Arbeiten revolutionieren, Freiburg 2024. Holzki und Scheuer geben einen Überblick über die Geschichte der Künstlichen Intelligenz und die Mechanismen im Silicon Valley.
Sehempfehlung Auf dem Youtube-Kanal von Hashem Al-Ghaili kann man sehen, was mit Video-KI möglich ist. Sehenswert, und ein wenig erschrecken, sind besonders die Shorts mit Veo 3: https://www.youtube.com/@hashemalghailiofficialchannel.
Veranstaltungsempfehlung Am 01. Und 02. September findet die mobile.schule Tagung in Hannover statt, Tickets gibt es hier: https://mobileschule.net/tagung.
Save the Date: Am 22. September findet das 4. Kamener Schulgespräch statt.
es gibt immer einmal wieder Bücher, Podcasts oder Filme, die einen Einfluss auf persönliche Einstellungen und Entwicklungen haben. In seinem Buch „Das könnte Schule machen. Wie ein engagierter Pädagoge unser Bildungssystem revolutioniert“ beschreibt Stefan Ruppaner eine solche Situation mit dem Film „Treibhäuser der Zukunft“ von Reinhard Kahl bei dem er beim Zappen auf dem Sofa hängen geblieben ist. Ich hatte ein ähnliches „Erweckungserlebnis“ als ich auf dem, während Corona digitalen, Deutschen Schulleitungskongress einen Vortrag von Margret Rasfeld gesehen habe, der mir gezeigt hat, dass Schule auch anders funktionieren kann. Daraufhin habe ich mir ihr Buch „Schulen im Aufbruch“ gekauft und war fasziniert von der Idee Schule anders zu gestalten, individualisierter und wirksamer. Genauso inspirierend ist das Buch von Stefan Ruppaner, das ich in diesem Newsletter empfehle, ebenso empfehle ich den erwähnten Film zum wiederholten Mal und auch einen passenden Podcast. Ruppaners Moto ist ja „Unterricht ist allen Übels Anfang“. Damit spitzt er seine Grundhaltung zu, dass das Lernen im Gleichschritt obsolet ist und die Zukunft individualisierten und selbstorganisierten Lernprozessen gilt. Alle, die sich für Schulentwicklung und innovative Schule interessieren, sollten dieses Buch lesen! Der im letzten Sommer pensionierte Schulleiter der Alemannenschule Wutöschingen beschreibt hier, wie er und seine Kolleginnen und Kollegen die Alemannenschule von einer von der Schließung bedrohten Hauptschule zu einer der innovativsten Schulen Deutschlands gemacht haben. Das Buch zeigt, was in einer staatlichen Regelschule möglich ist, wenn visionäres Engagement, eine Hands-On-Mentalität und Durchhaltevermögen zusammenkommen und welche positiven Auswirkungen das auf die Schülerinnen und Schüler hat. Für mich immer wieder inspirierend und Hoffnung machend. Das Buch hat sich übrigens quasi von selbst gelesen, ich war in drei Tagen durch. Überhaupt finde ich, gibt es Grund zur Hoffnung. Ich habe auf der letzten Fachkonferenz Geschichte und auf dem „KI-Klassentreffen“ von fobizz letzten Freitag in Berlin festgestellt, dass immer mehr Kolleginnen und Kollegen anfangen die richtigen Fragen zu stellen und zu dem Schluss kommen, dass wir Dinge anders machen müssen. Das wird nicht leicht und das ist auch kein Selbstläufer. Den Ruppaner lesen, könnte aber ein Einstieg sein.
Ihr
Erik Grundmann
Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:
Leseempfehlung Alle, die sich für Schulentwicklung und innovative Schule interessieren, sollten das kürzlich erschienene Buch „Das könnte Schule machen. Wie ein engagierter Pädagoge unser Bildungssystem revolutioniert“ von Stefan Ruppaner und Anke Willers lesen (Hamburg 2025)! Der frisch pensionierte Schulleiter der Alemannenschule Wutöschingen beschreibt hier, wie er und seine Kolleginnen und Kollegen die Alemannenschule von einer von der Schließung bedrohten Hauptschule zu einer der innovativsten Schulen Deutschlands gemacht haben. Das Buch zeigt, was in einer staatlichen Regelschule möglich ist, wenn visionäres Engagement, eine Hands-On-Mentalität und Durchhaltevermögen zusammenkommen und welche positiven Auswirkungen das auf die Schülerinnen und Schüler hat. Absolute Leseempfehlung!
Sehempfehlung Auch wenn ich den Film „Treibhäuser der Zukunft“ von Reinhard Kahl schon zweimal im Newsletter empfohlen habe, muss ich es wieder tun, vor allem in Ergänzung zur Leseempfehlung, weil Stefan Ruppaner in seinem Buch genau mit der (zufälligen) Inspiration durch diesen Film beginnt: https://www.youtube.com/watch?v=foxcULxYcUs. Ich bin schon sehr gespannt auf den Film von Kahl über die Alemannenschule, der wohl gerade im Schneideprozess ist. Absolute Sehempfehlung! In der ARD-Mediathek gibt es aktuelle im Rahmen der Reihe „7 Tage“ den Selbstversuch eines Reporters, der sich in seiner alten Schule in der Wetterau als Lehrkraft versucht: https://www.ardmediathek.de/video/7-tage/7-tage-lehrer/ard/OGI5OWJhMDgtOWU0Ny00NGE5LWIwNTMtOTk0OWIwZmIzOTA0.
Veranstaltungsempfehlung Im Mai findet ein OER-Barcamp zur professionellen Unterrichtsmaterialerstellung in Darmstadt statt: https://oercamp.de/veranstaltungen/werkstatt-hessen-2025/. Safe the Date! Es ist mir gelungen am 30.09.2025 Silke Müller mit Ihrem Vortrag zu Gefahren im Netz ins Bürgerhaus Dreieich zu holen! Infos zu Silke Müller gibt es hier: https://silkemueller.com/. Nähere Infos zu Ticketing etc. folgen.
Spaß im Netz Bei meinem letzten Berlinaufenthalt bin ich auf folgende bemerkenswerte Partei gestoßen: https://aipd-partei.de/. Die Wahl zum Bundestag ist zwar schon rum, aber die nächste kommt vermutlich in vier Jahren.
Ich durfte am vergangenen Freitag auf dem „KI-Klassentreffen“ von fobizz einen Workshop halten. Thema war „Neue Lern- und Prüfungskultur mit KI. Warum KI in Schule alles verändert? Oder auch nicht?“, die zugehörige Präsentation gibt es unten auf der Seite.
Mir sind beim Workshop zwei Dinge noch einmal klarer geworden, die mich hoffnungsfroh stimmen.
Das Bedürfnis nach konkreten Ideen und Anleitung für die Lern- und Prüfungskultur mit KI ist riesig, aber auch schwer zu befriedigen. Sicher gibt es schon ein paar Beispiel, wie meine Open-Book-Klausur mit KI (https://www.schulmun.de/2025/01/06/2024-28-open-book-klausur-mit-ki-nutzung-ein-erfahrungsbericht/). Aber gerade dieser zeigt auch, dass wir hier noch im Bereich des Ausprobierens sind. Viele Kolleginnen und Kollegen experimentieren mit KI-Tools, produzieren Memes zu aktuellen Themen mit Bildgeneratoren oder Chatbots zu Künstlern oder historischen Themen uvm. Im Grund gelten hier immer noch die berühmten 4A von Doris Weßels, die in ihrer Keynote auch noch einmal bestätigt hat, dass die Entwicklung rasant ist. Die „4A“ von Doris Weßels sind, aufklären, ausprobieren, akzeptieren, aktiv werden: „Aufklären, also Informationsveranstaltungen anbieten, um alle Lehrenden ins Boot zu holen. Das zweite A: Bitte selbst ausprobieren. […] Das dritte A: Akzeptieren. Man muss sich daran gewöhnen, dass das keine Eintagsfliege ist, die morgen wieder weg ist. Das ist irreversibel und wird rasant weitergehen. […] Das vierte A: Wenn wir das erlebt haben, wird es automatisch zu einer Diskussion kommen. […] Das bedeutet, wir werden aktiv.“ (zitiert nach: https://hochschulforumdigitalisierung.de/chatgpt-in-hochschulen-aufklaeren-ausprobieren-akzeptieren-aktiv-werden-interview-mit-prof-dr-doris-wessels/) Tun Sie sich in den Schulen zusammen und arbeiten sie gemeinsam mit den 4A, ich würde als 5. A, auch wenn es im 4. steckt, noch austauschen nennen. Wir müssen uns von den curricularen Vorgaben soweit lösen, dass wir mit den rasanten Entwicklungen Schritt halten können. Eine aktuelle Bürokratielogik in einem Ministerium kann das nicht, wie auch die Diskussionen um Handreichungen zu Prüfungsformaten im Zeitalter von KI gezeigt haben. Das ist kein Vorwurf und keine Anklage, sondern in der Sache begründet. Deswegen kam ich in dem Workshop auch zu folgender These: KI hebt Bildung und Schule auf ein neues Level. Lernen und Lehren wird noch anspruchsvoller, weil wir uns noch stärker auf der Kompetenzebene bewegen werden. KI ist ein Katalysator für Veränderung. Und das ist, finde ich, ein hoffnungsvolle Botschaft. Auch wenn es anstrengend wird, mit Rückschlägen verbunden ist und wir uns von lieb gewordenen Vorstellungen verabschieden müssen, KI stößt notwendige Veränderungen im System an.
Der zweite Punkt hat nicht nur mit dem Workshop zu tun, ist mir aber dort noch einmal deutlicher geworden. Ich hatte zu Beginn gesagt, dass ich nicht genau wusste, was die Bedürfnisse der Teilnehmenden waren und dass ich flexibel sei. So kam es dann auch dazu, dass wir das Ausprobieren von KI-Tools haben sein lassen, dafür aber in eine Diskussion über die Auswirkungen auf Lern- und Prüfungskultur gegangen sind. Diese Diskussion hat noch einmal verdeutlicht, dass wir (noch?) keine Antworten auf viele Fragen haben, schon gar nicht zu Details. Gleichzeitig hat die Diskussion aber deutlich gemacht, dass wir anfangen die meiner Meinung nach richtigen Fragen zu stellen: – Wie können wir moderne Prüfungsformate gestalten? – Wie prüft und bewertet man Kompetenzen? – Wie gestalten wir Lernprozesse? – Welchen Sinn haben die klassischen Bewertungsinstrumente noch? – Was ist (eine) Leistung? – uvm. Das sind, glaube ich, genau die richtigen Fragen, die wir brauchen, um das Bildungssystem zukunftsfähig zu machen und die uns letztlich zu notwendigen Veränderungen zwingen.
Außerdem macht mir gerade noch Folgendes Hoffnung: Letzte Woche fand eine Fachkonferenz Geschichte an unserer Schule statt. Ich kam leider zu spät, weil ich noch bei einer Klassenkonferenz dabei sein musste. Aber auch da wurden im Grunde genau die gleichen Fragen diskutiert, die ich oben skizziert habe. Dazu kam noch der Gedanke, dass Geschichtsunterricht auch Medien- und Demokratiebildung beinhalten muss, das freut mich natürlich besonders. Und zum Schluss macht mir das Buch von Stefan Ruppaner ganz viel Hoffnung, weil er dort erklärt, zu was Schule in der Lage ist, wenn man das möchte (eine kurze Rezension gibt es im Newsletter 24/25-12).