WfS 14: Positionsbestimmung – das dritte Jahr

Grafik mit KI erstellt.

In der letzten Gesamtkonferenz habe ich eine Positionsbestimmung unseres Schulentwicklungsprozesses vorgenommen, den ich hier in Teilen wiedergeben möchte, da ich finde, dass dieser Prozess für die ganze Schulgemeinschaft transparent und von Interesse sein sollte:

Wenn man mitten in Veränderungsprozessen steckt, sieht man manchmal vor allem das, was noch nicht funktioniert: offene Baustellen, Diskussionen, Unsicherheiten und Dinge, die noch nicht rundlaufen. Deshalb ist es mir wichtig, heute auch einmal deutlich zu sagen: Wir haben als Schule in den vergangenen Jahren enorm viel bewegt.

Wir haben gemeinsam begonnen, Unterricht weiterzuentwickeln, neue Lernformen zu erproben, stärker über Lernprozesse und nicht nur über Unterrichtsorganisation zu sprechen. Wir haben mit der DNA-Gruppe, der SEG, mit pädagogischen Tagen, mit vielen Initiativen und Projekten eine Dynamik geschaffen, die keineswegs selbstverständlich ist. Dabei haben wir außerdem noch die Partizipationsmöglichkeiten für Lehrkräfte, Lernende und Eltern ausgebaut.

In unseren Projekten und Aktivitäten der letzten zwei bis drei Jahre lassen sich mittlerweile klare Muster erkennen, die ich in zentralen Bereichen und an ausgewählten Beispielen kurz verdeutlichen will:

Wenn man auf diese vielen Entwicklungen schaut, könnte man zunächst denken: Das sind sehr viele einzelne Projekte.

Ich glaube aber, dass man inzwischen etwas anderes erkennen kann: Hinter diesen Entwicklungen stehen gemeinsame Linien. Es geht im Kern immer wieder um dieselben Fragen: Wie gelingt Lernen besser? Wie übernehmen Schülerinnen und Schüler mehr Verantwortung? Und wie entwickeln wir uns als Schule gemeinsam weiter?

Ich sehe dabei fünf zentrale Entwicklungen:

Erstens: Wir haben eine neue Lernkultur angestoßen.

Wir sprechen heute an vielen Stellen anders über Unterricht als noch vor einigen Jahren. Es geht nicht mehr nur um die Frage, was wir unterrichten, sondern stärker darum, wie Schülerinnen und Schüler lernen.

Mit der DNA-Gruppe und der SEG als Motor für Unterrichtsentwicklung, unseren pädagogischen Tagen, der Pilotklasse mit fächerverbindendem Lernen und dem Herausforderungsprojekt haben wir wichtige Erfahrungen gesammelt.

Wir haben mit dem Graduierungssystem erste Schritte erprobt, um Verantwortung und Selbstständigkeit sichtbarer zu machen, unsere Begabtenförderung weiterentwickelt und mit dem selbstorganisierten Lernen eine klare Perspektive für die kommenden Jahre formuliert.

Dabei geht es um zentrale Fragen moderner Lernkultur: Lernbegleitung, Feedback, Portfolioarbeit und neue Formen, Leistung sichtbar zu machen.

Zweitens: Wir haben Verantwortung und Partizipation gestärkt.

Schule verändert sich nicht durch einzelne Personen, sondern dadurch, dass viele Verantwortung übernehmen.

Unsere SV hat sich stark entwickelt, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern beteiligen sich zunehmend an Schulentwicklungsprozessen und mit Aula entsteht möglicherweise ein weiterer Raum echter Mitgestaltung.

Auch das Reallabor zeigt, was passiert, wenn Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen: Sie arbeiten an echten Problemen, entwickeln eigene Ideen und erleben, dass ihr Handeln Wirkung hat.

Wir reden nicht nur über Demokratiebildung, wir schaffen zunehmend Räume, in denen Demokratie erlebt wird.

Drittens: Wir haben Schule stärker geöffnet.

Eine moderne Schule kann nicht mehr als geschlossenes System funktionieren.

Wir haben die Zusammenarbeit mit Grundschulen intensiviert, Kooperationen ausgebaut und uns stärker mit anderen Schulen und Bildungsakteuren vernetzt.

Auch im Bereich KI merken wir, dass wir inzwischen nicht nur Impulse aufnehmen, sondern selbst Impulse geben und überregional wahrgenommen werden, sogar im Ministerium.

Wir lernen stärker mit und von anderen.

Viertens: Wir haben Schulkultur und Orientierung gestärkt.

Eine gute Lernkultur braucht Freiheit, aber Freiheit funktioniert nur mit gemeinsamen Regeln und Orientierung.

Deshalb gehören auch unser Präventionskonzept, die Handyregelung, die Arbeit am sozialen Lernen, Medienprävention, Gewaltprävention und die Diskussion über gemeinsame Haltung zu unserer Schulentwicklung.

Denn die Frage ist nicht nur: Wie wollen wir lernen?

Sondern auch: Wie wollen wir miteinander umgehen?

Fünftens: Wir haben Professionalität und Zusammenarbeit weiterentwickelt.

Auch wir als Organisation lernen.

Die SEG, die stärkere Arbeit in Teams, gemeinsame Entwicklungsprozesse, Evaluationen, externe Beratung und das Feedback an die Schulleitung zeigen:

Wir haben begonnen, nicht nur über die Entwicklung unserer Schülerinnen und Schüler zu sprechen, sondern auch über unsere eigene Entwicklung als Schule.

Und genau das ist der Kern einer lernenden Organisation.

Natürlich stehen viele dieser Entwicklungen noch am Anfang. Veränderung in Schule entsteht nicht durch einzelne Beschlüsse und Pilotprojekte, sondern durch gemeinsames Ausprobieren, Lernen und Weiterentwickeln. Entscheidend ist: Wir sind auf dem Weg und haben eine klare Richtung.

Wenn ich auf die letzten Jahre schaue, sehe ich eine Schule, die nicht stillsteht. Ich sehe eine Schule, die sich intensiv bewegt: Wir sind Selbstständige Schule geworden, haben Beteiligungsstrukturen aufgebaut, Unterrichtsentwicklung ins Zentrum gerückt, Digitalisierung pädagogisch diskutiert, Prävention gestärkt und begonnen, Lernen neu zu denken.

Der nächste Schritt besteht nicht darin, noch mehr Neues anzufangen. Der nächste Schritt besteht darin, das, was wir begonnen haben, in verlässliche Strukturen zu bringen.

Gleichzeitig erleben wir alle, dass Schule vor großen Veränderungen steht. Die Herausforderungen sind bekannt: zunehmende Heterogenität, veränderte Anforderungen der Gesellschaft, Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Fragen der Bildungsgerechtigkeit und der Motivation unserer Schülerinnen und Schüler.

Viele aktuelle Bildungsstudien zeigen dabei ein ähnliches Bild: Erfolgreiche Schulen unterscheiden sich nicht dadurch, dass sie möglichst viele Einzelprojekte starten. Entscheidend sind eine gemeinsame Lernkultur, klare Strukturen und die Fähigkeit, die eigene Arbeit systematisch weiterzuentwickeln.

Anders gesagt: Auch Schule selbst muss lernen.

Genau an diesem Punkt stehen wir gerade.

Mit der Anerkennung als selbstständige Schule haben wir zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten erhalten, aber auch die Verantwortung, unsere Entwicklung bewusster zu steuern. Deshalb werden wir im kommenden Schuljahr ein Projekt- und Qualitätsmanagementsystem aufbauen. Nicht, um zusätzliche Bürokratie zu schaffen, sondern um Klarheit zu gewinnen:

Welche Ziele verfolgen wir?

Wer übernimmt Verantwortung?

Woran erkennen wir, ob Maßnahmen wirken?

Ein gutes Qualitätsmanagement erkennt man nicht daran, dass mehr Papier entsteht, sondern daran, dass weniger Dinge gleichzeitig laufen und die wichtigen Dinge besser gelingen.

Es geht darum, aus vielen guten Einzelinitiativen ein gemeinsames System zu machen.

Dazu gehört aus meiner Sicht auch die Frage, wie wir uns als Schulleitung aufstellen. Dabei geht es nicht um Personen, sondern um Strukturen: Wie muss Schulleitung organisiert sein, damit sie unsere Entwicklung bestmöglich unterstützt?

Eine zweite wichtige Entscheidung betrifft unsere inhaltliche Schwerpunktsetzung.

Eine Rückmeldung, die ich ernst nehme, lautet: Es passiert sehr/zu viel gleichzeitig.

Und diese Rückmeldung stimmt. Diese Vielfalt war in der Such- und Entwicklungsphase richtig. Man muss Dinge ausprobieren, um herauszufinden, was trägt. Aber jede Entwicklungsphase braucht irgendwann den Moment, in dem man auswählt und vertieft.

Deshalb werden wir im kommenden Schuljahr bewusst fokussieren.

Internationale Vergleiche und Bildungsforschung zeigen auch hier: Erfolgreiche Schulen zeichnen sich nicht durch einzelne Programme aus, sondern durch gemeinsame professionelle Routinen. Entscheidend sind Klarheit über guten Unterricht, Zusammenarbeit im Kollegium, Feedback und die Fähigkeit, die eigene Praxis immer wieder anzupassen.

Gleichzeitig wird in einer Welt, in der Information jederzeit verfügbar ist und künstliche Intelligenz einfache Aufgaben zunehmend übernehmen kann, die Fähigkeit wichtiger, das eigene Lernen zu organisieren.

Dazu möchte ich eine kleine Anekdote erzählen: Ein Schulleiter hat berichtet, dass an seiner Schule für vier Wochen Selbstorganisiertes Lernen im Jahrgang 5 ausprobiert wurde und dies im kommenden Schuljahr flächendeckend eingeführt werden soll. Das Spannendste, was ihm aufgefallen ist, so hat er es berichtet, war, dass die üblichen Konflikte unter den Lernenden und mit den Lehrkräften fast verschwunden waren.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Selbstorganisiertes Lernen automatisch alle Probleme löst. Im Gegenteil: Selbstorganisiertes Lernen funktioniert nur mit sehr klaren Strukturen, guter Lernbegleitung und gemeinsamen Regeln.

Unser Schwerpunkt bei der Schulentwicklung wird also das selbstorganisierte Lernen sein. Hier wollen wir unsere Energie bündeln, Erfahrungen sammeln, Strukturen entwickeln und Kolleginnen und Kollegen unterstützen. Ziel ist es, im übernächsten Schuljahr eine entsprechende Themenklasse im Jahrgang 5 anbieten zu können.

Das bedeutet gleichzeitig: Andere Projekte und Experimente werden nicht verschwinden, aber sie treten bewusst etwas zurück. Gute Schulentwicklung bedeutet auch zu entscheiden, was man gerade nicht macht.

Neben selbstorganisiertem Lernen bleiben zwei schulkulturelle Themen entscheidend:

Haltung und Feedback.

Wenn wir möchten, dass Schülerinnen und Schüler Verantwortung für ihr Lernen übernehmen, müssen auch wir als Organisation eine lernende Haltung entwickeln.

Dazu gehört Feedback.

Die Rückmeldungen an die Mitglieder der Schulleitung und die Umfragen unter Eltern und Schülerinnen und Schüler waren insgesamt sehr wertvoll und helfen uns bei unserer Weiterentwicklung. Auch wir als Schulleitung lernen in solchen Prozessen dazu. Nicht alles läuft beim ersten Mal perfekt und wo Dinge nicht gut gelungen sind, übernehmen wir Verantwortung und verbessern sie.

Eine lernende Organisation entsteht nicht dadurch, dass niemand Fehler macht. Sie entsteht dadurch, dass man offen darüber sprechen kann und gemeinsam besser wird. Als lernende Organisation befinden wir uns auf allen Ebenen in einem permanenten Professionalisierungsprozess.

Als ich mit den beiden Schülern unserer Schule, die den europäischen Preis beim Börsenspiel gewonnen haben, nach Brüssel fahren durfte, hat eine Dame der Europäischen Kommission eine hervorragende Keynote gehalten. Es ging ihr darum, dass wir unser Bildungssystem neu denken müssen und uns noch stärker auf lebenslanges Lernen einstellen müssen. Die Fähigkeit zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich auf Neues einzustellen, wird entscheidend sein.

Besonders freue ich mich, dass auch unsere Schülerinnen und Schüler diese Entwicklung aktiv mitgestalten. Das Projekt Aula, das die SV vorantreibt, ist dafür ein starkes Beispiel. Demokratiebildung bedeutet nicht nur, über Beteiligung zu sprechen, sondern echte Verantwortung zu ermöglichen.

Mir ist am Ende noch eine Sache wichtig zu betonen! Wir haben viele engagierte Kolleginnen und Kollegen, die vieles in Bewegung setzen und möglich machen, das ist toll. Wir brauchen jede Unterstützung. Darum fordere ich sie alle auf, machen sie sich Gedanken, was sie beitragen können und wollen. Die nächsten Jahre bieten viele Möglichkeiten, die Zukunft dieser Schule aktiv mitzugestalten. Wir brauchen Sie alle bei der Entwicklung der Zukunft der Weibelfeldschule. Wer helfen will, kann mich oder ein anderes Schulleitungsmitglied gerne ansprechen.

Wenn ich also zusammenfasse, worum es im nächsten Abschnitt unserer Schulentwicklung geht, dann sind es drei Dinge:

Wir schaffen klare Strukturen.

Wir konzentrieren unsere Kräfte.

Wir entwickeln gemeinsam eine Kultur des Lernens für die ganze Schulgemeinschaft.

Die Weibelfeldschule hat viele Stärken. Jetzt geht es darum, diese Stärken noch besser miteinander zu verbinden.

Die kommende Phase ist keine Phase zusätzlicher Veränderung. Sie ist eine Phase der Bündelung.

Vielen Dank an alle, die diesen Weg mitgehen und mitgestalten.

WfS-12: Schulentwicklung: Der Blues

Schulentwicklung ist eine lohnenswerte und ehrenwerte Aufgabe, ja sogar eine absolute Notwendigkeit. Schulentwicklung ist anstrengend und eine langwierige nie abgeschlossene Aufgabe. Sie muss seitens des Schulleiters strategisch gesteuert werden, er darf aber nur sehr begrenzt Vorgaben machen, sondern muss eher Möglichkeitsräume für progressive und engagierte Lehrkräfte schaffen. Sie muss Lernende und Eltern einbinden und interne und externe Expertise nutzen und sie muss im Rahmen des Systems stattfinden.

Ich betreibe leidenschaftlich gerne Schulentwicklung und habe auch eine Vision einer besseren Schule für das 21. Jahrhundert und ich bin stolz auf all das, was wir bisher erreicht haben, das ist objektiv betrachtet eine beachtliche Leistung, die in diesem Blog dokumentiert ist. Aber es gibt auch Momente, da habe ich einen leichten Schulentwicklungs-Blues.

Warum schreibe ich das?
Weil in den sozialen Medien, und auch in diesem Blog, meistens von den positiven Momenten und Erfolgen bei Schulentwicklungs-prozessen berichtet wird. Jan Vedder hat auf Instagram mal ein Reel veröffentlicht, in dem er darauf aufmerksam gemacht hat, dass Schulentwicklung „anstrengend, arbeitsintensiv und nichts für schwache Nerven ist“, das ich gerne bei Vorträgen zu Schulentwicklung zeige. Aber sonst geht es meist um Erfolge und selten um die Mühen des Weges dorthin. Das sollte aber nicht verschwiegen werden. Jan hat Recht mit seinem Hinweis, ich würde das sogar noch ergänzen, Schulentwicklung ist konfliktbehaftet, führt zu Rückschlägen und Misserfolgen, sie frisst Ressourcen, die eigentlich gar nicht vorhanden sind und sie führt zu Momenten der Verzweiflung. Manche Dinge sind für mich leicht, für andere Lehrkräfte nicht, nicht jede teilt meine Vorstellungen von Haltung, nicht jede kann oder will sich über Gebühr engagieren (was vollkommen legitim ist!). Manchmal begegnen mir Handlungen und Haltungen, die ich nicht verstehe, manchmal muss ich gegen meine Überzeugungen handeln oder lehne mich zu weit aus dem berühmten Fenster. Manchmal will ich zu viel, manchmal zu wenig. Manchmal unterstütze ich nicht genug und mache Fehler. Ich bemühe gern das Bild von Goethes Zauberlehrling, der Kräfte entfesselt, über die er die Kontrolle verliert. Manchmal fühlt sich das so an.

Und dann tritt er ein, der Schulentwicklungs-Blues.

Aber dann kommt ein Schüler und flachst mit mir oder eine Kollegin mit einer tollen Idee, jemand aus der Schulleitung mit einem Programm, jemand von außerhalb des Systems mit einem Lob, eine tolle Veranstaltung in Wetzlar, Berlin oder Kamen, ein inspirierender Beitrag in einem sozialen Netzwerk und dann wird ganz schnell wieder klar: Es lohnt sich. Trotz aller Anstrengungen, Rückschläge und Hindernisse muss Schulentwicklung sein. Stillstand ist keine Alternative, Schule muss sich verändern, sie muss im 21. Jahrhundert ankommen. Und dafür braucht es uns, die Lust haben Schule zu entwickeln und zu verändern und ich bin dankbar für alle, die diesen Weg mitgehen, die mich inspirieren und mir zeigen, dass ich nicht alleine bin. Ich freue mich über die zahlreichen Schulen, die auf ihrem Weg schon weiter sind. Dann wird der Blues zum Swing und ich schöpfe neue Kraft.

Susanne Posselt hat auf Ihrem Blog eine hervorragende Ergänzung zu diesem Beitrag veröffentlicht: https://susanneposselt.de/schule-2035-oder-der-schulentwicklungsblues/.
Ich denke, ich fange dann heute mal das Buch von Jöran an zu lesen.

Blog 2025-16: Guerilla-Schulentwicklung

Vorbemerkung: Dieser Beitrag kommt ohne echte wissenschaftliche Evidenz daher. Ich habe natürlich Bücher zu Schul- und Organisationsentwicklung gelesen, Fortbildungen und Workshops dazu besucht und gehalten, aber ich will hier keinen wissenschaftlichen Artikel veröffentlichen. Mir geht es um eine Idee, eine Erfahrung, die ich gerne in den Diskurs einbringe.
Mir ist auch bewusst, dass man den Begriff „Guerilla“ durchaus kritisch sehen kann, aber ich finde ihn in dem Kontext durchaus sinnvoll, nicht weil er etwas Militärisches hat, sondern weil er den Kerngedanken meiner Idee gut trifft. Ich könnte auch von Ninja-Schulentwicklung sprechen, aber das würde es nur begrenzt besser machen. Und wie jede Metapher hat auch der Begriff „Guerilla“ in diesem Kontext seine Grenzen. In der Schule werden natürlich keine „Feinde“ mit klandestinen Militäroperationen empfindlich getroffen, aber es geht um viele kleine punktuelle Aktionen, die Entwicklung verändern.

Das ist dann nämlich auch schon der Kerngedanke der Guerilla-Schulentwicklung. Es gibt kein feststehendes großes Ziel, auf das dann hingearbeitet wird, bei dem der Schulleiter die Richtung vorgibt und den Lehrkräften sagt, wo es lang geht (ich verzichte hier jetzt bewusst auf militärische Metaphern). Solche Entwicklungsprozesse sind in der Regel zum Scheitern verurteilt. Dennoch braucht Schulleitung eine Vision, die im Idealfall im Dialog mit der Schulgemeinschaft entsteht. (Zum Thema Vision wird bald ein weiterer Blogartikel erscheinen.) Diese Vision muss hinreichend, aber nicht sonderlich konkret sein, sie muss eine Richtung haben, aber kein klares Ziel. Schulentwicklung ist eine zentrale Aufgabe der Schulleitung, aber kein Prozess der sinnvoll angeordnet werden kann, der aber gesteuert werden muss. Wie kann das aber gelingen?
Wie kann ich als Schulleiter Einfluss auf Schulentwicklung nehmen ohne zu diktieren und wie kann ich die Schulgemeinschaft mitnehmen?

Es ist nicht ratsam, und da hinkt der Guerilla-Vergleich, Schulentwicklung als Geheimoperation oder Täuschungsmanöver (schon wieder eine Militär-Metapher) durchzuführen. Schulentwicklung muss transparent sein. Aber sie darf, und da passt der Vergleich wieder, überraschend sein, sie darf Spuren hinterlassen, von denen unklar ist, wo sie herkommen. Ganz konkret heißt das, dass man an einer prominenten Stelle ein Plakat, eine Karikatur oder einen Zeitungsartikel aufhängen oder platzieren kann, der zum Nachdenken anregt.
Ich hänge manchmal so etwas ans Schwarze Brett oder „vergesse“ Kopien im Lehrerzimmer.
Ich weise bestimmte Kolleginnen und Kollegen auf bestimmte Fortbildungen hin oder werbe für bestimmte Bücher oder Filme. Zum Beispiel habe ich drei Exemplare des Buchs von Stefan Ruppaner angeschafft und ins Kollegium verliehen.
Wir haben außerdem innovative Konferenzformate wie Barcamps oder Open Spaces eingeführt, die ganz viel Raum zur Ideenentwicklung bieten, die dann langsam in die Schulgemeinschaft sickern (Schulentwicklung ist ja kein Sprint, sondern ein Marathon). Überhaupt geht es ganz viel darum den Mitgliedern der Schulgemeinschaft Möglichkeitsräume zu schaffen, ihnen Vertrauen zu schenken und sie bei Innovationen zu unterstützen, auch im Scheitern. Innovative Lehrkräfte haben einen starken Instinkt für die richtige Richtung von Schulentwicklung, sie, aber auch die Lernenden, spüren am Ende besser als die Schulleitung was die Schule braucht. So kam die Initiative zehn Lehrkräfte bei BeWirken an einer Lernbegleiter-Fortbildung teilzunehmen aus dem Kollegium und wurde von der Schulleitung natürlich sofort unterstützt.

Zur Guerilla-Schulentwicklung gehört auch Ideen und Erkenntnisse aus der Bildungswissenschaft oder aus der Bildungsbubble auf Social-Media in die Schulgemeinschaft zu transportieren. Das passiert im alle zwei Wochen erscheinenden Newsletter oder in Statements auf Konferenzen, Sessions in Barcamps, Einzelgesprächen und überhaupt bei jeder Gelegenheit. Bestenfalls als Denkanstoß oder Angebot auf keinen Fall als Belehrung.

Sinnvoll ist es natürlich auch externe Berater oder Teilgeber für Barcamps einzuladen, die Innovationen unterstützen.

All diese Maßnahmen führen zu sichtbaren Veränderungen. Am deutlichsten wird das in der Art, wie mittlerweile über Schulentwicklung in der Schule gesprochen wird. Vor zwei Jahren waren Begriffe wie Lernbegleitung, Freiday, Alemannenschule, Lernbüro, Barcamp usw. allenfalls einer kleinen Minderheit bekannt und spielten im Diskurs keine Rolle. Jetzt können fast alle Kolleginnen und Kollegen damit etwas anfangen und entwickeln ihre eigenen Vision von einer modernen Schulkultur. Und das ist ein beachtlicher Erfolg!
In nur zwei Jahren ist es gelungen durch ganz viele kleine Aktionen an ganz vielen Orten und zu unterschiedlichen Anlässen und Zeiten einen neuen Möglichkeitsraum zu schaffen, in dem Schulentwicklung stattfinden kann. Jetzt ist hoffentlich der Boden bereitet, konkrete Maßnahmen zu ergreifen und Schule neu zu denken. Nicht durch Diktat oder Überwältigung, sondern durch Information, Angebot und Empowerment. Und das ist das, was ich mit Guerilla-Schulentwicklung meine.

(Mehr dazu hier)

Blog 2025-10: Workshop Vision@Schule: Wir müssen etwas ändern! Aber wie?

Am 28. und 29. März durfte ich an der wunderbaren Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar bei der Veranstaltung Vision@Schule einen Workshop zu Schulentwicklung halten. Der Schwerpunkt lag auf der Initialisierung eines Entwicklungsprozesses und sollte Mut zum Aufbruch machen und Unterstützung dafür bieten.
Angekündigt war der Workshop so:

Wir müssen etwas ändern! Aber Wie?
Die Perspektive der Schulleitung.
Viele Schulleitungen fühlen instinktiv, dass sich etwas im Schulsystem verändern muss. Aber wie geht das? Wo fängt man an? Was sind die Voraussetzungen? Worauf muss man achten? Was darf man und was nicht? Wie binde ich die Schulgemeinschaft ein?
Fragen über Fragen…
Ich möchte in dem Workshop mit Mitgliedern von Schulleitungen über Veränderungsprozesse und Visionen im Rahmen von Schulentwicklung ins Gespräch kommen und Handlungsoptionen für erste Schritte entwickeln.
Jede Schule ist anders und braucht einen individuellen Ansatz. Im Workshop entwickeln wir, nach einem knappen Input, gemeinsam solche konkreten Ansätze und geben uns dazu Feed Forward.

Der Vortrag steht unten als Download zur Verfügung.
Insgesamt war die von Astrid Kalantzis und ihrem Team organisierte Veranstaltung ein wunderbares Treffen zum Vernetzen und Austauschen. Das Programm aus Workshops mit Ulrike und Kristin van der Meer, Daniel Steh, Stephanie Lanfermann, Heidi Giese, Susanne Schäfer uvm. und Keynotes von Ferdinand Stebner, Stefan Ruppaner, Steven Bauer und Bob Blume war hochkarätig besetzt. Die zwei Tage waren voller Inspiration und Kraft, sie haben Mut zur und Lust auf Veränderung gemacht. Es zeigt sich, dass wir mehr werden, die Schule anders und besser machen wollen. Wenn wir unser Land wieder enkelfähig machen wollen und ein perspektive für die Zukunft eröffnen wollen, dann müssen wir Schule verändern und dazu braucht es Veranstaltungen wie diese. Für mich persönlich war das Highlight Stefan Ruppaner getroffen zu haben und mich mit ihm auch persönlich beim Frühstück mit den van der Meers und Steven Bauer austauschen zu können.

Ich danke Astrid und ihrem Team für zwei tolle und inspirierende Tage in Wetzlar!

Und hier gibt es den Workshop von mir:

Newsletter 19, 12.07.2024

Liebe Schulgemeinschaft,

nachdem ich nun im letzten Newsletter schon Bilanz gezogen habe und mich bedankt habe, halte ich dieses Mal meinen Einführungstext etwas kürzer, gebe Ihnen aber wieder eine paar Links, Tipps und Empfehlungen mit in die unterrichtsfreie Zeit.
Wir haben uns jetzt alle etwas Ruhe und Erholung verdient, ich habe das Gefühl, das Leben und die Schule werden jedes Jahr schneller und damit herausfordernder. Bei mir dauert es immer ein paar Tage, bis ich realisiere, dass es Zeit für Erholung ist und ich wirklich abschalten kann. Dabei ist das so wichtig. Wir brauchen mindestens drei Wochen, damit ein wirksamer Erholungseffekt eintritt. Ich habe am Montag in der Schulleitungsrunde gesagt, dass es sich für mich so anfühlt, dass ich in einem Jahr Weibelfeldschule mehr erlebt hätte als in 15 Jahren in Dietzenbach. Das ist natürlich etwas zugespitzt und ich bin jetzt auch in ganz anderer Verantwortung, aber ein wahrer Kern steckt wohl doch in dieser Aussage.
Die Weibelfeldschule ist eine große Schule, die größte des Kreises und vermutlich eine der größten in Hessen. Da ist es eigentlich logisch, dass viel passiert. Viel Positives, aber natürlich auch Negatives. In der Summe überwiegt für mich aber das Positive, wir haben viel bewegt und entscheidende Weichen gestellt. Die Abstimmung über die Selbstständige Schule in der Ferienkonferenz ist der nächste bedeutende Meilenstein.
Ich bin zwar erschöpft, freue mich aber gleichzeitig auf das neue Schuljahr. Im nächsten Schuljahr können wir anfangen Ideen in Prototypen umzusetzen, im nächsten Schuljahr erreicht der extern begleitete Schulentwicklungsprozess einen ersten Höhepunkt, indem wir ein Mandat für die Schulentwicklung abstimmen und die „DNA-Gruppe“ bilden, die ein Zentrum für die großen Linien in der Schulentwicklung bilden soll, im nächsten Schuljahr beginnen wir mit der Implementierung des Präventionskonzeptes und entwickeln das Medienkonzept weiter und wir werden bewegen(d). Das sind alles Dinge, die ich wahnsinnig spannend und wichtig finde und die uns resilient machen für die kommenden Herausforderungen. Ich freue mich aber auch auf das Kollegium, die Schulleitung und natürlich die Schülerinnen und Schüler, die neuen 5er, die neue E-Phase. Unsere Schule ist auf vielen Ebenen lebendig und beweglich, das finde ich richtig gut.

Erholen Sie sich gut, das nächste Schuljahr wird toll!

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Die Taskcard mit einer Projektdokumentation mit allen Werken zur fantastischen Awareness Ausstellung „Art’n‘Vielfalt“ der Weibelfeldschule am 01. Juli in der Stadtbücherei gibt es hier: https://wfs.taskcards.app/#/board/6c7f996b-5c99-44af-b257-02725b5068e7/view?token=57f358ea-aa15-4e6e-8b53-2ac97b56baf7.

Interessantes
Vor gut zwei Wochen ist der nationale Bildungsbericht mit ernüchternden Erkenntnissen erschienen: https://www.bildungsbericht.de/de.
Dazu ein Kommentar aus der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/schulen-in-singapur-in-asien-ist-bildung-etwas-heiliges-19802246.html.
Eine großartige Übersicht zu wichtigen Metastudien zu Unterricht in einem Genially von Sebastian Eisele: https://view.genially.com/66740ce8c86fc30014676718/interactive-content-clearing-house-unterricht-metaanalysen.
Vorstellung des spanischen Schulsystems: https://www.lehrer-news.de/blog-posts/wenn-dreijaehrige-schreiben-lernen—was-ist-anders-in-spaniens-schulen.
Informationen von Jörg Droste zum zukunftsfähigen Abitur: https://schule21.blog/2024/06/19/zukunftsfaehiges-abitur/.
Der Blog von teachino bietet interessante Themen: https://www.teachino.io/blog.
Mal wieder etwas zu Mythen in der Bildung vom Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/von-lerntypen-lernpyramiden-und-anderen-paedagogischen-mythen/.
Über 90 Organisationen fordern eine Bildungsreform: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2024/mai/ein-neustart-fuer-deutschlands-bildung-buendnis-aus-94-organisationen-legt-konzept-fuer-einen-bildungsdialog-fuer-deutschland-vor.
Kritik am Bildungssystem in der Zeit: https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2024-06/bildung-beruf-nationaler-bildungsbericht-arbeitsmarkt.
Joscha Falck bloggt zu seinen Erfahrungen mit dem Freiday: https://joschafalck.de/erfahrungen-freiday/.

Smartphone und Social Media
Tolle Taskcardsammlung zu Cybermopping:  https://www.taskcards.de/#/board/c97d3d40-511d-4e5e-be4c-a19b1e09955a/view.
Aufklärung zu Cybergrooming bei Klicksafe: https://www.klicksafe.de/news/livestream-aus-dem-kinderzimmer-klicksafe-begleitet-strg-f-reportage-ueber-cybergrooming-auf-likee.
The Decoder zu Deepfake-Nudes: https://the-decoder.de/deepfake-nudes-eltern-ahnungslos-lehrer-misstrauisch-schueler-gespalten/?amp=1.
Die Washington Post über eine Schule, die Smartphones verbannt hat: https://www.washingtonpost.com/nation/2024/05/01/school-cellphones-confiscate/.
Die BBC zu den Bemühungen zur gesetzlichen Einschränkung von Social Media für Jugendliche durch den Staat New York.: https://www.bbc.com/future/article/20240626-can-a-law-make-social-media-less-addictive.
Bericht des SWR über eine Schule mit Handyverbot: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/handyverbot-an-schule-in-blaustein-100.html.

KI
Ein positiver Blick aus dem Standard:  https://www.derstandard.at/story/3000000224535/ki-macht-uns-zu-besseren-lehrerinnen-und-lehrern.
Ergebnisse einer größeren Studie zum Prompten, vorgestellt von The Decoder: https://the-decoder.de/der-prompt-report-ist-ein-umfassender-prompting-ueberblick-mit-kuriosen-erkenntnissen/?amp=1.
Und ein kritischer Blick auf KI bei The Decoder: https://the-decoder.de/zahlreiche-ki-experten-fuehrender-unternehmen-warnen-vor-den-risiken-fortgeschrittener-ki/?amp=1.
Ein Überblick zu Studien zum Thema KI und Schule von Joscha Falck auf einer Taskcard: https://www.taskcards.de/#/board/7d96a7c1-2c0d-4438-bbbf-3cfd942d1adb/view.
Tom Mittelbach hat bei der BpB einen lesenswerten Artikel zur Rolle von KI in der Schuile geschrieben: https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/256629/ideen-zur-rolle-von-kuenstlicher-intelligenz-im-klassenzimmer-der-zukunft/.
Bill Gates in seinem Blog zur KI-Revolution durch Sal Khan: https://www.gatesnotes.com/Brave-New-Words?utm_source=fb.
Niels Winkelmann zum Thema Facharbeit und KI: https://digilog.blog/2024/01/13/facharbeit-als-prozess-mit-ki-2024/.
Broschüre der Telekom-Stiftung zur Nutzung von KI in der Schule: https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/files/Leitfaden-kompakt-KI-Schule.pdf.
Ein kritischer Blick auf KI und ein Plädoyer für mehr Medienbildung: https://www.heise.de/blog/Kuenstliche-Intelligenz-ist-unser-Untergang-9744682.html.

Hörempfehlung
Bob Blume interviewt in seinem Podcast den Bildungsjournalsiten Christian Füller: https://www.ardaudiothek.de/episode/die-schule-brennt-der-bildungspodcast-mit-bob-blume/christian-fueller-chancengleichheit-und-exzellenz-welche-schulform-braucht-es-dafuer/swr/13468493/.  

Tipps für den Unterricht
Die Seite Living-Democracy der PH Zürich bietet zahlreiche Informationen, Tipps und Spiele zum Thema Demokratie: https://www.living-democracy.com/de/ und das auch noch in zahlreichen Sprachen. Besonderer Tipp: Das Bleistiftspiel, einfach und lehrreich: https://www.living-democracy.com/de/textbooks/teaching-democracy/chapter-8-dealing-with-conflict/8-9-das-bleistiftspiel/.
Tolles Projekt (nicht nur) für den Geschichtsunterricht mit über 350 Stunden Zeitzeugeninterviews zu 100 Jahren Geschichte: https://www.ardaudiothek.de/sendung/100-jahre-erlebte-geschichte-unter-dem-gras-darueber/13487353/.
Hilfreiche Grafik mit zahlreichen weiterführenden QR-Codes zum Einsatz von iPads im Unterricht von Hanno Kenst: https://www.dropbox.com/scl/fi/ly97jlow9wxyl1k2vlzen/ipAd-Grundlagen.pptx?rlkey=hbczmgfhl1hfrjqyuvfbectip&e=3&st=zeh41zpx&dl=0.
Tolles Tool zum Spracherwerb zur Erstellung von zweisprachigen Bildern zu Alltagsthemen: https://babadada.com/topic/school/eng/ger.
Padlet mit Tipps zur Arbeit mit dem Greenscreen: https://imediasiwbph.padlet.org/imedias_iwb_ph/greenscreen-videos-mit-greenscreen-erstellen-tdb5xossc64amsoj.

Sehempfehlung
Herr K rappt für seine Abschlussklasse „auf lock“ (passt auch nach „Spaß im Netz“): https://www.tiktok.com/@herrn.k/video/7383346398592322849?_r=1&_t=8nUyMbQ2Px3.
Forderung nach einem radikalen Paradigmenwechsel in der Bildungsarbeit von Christoph Schmidt: https://www.youtube.com/watch?v=aE56lUdRvaw.

Spaß im Netz
Die Nothing University:  https://www.youtube.com/watch?v=0lhmKOR8Www.
https://asiersanz.com/2020/11/17/inteligencia-artificial/
Satire ist oft bitter, darf aber alles: https://www.ardmediathek.de/video/extra-3/klassismus-das-spiel-zur-sozialen-ungleichheit/das-erste/Y3JpZDovL25kci5kZS8yMGZmYTI0Yi02NWQxLTQwODAtYWQ3ZS1iNTkzYmRkZjYxZGQ.



2024-20: Warum ich gerade nicht blogge

DALL-E, Prompt: an exhausted school principal in the last weeks before summer vacation. The scene captures his fatigue and determination as he navigates through the end-of-year tasks.

Abiturprüfungen, ca. 35 Vorsitze
Klassenkonferenzen, 2 Stück
Notenkonferenzen, 3
Integrationsgespräche, 3
Reden schreiben, 4
Unterrichtsbesuche, ca. 5
Dienstliche Beurteilungen, 1
Elterngespräche, ca. 10
Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, ca. 15
Externe Realschulprüfungen, 2 Vormittage
Gesamtkonferenz, 1 Nachmittag
Staatsexamen, 2 Stück
Schulelternbeirat, 1 Abend
Arbeitsverträge erstellen, ca. 5
Arbeitsverträge auflösen, 2
Gespräche mit Lehrkräften, ca. 20
Gremiensitzungen, ca. 4
Schulentwicklungsgruppe, 1
Webinare, 4
Bauvorplanung, 1
Prüfungsausschuss, 1
Schulleitungssitzungen, 4
Klassenbesuche, 2
Treffen mit der Polizei, 1
Bewerbungsgespräche, ca. 5
Preisverleihungen, 2
Grußwort Schulzeitung
Beratungen mit der dienstvorgesetzten Aufsichtsbehörde, ca. 5

Das ist alles nur im Juni und nur ein grober unsortierter und unvollständiger Überblick aus meinem Kalender.
Nebenbei laufen die Planungen für das kommende Schuljahr (Unterrichtsverteilung, Personal, Terminplanung, Entwicklungsvorhaben, Umwandlung SES etc.), außerdem benötigen viele dieser Termine Zeit für Vor- und Nachbereitung und Absprachen, manche müssen noch dokumentiert werden.
Und natürlich das ganz normale und das spontane Tagesgeschäft.

Ich will gar nicht klagen, ich liebe meinen Job, sondern visualisieren, was in den Hochphasen in der Schule los ist. Mir ist auch völlig klar, dass in vielen anderen Jobs auch viel gearbeitet wird.
Ich werde dann in den Sommerferien sicher auch wieder etwas mit Inhalt bloggen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, allen Eltern und allen weiteren „Bildungsbetroffenen“ viel Kraft für die letzten Schulwochen!

2023-03: Mehr KI in die Schule!

Eine geschätzte Kollegin hat sich heute bei mir darüber beklagt, dass sie eine passende Kurzgeschichte für ihre Hauptschulklasse sucht und nichts findet. Die Geschichte sollte nicht zu lang sein, Lust auf Lesen machen, aus der Lebenswelt der Jugendlichen sein, Gesprächsanlässe durch eine Konfliktsituation bieten, nicht zu schwierig sein, an Literatur heranführen und eine unerwartete Wendung am Ende haben. Jetzt kann man natürlich denken: Okay, das sind vielleicht etwas viele Kriterien, da findet sie natürlich nichts und schnell schon gar nicht. Andererseits sind diese Kriterien eigentlich schon fast ein Prompt, ein Eingabebefehl für ein KI-Sprachmodell wie ChatGPT, Bing oder Bard. Gedacht, getan, nach fünf Minuten hatten wir einen brauchbaren Entwurf, der nur noch wenig Nachbesserung benötigte.
Künstliche Intelligenz (KI) kann also wirklich schnell und hilfreich für den Alltag von Lehrkräften sein.

Wer sich etwas mit Schul- und Unterrichtsentwicklung beschäftigt, wird im Moment mit Beiträgen zu KI überhäuft. Da verliert man schnell den Überblick und ist überfordert. Andererseits haben sich sehr viele Kolleginnen und Kollegen noch gar nicht oder kaum mit dem Thema beschäftigt oder wollen dies auch gar nicht.
Ich selbst bin zutiefst, nicht zuerst aber auch durch den TED-Talk von Sal Khan zu Khanmigo, dann unter anderem durch Fiete und nicht zuletzt durch den aktuellen Trend mit Build-GPT, wie zum Beispiel dem Storybuilder von Alicia Bankhofer (nur für GPT-4-Nutzer), zutiefst davon überzeugt, dass KI ein Gamechanger für die Bildung wird, wenn in Teilen nicht schon ist. KI wird wohl eher nicht die Lehrkräfte ersetzen oder Schulen überflüssig machen. KI kann aber ganz neue Kreativitäts- und Produktionspotenziale bei Schülerinnen und Schülern freisetzen, kann Lehrkräfte entlasten und unterstützen und damit Ressourcen freisetzen, die Schule unbedingt benötigt, zum Beispiel für pädagogisches Arbeiten, Schulentwicklung, Medienbildung in einer Kultur der Digitalität und vieles mehr.
Wie kann man also sinnvolle und niedrigschwellige Angebote machen? Wie schlägt man eine Schneise in den KI-Dschungel? Wie können erste Schritte aussehen?
Sicher kann man den üblichen Pädagogischen Tag machen, man kann sich beim örtlichen Medienzentrum oder der Lehrkräfteakademie (Hessen) fortbilden oder Teil des Lehrerzimmers auf BlueSky sein. Das hat alles Vor- und Nachteile und erreicht sicher nicht alle oder passt nicht immer in den Workload. Noch weniger zielführend ist es sicher die Nutzung anzuordnen. Daher bin ich der Meinung und so praktiziere ich es auch, dass Schulleitung oder entsprechend beauftragte und motivierte Lehrkräfte vielfältige Angebote machen müssen und zwar so, dass früher oder später jede Lehrkraft etwas für sich findet und den Mehrwert erkennt.
Bisher weise ich in jedem Newsletter auf aktuelle Entwicklungen im Bereich KI und neue und hilfreiche Tools hin, ich genehmige gerne Fortbildungen zu dem Thema oder hänge Plakate und Hinweise aus. Sicher wird es in Zukunft auch Mikrofortbildungen geben, vielleicht auch ein Barcamp, was hier ein wunderbar passendes Format ist. Am effektivsten ist aber am Ende vielleicht das persönliche Gespräch oder die Demonstration auf dem „kurzen Dienstweg“ wie oben geschildert. Ich gebe Kolleginnen und Kollegen gerne nach einem Gespräch einen Link zu einem Tool oder einer Übersicht mit, die etwas mit unserem Gesprächsinhalt zu tun hat und einen spürbaren Mehrwert darstellt, gerade gestern zum Beispiel PEER, die Schreibhilfe der TU München.

In jedem Fall gilt es einer zunehmenden Heterogenität unter den Lehrkräften im Umgang mit KI entgegenzuwirken und zu verhindern, dass es einen neuen großen Graben zwischen Lehrkräften und Schülerschaft gibt, wie er bei der Nutzung von sozialen Medien entstanden ist. Deshalb: Mehr KI in die Schule!
Das zu initiieren und zu unterstützen ist meiner Meinung nach eine aktuell drängende und zentrale Leitungsaufgabe in Schule.

Die eingangs beschriebene Geschichte kam in der Klasse übrigens sehr gut an.

Ergänzungen nach Erstveröffentlichung:

„For decades, I’ve been excited about all the ways that software would make teachers’ jobs easier and help students learn. It won’t replace teachers, but it will supplement their work—personalizing the work for students and liberating teachers from paperwork and other tasks so they can spend more time on the most important parts of the job. These changes are finally starting to happen in a dramatic way.“
Das sind natürlich nicht meine Worte, sondern die Worte von Bill Gates zu KI in seiner aktuellen Veröffentlichung der „Gates Notes“ (19.11.2023).

Vertiefende Informationen gibt es zum Beispiel bei:
ARDAlpha

So stellt sich DALL-E eine Schule der Zukunft vor (Prompt: a futuristic school with open learning forms. The scenes include students engaged in individual learning settings with personal AI tutors and virtual reality equipment, and teachers acting as learning facilitators. The interior is modern with open architecture, and everyone is visibly happy and enjoying the learning process.)