WfS-13: DER Pädagogische Tag

In Schulentwicklung gibt es Momente, in denen sich entscheidet, ob man wirklich etwas verändert oder ob man weiter über Veränderung spricht.

Der Pädagogische Tag am Aschermittwoch war für uns ein solcher Moment. Hier würde sich zeigen, in welche Richtung wir das von der Gesamtkonferenz vor über einem Jahr beschlossene Mandat zur Öffnung von Unterricht interpretieren und ob das Kollegium bereit ist, diesen Schritt zu gehen. Entsprechend groß war meine Nervosität, schließlich ist meine persönliche Vorstellung von Öffnung von Unterricht weitreichend.

Dabei war es im WfS-Blog zuletzt eher still. Zuletzt habe ich im Oktober über den Schulentwicklungs-Blues geschrieben und im August 2025 über den Entwicklungsprozess, der ernst wird und Fahrt aufnimmt. Still war es allerdings nur hier im Blog, nicht in der Schulentwicklung selbst.

Die Schulentwicklungsgruppe (SEG) hat zahlreiche Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit Elementen der Öffnung von Unterricht auseinandergesetzt haben: BarDienstag, Feedback, Pädagogischer Tag, Projekttage, Selbstreguliertes Lernen und Graduierung. All diese Gruppen haben im Grunde auf diesen Pädagogischen Tag hingearbeitet. Er wurde damit zu einem Dreh- und Angelpunkt unserer Schulentwicklung.

Wie in den vorhergehenden Blogbeiträgen beschrieben, haben wir uns in den letzten zwei Jahren Strukturen geschaffen, um partizipative und zugleich strukturierte Schulentwicklung zu betreiben. Wir haben die DNA-Gruppe zusätzlich zur SEG aufgebaut, neue Austauschformate etabliert, etwa Barcamp und Open Space, sind Selbstständige Schule geworden, haben Schülerinnen und Schüler sowie Eltern einbezogen und zahlreiche Pilotprojekte gestartet, etwa Zukunftsschmiede und Projektklasse.

Wir haben vielen Ideen bewusst große Freiheiten gewährt und sind so in unterschiedliche Richtungen losgelaufen. Das war wenig strukturiert, hat aber Denk- und Möglichkeitsräume geschaffen. Gleichzeitig war das für manche Kolleginnen und Kollegen irritierend, da nicht immer klar war, wohin unsere Reise gehen sollte.

Schulentwicklung ist eine Gratwanderung zwischen strukturiertem Vorgehen und Experimentieren, zwischen Vielfalt und Konzentration auf das Wesentliche, zwischen Transparenz und schnellen Entscheidungen sowie zwischen Partizipation und dem Ergreifen spontaner Möglichkeiten. Dabei müssen Belastung des Kollegiums, Kommunikation, Ressourcen und rechtlicher Rahmen austariert werden.

Schulentwicklung ist somit ein komplexer Veränderungsprozess, der ein System an die Grenzen der Belastbarkeit bringt, während der Normalbetrieb weiterläuft. Bob Blume hat das einmal mit dem Umbau eines Propellerflugzeugs in einen Düsenjet während des Flugs beschrieben.

Deshalb ist es wichtig, innezuhalten und sich zu vergewissern, wo man steht und wo man hin will. Das war eine Forderung aus dem Kollegium und zugleich eine prozedurale Notwendigkeit. Ein Pädagogischer Tag bietet sich dafür an.
Da es uns um Strukturierung und Zielrichtung ging, war schnell klar, dass externe Expertise wenig helfen würde. Nur wir als Schulgemeinschaft kennen unsere formellen und informellen Strukturen. Gleichzeitig war klar, dass dieser Tag für unsere weitere Entwicklung zentral sein würde.

Also machten wir uns in einer Arbeitsgruppe an die Planung. Ein wirksamer Pädagogischer Tag muss Orientierung geben, ohne zu überfahren, und Beteiligung ermöglichen, ohne sich zu verlieren.
Nach mehreren Treffen stand ein Gerüst. Ich begann mit einem Impuls (nachzulesen hier), anschließend sahen wir kurze Praxisbeispiele. Danach arbeiteten wir im World-Café zu vier Fragen:

1. Was verstehen wir unter Öffnung von Unterricht bei uns?
2. Was finden wir daran pädagogisch sinnvoll oder reizvoll?
3. Wo sehen wir Schwierigkeiten, Grenzen oder berechtigte Sorgen?
4. Was wäre ein realistischer erster Schritt bei uns?

Die Ergebnisse wurden im Gallery-Walk zusammengeführt und anschließend in Arbeitsphasen zu konkreten Projekten weiterentwickelt.

    Entscheidender als die Methoden war jedoch etwas anderes. Die Diskussion blieb nicht abstrakt. Es ging nicht mehr darum, ob Öffnung sinnvoll ist, sondern wie sie bei uns aussehen kann und wo wir bewusst vorsichtig sein wollen. Skepsis verschwand nicht, aber sie wurde produktiv.

    In der Summe sind wir damit einen Schritt weitergekommen, weniger in einzelnen Projekten als in unserem gemeinsamen Verständnis von Schulentwicklung. Wir haben nicht beschlossen, Schule neu zu erfinden, sondern begonnen, sie bewusst zu verändern.

    Bis Pfingsten werden nun kleine Vorhaben im Unterricht erprobt. Zwei Kolleginnen haben beispielsweise ein fächerübergreifendes Genetik-Projekt im Jahrgang 9 entwickelt, in anderen Klassen soll ein Graduierungssystem getestet werden. Die Arbeitsgruppen der SEG arbeiten weiter, und auf der Gesamtkonferenz im Juni werden wir die Erfahrungen auswerten.

    Der Tag hat keine fertige Lösung hervorgebracht. Aber er markiert den Übergang von der Idee zur gemeinsamen Praxis.

    Dieser Übergang macht den Entwicklungsprozess für die gesamte Schulgemeinschaft greifbar. Das wird ziemlich sicher auch zu Konflikten führen, und genau darin liegt die nächste Entwicklungsaufgabe und darum wird es im nächsten Blogbeitrag gehen.

    Persönlicher Epilog
    Im Vorfeld des Pädagogischen Tages wurde ich zunehmend nervös. Meine Gedanken kreisten um Methoden, Formulierungen und mögliche Reaktionen. Es fiel mir schwer, mich auf andere Aufgaben zu konzentrieren, weil unklar war, ob ein relevanter Teil des Kollegiums bereit ist, den Prozess mitzutragen. Für meinen Impuls habe ich viel Feedback eingeholt und mehrfach nachjustiert.

    Nach dem Tag war ich vor allem sehr erschöpft und erleichtert. Ich wusste wieder, warum ich diesen Job mache und dass es sich lohnt.

    Newsletter 25/26-11: 20.02.2026

    Liebe Schulgemeinschaft,

    am vergangenen Mittwoch hatten wir einen wichtigen Pädagogischen Tag. Es ging darum, ob wir uns auf die Öffnung von Unterricht einlassen und beginnen Lernprozesse zu individualisieren. Ich denke, der Tag hat gezeigt, dass wir das angehen und beginnen Schule zu verändern. Das ist alles noch nicht beschlossene Sache, aber ein mutiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, davon bin ich zutiefst überzeugt.
    Ich gebe hier das Skript meines Eingangsimpulses zum Pädagogischen Tag wieder, damit die ganze Schulgemeinschaft nachvollziehen kann, was wir gemacht haben. Weitere Informationen zu den Ergebnissen folgen. Hier also meine Rede:

    „Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    wenn man durch unsere Schule geht, sieht man vieles, worauf man stolz sein kann.
    Engagement, Beziehungen, Verlässlichkeit, Fachlichkeit.
    Und gleichzeitig erleben wir alle Situationen, die uns beschäftigen:
    Schülerinnen und Schüler, die arbeiten könnten, aber nicht anfangen.
    Andere, die längst weiter wären, aber warten.
    Wieder andere, die sich entziehen, obwohl wir viel investieren.
    Wir reagieren darauf oft mit noch mehr Erklären, noch mehr Struktur, noch mehr Steuerung.
    Und trotzdem merken wir:
    Für einen Teil funktioniert das gut, für einen wachsenden Teil immer weniger.
    Das ist kein individuelles Problem der Weibelfeldschule.
    Es ist ein Strukturproblem von Lernen im Gleichschritt.
    Und genau deshalb sitzen wir heute hier.
    Ich habe an diesem Vortrag ungewöhnlich lange gearbeitet.
    Nicht, weil mir Inhalte fehlen, sondern weil mir klar ist:
    Dieser Tag ist wichtig für unsere Schule.
    Mir geht es nicht um irgend ein neues Konzept, sondern darum, wie wir in Zukunft gemeinsam unterrichten und arbeiten wollen.
    Ich bin überzeugt, dass Öffnung von Unterricht uns dabei helfen kann und dass wir das als Weibelfeldschule auf unsere eigene Weise entwickeln müssen.

    Unser gemeinsamer Auftrag
    Die Gesamtkonferenz hat der DNA-Gruppe einen klaren Arbeitsauftrag gegeben:
    die Öffnung von Unterricht als Entwicklungsrichtung unserer Schule voranzutreiben.
    Nahezu einstimmig.
    Das heißt:
    Wir entscheiden heute nicht, ob wir uns bewegen, in Bewegung sind wir immer.
    Wir überlegen heute gemeinsam, wie wir uns bewegen.
    Und wir haben uns bewusst entschieden, diesen Weg ohne fertiges externes Konzept und ohne externe Referenten zu gehen.
    Nicht, weil es keine guten Ansätze gäbe,
    sondern weil Schule immer konkret ist.
    Unsere Lerngruppen, unsere Erfahrungen, unsere Fächerstruktur, unsere Geschichte;
    all das kann kein Modell von außen passend für uns festlegen.
    Deshalb entsteht die Entwicklung hier:
    aus unserem Unterricht, für unseren Unterricht, für unsere Schule.
    Das ist anspruchsvoller, aber nachhaltiger.

    Wir starten nicht bei Null
    Viele Schulen, auch in der Umgebung, beschäftigen sich inzwischen mit ähnlichen Fragen:
    Wie Lernen individueller werden kann und wie Unterricht anders organisiert werden kann.
    Für uns ist das aber nicht nur eine Reaktion auf Entwicklungen um uns herum.
    Die Weibelfeldschule hatte schon immer den Anspruch, Dinge aktiv zu gestalten und nicht abzuwarten, bis sie notwendig werden.
    Die Weibelfeldschule ist schon immer eine innovative Gesamtschule mit großem Potenzial in Kollegium, Elternschaft und natürlich auch bei den Schülerinnen und Schülern. Ganz viele Dinge sind hier schon angelegt und werden schon ausprobiert, daran können wir anknüpfen und mutig weiterdenken.
    Lassen Sie es uns angehen!

    Die Vision
    Bevor ich Begriffe kläre, lassen Sie mich kurz beschreiben, woran wir merken würden, dass wir auf dem richtigen Weg sind, eine kleine Zukunftsreise.
    Man kommt in einen Klassen- oder Lernraum, und nicht alle tun gleichzeitig dasselbe, aber alle arbeiten.
    Einige besprechen etwas, andere lesen, andere schreiben, jemand holt sich gezielt Hilfe.
    Die Lehrkraft steht nicht vorne, sondern bewegt sich, spricht kurz mit Einzelnen, klärt Fragen, gibt Rückmeldung.
    Schülerinnen und Schüler wissen, woran sie arbeiten und warum.
    Sie warten weniger und wir treiben weniger an.
    Leistung entsteht sichtbarer aus Lernarbeit als aus Kontrolle.
    Und am Ende eines Tages sind alle zufrieden und nicht erschöpft.
    Das wäre für mich ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
    Mir ist wichtig, an dieser Stelle klar zu sein:
    Wir starten heute keinen unverbindlichen Austausch.
    Die Öffnung von Unterricht ist eine Entwicklungsrichtung unserer Schule.
    Nicht jede und jeder muss sofort alles verändern, – aber jede und jeder wird einen eigenen Schritt erproben.

    Die konkrete Form entsteht aus Ihrer Praxis heraus,
    der Auftrag zum Ausprobieren gilt für uns alle.
    Wir vereinbaren heute Versuche.
    Nach der Erprobungsphase sprechen wir darüber,
    was wir als Schule daraus übernehmen uns entwickeln.

    Worum es dabei wirklich geht
    Öffnung von Unterricht bedeutet nicht weniger Anspruch.
    Und auch nicht weniger Rolle der Lehrkraft.
    Es bedeutet etwas anderes:
    Dass Lernen nicht mehr hauptsächlich dadurch entsteht,
    dass wir erklären und kontrollieren, sondern dadurch,
    dass Schülerinnen und Schüler beginnen, Verantwortung zu übernehmen.
    Nicht sofort.
    Nicht vollständig.
    Aber Schritt für Schritt.
    Unser Ziel ist nicht absolute Freiheit oder Beliebigkeit und Persönlichkeitsbildung
    Unser Ziel ist mehr wirksame Lernzeit.
    Mehr Schülerinnen und Schüler, die arbeiten,
    statt beschäftigt zu werden.
    Mehr Klarheit darüber, woran sie warum arbeiten,
    statt nur Aufgaben abzuarbeiten.
    Es geht uns um Kompetenzvermittlung auf Wissensbasis.
    Und für uns bedeutet das:
    weniger Energie im Antreiben,
    mehr Energie im Begleiten.

    Was sich schnell verändern kann – Quick Wins
    Wichtig ist: Die Wirkung beginnt nicht erst irgendwann.
    Wenn Lernziele klar sind, entstehen weniger Nachfragen.
    Wenn nicht alle gleichzeitig feststecken, entstehen weniger Störungen.
    Wenn Schülerinnen und Schüler wissen, woran sie arbeiten, beginnt Unterricht schneller.
    Das sind keine großen Reformen,
    das sind kleine Verschiebungen mit direkter Wirkung im Alltag.
    Der erste Gewinn ist deshalb kein pädagogischer Idealzustand,
    sondern kann ein ruhigerer, klarerer Unterrichtstag sein.

    Drei Schritte dahin
    Damit das kein Schlagwort bleibt, schauen wir genauer hin. In meinem Verständnis entsteht Öffnung von Unterricht in drei Schritten:

    1. Selbstreguliertes Lernen
      Schülerinnen und Schüler verstehen ihr eigenes Lernen, ihren Lernprozess.
      Was kann ich?
      Was fehlt mir noch?
      Was ist mein nächster Schritt?
      Reflexion, Feedback, Lernziele, kurze Gespräche.
      ➡️ Verantwortung beginnt im Kopf.
    2. Selbstgesteuertes Lernen
      Nicht alle tun gleichzeitig dasselbe,
      aber alle arbeiten am Ziel,
      in unterschiedlichem Tempo oder mit unterschiedlichen Zugängen.
      Struktur bleibt.
      Aber sie dient dem Lernen, nicht der Gleichzeitigkeit.
      ➡️ Lernen bekommt Richtung statt Takt.
    3. Selbstorganisiertes Lernen
      Schließlich entsteht echte Aktivität:
      Schülerinnen und Schüler planen, kooperieren, erstellen Produkte.
      Nicht als Event — sondern als Teil des Lernens.
      ➡️ Lernen wird Handlung und Haltung.

    Diese Schritte entstehen nicht durch Beschluss.
    Sie entstehen durch Erfahrung.

    Der langfristige Gewinn
    Langfristig verändert sich mehr als einzelne Stunden.
    Wenn Lernende Verantwortung übernehmen können,
    müssen wir weniger antreiben und kontrollieren.
    Lernende sind motivierter und Lernen in ihrem Tempo, um ihr maximales Potenzial und ihre Selbstständigkeit zu entfalten.
    Dann verschiebt sich auch unsere Rolle:
    weg vom dauernden Aktivieren, Kontrollieren und Disziplinieren
    hin zum gezielten Unterstützen, Begleiten und Entwickeln.
    Lernen wird planbarer, Beziehung entspannter
    und Leistung entsteht häufiger aus Mitarbeit statt aus Druck.
    Das Ziel ist kein neues Idealbild von Schule,
    sondern ein Arbeitsalltag, der für Lehrende und Lernende wieder besser zusammenpasst und der uns alle entlastet – psychisch und physisch.
    Erfahrungen zeigen, dass Schulen, die so arbeiten bessere Lernergebnisse erzielen, ein spürbar besseres Schulklima haben und den bestehenden Herausforderungen besser gerecht werden.

    Was heute passiert
    Heute bauen wir kein fertiges System.
    Heute beginnen wir.
    Wir überlegen:
    • Wo könnte ich einen ersten Schritt gehen?
    • Was wäre ein kleiner, machbarer Versuch?
    • Was probiere ich bis Pfingsten aus?
    Nicht alles wird funktionieren.
    Und das ist ausdrücklich eingeplant.
    Es geht nicht darum, einzelne perfekte Lösungen zu finden,
    sondern darum, als Schule herauszufinden, was für uns trägt.
    Auch Scheitern ist Lernen!

    Denn Schulentwicklung entsteht nicht dadurch,
    dass wir das Richtige beschließen,
    sondern dass wir gemeinsam herausfinden, was trägt.

    Einladung
    Niemand muss heute begeistert sein.
    Aber alle können heute einen Anfang machen, können sich einlassen.
    Wir verändern nicht auf einmal die ganze Schule.
    Aber wir können beginnen, sie so zu verändern,
    dass mehr gelernt wird und weniger verhindert.
    Wenn Unterricht wieder häufiger gelingt,
    verändert sich nicht nur Leistung.
    Dann verändert sich Atmosphäre.
    Dann kommen Schülerinnen und Schüler noch lieber in die Weibelfeldschule,
    und wir unterrichten noch lieber an der Weibelfeldschule.
    Nicht weil Schule einfacher wird sondern weil sie wieder stimmiger wird.
    Wenn wir wollen, dass Unterricht sich verändert,
    reicht es nicht, darüber zu sprechen.
    Veränderung entsteht erst, wenn wir konkrete Erfahrungen machen.
    Genau das beginnt jetzt:“

    Ihr

    Erik Grundmann

    Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

    Interessantes
    Scheitern lernen ist wichtig für Kinder (auf Englisch): https://www.scientificamerican.com/article/letting-kids-fail-is-crucial/. Über meine persönliche Scheiternsgeschichte habe ich einmal gebloggt: https://www.schulmun.de/2025/11/23/blog-2025-25-vom-scheitern/.
    Fünf populäre Irrtümer in der Bildung fasst Edutopia zusammen (Spoiler: Noten sind nicht motivierend, Feedback ist besser): https://www.edutopia.org/article/education-myths-not-backed-by-research.
    Die Uni Tübingen hat zum 60. Geburtstag von Thorsten Bohl eine Festschrift mit dem Titel „Bildung.Besser.Machen“ herausgebracht, die hier abgerufen werden kann: https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/170414.
    Werner Klein blickt für das „Deutsche Schulportal“ auf 25 Jahre PISA zurück: https://deutsches-schulportal.de/meinung/25-jahre-pisa-kein-grund-zum-feiern/. Ich würde hier kritisch ergänzen, dass es nicht gelungen ist nachhaltige Verbesserungen zu erreichen, weil keine konsequente Förderung evidenzbasiert erfolgreicher Programme geschafft wurde und weil es zu keinen wirklich elementaren Reformen kam.
    Das „Institut für zeitgemäße Prüfungskultur“ ist immer einen Besuch wert, hier kann man den Newsletter abonnieren: https://newsletter-zeitgemasse-prufungskultur.ghost.io/.
    News4Teachers rezensiert ein Buch der Psychotherapeutin Maria M. Bellinger, die davor warnt Kinder zu sehr zu schützen und zu wenig zu führen: https://www.news4teachers.de/2025/12/erziehung-wenn-eltern-zu-viel-schuetzen-und-zu-wenig-fuehren-was-das-fuer-kita-und-schule-bedeutet/.
    Ein kritischer Blick auf die Problematik von KI-generierten Bildern und Filmen in historischen Dokumentationen: https://www.wissenschaftskommunikation.de/diese-bilder-formen-ein-geschichtsbild-das-eine-ki-festgelegt-hat-94241/.

    Smartphone und Social-Media
    Die Tagesschau berichtet über die Studienlage zu Auswirkungen von Social Media auf das Gehirn von Kindern und Jugendlichen: https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/jugendliche-anfaelligkeit-social-media-100.html.

    KI
    Das FWU arbeitet im Auftrag der KMK an einem intelligenten adaptiven System (AIS), einem KI-gestützten individuellen Tutor, für Schulen: https://ais.schule/.
    Der wissenschaftliche Diskurs läuft auf Hochtouren (und das ist gut so): Hilft KI beim Lernen oder nicht? Eine kritische Position gibt es hier: https://fordhaminstitute.org/national/commentary/ai-assisted-learning-stumbles-evidence. Auch hier gibt es eine kritische Position (Bericht von „NPR“ über eine Brookings-Studie: https://www.npr.org/2026/01/14/nx-s1-5674741/ai-schools-education. „Wired“ berichtet über ein Forschungspapier aus dem hervorgeht, dass KI-Agentensysteme mathematisch nicht funktionieren können: https://www.wired.com/story/ai-agents-math-doesnt-add-up/. Zu ganz anderen Ergebnissen, nämlich dass KI-Tutoring zu signifikanten Leistungsverbesserungen führen kann, kommt eine Harvard-Studie, die hier einem Review unterzogen wird (Spoiler: Das muss natürlich gut gemacht sein): https://etcjournal.com/2025/11/10/review-of-kestin-et-al-s-june-2025-harvard-study-on-ai-tutoring/. Dieser Artikel unterstützt das: https://link.springer.com/article/10.1007/s10648-025-10039-x. Und da schließt sich der Kreis zum ersten Beitrag in diesem Unterkapitel. Auf jeden Fall kann KI englische Texte übersetzen oder auf Deutsch zusammenfassen 😉
    „NPR“ berichtet auch von den Folgen zu enger Bindungen zu KI: https://www.npr.org/2026/02/14/nx-s1-5711441/ai-chatgpt-openai-love-betrayal-delusion-chatbot.
    In Österreich wurde erstmals ein Schüler wegen KI-Sexbildern suspendiert: https://steiermark.orf.at/stories/3341568/.
    Neue Studie aus Österreich: https://www.saferinternet.at/news-detail/neue-studie-ki-chatbots-als-alltagsbegleiter-fuer-jugendliche.
    Und ebenso aus Österreich stammt Open Claw (https://openclaw.ai/), ein KI-Agent, der im Moment in aller Munde ist und der gefeiert und gefürchtet wird. Hier wird er gefeiert: Hier gibt es ein Interview mit Peter Steinberger: https://on.orf.at/video/14311959/zib-2-langfassung-ki-entwickler-peter-steinberger-im-interview und hier einen Bericht im „Handelsblatt“: https://www.handelsblatt.com/technik/ki/ki-briefing-open-claw-entfesselt-ki-agenten-sind-wir-darauf-vorbereitet/100199808.html. Der WDR warnt vor der Nutzung: https://www1.wdr.de/nachrichten/openclaw-der-ki-agent-auf-dem-eigenen-computer-100.html, ebenso „Heise“, bzw. „c’t“:  https://www.heise.de/news/OpenClaw-ausprobiert-Die-gefaehrlichste-Software-der-Welt-11161203.html.
    Das „Civic DataLab“ hat in einem kurzen Beitrag von Anja Stoiser die Geschichte der KI zusammengetragen und beschäftigt sich dort auch mit der Zukunft: https://civic-data.de/blog/wer-hat-die-ki-erfunden-warum-kollektive-verantwortung-entscheidend-ist/. Umfassender fasst „Medium“ die Geschichte der KI zusammen: https://medium.com/block-science/inside-the-very-human-origin-of-the-term-artificial-intelligence-and-its-seven-decade-c36e0326245e. ChatGPT liefert folgende Essenz in einem Satz: „„Künstliche Intelligenz“ ist nicht einfach ein technischer Begriff, sondern ein historisch gewachsener, kulturell geprägter Diskursbegriff, dessen Bedeutung sich mit Erwartungen, Technologien und gesellschaftlichen Kontexten ständig verändert.“
    Jetzt wird es abgefahren! Unter https://rentahuman.ai/ können KI-Agenten sich Menschen mieten, die Tätigkeiten übernehmen, die ein KI-Agent nicht ausführen kann. Und mit https://www.moltbook.com/ haben diese Agenten ein eigenes „soziales“ Netzwerk, spannend dort etwas „herumzuklicken“.

    Tipps für den Unterricht
    Ein schönes Unterrichtsprojekt für die ganze Schule: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/eine-ganze-schule-liest-ein-buch/.
    Hier: https://joschafalck.de/interaktive-lernmaterialien-mit-ki/ zeigt Joscha Falck, wir er mit KI interaktive Lernmaterialien erstellt.
    Uta Hauck-Thum und Micha Pallesche haben in ChatGPT einen „LehrLernKompass“ erstellt, der Lehrkräfte dabei unterstützt Lehren und Lernen gemeinsam weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen Lernsettings, die Basiskompetenzen sichern und zukunftsrelevantes Lernen ermöglichen. Zugangsvoraussetzung ist die Nutzung von ChatGPT: https://chatgpt.com/g/g-6968caf825d08191930942f34592bf61-lehrlernkompass.
    Zur Unterrichtsentwicklung gibt es die empfehlenswerte aus Japan stammende Methode des „Lesson Study“. Das „Deutsche Schulportal“ erklärt, was das ist und wie es geht: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/mit-lesson-study-den-eigenen-unterricht-erforschen/.
    Bildungsspirit hat eine Diagnosetool für eine erste Bewertung von Schülerinnen- und Schülerverhalten entwickelt: https://bildungsspirit.de/tool.html.
    Auf der Seite https://www.moralmachine.net/ lassen sich ethische Fragen zu KI durchspielen und man nimmt gleichzeitig an einer wissenschaftlichen Studie teil.
    Einen wirklich guten 2D- und 3D-Einblick in den menschlichen Körper gibt es auf dieser (kostenlosen, aber kommerziellen!) Seite: https://www.innerbody.com/htm/body.html

    Leseempfehlung
    Heute will ich mal kein Buch empfehlen, sondern eine Zeitschrift, nämlich die „Pädagogische Führung, Zeitschrift für Schulleitung und Schulberatung“, herausgegeben von den Professoren Burow, Häcker u.a. Sie erscheint bei  Carl Link (Wolters-Kluwer) und beschäftigt sich mit aktuellen und spannenden Themen, die sich wirklich für die Praxis der Schulleitung lohnen.

    Hörempfehlung
    Stefan Ruppaner zur „Schmetterlingspädagogik“ im, grundsätzlich empfehlenswerten, Podcast „Kapierfehler“ von Neurodivergenz-Expertin Corina Elfe (https://kapierfehler.de/): https://podcastaddict.com/kapierfehler-neurodivergenz-und-schule/episode/213358259.

    Sehempfehlung
    Schöne Arte-Doku zu Schularchitektur: https://www.arte.tv/de/videos/117186-001-A/das-gebaute-versprechen-schularchitektur/.
    37 Grad-Doku auf ZDF über einen auf Social-Media erfolgreichen Lehrer: https://www.zdf.de/video/reportagen/37-grad-104/37-ein-lehrer-geht-viral-100.
    Sehenswerter TED-Talk von der Kinderpsychologin Kathryn Hecht, die Kindern mit Konfrontationstherapie Ängste nimmt und so ihre Resilienz stärkt (Spoiler: Gute Eltern räumen ihren Kindern nicht alle Probleme aus dem Weg, sondern schaffen Selbstvertrauen zur Lösung durch das Kind): https://www.ted.com/talks/kathryn_hecht_how_to_raise_kids_who_can_handle_hard_things.

    Veranstaltungsempfehlung
    Bildungsgipfel der Zuversicht 2026 – kostenfreie Online-Teilnahme Vom 20. bis 28. Februar 2026 findet der 6. Pioneers of Education Bildungsgipfel online statt – eine Woche voller Inspiration, Praxisbeispiele und Austausch rund um die Schule der Zukunft. Über 40 Expertinnen und Experten teilen ihre Erfahrungen zu Themen wie Demokratiebildung, digitale Innovation, Nachhaltigkeit und mentale Gesundheit. Die Teilnahme ist kostenfrei und zeitlich flexibel. Ideal für alle, die mit Mut und neuen Ideen Schule gestalten möchten. Alle Infos: https://pioneersofeducation.online.
    Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.Spaß im Netz
    Malen sie ein Pferd und lassen sie es mit anderen laufen: https://gradient.horse/.

    Blog 2026-02: Basics für Lehrkräfte und Eltern zu Gefahren in sozialen Medien

    Vorbemerkung: Dieser Blogbeitrag ist nahezu wortgleich als Newsletter 09 für das aktuelle Schuljahr erschienen. Ich halte den Inhalt allerdings für so relevant, dass ich ihn hier noch einmal veröffentliche. Wenn Sie das alles schon wissen, dann ist das wunderbar; wenn nicht, konnte ich hoffentlich zur Aufklärung über Gefahren im Netz und in sozialen Medien aufklären.

    Es gab schon immer Trends, Codes und eine spezielle Sprache von Jugendlichen. Das ist kein Grund zur Sorge und dient auch der Distanzierung von anderen Generationen. Wenn ältere Generationen das adaptieren, wird es oft peinlich und das ist im Grunde auch unnötig.
    Dennoch ist es wichtig, dass sich gerade Eltern und Lehrkräfte mit der Lebenswelt von Jugendlichen beschäftigen, nicht um diese vollständig zu verstehen und zu durchdringen, sondern um wenigstens ein Gefühl dafür zu bekommen, was Kinder und Jugendliche umtreibt. Das gilt für elektronische Spiele, vor allem aber für soziale Medien.
    Soziale Medien sind definitiv integrale Bestandteil der Jugendkultur, sie dienen der Kommunikation und Vernetzung und sind damit auch ein Teil der Sozialisation in die Gesellschaft. Schließlich nutzen ja auch viele Erwachsene soziale Medien, um vernetzt zu bleiben, sich zu informieren oder zu amüsieren.
    Es gibt aber auch die negative Seite. Neben der Polarisierung, der Spaltung und den Fakenews, die schon den Erwachsenen schwer zusetzen, sind Kinder und Jugendliche diesen Gefahren hilfloser ausgeliefert, da ihre Urteilskompetenz noch in der Entwicklung ist. Das nutzen Extremisten jeglicher Couleur aus. Das ist weitgehend bekannt und wird gelegentlich sogar in der Öffentlichkeit diskutiert.
    Ich möchte in diesem Newsletter für etwas unbekanntere Phänomene sensibilisieren, von denen Eltern und Lehrkräfte zumindest wissen sollten.
    Vermutlich haben einige schon von Jugendlichen gehört, die sich von TikTok zum Selbstmord haben inspirieren lassen oder von anderen Nutzern in den Tod getrieben wurden, wie zum Beispiel von dem Hamburger „White Tiger“, der einen 13jährigen Jungen in den USA dazu gebracht hat sich aufzuhängen. Es gibt in den sozialen Medien ganze Netzwerke, die sich damit brüsten andere zu Selbstverletzungen oder Selbstmord zu bringen (https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/white-tiger-com-764-gefahr-kinder). Es gibt Handbücher in diesen Kreisen, in denen Manipulationstechniken erklärt werden und es gibt Foren und Chats in denen man sich austauscht. Das findet nicht nur auf TikTok statt, auch Discord, Telegram oder Roblox spielen dabei eine Rolle. Begehrte Opfer sind (psychisch labile) Teenager, weil diese in der Identitätsfindungsphase besonders vulnerabel sind.
    Ein noch häufiger vorkommendes Phänomen sind Challenges, bei denen es eher zu unfallbedingten Todesfällen kommt, wie bei der 13jährigen aus Kassel, die bei der sogenannten Blackout-Challenge, inspiriert auf TikTok, zu Tode kam (https://www.hessenschau.de/panorama/blackout-challenge-auf-tiktok-13-jaehrige-aus-landkreis-kassel-stirbt-bei-mutprobe-v1,tod-nach-tiktok-blackout-challenge-100.html). Bei dieser Challenge geht es darum, durch kurzzeitiges Strangulieren kurz in Ohnmacht zu fallen. Andere Challenges fordern Deospray einzuatmen, Rasierklingen zu schlucken oder Waschmittel-Kapseln zu essen. Klicksafe hat dazu Informationen bereit gestellt: https://www.klicksafe.de/news/gefaehrliche-tiktok-challenges-das-muessen-eltern-und-lehrkraefte-jetzt-wissen. Auch das HMKB hat Informationen zusammengestellt: https://digitale-schule.hessen.de/digitale-kompetenzen/beratungsstelle-jugend-und-medien-hessen/online-challenges.
    Neben diesen Challenges gibt es aber auch bestimmte Foren und Hashtags unter denen sich Jugendliche austauschen, zum Beispiel, wie bereits erwähnt, über Selbstmordmethoden oder aber auch zu Themen wie Abnehmen bis zur Magersucht. Triebkraft sind dabei oft Likes, also Anerkennung von anderen Nutzern und das Fehlen von Ansprechpersonen in der realen Welt. Unter anderem deshalb ist es so wichtig Vertrauensverhältnisse zu Kindern und Jugendlichen zu pflegen.
    Andere Challenges haben eine sexuelle Konnotation, wie die Pantyhose-Challenge oder andere, bei denen Kinder und Jugendliche Videos veröffentlichen, in denen sie leicht bekleidet posieren oder tanzen. Die Konsequenzen für einen Vierjährigen aus einer anderen Challenge werden hier beschrieben: https://www.spiegel.de/netzwelt/oberbayern-vierjaehriger-veraetzt-sich-an-spuren-von-tiktok-experiment-a-842bbbb5-316f-4d48-a2b1-86148c20113e?sara_ref=re-so-app-sh. Aber nicht nur Challenges oder Foren bergen Gefahren, auch die Algorithmen haben es in sich. Diese lernen ja aus dem Interesse der Nutzer und verstärken Inhalte mit großer Reichweite, welche oft polarisierend oder empörend sind, also zu Reaktionen animieren. Reaktionen und Interaktionen, Clicks und Likes sind die Währung in den sozialen Medien. Erreicht man hohe Aufrufzahlen für seine Inhalte, lassen sich diese zu Geld machen oder für manipulative Zwecke nutzen. Dies können extremistische Inhalte jeglicher Couleur sein oder auch Fakenews, die zur Destabilisierung der Gesellschaft beitragen.

    Ein weiteres Beispiel für solche Blasen, ist die so genannte „Manosphere“ (Hierhin gehören Andrew Tate oder der so genannte „Sigma-Boy“, verfilmt wurde das Phänomen in der Netflix-Serie „Adolescence“). Dort werden archaische Männlichkeitsbilder kultiviert und zur Unterdrückung von Frauen aufgerufen: https://taz.de/Umgang-mit-Maennlichkeitsbildern/!6132595/. Ein anderes Beispiel ist die „Tradwife-Szene“, dort werden traditionelle Frauenbilder gepflegt, also Frauen, die nicht arbeiten und den Haushalt führen und sich alleine um Kinder kümmern.

    Lesenswert in diesem Zusammenhang ist das in einem früheren Newsletter schon einmal empfohlene Buch „Radikalisierungsmachinen“ von Julia Ebner (Berlin 2019). Eine weitere Leseempfehlung sind die beiden Bücher von Silke Müller zu dem Thema („Wir verlieren unsere Kinder“ und „Wer schützt unsere Kinder“).

    KI hebt all dies noch einmal auf ein neues Level. Inhalte sind einfacher zu erstellen und Algorithmen lassen sich durch KI-Bots manipulieren, ganz zu schweigen von den Möglichkeiten für Mobbing durch Nudifier-Apps (Apps, die aus normalen Fotos Nacktbilder erzeugen). Kinder werden oft schon sehr früh in sozialen Medien mit extremer Gewalt (zum Beispiel Liveübetragungen von Kriegsszenen oder Foltervideos) oder Pornografie, egal ob KI-generiert oder echt, konfrontiert, solche Inhalte werden in den Feed gespült oder von anderen Nutzern geteilt oder sogar zufällig per Airdrop aufgefangen.

    Ich möchte hier keine Panik machen. Soziale Medien haben viele positive Seiten, ich nutze sie auch gerne und intensiv. Sie sind eine zentrale Kommunikations- und Vernetzungsinstanz für Jugendliche. Es ist aber wichtig, dass Eltern und Lehrkräfte wissen, was in sozialen Medien passiert und möglich ist, um auf Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen vorbereitet zu sein. Das Schlechteste, was sie tun können, wenn ein Kind mit einer Horrorgeschichte aus den sozialen Medien zu Ihnen kommt, ist diese oder das Handy zu verbieten. Damit erreichen Sie nur, dass das Kind das nächste Mal nicht mehr kommt und mit seinen Erlebnissen dann alleine ist. Reden Sie, schützen Sie, begleiten Sie, trösten Sie, bieten Sie einen Schutzraum, klären Sie auf, am besten präventiv und machen Sie ihr Kind stark, damit es sich auch im digitalen Raum wehren kann.

    Newsletter 25/26-10: 06.02.2026

    Liebe Schulgemeinschaft,

    dieser Newsletter erreicht Sie aus dem Schnee, als ich diese Zeilen schreibe, schneit es schon den ganzen Tag und ich sitze im Wintersport-Home-Office in Uttenheim in Südtirol.
    Ich habe lange gezögert, ob ich mir es überhaupt erlauben kann an der Wintersportwoche unseres 8. Jahrgangs teilzunehmen, habe mich dann aber „überreden“ lassen und bereue es kein Stück.
    Natürlich bleibt eine Menge Arbeit liegen, natürlich kann ich eine Menge Termine nicht wahrnehmen, natürlich fällt im LK Unterricht aus (gibt aber einen Arbeitsauftrag) und natürlich werde ich in den nächsten Wochen Liegengebliebenes aufarbeiten müssen. Aber das ist es wert. Außerhalb des unterrichtlichen Kontexts entsteht eine andere Welt. Für einige Schülerinnen und Schüler ist es die erste Erfahrung mit Urlaub in den Bergen, Schnee und Wintersport; für wenige ist es die erste Erfahrung mit Urlaub überhaupt und das zu beobachten erdet und erfreut zugleich. Es entsteht eine besondere Atmosphäre, man erlebt die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Kolleginnen und Kollegen in einem anderen Kontext. Es findet keine Bewertung statt, kein Zwang zum Unterricht in der Enge des Klassenraums im Takt der Schulstunde. Es gibt Freiheit, natürlich in einem pädagogisch angemessenen Rahmen.
    Diese Freiheit wirkt. Sie schafft Vertrauen, ermöglicht Gespräche, die im Schulalltag oft keinen Raum finden, und sie lässt Beziehungen wachsen, die später auch im Unterricht tragen. Man teilt Erfolge und Misserfolge auf der Piste, lacht gemeinsam, tröstet, ermutigt, hilft sich gegenseitig. Schule wird hier ganz konkret als Lebensraum erfahrbar.
    Gleichzeitig zeigt sich, wie wertvoll solche Fahrten für die Persönlichkeitsentwicklung unserer Schülerinnen und Schüler sind. Verantwortung füreinander, Durchhaltevermögen, das Überwinden eigener Grenzen, Rücksichtnahme und Gemeinschaft werden nicht theoretisch besprochen, sondern praktisch gelebt. Das sind Erfahrungen, die bleiben; oft länger als mancher Unterrichtsinhalt.
    Auch für uns Lehrkräfte ist diese Woche ein Perspektivwechsel. Sie erinnert daran, warum wir diesen Beruf ergriffen haben, und daran, dass Bildung mehr ist als Stoffvermittlung, Noten und Abschlüsse. Sie ist Beziehung, Haltung und gemeinsames Erleben.
    Zu dieser besonderen Woche gehören natürlich auch Konflikte. Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, wo Müdigkeit, Kälte, ungewohnte Anforderungen und Emotionen aufeinandertreffen, bleibt Reibung nicht aus. Bei wenigen zeigt sich auch ein mangelndes Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz oder die Schwierigkeit, eigene Grenzen auszuhalten. Auch das ist Realität und kein Scheitern, sondern Teil eines Lernprozesses.
    Gerade in diesen Momenten zeigt sich der pädagogische Wert solcher Fahrten. Konflikte werden nicht ausgeblendet, sondern begleitet, ausgehalten und so gut es geht gemeinsam gelöst. Schülerinnen und Schüler erfahren, dass Herausforderungen dazugehören, dass man nicht alles sofort können oder mögen muss und dass Unterstützung da ist, wenn es schwierig wird. Auch diese Erfahrungen sind prägend und wirken oft nachhaltiger als jede gut gemeinte Ermahnung im Klassenzimmer.
    Mein Dank gilt daher allen Kolleginnen und Kollegen, die diese Fahrten mit großem Engagement ermöglichen, Verantwortung übernehmen und sich auf diese besondere Form von Schule einlassen. Ebenso danke ich den Eltern für ihr Vertrauen.
    Ich werde mit müden Knochen, aber klarem Kopf, vielen Eindrücken und neuer Energie zurückkehren und ja, der Schreibtisch wird voll sein. Aber auch das gehört dazu und ist es wert.

    Ihr

    Erik Grundmann

    Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

    Interessantes
    Silke Müller behauptet, das Schulsystem sei insolvent. Warum erklärt „News4Teachers“: https://www.news4teachers.de/2026/01/wir-sind-insolvent-warum-ex-schulleiterin-silke-mueller-das-deutsche-bildungssystem-fuer-bankrott-erklaert-und-ausgestiegen-ist/.
    Susanne Posselt hat auf ihrer Website einen Vortrag von Andreas Schleicher zum Thema „Zukunftsschule 2041“ (aus Gewerkschaftsperspektive) zusammengefasst: https://susanneposselt.de/zukunftsschule-2041/.
    Das „Deutsche Schulportal“ setzt sich kritisch mit dem Trend zu „Dark Romance-Literatur“ bei kritischen Jugendlichen auseinander, darüber sollten Lehrkräfte Bescheid wissen (Spannender Twist: TikTok(BookTok/Social-Media fördert Leselsut): https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/dark-romance-im-jugendzimmer-was-lehrkraefte-jetzt-wissen-muessen/.
    „Kappan“ beschäftigt sich mit Schumeln mit KI: KI-Schummeln ist kein völlig neues Problem, sondern eine neue Form eines alten Problems. Erfolgreiche Reaktionen brauchen klare Definitionen, gemeinsame Regeln, KI-Kompetenz und dialogische Schulentwicklung statt rein technischer Detektion oder Verbote. https://kappanonline.org/cheating-the-ai-elephant-in-the-classroom/ (auf Englisch).
    JMS (Transparenzhinweis: Ich bin Mitglied) hat ein Impulspapier zu einem weltweiten Vergleich von Schulsystemen in Bezug auf die Vermittlung von Nachrichten- und Informationskompetenz veröffentlicht: https://journalismus-macht-schule.org/wp-content/uploads/2026/01/Impulspapier-JmS-1.pdf.
    Wer sich mit Growth Mindset in der Schule beschäftigt, sollte mal auf diese Seite von Martin Karacsony, Ruth Stocker und Falk Szyba schauen: https://bildungsspirit.de/index.html.
    Der LehrLernKompass von Uta Hauck-Thum und Micha Pallesche (OER, CC BY-NC 4.0) ist ein Assistent in CHatGPT und unterstützt Lehrkräfte dabei, Lehren und Lernen gemeinsam weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen Lernsettings, die Basiskompetenzen sichern und zukunftsrelevantes Lernen ermöglichen: https://chatgpt.com/g/g-6968caf825d08191930942f34592bf61-lehrlernkompass.

    Smartphone und Social-Media
    Nachtrag zum Schwerpunktthema des letzten Newsletters: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/brainrot-stumpft-ab-roblox-echtes-problem.
    Auch „netzpolitik.org“ setzt sich jetzt kritisch mit Roblox auseinander: https://netzpolitik.org/2026/gaming-plattform-roblox-gewalt-und-bauchfreie-oberteile/.

    KI
    Kritischer Artikel aus „Wired“ zu KI-Agenten: https://www.wired.com/story/ai-agents-math-doesnt-add-up/.
    Pressemitteilung der TU-Berlin zu einer Studie über romantische Beziehungen zu Chat-Bots: https://www.tu.berlin/nachrichtendetails/ich-werde-ihn-nicht-aus-irgendeinem-grund-loeschen-ich-liebe-ihn.
    RA Franziska Mauritz schreibt auf dem FelloFish Blog über rechtliche Leitplanken zum Einsatz von KI in der Schule: https://www.fellofish.com/blog/rechtliche-leitplanken-fuer-den-ki-einsatz.
    Hauke Pöhlert plädiert für mehr Professionalität im Kontext von KI und Schule. Spoiler: Wir sehen im internationalen Vergleich in Sachen Teamwork, Regeldurchsetzung, Hospitationen, Fortbildung, Netzwerken nicht gut aus. Er macht 10 Vorschläge zur Professionalisierung: https://unterrichten.digital/2026/01/30/fortbildung-professionalisierung-ki-schule/.
    Einführung in das Vibe-Coding (programmieren mit KI) auf „lernsachen.blog“: https://lernsachen.blog/2026/01/23/vibe-coding-was-ist-das-und-kann-ich-das-auch/.
    Andrea Buhl-Aigner („Smartphone-Coach“) bloggt zum Thema KI-Councelling (ein zunehmendes Phänomen, vgl. letzter Newsletter) bei Kindern über Social Media, zum Beispiel WhatsApp: https://www.smartphonecoach.org/fragt-dein-kind-die-ki-um-rat/.
    Manuel Flick hat eine „3×3-Modell“ für KI-resilientere Aufgaben entwickelt: https://www.manuelflick.de/blog/das-3×3-modell-fuer-ki-resilientere-aufgaben.
    Die FR berichtet über den Trend, dass gute Arbeiten vermehrt unter KI-Generalverdacht stehen: https://www.fr.de/panorama/beaengstigend-entwicklung-an-deutschen-schulen-stellt-gute-schueler-unter-generalverdacht-zr-94135510.html.

    Tipps für den Unterricht
    Auf dem LernSachen-Blog gibt es eine Silben-Lesehilfe, die Silben in Texten automatisch einfärbt, mit Bildern versieht oder vorliest: https://lernsachen.blog/2026/01/20/silben-lesehilfe-silbenfarbung-und-wortbilder-per-klick/.
    (Nicht nur) Für den Geschichtsunterricht gibt es unter https://shoahstories.video/de/ kuratierte Kurzvideos, produziert von Gedenkstätten und Zeitzeugen, zum Holocaust.
    (Könnte auch unter „KI“ stehen, tut es aber nicht) Tolles Material zu KI für die Unterrichtspraxis von „Klicksafe“: https://www.klicksafe.de/materialien/ki-and-me-wie-kuenstliche-intelligenz-unser-leben-praegt.
    Dr. Johannes Hellenbrand hat für Telli den KI‑Lernbegleiter für selbstreguliertes Lernen (SRL) Sid erstellt, hier gibt es die nötigen Informationen zur Einrichtung: https://github.com/drjhellenbrand/sid.

    Leseempfehlung
    Dieses Buch hat mir Sjef Drummen von der Agora-Schule in Roermond empfohlen und ich empfehle es gerne weiter: Rutger Bregmann: Im Grunde gut; Eine neue Geschichte der Menschheit, Hamburg 2025. Bregmann legt überzeugend dar, warum der Mensch eher nicht dem Hobbesschen Weltbild entspricht und nicht des Menschen Wolf ist, sondern eher hilfsbereit und kooperativ, eben im Grunde gut ist.

    Hörempfehlung
    Podcast des SR mit Silke Müller zu ihrem neuen Buch: https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:38f10bc4efd8d5a7/.
    Der KI-Podcast der ARD geht der Frage nach „Woran hakt die KI-Revolution in den Schulen?“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/woran-hakt-die-ki-revolution-in-den-schulen/id1698961192?i=1000739223328.

    Sehempfehlung
    Ich bin auf eine Playlist mit Videos von und zu Ken Robinson gestoßen, dessen Erkenntnisse und Beiträge zur Bildung unvergessen und inspirierend sind: https://www.youtube.com/playlist?list=PL8A48D7DAFBAF140A.

    Veranstaltungsempfehlung
    Am 25. Und 26. September findet wieder Vision@Schule an der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar statt. Wie im vergangenen Jahr gibt es interessante Vorträge, Workshops und mehr rund um die zukunftsfähige Schule.
    Und kurz vorher, am 23. September, natürlich Bob Blume im Bürgerhaus Dreieich.

    Spaß im Netz
    Heute gibt es mal einen Persönlichkeitstest anhand der Handschrift, natürlich reliabel, objektiv und valide wie eine Schulnote: https://r74n.com/mini/handwriting.

    Newsletter 25/26-09: 23.01.2026

    Liebe Schulgemeinschaft,

    es gab schon immer Trends, Codes und eine spezielle Sprache von Jugendlichen. Das ist kein Grund zur Sorge und dient auch der Distanzierung von anderen Generationen. Wenn ältere Generationen das adaptieren, wird es oft peinlich und das ist im Grunde auch unnötig.
    Dennoch ist es wichtig, dass sich gerade Eltern und Lehrkräfte mit der Lebenswelt von Jugendlichen beschäftigen, nicht um diese vollständig zu verstehen und zu durchdringen, sondern um wenigstens ein Gefühl dafür zu bekommen, was Kinder und Jugendliche umtreibt. Das gilt für elektronische Spiele, vor allem aber für soziale Medien.
    Soziale Medien sind definitiv integrale Bestandteil der Jugendkultur, sie dienen der Kommunikation und Vernetzung und sind damit auch ein Teil der Sozialisation in die Gesellschaft. Schließlich nutzen ja auch viele Erwachsene soziale Medien, um vernetzt zu bleiben, sich zu informieren oder zu amüsieren.
    Es gibt aber auch die negative Seite. Neben der Polarisierung, der Spaltung und den Fakenews, die schon den Erwachsenen schwer zusetzen, sind Kinder und Jugendliche diesen Gefahren hilfloser ausgeliefert, da ihre Urteilskompetenz noch in der Entwicklung ist. Das nutzen Extremisten jeglicher Couleur aus. Das ist weitgehend bekannt und wird gelegentlich sogar in der Öffentlichkeit diskutiert.
    Ich möchte in diesem Newsletter für etwas unbekanntere Phänomene sensibilisieren, von denen Eltern und Lehrkräfte zumindest wissen sollten.
    Vermutlich haben einige schon von Jugendlichen gehört, die sich von TikTok zum Selbstmord haben inspirieren lassen oder von anderen Nutzern in den Tod getrieben wurde, wie zum Beispiel von dem Hamburger „White Tiger“, der einen 13jährigen Jungen in den USA dazu gebracht hat sich aufzuhängen. Es gibt in den sozialen Medien ganze Netzwerke, die sich damit brüsten andere zu Selbstverletzungen oder Selbstmord zu bringen (https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/white-tiger-com-764-gefahr-kinder). Es gibt Handbücher in diesen Kreisen, in denen Manipulationstechniken erklärt werden und es gibt Foren und Chats in denen man sich austauscht. Das findet nicht nur auf TikTok statt, auch Discord, Telegram oder Roblox spielen dabei eine Rolle. Begehrte Opfer sind (psychisch labile) Teenager, weil diese in der Identitätsfindungsphase besonders vulnerabel sind.
    Ein noch häufiger vorkommendes Phänomen sind Challenges, bei denen es eher zu unfallbedingten Todesfällen kommt, wie bei der 13jährigen aus Kassel, die bei der sogenannten Blackout-Challenge, inspiriert auf TikTok, zu Tode kam (https://www.hessenschau.de/panorama/blackout-challenge-auf-tiktok-13-jaehrige-aus-landkreis-kassel-stirbt-bei-mutprobe-v1,tod-nach-tiktok-blackout-challenge-100.html). Bei dieser Challenge geht es darum, durch kurzzeitiges Strangulieren kurz in Ohnmacht zu fallen. Andere Challenges fordern Deospray einzuatmen, Rasierklingen zu schlucken oder Waschmittel-Kapseln zu essen. Klicksafe hat dazu Informationen bereit gestellt: https://www.klicksafe.de/news/gefaehrliche-tiktok-challenges-das-muessen-eltern-und-lehrkraefte-jetzt-wissen. Auch das HMKB hat Informationen zusammengestellt: https://digitale-schule.hessen.de/digitale-kompetenzen/beratungsstelle-jugend-und-medien-hessen/online-challenges.
    Neben diesen Challenges gibt es aber auch bestimmte Foren und Hashtags unter denen sich Jugendliche austauschen, zum Beispiel, wie bereits erwähnt, über Selbstmordmethoden oder aber auch zu Themen wie Abnehmen bis zur Magersucht. Triebkraft sind dabei oft Likes, also Anerkennung von anderen Nutzern und das Fehlen von Ansprechpersonen in der realen Welt. Unter anderem deshalb ist es so wichtig Vertrauensverhältnisse zu Kindern und Jugendlichen zu pflegen.
    Andere Challenges haben eine sexuelle Konnotation, wie die Pantyhose-Challenge oder andere, bei denen Kinder und Jugendliche Videos veröffentlichen, in denen sie leicht bekleidet posieren oder tanzen. Die Konsequenzen für einen Vierjährigen aus einer anderen Challenge werden hier beschrieben: https://www.spiegel.de/netzwelt/oberbayern-vierjaehriger-veraetzt-sich-an-spuren-von-tiktok-experiment-a-842bbbb5-316f-4d48-a2b1-86148c20113e?sara_ref=re-so-app-sh. Aber nicht nur Challenges oder Foren bergen gefahren, auch die Algorithmen haben es in sich. Diese lernen ja aus dem Interesse der Nutzer und verstärken Inhalte mit großer Reichweite, welche oft polarisierend oder empörend sind, also zu Reaktionen animieren. Reaktionen und Interaktionen, clicks und likes sind die Währung in den sozialen Medien. Erreicht man hohe Aufrufzahlen für seine Inhalte, lassen sich diese zu Geld machen oder für manipulative Zwecke nutzen. Dies können extremistische Inhalte jeglicher Couleur sein oder auch Fakenews, die zur Destabilisierung der Gesellschaft beitragen. Ein weiteres Beispiel für solche Blasen, ist die so genannte „Manosphere“ (Hierhin gehören Andrew Tate oder der so genannte „Sigma-Boy“, verfilmt wurde das Phänomen in der Netflix-Serie „Adolescence“). Dort werden archaische Männlichkeitsbilder kultiviert und zur Unterdrückung von Frauen aufgerufen: https://taz.de/Umgang-mit-Maennlichkeitsbildern/!6132595/. Ein anderes Beispiel ist die „Tradwife-Szene“, dort werden traditionelle Frauenbilder gepflegt, also Frauen, die nicht arbeiten und den Haushalt führen und sich alleine um Kinder kümmern.

    Lesenswert in diesem Zusammenhang ist das in einem früheren Newsletter schon einmal empfohlene Buch „Radikalisierungsmachinen“ von Julia Ebner (Berlin 2019). Eine weitere Leseempfehlung sind die beiden Bücher von Silke Müller zu dem Thema („Wir verlieren unsere Kinder“ und „Wer schützt unsere Kinder“).

    KI hebt all dies noch einmal auf ein neues Level. Inhalte sind einfacher zu erstellen und Algorithmen lassen sich durch KI-Bots manipulieren, ganz zu schweigen von den Möglichkeiten für Mobbing durch Nudifier-Apps (Apps, die aus normalen Fotos Nacktbilder erzeugen). Kinder werden oft schon sehr früh in sozialen Medien mit extremer Gewalt oder Pornografie, egal ob KI-generiert oder echt, konfrontiert, solche Inhalte werden in den Feed gespült oder von anderen Nutzern geteilt oder sogar zufällig per Airdrop aufgefangen.

    Ich möchte hier keine Panik machen. Soziale Medien haben viele positive Seiten, ich nutze sie auch gerne und intensiv. Sie sind eine zentrale Kommunikations- und Vernetzungsinstanz für Jugendliche. Es ist aber wichtig, dass Eltern und Lehrkräfte wissen, was in sozialen Medien passiert und möglich ist, um auf Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen vorbereitet zu sein. Das Schlechteste, was sie tun können, wenn ein Kind mit einer Horrorgeschichte aus den sozialen Medien zu Ihnen kommt, ist diese oder das Handy zu verbieten. Damit erreichen Sie nur, dass das Kind das nächste Mal nicht mehr kommt und mit seinen Erlebnissen dann alleine ist. Reden Sie, trösten Sie, bieten Sie einen Schutzraum, klären Sie auf, am besten präventiv und machen Sie ihr Kind stark, damit es sich auch im digitalen Raum wehren kann.

    Ihr

    Erik Grundmann

    Aus aktuellem Anlass noch eine weitere Warnung. Aktuell werden von Jugendlichen zunehmend Zahnstocher mit Geschmack genutzt. Diese sind jedoch nicht alle harmlos, es gibt diese auch in Nikotin getränkt, teilweise in hoher Dosierung: https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/rauchstopp/was-nikotinzahnstocher-so-gefaehrlich-macht-1455619.html.

    Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

    Interessantes
    „News4Teachers“ beschäftigt sich mit der Lehrerarbeitszeit: https://www.news4teachers.de/2025/12/wie-viel-lehrkraefte-arbeiten-und-was-die-reine-unterrichtszeit-macht-nur-noch-ein-drittel-der-arbeitszeit-aus/.
    Der SWR stellt eine Schule ohne Noten und Klassenarbeiten in Stuttgart vor: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/schickhardt-gemeinschaftsschule-lernkonzept-pilot-schule-100.html.
    Auf der Homepage der Zeitschrift „Eltern“ findet eine kritische Auseinandersetzung mit dem „Adult Only“-Trend statt: https://www.eltern.de/familie-urlaub/familienleben/-adult-only–trend–symptom-einer-gesellschaft–die-kinder-zum-stoerfaktor-erklaert-14046272.html.
    „News4Teachers“ setzt sich kritisch mit dem „Startchancen-Programm“ auseinander. Spoiler: Zu viel Bürokratie, zu viel Top-Down und Intransparenz: https://www-news4teachers-de.cdn.ampproject.org/c/s/www.news4teachers.de/2025/12/schulleitungen-zum-startchancen-programm-geld-das-den-schulen-helfen-soll-blaeht-die-verwaltung-auf-und-fehlt-in-den-klassenzimmern/?amp=1.

    Smartphone und Social-Media
    Spannende Studienergebnisse zu Short-Videos auf TikTok. Spoiler: Diese haben einen negativen Einfluss auf die Erinnerungsfähigkeit: https://arxiv.org/pdf/2302.03714. (Siehe dazu auch die „Sehempfehlung“ zu „brain rot“)
    Mini-Studie von „use the news“ zum Nutzungsverhalten Jugendlicher auf TikTok: https://www.usethenews.de/de/dokumente/tik-tok-studie-2025. Ein Kernergebnis: „Die Teilnehmenden wissen sehr wenig über die Sammlung und Verarbeitung von Informationen durch TikTok. Sie haben geringe Bedenken bei der Preisgabe personenbezogener Daten, aber mit steigendem Alter wächst das Verständnis für die Funktionsweise der Plattform.“
    Das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration hat eine Seite zu Desinformationen und Verschwörungstheorien erstellt: https://www.lass-dich-nicht-manipulieren.de/de?category=.
    Metastudie zum „Brain-Drain“ durch Smartphones https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10525686/.
    Der Standard beschreibt, wie vor allem Frauen mit Smart-Watches gegen ihren Willen gefilmt werden und diese Videos dann im Netz landen: https://www.derstandard.at/story/3000000303757/smart-brillen-werden-genutzt-um-videos-von-frauen-gegen-ihren-willen-ins-netz-zu-stellen.

    KI
    Interessanter Beschluss des Verwaltungsgerichts Hamburg zu einem Betrugsversuch mit KI bei einer Hausarbeit im Fach Englisch, die Beschwerde gegen die Wertung als Betrugsversuch wird abgelehnt: https://justiz.hamburg.de/resource/blob/1128534/4a02d061e1d2a47e4ff1449241831117/2-e-8786-25-beschluss-vom-15-12-25-data.pdf.
    Starke und fundamentale KI-Kritik von Cory Doctorow (sehr lang und auf Englisch): https://pluralistic.net/2025/12/05/pop-that-bubble/#u-washington.
    Barbara Geyer, Professorin an der University of Applied Sciences Burgenland, hat ein tolles Padlet mit KI Tools für wissenschaftliches Arbeiten zusammengestellt: https://padlet.com/barbarageyer/ki-tools-f-r-wissenschaftliches-arbeiten-jrgdcpc7xajs66nx. Barbara Geyer hat auch einen lesenswerten Blog zu KI-Agenten geschrieben. Spoiler: KI-Agenten können Online-Kurse absolvieren, das Problem ist, dabei lernt man nichts: https://barbarageyer.substack.com/p/wenn-ki-agenten-fur-uns-lernen.
    „ars Technica“ berichtet, wie OpenAI Informationen in einem Selbstmord-Fall unterdrückt: https://arstechnica.com/tech-policy/2025/12/openai-refuses-to-say-where-chatgpt-logs-go-when-users-die/.
    Im FelloFish-Blog schreibt die Rechtsanwältin Franziska Mauritz zum KI-Einsatz in Schulen: https://www.fellofish.com/blog/rechtliche-leitplanken-fuer-den-ki-einsatz.
    Auch die DKJS hat ein Papier zu KI-Anwendungen in Schulen veröffentlicht, hier geht es um den Schwerpunkt Leistungsbewertung: https://www.dkjs.de/publikation/einsatz-von-ki-anwendungen-fuer-die-leistungsbewertung-an-schulen/.
    Die OECD hat einen Report zur Effektivität von KI-Nutzung im Unterricht veröffentlicht: https://www.oecd.org/en/publications/oecd-digital-education-outlook-2026_062a7394-en.html. Eine knappe Zusammenfassung gibt es hier: https://theeconomyofmeaning.com/2026/01/21/after-the-warnings-when-ai-in-education-can-work-possibly/.

    Tipps für den Unterricht
    Zwei Lehrerinnen aus Belgien berichten in der „Frankfurter Rundschau“ über ihre Strategien bei herausfordernden Lernenden:  https://www.fr.de/panorama/strategien-koennten-altmodisch-erscheinen-lehrerin-mit-klarer-ansage-an-schueler-zr-94102480.html?. Klaus Hurrelmann spricht in einem Interview des „Deutschen Schulportals“ über Lernchancen in der Pubertät: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/klaus-hurrelmann-warum-die-pubertaet-so-viele-chancen-bietet-und-wie-schule-sie-besser-nutzt/.
    (Schlechtes) Feedback Teil 2 auf dem FelloFish-Blog von Hendrik Haverkamp: https://www.fellofish.com/blog/richtig-schlechtes-feedback.
    „WARUM … SOL, autonomes Lernen und Agilität nicht ausreichen“ von „Die Lernbegleiterin“: https://dielernbegleiterin.substack.com/p/warum-sol-autonomes-lernen-und-agilitat.

    Leseempfehlung
    Anders Indset: Das infizierte Denken, Berlin 2021. Der sich selbst als „Wirtschaftsphilosoph“ bezeichnende Indset, ehemaliger Handballprofi, Autor und erfolgreicher Unternehmer, analysiert unsere Gesellschaft und entwirft Szenarien für eine bessere Welt, indem wir unser Denken wieder auf wesentliche Aspekte richten. Keine leichte Kost, aber sehr
    (er-)kenntnisreich.

    Hörempfehlung
    Schwieriges Thema und deshalb erst recht eine Hörempfehlung, der „Israel-Palästine-Podcast“ mit mittlerweile über 50 Folgen von fünf Schülerinnen und Schülern aus Berlin-Neukölln mit zahlreichen Experten als Gästen: https://www.katholische-akademie-berlin.de/veranstaltungen/veranstaltungsreihen/berliner-oberstufenforum/israel-palestine-podcast/.
    Der Podcast „Potenzialverstärker“ des SPIEGEL-Bildungsjournalisten Armin Himmelrath bietet interessante Gäste, im Dezember 2025 zum Beispiel Leonard Sommer: https://potenzialverstaerker.podigee.io/.
    Die Keynote von Prof. Lewandowsky „Fake News erkennen ist zu wenig: Welche Medienkompetenzen Schüler:innen lernen müssen“ vom letzten Netzwerktreffen von „Journalismus macht Schule“ ist hörenswert: https://open.spotify.com/episode/2KLKa22Q0YOW92Z2Cnweaa.

    Sehempfehlung
    Aktuelle Studienergebnisse zu „brain rot“ auf dem You-Tube-Kanal von „Howtown“: https://www.youtube.com/watch?v=tdIUMkXxtHg&t=909s.
    Immer eine jährliche Sehempfehlung ist das „Sekundenglück-Video“ der ERS Karlsruhe: https://vimeo.com/1147913613/6fa19cb5df?share=copy.
    Video von „Topfvollgold“ (Mats Schönauer). Hier wird auf die zunehmende Manipulation auf YouTube eingegangen: https://www.youtube.com/watch?v=FgVbNktCUzs.

    Veranstaltungsempfehlung
    Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.

    Spaß im Netz
    Wer die Hufe des Pferdes findet, bekommt den nächsten Newsletter gratis: http://endless.horse/.

    Blog 2026-01: Mein persönlicher Jahresrückblick 2025

    Wieder ist ein ereignisreiches Jahr zu Ende gegangen. In meinem Jahresrückblick 2023 habe ich mich intensiv mit KI auseinandergesetzt. Diese Auseinandersetzung dauert nach wie vor an, ich gebe mittlerweile Workshops zu diesem Thema oder halte Vorträge zu KI. Trotz großer Fortschritte mit fobizz oder der im Herbst erfolgten Einführung von telli in Hessen ist bei vielen Lehrkräften die Auseinandersetzung mit und der Einsatz von KI immer noch nicht angekommen (bei den Schülerinnen und Schülern allerdings sehr wohl). Auch wenn noch viele Fragen offen sind, bin ich nach wie vor überzeugt, dass KI Schule und Unterricht grundsätzlich verändert.
    2024 habe ich mich mit meinen ersten 1,5 Jahren als Schulleiter auseinandergesetzt. Mittlerweile fühle ich mich in meiner Rolle sicher und liebe meinen Job, es wird aber auch immer offensichtlicher, dass das Schulsystem, nicht nur wegen KI, vor großen Herausforderungen steht und die Arbeit als Schulleiter anspruchsvoller wird. Bob Blume hat einmal bei Markus Lanz das Bild bemüht, dass wir im Flug eine Propellermaschine in einen Düsenjet umbauen müssen. Ich würde das mittlerweile um die Sorge ergänzen, dass uns die Kraft und das Personal dafür auszugehen drohen, weil das System zunehmend von den Herausforderungen überrollt wird. Schließlich leben wir ja in Zeiten sich exponentiell beschleunigender Veränderungen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, dürfte das begonnene Jahr ein in vielerlei Hinsicht entscheidendes werden. Und das gilt nicht nur für Bildungsthemen, mit denen ich mich hier befasse.
    Was unsere Schulentwicklung angeht, habe ich im letzten Jahr davon gesprochen, dass wir Strukturen geschaffen haben, die anfangen zu arbeiten. Das ist geschehen und es haben sich einige Arbeitsgruppen gebildet, die an Konzepten zur Veränderung arbeiten. Ziel ist es im Schuljahr 2027/28 mit den ersten 5. Klassen mit selbstreguliertem Lernen zu starten.

    Als ich begonnen habe, diesen Beitrag vorzubereiten, ist mir deutlich geworden, was in diesem Jahr alles passiert ist, an welchen Veranstaltungen ich teilnehmen und teilgeben durfte, mit wem ich mich alles neu vernetzen konnte oder welche Vernetzung ich vertieft habe. Bevor ich noch ein paar allgemeine Entwicklungen und Beobachtungen zusammenfasse, will ich wesentliche Ereignisse des Jahres 2025 chronologisch wiedergeben.

    Am 29. Januar fand unser erstes Bildungsbier an der Weibelfeldschule statt. Eine gelungene Vernetzungsveranstaltung von Schulen und außerschulischen Bildungsträgern aus der Region. Leider ist eine Wiederholung zum Jahresende an mangelndem Interesse gescheitert, wir bleiben aber dran.

    Im Februar fanden zwei wichtige Veranstaltungen statt. Am 14. Februar hat eine Schülergruppe der Weibelfeldschule auf der Didacta einen Vortrag zur Entwicklung unserer Zukunftsschmiede „Trendhub“ gehalten und ich durfte zum Thema „Demokratie braucht Bildung – Bildung braucht Demokratie! Die Rolle von KI & Social Media in Schulen“ referieren.
    Am 21. Februar durfte ich dann in Berlin beim fobizz-Klassentreffen einen Workshop zu „Neue Lern- und Prüfungskultur mit KI. Warum KI in Schule alles verändert? Oder auch nicht?“ halten. Diese beiden Veranstaltungen haben mich darin bestärkt, dass ich mit meinen Herzensthemen Demokratie- und Medienbildung sowie KI zwei wichtige Themen besetze und ich dazu auch etwas zu sagen und zu vermitteln habe. Neben Schulentwicklung werden mich diese beiden Themen auch in den nächsten Jahren begleiten, erste Veranstaltungen sind schon terminiert und in der Planung.

    Der März brachte die großartige Veranstaltung Vision@Schule an der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar, wo ich einen Workshop zu Schulentwicklung aus der Leitungsperspektive halten durfte. Eine großartige Veranstaltung mit Begegnungen mit zahlreichen wunderbaren und bildungsbegeisterten Menschen: Stefan Ruppaner, Ferdinand Stebner, Astrid Kalantzis, Daniel Füller, Steven Bauer, Kristin und Ulrike van der Meer, Daniel Steh, Susanne Burzel, Andreas Fischer und viele mehr.
    Außerdem wurde die Weibelfeldschule am 18. März offiziell von Kultusminister Armin Schwarz als Selbstständige Schule zertifiziert.

    April, Mai und Juni waren dann von den üblichen Aktivitäten wie Osterferien (mit Abnahme 1. Staatsexamina an der Uni), Abitur und 2. Staatsexamina geprägt. Übrigens dienen Teile der Ferien mittlerweile nicht mehr der nötigen Regeneration und Erholung, sondern dem Aufarbeiten der Desiderate aus der Zeit davor, so zumindest meine Beobachtung aus dem vergangenen Jahr. Im Juni fand dann noch das von einer E-Phase organisierte Tonali-Konzert in der Alten Oper in Frankfurt statt, die Kreisschüler*innenvertretung Offenbach feierte 55jähriges Bestehen, die Stadtwerke haben den Vincent-Preis verliehen und eine unserer DSP-Gruppen wurde bei den Hessischen Schultheatertagen ausgezeichnet. Am 30.06. startete dann die letzte Schulwoche mit der Abschlussfeier der Mittelstufe.

    Vor den Ferien ging es im Juli noch einmal hoch her, mit der akademischen Abiturfeier und dem Abiball, zu dem parallel noch unser Do-Tank in der Zukunftsschmiede mit einer Vernissage eröffnet wurde. Ich durfte erstmals am Premiereabend der Burgfestspiele teilnehmen, unsere erste Ausgabe der Schülerzeitung „4omo“ kam heraus und am letzten Schultag habe ich natürlich die Schülerinnen und Schüler in die verdienten Sommerferien verabschiedet.

    In den Sommerferien stellte sich dann tatsächlich zum ersten Mal im Jahr etwas Erholung ein und ich konnte mit meinem Sohn die Platte für eine Modelleisenbahn aufbauen; leider sind wir aber über die Platte bisher nicht hinausgekommen.

    Die letzte Ferienwoche starteten wir mit einer Schulleitungsklausur auf dem Hofgut Neuhof im Rahmen des Knistern-Festivals der Feuerfreunde. An der selben Location durfte ich dann auch noch einem Vernetzungstreffen für Stiftungen und Firmen aus der Region teilnehmen, an dem ich wertvolle Kontakte zur Flughafenstiftung, Hahn-Air oder Celina von Collect-it knüpfen konnte. Am 20. August bekamen wir dann von unserem Ministerpräsidenten Boris Rhein einen Scheck mit einer beachtlichen Fördersumme der Flughafen-Stiftung für unsere Zukunftsschmiede überreicht. Am 27. August habe ich einen Vortrag zu KI für Anfänger auf dem Oberstufentag der hessischen Waldorfschulen gehalten. Der Monat endete dann mit meiner Geburtstagsparty, auf der ich meinen 50. aus dem Vorjahr nachgeholt habe.

    Der September war wieder sehr ereignisreich und startete mit der mobile.schule-Tagung in Hannover, wo ich viele bekannte Gesichter treffen konnte, zum Beispiel Silke, Jochen, Daniel und Jan, aber auch Georg, Hauke, Niels und viele mehr.
    Vom 4. bis zum 6. September erfolgte dann eines meiner Persönlichen Highlights, der Besuch der Agora-Schule in Roermond. Ein weiteres Highlight waren die Kamener Schulgespräche am 22. September. Auch das ein Wiedersehen mit vielen Bildungsenthusiasten, neben den meisten, die schon in Wetzlar dabei waren, war es schön Katja Glasmachers und Anika Osthoff persönlich kennenzulernen. Einen krönenden Monatsabschluss bildete dann der von mir organisierte Abend mit Vortrag von Silke Müller und anschließender von mir moderierter Podiumsdiskussion im Bürgerhaus Dreieich.

    Im Oktober war es dann etwas ruhiger, in den arbeitsreichen Herbstferien gab es wieder Staatsexamina an der Uni und danach in der Schule. Besonders schön war der Besuch von Susanne Posselt am 28. Oktober, der ich unsere schöne Weibelfeldschule zeigen durfte und mit der immer ein interessanter Austausch stattfindet.

    Im November war ich dann wieder etwas unterwegs. Am 05. fand die jährliche Tagung von Bildungsfaktor Abitur in Friedberg statt. Als Mitglied des Vorstandes hatte ich die Ehre Diana Knodel von fobizz als Keynote-Speaker zu gewinnen und mit ihr gemeinsam einen Workshop zu gestalten. Am 15. fand erstmals die Edunautika-Süd statt, ich hoffe das war der Auftakt und es geht nächstes Jahr weiter, auch hier durfte ich zwei Sessions zu meinen Themen anbieten. Abgerundet wurde der November durch eine Hospitation am Gymnasium in Mainz-Mombach (Bericht folgt).
    Außerdem habe ich im November den mir sehr wichtigen Blogbeitrag „Vom Scheitern“ veröffentlicht, der auf sehr positive Resonanz gestoßen ist.

    Im Dezember bekam eine unserer Intensivklassen einen Demokratiepreis des Hessischen Justizministeriums verliehen und ich konnte ein Selfie mit Sebastian Rode abstauben. Zum Jahresabschluss war ich beim Netzwerktreffen von „Journalismus macht Schule“ in der Landesvertretung von Mecklenburg-Vorpommern in Berlin. Dort gab es spannende Vorträge und Workshops rund um Journalismus und Medienbildung. Das Ziel ist es hier in den nächsten Jahren, gemeinsam mit Florian Nuxoll, mehr Expertise seitens der Lehrkräfte einzubringen. Besonders hat mich gefreut Kerstin Butenhoff und Leonard Sommer persönlich zu treffen. Außerdem konnte ich mich auch dort weiter vernetzen und ich habe ein Selfie mit der Bundesbildungsministerin ergattert.

    Natürlich war das nur eine Auswahl meiner Aktivitäten und Begegnungen, die zeigen wie wichtig es ist, sich immer weiter zu vernetzen. Außerdem sind diese Veranstaltungen immer wieder ein Motivationsfaktor, der einen aus dem Alltag holt und neue Perspektiven eröffnet, der zeigt, was Andere tun und was alles möglich ist. Danke an alle, die mir immer wieder diese Möglichkeiten bieten!
    Zu diesen Begegnungen gehören zum Beispiel auch noch die regelmäßigen Treffen mit meinem ehemaligen Chef, Hans Peter Löw, mit dem ich die Austausche zu schul- und weltpolitischen Entwicklungen sehr schätze. Toll war es auch Sascha Eschmann von „Nur Mut“ oder Christian Weiß und Susanne Mombers von den Feuerfreunden kennenzulernen oder Celina Schwarz von collect-it, wir werden sicher in Zukunft noch gemeinsam Dinge bewegen. Ein besonderer Dank geht auch an die Unterstützung aus der Politik, besonders an den Landrat Oliver Quilling, den ehemaligen Bürgermeister Bernd Abeln und Frau, sowie den aktuellen Bürgermeister Martin Burlon die uns immer wieder unterstützen und ohne die unsere Zukunftsschmiede nicht so schnell und so schön umgesetzt worden wäre. Zu den Unterstützern dafür zählen natürlich auch die schon erwähnte Flughafen-Stiftung, aber auch die Eisel- und die Düncher-Stiftung, die Sparkassen-Stiftung und viele mehr. Ich habe sicher leider wichtige Förderer unserer schulischen Arbeit vergessen, bin aber allen dankbar, die die Weibelfeldschule und meine Bildungsaktivitäten unterstützen. Dazu zählt natürlich der Förderverein, aber auch die KiJuFö der Stadt Dreieich, die Stadtwerke, der Paritätische und der Kreis Offenbach, die die Veranstaltung mit Silke Müller unterstützt haben, Danke auch an die Teilnehmenden an der Podiumsdiskussion von der LSV, dem LEB, DSS und der GMK.

    Viel Freude bereitet mir über das Jahr auch immer mein ehrenamtliches Engagement bei DigitalSchoolStory, der Europa Union, der Dreieicher Stolpersteininitiative, als Mentor für das GROW-Programm der Goethe-Universität Frankfurt und bei Bildungsfaktor Abitur.Hessen.

    Auch meine Nebentätigkeit beim Abendgymnasium Offenbach in der Erwachsenenbildung ist immer noch eine Bereicherung. Hier ist allerdings ein Ende absehbar. Weil ich meinen Workload im Blick haben muss, werde ich hier nur noch meinen aktuellen Kurs zum Abitur 2027 begleiten und dann aufhören, auch wenn ich das AGO vermissen werde.

    Eine wichtige Bereicherung ist auch meine Mitgliedschaft im Think-Tank „Lehren und Lernen im Kontext von Künstlicher Intelligenz“ im Rahmen von VK:KIWA, einem Netzwerk wichtiger Personen in der KI-Bildungsblase.

    Ich bin immer wieder fasziniert, was in einem Jahr alles passieren kann. All diese Aktivitäten fordern mich und bereichern mich. Die Kunst ist Überforderung zu vermeiden. Ich merke, wie mir zunehmende Vernetzung und damit Professionalisierung gut tun, mich aber auch Kraft kosten.
    Die Herausforderung im kommenden Jahr wird sein, eine Balance aus weiterer Vernetzung und Pflege des Netzwerks, den wachsenden täglichen Aufgaben als Schulleiter und den notwendigen Aufgaben in der Schulentwicklung zu finden. Ich glaube, dass 2026 ein herausforderndes und wegweisendes Jahr in vielen Bereichen wird.
    Für mich persönlich wird der Schwerpunkt im nächsten Jahr darauf liegen, bestehende Netzwerke zu pflegen und moderat zu erweitern, in der Schule müssen Kompetenzen für individualisierte Lernprozesse aufgebaut und Lösungen zum Umgang mit herausfordernden Schülerinnen und Schülern gefunden werden. Wir müssen unseren Transformationsprozess vorantreiben, um Schule zukuntsfest und die Welt enkelfähig zu machen. Ich werde weiter spannende Schulen besuchen, fest gebucht ist ein zweiter Besuch in der Richtsbergschule in Marburg und ein Besuch bei der IGS-Süd in Frankfurt, geplant sind Besuche bei Susanne Posselt in Pforzheim, Daniel Steh in Frechen, Andreas Fischer in Köln und bei Jonas Wagner in Hannover, ein Traum wäre es irgendwie bei der Alemannenschule in Wutöschingen reinzukommen.

    Wir haben gesamtgesellschaftlich und schulisch wichtige Weichen zu stellen. 2026 wird ein wichtiges Jahr für die Zukunft der Bildung in Deutschland, ich bin bereit.

    Newsletter 25/26-08, 19.12.2025

    Liebe Schulgemeinschaft,

    ein aufregendes Jahr neigt sich dem Ende zu.

    Wir leben in einer Zeit rasanter Veränderung. Traditionen, Strukturen, liebgewordene Muster brechen auf und werden in Frage gestellt, es ist in vielen Bereichen noch unklar, wohin die Reise geht. Auch unsere Weibelfeldschule ist von diesen Entwicklungen und Veränderungen betroffen. Der Umgang der Schulgemeinschaft untereinander und mit unserem Bildungsauftrag verändert sich und auch wir wissen nicht, wo die Reise hingeht.

    Wir haben uns auf den Weg gemacht, mit diesen Veränderungen umzugehen. Natürlich dauert es etwas, bis die Veränderungen sichtbar werden. Ich denke, im Rückblick wird 2025 ein entscheidendes Jahr in unserem Schulentwicklungsprozess sein. In den letzten beiden Schuljahren haben wir uns Strukturen gegeben (DNA-Gruppe, Weiterentwicklung SEG, AGs der SEG), um die Schule agil und mit der ganzen Schulgemeinschaft weiterzuentwickeln und in den nächsten beiden Jahren werden die Veränderungen dann sichtbar werden.

    Kleine Dinge sind schon sichtbar, so wurden in den Flurbereichen mehr Möglichkeiten für offenes Arbeiten geschaffen, indem mehr Tische, Bänke und Stühle aufgestellt wurden. Das ist aber erst der Anfang, seien Sie gespannt, was noch kommt.

    Jetzt ist aber nicht die Zeit vieler Worte, jetzt ist die Zeit der Besinnung und Ruhe. Genießen Sie die Winterferien, gewinnen Sie etwas Abstand vom Alltagsstress und lassen Sie Schule etwas in den Hintergrund treten.

    Wir brauchen im kommenden Jahr viel Kraft und Leidenschaft, um unsere Weibelfeldschule zu einem noch besseren Ort für uns alle zu machen.

    In diesem Sinne:

    Ihr

    Erik Grundmann

    Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

    Interessantes
    Nachtrag zum Thema des letzten Newsletters: Auf dem „Deutschen Schulportal“ gibt es einen ausführlichen Beitrag zu psychischen Belastungen in der Schule: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/psychische-gesundheit-aengste-depressionen-essstoerungen-wie-koennen-schulen-auf-psychische-belastungen-reagieren/.
    Edutopia stellt die zehn wichtigsten Studien zur Bildung 2025 vor: https://www.edutopia.org/visual-essay/the-10-most-significant-education-studies-of-2025.
    Jan-Martin Wiarda berichtet in seinem Blog über den Abschluss der Verhandlungen zum Digitalpakt 2.0: https://www.jmwiarda.de/blog/2025/12/11/es-soll-losgehen.
    Studie zum Zusammenhang von Bildschirmzeit und kindlichem Spracherwerb, frühkindlicher Bildung und sozialen Fähigkeiten: https://psycnet.apa.org/fulltext/2025-64115-001.pdf.

    Smartphone und Social-Media
    Laut einer neuen Studie der Postbank steigen zunehmend Jugendliche wegen Hass, Aggression, Unwahrheiten und Suchtgefahren aus Social Media aus: https://www.deutschlandfunk.de/zahlreiche-jugendliche-steigen-einer-befragung-zufolge-aus-sozialen-medien-aus-wegen-hass-aggression-102.html. Mehr Informationen: https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2025/august/studie-smartphone-im-grundschulalter-viele-eltern-erlauben-fruehe-nutzung-und-setzen-klare-regeln.html. Die Studie selbst habe ich leider nicht gefunden.
    „INVED“ warnt vor einer Zuspitzung der Lage bei visuellen Fake-Inhalten: https://inved.eu/insight/visuelle-ki-inhalte-die-lage-spitzt-sich-weiter-zu/.

    KI
    Die Hessische Lehrkräfteakademie hat eine Edumap zu telli mit Promptbeispielen, Handreichungen und Tipps, zum Beispiel zu Prüfungsformaten und mehr veröffentlicht: https://he.edumaps.de/81732/250705/ifsid7yl3h/58uagx58w2.
    Hauke Pöhlert hat sich intensiv mit Feedback auseinandergesetzt und dabei Mensch und KI verglichen: https://unterrichten.digital/2025/11/19/feedback-mensch-ki-studie-schule/. Er bezieht sich dabei auf die (empfehlenswerte) Folge 7 des Podcasts „Kompass KI“ von Hendrik Haverkamp und Benedikt Wisniewski: https://open.spotify.com/episode/3IBZ7Kq3qNGvx9wOj7tp7K.
    Der BR berichtet über Psychosen, die durch KI entstehen können, wie diese dazu neigt die Ideen der Nutzenden zu bestärken: https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/ki-psychose-was-dahintersteckt-und-welche-warnsignale-es-gibt,V59CK69.
    Der ORF zeigt, dass die Propaganda russischer Desinformationskampagnen darauf ziel LLM zu kontaminieren: https://science.orf.at/stories/3233329/. Spoiler: Dazu braucht es gar nicht viele Daten.
    Die Hopp-Foundation hat einen sehr brauchbaren KI-Wegweiser für Schulleitungen, Lehrkräfte und Lernende erstellt: https://www.hopp-foundation.de/ki-wegweiser/.
    Ronald Purser schreibt in „Curent Affairs“ darüber, wie KI das Lernen an Universitäten zerstört: https://www.currentaffairs.org/news/ai-is-destroying-the-university-and-learning-itself.
    „IP CloseUp“ zeigt, wie Menschen KI nutzen und wie sich die Nutzung seit letztem Jahr verändert hat: https://ipcloseup.com/2025/06/25/harvard-business-review-research-finds-the-top-use-of-gen-a-i-in-2025-is-companionship-therapy/. Spoiler: Der neue Platz 1 ist „Therapie und Begleitung“.

    Tipps für den Unterricht
    Der Kompetenzverbund lernen:digital hat eine 2. Auflage seiner fachspezifischen Broschüren zu digital gestütztem Unterricht veröffentlicht: https://lernen.digital/2025/12/09/broschuren-zu-fachlichen-unterrichtskonzepten-und-fortbildungen-2-auflage/.
    Ferdinand Stebner, einer der führenden Experten für selbstreguliertes Lernen, stellt auf seiner Homepage zahlreiche Informationen dazu und zum Lernen der Zukunft vor: https://www.ferdinand-stebner.de/.
    Bei „4teachers“ gibt es eine Internet Rallye zu Weihnachten: https://www.4teachers.de/?action=material&id=61783.

    Leseempfehlung
    Wer sich aus einer Laienperspektive intensiver mit KI beschäftigen will, dem sei das buch „Künstliche Intelligenz für dummies“ von Ralf Otte (Weinheim 2023) empfohlen.

    Hörempfehlung
    Vielleicht sollten wir über die Festtage mehr mit echten Menschen reden als einen Podcast zu hören.

    Sehempfehlung
    Hier empfehle ich mal wieder einen TED-Talk und zwar von Aylon Samouha, der eine dringende Neuordnung des Schulsystems fordert: https://www.ted.com/talks/aylon_samouha_schools_urgently_need_a_redesign_here_s_how.
    ARD-Wissen Doku zum Glücklichsein, am Beispiel Finnland: https://www.ardmediathek.de/video/auf-spurensuche-oder-ard-wissen/was-macht-uns-gluecklich-er/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9lMmU5OTMzZS1mYmQwLTQ4ODEtOGFmNS0zNjA1MWY4YzU5ODhfb25saW5lYnJvYWRjYXN0. Darin auch wichtige Informationen zum Schulsystem.

    Veranstaltungsempfehlung
    Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.

    Spaß im Netz
    Mach den Würfel glücklich: https://chrismckenzie.com/.

    Newsletter 25/26-07, 05.12.2025

    Liebe Schulgemeinschaft,

    Im Vorletzten Newsletter hatte ich mich ja schon mit mentaler Gesundheit beschäftigt und einen Schwerpunkt auf die Resolution der Bundesschülerkonferenz dazu gelegt (https://www.schulmun.de/2025/11/07/newsletter-25-26-05-07-11-2025/). Im letzten Newsletter wollte ich dann Tomoni vorstellen, eine neue Kooperation zu diesem Thema, die wir als Schule eingegangen sind. Vorher aber noch ein paar allgemeine Anmerkungen dazu. Etwa einer oder eine von fünf Jugendlichen und jungen Erwachsenen (13 bis 21 Jahre) berichten über Anzeichen von Angst, etwa 10% zeigen depressive Symptome. So die aktuelle Copsy-Studie der UKE (https://www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik/forschung/arbeitsgruppen/child-public-health/forschung/copsy-studie.html). Laut BiPsy-Monitor warten Jugendliche fast 20 Wochen auf einen Therapieplatz (https://bipsy.de/wp-content/uploads/Fact-Sheet_BiPsy-Monitor_T2.pdf). Laut dem aktuellen Deutschen Schulbarometer zeigen sich bei 21% der Schülerinnen und Schüler psychische Auffälligkeiten. Weiter heißt es dort: „Ein Viertel der Jugendlichen schätzt die eigene Lebensqualität als gering ein. Zwei Drittel bewerten sie als mittel und nur sechs Prozent als hoch. Ungefähr ein Fünftel der Schüler:innen bezeichnet sich selbst als psychisch belastet.  Ebenso viele klagen über ein geringes schulisches Wohlbefinden, bei Kindern aus Familien mit niedrigem Einkommen sogar knapp jedes Dritte. Die Kriege in der Welt, der Leistungsdruck in der Schule, die globale Klimakrise und die Ängste vor der eigenen Zukunft bereiten ihnen die meisten Sorgen.“ (https://www.bosch-stiftung.de/de/storys/kriege-leistungsdruck-und-klimakrise-belasten-schuelerinnen). Laut einer Analyse des BARMER-Instituts für Gesundheitsforschung stieg die Anzahl der Depressionsdiagnosen bei 5- bis 24-Jährigen von 2018 bis 2023 um 30% auf 409.000. Überdurchschnittlich sind Mädchen betroffen, bei denen die Zahl der Diagnosen im Betrachtungszeitraum um 38% auf 282.500 stieg (https://www.barmer.de/presse/presseinformationen/pressearchiv/diagnose-depression-bei-immer-mehr-jungen-menschen-1288264).

    Diese Entwicklungen sollten uns zu denken geben. Im Grunde ist es müßig über die Ursachen zu streiten, was am Ende zählt ist der Ist-Zustand und der ist besorgniserregend.

    Ihr

    Erik Grundmann

    Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

    Interessantes
    Bei Jugendlichen ist „Roblox“ sehr beliebt und nur wenige Erwachsenen ist bekannt, dass die Seite ein Einfallstor für Kriminelle und Pädophile ist: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/roblox-passt-auf-eure-kinder-auf (siehe auch die Sehempfehlung!).
    Auf der selben Seite wird auch vor einem Hack der Anton-App gewarnt: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/anton-app-der-coin-hack.
    Philippe Wampfler berichtet über millionenfache Bewertung von Kunstwerken für eine Aufnahmeprüfung: https://beurteilung.ghost.io/industrielle-noten-in-china-3-millionen-kunstwerke-benoten/.
    Die „Financial Times“ berichtet über eine zunehmende Spaltung der Weltsicht von jungen Männern und Frauen: https://www.ft.com/content/29fd9b5c-2f35-41bf-9d4c-994db4e12998.
    Susanne Burzel hat einen digitalen Adventskalender für Eltern hochbegabter Kinder erstellt. Eine schöne Idee: https://susanneburzel.de/adventskalender/.
    „News4Teachers“ stellt ein Buch der Soziologen Schneider und Bellinger vor, in dem es um die Auswirkungen des Spektrums von Überbehütung und Vernachlässigung von Kindern auf die Gesellschaft geht. Spannendes Thema, habe das Buch mal bestellt: https://www.news4teachers.de/2025/12/erziehung-wenn-eltern-zu-viel-schuetzen-und-zu-wenig-fuehren-was-das-fuer-kita-und-schule-bedeutet/.

    Smartphone und Social-Media
    Wer mit einem Meme oder Personen aus Social Media nichts anfangen kann, wird oft hier fündig: https://knowyourmeme.com/.
    Es gibt immer wieder Hinweise, dass besonders polarisierende Accounts in Social Media von ausländischen Botfarmen stammen, zum Beispiel hier bei „t3n“: https://t3n.de/news/feature-x-anhaenger-trump-maga-1718178/.
    Verbotsdebatte: „heise online“ berichtet über die Aussage des Geschäftsführers des Kinderhilfswerks, der sich gegen Social Media- Verbote ausspricht: https://www.heise.de/news/Kinderhilfswerk-Entschieden-gegen-Social-Media-Verbot-fuer-Kinder-11080073.html. Auch Klaus Zierer fordert auf dem „Deutschen Schulportal“ mehr Verbote, u.a. auch für KI: https://deutsches-schulportal.de/meinung/klaus-zierer-warum-schulen-jetzt-vier-verbote-brauchen/. Eine Replik darauf zu KI gibt es dort von Kristin van der Meer: https://deutsches-schulportal.de/meinung/kristin-van-der-meer-gestalten-statt-verbieten-ki-gehoert-in-die-grundschule/. Das EU-Parlament hat sich ja jüngst für Altersgrenzen für soziale Medien ausgesprochen (https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-mindestalter-soziale-medien-100.html). Die „taz“ hält dagelegen: https://taz.de/Jugend-ohne-Social-Media/!6128575/.
    Kläger werfen Meta vor, Profit über Sicherheit gestellt und Risiken für Kinder und Jugendliche bewusst verschleiert zu und Studien unterdrückt zu haben, darüber berichtet das Magazin „Time“: https://time.com/7336204/meta-lawsuit-files-child-safety/.

    KI
    Spiegel-Redakteur Armin Himmelrath fordert auf dem „Deutschen Schulportal“, dass KI ins Abitur gehört:  https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/65092/.
    „Medienzeit Elternblog“ klärt über den Sexismus von KI auf: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/ki-ist-sexistisch.
    Die „Deutsche Telekom-Stiftung“ hat den „Trendmonitor KI in der Bildung“ veröffentlicht: https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/files/media/publications/trendmonitor-ki-in-der-bildung-25.pdf.
    Jan Schoenemakers sieht uns im „Cicero“ bei KI am Scheideweg zwischen Souveränität und digitalem Feudalismus: https://www.cicero.de/kultur/umgang-mit-kunstlicher-intelligenz-emanzipation-oder-feudalismus. Sein Fazit: „Es ist höchste Zeit, endlich ernsthaft zu beginnen, souverän mit KI zu interagieren, bevor wir durch die Köder niederschwelliger Black-Box-Produkte und ihrer spirituellen Versuchungen zu ersetzbaren Vasallen geworden sind.“
    „The Decoder“ berichtet über ein neues Lernmodell für KI von Google: https://the-decoder.de/neues-lernmodell-von-google-soll-katastrophales-vergessen-in-ki-systemen-stoppen/. Ein Beleg dafür, dass die Entwicklung sich auf die Optimierung der Modelle konzentriert und das sammeln von Daten in den Hintergrund. Damit beschäftigt sich auch „The Decoder“: https://the-decoder.de/drei-faktoren-machen-ki-agenten-deutlich-intelligenter/.  
    Ein kurzes KI-Video, das zeigt, was aktuell (mit Google-Veo) möglich ist, wer genau hinschaut erkennt noch kleinere Fehler: https://www.youtube.com/watch?v=YRVvFtTO86w&t=10s.
    Spannende Gedanken zur Frage „Can LLMs be personal tutors?“ im Substack von Daisy Christodoulou: https://substack.nomoremarking.com/p/llm-tutors-are-they-any-good. Mit diesem Thema beschäftigt sich auch Carl Hendrick, für den die Frage offen ist, ob algorithmisches Lernen mit einem KI-Tutor zu Bildung führt: https://carlhendrick.substack.com/p/the-algorithmic-turn-the-emerging.
    Open-AI hat eine kostenlose Version für Lehrkräfte in den USA veröffentlicht: https://openai.com/index/chatgpt-for-teachers/.

    Tipps für den Unterricht
    Das „Deutsche Schulportal“ weist auf Bedeutung von und Defizite beim Classroom Management hin, insbesondere beim Umgang mit Störungen: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/wir-haben-ein-massives-problem-mit-classroom-management/.

    Leseempfehlung
    Aladin El Mafaalani: Misstrauensgemeinschaften. Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien, Köln 2025. In diesem knappen Büchlein erklärt der von mir sehr geschätzte El Mafaalani, wie zunehmendes Misstrauen in den Staat in einer komplexer werdenden Gesellschaft zur Erstarkung von Populismus und Verschwörungsideologien führt.

    Hörempfehlung
    Jonas Wagner hat in der Leonore-Goldschmidt-Schule in Hannover eine Schule in der Schule aufgebaut, in der Lernende individualisiert lernen können. Vielleicht auch ein Vorbild für die Weibelfeldschule. Jonas Wagner war kürzlich bei Bob Blume zu Gast:  https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ab46a1310a64227e/. Und davor bei der „Bildungsbaustelle“: https://open.spotify.com/episode/5vg86Euna7Qxr7sG34rMHV.

    Sehempfehlung
    Reportage des ZDF zu den Gefahren auf der Spieleplattform „Roblox“: https://www.zdf.de/video/reportagen/die-spur-224/roblox-kinderspiel-online-gefahr-100.
    Auf „Joyn“ gibt es die Folge von „Linda Zervakis. Dumm, dümmer, Deutschland? Raus aus der Bildungskrise!“ in der sie sich mit Bildung in Deutschland befasst, als Lösungsansatz kommen u.a. Stefan Ruppaner und die Alemannenschule vor: https://www.joyn.de/serien/linda-zervakis/3-3-linda-zervakis-dumm-duemmer-deutschland-raus-aus-der-bildungskrise.
    Chris Wilson berichtet auf Youtube über „Dark Patterns: Are Your Games Playing You?“: https://www.youtube.com/watch?v=OCkO8mNK3Gg&t=1s. Dark Patterns sind manipulativ gestaltete Elemente in Benutzeroberflächen, hier bei Spielen, die Nutzer gezielt zu Entscheidungen drängen, die sie sonst nicht getroffen hätten.

    Veranstaltungsempfehlung
    Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.

    Spaß im Netz
    Wer einen Namen für eine Alien-Baby sucht, wir hier fündig: https://www.scifiideas.com/alien-baby-name-generator/.
    Lifehack: https://www.swr.de/swrkultur/wissen/wissenschaftlich-geprueft-so-gewinnt-ihr-bei-schere-stein-papier-100.html.

    Blog 2025-25: Vom Scheitern

    Mein Professor sah mich an und sagte: „Ihre Leistungen reichen nicht aus. Suchen Sie sich besser etwas anderes.“ Das war der Moment, in dem mein Plan im Kopf zerbrach – und ich zum ersten Mal wirklich scheiterte.
    Heute bin ich in meinen 50ern, Schulleiter der größten Schule im Kreis, habe ein solides virtuelles und reales Netzwerk und eine glückliche Familie.
    Man kann sagen, ich habe es geschafft, das war bestimmt eine glatte Nummer, gute Schulnoten, konsequentes Studium, sehr gute Examina und dann Karriere im Staatsdienst. Was will man mehr?

    Aber so war das nicht. Dass ich dort ankomme, wo ich jetzt bin, war weder durchgeplant noch vorhersehbar. Meine „Karriere“ ist durchzogen von Zweifeln, Unentschlossenheit, Rückschlägen und – ja auch das – echtem Scheitern.
    Jan-Martin Klinge hat auf „Halbtagsblog“ Ende Oktober über „Lernen durch Schmerz“ geschrieben und dabei von eigenen Rückschlägen berichtet, Susanne Posselt ist auf „Bildungsweise“ am 01. November gefolgt und hat über „Geschichten über Schmerz und Versagen“ geschrieben. Nele Hirsch hat kürzlich „Über persönliche Krisen in der pädagogischen Tätigkeit“ gebloggt. Dieser Beitrag ist auch schon etwas länger in Planung und natürlich fällt mir das nicht leicht, wer schreibt schon gerne über Misserfolge und veröffentlicht das dann auch noch in der Bling-Bling-Social-Media-Bildungsbubble, wo es um Erfolge geht, reformierte Schulen, lernwirksamen Unterricht, perfekt didaktisiertes Material, das Ganze am besten noch garniert mit hippem Lifestyle.

    Warum schreibe ich also vom Scheitern?
    Als Schulleiter habe ich eine ganz besondere Vorbildfunktion. Ich stehe im Fokus von Schülerinnen und Schülern, von Kolleginnen und Kollegen, von Eltern, ja sogar ein wenig im Fokus der lokalen Öffentlichkeit und, in meinem Fall, auch im Fokus der Bildungsblase in der nationalen Netz-Öffentlichkeit. Dort sind in der Regel Erfolge zu sehen, die ich mit der Schulgemeinschaft oder persönlich erreicht habe und die ich feiere. Dort agiere ich meist meinungsstark und planvoll, es sieht so aus, als hätte ich mein Leben, meinen Job und mein Bild in der Öffentlichkeit fest im Griff. Und das ist ja auch wichtig und entspricht den Erwartungen an mich als Person und meine Funktion.
    Von außen wirkt es oft, als sei ich souverän, planvoll und sicher in meinen Entscheidungen. Doch das Bild kennt nur die Ergebnisse, nicht den Weg dorthin.
    In Wahrheit bin ich häufig ein eher grüblerischer und zögerlicher Mensch, ich reflektiere Entscheidungen wenn ich kann und wäge ab, versuche andere Perspektiven einzunehmen und weiß, dass es oft nicht nur ein Ja oder Nein gibt, sondern, dass die Wahrheit oft in Graubereichen einer Zwischenwelt liegt. Als Gesellschaftswissenschaftler weiß ich, dass Probleme multikausale Ursachen haben und es Interdependenzen gibt, dass Entscheidungen oft einen dilemmatischen Charakter haben, gerade wenn es um Menschen und deren Zukunft geht. Auch wenn es vielleicht manchmal so aussieht, es ist nicht einfach und bereitet schon gar kein Vergnügen, einer Schülerin das Handy abzunehmen oder einen Schulverweis in einer Klassenkonferenz zu beantragen. Doch das gehört zu meinem Job und zu meinem pädagogischen Erziehungsauftrag.
    Aber ich wollte ja eigentlich über das Scheitern schreiben.

    Mein erster Scheiternsmoment
    Für mich und mein Umfeld war eigentlich schon recht früh klar, dass ich mich in Richtung Naturwissenschaften entwickle. Ich hatte als Kind schon Chemie- und Elektrobaukästen, habe experimentiert und gelötet, entsprechende Bücher gelesen und mich mit naturwissenschaftlichen Themen beschäftigt. Folgerichtig hatte ich als Leistungskurs Chemie gewählt und mein Lehrer hatte mir einmal gesagt, dass ich der einzige Schüler in dem Kurs sei, dem er ein Chemiestudium zutraue. Also habe ich mich für das Gymnasiallehramt mit den Fächern Politik und Chemie an der Universität eingeschrieben. Der Start verlief auch recht gut, anorganische und, mit mehr Schwierigkeiten, organische Chemie habe ich gemeistert, doch die physikalische Chemie sollte meine Nemesis werden. Hier zeigte sich, was ich vielleicht sogar schon vorher hätte wissen können, dass meine Mathekenntnisse nicht ausreichten. Ich bin gnadenlos durch die Kolloquien gefallen, bekam von meinem Professor gesagt, dass meine Leistungen nicht ausreichten und ich mir alternative Gedanken machen sollte. Das fiel mir nicht leicht, da ich mich ja schon lange für einen Naturwissenschaftler hielt und auch diese Erwartung an mich bestand, außerdem hatte ich eher etwas später mit dem Studium begonnen und anscheinend Zeit für einen Irrweg verschwendet. Ich hielt mich für jemanden, der Naturwissenschaften kann – und plötzlich gehörte ich nicht mehr dazu. Das war nicht nur ein Studienabbruch. Es war ein Identitätsbruch.
    Ich musste mir das Scheitern eingestehen und einen alternativen Weg gehen. Dieser führte mich dann zu meinem Geschichtsstudium, dass ich zu keiner Zeit bereut habe. Vermutlich entsprechen die Gesellschaftswissenschaften sogar eher meinem Talent und Naturell, das wurde mir jedoch erst später klar.

    Ich war auch nicht immer ein brillanter Schüler, auch wenn ich ein gutes Abitur gemacht habe, so bin ich in der 8. und 9. Klasse knapp um eine Wiederholung herumgekommen. Mein Studium ging weit über die Regelstudienzeit hinaus, unter anderem weil ich als Baseballfunktionär sehr aktiv war (siehe CV) und weil ich gerne viele Vorlesungen besucht habe und in andere Fachbereiche, wie Philosophie, Kunst- und Kirchengeschichte, reingeschnuppert habe. Am Ende waren dann aber alle meine Freunde mit der Uni fertig, in Jobs und konnten sich Dinge leisten, die für mich nicht drin waren, also musste ich schnell aus meiner studentischen Komfortzone raus. Doch halt, eigentlich sollte ich ja sogar in Geschichte promovieren, ich hatte sogar schon einen Doktorvater, aber die finanzierende Stiftung hat mich abgelehnt, weil ich zu alt war, auch eine Art von Scheitern.

    Ich kam also in einem leicht fortgeschrittenen Alter ins Referendariat, welches ich passabel bewältigt habe, mein 2. Staatsexamen war keine Glanzleistung, ich wollte wohl in den beiden Examensstunden zu viel.

    Ein weiterer Moment des Scheiterns war mein Versuch Schulleiter an meiner vorherigen Schule zu werden. Ich wurde nicht ausgewählt, ein beamtenrechtlich normaler Vorgang.
    Dazu kommen natürlich unzählige kleine Alltagsniederlagen. Wenn man etwas bewegen will, erleidet man immer wieder Zweifel, Unentschlossenheit, Rückschläge und Scheitern.

    Scheitern als Chance
    All diese Momente sind aber auch, wenn man sie reflektiert, Lerngelegenheiten, um es beim nächsten Mal besser zu machen.
    Ich habe gelernt Rückschläge und Scheitern als Chance zu sehen und rückblickend kann ich meine Momente des Scheiterns auch so interpretieren. Ich bin heute froh, dass ich Geschichte und nicht Chemie studiert habe. In Kombination mit Politik kann ich so gesellschaftliche und historische Zusammenhänge viel tiefer durchdringen und besser erkennen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Die lange Studiendauer und der Blick über den Tellerrand unterstützen das. Trotz meines eher schwachen zweiten Staatsexamens bin ich dann recht schnell für ein paar Jahre in der Lehrkräfteausbildung tätig gewesen, so schlecht kann ich also als Lehrer nicht gewesen sein. Und im Rückblick war der Wechsel an die Weibelfeldschule für mich sehr positiv und ich bereue den Schritt nicht, im Gegenteil, auch hier folgte auf die Enttäuschung des Scheiterns eine neue und vermutlich bessere Perspektive.

    Fazit
    Biografien verlaufen selten gradlinig, man muss offen für Veränderungen sein, wenn sich Türen schließen, öffnen sich andere, wenn sich Gelegenheiten bieten, soll man zugreifen. Vorstellungen und Mindsets dürfen sich ändern. Als junger Mensch war für mich keineswegs klar, dass ich Schulleiter werde. Ich erinnere mich mindestens an die, neben irgendetwas mit Naturwissenschaften, ernsthaften Wünsche Jurist, Bibliothekswissenschaftler, Baseballfunktionär oder Feinwerktechniker zu werden. Jetzt bin ich eben Schulleiter und das auch sehr gerne, aber das war weder durchgeplant noch vorhersehbar. Meine „Karriere“ ist durchzogen von Zweifeln, Unentschlossenheit, Rückschlägen und – ja auch das – echtem Scheitern. Das war im Moment des Scheiterns natürlich hart, aber in der Rückschau kann ich jeden dieser Momente feiern, denn er hat mich dort hingebracht, wo ich jetzt bin.
    Scheitern ist kein Makel in einer Biografie, sondern oft ein verborgener Wendepunkt. In meinem Fall war es nie das Ende – sondern immer der Anfang von etwas Richtigerem. Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft, die ich als Schulleiter weitergeben kann.

    P.S.: Natürlich weiß ich, dass meine Erfahrungen des Scheiterns keine existenziellen Krisen waren. Umso mehr hoffe ich, dass mein Beitrag jungen Menschen ein kleiner Trost sein kann – wenn Versetzung, Studienwahl oder Ausbildung einmal nicht wie geplant laufen. Es geht weiter. Und es kann gut werden.

    Newsletter 25/26-06, 21.11.2025

    Liebe Schulgemeinschaft,

    eigentlich hatte ich ja versprochen, in diesem Newsletter das Thema Mental-Health und Tomoni zu vertiefen, muss das aber vertagen. Stattdessen möchte ich gerne von der Edunautika vom 15.11. in Hanau berichten.

    Am 15. November durfte ich bei der Edunautika in Hanau als Teilnehmer und Teilgeber dabei sein. Warum das einen Blogbeitrag wert ist, möchte ich hier darlegen.

    Was ist überhaupt eine Edunautika?
    Die Edunautika ist ein seit 2018 in Hamburg etabliertes Barcamp, das von der Agentur Jöran & Konsorten organisiert wird. Ein Barcamp ist eine „Unkonferenz“ bei der die Beteiligten spontan entscheiden, welche Themen sie anbieten (teilgeben) oder an welchen Themen sie in so genannten Sessions teilnehmen. So entstehen vielfältige Austauschformate bei denen neue Ideen entwickelt, Dinge gelernt oder diskutiert werden können, Anregungen gefunden werden, Kontakte geknüpft werden und vieles mehr.
    Dankenswerterweise hat die Heraeus-Bildungsstiftung dieses wunderbare Austauschformat in den Süden nach Hanau an die Karl-Rehbein-Schule geholt.

    Und warum schreibe ich darüber im Newsletter?
    Weil ich möglichst weiteren Menschen vermitteln will, dass sich der Besuch gelohnt hat und weil ich hoffe, dass die Edunatika auch nächstes Jahr wieder nach Hanau kommt!
    Neben der Tatsache, dass ich viele Menschen aus meiner Bildungsbubble erstmals im „Real-life“ kennenlernen durfte, zum Beispiel Nele Hirsch, Jöran Muuß-Merholz, Martin Fugmann oder Thomas Masztalerz oder andere endlich einmal wieder getroffen habe, wie Andreas Fischer oder Gratian Riter, habe ich zahlreiche neue Menschen kennengelernt, Kontakte geknüpft und vernetzt und letztlich natürlich viel Neues gelernt. All das stellt einen unglaublichen Mehrwert dar und dazu kommt dann noch der motivierende Effekt. Der Austausch über innovative Ansätze im Bildungssystem zeigt, was möglich ist und dass es viele Menschen gibt, die ähnlich denke und das System für die Lernenden verändern wollen. Das motiviert.
    In der ersten Session an der ich teilgenommen habe, ging es um Agency und kollektive Wirksamkeit. Teilgeber waren Nele Hirsch vom eBildungslabor und Gratian Riter, der SEagent. Inhalt und Methode hate Nele hier hervorragend zusammengefasst.
    Die zweite Session, an der ich teilgenommen habe, drehte sich um das Bildungshaus Riesenklein in Halle an der Saale, einer innovativen Schule, die wunderbar von der zwölfjährigen Schülerin Rica vorgestellt wurde.
    Nach einer vernetzungswirksamen Mittagspause durfte ich selbst noch Teilgeber für zwei Sessions zu zwei meiner Herzensthemen sein, nämlich KI und Demokratie- und Medienbildung.

    In der ersten Session „KI für Anfänger“ ging es darum, welche Rolle KI in Schule spielt zu erörtern und um den Appell, sich mit KI zu befassen, da diese eine zunehmend wichtige Rolle spielt (laut der brandaktuellen JIM-Studie nutzen 74% der Lernenden KI für Hausaufgaben). Nach einem kurzen Input von mir, orientiert an meinem Vortrag zu KI-Basics, den es hier gibt, diskutierten wir angeregt über die Auswirkungen von KI auf Hausaufgaben, Prüfungskultur und Unterricht. Wir überlegten, welche Chancen und Risiken mit KI verbunden sind und wie wir über diese aufklären und sie in den Unterricht einbinden. Ich glaube, es war allen klar, dass KI nicht mehr weggeht und wir uns damit befassen müssen und dass dies am Ende zu einer anderen Unterrichts- und Prüfungskultur führen wird. Wir müssen uns letztlich darauf einlassen und aufklären, ausprobieren, akzeptieren und aktiv werden müssen, getreu der 4-a von Doris Weßels.
    In der zweiten von mir abgehaltenen Session ging es um die provokante Frage, manche werfen mir sogar, vielleicht nicht ganz zu unrecht, „Rage Bait“ vor: „Wenn wir Demokratie- und Medienbildung nicht ernst nehmen, können wir Mathe und Deutsch bald vergessen!“. Auch hier gab es wieder einen kurzen Input von mir, der auf einem meiner Workshops bei den Kamener Schulgesprächen im September basierte, die Folien dazu gibt es hier.
    Die einigende Klammer beider Sessions war, dass wir Schule komplexer denken und grundlegend verändern müssen. Wir brauchen nicht noch ein Konzept, das im Schrank verstaubt, sondern einen ganzheitlichen pädagogikzentrierten Bildungsbegriff. Demokratie- und Medienbildung, und dazu gehört KI, müssen als Querschnittaufgabe für Schule verstanden werden und können nicht an einzelne Fächer oder bestimmte Projekttage ausgelagert werden. Ich fordere schon länger mehr Demokratie- und Medienbildung. KI macht diese Forderung noch dringlicher, da sie die Beeinflussung des demokratischen Kurses und die Generierung von Fake auf ein neues Level hebt.

    Vielen Dank für all die interessanten Begegnungen, Impulse, Diskurse, Kontroversen und Austausche auf der Edunautika in Hanau.
    Ich hoffe sehr, dass wir uns nächstes Jahr unter dem gleichen Banner am gleichen Ort wiedersehen können!

    Ihr

    Erik Grundmann

    Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

    Heute ist Aktionstag gegen Cybermobbing!
    „Juuuport“ hat dazu Informationen zusammengetragen: https://www.juuuport.de/aktionstag-gegen-cybermobbing.

    Interessantes
    Am 14.11. wurde die neue JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) des mpfs veröffentlicht. Den Download gibt es hier: https://www.lfk.de/fileadmin/PDFs/Publikationen/Studien/JIM-Studie/jim-studie-2025.pdf und die wichtigsten Ergebnisse sind hier zusammengefasst: https://www.lfk.de/forschung/mediennutzungsstudien/jim-studie-2025. Nur ein Ergebnis: 74% der Jugendlichen nutzen KI für Hausaufgaben.
    Das „Deutsche Schulportal“ hat sich intensiv mit psychischen Belastungen von Schülerinnen und Schülern auseinandergesetzt: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/psychische-gesundheit-aengste-depressionen-essstoerungen-wie-koennen-schulen-auf-psychische-belastungen-reagieren/.
    „News4Teachers“ schreibt über die Krise der Demokratie und die Folgen für Schule auf der Basis der Forschungsergebnisse von Aladin El Mafaalani: https://www.news4teachers.de/2025/11/wenn-vertrauen-schwindet-warum-die-krise-der-demokratie-in-den-klassenzimmern-beginnt-und-wie-schule-sich-aendern-muesste-um-dem-zu-begegnen/.
    Das „Institut für zeitgemäße Prüfungskultur“ hat ein neues „Mission Statement“ erarbeitet und Veröffentlicht: https://pruefungskultur.de/.
    Kai Maaz, Direktor des DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, fordert in einem Interview zu Veränderungen der Lern- und Prüfungskultur auf: https://www.news4teachers.de/2025/11/neue-lern-und-pruefungskultur-wir-muessen-einfach-anfangen-dipf-direktor-maaz-ruft-schulen-zum-handeln-auf/. Basis ist eine von der Bertelsmann Stiftung initiierte Expertinnengruppe um Dr. Martina Diedrich und Prof. Dr. Kai Maaz mit Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Lern- und Prüfungskultur.
    Interessanter Beitrag von Stefan Kühl, das ist der mit dem Buch zur „brauchbaren Illegalität“, hat sich mit „Veränderungsblockaden in Schulen“, trotz wachsender Autonomie, befasst:
    https://sozialtheoristen.de/2021/11/25/zu-den-veraenderungsblockaden-in-schulen/. Spoiler: „Das Problem ist in der Organisationssoziologie bekannt. Das Paradox besteht darin, dass  Organisationen, denen ein höheres Maß an Autonomie zugestanden wird, in ihrer Selbstorganisation jene Strukturen reproduzieren, die allen vertraut sind – und das sind in der Regel die fremd organisierten Strukturen, die bereits vor der Einführung der Selbstorganisation bekannt waren“.
    Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet über den Zuwachs der Privatschulen: https://www.fr.de/panorama/nicht-ihre-aufgabe-problem-an-deutschen-schulen-breitet-sich-aus-zr-94027373.html.
    Wolters Kluwer hat die „Zukunftsstudie Schulmanagement 2025 – Digitalisierung im Schulleitungsalltag“ veröffentlicht: https://www.wolterskluwer.com/de-de/know/zukunftsstudie-schulmanagement-2025.
    Die Hopp-Foundation hat ein an Design-Thinking orientiertes Handbuch zur Schulentwicklung herausgegegben:

    Smartphone und Social-Media
    Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, forderte bereits im August ein Mindestalter für die Nutzung von Social Media und erntete dafür reichlich Kritik: https://www.rnd.de/politik/zu-viel-tiktok-und-co-experten-debattieren-ueber-altersvorgaben-fuer-kinder-SEHYDWS7CRCJLLEBSPCZLZ2QGA.html. „heise.de“ berichtete nun über den Geschäftsführer des Kinderschutzbundes, Kai Hanke, der sich ebenso gegen Verbote ausspricht, da diese Kinder in ihrem Recht auf digitale Teilhabe nach der VN-Kinderrechtskonvention einschränkten: https://www.heise.de/news/Kinderhilfswerk-Entschieden-gegen-Social-Media-Verbot-fuer-Kinder-11080073.html?wt_mc=sm.red.ho.bluesky.bluesky.bs_beitraege.bs_beitraege. Der Kinderschutzbund hat sich bereits in einer Pressemitteilung im Februar gegen Verbote positioniert und fordert mehr Medienbildung für Kinder und Eltern: https://kinderschutzbund.de/smartphones-und-kinder-bildung-und-begleitung-vor-verboten-und-kontrolle/.

    KI
    Das Schulministerium NRW hat eine tolle Übersicht zu formativem Feedback durch KI zusammengestellt: https://www.schulministerium.nrw/einsatzmoeglichkeiten-von-ki-beim-formativen-feedback.
    Susanne Alles, Joscha Falck, Manuel Flick und Regina Schulz haben eine wunderbare Taskcard zum Thema „KI-Kompetenzen für Lehrende und Lernende. Aus der Praxis für die Praxis – eine adaptierbare Basis.“ Zusammengestellt. Dort findet sich fast alles, was man als Lehrkraft im Kontext KI braucht: https://essen.taskcards.app/#/board/ba6226b4-e617-4134-8d6d-dc733dae8d9c/view?token=b490fc09-f845-4d6d-9ef7-9cc0ec548182.
    Der Elternblog „Medienzeit“ über die Gefahren von Chat-GPT für Kinder: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/chatgpt-kinder-suchen-antworten-von-maschinen. „Futurism“ warnt (auf Englisch) vor KI-Spielzeug, da dieses Kindern erklärt, wie sie einen Brand legen oder wie gewisse sexuelle Praktiken funktionieren: https://futurism.com/artificial-intelligence/ai-toys-danger.
    Frau Stier hat zum Thema „Mit dem THINK-Prinzip zum verantwortungsvollen KI-Umgang“ gebloggt: https://www.fraustier.de/think-prinzip-zum-verantwortungsvollen-ki-umgang/. Ziel ist es grundlegende KI-Kompetenzen für alle Schülerinnen und Schüler zu entwickeln.
    Hauke Pöhlert: „Feedback – Mensch vs. KI: Was sagt die Forschung und was bedeutet das für Schule, Unterricht & Lernen?“. Lesenswert: https://unterrichten.digital/2025/11/19/feedback-mensch-ki-studie-schule/.
    KI verändert Schule, Forscher fordern Veränderung: https://www.mdr.de/wissen/bildung/ki-in-der-schule-forscher-fordern-umdenken-anderes-lernen100.html.
    Ein wunderbares Beispiel für das Haluzinieren von KI aus der SZ: https://www.sueddeutsche.de/bayern/schirnding-chatbot-waffen-grenz-kontrolle-tschechien-li.3339989.

    Tipps für den Unterricht
    Bob Blume spricht sich in seiner Kolumne auf „t-online“ für den Einsatz der Lebensgeschichte des Offenbacher Rappers „Haftbefehl“ im Unterricht aus: https://www.t-online.de/leben/kolumne-bob-blume/id_100984494/haftbefehl-im-unterricht-teil-der-kulturellen-dna-unserer-generation-.html. Natürlich ist das umstritten und das HMKB lehnt die Forderung ab (https://www.deutschlandfunk.de/ministerium-lehnt-schueler-wunsch-nach-haftbefehl-im-lehrplan-ab-102.html). Ich habe meine Schülerinnen und Schüler zu dem Thema befragt und sie sind da geteilter Meinung.
    Es gibt ein Portal der Max-Planck-Gesellschaft für den Transfer von Forschung in Schule mit vielen Anregungen für den MINT-Unterricht, zum Beispiel einen Comic zu Quantenkryptographie: https://www.max-wissen.de/.
    Die Uni Bremen hat Anregungen und Konzepte für eine mediengestützte Berufsbildung in einer Online-Datenbank gesammelt. Wirklich interessante Anregungen: https://unterrichtsgestaltung-mit-medien.de/.
    Die Karg-Stiftung betreibt ein Portal zu Hochbegabung: https://www.fachportal-hochbegabung.de/.
    Springer hat ein Open.Access Buch „Künstliche Intelligenz in DaF/DaZ“ veröffentlicht: https://link.springer.com/book/10.57088/978-3-7329-8749-8.
    Der belgische Bildungswissenschaftler Pedro de Bruyckere setzt sich kritisch mit Lernendenautonomie auseinander: https://theeconomyofmeaning.com/2025/11/20/does-autonomy-really-improve-learning-new-timss-analysis-challenges-a-popular-assumption/. Spoiler: „The study does not claim that autonomy is bad. It does suggest that autonomy should not be treated as a universal good that automatically boosts learning.“
    Joscha Falck hat ausführlich zu „Classroom-Management mit digitalen Endgeräten“ gebloggt: https://joschafalck.de/classroom-management-digital/.

    Leseempfehlung
    Jöran Muuß-Meerholz: Schule 2035. Lernen nach Digitalisierung und KI, Weinheim 2025. Jöran entwirft eine protypische Vision für fünf sehr unterschiedliche Schulen im Jahr 2035 und zeigt Methoden zur Schulentwicklung auf. Nicht nur lesenswert, sondern auch unterhaltsam. Bemerkenswert finde ich, dass das Buch auf der Annahme basiert, dass es nur zehn Jahre für die imaginierten Transformationen braucht, das passt zu meinen Vorstellungen von beschleunigter Veränderung.

    Hörempfehlung
    Wieder mal eine Folge der „Bildungsbaustelle“ Dieses Mal mit Jonas Wagner („Edu Twist“) aus Hannover über den Transformationsprozess an seiner Schule: https://open.spotify.com/episode/5vg86Euna7Qxr7sG34rMHV.
    Der SEagent hat, basierend auf den Zitatsammlungen von Tom Mittelbach, KI-Lieder zur Schulentwicklung generiert: https://seagent.de/se-hits/.

    Sehempfehlung
    Auf diese YouTube-Short sieht man ein kleines verzweifeltes Mädchen in China, dessen KI-Lernhilfegerät kaputt gegangen ist. Es zeigt eindrücklich die Gefahr der Vermenschlichung von KI (Ein Fall von Anthropomorphisierung): https://www.youtube.com/shorts/18U9pN6eDJ8. Darüber müssen wir uns im Klaren sein.

    Veranstaltungsempfehlung
    Im Moment ist nichts los… 😉 Außer vielleicht dem Deutschen Schulleitungskongress vom 27. bis  29. November in Düsseldorf.

    Spaß im Netz
    Wer schon immer einmal „Schere, Stein, Papier“ gegen den Computer spielen wollte, kann das hier tun: https://rockpaperscissoronline.com und bekommt sogar noch ein paar Hintergrundinformationen.