Newsletter 25/26-13: 20.03.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

letzten Freitag war ich auf der Didacta, um mich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und weiter zu vernetzen. Zwei Dinge möchte ich besonders hervorheben.

Zum einen waren wir zum dritten Mal in Folge mit einer Schülergruppe vertreten, die selbst eine Präsentation gehalten hat. Dieses Mal ging es darum, wie Schülerinnen und Schüler im Rahmen unseres Reallabors selbst aktiv werden und Schule verändern. Der großartige Vortrag stieß auf entsprechende Resonanz und hat unter anderem zu einer Vernetzung mit dem Reallabor in Leipzig geführt, da bahne sich spannende Kooperationen an. Es ist immer wieder großartig zu sehen, zu was Jugendliche in der Lage sind, wenn man sie nur lässt.

Zum anderen habe ich ein Panel zu Adaptiven Intelligenten Systemen (AIS) besucht. Das „FWU Institut für Film und Bild gGmbh war Veranstalter, teilgenommen haben Prof. Dr. Ulrike Cress (Direktorin Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor Tübingen AI Center), Prof. Dr. Andreas Lachner (Co-Director Tübingen Center for Digital Education), Dr. Wieland Brendel (Forschungsgruppenleiter ELLIS Institute Tübingen), Dr. Almut Steinlein (Projektleiterin AIS am FWU). Moderiert wurde das Panel von Dr. Anika Limburg, Leiterin des Bildungscampus Saarland. Im Panel wurde deutlich:

Mehrfach wurde das disruptive Potenzial eines AIS für Unterricht betont. Es entstehe eine Lehr-Lern-Plattform, die gleichzeitig Lernende individuelle und adaptiv im eigenen Tempo unterstützen soll und Lehrende bei der Lernentwicklung der Lernenden auf dem Laufenden halte. Dadurch könne eine individuelle Förderung gelingen. Das System werde entsprechend mit Curricula etc. trainiert und soll für kommerzielle Anbieter offen sein, natürlich alles konform mit DSGVO und EU-AI-Act. So soll ein offenes, nicht proprietäres lernendes System entstehen, dass den Kindern gerecht werde und Lehrkräfte entlaste, die dann wieder mehr Raum für echte Lernbegleitung bei denen bekämen, die sie nötig haben. Dadurch soll mehr Bildungsgerechtigkeit entstehen. Dafür bedürfe es natürlich auch neuer Unterrichtsformen und Lernräume. Der Gefahr des Deskilling werde durch die Adaptivität und didaktisch elaborierte Sequenzierung vorgebeugt. Ziel seien verstärkte Selbstregulierung und Kompetenzorientierung bei den Lernenden, die mit dem AIS Lernen lernen. Natürlich bedeute das nicht, dass nur noch digital und vereinzelt gelernt werde, sondern eine Ergänzung zur Unterstützung individueller Lernprozesse zur Verfügung gestellt werde, natürlich müsse weiter auch analog und kollaborativ gelernt werden.

Ausgerollt werden soll das System schon nach den Sommerferien in ersten Pilotschulen, im Herbst soll es weiter in die breite gehen und im Winter soll es Fortbildungen für Lehrkräfte geben. Wohlgemerkt: 2026! Ein ambitioniertes Programm, entwickelt von deutschen Institutionen unter dem Dach der FWU. Die zentrale Kompetenz-Schnittstelle bildet das ellis-Institut Tübingen (ELLIS Institute Tübingen). Auf persönliche Nachfrage nach der Verbindlichkeit der Umsetzung wurde mir versichert, dass Schulen freiwillig teilnehmen könnten und man darauf setze, dass der Erfolg des AIS dazu führe, dass alle Schulen nicht darum herum kämen.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite des AIS: https://ais.schule/ und hier: https://www.kmk.org/bildungsministerkonferenz/bildungsthemen/bildung-in-der-digitalen-welt.html (bei „Länderübergreifende Vorhaben“ / „Adaptives Intelligentes System“ (hier erfährt man auch, dass telli ein Teilprojekt von AIS ist und dessen weiterbetrieb von dem Fortschritt bei AIS abhängt.) Persönlich bin ich vom disruptiven Potenzial von AIS oder vergleichbaren Tutorsystemen überzeugt, schließlich war es unter anderem der TED-Talk von Sal Khan zu Khanmigo im April 2023, der mich zur intensiven Beschäftigung mit KI gebracht hat. Schon Benjamin Bloom (ja, das ist der mit den Taxonomien) hat ja 1984 erforscht, dass individuelle Unterstützung Lernende um zwei Notenstufen besser machen kann. Ohne KI war es natürlich nicht denkbar, jedem und jeder Lernenden eine Lehrkraft zur Verfügung zu stellen. Bloom nannte das das „2-Sigma-Problem“. KI hat jetzt das Potenzial, dieses Problem zu lösen. Wenn es denn gut gemacht wird.

Ich sehe aktuell zwei Schwierigkeiten. Bisher haben es staatliche/halbstaatliche Unternehmungen eher nicht geschafft, sinnvolle digitale Systeme zu etablieren (vgl. Logineo, telli mit Einschränkungen). Und, zweitens, habe ich meine Zweifel, ob eine freiwillige Implementierung in den Schulen funktionieren kann. Wir sehen aktuell bei der Implementierung von KI-Anwendungen in Unterricht und Lehre schon einen wachsenden digital-divide, weil viele Schulen und Lehrkräfte sich schlicht nicht damit beschäftigen. Ähnliches können wir bei der Anwendung von digitalen Tafeln oder Tabletts im Unterricht beobachten. Ähnliches konnte ich auch schon bei der Einführung der Kompetenzorientierung in den 2010er Jahren beobachten, damals mussten sich Lehrkräfte zwar fortbilden lassen, haben das zum Teil aber nur halbherzig getan und wenig umgesetzt. Da ist es wieder, das Implementierungsproblem in der deutschen Bildungslandschaft. Ich plädiere daher für eine deutlich verbindlichere Umsetzung im Rahmen strukturierter Schulentwicklungsprogramme mit entsprechenden Entlastungen (Pilotierung, Begleitforschung, Fortbildung), um eine weitere Heterogenisierung der deutschen Bildungslandschaft zu verhindern und das Potenzial von AIS zur Stärkung der Bildungsgerechtigkeit zu nutzen. Außerdem plädiere ich für ein starkes europäisches System in Kooperation mit etablierten und neuen Stakeholdern auf dem europäischen Bildungsmarkt, um weiteren Einfluss von US-Big-Tech oder chinesischen Anbietern auf dem europäischen Bildungsmarkt zu verhindern.

AIS könnte das wichtigste schulische Infrastrukturprojekt seit Einführung der Schulpflicht werden, wenn Deutschland diesmal das Implementierungsproblem löst.

Funfact für alle KI-Skeptiker, besonders für Mathe: In Schweden gibt es ein gut funktionierendes AIS für Mathematik: Magma Math, auch das war auf der Didacta zu sehen: https://www.magmamath.com/de.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:Interessantes
„Medium“ zum 2-Sigma-Problem: https://medium.com/@lern360_official/the-2-sigma-problem-was-never-about-teaching-it-was-about-scale-80c846b3e5b5.
Die Bosch Stiftung hat das „Deutsche Schulbarometer 2026“ zu Schülerinnen und Schülern veröffentlicht, hier gibt es eine Zusammenfassung auf dem „Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/deutsches-schulbarometer-schuelerbefragung-2026-die-wichtigsten-ergebnisse/. Die ganze Studie gibt es hier: https://www.bosch-stiftung.de/de/publikation/deutsches-schulbarometer-befragung-schuelerinnen. Spoiler: Es ist nicht besser geworden.
Ulrike Linz bloggt zu Deep Skills im Zeitalter von KI. Deep Skills sind die tiefen, menschlichen Fähigkeiten wie Selbstregulation, Empathie und Reflexion, die im Zeitalter von KI besonders wichtig werden und durch sinnvolle Lernräume statt durch reines Training entstehen: https://linzspiration.de/deep-skills/.
Eine Studie des „LIfBi“ hat eine umfangreiche Studie zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungsungleichheit veröffentlicht: https://www.lifbi.de/de-de/Start/Aktuelles-Medien/Neuigkeiten/details/gleiche-leistung-ungleiche-chancen.
Die Uni Hildesheim hat die JuCo V-Studie zum Wohlbefinden Jugendlicher und junger Erwachsener in Krisenzeiten in Krisenzeiten veröffentlicht: https://hilpub.uni-hildesheim.de/server/api/core/bitstreams/b79bd9ec-5bde-46e3-b657-f42e27224a97/content.

Schulentwicklung
In einem Interviews für das „Deutsche Schulportal“ erklärt die US-Bildungsforscherin und Autorin Julia Freeland Fisher, „Warum Schulen Jugendliche auch beim Netzwerken unterstützen sollten“: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/vitamin-b-warum-schulen-jugendliche-auch-beim-netzwerken-unterstuetzen-sollten/.

Smartphone und Social-Media
Die NZZ zeigt, wie man Soziale Medien technisch besser gestalten könnte und dass diese Möglichkeiten den Tech-Firmen durchaus bewusst sind. Das Problem ist, dass sie Gewinne schmälern würden: https://www.nzz.ch/technologie/zehn-ideen-fuer-bessere-soziale-netzwerke-die-tech-firmen-verschwiegen-haben-ld.1926585.
Im aktuellen Newsletter von Smartphone-Coach Andrea Bugl-Aigner gehet es um die Manosphere; mit interessanten Links (vgl. letzten Newsletter): https://9etqr.r.a.d.sendibm1.com/mk/mr/sh/OycXxko2a8zXNsWPDzlZCDgb/i_thqfETzt8o.

KI
Joscha Falck hat sich von KI-Agenten ein Escape-Game bauen lassen, wie kann man hier nachlesen: https://joschafalck.de/archiv-45/.
Kling zeigt hier eindrücklich, was KI im Bereich Film mittlerweile möglich macht: https://www.youtube.com/watch?v=eZeZ7EM1GY0.
Die „Initiative digitale Bildungschancen“ hat ein Diskussionspapier zum Einsatz von KI in Schulen entwickelt: https://cloud.medienzentrum.rocks/s/G8e5fsDReryDpK5?dir=/&editing=false&openfile=true.

Tipps für den Unterricht
Auf https://politiktest.de/ kann man testen wie stark politische Einstellungen mit populistischem Denken zu tun haben.
Der Psychologe und Bildungsforscher Manfred Holodynski erklärt in einem Interview mit dem „Deutschen Schulportal“, warum Classroom Management so zentral für die Unterrichtsqualität ist, welche Fehler Lehrkräfte vermeiden sollten und wie eine bessere Ausbildung Abhilfe schaffen könnte: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/wir-haben-ein-massives-problem-mit-classroom-management/.

Leseempfehlung
Leonard Sommer: Wenn Schule auf Ideen bringt, München 2023. Eine wundervolle Sammlung mit Ideen aus der Schulpraxis.

Hörempfehlung
Ferdinand Stebner bei WDR 5 über selbstreguliertes Lernen: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:section:42b966c64cd83570/.
Ich gestatte mir mal etwas Eigenwerbung. Hannes Kannes hat einen Podcast mit mir aufgenommen: https://www.youtube.com/watch?v=PCMCbpLc_TQ bei Youtube. Wer es ohne Bild mag, wird hier fündig: https://open.spotify.com/episode/4GgqCyJmZMNB2NwiuqL6IG. .

Sehempfehlung
Aktuell keine, wem langweilig ist empfehle ich aber gerne „Treibhäuser der Zukunft“ oder Clips mit Ken Robinson auf YouTube.

Veranstaltungsempfehlung
Aktuell keine, natürlich Bob Blume am 23.09. im Bürgerhaus.Spaß im Netz
Heute gibt es mal eine Website, die sie per Zufallsgenerator auf unnütze Seiten bringt: https://theuselessweb.com/.   

Blog 2026-04: Die Disruption durch Adaptive Intelligente Systeme

Bild: ChatGPT

Mich hat auf der Didacta 2026 ein Aspekt besonders beschäftigt. Ich habe dort ein Panel zu Adaptiven Intelligenten Systemen (AIS) besucht. Das „FWU Institut für Film und Bild gGmbh war Veranstalter, teilgenommen haben Prof. Dr. Ulrike Cress (Direktorin Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor Tübingen AI Center), Prof. Dr. Andreas Lachner (Co-Director Tübingen Center for Digital Education), Dr. Wieland Brendel (Forschungsgruppenleiter ELLIS Institute Tübingen), Dr. Almut Steinlein (Projektleiterin AIS am FWU). Moderiert wurde das Panel von Dr. Anika Limburg, Leiterin des Bildungscampus Saarland. Im Panel wurde deutlich:

Mehrfach wurde das disruptive Potenzial eines AIS für Unterricht betont. Es entstehe eine Lehr-Lern-Plattform, die gleichzeitig Lernende individuell und adaptiv im eigenen Tempo unterstützen soll und Lehrende bei der Lernentwicklung der Lernenden auf dem Laufenden halte. Dadurch könne eine individuelle Förderung gelingen. Das System werde entsprechend mit Curricula etc. trainiert und soll für kommerzielle Anbieter offen sein, natürlich alles konform mit DSGVO und EU-AI-Act. So soll ein offenes, nicht proprietäres lernendes System entstehen, dass den Kindern gerecht werde und Lehrkräfte entlaste, die dann wieder mehr Raum für echte Lernbegleitung bei den Lernenden bekämen, die sie nötig haben. Dadurch soll mehr Bildungsgerechtigkeit entstehen. Dafür bedürfe es natürlich auch neuer Unterrichtsformen und Lernräume. Der Gefahr des Deskilling werde durch die Adaptivität und didaktisch elaborierte Sequenzierung vorgebeugt. Ziel seien verstärkte Selbstregulierung und Kompetenzorientierung bei den Lernenden, die mit dem AIS Lernen lernen. Natürlich bedeute das nicht, dass nur noch digital und vereinzelt gelernt werde, sondern eine Ergänzung zur Unterstützung individueller Lernprozesse zur Verfügung gestellt werde; natürlich müsse weiter auch analog und kollaborativ gelernt werden.

Ausgerollt werden soll das System schon nach den Sommerferien in ersten Pilotschulen, im Herbst soll es weiter in die breite gehen und im Winter soll es Fortbildungen für Lehrkräfte geben. Wohlgemerkt: 2026! Ein ambitioniertes Programm, entwickelt von deutschen Institutionen unter dem Dach der FWU. Die zentrale Kompetenz-Schnittstelle bildet des ellis-Institut Tübingen (ELLIS Institute Tübingen). Auf persönliche Nachfrage nach der Verbindlichkeit der Umsetzung wurde mir versichert, dass Schulen freiwillig teilnehmen könnten und man darauf setze, dass der Erfolg des AIS dazu führe, dass alle Schulen nicht darum herum kämen.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite des AIS: https://ais.schule/ und hier: https://www.kmk.org/bildungsministerkonferenz/bildungsthemen/bildung-in-der-digitalen-welt.html (bei „Länderübergreifende Vorhaben“ / „Adaptives Intelligentes System“. Hier erfährt man auch, dass telli ein Teilprojekt von AIS ist und dessen weiterbetrieb von dem Fortschritt bei AIS abhängt.) Persönlich bin ich vom disruptiven Potenzial von AIS oder vergleichbaren Tutorsystemen überzeugt, schließlich war es unter anderem der TED-Talk von Sal Khan zu Khanmigo im April 2023, der mich zur intensiven Beschäftigung mit KI gebracht hat. Schon Benjamin Bloom (ja, das ist der mit den Taxonomien) hat ja 1984 erforscht, dass individuelle Unterstützung Lernende um zwei Notenstufen besser machen kann. Ohne KI war es natürlich nicht denkbar, jedem und jeder Lernenden eine Lehrkraft zur Verfügung zu stellen. Bloom nannte das das „2-Sigma-Problem“. KI hat jetzt das Potenzial, dieses Problem zu lösen. Wenn es denn gut gemacht wird.

Ich sehe aktuell zwei Schwierigkeiten. Bisher haben es staatliche/halbstaatliche Unternehmungen eher nicht geschafft, sinnvolle digitale Systeme zu etablieren (vgl. Logineo, telli mit Einschränkungen). Und, zweitens, habe ich meine Zweifel, ob eine freiwillige Implementierung in den Schulen funktionieren kann. Wir sehen aktuell bei der Implementierung von KI-Anwendungen in Unterricht und Lehre schon einen wachsenden digital-divide, weil viele Schulen und Lehrkräfte sich schlicht nicht damit beschäftigen. Ähnliches können wir bei der Anwendung von digitalen Tafeln oder Tablets im Unterricht beobachten. Ähnliches konnte ich auch schon bei der Einführung der Kompetenzorientierung in den 2010er Jahren beobachten, damals mussten sich Lehrkräfte zwar fortbilden lassen, haben das zum Teil nur widerwillig getan und nichts umgesetzt. Da ist es wieder, das Implementierungsproblem in der deutschen Bildungslandschaft. Ich plädiere daher für eine deutlich verbindlichere Umsetzung im Rahmen strukturierter Schulentwicklungsprogramme (Pilotierung, Begleitforschung, Fortbildung), um eine weitere Heterogenisierung der deutschen Bildungslandschaft zu verhindern und das Potenzial von AIS zur Stärkung der Bildungsgerechtigkeit zu nutzen. Außerdem plädiere ich für ein starkes europäisches System in Kooperation mit etablierten und neuen Stakeholdern auf dem europäischen Bildungsmarkt, um weiteren Einfluss von US-Big-Tech oder chinesischen Anbietern auf dem europäischen Bildungsmarkt zu verhindern.

AIS könnte das wichtigste schulische Infrastrukturprojekt seit Einführung der Schulpflicht werden, wenn Deutschland diesmal das Implementierungsproblem löst.

Funfact für alle KI-Skeptiker, besonders für Mathe: In Schweden gibt es ein gut funktionierendes AIS für Mathematik: Magma Math, auch das war auf der Didacta zu sehen: https://www.magmamath.com/de.

Ergänzung vom 04.04.2026:
Bei aller berechtigten Faszination für das Potenzial Adaptiver Intelligenter Systeme lohnt sich ein Blick auf die Bedingungen, unter denen diese Systeme entstehen. KI ist kein rein technologisches Produkt, sondern basiert in weiten Teilen auf menschlicher Arbeit, häufig ausgelagert in den Globalen Süden. Tausende sogenannte Data Labeler trainieren, überprüfen und moderieren Inhalte, oft unter prekären Bedingungen und mit hoher psychischer Belastung. Die „Intelligenz“ der Systeme ist damit nicht nur künstlich, sondern auch sozial produziert.

Diese Perspektive verändert den Blick auf KI grundlegend: Wenn Bildungssysteme künftig verstärkt auf solche Technologien setzen, greifen sie zugleich auf globale Arbeitsstrukturen zurück, die bislang weitgehend unsichtbar bleiben. Die Frage nach der didaktischen Integration von KI muss daher ergänzt werden um eine zweite: Unter welchen Bedingungen entsteht diese Technologie, und welche Verantwortung tragen wir als Bildungssystem in ihrer Nutzung?

Wer über Bildungsgerechtigkeit im Kontext von KI spricht, darf deshalb nicht nur die Wirkung im Klassenzimmer betrachten, sondern muss auch die Produktionsbedingungen im Blick behalten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass eine Technologie, die im Inneren auf Ungleichheit basiert, nach außen als Lösung für eben diese Ungleichheit erscheint.

Newsletter 25/26-12: 06.03.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

Frau Hartmann, Elternsprecherin an unserer Schule, hat sich mit einem Thema auseinandergesetzt und die Eltern darüber informiert, das auch an der Weibelfeldschule zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sie hat mir, vielen Dank dafür, die Erlaubnis erteilt ihren Text zu veröffentlichen und ihren Namen zu nennen, was ich sehr gerne tue. Es geht um die Frage, wie die Schule mit Straftaten umgeht. Im Folgenden zitiere ich ihren Originaltext und ergänze danach noch etwas:

„In welchen Fällen ist die Schulleitung verpflichtet, eine Strafanzeige zu stellen – insbesondere im Zusammenhang mit extremistischen Symbolen oder Parolen, Cybermobbing und problematischen Text- oder Sprachnachrichten in Klassenchats.
Zudem möchte ich Ihnen einen Überblick über die Folgen für minderjährige Zeugen sowie den Ablauf von Zeugenvernehmungen geben.

1. Wann muss die Schule eine Strafanzeige stellen?
Die Schule ist verpflichtet, eine Strafanzeige zu erstatten, wenn der Verdacht auf eine Straftat besteht, die nicht mehr allein durch schulische Maßnahmen geklärt werden kann. Dazu gehören unter anderem:

– Körperverletzungen, Bedrohungen oder Erpressung
– Diebstahl oder Sachbeschädigung
– Cybermobbing, insbesondere wenn Beleidigungen, Bedrohungen oder die Verbreitung sensibler Inhalte vorliegen
– die Verwendung, Verbreitung oder Darstellung von Worten, Parolen, Symbolen oder Gesten, die extremistischen oder in Deutschland verbotenen Organisationen zugeordnet werden
– strafbare Inhalte in Klassenchats, z. B. beleidigende Sprachnachrichten, diskriminierende Aussagen oder das Teilen verbotener Symbole

Gerade digitale Kommunikationswege wie Klassenchats spielen eine immer größere Rolle. Auch Inhalte, die außerhalb der Schulzeit verschickt werden, können strafrechtlich relevant sein, wenn sie Mitschüler bzw. Lehrer betreffen oder das schulische Miteinander beeinträchtigen.

Nach dem Erstellen einer Anzeige erfolgt durch die Schule keine allgemeine Information an Eltern, die nicht direkt und unmittelbar betroffenen sind. Dies wird zum Schutz unterlassen. Elternsprecher können davon gegebenenfalls ausgenommen sein, um im Falle eines Falles und in Abstimmung mit der Schule besser reagieren oder Fragen beantworten zu können.

2. Folgen und Auswirkungen für minderjährige Zeugen
Wenn Schülerinnen oder Schüler Zeugen eines solchen, von der Schule zu Anzeige gebrachten Vorfalls sind, kann es sein, dass sie von der Polizei zu einer Aussage eingeladen werden. Minderjährige Zeugen sind nicht beschuldigt, sondern sollen helfen, den Sachverhalt aufzuklären.

Wichtig zu wissen:
– Zeugen müssen wahrheitsgemäß aussagen.
– Sie sind nicht verpflichtet, sich selbst zu belasten.
– Die Polizei ist verpflichtet, altersgerecht und besonders schonend vorzugehen.

3. Einladung und Ablauf einer Zeugenvernehmung

Eine Zeugenvernehmung wird in der Regel schriftlich angekündigt, z. B. durch einen Brief von der zuständigen Polizeidienststelle. Die Einladung enthält Ort, Datum und ein Aktenzeichen. Häufig findet die Vernehmung in der Polizeidienststelle statt, manchmal auch in der Schule.

Der Ablauf sieht typischerweise so aus:
– Die Eltern werden über den Termin informiert.
– Eltern dürfen in der Regel anwesend sein, außer dies könnte die Aussage beeinflussen.
– Die Polizei erklärt den Ablauf und stellt Fragen, die das Kind in eigenen Worten beantwortet.
– Die Aussage wird protokolliert und anschließend gemeinsam durchgegangen und unterzeichnet.

4. Rechte und Pflichten der Eltern
Als Eltern haben Sie das Recht:

– über den Termin und Zweck der Vernehmung informiert zu werden,
– Ihr Kind zu begleiten (sofern zulässig),
– Rückfragen zu stellen, wenn etwas unklar ist.

Gleichzeitig haben Sie die Pflicht:
– Ihr Kind zur wahrheitsgemäßen Aussage anzuhalten,
– die Teilnahme an der Vernehmung zu ermöglichen,
– die Schule über relevante Informationen zu informieren, sofern diese zur Klärung beitragen.

Mir ist bewusst, dass solche Situationen für Kinder und Eltern belastend sein können. Bitte zögern Sie nicht, bei Unsicherheiten das Gespräch mit der Klassenleitung, der Schulleitung oder auch mit mir als Elternvertretung zu suchen.“

Die Polizei hat in diesem Zusammenhang eine gute Handreichung für Lehrkräfte erstellt, die natürlich auch für Eltern von Interesse sein kann: https://www.polizei-beratung.de/fileadmin/Medien/299-HR-Schule-fragt-Polizei-antwortet.pdf.

Warum dieser Beitrag?
Weil es in der letzten Zeit leider wieder häufiger zur Verwendung verbotener Symbole oder extremistischen Gesten oder Sachbeschädigungen kommt. Wir sind zum Glück noch weit davon entfernt, dass das ein Massenphänomen an unserer Schule ist, sind uns im Kollegium aber auch einig, dass wir das nicht tolerieren und im Keim ersticken wollen. Deshalb werden wir als Schule konsequent bei solchen Vorfällen vorgehen, um deutlich zu machen, dass hier Grenzen überschritten werden. Ein Teil der Gegenmaßnahmen ist dieser Newsletter, der alle Mitglieder der Schulgemeinschaft informieren und sensibilisieren soll. Ich bitte Eltern und Lehrkräfte mit ihren Kindern und Schülerinnen und Schülern zu sprechen und ihnen klar zu machen, dass extremistische Gesten kein Spaß sind und Konsequenzen haben.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:Interessantes
Hier gibt es eine Zusammenfassung zu INSIDE, einer Langzeitstudie zu Inklusion, der dazu erschienene Sammelband kann komplett heruntergeladen werden. Spoiler: Es hängt von den Lehr- und Förderkräften ab: https://www.lifbi.de/de-de/Start/Aktuelles-Medien/Neuigkeiten/details/langzeitstudie-inside-zieht-bilanz-wie-inklusion-an-weiterfuehrenden-schulen-gelingt-und-wo-sie-an-grenzen-stoesst. (Danke Frau Zuppke für den Hinweis).
Das Verwaltungsgericht Kassel hat ein Urteil zu Täuschungsversuchen mit KI an der Uni gefällt. Ist das ggf. auf Schule übertragbar? https://verwaltungsgerichtsbarkeit.hessen.de/presse/unzulaessige-nutzung-kuenstlicher-intelligenz-bei-studentischen-pruefungsleistungen.
Die Uni Hildesheim hat die JuCo V-Studie veröffentlicht, die sich mit dem Wohlbefindne von Jugendlichen befasst: https://hilpub.uni-hildesheim.de/entities/publication/7c0efae6-c11a-4eed-adf0-4636c68ff009.
Susanne Alles setzt sich in ihrem Blog klug mit der Abwertung von digitaler Schulentwicklung als „Knöpfchenkunde“ auseinander, sie fordert eine andere Fehlerkultur und die Anerkennung von Bedienwissen zur Technik: https://teacherette-total.blogspot.com/2026/03/knopfchenkunde-und-klickkompetenz-warum.html.
Rahel Tschopp schreibt in einer Kolumne für „Lernetz Schule“ über das Schul-WC als wichtigen sozialen Ort: https://lernetz.schule/magazin/was-das-stille-oertchen-ueber-die-schule-sagt/.
Eine internationale Generationenumfrage hat ergeben, so berichtet „Der Standard“, dass die Männer der GenZ rückständige Rollenbilder haben (Vgl. Newsletter 09: https://www.schulmun.de/2025/08/12/newsletter-2025-2026/): https://www.derstandard.at/story/3000000311154/generationen-umfrage-gen-z-hat-r252ckst228ndigstes-rollendenken.

Schulentwicklung
Ich mache hier mal eine neue Rubrik zu Schulentwicklung auf. Ich wundere mich selbst, dass es diese noch nicht gibt, wo das doch eines meiner zentralen Themen ist.
„Spektrum.de“ hat mit 17 führenden Expertinnen und Experten 15 Denkanstöße für die Schule der Zukunft entwickelt: https://reportage.spektrum.de/die-schule-der-zukunft#uebersicht.
Torsten Larbig kritisiert in seinem Blog den Fokus auf 4K und Future-Skills, die sich zu sehr an ökonomischer Verwertbarkeit orientieren. Die 4K sind wichtig, aber nicht ausreichend.
Bildung darf nicht nur auf Kompetenzen für Funktionieren zielen, sondern muss Orientierung im Leben ermöglichen: https://herrlarbig.de/2026/02/16/jenseits-der-4k-was-bildung-wirklich-bedeutet/.

Smartphone und Social-Media
„Netzpolitik.org“ hat kritische Standpunkte zur Debatte um das Social-Media-Verbot für Jugendliche zusammengefasst: https://netzpolitik.org/2026/von-kinderhilfswerk-bis-lehrerverband-so-breit-ist-die-kritik-am-social-media-verbot/.
Michael Drabe hat ein Mini-Curriculum zur Medienbildung im Zuge der Debatte um das Social-Media-Verbot entwickelt: https://schule-in-der-digitalen-welt.de/sollte-es-ein-social-media-verbot-fur-alle-unter-14-geben/.
„Der Standard“ zeigt, dass viele Tech-Manager bei ihren Kindern Social-Media stark reglementieren: https://www.derstandard.at/story/3000000309692/tech-manager-pflegen-strenge-social-media-limits-fuer-ihre-kinder?ref=article.
Jan Martin Wiarda beschreibt in seinem Blog wie sich seine Haltung zu einem Social-Media-Verbot wandelte: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/02/12/bitte-verbieten.

KI
Bernhard Gmeiner berichtet in seinem KI-Blog bei „Der Standard“ darüber, wie er mit Vibe-Coding Apps für seinen Unterricht baut, ohne Programmierkenntnisse. Ich bin auch gerade dabei das auszuprobieren: https://www.derstandard.at/story/3000000309176/ich-habe-eine-app-gebaut-ich-kann-nicht-programmieren?ref=article.
„Frontiers in Education“ hat sich mit Lehrkräftefortbildungen zu KI auseinandergesetzt. Spoiler: Nicht „KI zeigen“, sondern „KI verstehen und pädagogisch nutzen“ ist entscheidend für wirksame Schulentwicklung: https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2025.1671306/full.
Benedikt Wisniewski schreibt im FelloFish-Blog „Über den problematischen Diskurs zum Einsatz von KI in der Schule“, Spoiler: Die eigentliche Herausforderung ist nicht Technologie, sondern Didaktik; KI zwingt Schule, zwischen Wissen, Können und Verstehen neu zu unterscheiden.: https://www.fellofish.com/blog/zwischen-hype-und-panik.
Die Hamburg-Open-Online-University hat zu ihrem zehnjährigen bestehen ein Papier zu KI, Urheberrecht und OER veröffentlicht: https://portal.hoou.de/wp-content/uploads/HOOU-KI-und-Recht-RZ-Digital-02-Doppel.pdf?_ga=2.187007278.728171147.1750668388-452765661.1747647146.
Hauke Pölert hat auf LinkedIN auf diese Studie aufmerksam gemacht, die untersucht, ob es einen Unterschied macht, ob Feedback von einem Menschen oder einer KI kommt: https://arxiv.org/pdf/2602.11311. Spoiler: Ja.
Joscha Falck schreibt auf „Deutsches Schulportal“ über KI als Lernressource: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/wie-wird-ki-zur-lernressource-statt-zur-abkuerzung/.
Review zur Harvard-Studie zu KI-Tutoring (Kestin et al. 2025), gut designte KI-Tutoren können in bestimmten Lernphasen besser wirken als sehr guter Unterricht — aber nur unter streng didaktischen Bedingungen: https://etcjournal.com/2025/11/10/review-of-kestin-et-al-s-june-2025-harvard-study-on-ai-tutoring/.
Greenpeace hat ein gutes Paket mit Unterrichtsmaterial zu KI und Klima erstellt, in dem Chancen und Kritik zusammengefasst werden: https://www.greenpeace.de/ueber-uns/umweltbildung/unterrichtsmaterial-kuenstliche-intelligenz-ki-und-klima.
Ein schönes Spiel zum Üben von Prompten in einer Beta-Version: https://store.steampowered.com/app/4258720/Promptables__Das_KIDuell/.

Tipps für den Unterricht
Eine praktische Anwendung von KI im Sportunterricht entwickeln Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen: https://www.mz.de/panorama/wie-jugendliche-mit-ki-sportunterricht-fairer-machen-wollen-4203186.
Das „Online Praxishandbuch Unterrichtsgestaltung mit Medien“ der Uni Bremen bietet zahlreiche Anleitungen und Unterrichtsszenarien für mediengestützte Bildung: https://unterrichtsgestaltung-mit-medien.de/.

Leseempfehlung
Pavle Madzirov: KI-Kompetenz für Schulleitungen; Grundlgen, Praxis und Integration von Künstlicher Intelligenz in Schulleitungshandeln und Unterricht, Hürth 2026.

Hörempfehlung
Im Podcast „Education Minds“ von Yvo Wüest ist Stefan Lesser zu Gast, hörenswert:  https://open.spotify.com/episode/4tsaSFfIQ58vuREm5bESfE.

Sehempfehlung
Arte Doku zur Frage ob Schule Druck braucht: https://www.youtube.com/watch?v=dTPL08Z3HKk.

Veranstaltungsempfehlung
Die Pioneers of Education haben die Videos ihres Bildungsgipfels noch bis Montagabend freigeschaltet, wer möchte kann sich hier noch anmelden: https://pioneersofeducation.online/. Spaß im Netz
Die Seite https://r74n.com/ bietet zahlreiche spannende und wichtige Features, zum Beispiel eine Liste mit allen Ameisenarten auf der Erde: https://r74n.com/ants/.  

Blog 2026-03: Schule nach dem Wissen

Präambel (KI-Transparenzhinweis)
Dieser Beitrag ist mit Unterstützung einer KI entstanden.
Er ist jedoch nicht automatisiert erzeugt worden, sondern Ergebnis eines längeren Arbeitsprozesses: Sammlung von Studien, Blogtexten und Artikeln, Diskussion und Klärung von Gedanken sowie wiederholte Überarbeitung im Dialog. Die KI diente dabei als Denk- und Strukturierungspartner, nicht als Ersatz eigener Positionen. Der Text spiegelt daher eine entwickelte Perspektive wider, nicht eine automatisch erzeugte Meinung. Natürlich ist der KI-Stil für Kennende erkennbar.


Schule nach dem Wissen

Warum KI nicht unser größtes Problem ist – sondern unsere größte Klärungschance

In den letzten Monaten habe ich viele Texte über KI und Bildung gelesen.
Sie kamen aus ganz unterschiedlichen Richtungen: Forschung, Unterrichtspraxis, Medien, Philosophie. Manche warnen vor Kontrollverlust, andere feiern eine neue Lernfreiheit.
Erstaunlich war weniger, wie unterschiedlich die Positionen sind, sondern wie ähnlich ihr Kern ist. Viele beschreiben dieselbe Verschiebung: keine technologische Revolution, sondern eine Bedeutungsverschiebung von Wissen.

Was sich gerade wirklich verändert

Schule war über Jahrhunderte logisch aufgebaut. Wissen war knapp. Also organisierte man Institutionen, die Wissen vermitteln. Lehrkräfte erklärten. Schüler lernten. Später konnte man das Gelernte anwenden. Diese Logik war stabil, weil sie funktionierte.
Nun ist Wissen jederzeit verfügbar und mit KI sogar generierbar. Texte, Programme, Zusammenfassungen und Lösungen entstehen auf Knopfdruck. Damit bricht nicht Lernen zusammen, sondern die alte Funktion von Lernen.

Schule kann nicht mehr primär der Ort sein, an dem Menschen erfahren, was richtig ist.

Warum plötzlich so viele Aufgaben nicht mehr funktionieren

Die erste Reaktion vieler Schulen war ein Verdacht: Schüler nutzen KI, um sich Arbeit zu ersparen. Die zweite Reaktion war häufig: Verbieten oder Ignorieren.
Doch vielleicht zeigt uns die Situation etwas anderes. Wenn ein Werkzeug eine Aufgabe vollständig übernehmen kann, war die Aufgabe möglicherweise nie ein guter Lernindikator.
Hausaufgaben verlieren ihre Aussagekraft. Reproduktionstests verlieren ihre Aussagekraft. Selbst viele klassische Prüfungsformate verlieren ihre Aussagekraft, nicht weil Schüler weniger leisten, sondern weil Ergebnisse nicht mehr zeigen, wer etwas verstanden hat.

Bewertbar bleibt nur noch:

  • Entscheidungen
  • Begründungen
  • Qualitätseinschätzungen
  • gedankliche Wege

Plötzlich interessiert nicht mehr nur die Antwort, sondern das Denken.

Die verbreitete, aber zu kurze Antwort: Kompetenzen

Als Reaktion entstehen neue Schlagworte: Future Skills, 4K, Kompetenzen. Sie sind nicht falsch, aber sie bleiben im alten Muster. Sie beschreiben weiterhin, was Menschen können sollen.

Die eigentliche Frage ist inzwischen eine andere:

Wozu lernen Menschen, wenn Wissen jederzeit verfügbar ist?

Die Antwort verschiebt sich von Können zu Verantwortung.
Nicht mehr Informationen besitzen, sondern mit Informationen umgehen.
Nicht mehr Probleme lösen, sondern Lösungen beurteilen.
Nicht mehr Antworten geben, sondern Entscheidungen vertreten.

Die Rolle der Lehrkraft verändert sich nicht – sie wird klarer

Oft wird gefragt, ob KI Lehrkräfte ersetzt. Tatsächlich passiert etwas anderes.
Die klassische Rolle war Wissensquelle und Kontrolle. Diese Rolle wird technisch leichter ersetzbar. Die eigentliche Rolle wird dadurch sichtbarer:

  • Orientierung geben
  • Denken strukturieren
  • Qualität beurteilen helfen
  • Verantwortung einfordern

Lehrkräfte werden nicht überflüssig. Sie werden erkennbar notwendig; nicht mehr, weil sie mehr wissen als andere, sondern weil sie Bedeutung herstellen helfen.

Die eigentliche Bildungsfrage

Wenn Information jederzeit erzeugbar ist, entsteht eine neue Grundfrage: Warum lernen Menschen überhaupt?
Nicht mehr, um vorbereitet zu sein. Nicht mehr, um später anwenden zu können. Sondern um urteilsfähig zu werden.
Bildung wird damit weniger Vorbereitung auf Zukunft und mehr Orientierung in Gegenwart.

Was das organisatorisch bedeutet

Diese Verschiebung ist größer als Digitalisierung. Sie betrifft die Architektur von Schule.
Eine Schule, die auf gleichzeitige Stoffvermittlung ausgerichtet ist, passt schlecht zu einer Welt, in der jeder jederzeit Zugang zu Informationen hat.

Lernen braucht mehr:

  • Zeit zum Verstehen
  • Austausch zum Einordnen
  • Rückmeldung zum Verbessern
  • Verantwortung für Ergebnisse

Nicht weniger Struktur, sondern eine andere Struktur. Nicht weniger Leistung, sondern sichtbarere Leistung.

Die eigentliche Chance

KI zwingt Schule nicht, moderner zu werden. Sie zwingt Schule, ehrlicher zu werden. Viele Routinen haben lange funktioniert, weil ihre Voraussetzungen stabil waren. Diese Voraussetzungen verschwinden gerade.
Das kann man als Krise sehen. Man kann es aber auch als seltene Gelegenheit begreifen, Schule neu vom Zweck her zu denken.
Vielleicht geht es künftig weniger darum, Antworten zu lernen, sondern darum, mit Antworten verantwortungsvoll umgehen zu können. Und dazu Bedarf es Wissen, Kompetenz und Urteilskraft.

Und vielleicht war das immer schon Bildung.

Epilog (ohne KI)
Ist dieser Beitrag jetzt ein Beispiel für verantwortlichen Umgang mit Wissen? Ich habe das Wissen anderer kompiliert und um eigene Gedanken ergänzt, das passiert in der Wissenschaft auch. Ich habe dadurch etwas Neues geschaffen, mir ein Urteil gebildet und auf etwas aufmerksam gemacht, was mir wichtig ist, nämlich Bildung und Schule in Zeiten von KI. Wie kann oder muss ich als Schulleiter Schule entwickeln, um unsere Kinder sinnvoll auf die Zukunft vorzubereiten und so eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu erhalten.

Newsletter 25/26-10: 06.02.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

dieser Newsletter erreicht Sie aus dem Schnee, als ich diese Zeilen schreibe, schneit es schon den ganzen Tag und ich sitze im Wintersport-Home-Office in Uttenheim in Südtirol.
Ich habe lange gezögert, ob ich mir es überhaupt erlauben kann an der Wintersportwoche unseres 8. Jahrgangs teilzunehmen, habe mich dann aber „überreden“ lassen und bereue es kein Stück.
Natürlich bleibt eine Menge Arbeit liegen, natürlich kann ich eine Menge Termine nicht wahrnehmen, natürlich fällt im LK Unterricht aus (gibt aber einen Arbeitsauftrag) und natürlich werde ich in den nächsten Wochen Liegengebliebenes aufarbeiten müssen. Aber das ist es wert. Außerhalb des unterrichtlichen Kontexts entsteht eine andere Welt. Für einige Schülerinnen und Schüler ist es die erste Erfahrung mit Urlaub in den Bergen, Schnee und Wintersport; für wenige ist es die erste Erfahrung mit Urlaub überhaupt und das zu beobachten erdet und erfreut zugleich. Es entsteht eine besondere Atmosphäre, man erlebt die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Kolleginnen und Kollegen in einem anderen Kontext. Es findet keine Bewertung statt, kein Zwang zum Unterricht in der Enge des Klassenraums im Takt der Schulstunde. Es gibt Freiheit, natürlich in einem pädagogisch angemessenen Rahmen.
Diese Freiheit wirkt. Sie schafft Vertrauen, ermöglicht Gespräche, die im Schulalltag oft keinen Raum finden, und sie lässt Beziehungen wachsen, die später auch im Unterricht tragen. Man teilt Erfolge und Misserfolge auf der Piste, lacht gemeinsam, tröstet, ermutigt, hilft sich gegenseitig. Schule wird hier ganz konkret als Lebensraum erfahrbar.
Gleichzeitig zeigt sich, wie wertvoll solche Fahrten für die Persönlichkeitsentwicklung unserer Schülerinnen und Schüler sind. Verantwortung füreinander, Durchhaltevermögen, das Überwinden eigener Grenzen, Rücksichtnahme und Gemeinschaft werden nicht theoretisch besprochen, sondern praktisch gelebt. Das sind Erfahrungen, die bleiben; oft länger als mancher Unterrichtsinhalt.
Auch für uns Lehrkräfte ist diese Woche ein Perspektivwechsel. Sie erinnert daran, warum wir diesen Beruf ergriffen haben, und daran, dass Bildung mehr ist als Stoffvermittlung, Noten und Abschlüsse. Sie ist Beziehung, Haltung und gemeinsames Erleben.
Zu dieser besonderen Woche gehören natürlich auch Konflikte. Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, wo Müdigkeit, Kälte, ungewohnte Anforderungen und Emotionen aufeinandertreffen, bleibt Reibung nicht aus. Bei wenigen zeigt sich auch ein mangelndes Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz oder die Schwierigkeit, eigene Grenzen auszuhalten. Auch das ist Realität und kein Scheitern, sondern Teil eines Lernprozesses.
Gerade in diesen Momenten zeigt sich der pädagogische Wert solcher Fahrten. Konflikte werden nicht ausgeblendet, sondern begleitet, ausgehalten und so gut es geht gemeinsam gelöst. Schülerinnen und Schüler erfahren, dass Herausforderungen dazugehören, dass man nicht alles sofort können oder mögen muss und dass Unterstützung da ist, wenn es schwierig wird. Auch diese Erfahrungen sind prägend und wirken oft nachhaltiger als jede gut gemeinte Ermahnung im Klassenzimmer.
Mein Dank gilt daher allen Kolleginnen und Kollegen, die diese Fahrten mit großem Engagement ermöglichen, Verantwortung übernehmen und sich auf diese besondere Form von Schule einlassen. Ebenso danke ich den Eltern für ihr Vertrauen.
Ich werde mit müden Knochen, aber klarem Kopf, vielen Eindrücken und neuer Energie zurückkehren und ja, der Schreibtisch wird voll sein. Aber auch das gehört dazu und ist es wert.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
Silke Müller behauptet, das Schulsystem sei insolvent. Warum erklärt „News4Teachers“: https://www.news4teachers.de/2026/01/wir-sind-insolvent-warum-ex-schulleiterin-silke-mueller-das-deutsche-bildungssystem-fuer-bankrott-erklaert-und-ausgestiegen-ist/.
Susanne Posselt hat auf ihrer Website einen Vortrag von Andreas Schleicher zum Thema „Zukunftsschule 2041“ (aus Gewerkschaftsperspektive) zusammengefasst: https://susanneposselt.de/zukunftsschule-2041/.
Das „Deutsche Schulportal“ setzt sich kritisch mit dem Trend zu „Dark Romance-Literatur“ bei kritischen Jugendlichen auseinander, darüber sollten Lehrkräfte Bescheid wissen (Spannender Twist: TikTok(BookTok/Social-Media fördert Leselsut): https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/dark-romance-im-jugendzimmer-was-lehrkraefte-jetzt-wissen-muessen/.
„Kappan“ beschäftigt sich mit Schumeln mit KI: KI-Schummeln ist kein völlig neues Problem, sondern eine neue Form eines alten Problems. Erfolgreiche Reaktionen brauchen klare Definitionen, gemeinsame Regeln, KI-Kompetenz und dialogische Schulentwicklung statt rein technischer Detektion oder Verbote. https://kappanonline.org/cheating-the-ai-elephant-in-the-classroom/ (auf Englisch).
JMS (Transparenzhinweis: Ich bin Mitglied) hat ein Impulspapier zu einem weltweiten Vergleich von Schulsystemen in Bezug auf die Vermittlung von Nachrichten- und Informationskompetenz veröffentlicht: https://journalismus-macht-schule.org/wp-content/uploads/2026/01/Impulspapier-JmS-1.pdf.
Wer sich mit Growth Mindset in der Schule beschäftigt, sollte mal auf diese Seite von Martin Karacsony, Ruth Stocker und Falk Szyba schauen: https://bildungsspirit.de/index.html.
Der LehrLernKompass von Uta Hauck-Thum und Micha Pallesche (OER, CC BY-NC 4.0) ist ein Assistent in CHatGPT und unterstützt Lehrkräfte dabei, Lehren und Lernen gemeinsam weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen Lernsettings, die Basiskompetenzen sichern und zukunftsrelevantes Lernen ermöglichen: https://chatgpt.com/g/g-6968caf825d08191930942f34592bf61-lehrlernkompass.

Smartphone und Social-Media
Nachtrag zum Schwerpunktthema des letzten Newsletters: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/brainrot-stumpft-ab-roblox-echtes-problem.
Auch „netzpolitik.org“ setzt sich jetzt kritisch mit Roblox auseinander: https://netzpolitik.org/2026/gaming-plattform-roblox-gewalt-und-bauchfreie-oberteile/.

KI
Kritischer Artikel aus „Wired“ zu KI-Agenten: https://www.wired.com/story/ai-agents-math-doesnt-add-up/.
Pressemitteilung der TU-Berlin zu einer Studie über romantische Beziehungen zu Chat-Bots: https://www.tu.berlin/nachrichtendetails/ich-werde-ihn-nicht-aus-irgendeinem-grund-loeschen-ich-liebe-ihn.
RA Franziska Mauritz schreibt auf dem FelloFish Blog über rechtliche Leitplanken zum Einsatz von KI in der Schule: https://www.fellofish.com/blog/rechtliche-leitplanken-fuer-den-ki-einsatz.
Hauke Pöhlert plädiert für mehr Professionalität im Kontext von KI und Schule. Spoiler: Wir sehen im internationalen Vergleich in Sachen Teamwork, Regeldurchsetzung, Hospitationen, Fortbildung, Netzwerken nicht gut aus. Er macht 10 Vorschläge zur Professionalisierung: https://unterrichten.digital/2026/01/30/fortbildung-professionalisierung-ki-schule/.
Einführung in das Vibe-Coding (programmieren mit KI) auf „lernsachen.blog“: https://lernsachen.blog/2026/01/23/vibe-coding-was-ist-das-und-kann-ich-das-auch/.
Andrea Buhl-Aigner („Smartphone-Coach“) bloggt zum Thema KI-Councelling (ein zunehmendes Phänomen, vgl. letzter Newsletter) bei Kindern über Social Media, zum Beispiel WhatsApp: https://www.smartphonecoach.org/fragt-dein-kind-die-ki-um-rat/.
Manuel Flick hat eine „3×3-Modell“ für KI-resilientere Aufgaben entwickelt: https://www.manuelflick.de/blog/das-3×3-modell-fuer-ki-resilientere-aufgaben.
Die FR berichtet über den Trend, dass gute Arbeiten vermehrt unter KI-Generalverdacht stehen: https://www.fr.de/panorama/beaengstigend-entwicklung-an-deutschen-schulen-stellt-gute-schueler-unter-generalverdacht-zr-94135510.html.

Tipps für den Unterricht
Auf dem LernSachen-Blog gibt es eine Silben-Lesehilfe, die Silben in Texten automatisch einfärbt, mit Bildern versieht oder vorliest: https://lernsachen.blog/2026/01/20/silben-lesehilfe-silbenfarbung-und-wortbilder-per-klick/.
(Nicht nur) Für den Geschichtsunterricht gibt es unter https://shoahstories.video/de/ kuratierte Kurzvideos, produziert von Gedenkstätten und Zeitzeugen, zum Holocaust.
(Könnte auch unter „KI“ stehen, tut es aber nicht) Tolles Material zu KI für die Unterrichtspraxis von „Klicksafe“: https://www.klicksafe.de/materialien/ki-and-me-wie-kuenstliche-intelligenz-unser-leben-praegt.
Dr. Johannes Hellenbrand hat für Telli den KI‑Lernbegleiter für selbstreguliertes Lernen (SRL) Sid erstellt, hier gibt es die nötigen Informationen zur Einrichtung: https://github.com/drjhellenbrand/sid.

Leseempfehlung
Dieses Buch hat mir Sjef Drummen von der Agora-Schule in Roermond empfohlen und ich empfehle es gerne weiter: Rutger Bregmann: Im Grunde gut; Eine neue Geschichte der Menschheit, Hamburg 2025. Bregmann legt überzeugend dar, warum der Mensch eher nicht dem Hobbesschen Weltbild entspricht und nicht des Menschen Wolf ist, sondern eher hilfsbereit und kooperativ, eben im Grunde gut ist.

Hörempfehlung
Podcast des SR mit Silke Müller zu ihrem neuen Buch: https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:38f10bc4efd8d5a7/.
Der KI-Podcast der ARD geht der Frage nach „Woran hakt die KI-Revolution in den Schulen?“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/woran-hakt-die-ki-revolution-in-den-schulen/id1698961192?i=1000739223328.

Sehempfehlung
Ich bin auf eine Playlist mit Videos von und zu Ken Robinson gestoßen, dessen Erkenntnisse und Beiträge zur Bildung unvergessen und inspirierend sind: https://www.youtube.com/playlist?list=PL8A48D7DAFBAF140A.

Veranstaltungsempfehlung
Am 25. Und 26. September findet wieder Vision@Schule an der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar statt. Wie im vergangenen Jahr gibt es interessante Vorträge, Workshops und mehr rund um die zukunftsfähige Schule.
Und kurz vorher, am 23. September, natürlich Bob Blume im Bürgerhaus Dreieich.

Spaß im Netz
Heute gibt es mal einen Persönlichkeitstest anhand der Handschrift, natürlich reliabel, objektiv und valide wie eine Schulnote: https://r74n.com/mini/handwriting.

Newsletter 25/26-08, 19.12.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

ein aufregendes Jahr neigt sich dem Ende zu.

Wir leben in einer Zeit rasanter Veränderung. Traditionen, Strukturen, liebgewordene Muster brechen auf und werden in Frage gestellt, es ist in vielen Bereichen noch unklar, wohin die Reise geht. Auch unsere Weibelfeldschule ist von diesen Entwicklungen und Veränderungen betroffen. Der Umgang der Schulgemeinschaft untereinander und mit unserem Bildungsauftrag verändert sich und auch wir wissen nicht, wo die Reise hingeht.

Wir haben uns auf den Weg gemacht, mit diesen Veränderungen umzugehen. Natürlich dauert es etwas, bis die Veränderungen sichtbar werden. Ich denke, im Rückblick wird 2025 ein entscheidendes Jahr in unserem Schulentwicklungsprozess sein. In den letzten beiden Schuljahren haben wir uns Strukturen gegeben (DNA-Gruppe, Weiterentwicklung SEG, AGs der SEG), um die Schule agil und mit der ganzen Schulgemeinschaft weiterzuentwickeln und in den nächsten beiden Jahren werden die Veränderungen dann sichtbar werden.

Kleine Dinge sind schon sichtbar, so wurden in den Flurbereichen mehr Möglichkeiten für offenes Arbeiten geschaffen, indem mehr Tische, Bänke und Stühle aufgestellt wurden. Das ist aber erst der Anfang, seien Sie gespannt, was noch kommt.

Jetzt ist aber nicht die Zeit vieler Worte, jetzt ist die Zeit der Besinnung und Ruhe. Genießen Sie die Winterferien, gewinnen Sie etwas Abstand vom Alltagsstress und lassen Sie Schule etwas in den Hintergrund treten.

Wir brauchen im kommenden Jahr viel Kraft und Leidenschaft, um unsere Weibelfeldschule zu einem noch besseren Ort für uns alle zu machen.

In diesem Sinne:

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
Nachtrag zum Thema des letzten Newsletters: Auf dem „Deutschen Schulportal“ gibt es einen ausführlichen Beitrag zu psychischen Belastungen in der Schule: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/psychische-gesundheit-aengste-depressionen-essstoerungen-wie-koennen-schulen-auf-psychische-belastungen-reagieren/.
Edutopia stellt die zehn wichtigsten Studien zur Bildung 2025 vor: https://www.edutopia.org/visual-essay/the-10-most-significant-education-studies-of-2025.
Jan-Martin Wiarda berichtet in seinem Blog über den Abschluss der Verhandlungen zum Digitalpakt 2.0: https://www.jmwiarda.de/blog/2025/12/11/es-soll-losgehen.
Studie zum Zusammenhang von Bildschirmzeit und kindlichem Spracherwerb, frühkindlicher Bildung und sozialen Fähigkeiten: https://psycnet.apa.org/fulltext/2025-64115-001.pdf.

Smartphone und Social-Media
Laut einer neuen Studie der Postbank steigen zunehmend Jugendliche wegen Hass, Aggression, Unwahrheiten und Suchtgefahren aus Social Media aus: https://www.deutschlandfunk.de/zahlreiche-jugendliche-steigen-einer-befragung-zufolge-aus-sozialen-medien-aus-wegen-hass-aggression-102.html. Mehr Informationen: https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2025/august/studie-smartphone-im-grundschulalter-viele-eltern-erlauben-fruehe-nutzung-und-setzen-klare-regeln.html. Die Studie selbst habe ich leider nicht gefunden.
„INVED“ warnt vor einer Zuspitzung der Lage bei visuellen Fake-Inhalten: https://inved.eu/insight/visuelle-ki-inhalte-die-lage-spitzt-sich-weiter-zu/.

KI
Die Hessische Lehrkräfteakademie hat eine Edumap zu telli mit Promptbeispielen, Handreichungen und Tipps, zum Beispiel zu Prüfungsformaten und mehr veröffentlicht: https://he.edumaps.de/81732/250705/ifsid7yl3h/58uagx58w2.
Hauke Pöhlert hat sich intensiv mit Feedback auseinandergesetzt und dabei Mensch und KI verglichen: https://unterrichten.digital/2025/11/19/feedback-mensch-ki-studie-schule/. Er bezieht sich dabei auf die (empfehlenswerte) Folge 7 des Podcasts „Kompass KI“ von Hendrik Haverkamp und Benedikt Wisniewski: https://open.spotify.com/episode/3IBZ7Kq3qNGvx9wOj7tp7K.
Der BR berichtet über Psychosen, die durch KI entstehen können, wie diese dazu neigt die Ideen der Nutzenden zu bestärken: https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/ki-psychose-was-dahintersteckt-und-welche-warnsignale-es-gibt,V59CK69.
Der ORF zeigt, dass die Propaganda russischer Desinformationskampagnen darauf ziel LLM zu kontaminieren: https://science.orf.at/stories/3233329/. Spoiler: Dazu braucht es gar nicht viele Daten.
Die Hopp-Foundation hat einen sehr brauchbaren KI-Wegweiser für Schulleitungen, Lehrkräfte und Lernende erstellt: https://www.hopp-foundation.de/ki-wegweiser/.
Ronald Purser schreibt in „Curent Affairs“ darüber, wie KI das Lernen an Universitäten zerstört: https://www.currentaffairs.org/news/ai-is-destroying-the-university-and-learning-itself.
„IP CloseUp“ zeigt, wie Menschen KI nutzen und wie sich die Nutzung seit letztem Jahr verändert hat: https://ipcloseup.com/2025/06/25/harvard-business-review-research-finds-the-top-use-of-gen-a-i-in-2025-is-companionship-therapy/. Spoiler: Der neue Platz 1 ist „Therapie und Begleitung“.

Tipps für den Unterricht
Der Kompetenzverbund lernen:digital hat eine 2. Auflage seiner fachspezifischen Broschüren zu digital gestütztem Unterricht veröffentlicht: https://lernen.digital/2025/12/09/broschuren-zu-fachlichen-unterrichtskonzepten-und-fortbildungen-2-auflage/.
Ferdinand Stebner, einer der führenden Experten für selbstreguliertes Lernen, stellt auf seiner Homepage zahlreiche Informationen dazu und zum Lernen der Zukunft vor: https://www.ferdinand-stebner.de/.
Bei „4teachers“ gibt es eine Internet Rallye zu Weihnachten: https://www.4teachers.de/?action=material&id=61783.

Leseempfehlung
Wer sich aus einer Laienperspektive intensiver mit KI beschäftigen will, dem sei das buch „Künstliche Intelligenz für dummies“ von Ralf Otte (Weinheim 2023) empfohlen.

Hörempfehlung
Vielleicht sollten wir über die Festtage mehr mit echten Menschen reden als einen Podcast zu hören.

Sehempfehlung
Hier empfehle ich mal wieder einen TED-Talk und zwar von Aylon Samouha, der eine dringende Neuordnung des Schulsystems fordert: https://www.ted.com/talks/aylon_samouha_schools_urgently_need_a_redesign_here_s_how.
ARD-Wissen Doku zum Glücklichsein, am Beispiel Finnland: https://www.ardmediathek.de/video/auf-spurensuche-oder-ard-wissen/was-macht-uns-gluecklich-er/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9lMmU5OTMzZS1mYmQwLTQ4ODEtOGFmNS0zNjA1MWY4YzU5ODhfb25saW5lYnJvYWRjYXN0. Darin auch wichtige Informationen zum Schulsystem.

Veranstaltungsempfehlung
Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.

Spaß im Netz
Mach den Würfel glücklich: https://chrismckenzie.com/.

Newsletter 25/26-07, 05.12.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

Im Vorletzten Newsletter hatte ich mich ja schon mit mentaler Gesundheit beschäftigt und einen Schwerpunkt auf die Resolution der Bundesschülerkonferenz dazu gelegt (https://www.schulmun.de/2025/11/07/newsletter-25-26-05-07-11-2025/). Im letzten Newsletter wollte ich dann Tomoni vorstellen, eine neue Kooperation zu diesem Thema, die wir als Schule eingegangen sind. Vorher aber noch ein paar allgemeine Anmerkungen dazu. Etwa einer oder eine von fünf Jugendlichen und jungen Erwachsenen (13 bis 21 Jahre) berichten über Anzeichen von Angst, etwa 10% zeigen depressive Symptome. So die aktuelle Copsy-Studie der UKE (https://www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik/forschung/arbeitsgruppen/child-public-health/forschung/copsy-studie.html). Laut BiPsy-Monitor warten Jugendliche fast 20 Wochen auf einen Therapieplatz (https://bipsy.de/wp-content/uploads/Fact-Sheet_BiPsy-Monitor_T2.pdf). Laut dem aktuellen Deutschen Schulbarometer zeigen sich bei 21% der Schülerinnen und Schüler psychische Auffälligkeiten. Weiter heißt es dort: „Ein Viertel der Jugendlichen schätzt die eigene Lebensqualität als gering ein. Zwei Drittel bewerten sie als mittel und nur sechs Prozent als hoch. Ungefähr ein Fünftel der Schüler:innen bezeichnet sich selbst als psychisch belastet.  Ebenso viele klagen über ein geringes schulisches Wohlbefinden, bei Kindern aus Familien mit niedrigem Einkommen sogar knapp jedes Dritte. Die Kriege in der Welt, der Leistungsdruck in der Schule, die globale Klimakrise und die Ängste vor der eigenen Zukunft bereiten ihnen die meisten Sorgen.“ (https://www.bosch-stiftung.de/de/storys/kriege-leistungsdruck-und-klimakrise-belasten-schuelerinnen). Laut einer Analyse des BARMER-Instituts für Gesundheitsforschung stieg die Anzahl der Depressionsdiagnosen bei 5- bis 24-Jährigen von 2018 bis 2023 um 30% auf 409.000. Überdurchschnittlich sind Mädchen betroffen, bei denen die Zahl der Diagnosen im Betrachtungszeitraum um 38% auf 282.500 stieg (https://www.barmer.de/presse/presseinformationen/pressearchiv/diagnose-depression-bei-immer-mehr-jungen-menschen-1288264).

Diese Entwicklungen sollten uns zu denken geben. Im Grunde ist es müßig über die Ursachen zu streiten, was am Ende zählt ist der Ist-Zustand und der ist besorgniserregend.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
Bei Jugendlichen ist „Roblox“ sehr beliebt und nur wenige Erwachsenen ist bekannt, dass die Seite ein Einfallstor für Kriminelle und Pädophile ist: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/roblox-passt-auf-eure-kinder-auf (siehe auch die Sehempfehlung!).
Auf der selben Seite wird auch vor einem Hack der Anton-App gewarnt: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/anton-app-der-coin-hack.
Philippe Wampfler berichtet über millionenfache Bewertung von Kunstwerken für eine Aufnahmeprüfung: https://beurteilung.ghost.io/industrielle-noten-in-china-3-millionen-kunstwerke-benoten/.
Die „Financial Times“ berichtet über eine zunehmende Spaltung der Weltsicht von jungen Männern und Frauen: https://www.ft.com/content/29fd9b5c-2f35-41bf-9d4c-994db4e12998.
Susanne Burzel hat einen digitalen Adventskalender für Eltern hochbegabter Kinder erstellt. Eine schöne Idee: https://susanneburzel.de/adventskalender/.
„News4Teachers“ stellt ein Buch der Soziologen Schneider und Bellinger vor, in dem es um die Auswirkungen des Spektrums von Überbehütung und Vernachlässigung von Kindern auf die Gesellschaft geht. Spannendes Thema, habe das Buch mal bestellt: https://www.news4teachers.de/2025/12/erziehung-wenn-eltern-zu-viel-schuetzen-und-zu-wenig-fuehren-was-das-fuer-kita-und-schule-bedeutet/.

Smartphone und Social-Media
Wer mit einem Meme oder Personen aus Social Media nichts anfangen kann, wird oft hier fündig: https://knowyourmeme.com/.
Es gibt immer wieder Hinweise, dass besonders polarisierende Accounts in Social Media von ausländischen Botfarmen stammen, zum Beispiel hier bei „t3n“: https://t3n.de/news/feature-x-anhaenger-trump-maga-1718178/.
Verbotsdebatte: „heise online“ berichtet über die Aussage des Geschäftsführers des Kinderhilfswerks, der sich gegen Social Media- Verbote ausspricht: https://www.heise.de/news/Kinderhilfswerk-Entschieden-gegen-Social-Media-Verbot-fuer-Kinder-11080073.html. Auch Klaus Zierer fordert auf dem „Deutschen Schulportal“ mehr Verbote, u.a. auch für KI: https://deutsches-schulportal.de/meinung/klaus-zierer-warum-schulen-jetzt-vier-verbote-brauchen/. Eine Replik darauf zu KI gibt es dort von Kristin van der Meer: https://deutsches-schulportal.de/meinung/kristin-van-der-meer-gestalten-statt-verbieten-ki-gehoert-in-die-grundschule/. Das EU-Parlament hat sich ja jüngst für Altersgrenzen für soziale Medien ausgesprochen (https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-mindestalter-soziale-medien-100.html). Die „taz“ hält dagelegen: https://taz.de/Jugend-ohne-Social-Media/!6128575/.
Kläger werfen Meta vor, Profit über Sicherheit gestellt und Risiken für Kinder und Jugendliche bewusst verschleiert zu und Studien unterdrückt zu haben, darüber berichtet das Magazin „Time“: https://time.com/7336204/meta-lawsuit-files-child-safety/.

KI
Spiegel-Redakteur Armin Himmelrath fordert auf dem „Deutschen Schulportal“, dass KI ins Abitur gehört:  https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/65092/.
„Medienzeit Elternblog“ klärt über den Sexismus von KI auf: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/ki-ist-sexistisch.
Die „Deutsche Telekom-Stiftung“ hat den „Trendmonitor KI in der Bildung“ veröffentlicht: https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/files/media/publications/trendmonitor-ki-in-der-bildung-25.pdf.
Jan Schoenemakers sieht uns im „Cicero“ bei KI am Scheideweg zwischen Souveränität und digitalem Feudalismus: https://www.cicero.de/kultur/umgang-mit-kunstlicher-intelligenz-emanzipation-oder-feudalismus. Sein Fazit: „Es ist höchste Zeit, endlich ernsthaft zu beginnen, souverän mit KI zu interagieren, bevor wir durch die Köder niederschwelliger Black-Box-Produkte und ihrer spirituellen Versuchungen zu ersetzbaren Vasallen geworden sind.“
„The Decoder“ berichtet über ein neues Lernmodell für KI von Google: https://the-decoder.de/neues-lernmodell-von-google-soll-katastrophales-vergessen-in-ki-systemen-stoppen/. Ein Beleg dafür, dass die Entwicklung sich auf die Optimierung der Modelle konzentriert und das sammeln von Daten in den Hintergrund. Damit beschäftigt sich auch „The Decoder“: https://the-decoder.de/drei-faktoren-machen-ki-agenten-deutlich-intelligenter/.  
Ein kurzes KI-Video, das zeigt, was aktuell (mit Google-Veo) möglich ist, wer genau hinschaut erkennt noch kleinere Fehler: https://www.youtube.com/watch?v=YRVvFtTO86w&t=10s.
Spannende Gedanken zur Frage „Can LLMs be personal tutors?“ im Substack von Daisy Christodoulou: https://substack.nomoremarking.com/p/llm-tutors-are-they-any-good. Mit diesem Thema beschäftigt sich auch Carl Hendrick, für den die Frage offen ist, ob algorithmisches Lernen mit einem KI-Tutor zu Bildung führt: https://carlhendrick.substack.com/p/the-algorithmic-turn-the-emerging.
Open-AI hat eine kostenlose Version für Lehrkräfte in den USA veröffentlicht: https://openai.com/index/chatgpt-for-teachers/.

Tipps für den Unterricht
Das „Deutsche Schulportal“ weist auf Bedeutung von und Defizite beim Classroom Management hin, insbesondere beim Umgang mit Störungen: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/wir-haben-ein-massives-problem-mit-classroom-management/.

Leseempfehlung
Aladin El Mafaalani: Misstrauensgemeinschaften. Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien, Köln 2025. In diesem knappen Büchlein erklärt der von mir sehr geschätzte El Mafaalani, wie zunehmendes Misstrauen in den Staat in einer komplexer werdenden Gesellschaft zur Erstarkung von Populismus und Verschwörungsideologien führt.

Hörempfehlung
Jonas Wagner hat in der Leonore-Goldschmidt-Schule in Hannover eine Schule in der Schule aufgebaut, in der Lernende individualisiert lernen können. Vielleicht auch ein Vorbild für die Weibelfeldschule. Jonas Wagner war kürzlich bei Bob Blume zu Gast:  https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ab46a1310a64227e/. Und davor bei der „Bildungsbaustelle“: https://open.spotify.com/episode/5vg86Euna7Qxr7sG34rMHV.

Sehempfehlung
Reportage des ZDF zu den Gefahren auf der Spieleplattform „Roblox“: https://www.zdf.de/video/reportagen/die-spur-224/roblox-kinderspiel-online-gefahr-100.
Auf „Joyn“ gibt es die Folge von „Linda Zervakis. Dumm, dümmer, Deutschland? Raus aus der Bildungskrise!“ in der sie sich mit Bildung in Deutschland befasst, als Lösungsansatz kommen u.a. Stefan Ruppaner und die Alemannenschule vor: https://www.joyn.de/serien/linda-zervakis/3-3-linda-zervakis-dumm-duemmer-deutschland-raus-aus-der-bildungskrise.
Chris Wilson berichtet auf Youtube über „Dark Patterns: Are Your Games Playing You?“: https://www.youtube.com/watch?v=OCkO8mNK3Gg&t=1s. Dark Patterns sind manipulativ gestaltete Elemente in Benutzeroberflächen, hier bei Spielen, die Nutzer gezielt zu Entscheidungen drängen, die sie sonst nicht getroffen hätten.

Veranstaltungsempfehlung
Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.

Spaß im Netz
Wer einen Namen für eine Alien-Baby sucht, wir hier fündig: https://www.scifiideas.com/alien-baby-name-generator/.
Lifehack: https://www.swr.de/swrkultur/wissen/wissenschaftlich-geprueft-so-gewinnt-ihr-bei-schere-stein-papier-100.html.

Newsletter 25/26-06, 21.11.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

eigentlich hatte ich ja versprochen, in diesem Newsletter das Thema Mental-Health und Tomoni zu vertiefen, muss das aber vertagen. Stattdessen möchte ich gerne von der Edunautika vom 15.11. in Hanau berichten.

Am 15. November durfte ich bei der Edunautika in Hanau als Teilnehmer und Teilgeber dabei sein. Warum das einen Blogbeitrag wert ist, möchte ich hier darlegen.

Was ist überhaupt eine Edunautika?
Die Edunautika ist ein seit 2018 in Hamburg etabliertes Barcamp, das von der Agentur Jöran & Konsorten organisiert wird. Ein Barcamp ist eine „Unkonferenz“ bei der die Beteiligten spontan entscheiden, welche Themen sie anbieten (teilgeben) oder an welchen Themen sie in so genannten Sessions teilnehmen. So entstehen vielfältige Austauschformate bei denen neue Ideen entwickelt, Dinge gelernt oder diskutiert werden können, Anregungen gefunden werden, Kontakte geknüpft werden und vieles mehr.
Dankenswerterweise hat die Heraeus-Bildungsstiftung dieses wunderbare Austauschformat in den Süden nach Hanau an die Karl-Rehbein-Schule geholt.

Und warum schreibe ich darüber im Newsletter?
Weil ich möglichst weiteren Menschen vermitteln will, dass sich der Besuch gelohnt hat und weil ich hoffe, dass die Edunatika auch nächstes Jahr wieder nach Hanau kommt!
Neben der Tatsache, dass ich viele Menschen aus meiner Bildungsbubble erstmals im „Real-life“ kennenlernen durfte, zum Beispiel Nele Hirsch, Jöran Muuß-Merholz, Martin Fugmann oder Thomas Masztalerz oder andere endlich einmal wieder getroffen habe, wie Andreas Fischer oder Gratian Riter, habe ich zahlreiche neue Menschen kennengelernt, Kontakte geknüpft und vernetzt und letztlich natürlich viel Neues gelernt. All das stellt einen unglaublichen Mehrwert dar und dazu kommt dann noch der motivierende Effekt. Der Austausch über innovative Ansätze im Bildungssystem zeigt, was möglich ist und dass es viele Menschen gibt, die ähnlich denke und das System für die Lernenden verändern wollen. Das motiviert.
In der ersten Session an der ich teilgenommen habe, ging es um Agency und kollektive Wirksamkeit. Teilgeber waren Nele Hirsch vom eBildungslabor und Gratian Riter, der SEagent. Inhalt und Methode hate Nele hier hervorragend zusammengefasst.
Die zweite Session, an der ich teilgenommen habe, drehte sich um das Bildungshaus Riesenklein in Halle an der Saale, einer innovativen Schule, die wunderbar von der zwölfjährigen Schülerin Rica vorgestellt wurde.
Nach einer vernetzungswirksamen Mittagspause durfte ich selbst noch Teilgeber für zwei Sessions zu zwei meiner Herzensthemen sein, nämlich KI und Demokratie- und Medienbildung.

In der ersten Session „KI für Anfänger“ ging es darum, welche Rolle KI in Schule spielt zu erörtern und um den Appell, sich mit KI zu befassen, da diese eine zunehmend wichtige Rolle spielt (laut der brandaktuellen JIM-Studie nutzen 74% der Lernenden KI für Hausaufgaben). Nach einem kurzen Input von mir, orientiert an meinem Vortrag zu KI-Basics, den es hier gibt, diskutierten wir angeregt über die Auswirkungen von KI auf Hausaufgaben, Prüfungskultur und Unterricht. Wir überlegten, welche Chancen und Risiken mit KI verbunden sind und wie wir über diese aufklären und sie in den Unterricht einbinden. Ich glaube, es war allen klar, dass KI nicht mehr weggeht und wir uns damit befassen müssen und dass dies am Ende zu einer anderen Unterrichts- und Prüfungskultur führen wird. Wir müssen uns letztlich darauf einlassen und aufklären, ausprobieren, akzeptieren und aktiv werden müssen, getreu der 4-a von Doris Weßels.
In der zweiten von mir abgehaltenen Session ging es um die provokante Frage, manche werfen mir sogar, vielleicht nicht ganz zu unrecht, „Rage Bait“ vor: „Wenn wir Demokratie- und Medienbildung nicht ernst nehmen, können wir Mathe und Deutsch bald vergessen!“. Auch hier gab es wieder einen kurzen Input von mir, der auf einem meiner Workshops bei den Kamener Schulgesprächen im September basierte, die Folien dazu gibt es hier.
Die einigende Klammer beider Sessions war, dass wir Schule komplexer denken und grundlegend verändern müssen. Wir brauchen nicht noch ein Konzept, das im Schrank verstaubt, sondern einen ganzheitlichen pädagogikzentrierten Bildungsbegriff. Demokratie- und Medienbildung, und dazu gehört KI, müssen als Querschnittaufgabe für Schule verstanden werden und können nicht an einzelne Fächer oder bestimmte Projekttage ausgelagert werden. Ich fordere schon länger mehr Demokratie- und Medienbildung. KI macht diese Forderung noch dringlicher, da sie die Beeinflussung des demokratischen Kurses und die Generierung von Fake auf ein neues Level hebt.

Vielen Dank für all die interessanten Begegnungen, Impulse, Diskurse, Kontroversen und Austausche auf der Edunautika in Hanau.
Ich hoffe sehr, dass wir uns nächstes Jahr unter dem gleichen Banner am gleichen Ort wiedersehen können!

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Heute ist Aktionstag gegen Cybermobbing!
„Juuuport“ hat dazu Informationen zusammengetragen: https://www.juuuport.de/aktionstag-gegen-cybermobbing.

Interessantes
Am 14.11. wurde die neue JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) des mpfs veröffentlicht. Den Download gibt es hier: https://www.lfk.de/fileadmin/PDFs/Publikationen/Studien/JIM-Studie/jim-studie-2025.pdf und die wichtigsten Ergebnisse sind hier zusammengefasst: https://www.lfk.de/forschung/mediennutzungsstudien/jim-studie-2025. Nur ein Ergebnis: 74% der Jugendlichen nutzen KI für Hausaufgaben.
Das „Deutsche Schulportal“ hat sich intensiv mit psychischen Belastungen von Schülerinnen und Schülern auseinandergesetzt: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/psychische-gesundheit-aengste-depressionen-essstoerungen-wie-koennen-schulen-auf-psychische-belastungen-reagieren/.
„News4Teachers“ schreibt über die Krise der Demokratie und die Folgen für Schule auf der Basis der Forschungsergebnisse von Aladin El Mafaalani: https://www.news4teachers.de/2025/11/wenn-vertrauen-schwindet-warum-die-krise-der-demokratie-in-den-klassenzimmern-beginnt-und-wie-schule-sich-aendern-muesste-um-dem-zu-begegnen/.
Das „Institut für zeitgemäße Prüfungskultur“ hat ein neues „Mission Statement“ erarbeitet und Veröffentlicht: https://pruefungskultur.de/.
Kai Maaz, Direktor des DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, fordert in einem Interview zu Veränderungen der Lern- und Prüfungskultur auf: https://www.news4teachers.de/2025/11/neue-lern-und-pruefungskultur-wir-muessen-einfach-anfangen-dipf-direktor-maaz-ruft-schulen-zum-handeln-auf/. Basis ist eine von der Bertelsmann Stiftung initiierte Expertinnengruppe um Dr. Martina Diedrich und Prof. Dr. Kai Maaz mit Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Lern- und Prüfungskultur.
Interessanter Beitrag von Stefan Kühl, das ist der mit dem Buch zur „brauchbaren Illegalität“, hat sich mit „Veränderungsblockaden in Schulen“, trotz wachsender Autonomie, befasst:
https://sozialtheoristen.de/2021/11/25/zu-den-veraenderungsblockaden-in-schulen/. Spoiler: „Das Problem ist in der Organisationssoziologie bekannt. Das Paradox besteht darin, dass  Organisationen, denen ein höheres Maß an Autonomie zugestanden wird, in ihrer Selbstorganisation jene Strukturen reproduzieren, die allen vertraut sind – und das sind in der Regel die fremd organisierten Strukturen, die bereits vor der Einführung der Selbstorganisation bekannt waren“.
Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet über den Zuwachs der Privatschulen: https://www.fr.de/panorama/nicht-ihre-aufgabe-problem-an-deutschen-schulen-breitet-sich-aus-zr-94027373.html.
Wolters Kluwer hat die „Zukunftsstudie Schulmanagement 2025 – Digitalisierung im Schulleitungsalltag“ veröffentlicht: https://www.wolterskluwer.com/de-de/know/zukunftsstudie-schulmanagement-2025.
Die Hopp-Foundation hat ein an Design-Thinking orientiertes Handbuch zur Schulentwicklung herausgegegben:

Smartphone und Social-Media
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, forderte bereits im August ein Mindestalter für die Nutzung von Social Media und erntete dafür reichlich Kritik: https://www.rnd.de/politik/zu-viel-tiktok-und-co-experten-debattieren-ueber-altersvorgaben-fuer-kinder-SEHYDWS7CRCJLLEBSPCZLZ2QGA.html. „heise.de“ berichtete nun über den Geschäftsführer des Kinderschutzbundes, Kai Hanke, der sich ebenso gegen Verbote ausspricht, da diese Kinder in ihrem Recht auf digitale Teilhabe nach der VN-Kinderrechtskonvention einschränkten: https://www.heise.de/news/Kinderhilfswerk-Entschieden-gegen-Social-Media-Verbot-fuer-Kinder-11080073.html?wt_mc=sm.red.ho.bluesky.bluesky.bs_beitraege.bs_beitraege. Der Kinderschutzbund hat sich bereits in einer Pressemitteilung im Februar gegen Verbote positioniert und fordert mehr Medienbildung für Kinder und Eltern: https://kinderschutzbund.de/smartphones-und-kinder-bildung-und-begleitung-vor-verboten-und-kontrolle/.

KI
Das Schulministerium NRW hat eine tolle Übersicht zu formativem Feedback durch KI zusammengestellt: https://www.schulministerium.nrw/einsatzmoeglichkeiten-von-ki-beim-formativen-feedback.
Susanne Alles, Joscha Falck, Manuel Flick und Regina Schulz haben eine wunderbare Taskcard zum Thema „KI-Kompetenzen für Lehrende und Lernende. Aus der Praxis für die Praxis – eine adaptierbare Basis.“ Zusammengestellt. Dort findet sich fast alles, was man als Lehrkraft im Kontext KI braucht: https://essen.taskcards.app/#/board/ba6226b4-e617-4134-8d6d-dc733dae8d9c/view?token=b490fc09-f845-4d6d-9ef7-9cc0ec548182.
Der Elternblog „Medienzeit“ über die Gefahren von Chat-GPT für Kinder: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/chatgpt-kinder-suchen-antworten-von-maschinen. „Futurism“ warnt (auf Englisch) vor KI-Spielzeug, da dieses Kindern erklärt, wie sie einen Brand legen oder wie gewisse sexuelle Praktiken funktionieren: https://futurism.com/artificial-intelligence/ai-toys-danger.
Frau Stier hat zum Thema „Mit dem THINK-Prinzip zum verantwortungsvollen KI-Umgang“ gebloggt: https://www.fraustier.de/think-prinzip-zum-verantwortungsvollen-ki-umgang/. Ziel ist es grundlegende KI-Kompetenzen für alle Schülerinnen und Schüler zu entwickeln.
Hauke Pöhlert: „Feedback – Mensch vs. KI: Was sagt die Forschung und was bedeutet das für Schule, Unterricht & Lernen?“. Lesenswert: https://unterrichten.digital/2025/11/19/feedback-mensch-ki-studie-schule/.
KI verändert Schule, Forscher fordern Veränderung: https://www.mdr.de/wissen/bildung/ki-in-der-schule-forscher-fordern-umdenken-anderes-lernen100.html.
Ein wunderbares Beispiel für das Haluzinieren von KI aus der SZ: https://www.sueddeutsche.de/bayern/schirnding-chatbot-waffen-grenz-kontrolle-tschechien-li.3339989.

Tipps für den Unterricht
Bob Blume spricht sich in seiner Kolumne auf „t-online“ für den Einsatz der Lebensgeschichte des Offenbacher Rappers „Haftbefehl“ im Unterricht aus: https://www.t-online.de/leben/kolumne-bob-blume/id_100984494/haftbefehl-im-unterricht-teil-der-kulturellen-dna-unserer-generation-.html. Natürlich ist das umstritten und das HMKB lehnt die Forderung ab (https://www.deutschlandfunk.de/ministerium-lehnt-schueler-wunsch-nach-haftbefehl-im-lehrplan-ab-102.html). Ich habe meine Schülerinnen und Schüler zu dem Thema befragt und sie sind da geteilter Meinung.
Es gibt ein Portal der Max-Planck-Gesellschaft für den Transfer von Forschung in Schule mit vielen Anregungen für den MINT-Unterricht, zum Beispiel einen Comic zu Quantenkryptographie: https://www.max-wissen.de/.
Die Uni Bremen hat Anregungen und Konzepte für eine mediengestützte Berufsbildung in einer Online-Datenbank gesammelt. Wirklich interessante Anregungen: https://unterrichtsgestaltung-mit-medien.de/.
Die Karg-Stiftung betreibt ein Portal zu Hochbegabung: https://www.fachportal-hochbegabung.de/.
Springer hat ein Open.Access Buch „Künstliche Intelligenz in DaF/DaZ“ veröffentlicht: https://link.springer.com/book/10.57088/978-3-7329-8749-8.
Der belgische Bildungswissenschaftler Pedro de Bruyckere setzt sich kritisch mit Lernendenautonomie auseinander: https://theeconomyofmeaning.com/2025/11/20/does-autonomy-really-improve-learning-new-timss-analysis-challenges-a-popular-assumption/. Spoiler: „The study does not claim that autonomy is bad. It does suggest that autonomy should not be treated as a universal good that automatically boosts learning.“
Joscha Falck hat ausführlich zu „Classroom-Management mit digitalen Endgeräten“ gebloggt: https://joschafalck.de/classroom-management-digital/.

Leseempfehlung
Jöran Muuß-Meerholz: Schule 2035. Lernen nach Digitalisierung und KI, Weinheim 2025. Jöran entwirft eine protypische Vision für fünf sehr unterschiedliche Schulen im Jahr 2035 und zeigt Methoden zur Schulentwicklung auf. Nicht nur lesenswert, sondern auch unterhaltsam. Bemerkenswert finde ich, dass das Buch auf der Annahme basiert, dass es nur zehn Jahre für die imaginierten Transformationen braucht, das passt zu meinen Vorstellungen von beschleunigter Veränderung.

Hörempfehlung
Wieder mal eine Folge der „Bildungsbaustelle“ Dieses Mal mit Jonas Wagner („Edu Twist“) aus Hannover über den Transformationsprozess an seiner Schule: https://open.spotify.com/episode/5vg86Euna7Qxr7sG34rMHV.
Der SEagent hat, basierend auf den Zitatsammlungen von Tom Mittelbach, KI-Lieder zur Schulentwicklung generiert: https://seagent.de/se-hits/.

Sehempfehlung
Auf diese YouTube-Short sieht man ein kleines verzweifeltes Mädchen in China, dessen KI-Lernhilfegerät kaputt gegangen ist. Es zeigt eindrücklich die Gefahr der Vermenschlichung von KI (Ein Fall von Anthropomorphisierung): https://www.youtube.com/shorts/18U9pN6eDJ8. Darüber müssen wir uns im Klaren sein.

Veranstaltungsempfehlung
Im Moment ist nichts los… 😉 Außer vielleicht dem Deutschen Schulleitungskongress vom 27. bis  29. November in Düsseldorf.

Spaß im Netz
Wer schon immer einmal „Schere, Stein, Papier“ gegen den Computer spielen wollte, kann das hier tun: https://rockpaperscissoronline.com und bekommt sogar noch ein paar Hintergrundinformationen.

Blog 2025-24: Edunautika-Süd

Am 15. November durfte ich bei der Edunautika in Hanau als Teilnehmer und Teilgeber dabei sein. Warum das einen Blogbeitrag wert ist, möchte ich hier kurz darlegen.

Was ist überhaupt eine Edunautika?
Die Edunautika ist ein seit 2018 in Hamburg etabliertes Barcamp, das von der Max-Brauer Schule, der Winterhuder Reformschule und der Agentur Jöran & Konsorten organisiert wird. Ein Barcamp ist eine „Unkonferenz“ bei der die Beteiligten spontan entscheiden, welche Themen sie anbieten (teilgeben) oder an welchen Themen sie in so genannten Sessions teilnehmen. So entstehen vielfältige Austauschformate bei denen neue Ideen entwickelt, Dinge gelernt oder diskutiert werden können, Anregungen gefunden werden, Kontakte geknüpft werden und vieles mehr.
Dankenswerterweise hat die Heraeus-Bildungsstiftung dieses wunderbare Austauschformat in den Süden nach Hanau an die Karl-Rehbein-Schule geholt.

Und warum ist das jetzt einen Blogbeitrag wert?
Weil ich möglichst weiteren Menschen vermitteln will, dass sich der Besuch gelohnt hat und weil ich hoffe, dass die Edunatika auch nächstes Jahr wieder nach Hanau kommt!
Neben der Tatsache, dass ich viele Menschen aus meiner Bildungsbubble erstmals im „Real-life“ kennenlernen durfte, zum Beispiel Nele Hirsch, Jöran Muuß-Merholz, Martin Fugmann oder Thomas Masztalerz oder andere endlich einmal wieder getroffen habe, wie Andreas Fischer oder Gratian Riter, habe ich zahlreiche neue Menschen kennengelernt, Kontakte geknüpft und vernetzt und letztlich natürlich viel Neues gelernt. All das stellt einen unglaublichen Mehrwert dar und dazu kommt dann noch der motivierende Effekt. Der Austausch über innovative Ansätze im Bildungssystem zeigt, was möglich ist und dass es viele Menschen gibt, die ähnlich denke und das System für die Lernenden verändern wollen. Das motiviert.
In der ersten Session an der ich teilgenommen habe, ging es um Agency und kollektive Wirksamkeit. Teilgeber waren Nele Hirsch vom eBildungslabor und Gratian Riter, der SEagent. Inhalt und Methode hate Nele hier hervorragend zusammengefasst.
Die zweite Session, an der ich teilgenommen habe, drehte sich um das Bildungshaus Riesenklein in Halle an der Saale, einer innovativen Schule, die wunderbar von der zwölfjährigen Schülerin Rica vorgestellt wurde.
Nach einer vernetzungswirksamen Mittagspause durfte ich selbst noch Teilgeber für zwei Sessions zu zwei meiner Herzensthemen sein, nämlich KI und Demokratie- und Medienbildung.

In der ersten Session „KI für Anfänger“ ging es darum, welche Rolle KI in Schule spielt zu erörtern und um den Appell, sich mit KI zu befassen, da diese eine zunehmend wichtige Rolle spielt (laut der brandaktuellen JIM-Studie nutzen 74% der Lernenden KI für Hausaufgaben). Nach einem kurzen Input von mir, orientiert an meinem Vortrag zu KI-Basics, den es hier gibt, diskutierten wir angeregt über die Auswirkungen von KI auf Hausaufgaben, Prüfungskultur und Unterricht. Wir überlegten, welche Chancen und Risiken mit KI verbunden sind und wie wir über diese aufklären und sie in den Unterricht einbinden. Ich glaube, es war allen klar, dass KI nicht mehr weggeht und wir uns damit befassen müssen und dass dies am Ende zu einer anderen Unterrichts- und Prüfungskultur führen wird. Wir müssen uns letztlich darauf einlassen und aufklären, ausprobieren, akzeptieren und aktiv werden müssen, getreu der 4-a von Doris Weßels.
In der zweiten von mir abgehaltenen Session ging es um die provokante Frage, manche werfen mir sogar, vielleicht nicht ganz zu unrecht, „Rage Bait“ vor: „Wenn wir Demokratie- und Medienbildung nicht ernst nehmen, können wir Mathe und Deutsch bald vergessen!“. Auch hier gab es wieder einen kurzen Input von mir, der auf einem meiner Workshops bei den Kamener Schulgesprächen im September basierte, die Folien dazu gibt es hier.

Die einigende Klammer beider Sessions war, dass wir Schule komplexer denken und grundlegend verändern müssen. Wir brauchen nicht noch ein Konzept, das im Schrank verstaubt, sondern einen ganzheitlichen pädagogikzentrierten Bildungsbegriff. Demokratie- und Medienbildung, und dazu gehört KI, müssen als Querschnittaufgabe für Schule verstanden werden und können nicht an einzelne Fächer oder bestimmte Projekttage ausgelagert werden. Ich fordere schon länger mehr Demokratie- und Medienbildung. KI macht diese Forderung noch dringlicher, da sie die Beeinflussung des demokratischen Kurses und die Generierung von Fake auf ein neues Level hebt.

Vielen Dank für all die interessanten Begegnungen, Impulse, Diskurse, Kontroversen und Austausche auf der Edunautika in Hanau.
Ich hoffe sehr, dass wir uns nächstes Jahr unter dem gleichen Banner am gleichen Ort wiedersehen können!

Newsletter 25/26-05: 07.11.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

die Bundesschülerkonferenz hat am 30. Oktober ihren Call-to-Action präsentiert (https://bundesschuelerkonferenz.com/call-to-action/). Dort wird eine Krise der mentalen Gesundheit junger Menschen konstatiert, die durch zahlreiche Studien belegt wird, zum Beispiel durch die COPSY-Studie (https://www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik/forschung/arbeitsgruppen/child-public-health/forschung/copsy-studie.html) oder im aktuellen Deutschen Schulbarometer (https://www.bosch-stiftung.de/de/projekt/das-deutsche-schulbarometer) oder im BiPsy-Monitor (https://bipsy.de/). Laut Schulbarometer geben nur 8% der Schülerinnen und Schüler ein hoch ausgeprägtes schulisches Wohlbefinden an. Auf der Instagram-Seite der Copsy-Studie heißt es: „Im Herbst 2023 fühlte sich etwa die Hälfte der jungen Erwachsenen durch verschiedene Krisen belastet. Rund ein Fünftel zeigte Anzeichen von Angst, und etwa ein Zehntel berichtete von depressiven Symptomen.“ (https://www.instagram.com/p/DONj9fDjFZG/?img_index=1).

Die Studienlage ist eigentlich eindeutig, vielen Jugendlichen geht es nicht gut und der Trend ist negativ. Gleichzeitig wird es immer schwieriger ambulante und stationäre Therapieplätze zu finden, die Wartezeiten sind sehr lang.

Die Studien zeigen auch, dass Leistungsdruck, Mobbing, mangelnde Unterstützung und vieles mehr in der Schule einen Teil zu dieser Situation beiträgt. Also liegt es auch in der Verantwortung der Schule, einen Teil zur Verbesserung der Situation, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, beizutragen.

Dazu gehört als erster Schritt, das Problem und die Verantwortung dafür anzuerkennen.

Mit der im letzten Newsletter (https://www.schulmun.de/2025/10/24/newsletter-25-26-04-24-10-2025/) vorgestellten Verpflichtung des Hessischen Schulgesetzes „zur Wohlfahrt der Schülerinnen und Schüler und zum Schutz ihrer seelischen und körperlichen Unversehrtheit, geistigen Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit“ (§3 Abs. 9) und dem damit etablierten Schutzkonzept gehen wir einen Schritt in die richtige Richtung, sind aber auch erst am Anfang. Auch das Medienkonzept und die Module zum sozialen Lernen sind Bausteine auf dem Weg zu mehr Salutogenese von Lernenden und Lehrenden. Unser Ziel ist ja, so sieht es das von der Gesamtkonferenz beschlossene Mandat für die DNA-Gruppe vor, eine Schule zu sein, in die alle Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gerne gehen. Und dazu braucht es einen respektvollen Umgang und ein von jeglicher Gewalt freies Schulklima.
Dafür tun wir schon Einiges, sind uns aber auch bewusst, dass wir dafür die Unterstützung der Familien, eigentlich der gesamten Gesellschaft brauchen.

Die Bundesschülerkonferenz hat in dem erwähnten Call-to-Action zehn unterstützenswerte Forderungen aufgestellt, die ich hier vollumfänglich wiedergebe:
„Unser 10-Punkte-Plan:

  1. Mehr Personal in Schulsozialarbeit und im schulpsychologischen Dienst
  2. Bessere Schulstrukturen: individuelle Förderung, mehr Pausen, Entlastung der Lehrkräfte, gute Ganztagsmodelle
  3. Förderung von Medienkompetenz in allen Unterrichtsfächern
  4. Mentale Gesundheit als Querschnittsaufgabe für alle Schularten und Unterrichtsfächer
  5. Fortbildungen, die Lehrkräfte und pädagogisches Personal befähigen, sich den Herausforderungen psychischer Belastungen zu stellen
  6. Gesundheitsförderung als Teil der Schulkultur etablieren mit Strategien zur Prävention und Früherkennung von psychischen und physischen Krankheiten (z.B. Angebote für mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Einsatz schulgerechter digitaler Tools zur Unterstützung von mentaler Gesundheit)
  7. Verbindliche Schutzkonzepte gegen Mobbing und Diskriminierung
  8. Vermittlung von Schlüsselkompetenzen wie Selbstregulation und Stressbewältigung im Unterricht und in außerunterrichtlichen Angeboten
  9. Schulbauten mit Rückzugsräumen, guter Akustik, viel Licht und ausreichend Platz
  10. Umfassende Begleitung, Unterstützung und Nachteilsvermeidung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sowie für junge Menschen in risikobehafteten Lebenssituationen

Was wir brauchen, sind gesunde, medienkompetente und resiliente junge Menschen! Wir fordern die Politik auf, denen zuzuhören, die es betrifft!“

An einigen der Punkte sind wir dran, zum Beispiel auch mit dem Projekt „einfach bewegen(d)“, an anderen müssen wir noch arbeiten. Ein nächster Schritt wird es sein, „Tomoni“ an der Schule anzubieten (https://www.tomonimentalhealth.org/). Dazu demnächst mehr.

Mir persönlich ist es wichtig, dieses Thema in den Fokus zu rücken und damit, neben Medien- und Demokratiebildung, einen weiteren persönlichen Entwicklungsschwerpunkt zu setzen, um unseren Schülerinnen und Schülern die nötige Resilienz für die Herausforderungen der Zukunft mitzugeben.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
Die „Berliner Morgenpost“ wagt sich an einen Erklärungsversuch, warum junge Menschen wütend auf die Politik sind: https://www.morgenpost.de/politik/article410332309/wir-muessen-sehr-laut-werden-darum-macht-die-politik-die-jungen-wuetend.html.

In der „Frankfurter Rundschau“ wird sich mit der Frage, warum Schüler es hassen Romane zu lesen, befasst: https://www.fr.de/panorama/lesen-sie-hassen-es-schueler-koennen-keine-romane-mehr-zr-94004845.html. Auch der „Deutschlandfunk“ befasst sich mit dem Thema: https://www.deutschlandfunk.de/leseforscher-christian-dawidowski-ueber-gegenwart-und-zukunft-des-lesens-100.html.
Der geschätzte Jan-Martin Klinge hat sich auf seinem „halbtagsblog“ mit der Bildungsforschung auseinandergesetzt, lesenswert: https://halbtagsblog.de/2025/11/02/bildungsforschung-nervt-und-ist-wichtig/. Auslöser für diesen Blogbeitrag war wohl dieser Beitrag von John Hattie auf dem Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/john-hattie-warnt-vor-falsch-verstandener-individualisierung-des-lernens/.
In meiner Social-Media-Bubble ploppt immer mal wieder die Debatte um die Rolle von Empirie in der Schul- und Unterrichtsentwicklung auf. Dazu zwei interessante Beiträge von Stephanie Wössner und Gratian Riter: https://www.petiteprof79.eu/mehr-als-nur-wirksam-warum-hatties-visible-learning-fuer-die-zukunft-des-lernens-nicht-ausreicht/ und https://seagent.de/jenseits-des-positivismus-ein-plaedoyer-fuer-experimentellen-mut/.

Smartphone und Social-Media

Die „taz“ berichtet über den neuen TikTok-Trend „PingTok“ bei dem sich Jugendliche unter dem Einfluss von Drogen in Shorts (die Videos, nicht die Hosen) präsentieren: https://taz.de/PingTok-Trend-Teeanger-feiern-auf-TikTok-ihren-Konsum/!6125287/.
Der „Medienzeit-Elterblog“ warnt vor der App PolyBuzz, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/polybuzz-verstehen-app-fr-kinder-gefhrlich.

KI
Die „Internet Watch Foundation“ berichtet (auf Englisch) über den rasanten Anstieg von KI-generierter Kinderpornografie im Netz und fordert dazu auf dagegen aktiv zu werden: https://www.iwf.org.uk/news-media/news/full-feature-length-ai-films-of-child-sexual-abuse-will-be-inevitable-as-synthetic-videos-make-huge-leaps-in-sophistication-in-a-year/.
In der „taz“ wird ein Mann vorgestellt, der eine Beziehung mit einer KI führt: https://taz.de/Verliebt-in-eine-KI/!6121372/. Das ist übrigens keine witzige Schrulle, sondern ein zunehmendes Phänomen. Dazu auch: https://t3n.de/news/wegen-ki-jungen-koennten-durch-ki-verlernen-grenzen-zu-respektieren-1714681/, https://www.informationsethik.net/die-simulierte-freundschaft/ und die Studie (Me, myself and AI“: https://www.internetmatters.org/wp-content/uploads/2025/07/Me-Myself-AI-Report.pdf.

Tipps für den Unterricht
Bei „Liberating Structures“ gibt es eine tolle Methodenseite zur Kollaboration, die auch im Unterricht anwendbar ist: https://liberatingstructures.de/liberating-structures-menue/. Überhaupt ist die Seite empfehlenswert!
Das ZDF hat eine eigene Seite mit Material für Schulen: https://schule.zdf.de/.
Hier gibt es, nur für den Unterricht, verschiedene Vorlagen zur Erstellung von Social-Media-Content für Arbeitsblätter, zum Beispiel Insta-Posts oder WhatsApp-Dialoge: https://zeoob.com/.

Leseempfehlung
Weil ich ja immer Medienbildung so sehr in den Vordergrund stelle (und natürlich auch ein klein wenig, weil ein kurzer Beitrag von mir zur Medienbildung an der Weibelfeldschule drin ist), gerade erst veröffentlicht: Florian Nuxoll: Upgrade: Medienkompetenz. Informationen einordnen, kritisch reflektieren, verantwortungsvoll handeln, Hannover 2025.

Hörempfehlung
In einem Podcast auf WDR 5 erläutert Ferdinand Stebner „Die Vorteile von selbstreguliertem Lernen“: https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:section:42b966c64cd83570/.

Sehempfehlung
Das ZDF-Magazin „frontal“ zeigt einen kurzen Beitrag „Sprache, Motorik, Sozialverhalten: Kinder scheitern schon in der Grundschule“: https://www.zdfheute.de/video/frontal/sprache-motorik-sozialverhalten-kinder-scheitern-in-grundschule-100.html.

Veranstaltungsempfehlung
Leider nur noch Warteliste, ich freue mich aber sehr auf die Edunautika-Süd am 15. November: https://heraeus-bildungsstiftung.de/seminare/lehrkraefte/edunautika-ein-barcamp-zu-zukunftsfaehiger-paedagogik-im-digitalen-wandel/.

Spaß im Netz
The Blob: https://oimo.io/works/blob/