Blog 2026-11: KI kann die Arbeit übernehmen. Aber wer verantwortet das Lernen?

Über die Verantwortung von Lernenden und Lehrkräften in einer Schule unter KI-Bedingungen

Bild: KI-generiert mit ChatGPT. Ich habe im Prompt-Dialog bewusst vorgegeben, kein typisches KI-Bild mit den üblichen Robotern und Köpfen mit „KI-Gehirn“ zu erstellen.

Eine Schülerin gibt eine hervorragend formulierte Analyse ab. Der Text ist differenziert, die Argumentation überzeugend, die Sprache anspruchsvoll. Die Lehrkraft bewertet die Arbeit entsprechend. Was sie nicht weiß, ist, dass die Schülerin die Aufgabe weitgehend von einer KI bearbeiten ließ, das Ergebnis überflogen und einige Formulierungen verändert hat. Mit dem eigentlichen Gegenstand hat sie sich kaum auseinandergesetzt.

Die Schülerin hat ein gutes Ergebnis abgegeben, aber möglicherweise wenig gelernt. Dieses Beispiel verdeutlicht eine grundlegende Herausforderung, vor der Schule durch generative KI steht. Wir können zunehmend hochwertige Ergebnisse erzeugen, ohne die geistige Arbeit zu leisten, die bislang mit ihrer Entstehung verbunden war. Damit gerät eine Annahme schulischen Lernens ins Wanken, die lange Zeit kaum hinterfragt werden musste. Die erfolgreiche Bearbeitung einer anspruchsvollen Aufgabe galt zumindest als Hinweis darauf, dass dabei auch etwas gelernt wurde.

Generative KI verändert diesen Zusammenhang. Sie kann uns immer mehr Arbeit abnehmen, die bislang mit Lernen verbunden war. Die Verantwortung dafür, dass tatsächlich gelernt wird, bleibt jedoch bei den beteiligten Menschen. Das betrifft Schülerinnen und Schüler ebenso wie Lehrkräfte, allerdings auf unterschiedliche Weise.

Wenn gute Ergebnisse nicht mehr auf gutes Lernen schließen lassen

Dass die Unterscheidung zwischen sichtbarer Leistung und tatsächlichem Lernen mehr ist als eine theoretische Überlegung, zeigen neuere Untersuchungen.

In einer viel diskutierten Studie von Bastani und Kollegen verbesserten Schülerinnen und Schüler mit KI-Unterstützung zunächst ihre Leistungen bei mathematischen Übungsaufgaben deutlich. Als sie anschließend ohne KI arbeiten mussten, schnitt die Gruppe mit weitgehend unbeschränktem KI-Zugang jedoch schlechter ab als die Kontrollgruppe. Eine andere Gruppe, die einen didaktisch gestalteten KI-Tutor nutzte, zeigte diesen signifikanten Nachteil nicht.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass KI zwar die Bearbeitung von Aufgaben erleichtern kann, daraus aber nicht zwangsläufig ein entsprechender Lernzuwachs entsteht. Gleichzeitig hängt die Wirkung wesentlich davon ab, wie die Unterstützung gestaltet wird.

Hauke Pölert hat im September 2026 in seinem Beitrag „4 KI-Studien und erste Konturen: Lernen unter KI-Bedingungen“ verschiedene aktuelle Untersuchungen zusammengeführt und durch Einordnungen des Schulpsychologen und Bildungsforschers Benedikt Wisniewski ergänzt. Dabei wird auch deutlich, wie vorsichtig wir mit Verallgemeinerungen umgehen müssen. Die Studien unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Methoden, untersuchten Gruppen und Lernumgebungen erheblich. Dennoch lassen sich erste Hinweise erkennen, dass sichtbarer Fortschritt und tatsächliches Lernen auseinanderfallen können und die didaktische Gestaltung der KI-Nutzung eine entscheidende Rolle spielt.

Auch ein systematisches Review in „Frontiers in Education“ kommt zu einem differenzierten Ergebnis. Generative KI kann Metakognition, Feedback und selbstreguliertes Lernen unterstützen. Gleichzeitig zeigen die ausgewerteten Untersuchungen Risiken einer unkritischen Übernahme von KI-Ergebnissen. Die Autorinnen und Autoren betonen allerdings, dass die Forschungslage noch jung ist und insbesondere langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten bislang nicht hinreichend untersucht sind. Zudem beziehen sich die Ergebnisse auf die Hochschulbildung und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Schülerinnen und Schüler übertragen.

Für Schule bleibt dennoch eine wichtige Erkenntnis. Ein guter Text, eine richtige Lösung oder eine überzeugende Präsentation sind weiterhin wertvolle Ergebnisse. Sie lassen aber immer weniger zuverlässig erkennen, welche Kompetenzen die Lernenden tatsächlich erworben haben.

Die Verantwortung der Lernenden

Für Schülerinnen und Schüler verändert sich damit die Art der Entscheidungen, die sie während des Lernens treffen müssen. Sie können nicht mehr nur zwischen unterschiedlichen Bearbeitungswegen wählen, sondern zunehmend auch darüber entscheiden, welche Teile einer Aufgabe sie überhaupt selbst übernehmen.

Ein schwieriger Text lässt sich innerhalb weniger Sekunden zusammenfassen. Eine mathematische Aufgabe kann vollständig gelöst und erklärt werden, ohne dass zuvor ein eigener Lösungsversuch stattgefunden hat. Auch eine politische Argumentation lässt sich von einer KI entwickeln, überprüfen und sprachlich verbessern. All das kann sinnvoll sein, wenn die Unterstützung das eigene Verständnis erweitert. Es kann aber ebenso dazu führen, dass die Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand weitgehend entfällt.

Lernen ist nicht immer angenehm oder effizient. Irrtümer, Unsicherheit, gedankliche Umwege und das Ringen um eine eigene Formulierung gehören häufig zu den Prozessen, durch die Verständnis entsteht. Wenn KI genau diese Anstrengungen beseitigt, kann sie kurzfristig entlasten und gleichzeitig den Kompetenzaufbau erschweren.

In der Forschung wird in diesem Zusammenhang von Cognitive Offloading oder Deskilling (Florian Nuxoll) gesprochen, also der Auslagerung geistiger Arbeit. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Menschen nutzen seit jeher Werkzeuge, um ihr Denken zu entlasten. Problematisch kann es werden, wenn nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern auch die Bewertung von Informationen, die Prüfung von Argumenten und das eigene Urteil an ein System abgegeben werden. Das bereits erwähnte Frontiers-Review beschreibt diese Entwicklung unter anderem mit dem Begriff der epistemischen Delegation.

Eine verantwortungsvolle KI-Nutzung bedeutet deshalb nicht, möglichst wenig KI einzusetzen. Sie setzt vielmehr voraus, bewusst entscheiden zu können, welche Unterstützung sinnvoll ist, welche Ergebnisse überprüft werden müssen und wann eigenständiges Denken notwendig bleibt.

Diese Fähigkeit wird häufig mit dem Begriff Agency (Handlungsfähigkeit) beschrieben. Gemeint ist die Fähigkeit, das eigene Denken und Handeln selbstbestimmt zu steuern und auch im Zusammenspiel mit leistungsfähigen KI-Systemen die Kontrolle über Ziele, Entscheidungen und Bewertungen zu behalten.

Allerdings können wir nicht erwarten, dass Schülerinnen und Schüler diese Fähigkeit bereits mitbringen. Sie muss selbst zum Gegenstand schulischen Lernens werden.

Eigenverantwortung muss gelernt werden

Damit rückt die Verantwortung der Lehrkräfte in den Mittelpunkt. Es reicht nicht, Schülerinnen und Schüler zur verantwortungsvollen KI-Nutzung aufzufordern und anschließend davon auszugehen, dass sie schon wissen werden, was darunter zu verstehen ist.

Gerade jüngere Lernende verfügen häufig noch nicht über die fachlichen und selbstregulativen Kompetenzen, um die Folgen ihrer Entscheidungen zuverlässig einzuschätzen. Wer ein Thema noch nicht verstanden hat, kann auch nicht beurteilen, ob eine KI-Erklärung fachlich richtig ist. Wer die Qualität einer Argumentation nicht einschätzen kann, wird Schwierigkeiten haben, eine überzeugend klingende KI-Antwort kritisch zu hinterfragen.

Darin liegt ein pädagogisches Problem, das mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit von KI an Bedeutung gewinnt. Wir möchten junge Menschen befähigen, komplexe Tätigkeiten sinnvoll an KI zu delegieren. Die Fähigkeit zur kompetenten Delegation setzt aber voraus, dass sie diese Tätigkeiten zuvor selbst ausgeführt und verstanden haben.

Deshalb brauchen wir auch unter KI-Bedingungen Lernphasen, in denen Schülerinnen und Schüler eigenständig lesen, schreiben, rechnen, argumentieren, recherchieren und Probleme lösen. Nicht, um an überholten Unterrichtsformen festzuhalten, sondern weil diese Tätigkeiten Fähigkeiten entwickeln, die später für einen souveränen Umgang mit KI benötigt werden.

Joscha Falck hat sich in seiner „Architektur der KI-Didaktik“ mit der Frage beschäftigt, wie Lernen unter diesen Bedingungen gestaltet werden kann. Dabei geht es nicht allein um den sinnvollen Einsatz von KI, sondern auch um kognitive Aktivierung, selbstreguliertes Lernen und die Sichtbarkeit eigenständiger Leistungen. Falck betont, dass die Nutzung von KI didaktisch begründet werden muss und nicht jede technisch mögliche Unterstützung automatisch lernförderlich ist.

Für mich lässt sich daraus eine wichtige Konsequenz ableiten. Unterricht muss Lernende zunehmend dazu befähigen, selbst zu entscheiden, wann sie mit KI arbeiten, wann sie sich kritisch mit KI auseinandersetzen und wann sie bewusst ohne diese Unterstützung lernen. Diese unterschiedlichen Formen des Lernens ergänzen sich. Eigenständige geistige Anstrengung und die kompetente Nutzung von KI sind keine Gegensätze.

Allerdings setzt das voraus, dass Schülerinnen und Schüler echte Möglichkeiten erhalten, ihre Lernprozesse mitzugestalten. Wer ausschließlich vorgegebene Aufgaben abarbeitet, deren Sinn und Ziel weitgehend unklar bleiben, wird kaum lernen, die eigene Arbeit selbstständig zu planen und zu verantworten.

Eine Schule, die Eigenverantwortung fordert, muss deshalb Lernprozesse ermöglichen, in denen Eigenverantwortung tatsächlich entstehen kann.

Die Verantwortung der Lehrkräfte endet nicht beim Prompt

In der öffentlichen Debatte richtet sich die Aufmerksamkeit häufig darauf, ob Schülerinnen und Schüler KI unerlaubt einsetzen. Deutlich seltener wird darüber gesprochen, welche Verantwortung Lehrkräfte für ihre eigene KI-Nutzung tragen.

Dabei verändert KI längst auch die professionelle Arbeit. Unterrichtsreihen, Arbeitsblätter, Erwartungshorizonte, Differenzierungsmaterialien, Rückmeldungen und ganze Unterrichtsplanungen lassen sich inzwischen innerhalb kurzer Zeit generieren. Zur Nutzung von KI durch Lehrkräfte gibt es eine gute Übersicht beim Deutschen Schulportal.

Das eröffnet erhebliche Möglichkeiten. Lehrkräfte können unterschiedliche Lernzugänge entwickeln, Materialien anpassen, alternative Erklärungen formulieren oder neue Unterrichtsideen erproben. Gerade angesichts wachsender Heterogenität kann das eine wertvolle Unterstützung sein.

Die Geschwindigkeit der Erstellung sagt allerdings wenig über die pädagogische Qualität aus.

Ein KI-generiertes Arbeitsblatt kann fachliche Fehler enthalten, ungeeignete Vereinfachungen vornehmen oder Anforderungen stellen, die nicht zum Lernstand der Schülerinnen und Schüler passen. Eine vermeintlich differenzierte Unterrichtsplanung kann lediglich unterschiedliche Schwierigkeitsgrade produzieren, ohne die eigentlichen Lernhindernisse zu berücksichtigen. Ein automatisch erstellter Erwartungshorizont kann plausible, aber fachlich fragwürdige Kriterien enthalten, auch ein sprachlich überzeugendes Feedback muss noch lange nicht pädagogisch hilfreich sein.

Wer solche Materialien einsetzt, übernimmt Verantwortung für ihre Qualität und ihre Wirkung. Diese Verantwortung endet nicht mit dem Hinweis, dass das Material von einer KI erstellt wurde. Lehrkräfte müssen fachliche Richtigkeit, didaktische Angemessenheit, die Passung zur Lerngruppe und mögliche Verzerrungen prüfen. Hinzu kommen Fragen des Datenschutzes und des Urheberrechts.

Die Verantwortung reicht dabei über die Kontrolle einzelner Fehler hinaus. Wer eine vollständige Unterrichtsplanung von einer KI erstellen lässt, übernimmt möglicherweise auch didaktische Entscheidungen, ohne sich ausreichend mit ihnen auseinandergesetzt zu haben. Das betrifft die Auswahl von Lernzielen ebenso wie die Gestaltung von Aufgaben, die Strukturierung von Lernprozessen und die Entscheidung darüber, welche Unterstützung Lernende benötigen.

Die Gefahr einer unkritischen Delegation geistiger Arbeit besteht somit nicht nur auf der Seite der Schülerinnen und Schüler. Auch Lehrkräfte können durch KI zwar effizienter arbeiten, dabei aber zunehmend Teile ihrer professionellen Urteilsbildung auslagern.

Doris Weßels beschreibt die sich verändernde Rolle von Lehrkräften im Zusammenspiel mit KI-Systemen mit dem Begriff AI Leadership. Lehrkräfte werden stärker zu Gestaltenden von Lernumgebungen, die unterschiedliche Formen menschlicher und technischer Unterstützung miteinander verbinden. Zugleich bleiben Beziehungsarbeit, pädagogische Haltung und professionelle Verantwortung unverzichtbar.

Das ist ein anspruchsvolleres Verständnis von KI-Kompetenz als die Fähigkeit, gute Prompts zu formulieren. Professioneller KI-Einsatz bedeutet, die Möglichkeiten der Technologie zu nutzen, ohne die Verantwortung für die eigenen pädagogischen Entscheidungen abzugeben.

Gemeinsame Verantwortung, unterschiedliche Aufgaben

Verantwortung für das Lernen liegt somit auf beiden Seiten, allerdings nicht in gleicher Weise.

Schülerinnen und Schüler müssen lernen, ihre eigenen Lernprozesse zunehmend selbst zu steuern. Sie sollen einschätzen können, welche Unterstützung ihnen hilft, welche Abkürzungen ihnen möglicherweise schaden und wie sie mit KI-Ergebnissen kritisch umgehen.

Lehrkräfte tragen dagegen die professionelle Verantwortung dafür, geeignete Lernbedingungen zu schaffen, Lernfortschritte wahrzunehmen, notwendige Unterstützung anzubieten und die Entwicklung dieser Selbstständigkeit zu ermöglichen.

Das bedeutet nicht, dass Lehrkräfte für jeden individuellen Lernerfolg verantwortlich gemacht werden können. Lernen lässt sich nicht erzwingen und bleibt eine aktive Leistung der Lernenden. Die Verantwortung für die Gestaltung geeigneter Lerngelegenheiten lässt sich aber ebenso wenig auf Schülerinnen und Schüler übertragen wie die Verantwortung für die Qualität von Unterrichtsmaterialien auf eine KI.

Gerade deshalb sollten wir vermeiden, die Debatte auf Verbote, Täuschungsversuche und Kontrollmechanismen zu verengen. Wenn wir Schülerinnen und Schüler ausschließlich daran messen, ob sie ein Produkt ohne unerlaubte Unterstützung erstellt haben, bleibt die Frage nach ihrem tatsächlichen Lernen weitgehend unbeantwortet.

KI verändert die Grundlogik von Schule

In meinem früheren Beitrag auf SchulMUN zur Veränderung der Grundlogik von Schule habe ich argumentiert, dass KI nicht lediglich ein weiteres Werkzeug für den Unterricht darstellt. Sie verändert vielmehr die Bedingungen, unter denen schulische Aufgaben, Leistungen und Lernprozesse funktionieren; wir befindne uns in einer Aufgaben- und Nachweiskrise.

Traditionell war die Bearbeitung einer Aufgabe eng mit der Erarbeitung eines Ergebnisses verbunden. Mit KI kann das Ergebnis entstehen, ohne dass der dafür notwendige Lernprozess stattgefunden hat. Damit geraten unsere Aufgabenkultur und die Aussagekraft vieler Leistungsnachweise unter Druck.

Wenn künftig zunehmend ganze Arbeitsprozesse durch KI-Agenten übernommen werden können, wird sich diese Entwicklung weiter verstärken. Menschen werden häufiger Ziele formulieren, Prozesse steuern, Ergebnisse beurteilen und Entscheidungen verantworten, statt jeden einzelnen Arbeitsschritt selbst auszuführen.

Diese Entwicklung betrifft auch die pädagogische Diagnostik, mit der ich mich im Rahmen einer Fortbildung der HIBB-Praxisakademie beschäftigt habe. KI kann Lehrkräfte dabei unterstützen, Lernstände auszuwerten, Lernprozesse adaptiv erweitern, unterschiedliche Lernzugänge zu entwickeln und bislang möglicherweise übersehene Lernbedarfe sichtbar zu machen. Sie kann aber nicht die pädagogische Verantwortung dafür übernehmen, wie solche Informationen interpretiert werden und welche Konsequenzen daraus folgen.

Der Einsatz von KI fordert uns deshalb heraus, grundsätzlicher über Unterricht und Kompetenzen nachzudenken. Es reicht nicht, die neuen technischen Möglichkeiten in bestehende Aufgabenformate zu integrieren. Wir müssen Lernprozesse so gestalten, dass fachliches Verständnis, eigenständiges Denken und verantwortliches Handeln weiterhin entwickelt werden können.

Damit wird KI auch zu einer Frage der Schulentwicklung.

Eine Schule, die weiterhin vor allem fertige Ergebnisse einfordert und bewertet, wird durch KI zunehmend Schwierigkeiten bekommen, tatsächliches Lernen zu erkennen. Eine Schule dagegen, die Selbststeuerung, Feedback, Reflexion, fachliche Vertiefung und eigenständige Urteilsbildung in den Mittelpunkt stellt, kann KI nutzen, um genau diese Prozesse zu unterstützen.

Die Verfügbarkeit von KI zwingt uns nicht, unsere Bildungsziele aufzugeben. Sie fordert uns aber heraus, die Bedingungen zu überdenken, unter denen wir sie erreichen wollen.

Verantwortung für das Lernen bleibt menschlich

Die zunehmende Leistungsfähigkeit von KI verändert die Verantwortung für Lernprozesse. Sie verschiebt den Blick von der bloßen Erstellung und Bewertung von Ergebnissen stärker auf die bewusste Gestaltung, Begleitung und Steuerung des Lernens.

Für Lernende bedeutet das, nicht jede technisch mögliche Abkürzung zu nehmen, sondern zunehmend selbst entscheiden zu können, welche geistige Anstrengung für das eigene Lernen notwendig ist.

Für Lehrkräfte bedeutet es, Lernprozesse so zu gestalten, dass Eigenständigkeit wachsen kann und zugleich die fachliche und pädagogische Verantwortung für den eigenen KI-Einsatz zu übernehmen.

Für Schule als Organisation bedeutet es schließlich, eine Lernkultur zu entwickeln, in der Selbstständigkeit nicht nur gefordert, sondern systematisch ermöglicht wird.

Wir müssen dafür nicht auf die Möglichkeiten von KI verzichten. Gerade wenn KI immer leistungsfähiger wird, müssen wir lernen, sinnvoll mit ihr zusammenzuarbeiten. Entscheidend bleibt, dass Menschen die Ziele bestimmen, Ergebnisse beurteilen und Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen.

Die vielleicht wichtigste Aufgabe von Schule im Zeitalter der KI besteht deshalb nicht darin, das Delegieren zu verhindern, sondern junge Menschen dazu zu befähigen, Verantwortung für das eigene Denken zu übernehmen.

Und diese Verantwortung beginnt bei uns Lehrkräften.

Epilog

Auch dieser Text ist gemeinsam mit KI entstanden. Ich habe Gedanken, Erfahrungen und Quellen eingebracht, mit ChatGPT diskutiert, Argumente geschärft und manches wieder verworfen. Die KI hat mir geholfen, meine Gedanken weiterzuentwickeln, aber sie hat mir das Denken nicht abgenommen.

Welche Quellen ich für überzeugend halte, welche Positionen ich vertrete und was am Ende hier steht, habe ich entschieden. Und wenn etwas nicht stimmt, kann ich mich nicht auf die KI herausreden. Die Verantwortung liegt bei mir. Genau das ist der Punkt.

Newsletter 26/27 -03: 11.09.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich möchte heute erklären, warum wir keine Kinderfotos auf der Homepage veröffentlichen

Wer in letzter Zeit auf unsere Homepage oder unsere Social-Media-Kanäle geschaut hat, wird vielleicht bemerkt haben, dass dort kaum noch erkennbare Fotos unserer jüngeren Schülerinnen und Schüler zu finden sind. Das ist kein Zufall. Wir haben uns entschieden, bis einschließlich Jahrgang 7 grundsätzlich keine Fotos mehr zu veröffentlichen, auf denen Schülerinnen und Schüler erkennbar sind.

Dabei geht es nicht darum, dass solche Fotos grundsätzlich verboten wären. Mit entsprechenden Einwilligungen könnten wir sie weiterhin veröffentlichen. Wir haben uns trotzdem dagegen entschieden, denn die entscheidende Frage lautet für uns heute nicht mehr nur, ob wir dieses Fotos veröffentlichen dürfen, sondern auch: Was kann mit diesem Fotos geschehen, wenn sie einmal öffentlich im Internet stehen?

Ein harmloses Foto muss nicht harmlos bleiben

Ein öffentlich zugängliches Foto kann gespeichert, kopiert, automatisiert gesammelt und mit weiteren Informationen verknüpft werden; das war grundsätzlich schon immer so. Durch Künstliche Intelligenz haben sich die Möglichkeiten des Missbrauchs jedoch erheblich verändert.

Heute können Bilder realer Menschen mit vergleichsweise geringem Aufwand manipuliert werden. Sogenannte „Nudification“-Anwendungen können beispielsweise aus einem normalen Foto künstliche Nacktaufnahmen oder sexualisierte Darstellungen erzeugen.

Die Internet Watch Foundation (IWF) und die britische National Crime Agency warnen inzwischen ausdrücklich davor, dass Täter frei zugängliche Bilder von Kindern nutzen, um daraus realistisch wirkende sexualisierte Inhalte zu erstellen.

Wie rasant diese Entwicklung verläuft, zeigen aktuelle Zahlen: Die IWF identifizierte im Jahr 2025 8.029 realistisch wirkende KI-generierte Bilder und Videos mit Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs. Besonders drastisch ist die Entwicklung bei Videos: 2024 registrierte die IWF 13 entsprechende KI-generierte Videos, 2025 waren es 3.443 – mehr als das 260-Fache innerhalb nur eines Jahres.

Auch die deutsche Medienkompetenzinitiative klicksafe warnt inzwischen ausdrücklich davor, Kinderbilder unbedacht öffentlich zu teilen: Mithilfe von KI können aus scheinbar harmlosen Bildern sexualisierte Darstellungen erzeugt und verbreitet werden. Die aktuelle Kampagne trägt einen bemerkenswert eindeutigen Titel: #KinderSindKeinContent.
Hinzu kommen weitere Risiken. Fotos, Namen, Schule, Alter, Hobbys und andere öffentlich verfügbare Informationen können zusammengeführt werden und Teile einer digitalen Identität ergeben. Sie können für Fake-Profile, Identitätsmissbrauch oder auch zur gezielten Kontaktaufnahme mit Kindern verwendet werden. Auch deshalb gehört der Schutz persönlicher Informationen zur Prävention von Cybergrooming.

Auch öffentliche Einrichtungen tragen Verantwortung

Diese Diskussion findet inzwischen auch auf politischer Ebene statt. Die unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ des Bundes hat im Juni 2026 ihre Handlungsempfehlungen unter dem Titel „Entwicklung stärken, Verantwortung übernehmen“ vorgelegt.

Darin geht es ausdrücklich um den Schutz der Privatsphäre von Kindern, um einen verantwortungsvollen Umgang öffentlicher Einrichtungen mit Kinderbildern und um einen besseren Schutz vor missbräuchlichen Deepfakes und Deepnudes. Die Frage, welche Bilder eine Schule von Kindern ins offene Internet stellt, ist damit für uns nicht lediglich eine Frage des Datenschutzes oder der Öffentlichkeitsarbeit, sie ist eine Frage des Kinder- und Jugendmedienschutzes.

Wir haben uns beraten lassen

Wir haben unsere Entscheidung deshalb auch nicht spontan getroffen. Frau Manzoni und ich haben uns in einer Videokonferenz ausführlich von Silke Müller beraten lassen. Die ehemalige Schulleiterin, Autorin und Expertin für digitale Ethik beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den digitalen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und hat zuletzt auch konkrete Empfehlungen zum Umgang von Schulen, Kitas und Vereinen mit Kinderbildern veröffentlicht.

Viele aus unserer Schulgemeinschaft kennen Silke Müller bereits. Sie war vergangenen Jahr auf Einladung des Fördervereins der Weibelfeldschule und von mir im Bürgerhaus Dreieich zu Gast und hat dort eindrücklich über die Chancen, aber auch die Schattenseiten der digitalen Welt unserer Kinder gesprochen.

Aus der Beratung ist für uns ein einfacher Grundsatz entstanden: Wir müssen nicht alles veröffentlichen, nur weil wir es dürfen.

Schutz und zunehmende Selbstbestimmung

Konkret bedeutet das: Bis einschließlich Jahrgang 7 veröffentlichen wir auf unserer Homepage und unseren Social-Media-Kanälen grundsätzlich keine Fotos mehr, auf denen Schülerinnen und Schüler erkennbar sind. Wir wollen diese Regel auch nicht durch Fotos von hinten oder ähnliche Konstruktionen umgehen.

Natürlich endet das Schutzbedürfnis nicht mit dem Wechsel von Jahrgang 7 in Jahrgang 8. Wir müssen im Schulalltag aber eine praktikable Grenze ziehen. Gleichzeitig verändert sich mit zunehmendem Alter etwas anderes. Jugendliche sollen immer stärker selbst darüber nachdenken und mitentscheiden, ob und wie sie in der digitalen Öffentlichkeit sichtbar sein möchten.

Der bewusste Umgang mit der eigenen digitalen Identität ist schließlich selbst Teil der Medienbildung. Kinder- und Jugendmedienschutz sollten deshalb aus unserer Sicht beides leisten, nämlich jüngere Kinder besonders schützen und Heranwachsende zunehmend zu selbstbestimmten Entscheidungen befähigen.

Ab Jahrgang 8 können wir daher weiterhin Fotos veröffentlichen, wenn die erforderlichen Einwilligungen vorliegen. Aber auch dann gilt: Eine Einwilligung verpflichtet uns nicht zur Veröffentlichung. Wir werden weiterhin sorgfältig überlegen, welche Bilder wirklich ins offene Internet gehören und wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler mitentscheiden, welche Bilder veröffentlicht werden. Das macht unsere Öffentlichkeitsarbeit nicht unbedingt einfacher. Schule lebt von Menschen, Begegnungen, Projekten, Aufführungen, Sport, Fahrten und gemeinsamem Lernen und natürlich möchten wir davon erzählen. Wir werden deshalb andere Wege finden, unser Schulleben sichtbar

zu machen, ohne dafür die Gesichter unserer jüngeren Schülerinnen und Schüler ins offene Internet zu stellen, dabei können auch Illustrationen von KI eine Rolle spielen, die natürlich entsprechend gekennzeichnet werden.

Denn am Ende bleibt für uns ein entscheidender Unterschied:

Wir können mit den Jugendlichen gemeinsam entscheiden, welches Foto wir ins Internet stellen. Wir können aber nicht mehr entscheiden, was andere anschließend mit diesem Foto machen.

Und deshalb gilt für uns im Zweifel: Kinderschutz geht vor Öffentlichkeitsarbeit.

All das gilt natürlich auch für die Veröffentlichung von Bildern auf den Social Media-Kanälen von Jugendlichen und denen ihrer Eltern.

Quellen und weiterführende Informationen

(Dieser Text ist mit Unterstützung von KI entstanden)

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

(Dieser Bereich fällt aktuell leider etwas knapper aus, weil meine zeitlichen Ressourcen im Moment nicht mehr hergeben)

Interessantes
Heute gibt es hier aus aktuellem Anlass einen kleinen PISA-Schwerpunkt.

Das „Deutsche Schulportal“ fasst die zehn wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/die-zehn-wichtigsten-ergebnisse-der-pisa-studie-2025/.
Wir wissen längst, wo die Probleme unseres Bildungssystems liegen. Trotzdem gelingt es zu selten, aus Diagnosen wirksame Förderung und aus erfolgreichen Projekten dauerhafte Strukturen zu entwickeln. Angesichts der alarmierenden Ergebnisse von PISA 2025 fordert DIPF-Direktor Kai Maaz deshalb einen entscheidenden Perspektivwechsel: Deutschland muss nicht nur seine Diagnosefähigkeit, sondern vor allem seine Wirkungsfähigkeit verbessern. Ein sehr lesenswerter Impuls über Unterrichtsqualität, bedarfsgerechte Ressourcen und die Lücke zwischen Wissen und Wirkung: https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell/mediathek-1/einblicke-und-denkanstoesse/pisa-2025-der-engpass-liegt-zwischen-wissen-und-wirkung. Außerdem gibt es ein Interview mit ihm in der FR: https://www.fr.de/politik/pisa-studie-deutsche-15-jaehrige-schlechter-als-beim-allerersten-test-94480924.html.
Hier gibt es einen Auszug aus der aktuellen Studie: https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2026/09/pisa-2025-results-volume-i_5265bfb1/1562a447-de.pdf.
Und hier gibt es Hintergründe zum Verfahren: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/wer-misst-hier-eigentlich-wen-so-funktioniert-die-pisa-studie/.
Die offizielle Landingpage der OECD: https://www.oecd.org/en/about/programmes/pisa.html.
Weitergehendes Hintergrundwissen bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/PISA-Studien.

Schulentwicklung
Hendrik Haverkamp im „Deutschen Schulportal“ zur De-Implementierung von Korrekturen: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/korrekturen-de-implementierung-einer-sinnlosen-praxis/.

Smartphone und Social-Media
„Klicksafe“ hat eine neue Infobroschüre zu Online-Spielen herausgebracht: https://www.klicksafe.de/materialien/digitale-spiele-tipps-fuer-eltern.

KI
Kehrt Skandinavien wirklich zu Buch und Stift zurück? Hauke Pölert räumt mit einer häufig zitierten, aber irreführenden Erzählung auf. Schweden stärkt angesichts sinkender Lesekompetenzen analoge Grundlagen in den jüngeren Jahrgängen. Dänemark schützt eigenständiges Denken in Prüfungssituationen. Norwegen setzt seine Digitalisierungsstrategie fort und führt altersbezogene Regeln für KI ein. Die entscheidende Frage lautet daher nicht analog oder digital, sondern welches Medium in welcher Lernphase welchen Kompetenzerwerb unterstützt. Ein wichtiger Beitrag für eine sachlichere Debatte über Digitalisierung, KI und zeitgemäße Prüfungsformate: https://unterrichten.digital/2026/09/03/skandinavien-ki-digitalisierung-schule/.
Lisa Born berichtet in einem Gastbeitrag auf der Homepage von Joscha Falck über eine Erfahrung mit KI im Latein-Unterricht: https://joschafalck.de/lernpartner-latein/.
Eine neue systematische Übersicht zeigt: Ob KI das Lernen unterstützt oder eigenständiges Denken verdrängt, hängt vor allem von Aufgabenstellung, Prüfungskultur und KI-Kompetenz ab. Besonders problematisch wird es, wenn Lernende nicht nur Arbeitsschritte, sondern auch Quellenprüfung, Interpretation und Urteilsbildung an die KI delegieren: https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2026.1878665/full.
Die American Psychological Association fasst den aktuellen Forschungsstand zur KI-Nutzung von Kindern und Jugendlichen zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wann KI sinnvoll entlastet und wann sie Denkprozesse, Selbstregulation und soziale Erfahrungen ersetzt, die junge Menschen erst noch entwickeln müssen: https://www.apa.org/monitor/2026/09/ai-brain-development-youth.

Tipps für den Unterricht
Wie selbstverständlich sind unsere Vorstellungen von Fleiß, Leistung, Disziplin oder angemessenem Verhalten wirklich? Der Beitrag über Habitussensibilität im „Deutschen Schulportal“ zeigt, wie die eigene soziale Herkunft den Blick von Lehrkräften prägt und unbewusst zur Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern beitragen kann. Eine anregende Einladung, die eigene pädagogische Haltung mit produktiver Skepsis zu betrachten und Bildungsgerechtigkeit auch als Aufgabe der Schul- und Beziehungskultur zu verstehen: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/habitussensibilitaet-warum-lehrkraefte-der-eigenen-haltung-mit-skepsis-begegnen-sollten/.

Leseempfehlung
Bob Blume: Warum noch lernen. Wie Schule in Zeiten von KI, Krisen und sozialer Ungerechtigkeit aussehen muss, Mosaik 2024.
Die ideale Vorbereitung auf den Vortrag am 23.09. Bob Blume beschäftigt sich mit vielen Aspekten den Bildungssystems, wo es knarzt und was man besser machen müsste. Im Kern steht die Frage: Was bedeutet Lernen im 21. Jahrhundert und welchen Bildungsbegriff brauchen wir dafür.

Hörempfehlung
Florian Nuxoll hat die 3. Folge seines mit KI generierten Podcast „Die Schule am Mühlbach“ veröffentlicht. In diesem werden auf unterhaltsame Weise aktuelle Trends aus der Jugend und Social Media vorgestellt und erklärt: https://www.podcast.de/podcast/3734929/die-schule-am-muehlbach.

Sehempfehlung
„KI macht Schule: Was wir von China lernen können – Tech, KI & Schmetterlinge“ mit Sascha Lobo: https://www.youtube.com/watch?v=U7mAEi2JkI0&t=33s.
Interview mit Felix Koleve, einem Schulleiter der sich mit Vibe-Coding seine eigene Schulsoftware gebaut hat: https://www.youtube.com/watch?v=KpyFA9GWLU8.

Veranstaltungsempfehlung

Außerdem:
Zwar nicht ganz unsere Region, aber dennoch eine spannende Veranstaltung mit interessanten Gästen von Andreas Schleicher über Margret Rasfeld bis Stefan Ruppaner. Die „4. Nacht der Redner Edition Zukunftsschule“ am 6. November in Hamburg. Tickets und weitere Infos gibt es hier: https://www.eventbrite.de/e/4-nacht-der-redner-edition-zukunftsschule-tickets-1991188749150.

Spaß im Netz
https://neal.fun/unusual-suspects

Blog 2026-09: KI ist kein Digitalisierungsprojekt – sie stellt die Grundlogik von Schule infrage

Das Bild wurde mit KI generiert.

Wenn Schulen über Künstliche Intelligenz sprechen, dauert es meist nicht lange, bis wir bei den Tools landen. Welches Sprachmodell dürfen wir verwenden? Welche Plattform ist datenschutzkonform? Wie schreibe ich einen guten Prompt? Wie erkenne ich, ob eine Hausaufgabe mit ChatGPT geschrieben wurde? Und natürlich: Wie kann KI Lehrkräfte entlasten?

Das sind alles berechtigte Fragen. Trotzdem beschleicht mich zunehmend das Gefühl, dass wir damit am eigentlichen Problem vorbeireden. Denn Künstliche Intelligenz ist nicht einfach die nächste digitale Technologie, die wir nun – nach Whiteboards, Tablets und Lernplattformen – irgendwie auch noch in Schule integrieren müssen. Sie verändert etwas Grundsätzlicheres: die Bedingungen, unter denen Lernen, Leistung und letztlich Schule funktionieren.

Dass wir darüber reden müssen, ist ohnehin keine freiwillige Entscheidung mehr. Generative KI ist längst Teil des Alltags von Jugendlichen, und auch unter Lehrkräften ist sie kein Nischenphänomen mehr. Die OECD berichtet im Digital Education Outlook 2026, dass bereits 2024 37 Prozent der Lehrkräfte der Sekundarstufe I KI beruflich eingesetzt haben. Vor allem aber weist die OECD auf einen Befund hin, der für Schule viel interessanter ist als jede Nutzungsstatistik: Mit generativer KI lassen sich bessere Ergebnisse erzielen, ohne dass deshalb zwangsläufig mehr gelernt wird.

Genau dort beginnt für mich die eigentliche Diskussion.

Die stillschweigende Vereinbarung von Schule

Schule beruht seit langer Zeit auf einer stillschweigenden Vereinbarung. Wir stellen Schülerinnen und Schülern Aufgaben, weil wir davon ausgehen, dass deren Bearbeitung Lernprozesse auslöst. Jemand liest einen Text, recherchiert Informationen, löst ein mathematisches Problem, schreibt einen Aufsatz oder entwickelt eine Präsentation. Am Ende steht ein Ergebnis, aber pädagogisch interessiert uns natürlich nicht nur dieses Ergebnis. Uns interessiert vor allem das, was auf dem Weg dorthin passiert ist.

Die Aufgabe war gewissermaßen unser Vehikel für das Lernen.

Generative KI stellt diese Verbindung infrage. Ein überzeugender Text, eine gute Zusammenfassung, ein Programmcode oder eine Präsentation können heute entstehen, ohne dass derjenige, der das Ergebnis abgibt, die damit verbundenen Denkprozesse tatsächlich selbst vollzogen hat. Das ist keine moralische Aussage über Schülerinnen und Schüler. Es ist zunächst einmal eine technische Tatsache.

Die OECD bringt das inzwischen ziemlich nüchtern auf den Punkt: Allgemeine KI-Systeme können die Performanz bei einer Aufgabe erhöhen, ohne entsprechende Lerngewinne hervorzubringen. Werden kognitive Tätigkeiten ausgelagert, droht vielmehr „metacognitive laziness“, geringere Auseinandersetzung und langfristig ein schwächerer Kompetenzerwerb. Anders sieht es aus, wenn KI bewusst pädagogisch gestaltet wird, beispielsweise als Tutor, der nicht einfach Antworten liefert, sondern Fragen stellt, Hinweise gibt und Lernende zum Weiterdenken zwingt.

Das ist ein ziemlich entscheidender Unterschied: Performanz ist nicht Lernen.

Und damit haben wir ein Problem mit unseren Aufgaben.

Die Aufgabenkrise

Ich nenne dieses Problem inzwischen die Aufgabenkrise. Viele Aufgaben, die wir in Schule über Jahrzehnte ganz selbstverständlich gestellt haben, sind heute delegierbar. Das betrifft längst nicht nur die klassische Hausaufgabe „Schreibe einen Text über …“. KI kann recherchieren, strukturieren, zusammenfassen, übersetzen, argumentieren, programmieren, visualisieren und Feedback geben. Mit agentischen Systemen wird diese Entwicklung noch weitergehen, weil nicht mehr nur einzelne Produkte, sondern zunehmend ganze Arbeitsprozesse delegiert werden können.

Die naheliegende Reaktion darauf ist der Versuch, Aufgaben „KI-sicher“ zu machen. Ich glaube inzwischen, dass uns das nicht besonders weit bringt. Interessanter ist die Frage, warum eine Schülerin oder ein Schüler eine bestimmte Tätigkeit überhaupt noch selbst ausführen soll.

Die Antwort „weil man das in der Schule eben lernen muss“ reicht dabei nicht. Wir müssen wieder genauer benennen können, welcher Denkprozess durch eine Aufgabe ausgelöst werden soll und warum dieser Denkprozess für Bildung wichtig ist.

Vielleicht ist KI deshalb gar nicht das Problem guter Aufgaben. Vielleicht macht sie nur die Schwächen schlechter Aufgaben besonders sichtbar. Eine Aufgabe, die sich weitgehend in Informationsbeschaffung und Reproduktion erschöpft, verliert unter KI-Bedingungen besonders schnell ihren Sinn. Joscha Falck beschreibt KI-Didaktik deshalb zu Recht als Gestaltungsaufgabe: Lehrkräfte können über Haltung, Regeln, Aufgabendesign und Formen der Eigenleistung Bedingungen schaffen, unter denen KI Denken unterstützt, statt es zu ersetzen. Seine „Architektur der KI-Didaktik“ ist dafür ein hilfreicher Orientierungsrahmen.

Die zentrale Frage lautet also nicht: Wie verhindere ich KI bei dieser Aufgabe? Sondern: Welche geistige Anstrengung ist für das Lernen so wichtig, dass ich möchte, dass ein junger Mensch sie selbst vollzieht?

Wenn das Ergebnis nicht mehr reicht

Aus der Aufgabenkrise folgt noch ein zweites Problem. Über lange Zeit konnten wir zumindest einigermaßen plausibel vom Ergebnis einer Arbeit auf die dahinterliegende Kompetenz schließen. Ein guter Text war zwar nie ein perfekter Beweis dafür, dass jemand gut schreiben kann, aber die Verbindung war stark genug, um unser System darauf aufzubauen.

Diese Gewissheit wird brüchiger. Wenn zwei äußerlich ähnlich gute Produkte aus völlig unterschiedlichen Arbeitsprozessen hervorgehen können, reicht das Produkt allein als Nachweis zunehmend nicht mehr aus.

Ich würde deshalb auch von einer Nachweiskrise sprechen.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Ergebnisse unwichtig werden. Ein schlechter Text wird nicht dadurch gut, dass viel Mühe in ihm steckt. Aber ein guter Text sagt künftig weniger zuverlässig aus, welche Kompetenzen sein Autor oder seine Autorin tatsächlich besitzt.

Für die Prüfungskultur ist das eine erhebliche Herausforderung. Wir werden vermutlich stärker auf Entstehungsprozesse schauen müssen und häufiger ins Gespräch kommen: Warum wurde dieser Weg gewählt? Welche Quellen wurden verworfen? Welche Entscheidungen wurden getroffen? Wo wurde KI eingesetzt? Kann das Ergebnis erklärt, verteidigt, auf einen neuen Zusammenhang übertragen oder weiterentwickelt werden?

Interessanterweise verschiebt sich damit möglicherweise auch unser Verständnis von Eigenleistung. Die entscheidende Frage wird nicht immer sein können, ob jeder Satz eines Produktes eigenhändig formuliert wurde. Wichtiger könnte werden, wer den geistigen Prozess steuert und für sein Ergebnis Verantwortung übernehmen kann.

Die eigentliche Gefahr ist nicht die Nutzung von KI

An dieser Stelle wird die Debatte schnell grundsätzlich. Wenn KI immer mehr kann, was müssen Menschen dann überhaupt noch können?

Eine mögliche Antwort wäre: weniger. Wenn die Maschine schreibt, muss ich eben nicht mehr so gut schreiben können. Wenn sie übersetzt, brauche ich weniger Fremdsprachenkenntnisse. Wenn sie Informationen jederzeit bereitstellt, muss ich weniger wissen.

Ich halte diese Schlussfolgerung für gefährlich. Gerade wer wenig weiß, kann schwer beurteilen, ob eine KI gerade eine brillante Antwort oder plausibel formulierten Unsinn produziert. Grundlagenwissen, Lesen, Schreiben, mathematisches Verständnis und fachliche Kompetenz werden durch KI nicht überflüssig. Sie werden zur Voraussetzung dafür, KI überhaupt souverän nutzen zu können.

Gleichzeitig verschieben sich die Gewichte. Neben Wissen wird Orientierung wichtiger, neben der Antwort die Urteilskraft, neben der Ausführung die Entscheidung. Wer mit KI arbeitet, muss zunehmend entscheiden können, was delegiert werden kann, welche Ergebnisse brauchbar sind und wann ein System besser gerade nicht eingesetzt wird.

Das Policy Paper des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung und der Vodafone Stiftung trifft diesen Gedanken für mich schon mit seinem Titel ziemlich gut: „Von Abhängigkeit zu Handlungsfähigkeit“. Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass KI Lernprozesse wirksam unterstützen kann, zugleich aber Kompetenzverluste drohen, wenn Lernende sie vor allem zur Erledigung von Aufgaben und zur Produktion von Ergebnissen einsetzen. Selbstreguliertes Lernen wird deshalb gerade unter KI-Bedingungen zur Schlüsselkompetenz.

Vielleicht ist Handlungsfähigkeit (Agency) tatsächlich ein besseres Leitbild als die nächste Liste von KI-Kompetenzen. Ein handlungsfähiger Mensch kann KI nutzen, ohne ihr ausgeliefert zu sein. Er kann entscheiden, wann Unterstützung sinnvoll ist und wann er selbst denken muss. Er kann Ergebnisse prüfen, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen.

Mit KI, über KI – und manchmal eben auch ohne

Für Unterricht folgt daraus keine besonders spektakuläre Forderung. Wir müssen weder KI aus Schule verbannen noch sie in jede Unterrichtsstunde hineintragen.

Wir müssen mit KI lernen. Ein gut gestaltetes KI-System kann Tutor, Feedbackgeber, Sparringspartner oder Lernbegleiter sein. Gerade bei individualisierter Unterstützung liegen Möglichkeiten, die wir nicht leichtfertig ignorieren sollten. Die OECD kommt in ihrem aktuellen Überblick ebenfalls zu dem Ergebnis, dass pädagogisch gezielt eingesetzte generative KI Lernen fördern kann. Entscheidend ist gerade nicht die Technologie allein, sondern ihr didaktischer Zweck.

Wir müssen gleichzeitig über KI lernen. Wer mit diesen Systemen aufwächst, sollte verstehen, wie sie funktionieren, warum sie Fehler machen, welche Daten und Interessen hinter ihnen stehen und welche gesellschaftlichen Folgen ihr Einsatz hat.

Und wir brauchen weiterhin Situationen, in denen ohne KI gelernt wird. Vielleicht kann man sogar von einem Lernen trotz KI sprechen: bewusst selbst lesen, schreiben, rechnen, argumentieren, erinnern, ausprobieren, scheitern und noch einmal anfangen. Nicht aus Technikfeindlichkeit, sondern weil Lernen Anstrengung benötigt. Die OECD warnt ausdrücklich davor, dass KI den für Lernen wichtigen „productive struggle“ beseitigen und damit Ausdauer, vertieftes Lesen und nachhaltige Aufmerksamkeit schwächen kann.

Auch Joscha Falcks Modell ist hier hilfreich, weil es die Alternative „KI einsetzen oder verbieten“ hinter sich lässt. Seine Überlegungen umfassen Lernen mit, über, durch, trotz und ohne KI. Das scheint mir wesentlich näher an der schulischen Realität zu sein als die Suche nach einer allgemeinen Regel, wann KI „gut“ oder „schlecht“ ist.

Und plötzlich sind wir bei Schulentwicklung

Spätestens hier wird deutlich, warum mir der Begriff „KI im Unterricht“ inzwischen zu eng ist. Wenn sich Aufgaben verändern, wenn Leistungsnachweise neu gedacht werden müssen, wenn andere Kompetenzen wichtiger werden und Lehrkräfte gemeinsam entscheiden müssen, wo KI eingesetzt und wo bewusst auf sie verzichtet wird, dann reden wir nicht mehr über ein Unterrichtstool.

Wir reden über Lernkultur, Prüfungskultur und Professionalisierung. Wir reden über Datenschutz, Infrastruktur, Zugänge und Regeln. Wir reden darüber, wie Eltern und Schülerinnen und Schüler informiert und beteiligt werden. Und irgendwann reden wir zwangsläufig über Führung und Organisationsentwicklung.

Die entscheidende Frage für eine Schule lautet deshalb nicht: Welches KI-Tool führen wir ein? Sie lautet: Welche Schule wollen wir unter Bedingungen allgegenwärtiger KI sein?

Das klingt größer und unangenehmer, weil es keine schnelle Antwort gibt. Es bedeutet beispielsweise, gemeinsam zu klären, was Schülerinnen und Schüler auch künftig unbedingt selbst können sollen. Welche Denk- und Arbeitsprozesse sie sinnvoll an KI delegieren dürfen. Wie Eigenleistung sichtbar wird. Welche gemeinsamen Regeln gelten. Welche Kompetenzen Lehrkräfte benötigen. Und nicht zuletzt, wie wir verhindern, dass KI zwar Effizienz erhöht, gleichzeitig aber Handlungsfähigkeit reduziert.

An diesem Punkt finde ich einen aktuellen Beitrag von HAAK3 zur KI-Transformation an Schulen bemerkenswert. Die These lautet im Kern: Das Modell ist längst nicht mehr der Engpass. Transformation benötigt gleichzeitig tragfähige Prozesse, Fortbildung, Kulturarbeit und Governance – auf einem Fundament aus Ressourcen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Ein Tool-Rollout allein verändert noch keine Schule.

Das deckt sich ziemlich genau mit meiner Erfahrung aus Schulentwicklung insgesamt. Wir haben erstaunlich selten ein Erkenntnisproblem. Meist wissen wir recht gut, was wir eigentlich verändern müssten. Schwierig wird es beim Übergang von der guten Idee zur gemeinsamen Praxis.

Vielleicht ist KI insofern gar kein Sonderfall. Sie legt nur besonders schonungslos offen, dass Innovation noch keine Transformation ist.

Aber müssen wir uns wirklich an all das anpassen?

Bei all diesen Überlegungen steckt allerdings eine Gefahr in der Argumentation. Wenn wir ständig sagen, KI sei nun einmal da und Schule müsse sich deshalb verändern, klingt es schnell so, als gäbe es nur noch eine mögliche Zukunft: Die Technologie entwickelt sich – und Bildung hat sich gefälligst anzupassen.

Nele Hirsch hat diese Haltung treffend als „TINA-KI“ kritisiert: There is no alternative. Ich halte diesen Einwand für wichtig.

Ja, KI ist gesellschaftliche Realität. Aber daraus folgt nicht, dass jede Form ihrer Nutzung alternativlos ist. Wir können entscheiden, wo wir KI einsetzen, welche Geschäftsmodelle wir akzeptieren, welche Daten wir preisgeben, welche Entscheidungen wir Maschinen überlassen und welche Räume wir bewusst menschlich halten wollen.

Damit bekommt Agency noch eine weitere Dimension. Handlungsfähigkeit bedeutet nicht nur, KI kompetent bedienen zu können. Sie bedeutet auch, ihre gesellschaftliche Gestaltung nicht als Naturgesetz hinzunehmen.

Vielleicht lässt sich die Aufgabe von Bildung deshalb in einem Satz zusammenfassen:

KI verändert die Bedingungen von Bildung. Aber sie bestimmt nicht ihre Ziele.

Die müssen wir weiterhin selbst setzen.

Und wer hat jetzt diesen Text geschrieben?

Zum Schluss wird es ein wenig selbstreferenziell. Dieser Text ist mit KI entstanden. Ziemlich intensiv sogar.

Seit längerer Zeit sammle ich Studien, Artikel, Interviews, Beobachtungen aus der Schule und Gedanken zur Entwicklung von KI. Viele davon diskutiere ich anschließend mit einem Sprachmodell. Ich lasse mir Texte zusammenfassen, frage nach Zusammenhängen, widerspreche, verwerfe Antworten, lasse Gegenargumente formulieren und stoße dabei manchmal auf Verbindungen, die ich vorher nicht gesehen hatte. Aus diesen Gesprächen sind nach und nach auch die Begriffe entstanden, die in diesem Text vorkommen: Aufgabenkrise, Nachweiskrise, Kompetenzverschiebung und Agency.

Die KI hat dabei einiges geleistet. Sie hat sortiert, verdichtet, verglichen und formuliert. Sie hat aber auch Dinge falsch verstanden und überzeugend klingenden Unsinn produziert. Ich musste auswählen, prüfen, korrigieren und entscheiden, was zu meiner eigenen Erfahrung mit Schule und Schulentwicklung passt.

Wer hat diesen Text also geschrieben – ich oder die KI?

Ich glaube inzwischen, dass das die falsche Frage ist. Und vielleicht ist genau das auch ein Hinweis darauf, wie wir künftig auf die Arbeiten unserer Schülerinnen und Schüler schauen sollten.

Interessanter ist die Frage, welche geistige Leistung der Mensch in einem Mensch-KI-Prozess erbracht hat. Wer hat die Frage gestellt? Wer hat Entscheidungen getroffen? Wer hat Widersprüche erkannt? Wer hat beurteilt, was brauchbar ist? Wer kann das Ergebnis erklären und dafür Verantwortung übernehmen?

Vielleicht besteht eine der wichtigsten Aufgaben von Schule im KI-Zeitalter genau darin: jungen Menschen nicht beizubringen, KI für sich denken zu lassen, sondern mit KI besser selbst zu denken.

Newsletter 25/26-17: 29.05.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

oft wird beklagt, und ich nehme mich dabei gar nicht aus, dass Schule sich nicht verändere. Dennoch gibt es natürlich Veränderungen, die sich gar nicht vermeiden lassen und auf die Schule zwangsläufig reagiert, weil sie Schule verändern, ohne dass diese etwas dafür kann.

Wenn ich zu meiner Schulzeit ein Referat oder eine Präsentation vorbereiten sollte, was selten vorkam, dann konnte die Lehrkraft davon ausgehen, dass ich zuhause vielleicht ein Lexikon habe, sonst konnte bestenfalls Schulbuchwissen abgefragt werden. Ich bin zwar einmal mit einem Mitschüler für ein Referat in die Universitätsbibliothek nach Frankfurt gefahren, war dort aber von den „Zettelkästen“ recht überfordert und war beim Inhalt besonders intrinsisch motiviert, aber das ist ein anderes Thema.

Dann kam das Internet. Plötzlich standen, weitgehend frei zugänglich, viel mehr Informationen und Quellen zur Verfügung. Also konnten mehr Themen in die Hausaufgaben verlegt werden und es konnte vor allem mehr erwartet werden. Das machte Schule für die Lernenden anspruchsvoller; für die Lehrenden natürlich auch. Gleichzeitig erweiterte sich die Wissensbasis, die Schulen vermitteln konnte. Mit dem Internet wurde aber auch die Bewertung von Fakten und die Verifizierung von Wissen bedeutsamer. Die Vertrauenswürdigkeit der genutzten Websites rückte in den Vordergrund. Das ließ sich aber noch in einem überschaubaren Rahmen abschätzen. Nebenbei wurde Wissen globalisiert und stand plötzlich in vielen verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Allerdings entstand auch hier schon ein „cultural bias“, weil nicht alle Sprachen und Kulturen gleichermaßen im WWW repräsentiert waren. Weitere Effekte waren das Verschwinden der gedruckten Enzyklopädien, eine neu entstehende Dateninfrastruktur, die Zunahme des Stromverbrauchs und der damit verbundenen Emissionen, das Entstehen sozialer Netzwerke mit allen Vor- und Nachteilen und eine Dominanz der USA auf dem Tech-Markt, um nur einige zu nennen. Und jetzt haben wir Künstliche Intelligenz. Jetzt wird das Wissen des Internets und darüber hinaus, Qualität spielt nur eine untergeordnete Rolle, so aufbereitet und immer wieder rekombiniert, sodass es zumindest den Anschein hat, dass (schulische) Fragen einfach direkt beantwortet werden. Auch damit vergrößert sich wieder die Wissensbasis für (Haus-)Aufgaben, auch dadurch wird Lehren und Lernen wieder anspruchsvoller. Aber nur, wenn es richtig gemacht wird. Schlimmstenfalls erstellen Lehrkräfte Aufgaben und Arbeitsblätter mit KI, die dann von Schülerinnen und Schülern mit KI bearbeitet werden und es kommt zu Kompetenzverlusten auf beiden Seiten, so genanntem Deskilling. Gleichzeitig wird es noch wichtiger Fakten und Wissen zu verifizieren. KI erfindet Fakten und Zusammenhänge, die dann auch noch plausibel dargestellt werden. Hier braucht es ganz neue und anspruchsvolle Kompetenzen für Lehrende und Lernende, wir erreichen also ein weiteres neues und höheres Anspruchslevel an Schulen. Außerdem steckt auch hier weiter ein bedeutsamer „cultural bias“ drin, da die Trainingsdaten wieder westlich dominiert sind. Mit China ist ein neuer bedeutender „Player“ hinzugekommen und der Ressourcenverbrauch steigt immens. KI flutet soziale Netzwerke mit „AI-Slop“, dessen Auswirkungen erst langsam deutlich werden (die Nutzung sozialer Netzwerke durch Jugendliche scheint zurückzugehen).
Ein nächster Entwicklungsschritt könnte dann agentische KI sein, die schulische Prozesse noch weiter automatisiert, was die Kombination von KI und Robotik mit Schulen machen wird ist schwer abzusehen. Vermutlich muss ich dann nicht einmal mehr meine KI-generierten Arbeitsblätter selbst aus dem Kopieren holen.
KI zu ignorieren oder zu verbieten ist natürlich keine Lösung, sie hat ja unsere Gesellschaft schon durchdrungen vom Chatbot auf der Homepage des Landkreises bis zum Gesprächspartner bei Snapchat oder WhatsApp, fast alle Lernenden nutzen KI für Hausaufgaben und weit darüber hinaus.
Eigentlich wollte ich mit dem Text hier enden, habe aber die KI um ein Feedback gebeten und den Vorschlag bekommen, den Text noch um folgenden Abschnitt zu ergänzen, der noch einmal die aktuellen Herausforderungen pointiert zusammenfasst:

„Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht darin, KI aus Schule herauszuhalten. Das wird ebenso wenig gelingen, wie es gelungen ist, das Internet aus Schule herauszuhalten. Die Technologie ist längst Teil der Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler geworden und wird in den kommenden Jahren noch stärker in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen präsent sein.
Viel wichtiger ist eine andere Frage: Was bedeutet das für das Lernen?
Über Jahrzehnte konnten wir stillschweigend davon ausgehen, dass die Bearbeitung einer Aufgabe selbst bereits einen Lernprozess auslöst. Wer einen Text schreibt, muss nachdenken. Wer eine Präsentation vorbereitet, muss Informationen recherchieren, auswählen und strukturieren. Wer ein Problem löst, setzt sich mit dem Problem auseinander.
Mit KI gerät diese Annahme erstmals ins Wanken.
Nicht, weil Lernen unmöglich würde. Sondern weil die Bearbeitung einer Aufgabe zunehmend delegierbar wird. Die Aufgabe kann erledigt werden, ohne dass der Lernprozess zwangsläufig beim Lernenden stattfindet. Damit steht nicht weniger als eine Grundlogik von Schule zur Diskussion.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI nutzen dürfen. Sie lautet auch nicht, welche App die beste ist oder welche Funktionen künftig noch hinzukommen werden.
Die entscheidende Frage lautet: Welche Aufgaben stellen wir in Zukunft, wenn Maschinen viele der bisherigen Aufgaben bereits lösen können?
Vielleicht ist das die eigentliche Revolution. Nicht die Technologie selbst. Sondern die Tatsache, dass sie uns zwingt, grundlegende pädagogische Fragen neu zu stellen:
• Warum lernen wir überhaupt?
• Woran erkennen wir, dass jemand etwas verstanden hat?
• Welche Rolle spielt Wissen in einer Welt, in der Informationen jederzeit verfügbar sind?
• Und wie gestalten wir Schule so, dass Lernen auch dann noch stattfindet, wenn Antworten auf Knopfdruck erzeugt werden können?
Auf diese Fragen haben wir derzeit noch keine abschließenden Antworten. Aber vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Die KI-Debatte ist keine Technologie-Debatte. Sie ist eine Debatte über Lernen, Bildung und die Zukunft von Schule.“ (erstellt mit ChatGPT, Formatierung angepasst und natürlich vor Veröffentlichung geprüft und für brauchbar befunden)

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Stephan Heinsius, ehemaliger Weibelfeld-Schüler und Sonnenfinsternis-Enthusiast, hat vor 50 Jahren seine erste Sonnenfinsternis in der Weibelfeldschule erlebt und ist jetzt nach exakt 50 Jahren wieder an den gleichen Ort zurückgekommen. Seinen Bericht können Sie hier lesen: https://www.eclipseland.com/pse-1976-50.html.
Bericht im „Deutschen Schulportal“ über dem Umgang mit Daten in Kanada: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/den-schul-code-knacken/.
Beitrag des „Medienzeit Elternlog“ über die Gefahren von Smartglasses in der Schule: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/smartglasses-neue-risiken-kinder-schule.Schultoiletten sind ein Dauerthema, die „Zeit“ berichtet über Verbesserungsmöglichkeiten: https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2026-05/schultoiletten-hygiene-handlungsempfehlungen-internetportal-gxe. Praktische Ratschläge gibt es im Hilfsportal der „German Toilet Organization“: https://toiletten-machen-schule.de/. In unserem Reallabor gibt es Überlegungen seitens der Schülerinnen und Schüler einen Wettbewerb zur besten Schultoilette in Dreieich zu organisieren.

Schulentwicklung
Bob Blume schreibt in seiner Kolumne auf dem „Deutschen Schulportal“, „Warum gute Schulentwicklung auch wehtut“: https://deutsches-schulportal.de/kolumnen/bob-blume-rollentausch-warum-gute-schulentwicklung-auch-wehtut/.
Alexander Brand schreibt im „Deutschen Schulportal“ differenziert über den Forschungsstand zur Frage: Handschrift oder Keyboard. Spoiler: Die Antwort ist nicht eindeutig: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/handschrift-oder-tastatur-was-beim-mitschreiben-wirklich-hilft.

Smartphone und Social-Media
Das IWM in Tübingen sucht Grundschul-Eltern als Teilnehmende für eine Studie über Kinder, die ihr erstes Smartphone bekommen: https://iwm-tuebingen.de/de/news/2026-05-19. Hier geht es zur Anmeldung: https://iwm-tuebingen.de/de/forschung/projekte/smartkids.

KI
Joscha Falck beschäftigt sich in seinem neuesten Blog-Beitrag mit der „Architektur der KI-Didaktik. Er verschiebt den Blick von der Technologie auf die Aufgabenkultur und erinnert daran, dass die entscheidende Frage im KI-Zeitalter nicht lautet, wie wir KI nutzen, sondern wie Lernen trotz KI lernwirksam bleibt: https://joschafalck.de/architektur-ki-didaktik/. Besonders spannend finde ich seine Idee der „Provokation durch Design“ von Aufgaben.
Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet über den Einfluss von KI in Schule: https://www.fr.de/panorama/macht-das-leben-zur-hoelle-lehrerin-warnt-vor-riskantem-trend-an-deutschen-schulen-94320261.html.
Im „FelloFish-Blog“ geht es um das PRISMA-Modell des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (KI-Schulpreisträger) zur Arbeit mit KI-Werkzeugen am Beispiel von „FelloFish“: https://www.fellofish.com/blog/warum-fellofish-prisma.
Podcast „Bits, Buffs und Bildung“ zu KI-Agenten und Vibe Coding: https://bits-buffs-und-bildung.podigee.io/s1e50-neue-episode.

Tipps für den Unterricht
Ulrike Ammermann schreibt in ihrer Kolumne auf dem Deutschen Schulportal über Unterricht, der aus dem Ruder läuft und was dagegen hilft: https://deutsches-schulportal.de/kolumnen/wenn-der-unterricht-aus-dem-ruder-laeuft/.
Die „Slot-Machine“ bei „Bildungsspirit“ liefert wichtige Impulse zur Lernhaltung: https://www.bildungsspirit.de/slotmachine.html.
Die „Frankfurter Rundschau“ über das Mathe-Tutorsystem „Bettermarks“, welches Hessen einführt: https://www.fr.de/hessen/hessen-fuehrt-online-lernsystem-bettermarks-fuer-mathe-unterricht-ein-94313314.html. Mehr zu „Bettermarks“: https://de.bettermarks.com/.

Leseempfehlung
Alexander Brand: Die Bildungsweltmeister. Eine Reise zu den besten Schulen der Welt und was wir von ihnen lernen können, Weinheim 2026.
Mit dem Buch legt der Bildungsjournalist und Lehrer Alexander Brand eine ebenso informative wie gut lesbare Bildungsreportage vor. Für das Buch bereiste er sechs Monate lang Schulen in Finnland, Estland, Japan und Singapur, den Ländern, die in internationalen Vergleichsstudien regelmäßig Spitzenplätze belegen. Dabei verbindet er Unterrichtsbeobachtungen, Gespräche mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie bildungswissenschaftliche Einordnungen zu einem spannenden Bild erfolgreicher Schulsysteme. Besonders überzeugend ist Brands Fähigkeit, komplexe bildungspolitische Fragen anhand konkreter Szenen aus dem Schulalltag greifbar zu machen. Er arbeitet heraus, welche kulturellen, gesellschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen hinter dem Erfolg der jeweiligen Systeme stehen. Themen wie adaptive Lernförderung, professionelle Lerngemeinschaften, Lehrkräftebildung, Bildungsgerechtigkeit und die Schule als Lebensraum ziehen sich als roter Faden durch das Buch.

Hörempfehlung
Prof. Saskia Fischer im „evido-Podcast” zum Thema Mobbing und was hilft: https://evido-magazin.de/artikel/evido-podcast-mobbing-wirksam-begegnen-mit-prof-saskia-fischer.
Podcast mit Prof. Josef Leifen zum Thema „Wie sich Lernen in Zeiten von KI verändern muss“: https://open.spotify.com/episode/2U88YkygpXFZXr0Dbk8CVa.
Podcast des „Deutschlandfunk“ zu moderner Prüfungskultur: https://www.deutschlandfunk.de/praesentation-statt-klausur-moderne-pruefungskultur-an-unseren-schulen-100.html.

Sehempfehlung
ZDF-Doku „Die Wahrheit über Social Media“: https://www.zdf.de/video/reportagen/die-wahrheit-ueber-100/die-wahrheit-ueber-social-media—mit-jochen-breyer-100.

Veranstaltungsempfehlung
Dieses Mal keine, die Ferien sind nah.

Spaß im Netz
http://patience-is-a-virtue.org/.

Blog 2026-06: Vom Lexikon zum Chatbot – Wie sich die Bedingungen des Lernens verändert haben

Oft wird beklagt, und ich nehme mich dabei gar nicht aus, dass Schule sich nicht verändere. Dennoch gibt es natürlich Veränderungen, die sich gar nicht vermeiden lassen und auf die Schule zwangsläufig reagiert, weil sie Schule verändern, ohne dass diese etwas dafür kann.

Wenn ich zu meiner Schulzeit ein Referat oder eine Präsentation vorbereiten sollte, was selten vorkam, dann konnte die Lehrkraft davon ausgehen, dass ich zuhause vielleicht ein Lexikon habe, sonst konnte bestenfalls Schulbuchwissen abgefragt werden. Ich bin zwar einmal mit einem Mitschüler für ein Referat in die Universitätsbibliothek nach Frankfurt gefahren, war dort aber von den „Zettelkästen“ recht überfordert und war beim Inhalt besonders intrinsisch motiviert, aber das ist ein anderes Thema.

Dann kam das Internet. Plötzlich standen, weitgehend frei zugänglich, viel mehr Informationen und Quellen zur Verfügung. Also konnten mehr Themen in die Hausaufgaben verlegt werden und es konnte vor allem mehr erwartet werden. Das machte Schule für die Lernenden anspruchsvoller; für die Lehrenden natürlich auch. Gleichzeitig erweiterte sich die Wissensbasis, die Schulen vermitteln konnte. Mit dem Internet wurde aber auch die Bewertung von Fakten und die Verifizierung von Wissen bedeutsamer. Die Vertrauenswürdigkeit der genutzten Websites rückte in den Vordergrund. Das ließ sich aber noch in einem überschaubaren Rahmen abschätzen. Nebenbei wurde Wissen globalisiert und stand plötzlich in vielen verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Allerdings entstand auch hier schon ein „cultural bias“, weil nicht alle Sprachen und Kulturen gleichermaßen im WWW repräsentiert waren. Weitere Effekte waren das Verschwinden der gedruckten Enzyklopädien, eine neu entstehende Dateninfrastruktur, die Zunahme des Stromverbrauchs und der damit verbundenen Emissionen, das Entstehen sozialer Netzwerke mit allen Vor- und Nachteilen und eine Dominanz der USA auf dem Tech-Markt, um nur einige zu nennen.

Und jetzt haben wir Künstliche Intelligenz. Jetzt wird das „Wissen“ des Internets und darüber hinaus, Qualität spielt nur eine untergeordnete Rolle, so aufbereitet und immer wieder rekombiniert, sodass es zumindest den Anschein hat, dass (schulische) Fragen einfach direkt beantwortet werden. Auch damit vergrößert sich wieder die Wissensbasis für (Haus-)Aufgaben, auch dadurch wird Lehren und Lernen wieder anspruchsvoller. Aber nur, wenn es richtig gemacht wird. Schlimmstenfalls erstellen Lehrkräfte Aufgaben und Arbeitsblätter mit KI, die dann von Schülerinnen und Schülern mit KI bearbeitet werden und es kommt zu Kompetenzverlusten auf beiden Seiten, so genanntem Deskilling. Gleichzeitig wird es noch wichtiger Fakten und Wissen zu verifizieren. KI erfindet Fakten und Zusammenhänge, die dann auch noch plausibel dargestellt werden. Hier braucht es ganz neue und anspruchsvolle Kompetenzen für Lehrende und Lernende, wir erreichen also ein weiteres neues und höheres Anspruchslevel an Schulen. Außerdem steckt auch hier weiter ein bedeutsamer „cultural bias“ drin, da die Trainingsdaten wieder westlich dominiert sind. Mit China ist ein neuer bedeutender „Player“ hinzugekommen und der Ressourcenverbrauch steigt immens. KI flutet soziale Netzwerke mit „AI-Slop“, dessen Auswirkungen erst langsam deutlich werden (die Nutzung sozialer Netzwerke durch Jugendliche scheint zurückzugehen).

Ein nächster Entwicklungsschritt könnte dann agentische KI sein, die schulische Prozesse noch weiter automatisiert, was die Kombination von KI und Robotik mit Schulen machen wird ist schwer abzusehen. Vermutlich muss ich dann nicht einmal mehr meine KI-generierten Arbeitsblätter selbst aus dem Kopierer holen. KI zu ignorieren oder zu verbieten ist natürlich keine Lösung, sie hat ja unsere Gesellschaft schon durchdrungen vom Chatbot auf der Homepage des Landkreises bis zum Gesprächspartner bei Snapchat oder Whatsapp, fast alle Lernenden nutzen KI für Hausaufgaben und weit darüber hinaus.

Eigentlich wollte ich mit dem Text hier enden, habe aber die KI um ein Feedback gebeten und den Vorschlag bekommen, den Text noch um folgenden Abschnitt zu ergänzen, der noch einmal die aktuellen Herausforderungen pointiert zusammenfasst:

„Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht darin, KI aus Schule herauszuhalten. Das wird ebenso wenig gelingen, wie es gelungen ist, das Internet aus Schule herauszuhalten. Die Technologie ist längst Teil der Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler geworden und wird in den kommenden Jahren noch stärker in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen präsent sein.

Viel wichtiger ist eine andere Frage: Was bedeutet das für Lernen?

Über Jahrzehnte konnten wir stillschweigend davon ausgehen, dass die Bearbeitung einer Aufgabe selbst bereits einen Lernprozess auslöst. Wer einen Text schreibt, muss nachdenken. Wer eine Präsentation vorbereitet, muss Informationen recherchieren, auswählen und strukturieren. Wer ein Problem löst, setzt sich mit dem Problem auseinander.

Mit KI gerät diese Annahme erstmals ins Wanken.

Nicht, weil Lernen unmöglich würde. Sondern weil die Bearbeitung einer Aufgabe zunehmend delegierbar wird. Die Aufgabe kann erledigt werden, ohne dass der Lernprozess zwangsläufig beim Lernenden stattfindet. Damit steht nicht weniger als eine Grundlogik von Schule zur Diskussion.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI nutzen dürfen. Sie lautet auch nicht, welche App die beste ist oder welche Funktionen künftig noch hinzukommen werden.

Die entscheidende Frage lautet: Welche Aufgaben stellen wir in Zukunft, wenn Maschinen viele der bisherigen Aufgaben bereits lösen können?

Vielleicht ist das die eigentliche Revolution. Nicht die Technologie selbst. Sondern die Tatsache, dass sie uns zwingt, grundlegende pädagogische Fragen neu zu stellen:

  • Warum lernen wir überhaupt?
  • Woran erkennen wir, dass jemand etwas verstanden hat?
  • Welche Rolle spielt Wissen in einer Welt, in der Informationen jederzeit verfügbar sind?
  • Und wie gestalten wir Schule so, dass Lernen auch dann noch stattfindet, wenn Antworten auf Knopfdruck erzeugt werden können?

Auf diese Fragen haben wir derzeit noch keine abschließenden Antworten. Aber vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Die KI-Debatte ist keine Technologie-Debatte. Sie ist eine Debatte über Lernen, Bildung und die Zukunft von Schule.“

(erstellt mit ChatGPT, Formatierung angepasst und natürlich vor Veröffentlichung geprüft und für brauchbar befunden)

Newsletter 25/26-16: 13.05.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich habe am letzten Wochenende den Entwurf „Navigating an Evolving digital World“ der OECD für die nächste PISA-Studie 2029 gelesen, der für mich ein starkes Indiz für die Veränderung von Bildung ist und über den ich gerne hier berichten will. (Den Entwurf finden Sie hier: https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/about/projects/edu/the-pisa-2029-media-and-artificial-intelligence-(mail)-assessment-will-shed-light-on-whether-young-students-have-had-opportunities-to-learn-and-to-engage-proactively-and-critically-in-a-world-where-production,-participation,-and-social-networking-are-increasingly-mediated-by-digital-and-ai-tools-/PISA%202029%20MAIL%20Assessment%20Framework%20First%20Draft.pdf).

Leider habe ich im ursprünglichen Newsletter einen falschen Link zu der Draft-Version des OECD-Papiers zu PISA-2029 versendet. Doris Weßels hat mich dankenswerterweise darauf hingewiesen.
Der Link wurde korrigiert. Ich bitte um Entschuldigung. Wobei das ursprünglich verlinkte Papier durchaus auch interessant ist. Es zeigt, dass digitale und KI-Transformation immer weniger als reine Technologiefrage verstanden werden, sondern zunehmend als Herausforderung gesellschaftlicher Handlungs-, Steuerungs- und Orientierungsfähigkeit. Ursprünglicher Link: https://www.oecd.org/en/publications/the-oecd-going-digital-integrated-policy-framework-2026_0254ae07-en.html.


Der Entwurf markiert, nach meiner Einschätzung, einen bemerkenswerten Wendepunkt in der bildungspolitischen Diskussion. Mit „Media and Artificial Intelligence Literacy“ (MAIL) wird erstmals systematisch auch in den Blick genommen, ob Schülerinnen und Schüler sich in einer durch Medien, Plattformen und KI geprägten Wirklichkeit orientieren können und nicht nur, ob sie Wissen reproduzieren.
Das verweist auf eine tiefere Verschiebung. Lange Zeit bestand die zentrale Herausforderung von Schule darin, Zugang zu Wissen zu ermöglichen. Heute ist Wissen jederzeit verfügbar und zunehmend auch synthetisch erzeugt. Texte, Bilder und Argumente können von KI-Systemen generiert werden. Damit verändert sich die Bildungsfrage grundlegend: Nicht mehr der Zugang zu Information ist entscheidend, sondern die Fähigkeit, diese Information zu prüfen, einzuordnen und verantwortungsvoll zu nutzen.
Genau hier setzt das MAIL-Konzept an. Es beschreibt Kompetenzen wie das kritische Bewerten von Inhalten, das Erkennen von Manipulation und algorithmischen Verzerrungen sowie den reflektierten Umgang mit KI. Dahinter steht jedoch mehr als ein neuer Kompetenzbereich. Es ist eine Verschiebung des Bildungsverständnisses weg von der reinen Wissensaneignung hin zur Entwicklung von Urteilsfähigkeit.
Diese Entwicklung stellt zugleich die klassische Logik von Schule infrage. Über lange Zeit folgte Lernen einem relativ stabilen Muster: Aufgabe → Bearbeitung → Ergebnis → Lernen. Doch wenn KI-Aufgaben übernehmen und Ergebnisse erzeugen kann, verliert diese Logik an Eindeutigkeit. Die entscheidende Frage wird dann: Was bedeutet Lernen noch, wenn Ergebnisse nicht mehr zwingend an eigene kognitive Anstrengung gebunden sind?
Der OECD-Entwurf reagiert darauf, indem er weniger das Ergebnis als vielmehr den Umgang mit Information und Entscheidungssituationen in den Mittelpunkt stellt. PISA 2029 will diese Kompetenzen daher zunehmend in simulationsbasierten, digitalen Szenarien erfassen. Schülerinnen und Schüler sollen sich in komplexen Informationsumgebungen orientieren, Quellen bewerten und begründete Entscheidungen treffen. Damit wird anerkannt, dass die Lebenswelt, auf die Schule vorbereitet, selbst digital vermittelt ist.
Für Schule ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: KI ist kein Zusatzthema, das man in bestehende Strukturen integrieren kann. Sie verändert die Bedingungen von Lernen selbst. Wenn Informationen jederzeit verfügbar sind und KI als kognitiver Partner agiert, gewinnen andere Fähigkeiten an Bedeutung, insbesondere kritisches Denken, Reflexionsfähigkeit und ethisches Urteilsvermögen.
In diesem Sinne liegt die eigentliche Bedeutung von PISA 2029 weniger in der Einführung eines neuen Testbereichs als in der impliziten Neubestimmung von Bildung. Die zentrale Frage lautet nicht mehr: „Wie bringen wir KI in die Schule?“ Sondern: „Welche Form von Bildung braucht eine Gesellschaft, in der Wissen zunehmend durch KI erzeugt und vermittelt wird?“
Die Antwort, die sich im MAIL-Ansatz andeutet, ist klar: Urteilsfähigkeit wird zur Schlüsselkompetenz der Zukunft. Wir sind an der Weibelfeldschule recht weit und offen im Umgang mit KI, wir haben schon lange Schullizenzen für die Plattformen fobizz und Fellofish, mit denen die Lernenden datenschutzkonform mit LLMs arbeiten können, wir werden demnächst Schooltogo testen, ein weiteres KI-Tool und sind mit einigen Kolleginnen und Kollegen in ein weiteres spannendes Testprogramm eingebunden; dazu zu gegebener Zeit mehr.
Natürlich steht bei uns auch der Chatbot AIS-Chat zur Verfügung, der uns vom Land Hessen bereitgestellt wird und ich bin gespannt, was die Adaptiven Intelligenten Systeme (vgl. den vorletzten Newsletter vom 20.03.26) bringen werden.
Die Vorbereitungen auf die PISA-Studie 2029 zeigen, dass KI im Bildungssystem angekommen ist und wir uns weiter damit auseinandersetzen müssen. Natürlich ist da noch Luft nach oben, aber wir befinden uns auch erst seit zwei oder drei Jahren in der Situation, dass KI im Bildungssystem sichtbar geworden ist. Wir hatten an der Weibelfeldschule bereits 2024 einen Pädagogischen Tag mit dem Schwerpunkt KI- und Medienbildung, wir bieten immer wieder kleine Fortbildungssnacks oder Sessions im Rahmen des Bar-Dienstag an und werden das Thema sicher weiter auf der Agenda haben. Im letzten Newsletter habe ich geschrieben: „Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher angekommen“. Und das muss unser Antrieb sein, sich weiter mit diesem Thema auseinandersetzen, denn Schule gehört schließlich auch zum Alltag unserer Kinder.
„Telepolis“ ordnet den Standpunkt der OECD etwas weitergehend ein: https://www.telepolis.de/article/KI-im-Klassenzimmer-EU-und-OECD-treiben-die-Wende-voran-11165773.html.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Fobizz gibt es jetzt auch als App: https://fobizz.com/de/app/.
Udo Beckmann schreibt, leider ohne konkret zu werden, über das wichtige Thema der Deimplementierung im „Deutschen Schulportal“: https://www.news4teachers.de/2026/05/weniger-ist-mehr-warum-schulleitungen-den-mut-brauchen-bewusst-zu-verzichten/.
Das „Deutsche Schulportal“ beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen der geplanten Schüler-ID: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/schueler-id-was-ist-geplant-welche-chancen-und-risiken-gibt-es/.
Die Bundesregierung plant wohl Einsparungen bei Schulbegleitungen, Bericht aus dem „Merkur“: https://www.merkur.de/bayern/immer-mehr-kinder-brauchen-hilfe-um-die-schule-zu-bewaeltigen-94290236.html. Auch die Zeitschrift „Eltern“ beschäftigt sich mit dem Thema: https://www.eltern.de/schulkind/aus-fuer-die-schulbegleitung–das-ist-fuer-2028-geplant-14071314.html.

Schulentwicklung
Die großartige Astrid Kalantzis hat eine Video-Präsentation zum Thema „Schule darf gut tun – 7 Impulse für eine Grundschule, in der sich alle wohlfühlen“ veröffentlicht. Hier kann man sich kostenlos registrieren und die Präsentation ansehen: https://alfima.com/schulleiterin_mitvision/schule-darf-gut-tun-7-impulse-fur-eine-grundschule-in-der-sich-alle-wohlfuhlen?utm_content=link_in_bio&utm_medium=social&utm_source=ig.
Alexander Brand (siehe auch Hörempfehlung, die Empfehlung seines Buches kommt, wenn ich damit durch bin) hat sich beim „Deutschen Schulportal“ mit professionellen Lerngemeinschaften auseinandergesetzt: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/professionelle-lerngemeinschaften-wie-lehrkraefte-gemeinsam-unterricht-erproben/. Guter Unterricht entsteht nicht allein, sondern durch gemeinsame, systematische Weiterentwicklung im Kollegium.
Der „UNESCO Courier“ hat einen spannenden Beitrag zur Reduzierung digitaler Endgeräte in Schweden veröffentlich: https://courier.unesco.org/en/articles/sweden-unmet-promises-digital-classroom. Digitalisierung darf nicht als Selbstzweck verfolgt werden, sondern muss konsequent in eine starke Lernkultur eingebettet sein, mit klaren Regeln, verbindlichem Classroom Management und gezielter Förderung von Selbstregulation als eigentlichem Schlüssel für erfolgreiches Lernen. Die Zukunft der Schule entscheidet sich nicht an der Frage „digital oder analog“, sondern an der Qualität der Lernprozesse.

Smartphone und Social-Media
Der Schweizer „Tagesanzeiger“ berichtet über eine Studie, die keinen Zusammenhang zwischen Handynutzung und schlechteren Noten gefunden haben soll: https://www.tagesanzeiger.ch/handyverbot-an-schulen-us-studie-findet-kaum-verbesserungen-971214388721.

KI
„Futurism“ berichtet über eine spannende Gallup-Studie: https://futurism.com/artificial-intelligence/gen-z-attitude-ai. Gen-Z ist kritischer gegenüber KI als wir glauben. Vielleicht ist die eigentliche Bildungsfrage der KI-Ära nicht, wie wir KI in Schule integrieren, sondern wie Schule Menschen davor bewahrt, das eigene Denken an KI zu delegieren.
Die Vodafone Stiftung hat ein Policy Paper des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen veröffentlicht: Künstliche Intelligenz (KI) kann Lernprozesse wirksam unterstützen, birgt aber zugleich das Risiko von Kompetenzverlusten. Das Paper gibt es hier: https://www.vodafone-stiftung.de/ki-in-der-bildung-abhaengigkeit-zu-handlungsfaehigkeit/. Die vielleicht entscheidende Bildungsfrage im KI-Zeitalter ist imho nicht, ob Schüler und Schülerinnen KI nutzen, sondern ob sie dabei die Kontrolle über ihr eigenes Denken behalten.
Auch der „UNESCO Courier“ beschäftigt sich mit Fragen zu KI und Bildung und hält lesenswerte Artikel bereit: https://courier.unesco.org/en/latest.
Im Anschluss an den letzten Newsletter ist dieser Artikel von „telepolis“ interessant: https://www.telepolis.de/article/Die-Hausaufgaben-Falle-Wie-Schueler-sich-mit-KI-selbst-schaden-11163648.html.
Rechtliche Aspekte zu KI in der Bildung werden in einem FAQ von „iRIGHTS“ zusammengetragen: https://irights.info/artikel/ki-faq/32822.

Tipps für den Unterricht
Das „Deutsche Schulportal“ berichtet aus den Ergebnissen des US-Pädagogen Doug Lemov (siehe Buchempfehlung) zur Fehlerkultur im Unterricht: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/fehler-willkommen-drei-strategien-fuer-eine-bessere-fehlerkultur-im-unterricht/.

Leseempfehlung
Doug Lemov: Unterrichte wie ein Champion, 63 Techniken, die Schüler zum Lernen bringen, Weinheim 2023. Zu dem Buch gibt es über 100 Videos, in denen die Techniken in der Praxis gezeigt werden; wirklich hilfreich für Einsteiger im Lehrberuf, aber auch für Profis sicher hilfreich.

Hörempfehlung
Podcast von Benedikt Wisniewski mit Alexander Brand über dessen neues Buch „Die Bildungsweltmeister“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/spezial-die-bildungsweltmeister-gespr%C3%A4ch-mit-alexander/id1647804131?i=1000761040380.

Sehempfehlung
DAS HMKB veranstaltet aktuell eine Online-Vortragsreihe zu „Strategien zum Umgang mit externalisierenden Verhaltensweisen“, die Aufzeichnung der zweiten Veranstaltung mit der Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Dr. Martina Dort finde ich sehenswert: https://kultus.hessen.de/video/psychische-auffaelligkeiten-im-schulalltag-sicher-handeln.  

Veranstaltungsempfehlung
Großes Online- KI-Barcamp der TU-Dortmund mit vielen wichtigen Partnern und renommierten Expertinnen und Experten (u.a. mit Keynotes von Doris Weßels und Martin Fugmann) und drei Sessionschienen. Hier geht es zur Anmeldung: https://dapf.zhb.tu-dortmund.de/ki-barcamp/. Ich bin angemeldet.

Spaß im Netz
https://endedesinternets.de/.

Newsletter 25/26-15: 30.04.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

heute fällt der Newsletter etwas knapper aus, es ist mir aber wichtig, auch diesen Punkt einmal anzusprechen.

Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher angekommen und damit selbstverständlich auch bei den Hausaufgaben. Ob Texte erklären lassen, Vokabeln abfragen, Matheaufgaben Schritt für Schritt lösen oder Ideen für Referate sammeln: Die Möglichkeiten sind groß. Deshalb wäre es wenig sinnvoll, so zu tun, als gäbe es diese Werkzeuge nicht. Ein pauschales Verbot würde an der Lebensrealität unserer Schülerinnen und Schüler vorbeigehen und wäre weder kontrollierbar noch zukunftsorientiert.

Stattdessen steht Schule vor der Aufgabe, sich anzupassen. Wir müssen gemeinsam lernen, wie KI sinnvoll, kritisch und verantwortungsvoll genutzt werden kann. Dazu gehört, neue Formen von Hausaufgaben zu entwickeln, Lernprozesse stärker in den Mittelpunkt zu stellen und Schülerinnen und Schüler zu befähigen, digitale Werkzeuge reflektiert einzusetzen. Dieser Wandel geschieht nicht von heute auf morgen. Er ist ein Prozess, in dem wir Erfahrungen sammeln, Regeln entwickeln und immer wieder nachsteuern werden.

Gleichzeitig gilt: KI ist kein Ersatz für eigenes Denken und Lernen. Wer sich Aufgaben vollständig von einer Maschine erledigen lässt, lernt oft weniger. Fachleute sprechen hier von „Deskilling“ – dem Verlust eigener Fähigkeiten, weil man sie nicht mehr ausreichend trainiert. Hinzu kommt: KI liefert nicht immer richtige oder passende Ergebnisse. Antworten können oberflächlich, fehlerhaft oder überzeugend formuliert und trotzdem falsch sein. Ohne eigenes Wissen, ohne Grundlagen und ohne kritisches Prüfen lassen sich gute von schlechten Ergebnissen kaum unterscheiden.

Unser Ziel muss daher sein, beides zusammenzubringen: Offenheit für neue Möglichkeiten und Klarheit über ihre Grenzen. KI kann Lernen unterstützen, darf es aber nicht ersetzen. Entscheidend bleiben Neugier, Anstrengungsbereitschaft, Fachwissen und die Fähigkeit, selbstständig zu denken. Daran werden wir als Schule weiter arbeiten. Was wir da machen und wie wir es machen wird sicher in einem der nächsten Newsletter Gegenstand sein.

Hier noch ein kleines Beispiel, was KI kann. Ich bat den aktualisierten Bildgenerator von Chat-GPT diesen Text zu visualisieren. Das Ergebnis finden Sie auf der nächsten Seite.

Ich wünsche der Schulgemeinschaft einen schönen Maifeiertag!

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
„Netzpolitik.org“ berichtet über die Schattenseiten von KI und Social Media, es geht um Verletzungen der Privatsphäre durch Metas Kamera-Brille und Klickworker in Kenia, die jetzt entlassen werden: https://netzpolitik.org/2026/nach-enthuellungen-zur-ueberwachungsbrille-meta-kuendigt-outsourcing-firma-die-entlaesst-daraufhin-1000-menschen/.
Andreas Schleicher im Interview im „Deutschen Schulportal“ zum Thema Berufsorientierung: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/berufsvorbereitung-pisa-andreas-schleicher-es-fehlt-an-gelegenheiten-echte-arbeitswelten-zu-erleben.
Ebendort klärt das „Deutsche Schulportal“ über die Rolle von Lehrkräften bei Kindeswohlgefährdungen auf: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/kindeswohlgefaehrdungen-nehmen-zu-wie-schulen-reagieren-koennen/.
Und noch etwas für die Praxis aus dem „Deutschen Schulportal“. Im Interview erklärt Stephan Rademacher die Frage „Dürfen Lehrkräfte Kinder anfassen oder festhalten?“: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/schulrecht-duerfen-lehrkraefte-kinder-anfassen-oder-festhalten/.
In einem der letzten Newsletter hatte ich den 10. Pioneers of Change Online Summit als Veranstaltung empfohlen. Hier gibt es eine knappe Zusammenfassung der dort besprochenen Themen: https://pioneersofchange.org/summit-essenzen-wurzeln-fuer-morgen/.
Jan Martin Wiarda wertet auf seinem Blog den neuen ifo-„Chancenmonitor aus: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/04/28/jungs-im-abseits. Spoiler: Die Ungleicheit im Bildungssystem bleibt groß und Jungs sind die Verlierer.

Schulentwicklung
Schulleiter Jochen Nossek fordert auf dem „Deutschen Schulportal“ einen Paradigmenwechsel bei der Berufsorientierung von der Berufswahl zur Talententwicklung. Berufsorientierung ist im Grunde angewandtes selbstorganisiertes Lernen: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/berufsorientierung-neu-gedacht-talente-entdecken-statt-auf-berufe-festlegen/.
Susanne Posselt berichtet in ihrem Blog von einem Erasmus+-Austausch in Island: https://susanneposselt.de/emerging-leaders-mit-erasmus-in-island/. Eine wichtige Erkenntnis: Schulleitung wirksam zu gestalten bedeutet vor allem: die eigene Rolle reflektieren, Beziehungen stärken und Schulentwicklung als gemeinsamen Prozess verstehen. Schule muss Teil eines größeren sozialen Systems mit Vertrauen und Kooperation in der Kommune sein.
Michael Drabe hat ein Curriculum zur Schulentwicklung für eine Schule der Zukunft entwickelt: https://schule-in-der-digitalen-welt.de/schule-2026-ein-curriculum-als-navigationssystem/. 

Smartphone und Social-Media
Der „Medienzeit-Elternblog“ beleuchtet die Manosphere in sozialen Medien kritisch: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/lexikon-manosphere-codes-und-bedeutung. Die Manosphere ist weniger ein einzelnes Phänomen als ein Deutungsangebot für junge Männer; mit einfachen Antworten, aber oft problematischen Konsequenzen.
In Österreich wird die Challenge „3 Wochen ohne Smartphone“ immer prominenter. Hier geht es zur Homepage: https://handyexperiment.at/. Der „Fokus“ berichtet über das spannende Experiment und die weitgehend positiven Folgen: https://www.focus.de/politik/deutschland/in-oesterreich-nach-einem-handy-experiment-kippt-die-stimmung-an-einer-schule-total_136b0c44-aa95-4834-b67c-8d52fabc0d95.html.
Unter dem Link https://9etqr.r.ag.d.sendibm3.com/mk/mr/sh/OycXxko2a8zXNsWPDzlZCDgb/eMVPZ2FVQVit. klärt „Smartphone-Coach“ Andrea Buhl-Aigner über WhatsApp-Kanäle auf.

KI
Wenn KI Aufgaben zuverlässig erledigt, verlieren traditionelle Bildungsformate ihre Funktion – und Schule muss neu definieren, was überhaupt noch „Lernen“ bedeutet. Die Krise der Schule durch KI ist keine technologische – sondern eine funktionale: Das, was Schule bisher getan hat, wird nicht mehr gebraucht. Dies zeigt dieser Beitrag in Alexanders Substack: https://alessandroaledo.substack.com/p/wenn-das-schottische-reiseburo-nicht?utm_campaign=post-expanded-share&utm_medium=web&triedRedirect=true. (Gleichzeitig ein Tipp für den Unterricht)
Martin Fugmann berichtet im FelloFish-Blog über die Entwicklung von KI und Schule in China: https://www.fellofish.com/blog/ki-bildung-und-der-neue-blick-nach-china. Deutschland und China reagieren auf KI im Bildungssystem völlig unterschiedlich: Während Deutschland didaktisch denkt, denkt China systemisch und genau darin liegt der eigentliche Unterschied. KI verändert nicht nur Lernen, sondern den Bildungsbegriff selbst. Natürlich lassen sich China und Deutschland politisch und kulturell nur begrenzt vergleichen. Dennoch: Während wir in Deutschland darüber diskutieren, wie KI Unterricht verbessern kann, stellt man in China längst die größere Frage: Wie muss ein Bildungssystem aussehen, das von KI ausgeht?
Tipp: Wenn ein Chat in einem LLM zu lang und damit langsam wird, lasse ich mir eine „Masterzusammenfassung“ machen und kopiere diese in einen neuen Chat und prompte, damit weiterzuarbeiten.

Tipps für den Unterricht
Jan Hartwig hat auf seiner Homepage einen interaktiven „Ideologie-Atlas: Nationalsozialismus“ erstellt: https://hartificial.de/wp-content/uploads/2026/04/ideologie-atlas-nationalsozialismus.html.
Joscha Falck hat elf KI-Bewertungsraster für den Unterricht entwickelt: https://joschafalck.github.io/ki-raster-builder/index.html.

Leseempfehlung
Silke Müller analysiert in ihrem neuen Buch „Schule gegen Kinder“ den Ist-Zustand des deutschen Schulsystems, den sie als „Ruinen-Verwaltung“ bezeichnet und entwirft recht konkret ein mögliches Gegenbild (München 2026).

Hörempfehlung
Heute gibt es nicht nur eine Hörempfehlung. Das „Deutsche Schulportal“ stellt 10 Podcasts rund um Schule und Bildung vor: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/die-zehn-besten-podcasts-rund-um-schule-und-bildung/.

Sehempfehlung
Auf dem YouTube-Kanal von FelloFish kann man alle FelloFish-Foren anschauen: https://www.youtube.com/@FelloFish.  

Veranstaltungsempfehlung
Vom 5. bis 7. Mai findet in Karlsruhe die LEARNTEC statt, laut eigener Auskunft „Europas bedeutendste Fachmesse für digitale Bildung in Schule, Hochschule und Beruf“. Weitere Infos: https://www.learntec.de/de/.
Innovationskongress Oberstufe 2026 vom 18. bis 19. September in Berlin unter dem Titel „Kollaps oder Kurswechsel? Schule im Stresstest“. Anmeldung und Informationen gibt es hier: https://www.buendnis-zukunft-abitur.de/innovationskongress-2026/.

Spaß im Netz
„Geo Guesser“ schickt sie an zufällig ausgewählte Orte bei Google Streetview. Dort kann man sich umschauen und muss dann raten, wo auf der Welt man gelandet ist (Anmeldung erforderlich, free trial möglich): https://www.geoguessr.com/.

Newsletter 25/26-14: 17.04.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

manchmal habe ich das Gefühl, dass wir gerade nicht nur unterrichten – sondern selbst lernen. Und zwar ziemlich viel, ziemlich schnell und oft auch ziemlich gleichzeitig. Künstliche Intelligenz, Social Media, mentale Gesundheit und Leistungsentwicklung sind längst keine Zukunftsthemen mehr, sondern mitten in unserem Schulalltag angekommen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht mehr, ob sich Schule verändert, sondern wie bewusst wir diese Veränderung gestalten. In den letzten Wochen habe ich mich intensiver mit sogenannten adaptiven intelligenten Systemen beschäftigt, also mit KI, die Lernen individuell steuern kann (siehe letzter Newsletter).
Das ist nicht einfach ein weiteres digitales Werkzeug, sondern hat das Potenzial, Schule grundlegend zu verändern. Wenn ein System in der Lage ist, jedem Kind passgenaue Aufgaben zu geben, unmittelbare Rückmeldungen zu liefern und Lernwege dynamisch anzupassen, dann stellt sich eine zentrale Frage: Was ist dann eigentlich noch die Rolle von Schule?
Unsere Antwort darauf ist klar: nicht weniger Schule, sondern eine andere Schule. Eine Schule, in der es weniger um reine Wissensvermittlung geht und mehr um Reflexion, Bewertung und Einordnung. Eine Schule, die stärker auf Beziehung, Orientierung und Verantwortung setzt. Denn genau das sind die Bereiche, in denen menschliches Lernen unersetzlich bleibt.
Gleichzeitig erleben wir im Alltag, und das wird durch zahlreiche Studien gestützt, dass Konzentration schwerer fällt, Konflikte zunehmen und Unsicherheiten wachsen. Das ist kein individuelles Problem einzelner Schülerinnen und Schüler, sondern Ausdruck eines gesellschaftlichen Kontextes, der Schule unmittelbar betrifft. Deshalb gehört es zu unserem Auftrag, nicht nur Lernen zu ermöglichen, sondern auch Menschen zu stärken.
Vor diesem Hintergrund arbeiten wir aktuell intensiv daran, Unterricht weiter zu öffnen und Lernprozesse stärker zu individualisieren. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, aber die Richtung ist klar: mehr selbstständiges Arbeiten, mehr Verantwortung für den eigenen Lernprozess und mehr Raum für unterschiedliche Lernwege. Gleichzeitig bleibt bestehen, dass Schule ein sozialer Ort ist, ein Ort der Begegnung, an dem man nicht nur lernt, was man denkt, sondern wie man denkt.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis in dieser Zeit: Wir müssen nicht auf jede Entwicklung sofort eine perfekte Antwort haben. Aber wir sollten uns bewusst machen, welche Fragen wir stellen wollen. Denn genau darin liegt die Zukunft von Schule.

Ich möchte noch einen weiteren Gedanken teilen und es ist ehrlich gesagt ein heikler: Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte heimlich filmen. Ein aktueller Bericht der britischen Zeitung Daily Mirror (https://www.mirror.co.uk/news/politics/pupils-secretly-recording-videos-teachers-36923252) zeigt, dass solche Aufnahmen nicht nur entstehen, sondern gezielt weiterverbreitet und teilweise sogar mit Hilfe von KI verändert werden. Lehrkräfte werden dabei in falsche Zusammenhänge gestellt, mit erheblichen persönlichen und beruflichen Folgen. Ich beziehe mich hier nicht auf einen konkreten Fall an unserer Schule, sondern aus Gründen der Prävention.
Was hier entsteht, ist mehr als ein „Handyproblem“. Es ist eine neue Qualität von Öffentlichkeit im Klassenzimmer – und gleichzeitig eine neue Form von Unsicherheit.
Denn wir müssen uns klarmachen: Unterricht ist ein geschützter Raum. Ein Raum, in dem Fehler erlaubt sind, in dem ausprobiert wird, in dem auch mal „gerungen“ wird, mit Gedanken, mit Positionen, manchmal auch miteinander. Wenn dieser Raum jederzeit potenziell aufgezeichnet, geteilt und verzerrt dargestellt werden kann, verändert das etwas Grundlegendes.
Nicht nur für Lehrkräfte.
Auch für Schülerinnen und Schüler.
Eine Schule, in der ständig mitgedacht werden muss, ob ein Moment heimlich aufgenommen wird, ist keine gute Lernumgebung.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch einen klaren Appell an Sie als Eltern richten:
Sprechen Sie mit Ihren Kindern über den verantwortungsvollen Umgang mit Smartphones und KI. Machen Sie deutlich, dass heimliches Filmen kein Kavaliersdelikt ist, sondern ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte anderer. Schule kann und wird Regeln setzen, aber die Haltung dazu entsteht vor allem im Elternhaus. Gleichzeitig ist es mir wichtig, auch unser Kollegium für diese Entwicklung zu sensibilisieren – ohne Alarmismus, aber mit der nötigen Klarheit:
Wir bewegen uns in einem veränderten Kontext. Situationen im Unterricht können heute anders wahrgenommen, aufgezeichnet und aus dem Zusammenhang gerissen werden. Das bedeutet nicht, dass wir unseren Unterricht grundlegend verändern oder uns ständig selbst kontrollieren müssen. Aber es bedeutet, dass wir uns dieser Realität bewusst sein sollten. Sprechen Sie mit den Klassen darüber und machen sie den Schülerinnen und Schülern klar, dass wir solches Verhalten keinesfalls tolerieren und es ernsthafte Konsequenzen hat.

Professionelles Handeln, Transparenz und gegenseitige Unterstützung im Kollegium werden damit noch wichtiger.

Am Ende steht eine einfache, aber entscheidende Einsicht: Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch richtig.

Und genau deshalb ist auch das eine zentrale Bildungsaufgabe unserer Zeit.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
„ZDF heute“ über die Studie „Jugend in Deutschland“, die die Unzufriedenheit junger Menschen in Deutschland zeigt. 41% der 14- bis 29-Jährigen können sich vorstellen, künftig lieber in einem anderen Land zu leben: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/jugend-studie-2026-deutschland-100.html. Auch das „Deutsches Schulportal“ berichtet über die Studie: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/stress-schulden-unsicherheit-junge-menschen-blicken-skeptisch-in-die-zukunft/.
Die „Frankfurter Rundschau“ hat Sanem Kleff interviewt, die 25 Jahre „Schule ohne Rassismus“ geleitet hat: https://www.fr.de/panorama/rassistische-vorurteile-werden-viel-ungehemmter-ausgelebt-94236157.html. Die Weibelfeldschule gehört auch dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ an und unterstützt dessen Idee mit einer Arbeitsgemeinschaft und zahlreichen Aktionen.
Im „Wiarda-Blog“ spricht Jan-Martin Wiarda mit dem Soziologen Marc Helbig über den Zusammenhang von Noten, familiärer Unterstützung und sozialer Herkunft: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/03/11/wen-pruefen-lehrkraefte-da-eigentlich-das-kind-oder-die-eltern.

Schulentwicklung
Bei „evido“ ist ein Interview mit Prof. Karlen zum sebstregulierten Lernen veröffentlicht worden: https://evido-magazin.de/artikel/selbstreguliertes-lernen-vom-einzelprojekt-zur-schulkultur. Fazit: Selbstreguliertes Lernen wird erst dann wirksam, wenn es nicht als Projekt, sondern als gemeinsame, langfristige Schulentwicklung verstanden wird.
Auf derselben Plattform ist auch ein Interview mit Prof. Hertwig zum Thema Selbstregulation erschienen: https://evido-magazin.de/artikel/selbstregulation-gegen-kontrollverlust-so-koennen-schulen-auf-dem-weg-zur-digitalen-muendigkeit-unterstuetzen. Fazit: Digitale Bildung ist nicht primär ein Technikthema, sondern ein Selbstregulationsthema: Wer sich nicht selbst steuern kann, verliert im digitalen Raum die Kontrolle.
Auf dem „Deutschen Schulportal“ berichtet Alexandra Mankarios über die Forderung der SWK nach mehr einheitlichen Tests und klareren Standards zur datengestützten Schulentwicklung: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/swk-gutachten-datengestuetzte-schulentwicklungexpertengremium-mehr-einheitliche-tests-fuer-bessere-foerderung-in-der-schule.

Smartphone und Social-Media
Die KI-Übersichten bei Google-Suchen enthalten viele Fehlinformationen, wie „Futurism“ berichtet: https://futurism.com/artificial-intelligence/google-ai-overviews-misinformation.
Klicksafe hat seine Video-Reihen übersichtlicher gestaltet: https://www.klicksafe.de/video-reihen.
Das „Deutsche Schulportal“ hat ein Interview mit der Medienwissenschaftlerin Leonie Alatassi zur TikTok-Nutzung von Jugendlichen geführt. Spoiler: Jugendliche wissen zu wenig über den Algorithmus: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/studie-jugendliche-wissen-zu-wenig-ueber-den-tiktok-algorithmus/.

KI
Spannend! In der PISA-Studie 2029 wird erstmals auch Media- und AI-Literacy von Schülerinnen und Schülern erfasst. D.h. mit PISA 2029 wird erstmals international sichtbar, ob Schule junge Menschen darauf vorbereitet, sich in einer von KI erzeugten Wirklichkeit zu orientieren – oder ob sie lediglich Wissen vermittelt, das längst automatisiert verfügbar ist. Informationen dazu: https://www.zib.education/media-and-artificial-intelligence-mail-bei-pisa-2029/.
„404 Media“ beschäftigt sich mit den afrikanischen Klickworkern, die KI trainieren und beginnen sich zu wehren: https://www.404media.co/ai-is-african-intelligence-the-workers-who-train-ai-are-fighting-back/.
Auf der Seite https://theyseeyourphotos.com/ kann man sehen, welche Informationen KI, in diesem Fall Google Vision, aus Fotos herauslesen. Spoiler: Das ist zwar nicht präzise, zeigt aber anschaulich, was aktuell mit unseren Bilddaten passiert und wie sie kommerzialisiert werden.
Die Plattform https://www.magmamath.com/de ist ein adaptives intelligentes System für den Mathematikunterricht. Sie erlaubt Einblicke in Lernprozesse und unterstützt lernen
individuell.
Bernhard Gmeiner schreibt in seinem Blog bei „Der Standard“ über ein Gespräch mit Barbara Geyer über den Einfluss von KI-Agenten auf Aufgaben und die Folgen. Wenn KI-Agenten nicht nur helfen, sondern lernen an unserer Stelle übernehmen, steht Schule vor einer existenziellen Frage: Nicht mehr, wie wir lernen – sondern warum überhaupt noch.: https://www.derstandard.at/story/3000000314084/die-hausuebung-macht-mein-ki-agent?ref=article.
„t3n“ konstatiert das Ende des KI-Hypes bei der Gen-Z, eine völlig normale Entwicklung. Entscheidend ist nicht, dass junge Menschen KI nicht mehr nutzen – sondern dass sie ihr dabei immer weniger vertrauen.https://t3n.de/news/das-ende-des-hypes-gen-z-verliert-zunehmend-das-vertrauen-in-ki-1737994/.

Tipps für den Unterricht

Das „Deutsche Schulportal“ hat ein Dossier zu datengestützter Diagnose und Förderung zusammengestellt: https://deutsches-schulportal.de/dossiers/datengestuetzte-diagnose-und-foerderung-in-der-schule-aber-wie.
Mit https://bouncy-balls.org/de, kann man den Lärmpegel im Klassenraum visualisieren.

Leseempfehlung
Ben Furman: Lösungsorientiert Schule machen. Wie Unterricht wieder mit mehr Freude gelingt, Heidelberg 2024.
Der finnische Psychiater und Psychotherapeut zeigt anschaulich und praxisnah, wie der Umgang mit Herausforderungen in Schule gelingen kann. Das Buch hat nur 100 Seiten und ist schnell zu lesen.

Hörempfehlung
Mal wieder eine Folge „Psychologie im Klassenzimmer“ Benedikt Wisniewski spricht mit dem Bildungsjournalisten Alexander Brand über dessen Buch „Die Bildungsweltmeister“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/spezial-die-bildungsweltmeister-gespr%C3%A4ch-mit-alexander/id1647804131?i=1000761040380. 

Sehempfehlung
In der Mediathek der ARD gibt es die sehenswerte Doku „Inside Klassenchats“: https://www.ardmediathek.de/video/doku-und-reportage/inside-klassenchats/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtYmUyMTAxMTAtNWViZC00MmNhLWFhYzItZmEzNDZiMTIyMGNh.

Veranstaltungsempfehlung
Vom 5. bis 7. Mai findet in Karlsruhe die LEARNTEC statt, laut eigener Auskunft „Europas bedeutendste Fachmesse für digitale Bildung in Schule, Hochschule und Beruf“. Weitere Infos: https://www.learntec.de/de/.

Spaß im Netz
Wenn Sie mal wieder am Rad drehen (wollen), empfehle ich diese Website: https://www.leduchamp.com/.

Newsletter 25/26-13: 20.03.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

letzten Freitag war ich auf der Didacta, um mich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und weiter zu vernetzen. Zwei Dinge möchte ich besonders hervorheben.

Zum einen waren wir zum dritten Mal in Folge mit einer Schülergruppe vertreten, die selbst eine Präsentation gehalten hat. Dieses Mal ging es darum, wie Schülerinnen und Schüler im Rahmen unseres Reallabors selbst aktiv werden und Schule verändern. Der großartige Vortrag stieß auf entsprechende Resonanz und hat unter anderem zu einer Vernetzung mit dem Reallabor in Leipzig geführt, da bahne sich spannende Kooperationen an. Es ist immer wieder großartig zu sehen, zu was Jugendliche in der Lage sind, wenn man sie nur lässt.

Zum anderen habe ich ein Panel zu Adaptiven Intelligenten Systemen (AIS) besucht. Das „FWU Institut für Film und Bild gGmbh war Veranstalter, teilgenommen haben Prof. Dr. Ulrike Cress (Direktorin Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor Tübingen AI Center), Prof. Dr. Andreas Lachner (Co-Director Tübingen Center for Digital Education), Dr. Wieland Brendel (Forschungsgruppenleiter ELLIS Institute Tübingen), Dr. Almut Steinlein (Projektleiterin AIS am FWU). Moderiert wurde das Panel von Dr. Anika Limburg, Leiterin des Bildungscampus Saarland. Im Panel wurde deutlich:

Mehrfach wurde das disruptive Potenzial eines AIS für Unterricht betont. Es entstehe eine Lehr-Lern-Plattform, die gleichzeitig Lernende individuelle und adaptiv im eigenen Tempo unterstützen soll und Lehrende bei der Lernentwicklung der Lernenden auf dem Laufenden halte. Dadurch könne eine individuelle Förderung gelingen. Das System werde entsprechend mit Curricula etc. trainiert und soll für kommerzielle Anbieter offen sein, natürlich alles konform mit DSGVO und EU-AI-Act. So soll ein offenes, nicht proprietäres lernendes System entstehen, dass den Kindern gerecht werde und Lehrkräfte entlaste, die dann wieder mehr Raum für echte Lernbegleitung bei denen bekämen, die sie nötig haben. Dadurch soll mehr Bildungsgerechtigkeit entstehen. Dafür bedürfe es natürlich auch neuer Unterrichtsformen und Lernräume. Der Gefahr des Deskilling werde durch die Adaptivität und didaktisch elaborierte Sequenzierung vorgebeugt. Ziel seien verstärkte Selbstregulierung und Kompetenzorientierung bei den Lernenden, die mit dem AIS Lernen lernen. Natürlich bedeute das nicht, dass nur noch digital und vereinzelt gelernt werde, sondern eine Ergänzung zur Unterstützung individueller Lernprozesse zur Verfügung gestellt werde, natürlich müsse weiter auch analog und kollaborativ gelernt werden.

Ausgerollt werden soll das System schon nach den Sommerferien in ersten Pilotschulen, im Herbst soll es weiter in die breite gehen und im Winter soll es Fortbildungen für Lehrkräfte geben. Wohlgemerkt: 2026! Ein ambitioniertes Programm, entwickelt von deutschen Institutionen unter dem Dach der FWU. Die zentrale Kompetenz-Schnittstelle bildet das ellis-Institut Tübingen (ELLIS Institute Tübingen). Auf persönliche Nachfrage nach der Verbindlichkeit der Umsetzung wurde mir versichert, dass Schulen freiwillig teilnehmen könnten und man darauf setze, dass der Erfolg des AIS dazu führe, dass alle Schulen nicht darum herum kämen.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite des AIS: https://ais.schule/ und hier: https://www.kmk.org/bildungsministerkonferenz/bildungsthemen/bildung-in-der-digitalen-welt.html (bei „Länderübergreifende Vorhaben“ / „Adaptives Intelligentes System“ (hier erfährt man auch, dass AIS-Chat (durch die Umbenennung im Mai 2026, wird das natürlich offensichtlicher) ein Teilprojekt von AIS ist und dessen weiterbetrieb von dem Fortschritt bei AIS abhängt.) Persönlich bin ich vom disruptiven Potenzial von AIS oder vergleichbaren Tutorsystemen überzeugt, schließlich war es unter anderem der TED-Talk von Sal Khan zu Khanmigo im April 2023, der mich zur intensiven Beschäftigung mit KI gebracht hat. Schon Benjamin Bloom (ja, das ist der mit den Taxonomien) hat ja 1984 erforscht, dass individuelle Unterstützung Lernende um zwei Notenstufen besser machen kann. Ohne KI war es natürlich nicht denkbar, jedem und jeder Lernenden eine Lehrkraft zur Verfügung zu stellen. Bloom nannte das das „2-Sigma-Problem“. KI hat jetzt das Potenzial, dieses Problem zu lösen. Wenn es denn gut gemacht wird.

Ich sehe aktuell zwei Schwierigkeiten. Bisher haben es staatliche/halbstaatliche Unternehmungen eher nicht geschafft, sinnvolle digitale Systeme zu etablieren (vgl. Logineo, AIS-Chat mit Einschränkungen). Und, zweitens, habe ich meine Zweifel, ob eine freiwillige Implementierung in den Schulen funktionieren kann. Wir sehen aktuell bei der Implementierung von KI-Anwendungen in Unterricht und Lehre schon einen wachsenden digital-divide, weil viele Schulen und Lehrkräfte sich schlicht nicht damit beschäftigen. Ähnliches können wir bei der Anwendung von digitalen Tafeln oder Tabletts im Unterricht beobachten. Ähnliches konnte ich auch schon bei der Einführung der Kompetenzorientierung in den 2010er Jahren beobachten, damals mussten sich Lehrkräfte zwar fortbilden lassen, haben das zum Teil aber nur halbherzig getan und wenig umgesetzt. Da ist es wieder, das Implementierungsproblem in der deutschen Bildungslandschaft. Ich plädiere daher für eine deutlich verbindlichere Umsetzung im Rahmen strukturierter Schulentwicklungsprogramme mit entsprechenden Entlastungen (Pilotierung, Begleitforschung, Fortbildung), um eine weitere Heterogenisierung der deutschen Bildungslandschaft zu verhindern und das Potenzial von AIS zur Stärkung der Bildungsgerechtigkeit zu nutzen. Außerdem plädiere ich für ein starkes europäisches System in Kooperation mit etablierten und neuen Stakeholdern auf dem europäischen Bildungsmarkt, um weiteren Einfluss von US-Big-Tech oder chinesischen Anbietern auf dem europäischen Bildungsmarkt zu verhindern.

AIS könnte das wichtigste schulische Infrastrukturprojekt seit Einführung der Schulpflicht werden, wenn Deutschland diesmal das Implementierungsproblem löst.

Funfact für alle KI-Skeptiker, besonders für Mathe: In Schweden gibt es ein gut funktionierendes AIS für Mathematik: Magma Math, auch das war auf der Didacta zu sehen: https://www.magmamath.com/de.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:Interessantes
„Medium“ zum 2-Sigma-Problem: https://medium.com/@lern360_official/the-2-sigma-problem-was-never-about-teaching-it-was-about-scale-80c846b3e5b5.
Die Bosch Stiftung hat das „Deutsche Schulbarometer 2026“ zu Schülerinnen und Schülern veröffentlicht, hier gibt es eine Zusammenfassung auf dem „Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/deutsches-schulbarometer-schuelerbefragung-2026-die-wichtigsten-ergebnisse/. Die ganze Studie gibt es hier: https://www.bosch-stiftung.de/de/publikation/deutsches-schulbarometer-befragung-schuelerinnen. Spoiler: Es ist nicht besser geworden.
Ulrike Linz bloggt zu Deep Skills im Zeitalter von KI. Deep Skills sind die tiefen, menschlichen Fähigkeiten wie Selbstregulation, Empathie und Reflexion, die im Zeitalter von KI besonders wichtig werden und durch sinnvolle Lernräume statt durch reines Training entstehen: https://linzspiration.de/deep-skills/.
Eine Studie des „LIfBi“ hat eine umfangreiche Studie zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungsungleichheit veröffentlicht: https://www.lifbi.de/de-de/Start/Aktuelles-Medien/Neuigkeiten/details/gleiche-leistung-ungleiche-chancen.
Die Uni Hildesheim hat die JuCo V-Studie zum Wohlbefinden Jugendlicher und junger Erwachsener in Krisenzeiten in Krisenzeiten veröffentlicht: https://hilpub.uni-hildesheim.de/server/api/core/bitstreams/b79bd9ec-5bde-46e3-b657-f42e27224a97/content.

Schulentwicklung
In einem Interviews für das „Deutsche Schulportal“ erklärt die US-Bildungsforscherin und Autorin Julia Freeland Fisher, „Warum Schulen Jugendliche auch beim Netzwerken unterstützen sollten“: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/vitamin-b-warum-schulen-jugendliche-auch-beim-netzwerken-unterstuetzen-sollten/.

Smartphone und Social-Media
Die NZZ zeigt, wie man Soziale Medien technisch besser gestalten könnte und dass diese Möglichkeiten den Tech-Firmen durchaus bewusst sind. Das Problem ist, dass sie Gewinne schmälern würden: https://www.nzz.ch/technologie/zehn-ideen-fuer-bessere-soziale-netzwerke-die-tech-firmen-verschwiegen-haben-ld.1926585.
Im aktuellen Newsletter von Smartphone-Coach Andrea Bugl-Aigner gehet es um die Manosphere; mit interessanten Links (vgl. letzten Newsletter): https://9etqr.r.a.d.sendibm1.com/mk/mr/sh/OycXxko2a8zXNsWPDzlZCDgb/i_thqfETzt8o.

KI
Joscha Falck hat sich von KI-Agenten ein Escape-Game bauen lassen, wie kann man hier nachlesen: https://joschafalck.de/archiv-45/.
Kling zeigt hier eindrücklich, was KI im Bereich Film mittlerweile möglich macht: https://www.youtube.com/watch?v=eZeZ7EM1GY0.
Die „Initiative digitale Bildungschancen“ hat ein Diskussionspapier zum Einsatz von KI in Schulen entwickelt: https://cloud.medienzentrum.rocks/s/G8e5fsDReryDpK5?dir=/&editing=false&openfile=true.

Tipps für den Unterricht
Auf https://politiktest.de/ kann man testen wie stark politische Einstellungen mit populistischem Denken zu tun haben.
Der Psychologe und Bildungsforscher Manfred Holodynski erklärt in einem Interview mit dem „Deutschen Schulportal“, warum Classroom Management so zentral für die Unterrichtsqualität ist, welche Fehler Lehrkräfte vermeiden sollten und wie eine bessere Ausbildung Abhilfe schaffen könnte: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/wir-haben-ein-massives-problem-mit-classroom-management/.

Leseempfehlung
Leonard Sommer: Wenn Schule auf Ideen bringt, München 2023. Eine wundervolle Sammlung mit Ideen aus der Schulpraxis.

Hörempfehlung
Ferdinand Stebner bei WDR 5 über selbstreguliertes Lernen: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:section:42b966c64cd83570/.
Ich gestatte mir mal etwas Eigenwerbung. Hannes Kannes hat einen Podcast mit mir aufgenommen: https://www.youtube.com/watch?v=PCMCbpLc_TQ bei Youtube. Wer es ohne Bild mag, wird hier fündig: https://open.spotify.com/episode/4GgqCyJmZMNB2NwiuqL6IG. .

Sehempfehlung
Aktuell keine, wem langweilig ist empfehle ich aber gerne „Treibhäuser der Zukunft“ oder Clips mit Ken Robinson auf YouTube.

Veranstaltungsempfehlung
Aktuell keine, natürlich Bob Blume am 23.09. im Bürgerhaus.Spaß im Netz
Heute gibt es mal eine Website, die sie per Zufallsgenerator auf unnütze Seiten bringt: https://theuselessweb.com/.   

Blog 2026-04: Die Disruption durch Adaptive Intelligente Systeme

Bild: ChatGPT

Mich hat auf der Didacta 2026 ein Aspekt besonders beschäftigt. Ich habe dort ein Panel zu Adaptiven Intelligenten Systemen (AIS) besucht. Das „FWU Institut für Film und Bild gGmbh war Veranstalter, teilgenommen haben Prof. Dr. Ulrike Cress (Direktorin Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor Tübingen AI Center), Prof. Dr. Andreas Lachner (Co-Director Tübingen Center for Digital Education), Dr. Wieland Brendel (Forschungsgruppenleiter ELLIS Institute Tübingen), Dr. Almut Steinlein (Projektleiterin AIS am FWU). Moderiert wurde das Panel von Dr. Anika Limburg, Leiterin des Bildungscampus Saarland. Im Panel wurde deutlich:

Mehrfach wurde das disruptive Potenzial eines AIS für Unterricht betont. Es entstehe eine Lehr-Lern-Plattform, die gleichzeitig Lernende individuell und adaptiv im eigenen Tempo unterstützen soll und Lehrende bei der Lernentwicklung der Lernenden auf dem Laufenden halte. Dadurch könne eine individuelle Förderung gelingen. Das System werde entsprechend mit Curricula etc. trainiert und soll für kommerzielle Anbieter offen sein, natürlich alles konform mit DSGVO und EU-AI-Act. So soll ein offenes, nicht proprietäres lernendes System entstehen, dass den Kindern gerecht werde und Lehrkräfte entlaste, die dann wieder mehr Raum für echte Lernbegleitung bei den Lernenden bekämen, die sie nötig haben. Dadurch soll mehr Bildungsgerechtigkeit entstehen. Dafür bedürfe es natürlich auch neuer Unterrichtsformen und Lernräume. Der Gefahr des Deskilling werde durch die Adaptivität und didaktisch elaborierte Sequenzierung vorgebeugt. Ziel seien verstärkte Selbstregulierung und Kompetenzorientierung bei den Lernenden, die mit dem AIS Lernen lernen. Natürlich bedeute das nicht, dass nur noch digital und vereinzelt gelernt werde, sondern eine Ergänzung zur Unterstützung individueller Lernprozesse zur Verfügung gestellt werde; natürlich müsse weiter auch analog und kollaborativ gelernt werden.

Ausgerollt werden soll das System schon nach den Sommerferien in ersten Pilotschulen, im Herbst soll es weiter in die breite gehen und im Winter soll es Fortbildungen für Lehrkräfte geben. Wohlgemerkt: 2026! Ein ambitioniertes Programm, entwickelt von deutschen Institutionen unter dem Dach der FWU. Die zentrale Kompetenz-Schnittstelle bildet des ellis-Institut Tübingen (ELLIS Institute Tübingen). Auf persönliche Nachfrage nach der Verbindlichkeit der Umsetzung wurde mir versichert, dass Schulen freiwillig teilnehmen könnten und man darauf setze, dass der Erfolg des AIS dazu führe, dass alle Schulen nicht darum herum kämen.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite des AIS: https://ais.schule/ und hier: https://www.kmk.org/bildungsministerkonferenz/bildungsthemen/bildung-in-der-digitalen-welt.html (bei „Länderübergreifende Vorhaben“ / „Adaptives Intelligentes System“. Hier erfährt man auch, dass telli ein Teilprojekt von AIS ist und dessen weiterbetrieb von dem Fortschritt bei AIS abhängt.) Persönlich bin ich vom disruptiven Potenzial von AIS oder vergleichbaren Tutorsystemen überzeugt, schließlich war es unter anderem der TED-Talk von Sal Khan zu Khanmigo im April 2023, der mich zur intensiven Beschäftigung mit KI gebracht hat. Schon Benjamin Bloom (ja, das ist der mit den Taxonomien) hat ja 1984 erforscht, dass individuelle Unterstützung Lernende um zwei Notenstufen besser machen kann. Ohne KI war es natürlich nicht denkbar, jedem und jeder Lernenden eine Lehrkraft zur Verfügung zu stellen. Bloom nannte das das „2-Sigma-Problem“. KI hat jetzt das Potenzial, dieses Problem zu lösen. Wenn es denn gut gemacht wird.

Ich sehe aktuell zwei Schwierigkeiten. Bisher haben es staatliche/halbstaatliche Unternehmungen eher nicht geschafft, sinnvolle digitale Systeme zu etablieren (vgl. Logineo, telli mit Einschränkungen). Und, zweitens, habe ich meine Zweifel, ob eine freiwillige Implementierung in den Schulen funktionieren kann. Wir sehen aktuell bei der Implementierung von KI-Anwendungen in Unterricht und Lehre schon einen wachsenden digital-divide, weil viele Schulen und Lehrkräfte sich schlicht nicht damit beschäftigen. Ähnliches können wir bei der Anwendung von digitalen Tafeln oder Tablets im Unterricht beobachten. Ähnliches konnte ich auch schon bei der Einführung der Kompetenzorientierung in den 2010er Jahren beobachten, damals mussten sich Lehrkräfte zwar fortbilden lassen, haben das zum Teil nur widerwillig getan und nichts umgesetzt. Da ist es wieder, das Implementierungsproblem in der deutschen Bildungslandschaft. Ich plädiere daher für eine deutlich verbindlichere Umsetzung im Rahmen strukturierter Schulentwicklungsprogramme (Pilotierung, Begleitforschung, Fortbildung), um eine weitere Heterogenisierung der deutschen Bildungslandschaft zu verhindern und das Potenzial von AIS zur Stärkung der Bildungsgerechtigkeit zu nutzen. Außerdem plädiere ich für ein starkes europäisches System in Kooperation mit etablierten und neuen Stakeholdern auf dem europäischen Bildungsmarkt, um weiteren Einfluss von US-Big-Tech oder chinesischen Anbietern auf dem europäischen Bildungsmarkt zu verhindern.

AIS könnte das wichtigste schulische Infrastrukturprojekt seit Einführung der Schulpflicht werden, wenn Deutschland diesmal das Implementierungsproblem löst.

Funfact für alle KI-Skeptiker, besonders für Mathe: In Schweden gibt es ein gut funktionierendes AIS für Mathematik: Magma Math, auch das war auf der Didacta zu sehen: https://www.magmamath.com/de.

Ergänzung vom 04.04.2026:
Bei aller berechtigten Faszination für das Potenzial Adaptiver Intelligenter Systeme lohnt sich ein Blick auf die Bedingungen, unter denen diese Systeme entstehen. KI ist kein rein technologisches Produkt, sondern basiert in weiten Teilen auf menschlicher Arbeit, häufig ausgelagert in den Globalen Süden. Tausende sogenannte Data Labeler trainieren, überprüfen und moderieren Inhalte, oft unter prekären Bedingungen und mit hoher psychischer Belastung. Die „Intelligenz“ der Systeme ist damit nicht nur künstlich, sondern auch sozial produziert.

Diese Perspektive verändert den Blick auf KI grundlegend: Wenn Bildungssysteme künftig verstärkt auf solche Technologien setzen, greifen sie zugleich auf globale Arbeitsstrukturen zurück, die bislang weitgehend unsichtbar bleiben. Die Frage nach der didaktischen Integration von KI muss daher ergänzt werden um eine zweite: Unter welchen Bedingungen entsteht diese Technologie, und welche Verantwortung tragen wir als Bildungssystem in ihrer Nutzung?

Wer über Bildungsgerechtigkeit im Kontext von KI spricht, darf deshalb nicht nur die Wirkung im Klassenzimmer betrachten, sondern muss auch die Produktionsbedingungen im Blick behalten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass eine Technologie, die im Inneren auf Ungleichheit basiert, nach außen als Lösung für eben diese Ungleichheit erscheint.