Newsletter 25/26-16: 13.05.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich habe am letzten Wochenende den Entwurf „Navigating an Evolving digital World“ der OECD für die nächste PISA-Studie 2029 gelesen, der für mich ein starkes Indiz für die Veränderung von Bildung ist und über den ich gerne hier berichten will. (Den Entwurf finden Sie hier: https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/about/projects/edu/the-pisa-2029-media-and-artificial-intelligence-(mail)-assessment-will-shed-light-on-whether-young-students-have-had-opportunities-to-learn-and-to-engage-proactively-and-critically-in-a-world-where-production,-participation,-and-social-networking-are-increasingly-mediated-by-digital-and-ai-tools-/PISA%202029%20MAIL%20Assessment%20Framework%20First%20Draft.pdf).

Leider habe ich im ursprünglichen Newsletter einen falschen Link zu der Draft-Version des OECD-Papiers zu PISA-2029 versendet. Doris Weßels hat mich dankenswerterweise darauf hingewiesen.
Der Link wurde korrigiert. Ich bitte um Entschuldigung. Wobei das ursprünglich verlinkte Papier durchaus auch interessant ist. Es zeigt, dass digitale und KI-Transformation immer weniger als reine Technologiefrage verstanden werden, sondern zunehmend als Herausforderung gesellschaftlicher Handlungs-, Steuerungs- und Orientierungsfähigkeit. Ursprünglicher Link: https://www.oecd.org/en/publications/the-oecd-going-digital-integrated-policy-framework-2026_0254ae07-en.html.


Der Entwurf markiert, nach meiner Einschätzung, einen bemerkenswerten Wendepunkt in der bildungspolitischen Diskussion. Mit „Media and Artificial Intelligence Literacy“ (MAIL) wird erstmals systematisch auch in den Blick genommen, ob Schülerinnen und Schüler sich in einer durch Medien, Plattformen und KI geprägten Wirklichkeit orientieren können und nicht nur, ob sie Wissen reproduzieren.
Das verweist auf eine tiefere Verschiebung. Lange Zeit bestand die zentrale Herausforderung von Schule darin, Zugang zu Wissen zu ermöglichen. Heute ist Wissen jederzeit verfügbar und zunehmend auch synthetisch erzeugt. Texte, Bilder und Argumente können von KI-Systemen generiert werden. Damit verändert sich die Bildungsfrage grundlegend: Nicht mehr der Zugang zu Information ist entscheidend, sondern die Fähigkeit, diese Information zu prüfen, einzuordnen und verantwortungsvoll zu nutzen.
Genau hier setzt das MAIL-Konzept an. Es beschreibt Kompetenzen wie das kritische Bewerten von Inhalten, das Erkennen von Manipulation und algorithmischen Verzerrungen sowie den reflektierten Umgang mit KI. Dahinter steht jedoch mehr als ein neuer Kompetenzbereich. Es ist eine Verschiebung des Bildungsverständnisses weg von der reinen Wissensaneignung hin zur Entwicklung von Urteilsfähigkeit.
Diese Entwicklung stellt zugleich die klassische Logik von Schule infrage. Über lange Zeit folgte Lernen einem relativ stabilen Muster: Aufgabe → Bearbeitung → Ergebnis → Lernen. Doch wenn KI-Aufgaben übernehmen und Ergebnisse erzeugen kann, verliert diese Logik an Eindeutigkeit. Die entscheidende Frage wird dann: Was bedeutet Lernen noch, wenn Ergebnisse nicht mehr zwingend an eigene kognitive Anstrengung gebunden sind?
Der OECD-Entwurf reagiert darauf, indem er weniger das Ergebnis als vielmehr den Umgang mit Information und Entscheidungssituationen in den Mittelpunkt stellt. PISA 2029 will diese Kompetenzen daher zunehmend in simulationsbasierten, digitalen Szenarien erfassen. Schülerinnen und Schüler sollen sich in komplexen Informationsumgebungen orientieren, Quellen bewerten und begründete Entscheidungen treffen. Damit wird anerkannt, dass die Lebenswelt, auf die Schule vorbereitet, selbst digital vermittelt ist.
Für Schule ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: KI ist kein Zusatzthema, das man in bestehende Strukturen integrieren kann. Sie verändert die Bedingungen von Lernen selbst. Wenn Informationen jederzeit verfügbar sind und KI als kognitiver Partner agiert, gewinnen andere Fähigkeiten an Bedeutung, insbesondere kritisches Denken, Reflexionsfähigkeit und ethisches Urteilsvermögen.
In diesem Sinne liegt die eigentliche Bedeutung von PISA 2029 weniger in der Einführung eines neuen Testbereichs als in der impliziten Neubestimmung von Bildung. Die zentrale Frage lautet nicht mehr: „Wie bringen wir KI in die Schule?“ Sondern: „Welche Form von Bildung braucht eine Gesellschaft, in der Wissen zunehmend durch KI erzeugt und vermittelt wird?“
Die Antwort, die sich im MAIL-Ansatz andeutet, ist klar: Urteilsfähigkeit wird zur Schlüsselkompetenz der Zukunft. Wir sind an der Weibelfeldschule recht weit und offen im Umgang mit KI, wir haben schon lange Schullizenzen für die Plattformen fobizz und Fellofish, mit denen die Lernenden datenschutzkonform mit LLMs arbeiten können, wir werden demnächst Schooltogo testen, ein weiteres KI-Tool und sind mit einigen Kolleginnen und Kollegen in ein weiteres spannendes Testprogramm eingebunden; dazu zu gegebener Zeit mehr.
Natürlich steht bei uns auch der Chatbot AIS-Chat zur Verfügung, der uns vom Land Hessen bereitgestellt wird und ich bin gespannt, was die Adaptiven Intelligenten Systeme (vgl. den vorletzten Newsletter vom 20.03.26) bringen werden.
Die Vorbereitungen auf die PISA-Studie 2029 zeigen, dass KI im Bildungssystem angekommen ist und wir uns weiter damit auseinandersetzen müssen. Natürlich ist da noch Luft nach oben, aber wir befinden uns auch erst seit zwei oder drei Jahren in der Situation, dass KI im Bildungssystem sichtbar geworden ist. Wir hatten an der Weibelfeldschule bereits 2024 einen Pädagogischen Tag mit dem Schwerpunkt KI- und Medienbildung, wir bieten immer wieder kleine Fortbildungssnacks oder Sessions im Rahmen des Bar-Dienstag an und werden das Thema sicher weiter auf der Agenda haben. Im letzten Newsletter habe ich geschrieben: „Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher angekommen“. Und das muss unser Antrieb sein, sich weiter mit diesem Thema auseinandersetzen, denn Schule gehört schließlich auch zum Alltag unserer Kinder.
„Telepolis“ ordnet den Standpunkt der OECD etwas weitergehend ein: https://www.telepolis.de/article/KI-im-Klassenzimmer-EU-und-OECD-treiben-die-Wende-voran-11165773.html.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Fobizz gibt es jetzt auch als App: https://fobizz.com/de/app/.
Udo Beckmann schreibt, leider ohne konkret zu werden, über das wichtige Thema der Deimplementierung im „Deutschen Schulportal“: https://www.news4teachers.de/2026/05/weniger-ist-mehr-warum-schulleitungen-den-mut-brauchen-bewusst-zu-verzichten/.
Das „Deutsche Schulportal“ beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen der geplanten Schüler-ID: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/schueler-id-was-ist-geplant-welche-chancen-und-risiken-gibt-es/.
Die Bundesregierung plant wohl Einsparungen bei Schulbegleitungen, Bericht aus dem „Merkur“: https://www.merkur.de/bayern/immer-mehr-kinder-brauchen-hilfe-um-die-schule-zu-bewaeltigen-94290236.html. Auch die Zeitschrift „Eltern“ beschäftigt sich mit dem Thema: https://www.eltern.de/schulkind/aus-fuer-die-schulbegleitung–das-ist-fuer-2028-geplant-14071314.html.

Schulentwicklung
Die großartige Astrid Kalantzis hat eine Video-Präsentation zum Thema „Schule darf gut tun – 7 Impulse für eine Grundschule, in der sich alle wohlfühlen“ veröffentlicht. Hier kann man sich kostenlos registrieren und die Präsentation ansehen: https://alfima.com/schulleiterin_mitvision/schule-darf-gut-tun-7-impulse-fur-eine-grundschule-in-der-sich-alle-wohlfuhlen?utm_content=link_in_bio&utm_medium=social&utm_source=ig.
Alexander Brand (siehe auch Hörempfehlung, die Empfehlung seines Buches kommt, wenn ich damit durch bin) hat sich beim „Deutschen Schulportal“ mit professionellen Lerngemeinschaften auseinandergesetzt: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/professionelle-lerngemeinschaften-wie-lehrkraefte-gemeinsam-unterricht-erproben/. Guter Unterricht entsteht nicht allein, sondern durch gemeinsame, systematische Weiterentwicklung im Kollegium.
Der „UNESCO Courier“ hat einen spannenden Beitrag zur Reduzierung digitaler Endgeräte in Schweden veröffentlich: https://courier.unesco.org/en/articles/sweden-unmet-promises-digital-classroom. Digitalisierung darf nicht als Selbstzweck verfolgt werden, sondern muss konsequent in eine starke Lernkultur eingebettet sein, mit klaren Regeln, verbindlichem Classroom Management und gezielter Förderung von Selbstregulation als eigentlichem Schlüssel für erfolgreiches Lernen. Die Zukunft der Schule entscheidet sich nicht an der Frage „digital oder analog“, sondern an der Qualität der Lernprozesse.

Smartphone und Social-Media
Der Schweizer „Tagesanzeiger“ berichtet über eine Studie, die keinen Zusammenhang zwischen Handynutzung und schlechteren Noten gefunden haben soll: https://www.tagesanzeiger.ch/handyverbot-an-schulen-us-studie-findet-kaum-verbesserungen-971214388721.

KI
„Futurism“ berichtet über eine spannende Gallup-Studie: https://futurism.com/artificial-intelligence/gen-z-attitude-ai. Gen-Z ist kritischer gegenüber KI als wir glauben. Vielleicht ist die eigentliche Bildungsfrage der KI-Ära nicht, wie wir KI in Schule integrieren, sondern wie Schule Menschen davor bewahrt, das eigene Denken an KI zu delegieren.
Die Vodafone Stiftung hat ein Policy Paper des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen veröffentlicht: Künstliche Intelligenz (KI) kann Lernprozesse wirksam unterstützen, birgt aber zugleich das Risiko von Kompetenzverlusten. Das Paper gibt es hier: https://www.vodafone-stiftung.de/ki-in-der-bildung-abhaengigkeit-zu-handlungsfaehigkeit/. Die vielleicht entscheidende Bildungsfrage im KI-Zeitalter ist imho nicht, ob Schüler und Schülerinnen KI nutzen, sondern ob sie dabei die Kontrolle über ihr eigenes Denken behalten.
Auch der „UNESCO Courier“ beschäftigt sich mit Fragen zu KI und Bildung und hält lesenswerte Artikel bereit: https://courier.unesco.org/en/latest.
Im Anschluss an den letzten Newsletter ist dieser Artikel von „telepolis“ interessant: https://www.telepolis.de/article/Die-Hausaufgaben-Falle-Wie-Schueler-sich-mit-KI-selbst-schaden-11163648.html.
Rechtliche Aspekte zu KI in der Bildung werden in einem FAQ von „iRIGHTS“ zusammengetragen: https://irights.info/artikel/ki-faq/32822.

Tipps für den Unterricht
Das „Deutsche Schulportal“ berichtet aus den Ergebnissen des US-Pädagogen Doug Lemov (siehe Buchempfehlung) zur Fehlerkultur im Unterricht: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/fehler-willkommen-drei-strategien-fuer-eine-bessere-fehlerkultur-im-unterricht/.

Leseempfehlung
Doug Lemov: Unterrichte wie ein Champion, 63 Techniken, die Schüler zum Lernen bringen, Weinheim 2023. Zu dem Buch gibt es über 100 Videos, in denen die Techniken in der Praxis gezeigt werden; wirklich hilfreich für Einsteiger im Lehrberuf, aber auch für Profis sicher hilfreich.

Hörempfehlung
Podcast von Benedikt Wisniewski mit Alexander Brand über dessen neues Buch „Die Bildungsweltmeister“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/spezial-die-bildungsweltmeister-gespr%C3%A4ch-mit-alexander/id1647804131?i=1000761040380.

Sehempfehlung
DAS HMKB veranstaltet aktuell eine Online-Vortragsreihe zu „Strategien zum Umgang mit externalisierenden Verhaltensweisen“, die Aufzeichnung der zweiten Veranstaltung mit der Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Dr. Martina Dort finde ich sehenswert: https://kultus.hessen.de/video/psychische-auffaelligkeiten-im-schulalltag-sicher-handeln.  

Veranstaltungsempfehlung
Großes Online- KI-Barcamp der TU-Dortmund mit vielen wichtigen Partnern und renommierten Expertinnen und Experten (u.a. mit Keynotes von Doris Weßels und Martin Fugmann) und drei Sessionschienen. Hier geht es zur Anmeldung: https://dapf.zhb.tu-dortmund.de/ki-barcamp/. Ich bin angemeldet.

Spaß im Netz
https://endedesinternets.de/.

Blog 2026-05: Schule in Gramscis „Interregnum“: Was wir jetzt lernen müssen

Bild: ChatGPT.

Der italienische Schriftsteller, Journalist, Politiker und marxistische Philosoph Antonio Gramsci (https://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Gramsci) wird gerne mit folgenden Worten aus seinen „Gefängnisheften“ zitiert:
“Die alte Welt liegt im Sterben und die neue Welt kämpft darum, zum Leben zu erwachen: momentan ist die Zeit der Monster.” Eine bessere Übersetzung lautet allerdings: „Die Krise besteht gerade in der Tatsache, dass das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann: in diesem Interregnum kommt es zu den unterschiedlichsten Krankheitserscheinungen.“ (Gefängnishefte, H. 3, §34, 354f.)

Natürlich taugt ein italienischer Kommunist aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts nur begrenzt für Überlegungen zur Gegenwart, sein Einfluss auf moderne Philosophie und Politikwissenschaft darf aber auch nicht unterschätzt werden. Er gilt für manche Aktivisten der Linken, aber auch der Rechten, noch immer als Vordenker, besonders, wenn es um kulturelle und gesellschaftliche Hegemonievorstellung geht. Mir dient sein Zitat hier als Einstieg zu ein paar Überlegungen, die mich aktuell beschäftigen.

Gramsci selbst hat keine klassische Bildungstheorie formuliert, aber seine Überlegungen zur kulturellen Hegemonie machen deutlich, dass Bildung nie neutral ist. Schule ist für ihn ein zentraler Ort, an dem sich entscheidet, ob das „Alte“ weiter reproduziert wird oder ob Menschen befähigt werden, das „Neue“ überhaupt denken zu können. Bildung ist damit nicht bloß Wissensvermittlung, sondern Teil genau jenes Interregnums, das er beschreibt: ein Raum, in dem sich Weltbilder stabilisieren oder verschieben. Vielleicht lassen sich Gramscis Theoriekonstrukte für Bildung auf eine einfache, unbequeme Formel bringen: Schule ist nie nur Schule. Sie ist immer auch ein Ort der Hegemonie. Oder konkreter: ein Ort, an dem entschieden wird, was als „vernünftig“, „wichtig“ und „denkbar“ gilt. Im Interregnum, von dem er spricht, wird genau das brüchig und damit wird Bildung plötzlich wieder politisch.

Wir erleben aktuell so ein „Interregnum“, eine Zwischenzeit, im Sinne Gramscis. Wir handeln gerade aus, ob das „Alte“ weiter reproduziert wird oder das „Neue“ sich Bahn bricht. Nicht nur in Schule, sondern auf nahezu allen Ebenen, politisch, gesellschaftlich, wissenschaftlich und in unserem Bildungssystem. Wir erleben die oben zitierten „Krankheitserscheinungen“: unerklärliche Kriege, Wissenschaftsskepsis, ideologische Zuspitzung und gesellschaftliche Spaltung. Bereits in meinem zweiten Newsletter vom 29.09.2023 (https://www.schulmun.de/2023/10/24/newsletter-02-29-09-2023/) hatte ich vom Modell der „VUCA-Welt“ geschrieben, welches schon in den 1990er Jahren einen Erklärungsversuch für sich rasant wandelnde Zeiten darstellte. Seit 2020 wird der VUCA-Begriff zunehmend vom Konstrukt der BANI-Welt abgelöst (https://de.wikipedia.org/wiki/BANI). Wenn Gramsci das Interregnum als eine Zeit beschreibt, in der das „Alte“ stirbt und das „Neue“ noch nicht zur Welt kommen kann, dann scheint mir das heute erstaunlich aktuell. Lange wurde dieser Zustand mit „VUCA“ beschrieben, einer Welt, die unsicher und komplex, aber grundsätzlich noch verstehbar ist.

Inzwischen deutet sich eine Verschiebung an. Mit dem vom Zukunftsforscher Jamais Cascio geprägten Begriff „BANI“ wird eine Realität beschrieben, die nicht nur unsicher, sondern brüchig, nicht-linear und zunehmend unverständlich ist. Während „VUCA“ uns gelehrt hat, mit einer komplexen Welt umzugehen, zwingt uns „BANI“, mit einer Welt umzugehen, die sich zunehmend unserem Verstehen entzieht. Damit rückt auch Bildung, als Reproduktionselement von Hegemonie und Macht im Sinne Gramscis, neu ins Zentrum: Wenn Orientierung selbst fragil und brüchig wird, entscheidet sich in der Schule, ob wir diese Unübersichtlichkeit nur verwalten oder ob wir lehren und lernen, sie überhaupt noch zu durchdringen und mit ihr umzugehen.

In der Bildung wird gerade um kulturelle Hegemonie „gekämpft“. Ist das gegliederte Schulsystem mit früher Selektion noch zeitgemäß oder brauchen wir völlig neue Formen für Schule und Lernen? Wir befinden uns also auch hier in einem „Interregnum“, der Ausgang ist offen. Ich bin davon überzeugt, dass wir einen tiefgreifenden Wandel erleben, das „Alte“ ist am Sterben, weil es für die Herausforderungen unserer Zeit zunehmend an Grenzen stößt. Studien (PISA etc.) zeigen, dass das alte System nicht in der Lage ist die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler zu erhalten, geschweige denn zu verbessern. Digitalität beschleunigt die Erosion schon seit der Verbreitung des Internets in den 1990er Jahren und mit den sozialen Medien in den 2000er Jahren. In den 2010er Jahren werden das Internet und soziale Medien überall und jederzeit verfügbar. KI beschleunigt diesen Prozess in den 2020er Jahren und wird in den nächsten Jahren noch größeren Einfluss erlangen. Adaptive Intelligente Systeme werden Lernen individualisieren und somit die Leistungsfähigkeit steigern (vgl. https://www.schulmun.de/2026/03/15/blog-2026-04-die-disruption-durch-adaptive-intelligente-systeme/). Für die nächsten Jahre prognostiziert Jim Fan von NVIDIA die Verschmelzung von KI und Robotik (https://www.youtube.com/watch?v=3Y8aq_ofEVs,). Wenn dann selbst das menschliche Handeln zunehmend automatisierbar wird, verschärft sich die Lage weiter. Fan beschreibt Robotik als nächsten Schritt derselben Entwicklung, die wir von Sprachmodellen kennen, mit dem Unterschied, dass es nun nicht mehr um Texte, sondern um die physische Welt geht. Damit gerät nicht nur das Denken, sondern auch das Tun unter den Vorbehalt von KI. Was bislang wie eine kognitive Herausforderung erschien, bekommt eine physische Dimension. Wenn die Logik der Sprachmodelle auf die Welt selbst übergreift, dann betrifft die Verschiebung nicht mehr nur das Denken, sondern das Handeln insgesamt. Dann stellt sich die Frage nach dem Sinn von Lernen und Schule umso heftiger. Wenn KI-Modelle jetzt schon das Denken bedrohen, was bedeutet es dann, wenn „intelligente“ Roboter, mit den gleichen motorischen Fähigkeiten wie Menschen praktisch all unsere Arbeiten erledigen können?

In den nächsten Jahren entscheidet sich, ob sich die „Krankheitserscheinungen“ als vorübergehend und heilbar erweisen oder ob wirklich eine „Zeit der Monster“ anbricht.

Entscheidend wird dabei sein, wie wir Schule in die nahe Zukunft denken. Gelingt es uns dort „Krankheitserscheinungen“ zu heilen, indem wir den Kindern und Jugendlichen die Fähigkeiten vermitteln, die sie brauchen um in einer „BANI-Welt“ zu bestehen? Das heißt Resilienz gegenüber beschleunigten Veränderungen, Solidarität mit Mensch und Planet, Grundlagenwissen über und im Umgang mit Digitalität, Salutogenese, Medien- und KI-Literacy und Lust an der eigenen intellektuellen Entfaltung und Kreativität müssen in den Vordergrund rücken und zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden. Wir müssen in Schule und Gesellschaft endlich anfangen einen Diskurs über die aktive Gestaltung unserer Zukunft zu führen. Das wird nicht leicht und es wird mit ungemütlichen Veränderungen einhergehen, aber es lohnt sich. Weil in all den Gefahren, die die Zukunft mit sich bringen kann, auch unglaubliche Chancen und Möglichkeiten enthalten sind. KI und die oben beschriebenen Roboter können den demografischen Wandel ausgleichen, sie können zur Lösung globaler Probleme beitragen und uns Menschen eine neue Freiheit und Freizeit bescheren, die ein ungekanntes kreatives Potenzial ermöglichen kann. Wir haben es in diesem unserem Interregnum in der Hand. Die Frage ist nur, ob wir Schule schnell genug neu denken, bevor andere Systeme beginnen, für uns zu entscheiden, was überhaupt noch gelernt werden muss.

Anmerkungen
Dank geht raus an Stefan Köhler, einen meiner wichtigsten Impulsgeber in den sozialen Medien, der mich heute auf das Video von Jim Fan aufmerksam gemacht hat, welches mich zu dem Beitrag inspiriert hat.
Der Text wurde mit KI als Sparringspartner verfasst, d.h. Idee und Inhalt sind von mir und wurden in Teilen mit KI überarbeitet, geschärft und geglättet.
Das Bild zur Illustration stammt von ChatGPT.

Nachtrag dazu: https://www.telepolis.de/article/KI-im-Klassenzimmer-EU-und-OECD-treiben-die-Wende-voran-11165773.html. Spoiler: Die eigentliche Herausforderung der KI-Ära besteht vielleicht nicht darin, KI in Schule zu integrieren, sondern Schule als Ort menschlicher Urteilskraft, Reflexion und geistiger Selbststeuerung neu zu begründen.

Newsletter 25/26-15: 30.04.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

heute fällt der Newsletter etwas knapper aus, es ist mir aber wichtig, auch diesen Punkt einmal anzusprechen.

Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher angekommen und damit selbstverständlich auch bei den Hausaufgaben. Ob Texte erklären lassen, Vokabeln abfragen, Matheaufgaben Schritt für Schritt lösen oder Ideen für Referate sammeln: Die Möglichkeiten sind groß. Deshalb wäre es wenig sinnvoll, so zu tun, als gäbe es diese Werkzeuge nicht. Ein pauschales Verbot würde an der Lebensrealität unserer Schülerinnen und Schüler vorbeigehen und wäre weder kontrollierbar noch zukunftsorientiert.

Stattdessen steht Schule vor der Aufgabe, sich anzupassen. Wir müssen gemeinsam lernen, wie KI sinnvoll, kritisch und verantwortungsvoll genutzt werden kann. Dazu gehört, neue Formen von Hausaufgaben zu entwickeln, Lernprozesse stärker in den Mittelpunkt zu stellen und Schülerinnen und Schüler zu befähigen, digitale Werkzeuge reflektiert einzusetzen. Dieser Wandel geschieht nicht von heute auf morgen. Er ist ein Prozess, in dem wir Erfahrungen sammeln, Regeln entwickeln und immer wieder nachsteuern werden.

Gleichzeitig gilt: KI ist kein Ersatz für eigenes Denken und Lernen. Wer sich Aufgaben vollständig von einer Maschine erledigen lässt, lernt oft weniger. Fachleute sprechen hier von „Deskilling“ – dem Verlust eigener Fähigkeiten, weil man sie nicht mehr ausreichend trainiert. Hinzu kommt: KI liefert nicht immer richtige oder passende Ergebnisse. Antworten können oberflächlich, fehlerhaft oder überzeugend formuliert und trotzdem falsch sein. Ohne eigenes Wissen, ohne Grundlagen und ohne kritisches Prüfen lassen sich gute von schlechten Ergebnissen kaum unterscheiden.

Unser Ziel muss daher sein, beides zusammenzubringen: Offenheit für neue Möglichkeiten und Klarheit über ihre Grenzen. KI kann Lernen unterstützen, darf es aber nicht ersetzen. Entscheidend bleiben Neugier, Anstrengungsbereitschaft, Fachwissen und die Fähigkeit, selbstständig zu denken. Daran werden wir als Schule weiter arbeiten. Was wir da machen und wie wir es machen wird sicher in einem der nächsten Newsletter Gegenstand sein.

Hier noch ein kleines Beispiel, was KI kann. Ich bat den aktualisierten Bildgenerator von Chat-GPT diesen Text zu visualisieren. Das Ergebnis finden Sie auf der nächsten Seite.

Ich wünsche der Schulgemeinschaft einen schönen Maifeiertag!

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
„Netzpolitik.org“ berichtet über die Schattenseiten von KI und Social Media, es geht um Verletzungen der Privatsphäre durch Metas Kamera-Brille und Klickworker in Kenia, die jetzt entlassen werden: https://netzpolitik.org/2026/nach-enthuellungen-zur-ueberwachungsbrille-meta-kuendigt-outsourcing-firma-die-entlaesst-daraufhin-1000-menschen/.
Andreas Schleicher im Interview im „Deutschen Schulportal“ zum Thema Berufsorientierung: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/berufsvorbereitung-pisa-andreas-schleicher-es-fehlt-an-gelegenheiten-echte-arbeitswelten-zu-erleben.
Ebendort klärt das „Deutsche Schulportal“ über die Rolle von Lehrkräften bei Kindeswohlgefährdungen auf: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/kindeswohlgefaehrdungen-nehmen-zu-wie-schulen-reagieren-koennen/.
Und noch etwas für die Praxis aus dem „Deutschen Schulportal“. Im Interview erklärt Stephan Rademacher die Frage „Dürfen Lehrkräfte Kinder anfassen oder festhalten?“: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/schulrecht-duerfen-lehrkraefte-kinder-anfassen-oder-festhalten/.
In einem der letzten Newsletter hatte ich den 10. Pioneers of Change Online Summit als Veranstaltung empfohlen. Hier gibt es eine knappe Zusammenfassung der dort besprochenen Themen: https://pioneersofchange.org/summit-essenzen-wurzeln-fuer-morgen/.
Jan Martin Wiarda wertet auf seinem Blog den neuen ifo-„Chancenmonitor aus: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/04/28/jungs-im-abseits. Spoiler: Die Ungleicheit im Bildungssystem bleibt groß und Jungs sind die Verlierer.

Schulentwicklung
Schulleiter Jochen Nossek fordert auf dem „Deutschen Schulportal“ einen Paradigmenwechsel bei der Berufsorientierung von der Berufswahl zur Talententwicklung. Berufsorientierung ist im Grunde angewandtes selbstorganisiertes Lernen: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/berufsorientierung-neu-gedacht-talente-entdecken-statt-auf-berufe-festlegen/.
Susanne Posselt berichtet in ihrem Blog von einem Erasmus+-Austausch in Island: https://susanneposselt.de/emerging-leaders-mit-erasmus-in-island/. Eine wichtige Erkenntnis: Schulleitung wirksam zu gestalten bedeutet vor allem: die eigene Rolle reflektieren, Beziehungen stärken und Schulentwicklung als gemeinsamen Prozess verstehen. Schule muss Teil eines größeren sozialen Systems mit Vertrauen und Kooperation in der Kommune sein.
Michael Drabe hat ein Curriculum zur Schulentwicklung für eine Schule der Zukunft entwickelt: https://schule-in-der-digitalen-welt.de/schule-2026-ein-curriculum-als-navigationssystem/

Smartphone und Social-Media
Der „Medienzeit-Elternblog“ beleuchtet die Manosphere in sozialen Medien kritisch: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/lexikon-manosphere-codes-und-bedeutung. Die Manosphere ist weniger ein einzelnes Phänomen als ein Deutungsangebot für junge Männer; mit einfachen Antworten, aber oft problematischen Konsequenzen.
In Österreich wird die Challenge „3 Wochen ohne Smartphone“ immer prominenter. Hier geht es zur Homepage: https://handyexperiment.at/. Der „Fokus“ berichtet über das spannende Experiment und die weitgehend positiven Folgen: https://www.focus.de/politik/deutschland/in-oesterreich-nach-einem-handy-experiment-kippt-die-stimmung-an-einer-schule-total_136b0c44-aa95-4834-b67c-8d52fabc0d95.html.
Unter dem Link https://9etqr.r.ag.d.sendibm3.com/mk/mr/sh/OycXxko2a8zXNsWPDzlZCDgb/eMVPZ2FVQVit. klärt „Smartphone-Coach“ Andrea Buhl-Aigner über WhatsApp-Kanäle auf.

KI
Wenn KI Aufgaben zuverlässig erledigt, verlieren traditionelle Bildungsformate ihre Funktion – und Schule muss neu definieren, was überhaupt noch „Lernen“ bedeutet. Die Krise der Schule durch KI ist keine technologische – sondern eine funktionale: Das, was Schule bisher getan hat, wird nicht mehr gebraucht. Dies zeigt dieser Beitrag in Alexanders Substack: https://alessandroaledo.substack.com/p/wenn-das-schottische-reiseburo-nicht?utm_campaign=post-expanded-share&utm_medium=web&triedRedirect=true. (Gleichzeitig ein Tipp für den Unterricht)
Martin Fugmann berichtet im FelloFish-Blog über die Entwicklung von KI und Schule in China: https://www.fellofish.com/blog/ki-bildung-und-der-neue-blick-nach-china. Deutschland und China reagieren auf KI im Bildungssystem völlig unterschiedlich: Während Deutschland didaktisch denkt, denkt China systemisch und genau darin liegt der eigentliche Unterschied. KI verändert nicht nur Lernen, sondern den Bildungsbegriff selbst. Natürlich lassen sich China und Deutschland politisch und kulturell nur begrenzt vergleichen. Dennoch: Während wir in Deutschland darüber diskutieren, wie KI Unterricht verbessern kann, stellt man in China längst die größere Frage: Wie muss ein Bildungssystem aussehen, das von KI ausgeht?
Tipp: Wenn ein Chat in einem LLM zu lang und damit langsam wird, lasse ich mir eine „Masterzusammenfassung“ machen und kopiere diese in einen neuen Chat und prompte, damit weiterzuarbeiten.

Tipps für den Unterricht
Jan Hartwig hat auf seiner Homepage einen interaktiven „Ideologie-Atlas: Nationalsozialismus“ erstellt: https://hartificial.de/wp-content/uploads/2026/04/ideologie-atlas-nationalsozialismus.html.
Joscha Falck hat elf KI-Bewertungsraster für den Unterricht entwickelt: https://joschafalck.github.io/ki-raster-builder/index.html.

Leseempfehlung
Silke Müller analysiert in ihrem neuen Buch „Schule gegen Kinder“ den Ist-Zustand des deutschen Schulsystems, den sie als „Ruinen-Verwaltung“ bezeichnet und entwirft recht konkret ein mögliches Gegenbild (München 2026).

Hörempfehlung
Heute gibt es nicht nur eine Hörempfehlung. Das „Deutsche Schulportal“ stellt 10 Podcasts rund um Schule und Bildung vor: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/die-zehn-besten-podcasts-rund-um-schule-und-bildung/.

Sehempfehlung
Auf dem YouTube-Kanal von FelloFish kann man alle FelloFish-Foren anschauen: https://www.youtube.com/@FelloFish.  

Veranstaltungsempfehlung
Vom 5. bis 7. Mai findet in Karlsruhe die LEARNTEC statt, laut eigener Auskunft „Europas bedeutendste Fachmesse für digitale Bildung in Schule, Hochschule und Beruf“. Weitere Infos: https://www.learntec.de/de/.
Innovationskongress Oberstufe 2026 vom 18. bis 19. September in Berlin unter dem Titel „Kollaps oder Kurswechsel? Schule im Stresstest“. Anmeldung und Informationen gibt es hier: https://www.buendnis-zukunft-abitur.de/innovationskongress-2026/.

Spaß im Netz
„Geo Guesser“ schickt sie an zufällig ausgewählte Orte bei Google Streetview. Dort kann man sich umschauen und muss dann raten, wo auf der Welt man gelandet ist (Anmeldung erforderlich, free trial möglich): https://www.geoguessr.com/.

Newsletter 25/26-14: 17.04.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

manchmal habe ich das Gefühl, dass wir gerade nicht nur unterrichten – sondern selbst lernen. Und zwar ziemlich viel, ziemlich schnell und oft auch ziemlich gleichzeitig. Künstliche Intelligenz, Social Media, mentale Gesundheit und Leistungsentwicklung sind längst keine Zukunftsthemen mehr, sondern mitten in unserem Schulalltag angekommen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht mehr, ob sich Schule verändert, sondern wie bewusst wir diese Veränderung gestalten. In den letzten Wochen habe ich mich intensiver mit sogenannten adaptiven intelligenten Systemen beschäftigt, also mit KI, die Lernen individuell steuern kann (siehe letzter Newsletter).
Das ist nicht einfach ein weiteres digitales Werkzeug, sondern hat das Potenzial, Schule grundlegend zu verändern. Wenn ein System in der Lage ist, jedem Kind passgenaue Aufgaben zu geben, unmittelbare Rückmeldungen zu liefern und Lernwege dynamisch anzupassen, dann stellt sich eine zentrale Frage: Was ist dann eigentlich noch die Rolle von Schule?
Unsere Antwort darauf ist klar: nicht weniger Schule, sondern eine andere Schule. Eine Schule, in der es weniger um reine Wissensvermittlung geht und mehr um Reflexion, Bewertung und Einordnung. Eine Schule, die stärker auf Beziehung, Orientierung und Verantwortung setzt. Denn genau das sind die Bereiche, in denen menschliches Lernen unersetzlich bleibt.
Gleichzeitig erleben wir im Alltag, und das wird durch zahlreiche Studien gestützt, dass Konzentration schwerer fällt, Konflikte zunehmen und Unsicherheiten wachsen. Das ist kein individuelles Problem einzelner Schülerinnen und Schüler, sondern Ausdruck eines gesellschaftlichen Kontextes, der Schule unmittelbar betrifft. Deshalb gehört es zu unserem Auftrag, nicht nur Lernen zu ermöglichen, sondern auch Menschen zu stärken.
Vor diesem Hintergrund arbeiten wir aktuell intensiv daran, Unterricht weiter zu öffnen und Lernprozesse stärker zu individualisieren. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, aber die Richtung ist klar: mehr selbstständiges Arbeiten, mehr Verantwortung für den eigenen Lernprozess und mehr Raum für unterschiedliche Lernwege. Gleichzeitig bleibt bestehen, dass Schule ein sozialer Ort ist, ein Ort der Begegnung, an dem man nicht nur lernt, was man denkt, sondern wie man denkt.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis in dieser Zeit: Wir müssen nicht auf jede Entwicklung sofort eine perfekte Antwort haben. Aber wir sollten uns bewusst machen, welche Fragen wir stellen wollen. Denn genau darin liegt die Zukunft von Schule.

Ich möchte noch einen weiteren Gedanken teilen und es ist ehrlich gesagt ein heikler: Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte heimlich filmen. Ein aktueller Bericht der britischen Zeitung Daily Mirror (https://www.mirror.co.uk/news/politics/pupils-secretly-recording-videos-teachers-36923252) zeigt, dass solche Aufnahmen nicht nur entstehen, sondern gezielt weiterverbreitet und teilweise sogar mit Hilfe von KI verändert werden. Lehrkräfte werden dabei in falsche Zusammenhänge gestellt, mit erheblichen persönlichen und beruflichen Folgen. Ich beziehe mich hier nicht auf einen konkreten Fall an unserer Schule, sondern aus Gründen der Prävention.
Was hier entsteht, ist mehr als ein „Handyproblem“. Es ist eine neue Qualität von Öffentlichkeit im Klassenzimmer – und gleichzeitig eine neue Form von Unsicherheit.
Denn wir müssen uns klarmachen: Unterricht ist ein geschützter Raum. Ein Raum, in dem Fehler erlaubt sind, in dem ausprobiert wird, in dem auch mal „gerungen“ wird, mit Gedanken, mit Positionen, manchmal auch miteinander. Wenn dieser Raum jederzeit potenziell aufgezeichnet, geteilt und verzerrt dargestellt werden kann, verändert das etwas Grundlegendes.
Nicht nur für Lehrkräfte.
Auch für Schülerinnen und Schüler.
Eine Schule, in der ständig mitgedacht werden muss, ob ein Moment heimlich aufgenommen wird, ist keine gute Lernumgebung.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch einen klaren Appell an Sie als Eltern richten:
Sprechen Sie mit Ihren Kindern über den verantwortungsvollen Umgang mit Smartphones und KI. Machen Sie deutlich, dass heimliches Filmen kein Kavaliersdelikt ist, sondern ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte anderer. Schule kann und wird Regeln setzen, aber die Haltung dazu entsteht vor allem im Elternhaus. Gleichzeitig ist es mir wichtig, auch unser Kollegium für diese Entwicklung zu sensibilisieren – ohne Alarmismus, aber mit der nötigen Klarheit:
Wir bewegen uns in einem veränderten Kontext. Situationen im Unterricht können heute anders wahrgenommen, aufgezeichnet und aus dem Zusammenhang gerissen werden. Das bedeutet nicht, dass wir unseren Unterricht grundlegend verändern oder uns ständig selbst kontrollieren müssen. Aber es bedeutet, dass wir uns dieser Realität bewusst sein sollten. Sprechen Sie mit den Klassen darüber und machen sie den Schülerinnen und Schülern klar, dass wir solches Verhalten keinesfalls tolerieren und es ernsthafte Konsequenzen hat.

Professionelles Handeln, Transparenz und gegenseitige Unterstützung im Kollegium werden damit noch wichtiger.

Am Ende steht eine einfache, aber entscheidende Einsicht: Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch richtig.

Und genau deshalb ist auch das eine zentrale Bildungsaufgabe unserer Zeit.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
„ZDF heute“ über die Studie „Jugend in Deutschland“, die die Unzufriedenheit junger Menschen in Deutschland zeigt. 41% der 14- bis 29-Jährigen können sich vorstellen, künftig lieber in einem anderen Land zu leben: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/jugend-studie-2026-deutschland-100.html. Auch das „Deutsches Schulportal“ berichtet über die Studie: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/stress-schulden-unsicherheit-junge-menschen-blicken-skeptisch-in-die-zukunft/.
Die „Frankfurter Rundschau“ hat Sanem Kleff interviewt, die 25 Jahre „Schule ohne Rassismus“ geleitet hat: https://www.fr.de/panorama/rassistische-vorurteile-werden-viel-ungehemmter-ausgelebt-94236157.html. Die Weibelfeldschule gehört auch dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ an und unterstützt dessen Idee mit einer Arbeitsgemeinschaft und zahlreichen Aktionen.
Im „Wiarda-Blog“ spricht Jan-Martin Wiarda mit dem Soziologen Marc Helbig über den Zusammenhang von Noten, familiärer Unterstützung und sozialer Herkunft: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/03/11/wen-pruefen-lehrkraefte-da-eigentlich-das-kind-oder-die-eltern.

Schulentwicklung
Bei „evido“ ist ein Interview mit Prof. Karlen zum sebstregulierten Lernen veröffentlicht worden: https://evido-magazin.de/artikel/selbstreguliertes-lernen-vom-einzelprojekt-zur-schulkultur. Fazit: Selbstreguliertes Lernen wird erst dann wirksam, wenn es nicht als Projekt, sondern als gemeinsame, langfristige Schulentwicklung verstanden wird.
Auf derselben Plattform ist auch ein Interview mit Prof. Hertwig zum Thema Selbstregulation erschienen: https://evido-magazin.de/artikel/selbstregulation-gegen-kontrollverlust-so-koennen-schulen-auf-dem-weg-zur-digitalen-muendigkeit-unterstuetzen. Fazit: Digitale Bildung ist nicht primär ein Technikthema, sondern ein Selbstregulationsthema: Wer sich nicht selbst steuern kann, verliert im digitalen Raum die Kontrolle.
Auf dem „Deutschen Schulportal“ berichtet Alexandra Mankarios über die Forderung der SWK nach mehr einheitlichen Tests und klareren Standards zur datengestützten Schulentwicklung: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/swk-gutachten-datengestuetzte-schulentwicklungexpertengremium-mehr-einheitliche-tests-fuer-bessere-foerderung-in-der-schule.

Smartphone und Social-Media
Die KI-Übersichten bei Google-Suchen enthalten viele Fehlinformationen, wie „Futurism“ berichtet: https://futurism.com/artificial-intelligence/google-ai-overviews-misinformation.
Klicksafe hat seine Video-Reihen übersichtlicher gestaltet: https://www.klicksafe.de/video-reihen.
Das „Deutsche Schulportal“ hat ein Interview mit der Medienwissenschaftlerin Leonie Alatassi zur TikTok-Nutzung von Jugendlichen geführt. Spoiler: Jugendliche wissen zu wenig über den Algorithmus: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/studie-jugendliche-wissen-zu-wenig-ueber-den-tiktok-algorithmus/.

KI
Spannend! In der PISA-Studie 2029 wird erstmals auch Media- und AI-Literacy von Schülerinnen und Schülern erfasst. D.h. mit PISA 2029 wird erstmals international sichtbar, ob Schule junge Menschen darauf vorbereitet, sich in einer von KI erzeugten Wirklichkeit zu orientieren – oder ob sie lediglich Wissen vermittelt, das längst automatisiert verfügbar ist. Informationen dazu: https://www.zib.education/media-and-artificial-intelligence-mail-bei-pisa-2029/.
„404 Media“ beschäftigt sich mit den afrikanischen Klickworkern, die KI trainieren und beginnen sich zu wehren: https://www.404media.co/ai-is-african-intelligence-the-workers-who-train-ai-are-fighting-back/.
Auf der Seite https://theyseeyourphotos.com/ kann man sehen, welche Informationen KI, in diesem Fall Google Vision, aus Fotos herauslesen. Spoiler: Das ist zwar nicht präzise, zeigt aber anschaulich, was aktuell mit unseren Bilddaten passiert und wie sie kommerzialisiert werden.
Die Plattform https://www.magmamath.com/de ist ein adaptives intelligentes System für den Mathematikunterricht. Sie erlaubt Einblicke in Lernprozesse und unterstützt lernen
individuell.
Bernhard Gmeiner schreibt in seinem Blog bei „Der Standard“ über ein Gespräch mit Barbara Geyer über den Einfluss von KI-Agenten auf Aufgaben und die Folgen. Wenn KI-Agenten nicht nur helfen, sondern lernen an unserer Stelle übernehmen, steht Schule vor einer existenziellen Frage: Nicht mehr, wie wir lernen – sondern warum überhaupt noch.: https://www.derstandard.at/story/3000000314084/die-hausuebung-macht-mein-ki-agent?ref=article.
„t3n“ konstatiert das Ende des KI-Hypes bei der Gen-Z, eine völlig normale Entwicklung. Entscheidend ist nicht, dass junge Menschen KI nicht mehr nutzen – sondern dass sie ihr dabei immer weniger vertrauen.https://t3n.de/news/das-ende-des-hypes-gen-z-verliert-zunehmend-das-vertrauen-in-ki-1737994/.

Tipps für den Unterricht

Das „Deutsche Schulportal“ hat ein Dossier zu datengestützter Diagnose und Förderung zusammengestellt: https://deutsches-schulportal.de/dossiers/datengestuetzte-diagnose-und-foerderung-in-der-schule-aber-wie.
Mit https://bouncy-balls.org/de, kann man den Lärmpegel im Klassenraum visualisieren.

Leseempfehlung
Ben Furman: Lösungsorientiert Schule machen. Wie Unterricht wieder mit mehr Freude gelingt, Heidelberg 2024.
Der finnische Psychiater und Psychotherapeut zeigt anschaulich und praxisnah, wie der Umgang mit Herausforderungen in Schule gelingen kann. Das Buch hat nur 100 Seiten und ist schnell zu lesen.

Hörempfehlung
Mal wieder eine Folge „Psychologie im Klassenzimmer“ Benedikt Wisniewski spricht mit dem Bildungsjournalisten Alexander Brand über dessen Buch „Die Bildungsweltmeister“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/spezial-die-bildungsweltmeister-gespr%C3%A4ch-mit-alexander/id1647804131?i=1000761040380

Sehempfehlung
In der Mediathek der ARD gibt es die sehenswerte Doku „Inside Klassenchats“: https://www.ardmediathek.de/video/doku-und-reportage/inside-klassenchats/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtYmUyMTAxMTAtNWViZC00MmNhLWFhYzItZmEzNDZiMTIyMGNh.

Veranstaltungsempfehlung
Vom 5. bis 7. Mai findet in Karlsruhe die LEARNTEC statt, laut eigener Auskunft „Europas bedeutendste Fachmesse für digitale Bildung in Schule, Hochschule und Beruf“. Weitere Infos: https://www.learntec.de/de/.

Spaß im Netz
Wenn Sie mal wieder am Rad drehen (wollen), empfehle ich diese Website: https://www.leduchamp.com/.

Newsletter 25/26-13: 20.03.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

letzten Freitag war ich auf der Didacta, um mich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und weiter zu vernetzen. Zwei Dinge möchte ich besonders hervorheben.

Zum einen waren wir zum dritten Mal in Folge mit einer Schülergruppe vertreten, die selbst eine Präsentation gehalten hat. Dieses Mal ging es darum, wie Schülerinnen und Schüler im Rahmen unseres Reallabors selbst aktiv werden und Schule verändern. Der großartige Vortrag stieß auf entsprechende Resonanz und hat unter anderem zu einer Vernetzung mit dem Reallabor in Leipzig geführt, da bahne sich spannende Kooperationen an. Es ist immer wieder großartig zu sehen, zu was Jugendliche in der Lage sind, wenn man sie nur lässt.

Zum anderen habe ich ein Panel zu Adaptiven Intelligenten Systemen (AIS) besucht. Das „FWU Institut für Film und Bild gGmbh war Veranstalter, teilgenommen haben Prof. Dr. Ulrike Cress (Direktorin Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor Tübingen AI Center), Prof. Dr. Andreas Lachner (Co-Director Tübingen Center for Digital Education), Dr. Wieland Brendel (Forschungsgruppenleiter ELLIS Institute Tübingen), Dr. Almut Steinlein (Projektleiterin AIS am FWU). Moderiert wurde das Panel von Dr. Anika Limburg, Leiterin des Bildungscampus Saarland. Im Panel wurde deutlich:

Mehrfach wurde das disruptive Potenzial eines AIS für Unterricht betont. Es entstehe eine Lehr-Lern-Plattform, die gleichzeitig Lernende individuelle und adaptiv im eigenen Tempo unterstützen soll und Lehrende bei der Lernentwicklung der Lernenden auf dem Laufenden halte. Dadurch könne eine individuelle Förderung gelingen. Das System werde entsprechend mit Curricula etc. trainiert und soll für kommerzielle Anbieter offen sein, natürlich alles konform mit DSGVO und EU-AI-Act. So soll ein offenes, nicht proprietäres lernendes System entstehen, dass den Kindern gerecht werde und Lehrkräfte entlaste, die dann wieder mehr Raum für echte Lernbegleitung bei denen bekämen, die sie nötig haben. Dadurch soll mehr Bildungsgerechtigkeit entstehen. Dafür bedürfe es natürlich auch neuer Unterrichtsformen und Lernräume. Der Gefahr des Deskilling werde durch die Adaptivität und didaktisch elaborierte Sequenzierung vorgebeugt. Ziel seien verstärkte Selbstregulierung und Kompetenzorientierung bei den Lernenden, die mit dem AIS Lernen lernen. Natürlich bedeute das nicht, dass nur noch digital und vereinzelt gelernt werde, sondern eine Ergänzung zur Unterstützung individueller Lernprozesse zur Verfügung gestellt werde, natürlich müsse weiter auch analog und kollaborativ gelernt werden.

Ausgerollt werden soll das System schon nach den Sommerferien in ersten Pilotschulen, im Herbst soll es weiter in die breite gehen und im Winter soll es Fortbildungen für Lehrkräfte geben. Wohlgemerkt: 2026! Ein ambitioniertes Programm, entwickelt von deutschen Institutionen unter dem Dach der FWU. Die zentrale Kompetenz-Schnittstelle bildet das ellis-Institut Tübingen (ELLIS Institute Tübingen). Auf persönliche Nachfrage nach der Verbindlichkeit der Umsetzung wurde mir versichert, dass Schulen freiwillig teilnehmen könnten und man darauf setze, dass der Erfolg des AIS dazu führe, dass alle Schulen nicht darum herum kämen.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite des AIS: https://ais.schule/ und hier: https://www.kmk.org/bildungsministerkonferenz/bildungsthemen/bildung-in-der-digitalen-welt.html (bei „Länderübergreifende Vorhaben“ / „Adaptives Intelligentes System“ (hier erfährt man auch, dass AIS-Chat (durch die Umbenennung im Mai 2026, wird das natürlich offensichtlicher) ein Teilprojekt von AIS ist und dessen weiterbetrieb von dem Fortschritt bei AIS abhängt.) Persönlich bin ich vom disruptiven Potenzial von AIS oder vergleichbaren Tutorsystemen überzeugt, schließlich war es unter anderem der TED-Talk von Sal Khan zu Khanmigo im April 2023, der mich zur intensiven Beschäftigung mit KI gebracht hat. Schon Benjamin Bloom (ja, das ist der mit den Taxonomien) hat ja 1984 erforscht, dass individuelle Unterstützung Lernende um zwei Notenstufen besser machen kann. Ohne KI war es natürlich nicht denkbar, jedem und jeder Lernenden eine Lehrkraft zur Verfügung zu stellen. Bloom nannte das das „2-Sigma-Problem“. KI hat jetzt das Potenzial, dieses Problem zu lösen. Wenn es denn gut gemacht wird.

Ich sehe aktuell zwei Schwierigkeiten. Bisher haben es staatliche/halbstaatliche Unternehmungen eher nicht geschafft, sinnvolle digitale Systeme zu etablieren (vgl. Logineo, AIS-Chat mit Einschränkungen). Und, zweitens, habe ich meine Zweifel, ob eine freiwillige Implementierung in den Schulen funktionieren kann. Wir sehen aktuell bei der Implementierung von KI-Anwendungen in Unterricht und Lehre schon einen wachsenden digital-divide, weil viele Schulen und Lehrkräfte sich schlicht nicht damit beschäftigen. Ähnliches können wir bei der Anwendung von digitalen Tafeln oder Tabletts im Unterricht beobachten. Ähnliches konnte ich auch schon bei der Einführung der Kompetenzorientierung in den 2010er Jahren beobachten, damals mussten sich Lehrkräfte zwar fortbilden lassen, haben das zum Teil aber nur halbherzig getan und wenig umgesetzt. Da ist es wieder, das Implementierungsproblem in der deutschen Bildungslandschaft. Ich plädiere daher für eine deutlich verbindlichere Umsetzung im Rahmen strukturierter Schulentwicklungsprogramme mit entsprechenden Entlastungen (Pilotierung, Begleitforschung, Fortbildung), um eine weitere Heterogenisierung der deutschen Bildungslandschaft zu verhindern und das Potenzial von AIS zur Stärkung der Bildungsgerechtigkeit zu nutzen. Außerdem plädiere ich für ein starkes europäisches System in Kooperation mit etablierten und neuen Stakeholdern auf dem europäischen Bildungsmarkt, um weiteren Einfluss von US-Big-Tech oder chinesischen Anbietern auf dem europäischen Bildungsmarkt zu verhindern.

AIS könnte das wichtigste schulische Infrastrukturprojekt seit Einführung der Schulpflicht werden, wenn Deutschland diesmal das Implementierungsproblem löst.

Funfact für alle KI-Skeptiker, besonders für Mathe: In Schweden gibt es ein gut funktionierendes AIS für Mathematik: Magma Math, auch das war auf der Didacta zu sehen: https://www.magmamath.com/de.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:Interessantes
„Medium“ zum 2-Sigma-Problem: https://medium.com/@lern360_official/the-2-sigma-problem-was-never-about-teaching-it-was-about-scale-80c846b3e5b5.
Die Bosch Stiftung hat das „Deutsche Schulbarometer 2026“ zu Schülerinnen und Schülern veröffentlicht, hier gibt es eine Zusammenfassung auf dem „Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/deutsches-schulbarometer-schuelerbefragung-2026-die-wichtigsten-ergebnisse/. Die ganze Studie gibt es hier: https://www.bosch-stiftung.de/de/publikation/deutsches-schulbarometer-befragung-schuelerinnen. Spoiler: Es ist nicht besser geworden.
Ulrike Linz bloggt zu Deep Skills im Zeitalter von KI. Deep Skills sind die tiefen, menschlichen Fähigkeiten wie Selbstregulation, Empathie und Reflexion, die im Zeitalter von KI besonders wichtig werden und durch sinnvolle Lernräume statt durch reines Training entstehen: https://linzspiration.de/deep-skills/.
Eine Studie des „LIfBi“ hat eine umfangreiche Studie zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungsungleichheit veröffentlicht: https://www.lifbi.de/de-de/Start/Aktuelles-Medien/Neuigkeiten/details/gleiche-leistung-ungleiche-chancen.
Die Uni Hildesheim hat die JuCo V-Studie zum Wohlbefinden Jugendlicher und junger Erwachsener in Krisenzeiten in Krisenzeiten veröffentlicht: https://hilpub.uni-hildesheim.de/server/api/core/bitstreams/b79bd9ec-5bde-46e3-b657-f42e27224a97/content.

Schulentwicklung
In einem Interviews für das „Deutsche Schulportal“ erklärt die US-Bildungsforscherin und Autorin Julia Freeland Fisher, „Warum Schulen Jugendliche auch beim Netzwerken unterstützen sollten“: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/vitamin-b-warum-schulen-jugendliche-auch-beim-netzwerken-unterstuetzen-sollten/.

Smartphone und Social-Media
Die NZZ zeigt, wie man Soziale Medien technisch besser gestalten könnte und dass diese Möglichkeiten den Tech-Firmen durchaus bewusst sind. Das Problem ist, dass sie Gewinne schmälern würden: https://www.nzz.ch/technologie/zehn-ideen-fuer-bessere-soziale-netzwerke-die-tech-firmen-verschwiegen-haben-ld.1926585.
Im aktuellen Newsletter von Smartphone-Coach Andrea Bugl-Aigner gehet es um die Manosphere; mit interessanten Links (vgl. letzten Newsletter): https://9etqr.r.a.d.sendibm1.com/mk/mr/sh/OycXxko2a8zXNsWPDzlZCDgb/i_thqfETzt8o.

KI
Joscha Falck hat sich von KI-Agenten ein Escape-Game bauen lassen, wie kann man hier nachlesen: https://joschafalck.de/archiv-45/.
Kling zeigt hier eindrücklich, was KI im Bereich Film mittlerweile möglich macht: https://www.youtube.com/watch?v=eZeZ7EM1GY0.
Die „Initiative digitale Bildungschancen“ hat ein Diskussionspapier zum Einsatz von KI in Schulen entwickelt: https://cloud.medienzentrum.rocks/s/G8e5fsDReryDpK5?dir=/&editing=false&openfile=true.

Tipps für den Unterricht
Auf https://politiktest.de/ kann man testen wie stark politische Einstellungen mit populistischem Denken zu tun haben.
Der Psychologe und Bildungsforscher Manfred Holodynski erklärt in einem Interview mit dem „Deutschen Schulportal“, warum Classroom Management so zentral für die Unterrichtsqualität ist, welche Fehler Lehrkräfte vermeiden sollten und wie eine bessere Ausbildung Abhilfe schaffen könnte: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/wir-haben-ein-massives-problem-mit-classroom-management/.

Leseempfehlung
Leonard Sommer: Wenn Schule auf Ideen bringt, München 2023. Eine wundervolle Sammlung mit Ideen aus der Schulpraxis.

Hörempfehlung
Ferdinand Stebner bei WDR 5 über selbstreguliertes Lernen: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:section:42b966c64cd83570/.
Ich gestatte mir mal etwas Eigenwerbung. Hannes Kannes hat einen Podcast mit mir aufgenommen: https://www.youtube.com/watch?v=PCMCbpLc_TQ bei Youtube. Wer es ohne Bild mag, wird hier fündig: https://open.spotify.com/episode/4GgqCyJmZMNB2NwiuqL6IG. .

Sehempfehlung
Aktuell keine, wem langweilig ist empfehle ich aber gerne „Treibhäuser der Zukunft“ oder Clips mit Ken Robinson auf YouTube.

Veranstaltungsempfehlung
Aktuell keine, natürlich Bob Blume am 23.09. im Bürgerhaus.Spaß im Netz
Heute gibt es mal eine Website, die sie per Zufallsgenerator auf unnütze Seiten bringt: https://theuselessweb.com/.   

Blog 2026-04: Die Disruption durch Adaptive Intelligente Systeme

Bild: ChatGPT

Mich hat auf der Didacta 2026 ein Aspekt besonders beschäftigt. Ich habe dort ein Panel zu Adaptiven Intelligenten Systemen (AIS) besucht. Das „FWU Institut für Film und Bild gGmbh war Veranstalter, teilgenommen haben Prof. Dr. Ulrike Cress (Direktorin Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor Tübingen AI Center), Prof. Dr. Andreas Lachner (Co-Director Tübingen Center for Digital Education), Dr. Wieland Brendel (Forschungsgruppenleiter ELLIS Institute Tübingen), Dr. Almut Steinlein (Projektleiterin AIS am FWU). Moderiert wurde das Panel von Dr. Anika Limburg, Leiterin des Bildungscampus Saarland. Im Panel wurde deutlich:

Mehrfach wurde das disruptive Potenzial eines AIS für Unterricht betont. Es entstehe eine Lehr-Lern-Plattform, die gleichzeitig Lernende individuell und adaptiv im eigenen Tempo unterstützen soll und Lehrende bei der Lernentwicklung der Lernenden auf dem Laufenden halte. Dadurch könne eine individuelle Förderung gelingen. Das System werde entsprechend mit Curricula etc. trainiert und soll für kommerzielle Anbieter offen sein, natürlich alles konform mit DSGVO und EU-AI-Act. So soll ein offenes, nicht proprietäres lernendes System entstehen, dass den Kindern gerecht werde und Lehrkräfte entlaste, die dann wieder mehr Raum für echte Lernbegleitung bei den Lernenden bekämen, die sie nötig haben. Dadurch soll mehr Bildungsgerechtigkeit entstehen. Dafür bedürfe es natürlich auch neuer Unterrichtsformen und Lernräume. Der Gefahr des Deskilling werde durch die Adaptivität und didaktisch elaborierte Sequenzierung vorgebeugt. Ziel seien verstärkte Selbstregulierung und Kompetenzorientierung bei den Lernenden, die mit dem AIS Lernen lernen. Natürlich bedeute das nicht, dass nur noch digital und vereinzelt gelernt werde, sondern eine Ergänzung zur Unterstützung individueller Lernprozesse zur Verfügung gestellt werde; natürlich müsse weiter auch analog und kollaborativ gelernt werden.

Ausgerollt werden soll das System schon nach den Sommerferien in ersten Pilotschulen, im Herbst soll es weiter in die breite gehen und im Winter soll es Fortbildungen für Lehrkräfte geben. Wohlgemerkt: 2026! Ein ambitioniertes Programm, entwickelt von deutschen Institutionen unter dem Dach der FWU. Die zentrale Kompetenz-Schnittstelle bildet des ellis-Institut Tübingen (ELLIS Institute Tübingen). Auf persönliche Nachfrage nach der Verbindlichkeit der Umsetzung wurde mir versichert, dass Schulen freiwillig teilnehmen könnten und man darauf setze, dass der Erfolg des AIS dazu führe, dass alle Schulen nicht darum herum kämen.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite des AIS: https://ais.schule/ und hier: https://www.kmk.org/bildungsministerkonferenz/bildungsthemen/bildung-in-der-digitalen-welt.html (bei „Länderübergreifende Vorhaben“ / „Adaptives Intelligentes System“. Hier erfährt man auch, dass telli ein Teilprojekt von AIS ist und dessen weiterbetrieb von dem Fortschritt bei AIS abhängt.) Persönlich bin ich vom disruptiven Potenzial von AIS oder vergleichbaren Tutorsystemen überzeugt, schließlich war es unter anderem der TED-Talk von Sal Khan zu Khanmigo im April 2023, der mich zur intensiven Beschäftigung mit KI gebracht hat. Schon Benjamin Bloom (ja, das ist der mit den Taxonomien) hat ja 1984 erforscht, dass individuelle Unterstützung Lernende um zwei Notenstufen besser machen kann. Ohne KI war es natürlich nicht denkbar, jedem und jeder Lernenden eine Lehrkraft zur Verfügung zu stellen. Bloom nannte das das „2-Sigma-Problem“. KI hat jetzt das Potenzial, dieses Problem zu lösen. Wenn es denn gut gemacht wird.

Ich sehe aktuell zwei Schwierigkeiten. Bisher haben es staatliche/halbstaatliche Unternehmungen eher nicht geschafft, sinnvolle digitale Systeme zu etablieren (vgl. Logineo, telli mit Einschränkungen). Und, zweitens, habe ich meine Zweifel, ob eine freiwillige Implementierung in den Schulen funktionieren kann. Wir sehen aktuell bei der Implementierung von KI-Anwendungen in Unterricht und Lehre schon einen wachsenden digital-divide, weil viele Schulen und Lehrkräfte sich schlicht nicht damit beschäftigen. Ähnliches können wir bei der Anwendung von digitalen Tafeln oder Tablets im Unterricht beobachten. Ähnliches konnte ich auch schon bei der Einführung der Kompetenzorientierung in den 2010er Jahren beobachten, damals mussten sich Lehrkräfte zwar fortbilden lassen, haben das zum Teil nur widerwillig getan und nichts umgesetzt. Da ist es wieder, das Implementierungsproblem in der deutschen Bildungslandschaft. Ich plädiere daher für eine deutlich verbindlichere Umsetzung im Rahmen strukturierter Schulentwicklungsprogramme (Pilotierung, Begleitforschung, Fortbildung), um eine weitere Heterogenisierung der deutschen Bildungslandschaft zu verhindern und das Potenzial von AIS zur Stärkung der Bildungsgerechtigkeit zu nutzen. Außerdem plädiere ich für ein starkes europäisches System in Kooperation mit etablierten und neuen Stakeholdern auf dem europäischen Bildungsmarkt, um weiteren Einfluss von US-Big-Tech oder chinesischen Anbietern auf dem europäischen Bildungsmarkt zu verhindern.

AIS könnte das wichtigste schulische Infrastrukturprojekt seit Einführung der Schulpflicht werden, wenn Deutschland diesmal das Implementierungsproblem löst.

Funfact für alle KI-Skeptiker, besonders für Mathe: In Schweden gibt es ein gut funktionierendes AIS für Mathematik: Magma Math, auch das war auf der Didacta zu sehen: https://www.magmamath.com/de.

Ergänzung vom 04.04.2026:
Bei aller berechtigten Faszination für das Potenzial Adaptiver Intelligenter Systeme lohnt sich ein Blick auf die Bedingungen, unter denen diese Systeme entstehen. KI ist kein rein technologisches Produkt, sondern basiert in weiten Teilen auf menschlicher Arbeit, häufig ausgelagert in den Globalen Süden. Tausende sogenannte Data Labeler trainieren, überprüfen und moderieren Inhalte, oft unter prekären Bedingungen und mit hoher psychischer Belastung. Die „Intelligenz“ der Systeme ist damit nicht nur künstlich, sondern auch sozial produziert.

Diese Perspektive verändert den Blick auf KI grundlegend: Wenn Bildungssysteme künftig verstärkt auf solche Technologien setzen, greifen sie zugleich auf globale Arbeitsstrukturen zurück, die bislang weitgehend unsichtbar bleiben. Die Frage nach der didaktischen Integration von KI muss daher ergänzt werden um eine zweite: Unter welchen Bedingungen entsteht diese Technologie, und welche Verantwortung tragen wir als Bildungssystem in ihrer Nutzung?

Wer über Bildungsgerechtigkeit im Kontext von KI spricht, darf deshalb nicht nur die Wirkung im Klassenzimmer betrachten, sondern muss auch die Produktionsbedingungen im Blick behalten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass eine Technologie, die im Inneren auf Ungleichheit basiert, nach außen als Lösung für eben diese Ungleichheit erscheint.

Newsletter 25/26-12: 06.03.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

Frau Hartmann, Elternsprecherin an unserer Schule, hat sich mit einem Thema auseinandergesetzt und die Eltern darüber informiert, das auch an der Weibelfeldschule zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sie hat mir, vielen Dank dafür, die Erlaubnis erteilt ihren Text zu veröffentlichen und ihren Namen zu nennen, was ich sehr gerne tue. Es geht um die Frage, wie die Schule mit Straftaten umgeht. Im Folgenden zitiere ich ihren Originaltext und ergänze danach noch etwas:

„In welchen Fällen ist die Schulleitung verpflichtet, eine Strafanzeige zu stellen – insbesondere im Zusammenhang mit extremistischen Symbolen oder Parolen, Cybermobbing und problematischen Text- oder Sprachnachrichten in Klassenchats.
Zudem möchte ich Ihnen einen Überblick über die Folgen für minderjährige Zeugen sowie den Ablauf von Zeugenvernehmungen geben.

1. Wann muss die Schule eine Strafanzeige stellen?
Die Schule ist verpflichtet, eine Strafanzeige zu erstatten, wenn der Verdacht auf eine Straftat besteht, die nicht mehr allein durch schulische Maßnahmen geklärt werden kann. Dazu gehören unter anderem:

– Körperverletzungen, Bedrohungen oder Erpressung
– Diebstahl oder Sachbeschädigung
– Cybermobbing, insbesondere wenn Beleidigungen, Bedrohungen oder die Verbreitung sensibler Inhalte vorliegen
– die Verwendung, Verbreitung oder Darstellung von Worten, Parolen, Symbolen oder Gesten, die extremistischen oder in Deutschland verbotenen Organisationen zugeordnet werden
– strafbare Inhalte in Klassenchats, z. B. beleidigende Sprachnachrichten, diskriminierende Aussagen oder das Teilen verbotener Symbole

Gerade digitale Kommunikationswege wie Klassenchats spielen eine immer größere Rolle. Auch Inhalte, die außerhalb der Schulzeit verschickt werden, können strafrechtlich relevant sein, wenn sie Mitschüler bzw. Lehrer betreffen oder das schulische Miteinander beeinträchtigen.

Nach dem Erstellen einer Anzeige erfolgt durch die Schule keine allgemeine Information an Eltern, die nicht direkt und unmittelbar betroffenen sind. Dies wird zum Schutz unterlassen. Elternsprecher können davon gegebenenfalls ausgenommen sein, um im Falle eines Falles und in Abstimmung mit der Schule besser reagieren oder Fragen beantworten zu können.

2. Folgen und Auswirkungen für minderjährige Zeugen
Wenn Schülerinnen oder Schüler Zeugen eines solchen, von der Schule zu Anzeige gebrachten Vorfalls sind, kann es sein, dass sie von der Polizei zu einer Aussage eingeladen werden. Minderjährige Zeugen sind nicht beschuldigt, sondern sollen helfen, den Sachverhalt aufzuklären.

Wichtig zu wissen:
– Zeugen müssen wahrheitsgemäß aussagen.
– Sie sind nicht verpflichtet, sich selbst zu belasten.
– Die Polizei ist verpflichtet, altersgerecht und besonders schonend vorzugehen.

3. Einladung und Ablauf einer Zeugenvernehmung

Eine Zeugenvernehmung wird in der Regel schriftlich angekündigt, z. B. durch einen Brief von der zuständigen Polizeidienststelle. Die Einladung enthält Ort, Datum und ein Aktenzeichen. Häufig findet die Vernehmung in der Polizeidienststelle statt, manchmal auch in der Schule.

Der Ablauf sieht typischerweise so aus:
– Die Eltern werden über den Termin informiert.
– Eltern dürfen in der Regel anwesend sein, außer dies könnte die Aussage beeinflussen.
– Die Polizei erklärt den Ablauf und stellt Fragen, die das Kind in eigenen Worten beantwortet.
– Die Aussage wird protokolliert und anschließend gemeinsam durchgegangen und unterzeichnet.

4. Rechte und Pflichten der Eltern
Als Eltern haben Sie das Recht:

– über den Termin und Zweck der Vernehmung informiert zu werden,
– Ihr Kind zu begleiten (sofern zulässig),
– Rückfragen zu stellen, wenn etwas unklar ist.

Gleichzeitig haben Sie die Pflicht:
– Ihr Kind zur wahrheitsgemäßen Aussage anzuhalten,
– die Teilnahme an der Vernehmung zu ermöglichen,
– die Schule über relevante Informationen zu informieren, sofern diese zur Klärung beitragen.

Mir ist bewusst, dass solche Situationen für Kinder und Eltern belastend sein können. Bitte zögern Sie nicht, bei Unsicherheiten das Gespräch mit der Klassenleitung, der Schulleitung oder auch mit mir als Elternvertretung zu suchen.“

Die Polizei hat in diesem Zusammenhang eine gute Handreichung für Lehrkräfte erstellt, die natürlich auch für Eltern von Interesse sein kann: https://www.polizei-beratung.de/fileadmin/Medien/299-HR-Schule-fragt-Polizei-antwortet.pdf.

Warum dieser Beitrag?
Weil es in der letzten Zeit leider wieder häufiger zur Verwendung verbotener Symbole oder extremistischen Gesten oder Sachbeschädigungen kommt. Wir sind zum Glück noch weit davon entfernt, dass das ein Massenphänomen an unserer Schule ist, sind uns im Kollegium aber auch einig, dass wir das nicht tolerieren und im Keim ersticken wollen. Deshalb werden wir als Schule konsequent bei solchen Vorfällen vorgehen, um deutlich zu machen, dass hier Grenzen überschritten werden. Ein Teil der Gegenmaßnahmen ist dieser Newsletter, der alle Mitglieder der Schulgemeinschaft informieren und sensibilisieren soll. Ich bitte Eltern und Lehrkräfte mit ihren Kindern und Schülerinnen und Schülern zu sprechen und ihnen klar zu machen, dass extremistische Gesten kein Spaß sind und Konsequenzen haben.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:Interessantes
Hier gibt es eine Zusammenfassung zu INSIDE, einer Langzeitstudie zu Inklusion, der dazu erschienene Sammelband kann komplett heruntergeladen werden. Spoiler: Es hängt von den Lehr- und Förderkräften ab: https://www.lifbi.de/de-de/Start/Aktuelles-Medien/Neuigkeiten/details/langzeitstudie-inside-zieht-bilanz-wie-inklusion-an-weiterfuehrenden-schulen-gelingt-und-wo-sie-an-grenzen-stoesst. (Danke Frau Zuppke für den Hinweis).
Das Verwaltungsgericht Kassel hat ein Urteil zu Täuschungsversuchen mit KI an der Uni gefällt. Ist das ggf. auf Schule übertragbar? https://verwaltungsgerichtsbarkeit.hessen.de/presse/unzulaessige-nutzung-kuenstlicher-intelligenz-bei-studentischen-pruefungsleistungen.
Die Uni Hildesheim hat die JuCo V-Studie veröffentlicht, die sich mit dem Wohlbefindne von Jugendlichen befasst: https://hilpub.uni-hildesheim.de/entities/publication/7c0efae6-c11a-4eed-adf0-4636c68ff009.
Susanne Alles setzt sich in ihrem Blog klug mit der Abwertung von digitaler Schulentwicklung als „Knöpfchenkunde“ auseinander, sie fordert eine andere Fehlerkultur und die Anerkennung von Bedienwissen zur Technik: https://teacherette-total.blogspot.com/2026/03/knopfchenkunde-und-klickkompetenz-warum.html.
Rahel Tschopp schreibt in einer Kolumne für „Lernetz Schule“ über das Schul-WC als wichtigen sozialen Ort: https://lernetz.schule/magazin/was-das-stille-oertchen-ueber-die-schule-sagt/.
Eine internationale Generationenumfrage hat ergeben, so berichtet „Der Standard“, dass die Männer der GenZ rückständige Rollenbilder haben (Vgl. Newsletter 09: https://www.schulmun.de/2025/08/12/newsletter-2025-2026/): https://www.derstandard.at/story/3000000311154/generationen-umfrage-gen-z-hat-r252ckst228ndigstes-rollendenken.

Schulentwicklung
Ich mache hier mal eine neue Rubrik zu Schulentwicklung auf. Ich wundere mich selbst, dass es diese noch nicht gibt, wo das doch eines meiner zentralen Themen ist.
„Spektrum.de“ hat mit 17 führenden Expertinnen und Experten 15 Denkanstöße für die Schule der Zukunft entwickelt: https://reportage.spektrum.de/die-schule-der-zukunft#uebersicht.
Torsten Larbig kritisiert in seinem Blog den Fokus auf 4K und Future-Skills, die sich zu sehr an ökonomischer Verwertbarkeit orientieren. Die 4K sind wichtig, aber nicht ausreichend.
Bildung darf nicht nur auf Kompetenzen für Funktionieren zielen, sondern muss Orientierung im Leben ermöglichen: https://herrlarbig.de/2026/02/16/jenseits-der-4k-was-bildung-wirklich-bedeutet/.

Smartphone und Social-Media
„Netzpolitik.org“ hat kritische Standpunkte zur Debatte um das Social-Media-Verbot für Jugendliche zusammengefasst: https://netzpolitik.org/2026/von-kinderhilfswerk-bis-lehrerverband-so-breit-ist-die-kritik-am-social-media-verbot/.
Michael Drabe hat ein Mini-Curriculum zur Medienbildung im Zuge der Debatte um das Social-Media-Verbot entwickelt: https://schule-in-der-digitalen-welt.de/sollte-es-ein-social-media-verbot-fur-alle-unter-14-geben/.
„Der Standard“ zeigt, dass viele Tech-Manager bei ihren Kindern Social-Media stark reglementieren: https://www.derstandard.at/story/3000000309692/tech-manager-pflegen-strenge-social-media-limits-fuer-ihre-kinder?ref=article.
Jan Martin Wiarda beschreibt in seinem Blog wie sich seine Haltung zu einem Social-Media-Verbot wandelte: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/02/12/bitte-verbieten.

KI
Bernhard Gmeiner berichtet in seinem KI-Blog bei „Der Standard“ darüber, wie er mit Vibe-Coding Apps für seinen Unterricht baut, ohne Programmierkenntnisse. Ich bin auch gerade dabei das auszuprobieren: https://www.derstandard.at/story/3000000309176/ich-habe-eine-app-gebaut-ich-kann-nicht-programmieren?ref=article.
„Frontiers in Education“ hat sich mit Lehrkräftefortbildungen zu KI auseinandergesetzt. Spoiler: Nicht „KI zeigen“, sondern „KI verstehen und pädagogisch nutzen“ ist entscheidend für wirksame Schulentwicklung: https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2025.1671306/full.
Benedikt Wisniewski schreibt im FelloFish-Blog „Über den problematischen Diskurs zum Einsatz von KI in der Schule“, Spoiler: Die eigentliche Herausforderung ist nicht Technologie, sondern Didaktik; KI zwingt Schule, zwischen Wissen, Können und Verstehen neu zu unterscheiden.: https://www.fellofish.com/blog/zwischen-hype-und-panik.
Die Hamburg-Open-Online-University hat zu ihrem zehnjährigen bestehen ein Papier zu KI, Urheberrecht und OER veröffentlicht: https://portal.hoou.de/wp-content/uploads/HOOU-KI-und-Recht-RZ-Digital-02-Doppel.pdf?_ga=2.187007278.728171147.1750668388-452765661.1747647146.
Hauke Pölert hat auf LinkedIN auf diese Studie aufmerksam gemacht, die untersucht, ob es einen Unterschied macht, ob Feedback von einem Menschen oder einer KI kommt: https://arxiv.org/pdf/2602.11311. Spoiler: Ja.
Joscha Falck schreibt auf „Deutsches Schulportal“ über KI als Lernressource: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/wie-wird-ki-zur-lernressource-statt-zur-abkuerzung/.
Review zur Harvard-Studie zu KI-Tutoring (Kestin et al. 2025), gut designte KI-Tutoren können in bestimmten Lernphasen besser wirken als sehr guter Unterricht — aber nur unter streng didaktischen Bedingungen: https://etcjournal.com/2025/11/10/review-of-kestin-et-al-s-june-2025-harvard-study-on-ai-tutoring/.
Greenpeace hat ein gutes Paket mit Unterrichtsmaterial zu KI und Klima erstellt, in dem Chancen und Kritik zusammengefasst werden: https://www.greenpeace.de/ueber-uns/umweltbildung/unterrichtsmaterial-kuenstliche-intelligenz-ki-und-klima.
Ein schönes Spiel zum Üben von Prompten in einer Beta-Version: https://store.steampowered.com/app/4258720/Promptables__Das_KIDuell/.

Tipps für den Unterricht
Eine praktische Anwendung von KI im Sportunterricht entwickeln Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen: https://www.mz.de/panorama/wie-jugendliche-mit-ki-sportunterricht-fairer-machen-wollen-4203186.
Das „Online Praxishandbuch Unterrichtsgestaltung mit Medien“ der Uni Bremen bietet zahlreiche Anleitungen und Unterrichtsszenarien für mediengestützte Bildung: https://unterrichtsgestaltung-mit-medien.de/.

Leseempfehlung
Pavle Madzirov: KI-Kompetenz für Schulleitungen; Grundlgen, Praxis und Integration von Künstlicher Intelligenz in Schulleitungshandeln und Unterricht, Hürth 2026.

Hörempfehlung
Im Podcast „Education Minds“ von Yvo Wüest ist Stefan Lesser zu Gast, hörenswert:  https://open.spotify.com/episode/4tsaSFfIQ58vuREm5bESfE.

Sehempfehlung
Arte Doku zur Frage ob Schule Druck braucht: https://www.youtube.com/watch?v=dTPL08Z3HKk.

Veranstaltungsempfehlung
Die Pioneers of Education haben die Videos ihres Bildungsgipfels noch bis Montagabend freigeschaltet, wer möchte kann sich hier noch anmelden: https://pioneersofeducation.online/. Spaß im Netz
Die Seite https://r74n.com/ bietet zahlreiche spannende und wichtige Features, zum Beispiel eine Liste mit allen Ameisenarten auf der Erde: https://r74n.com/ants/.  

Blog 2026-03: Schule nach dem Wissen

Präambel (KI-Transparenzhinweis)
Dieser Beitrag ist mit Unterstützung einer KI entstanden.
Er ist jedoch nicht automatisiert erzeugt worden, sondern Ergebnis eines längeren Arbeitsprozesses: Sammlung von Studien, Blogtexten und Artikeln, Diskussion und Klärung von Gedanken sowie wiederholte Überarbeitung im Dialog. Die KI diente dabei als Denk- und Strukturierungspartner, nicht als Ersatz eigener Positionen. Der Text spiegelt daher eine entwickelte Perspektive wider, nicht eine automatisch erzeugte Meinung. Natürlich ist der KI-Stil für Kennende erkennbar.


Schule nach dem Wissen

Warum KI nicht unser größtes Problem ist – sondern unsere größte Klärungschance

In den letzten Monaten habe ich viele Texte über KI und Bildung gelesen.
Sie kamen aus ganz unterschiedlichen Richtungen: Forschung, Unterrichtspraxis, Medien, Philosophie. Manche warnen vor Kontrollverlust, andere feiern eine neue Lernfreiheit.
Erstaunlich war weniger, wie unterschiedlich die Positionen sind, sondern wie ähnlich ihr Kern ist. Viele beschreiben dieselbe Verschiebung: keine technologische Revolution, sondern eine Bedeutungsverschiebung von Wissen.

Was sich gerade wirklich verändert

Schule war über Jahrhunderte logisch aufgebaut. Wissen war knapp. Also organisierte man Institutionen, die Wissen vermitteln. Lehrkräfte erklärten. Schüler lernten. Später konnte man das Gelernte anwenden. Diese Logik war stabil, weil sie funktionierte.
Nun ist Wissen jederzeit verfügbar und mit KI sogar generierbar. Texte, Programme, Zusammenfassungen und Lösungen entstehen auf Knopfdruck. Damit bricht nicht Lernen zusammen, sondern die alte Funktion von Lernen.

Schule kann nicht mehr primär der Ort sein, an dem Menschen erfahren, was richtig ist.

Warum plötzlich so viele Aufgaben nicht mehr funktionieren

Die erste Reaktion vieler Schulen war ein Verdacht: Schüler nutzen KI, um sich Arbeit zu ersparen. Die zweite Reaktion war häufig: Verbieten oder Ignorieren.
Doch vielleicht zeigt uns die Situation etwas anderes. Wenn ein Werkzeug eine Aufgabe vollständig übernehmen kann, war die Aufgabe möglicherweise nie ein guter Lernindikator.
Hausaufgaben verlieren ihre Aussagekraft. Reproduktionstests verlieren ihre Aussagekraft. Selbst viele klassische Prüfungsformate verlieren ihre Aussagekraft, nicht weil Schüler weniger leisten, sondern weil Ergebnisse nicht mehr zeigen, wer etwas verstanden hat.

Bewertbar bleibt nur noch:

  • Entscheidungen
  • Begründungen
  • Qualitätseinschätzungen
  • gedankliche Wege

Plötzlich interessiert nicht mehr nur die Antwort, sondern das Denken.

Die verbreitete, aber zu kurze Antwort: Kompetenzen

Als Reaktion entstehen neue Schlagworte: Future Skills, 4K, Kompetenzen. Sie sind nicht falsch, aber sie bleiben im alten Muster. Sie beschreiben weiterhin, was Menschen können sollen.

Die eigentliche Frage ist inzwischen eine andere:

Wozu lernen Menschen, wenn Wissen jederzeit verfügbar ist?

Die Antwort verschiebt sich von Können zu Verantwortung.
Nicht mehr Informationen besitzen, sondern mit Informationen umgehen.
Nicht mehr Probleme lösen, sondern Lösungen beurteilen.
Nicht mehr Antworten geben, sondern Entscheidungen vertreten.

Die Rolle der Lehrkraft verändert sich nicht – sie wird klarer

Oft wird gefragt, ob KI Lehrkräfte ersetzt. Tatsächlich passiert etwas anderes.
Die klassische Rolle war Wissensquelle und Kontrolle. Diese Rolle wird technisch leichter ersetzbar. Die eigentliche Rolle wird dadurch sichtbarer:

  • Orientierung geben
  • Denken strukturieren
  • Qualität beurteilen helfen
  • Verantwortung einfordern

Lehrkräfte werden nicht überflüssig. Sie werden erkennbar notwendig; nicht mehr, weil sie mehr wissen als andere, sondern weil sie Bedeutung herstellen helfen.

Die eigentliche Bildungsfrage

Wenn Information jederzeit erzeugbar ist, entsteht eine neue Grundfrage: Warum lernen Menschen überhaupt?
Nicht mehr, um vorbereitet zu sein. Nicht mehr, um später anwenden zu können. Sondern um urteilsfähig zu werden.
Bildung wird damit weniger Vorbereitung auf Zukunft und mehr Orientierung in Gegenwart.

Was das organisatorisch bedeutet

Diese Verschiebung ist größer als Digitalisierung. Sie betrifft die Architektur von Schule.
Eine Schule, die auf gleichzeitige Stoffvermittlung ausgerichtet ist, passt schlecht zu einer Welt, in der jeder jederzeit Zugang zu Informationen hat.

Lernen braucht mehr:

  • Zeit zum Verstehen
  • Austausch zum Einordnen
  • Rückmeldung zum Verbessern
  • Verantwortung für Ergebnisse

Nicht weniger Struktur, sondern eine andere Struktur. Nicht weniger Leistung, sondern sichtbarere Leistung.

Die eigentliche Chance

KI zwingt Schule nicht, moderner zu werden. Sie zwingt Schule, ehrlicher zu werden. Viele Routinen haben lange funktioniert, weil ihre Voraussetzungen stabil waren. Diese Voraussetzungen verschwinden gerade.
Das kann man als Krise sehen. Man kann es aber auch als seltene Gelegenheit begreifen, Schule neu vom Zweck her zu denken.
Vielleicht geht es künftig weniger darum, Antworten zu lernen, sondern darum, mit Antworten verantwortungsvoll umgehen zu können. Und dazu Bedarf es Wissen, Kompetenz und Urteilskraft.

Und vielleicht war das immer schon Bildung.

Epilog (ohne KI)
Ist dieser Beitrag jetzt ein Beispiel für verantwortlichen Umgang mit Wissen? Ich habe das Wissen anderer kompiliert und um eigene Gedanken ergänzt, das passiert in der Wissenschaft auch. Ich habe dadurch etwas Neues geschaffen, mir ein Urteil gebildet und auf etwas aufmerksam gemacht, was mir wichtig ist, nämlich Bildung und Schule in Zeiten von KI. Wie kann oder muss ich als Schulleiter Schule entwickeln, um unsere Kinder sinnvoll auf die Zukunft vorzubereiten und so eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu erhalten.

WfS-13: DER Pädagogische Tag

In Schulentwicklung gibt es Momente, in denen sich entscheidet, ob man wirklich etwas verändert oder ob man weiter über Veränderung spricht.

Der Pädagogische Tag am Aschermittwoch war für uns ein solcher Moment. Hier würde sich zeigen, in welche Richtung wir das von der Gesamtkonferenz vor über einem Jahr beschlossene Mandat zur Öffnung von Unterricht interpretieren und ob das Kollegium bereit ist, diesen Schritt zu gehen. Entsprechend groß war meine Nervosität, schließlich ist meine persönliche Vorstellung von Öffnung von Unterricht weitreichend.

Dabei war es im WfS-Blog zuletzt eher still. Zuletzt habe ich im Oktober über den Schulentwicklungs-Blues geschrieben und im August 2025 über den Entwicklungsprozess, der ernst wird und Fahrt aufnimmt. Still war es allerdings nur hier im Blog, nicht in der Schulentwicklung selbst.

Die Schulentwicklungsgruppe (SEG) hat zahlreiche Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit Elementen der Öffnung von Unterricht auseinandergesetzt haben: BarDienstag, Feedback, Pädagogischer Tag, Projekttage, Selbstreguliertes Lernen und Graduierung. All diese Gruppen haben im Grunde auf diesen Pädagogischen Tag hingearbeitet. Er wurde damit zu einem Dreh- und Angelpunkt unserer Schulentwicklung.

Wie in den vorhergehenden Blogbeiträgen beschrieben, haben wir uns in den letzten zwei Jahren Strukturen geschaffen, um partizipative und zugleich strukturierte Schulentwicklung zu betreiben. Wir haben die DNA-Gruppe zusätzlich zur SEG aufgebaut, neue Austauschformate etabliert, etwa Barcamp und Open Space, sind Selbstständige Schule geworden, haben Schülerinnen und Schüler sowie Eltern einbezogen und zahlreiche Pilotprojekte gestartet, etwa Zukunftsschmiede und Projektklasse.

Wir haben vielen Ideen bewusst große Freiheiten gewährt und sind so in unterschiedliche Richtungen losgelaufen. Das war wenig strukturiert, hat aber Denk- und Möglichkeitsräume geschaffen. Gleichzeitig war das für manche Kolleginnen und Kollegen irritierend, da nicht immer klar war, wohin unsere Reise gehen sollte.

Schulentwicklung ist eine Gratwanderung zwischen strukturiertem Vorgehen und Experimentieren, zwischen Vielfalt und Konzentration auf das Wesentliche, zwischen Transparenz und schnellen Entscheidungen sowie zwischen Partizipation und dem Ergreifen spontaner Möglichkeiten. Dabei müssen Belastung des Kollegiums, Kommunikation, Ressourcen und rechtlicher Rahmen austariert werden.

Schulentwicklung ist somit ein komplexer Veränderungsprozess, der ein System an die Grenzen der Belastbarkeit bringt, während der Normalbetrieb weiterläuft. Bob Blume hat das einmal mit dem Umbau eines Propellerflugzeugs in einen Düsenjet während des Flugs beschrieben.

Deshalb ist es wichtig, innezuhalten und sich zu vergewissern, wo man steht und wo man hin will. Das war eine Forderung aus dem Kollegium und zugleich eine prozedurale Notwendigkeit. Ein Pädagogischer Tag bietet sich dafür an.
Da es uns um Strukturierung und Zielrichtung ging, war schnell klar, dass externe Expertise wenig helfen würde. Nur wir als Schulgemeinschaft kennen unsere formellen und informellen Strukturen. Gleichzeitig war klar, dass dieser Tag für unsere weitere Entwicklung zentral sein würde.

Also machten wir uns in einer Arbeitsgruppe an die Planung. Ein wirksamer Pädagogischer Tag muss Orientierung geben, ohne zu überfahren, und Beteiligung ermöglichen, ohne sich zu verlieren.
Nach mehreren Treffen stand ein Gerüst. Ich begann mit einem Impuls (nachzulesen hier), anschließend sahen wir kurze Praxisbeispiele. Danach arbeiteten wir im World-Café zu vier Fragen:

1. Was verstehen wir unter Öffnung von Unterricht bei uns?
2. Was finden wir daran pädagogisch sinnvoll oder reizvoll?
3. Wo sehen wir Schwierigkeiten, Grenzen oder berechtigte Sorgen?
4. Was wäre ein realistischer erster Schritt bei uns?

Die Ergebnisse wurden im Gallery-Walk zusammengeführt und anschließend in Arbeitsphasen zu konkreten Projekten weiterentwickelt.

    Entscheidender als die Methoden war jedoch etwas anderes. Die Diskussion blieb nicht abstrakt. Es ging nicht mehr darum, ob Öffnung sinnvoll ist, sondern wie sie bei uns aussehen kann und wo wir bewusst vorsichtig sein wollen. Skepsis verschwand nicht, aber sie wurde produktiv.

    In der Summe sind wir damit einen Schritt weitergekommen, weniger in einzelnen Projekten als in unserem gemeinsamen Verständnis von Schulentwicklung. Wir haben nicht beschlossen, Schule neu zu erfinden, sondern begonnen, sie bewusst zu verändern.

    Bis Pfingsten werden nun kleine Vorhaben im Unterricht erprobt. Zwei Kolleginnen haben beispielsweise ein fächerübergreifendes Genetik-Projekt im Jahrgang 9 entwickelt, in anderen Klassen soll ein Graduierungssystem getestet werden. Die Arbeitsgruppen der SEG arbeiten weiter, und auf der Gesamtkonferenz im Juni werden wir die Erfahrungen auswerten.

    Der Tag hat keine fertige Lösung hervorgebracht. Aber er markiert den Übergang von der Idee zur gemeinsamen Praxis.

    Dieser Übergang macht den Entwicklungsprozess für die gesamte Schulgemeinschaft greifbar. Das wird ziemlich sicher auch zu Konflikten führen, und genau darin liegt die nächste Entwicklungsaufgabe und darum wird es im nächsten Blogbeitrag gehen.

    Persönlicher Epilog
    Im Vorfeld des Pädagogischen Tages wurde ich zunehmend nervös. Meine Gedanken kreisten um Methoden, Formulierungen und mögliche Reaktionen. Es fiel mir schwer, mich auf andere Aufgaben zu konzentrieren, weil unklar war, ob ein relevanter Teil des Kollegiums bereit ist, den Prozess mitzutragen. Für meinen Impuls habe ich viel Feedback eingeholt und mehrfach nachjustiert.

    Nach dem Tag war ich vor allem sehr erschöpft und erleichtert. Ich wusste wieder, warum ich diesen Job mache und dass es sich lohnt.

    Newsletter 25/26-11: 20.02.2026

    Liebe Schulgemeinschaft,

    am vergangenen Mittwoch hatten wir einen wichtigen Pädagogischen Tag. Es ging darum, ob wir uns auf die Öffnung von Unterricht einlassen und beginnen Lernprozesse zu individualisieren. Ich denke, der Tag hat gezeigt, dass wir das angehen und beginnen Schule zu verändern. Das ist alles noch nicht beschlossene Sache, aber ein mutiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, davon bin ich zutiefst überzeugt.
    Ich gebe hier das Skript meines Eingangsimpulses zum Pädagogischen Tag wieder, damit die ganze Schulgemeinschaft nachvollziehen kann, was wir gemacht haben. Weitere Informationen zu den Ergebnissen folgen. Hier also meine Rede:

    „Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    wenn man durch unsere Schule geht, sieht man vieles, worauf man stolz sein kann.
    Engagement, Beziehungen, Verlässlichkeit, Fachlichkeit.
    Und gleichzeitig erleben wir alle Situationen, die uns beschäftigen:
    Schülerinnen und Schüler, die arbeiten könnten, aber nicht anfangen.
    Andere, die längst weiter wären, aber warten.
    Wieder andere, die sich entziehen, obwohl wir viel investieren.
    Wir reagieren darauf oft mit noch mehr Erklären, noch mehr Struktur, noch mehr Steuerung.
    Und trotzdem merken wir:
    Für einen Teil funktioniert das gut, für einen wachsenden Teil immer weniger.
    Das ist kein individuelles Problem der Weibelfeldschule.
    Es ist ein Strukturproblem von Lernen im Gleichschritt.
    Und genau deshalb sitzen wir heute hier.
    Ich habe an diesem Vortrag ungewöhnlich lange gearbeitet.
    Nicht, weil mir Inhalte fehlen, sondern weil mir klar ist:
    Dieser Tag ist wichtig für unsere Schule.
    Mir geht es nicht um irgend ein neues Konzept, sondern darum, wie wir in Zukunft gemeinsam unterrichten und arbeiten wollen.
    Ich bin überzeugt, dass Öffnung von Unterricht uns dabei helfen kann und dass wir das als Weibelfeldschule auf unsere eigene Weise entwickeln müssen.

    Unser gemeinsamer Auftrag
    Die Gesamtkonferenz hat der DNA-Gruppe einen klaren Arbeitsauftrag gegeben:
    die Öffnung von Unterricht als Entwicklungsrichtung unserer Schule voranzutreiben.
    Nahezu einstimmig.
    Das heißt:
    Wir entscheiden heute nicht, ob wir uns bewegen, in Bewegung sind wir immer.
    Wir überlegen heute gemeinsam, wie wir uns bewegen.
    Und wir haben uns bewusst entschieden, diesen Weg ohne fertiges externes Konzept und ohne externe Referenten zu gehen.
    Nicht, weil es keine guten Ansätze gäbe,
    sondern weil Schule immer konkret ist.
    Unsere Lerngruppen, unsere Erfahrungen, unsere Fächerstruktur, unsere Geschichte;
    all das kann kein Modell von außen passend für uns festlegen.
    Deshalb entsteht die Entwicklung hier:
    aus unserem Unterricht, für unseren Unterricht, für unsere Schule.
    Das ist anspruchsvoller, aber nachhaltiger.

    Wir starten nicht bei Null
    Viele Schulen, auch in der Umgebung, beschäftigen sich inzwischen mit ähnlichen Fragen:
    Wie Lernen individueller werden kann und wie Unterricht anders organisiert werden kann.
    Für uns ist das aber nicht nur eine Reaktion auf Entwicklungen um uns herum.
    Die Weibelfeldschule hatte schon immer den Anspruch, Dinge aktiv zu gestalten und nicht abzuwarten, bis sie notwendig werden.
    Die Weibelfeldschule ist schon immer eine innovative Gesamtschule mit großem Potenzial in Kollegium, Elternschaft und natürlich auch bei den Schülerinnen und Schülern. Ganz viele Dinge sind hier schon angelegt und werden schon ausprobiert, daran können wir anknüpfen und mutig weiterdenken.
    Lassen Sie es uns angehen!

    Die Vision
    Bevor ich Begriffe kläre, lassen Sie mich kurz beschreiben, woran wir merken würden, dass wir auf dem richtigen Weg sind, eine kleine Zukunftsreise.
    Man kommt in einen Klassen- oder Lernraum, und nicht alle tun gleichzeitig dasselbe, aber alle arbeiten.
    Einige besprechen etwas, andere lesen, andere schreiben, jemand holt sich gezielt Hilfe.
    Die Lehrkraft steht nicht vorne, sondern bewegt sich, spricht kurz mit Einzelnen, klärt Fragen, gibt Rückmeldung.
    Schülerinnen und Schüler wissen, woran sie arbeiten und warum.
    Sie warten weniger und wir treiben weniger an.
    Leistung entsteht sichtbarer aus Lernarbeit als aus Kontrolle.
    Und am Ende eines Tages sind alle zufrieden und nicht erschöpft.
    Das wäre für mich ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
    Mir ist wichtig, an dieser Stelle klar zu sein:
    Wir starten heute keinen unverbindlichen Austausch.
    Die Öffnung von Unterricht ist eine Entwicklungsrichtung unserer Schule.
    Nicht jede und jeder muss sofort alles verändern, – aber jede und jeder wird einen eigenen Schritt erproben.

    Die konkrete Form entsteht aus Ihrer Praxis heraus,
    der Auftrag zum Ausprobieren gilt für uns alle.
    Wir vereinbaren heute Versuche.
    Nach der Erprobungsphase sprechen wir darüber,
    was wir als Schule daraus übernehmen uns entwickeln.

    Worum es dabei wirklich geht
    Öffnung von Unterricht bedeutet nicht weniger Anspruch.
    Und auch nicht weniger Rolle der Lehrkraft.
    Es bedeutet etwas anderes:
    Dass Lernen nicht mehr hauptsächlich dadurch entsteht,
    dass wir erklären und kontrollieren, sondern dadurch,
    dass Schülerinnen und Schüler beginnen, Verantwortung zu übernehmen.
    Nicht sofort.
    Nicht vollständig.
    Aber Schritt für Schritt.
    Unser Ziel ist nicht absolute Freiheit oder Beliebigkeit und Persönlichkeitsbildung
    Unser Ziel ist mehr wirksame Lernzeit.
    Mehr Schülerinnen und Schüler, die arbeiten,
    statt beschäftigt zu werden.
    Mehr Klarheit darüber, woran sie warum arbeiten,
    statt nur Aufgaben abzuarbeiten.
    Es geht uns um Kompetenzvermittlung auf Wissensbasis.
    Und für uns bedeutet das:
    weniger Energie im Antreiben,
    mehr Energie im Begleiten.

    Was sich schnell verändern kann – Quick Wins
    Wichtig ist: Die Wirkung beginnt nicht erst irgendwann.
    Wenn Lernziele klar sind, entstehen weniger Nachfragen.
    Wenn nicht alle gleichzeitig feststecken, entstehen weniger Störungen.
    Wenn Schülerinnen und Schüler wissen, woran sie arbeiten, beginnt Unterricht schneller.
    Das sind keine großen Reformen,
    das sind kleine Verschiebungen mit direkter Wirkung im Alltag.
    Der erste Gewinn ist deshalb kein pädagogischer Idealzustand,
    sondern kann ein ruhigerer, klarerer Unterrichtstag sein.

    Drei Schritte dahin
    Damit das kein Schlagwort bleibt, schauen wir genauer hin. In meinem Verständnis entsteht Öffnung von Unterricht in drei Schritten:

    1. Selbstreguliertes Lernen
      Schülerinnen und Schüler verstehen ihr eigenes Lernen, ihren Lernprozess.
      Was kann ich?
      Was fehlt mir noch?
      Was ist mein nächster Schritt?
      Reflexion, Feedback, Lernziele, kurze Gespräche.
      ➡️ Verantwortung beginnt im Kopf.
    2. Selbstgesteuertes Lernen
      Nicht alle tun gleichzeitig dasselbe,
      aber alle arbeiten am Ziel,
      in unterschiedlichem Tempo oder mit unterschiedlichen Zugängen.
      Struktur bleibt.
      Aber sie dient dem Lernen, nicht der Gleichzeitigkeit.
      ➡️ Lernen bekommt Richtung statt Takt.
    3. Selbstorganisiertes Lernen
      Schließlich entsteht echte Aktivität:
      Schülerinnen und Schüler planen, kooperieren, erstellen Produkte.
      Nicht als Event — sondern als Teil des Lernens.
      ➡️ Lernen wird Handlung und Haltung.

    Diese Schritte entstehen nicht durch Beschluss.
    Sie entstehen durch Erfahrung.

    Der langfristige Gewinn
    Langfristig verändert sich mehr als einzelne Stunden.
    Wenn Lernende Verantwortung übernehmen können,
    müssen wir weniger antreiben und kontrollieren.
    Lernende sind motivierter und Lernen in ihrem Tempo, um ihr maximales Potenzial und ihre Selbstständigkeit zu entfalten.
    Dann verschiebt sich auch unsere Rolle:
    weg vom dauernden Aktivieren, Kontrollieren und Disziplinieren
    hin zum gezielten Unterstützen, Begleiten und Entwickeln.
    Lernen wird planbarer, Beziehung entspannter
    und Leistung entsteht häufiger aus Mitarbeit statt aus Druck.
    Das Ziel ist kein neues Idealbild von Schule,
    sondern ein Arbeitsalltag, der für Lehrende und Lernende wieder besser zusammenpasst und der uns alle entlastet – psychisch und physisch.
    Erfahrungen zeigen, dass Schulen, die so arbeiten bessere Lernergebnisse erzielen, ein spürbar besseres Schulklima haben und den bestehenden Herausforderungen besser gerecht werden.

    Was heute passiert
    Heute bauen wir kein fertiges System.
    Heute beginnen wir.
    Wir überlegen:
    • Wo könnte ich einen ersten Schritt gehen?
    • Was wäre ein kleiner, machbarer Versuch?
    • Was probiere ich bis Pfingsten aus?
    Nicht alles wird funktionieren.
    Und das ist ausdrücklich eingeplant.
    Es geht nicht darum, einzelne perfekte Lösungen zu finden,
    sondern darum, als Schule herauszufinden, was für uns trägt.
    Auch Scheitern ist Lernen!

    Denn Schulentwicklung entsteht nicht dadurch,
    dass wir das Richtige beschließen,
    sondern dass wir gemeinsam herausfinden, was trägt.

    Einladung
    Niemand muss heute begeistert sein.
    Aber alle können heute einen Anfang machen, können sich einlassen.
    Wir verändern nicht auf einmal die ganze Schule.
    Aber wir können beginnen, sie so zu verändern,
    dass mehr gelernt wird und weniger verhindert.
    Wenn Unterricht wieder häufiger gelingt,
    verändert sich nicht nur Leistung.
    Dann verändert sich Atmosphäre.
    Dann kommen Schülerinnen und Schüler noch lieber in die Weibelfeldschule,
    und wir unterrichten noch lieber an der Weibelfeldschule.
    Nicht weil Schule einfacher wird sondern weil sie wieder stimmiger wird.
    Wenn wir wollen, dass Unterricht sich verändert,
    reicht es nicht, darüber zu sprechen.
    Veränderung entsteht erst, wenn wir konkrete Erfahrungen machen.
    Genau das beginnt jetzt:“

    Ihr

    Erik Grundmann

    Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

    Interessantes
    Scheitern lernen ist wichtig für Kinder (auf Englisch): https://www.scientificamerican.com/article/letting-kids-fail-is-crucial/. Über meine persönliche Scheiternsgeschichte habe ich einmal gebloggt: https://www.schulmun.de/2025/11/23/blog-2025-25-vom-scheitern/.
    Fünf populäre Irrtümer in der Bildung fasst Edutopia zusammen (Spoiler: Noten sind nicht motivierend, Feedback ist besser): https://www.edutopia.org/article/education-myths-not-backed-by-research.
    Die Uni Tübingen hat zum 60. Geburtstag von Thorsten Bohl eine Festschrift mit dem Titel „Bildung.Besser.Machen“ herausgebracht, die hier abgerufen werden kann: https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/170414.
    Werner Klein blickt für das „Deutsche Schulportal“ auf 25 Jahre PISA zurück: https://deutsches-schulportal.de/meinung/25-jahre-pisa-kein-grund-zum-feiern/. Ich würde hier kritisch ergänzen, dass es nicht gelungen ist nachhaltige Verbesserungen zu erreichen, weil keine konsequente Förderung evidenzbasiert erfolgreicher Programme geschafft wurde und weil es zu keinen wirklich elementaren Reformen kam.
    Das „Institut für zeitgemäße Prüfungskultur“ ist immer einen Besuch wert, hier kann man den Newsletter abonnieren: https://newsletter-zeitgemasse-prufungskultur.ghost.io/.
    News4Teachers rezensiert ein Buch der Psychotherapeutin Maria M. Bellinger, die davor warnt Kinder zu sehr zu schützen und zu wenig zu führen: https://www.news4teachers.de/2025/12/erziehung-wenn-eltern-zu-viel-schuetzen-und-zu-wenig-fuehren-was-das-fuer-kita-und-schule-bedeutet/.
    Ein kritischer Blick auf die Problematik von KI-generierten Bildern und Filmen in historischen Dokumentationen: https://www.wissenschaftskommunikation.de/diese-bilder-formen-ein-geschichtsbild-das-eine-ki-festgelegt-hat-94241/.

    Smartphone und Social-Media
    Die Tagesschau berichtet über die Studienlage zu Auswirkungen von Social Media auf das Gehirn von Kindern und Jugendlichen: https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/jugendliche-anfaelligkeit-social-media-100.html.

    KI
    Das FWU arbeitet im Auftrag der KMK an einem intelligenten adaptiven System (AIS), einem KI-gestützten individuellen Tutor, für Schulen: https://ais.schule/.
    Der wissenschaftliche Diskurs läuft auf Hochtouren (und das ist gut so): Hilft KI beim Lernen oder nicht? Eine kritische Position gibt es hier: https://fordhaminstitute.org/national/commentary/ai-assisted-learning-stumbles-evidence. Auch hier gibt es eine kritische Position (Bericht von „NPR“ über eine Brookings-Studie: https://www.npr.org/2026/01/14/nx-s1-5674741/ai-schools-education. „Wired“ berichtet über ein Forschungspapier aus dem hervorgeht, dass KI-Agentensysteme mathematisch nicht funktionieren können: https://www.wired.com/story/ai-agents-math-doesnt-add-up/. Zu ganz anderen Ergebnissen, nämlich dass KI-Tutoring zu signifikanten Leistungsverbesserungen führen kann, kommt eine Harvard-Studie, die hier einem Review unterzogen wird (Spoiler: Das muss natürlich gut gemacht sein): https://etcjournal.com/2025/11/10/review-of-kestin-et-al-s-june-2025-harvard-study-on-ai-tutoring/. Dieser Artikel unterstützt das: https://link.springer.com/article/10.1007/s10648-025-10039-x. Und da schließt sich der Kreis zum ersten Beitrag in diesem Unterkapitel. Auf jeden Fall kann KI englische Texte übersetzen oder auf Deutsch zusammenfassen 😉
    „NPR“ berichtet auch von den Folgen zu enger Bindungen zu KI: https://www.npr.org/2026/02/14/nx-s1-5711441/ai-chatgpt-openai-love-betrayal-delusion-chatbot.
    In Österreich wurde erstmals ein Schüler wegen KI-Sexbildern suspendiert: https://steiermark.orf.at/stories/3341568/.
    Neue Studie aus Österreich: https://www.saferinternet.at/news-detail/neue-studie-ki-chatbots-als-alltagsbegleiter-fuer-jugendliche.
    Und ebenso aus Österreich stammt Open Claw (https://openclaw.ai/), ein KI-Agent, der im Moment in aller Munde ist und der gefeiert und gefürchtet wird. Hier wird er gefeiert: Hier gibt es ein Interview mit Peter Steinberger: https://on.orf.at/video/14311959/zib-2-langfassung-ki-entwickler-peter-steinberger-im-interview und hier einen Bericht im „Handelsblatt“: https://www.handelsblatt.com/technik/ki/ki-briefing-open-claw-entfesselt-ki-agenten-sind-wir-darauf-vorbereitet/100199808.html. Der WDR warnt vor der Nutzung: https://www1.wdr.de/nachrichten/openclaw-der-ki-agent-auf-dem-eigenen-computer-100.html, ebenso „Heise“, bzw. „c’t“:  https://www.heise.de/news/OpenClaw-ausprobiert-Die-gefaehrlichste-Software-der-Welt-11161203.html.
    Das „Civic DataLab“ hat in einem kurzen Beitrag von Anja Stoiser die Geschichte der KI zusammengetragen und beschäftigt sich dort auch mit der Zukunft: https://civic-data.de/blog/wer-hat-die-ki-erfunden-warum-kollektive-verantwortung-entscheidend-ist/. Umfassender fasst „Medium“ die Geschichte der KI zusammen: https://medium.com/block-science/inside-the-very-human-origin-of-the-term-artificial-intelligence-and-its-seven-decade-c36e0326245e. ChatGPT liefert folgende Essenz in einem Satz: „„Künstliche Intelligenz“ ist nicht einfach ein technischer Begriff, sondern ein historisch gewachsener, kulturell geprägter Diskursbegriff, dessen Bedeutung sich mit Erwartungen, Technologien und gesellschaftlichen Kontexten ständig verändert.“
    Jetzt wird es abgefahren! Unter https://rentahuman.ai/ können KI-Agenten sich Menschen mieten, die Tätigkeiten übernehmen, die ein KI-Agent nicht ausführen kann. Und mit https://www.moltbook.com/ haben diese Agenten ein eigenes „soziales“ Netzwerk, spannend dort etwas „herumzuklicken“.

    Tipps für den Unterricht
    Ein schönes Unterrichtsprojekt für die ganze Schule: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/eine-ganze-schule-liest-ein-buch/.
    Hier: https://joschafalck.de/interaktive-lernmaterialien-mit-ki/ zeigt Joscha Falck, wir er mit KI interaktive Lernmaterialien erstellt.
    Uta Hauck-Thum und Micha Pallesche haben in ChatGPT einen „LehrLernKompass“ erstellt, der Lehrkräfte dabei unterstützt Lehren und Lernen gemeinsam weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen Lernsettings, die Basiskompetenzen sichern und zukunftsrelevantes Lernen ermöglichen. Zugangsvoraussetzung ist die Nutzung von ChatGPT: https://chatgpt.com/g/g-6968caf825d08191930942f34592bf61-lehrlernkompass.
    Zur Unterrichtsentwicklung gibt es die empfehlenswerte aus Japan stammende Methode des „Lesson Study“. Das „Deutsche Schulportal“ erklärt, was das ist und wie es geht: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/mit-lesson-study-den-eigenen-unterricht-erforschen/.
    Bildungsspirit hat eine Diagnosetool für eine erste Bewertung von Schülerinnen- und Schülerverhalten entwickelt: https://bildungsspirit.de/tool.html.
    Auf der Seite https://www.moralmachine.net/ lassen sich ethische Fragen zu KI durchspielen und man nimmt gleichzeitig an einer wissenschaftlichen Studie teil.
    Einen wirklich guten 2D- und 3D-Einblick in den menschlichen Körper gibt es auf dieser (kostenlosen, aber kommerziellen!) Seite: https://www.innerbody.com/htm/body.html

    Leseempfehlung
    Heute will ich mal kein Buch empfehlen, sondern eine Zeitschrift, nämlich die „Pädagogische Führung, Zeitschrift für Schulleitung und Schulberatung“, herausgegeben von den Professoren Burow, Häcker u.a. Sie erscheint bei  Carl Link (Wolters-Kluwer) und beschäftigt sich mit aktuellen und spannenden Themen, die sich wirklich für die Praxis der Schulleitung lohnen.

    Hörempfehlung
    Stefan Ruppaner zur „Schmetterlingspädagogik“ im, grundsätzlich empfehlenswerten, Podcast „Kapierfehler“ von Neurodivergenz-Expertin Corina Elfe (https://kapierfehler.de/): https://podcastaddict.com/kapierfehler-neurodivergenz-und-schule/episode/213358259.

    Sehempfehlung
    Schöne Arte-Doku zu Schularchitektur: https://www.arte.tv/de/videos/117186-001-A/das-gebaute-versprechen-schularchitektur/.
    37 Grad-Doku auf ZDF über einen auf Social-Media erfolgreichen Lehrer: https://www.zdf.de/video/reportagen/37-grad-104/37-ein-lehrer-geht-viral-100.
    Sehenswerter TED-Talk von der Kinderpsychologin Kathryn Hecht, die Kindern mit Konfrontationstherapie Ängste nimmt und so ihre Resilienz stärkt (Spoiler: Gute Eltern räumen ihren Kindern nicht alle Probleme aus dem Weg, sondern schaffen Selbstvertrauen zur Lösung durch das Kind): https://www.ted.com/talks/kathryn_hecht_how_to_raise_kids_who_can_handle_hard_things.

    Veranstaltungsempfehlung
    Bildungsgipfel der Zuversicht 2026 – kostenfreie Online-Teilnahme Vom 20. bis 28. Februar 2026 findet der 6. Pioneers of Education Bildungsgipfel online statt – eine Woche voller Inspiration, Praxisbeispiele und Austausch rund um die Schule der Zukunft. Über 40 Expertinnen und Experten teilen ihre Erfahrungen zu Themen wie Demokratiebildung, digitale Innovation, Nachhaltigkeit und mentale Gesundheit. Die Teilnahme ist kostenfrei und zeitlich flexibel. Ideal für alle, die mit Mut und neuen Ideen Schule gestalten möchten. Alle Infos: https://pioneersofeducation.online.
    Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.Spaß im Netz
    Malen sie ein Pferd und lassen sie es mit anderen laufen: https://gradient.horse/.