Newsletter 26/27-05: 23.10.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

in den vergangenen Jahren haben wir an der Weibelfeldschule viel in Bewegung gesetzt. Wir haben neue pädagogische Ideen entwickelt, Unterrichtskonzepte erprobt, unsere Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen intensiviert und Strukturen geschaffen, die unsere Schulentwicklung unterstützen sollen. Mit der DNA-Gruppe, der Schulentwicklungsgruppe und inzwischen auch der Steuerungsgruppe für Projekt- und Qualitätsmanagement haben wir dafür wichtige Voraussetzungen geschaffen.

Auch inhaltlich haben wir uns einiges vorgenommen. Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie wir Schülerinnen und Schüler stärker in die Verantwortung für ihr Lernen bringen können, wie Differenzierung besser gelingt und wie wir Lernprozesse individueller begleiten können. Die Arbeit an Kompetenzrastern, unsere Erfahrungen aus der Pilotklasse und die Planungen für eine neue Themenklasse sind Beispiele dafür.

Bei all diesen Entwicklungen beschäftigt mich zunehmend eine grundsätzliche Frage: Wie gut gelingt es uns eigentlich, als Schule gemeinsam zu lernen?

Wir erwarten von unseren Schülerinnen und Schülern, dass sie ihre Lernprozesse reflektieren, Rückmeldungen annehmen, Fehler als Lerngelegenheiten verstehen und zunehmend Verantwortung übernehmen. Wir möchten ihnen ermöglichen, eigene Wege zu finden, ohne dabei die gemeinsamen Ziele aus dem Blick zu verlieren.

Aber in welchem Maße gelingt uns das als Kollegium und als Organisation?

Ich glaube, dass wir hier noch Entwicklungspotenzial haben. Wir haben viele gute Ideen und engagierte Menschen, die sich mit großem Einsatz für unsere Schule einbringen. Gleichzeitig stelle ich fest, dass nicht alle Entwicklungen gleichermaßen verstanden oder mitgetragen werden, was natürlich kaum zu vermeiden ist. Manches erscheint möglicherweise als zusätzliche Belastung, anderes als eine weitere Maßnahme, deren Zusammenhang mit bereits laufenden Vorhaben nicht immer deutlich wird. Und manchmal sind wir vielleicht schneller darin, neue Projekte anzustoßen, als die Erfahrungen aus den bisherigen gründlich auszuwerten.

Das ist auch eine Frage an mich als Schulleiter. Haben wir unsere Prioritäten immer ausreichend deutlich gemacht? War bei allen Vorhaben klar, was bereits entschieden ist und wo echte Gestaltungsmöglichkeiten bestehen? Haben wir genügend Raum geschaffen, um unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und aus kritischen Rückmeldungen zu lernen? Ich denke, wir sollten uns diesen Fragen stellen. Natürlich haben wir versucht, unsere Vorhaben transparent zu machen und immer zur Mitarbeit eingeladen, natürlich haben wir Feedback bekommen, ich bin mir aber nicht sicher, ob ich daraus immer die richtigen Konsequenzen gezogen habe. Beispielsweise gab es immer ein starkes Verlangen nach einem Leitbild, einer Vision, einem konkreten Ziel unserer Schulentwicklung. Ich habe mich damit immer schwer getan und das Verlangen ignoriert oder versucht wegzuargumentieren, weil ich ich gar nicht genau weiß, wo uns unser Entwicklungsprozess hinträgt. Die Rahmenbedingungen ändern sich so schnell, dass wir uns immer wieder agil anpassen müssen. Gleichzeitig verstehe ich natürlich, dass Arbeit ohne Ziel wenig „zielführend“ ist. Wir und ich werden daraus lernen und am nächsten Pädagogischen Tag Leitplanken für unseren Schulentwicklungsprozess entwickeln.

Vor Kurzem habe ich einen Beitrag von Dirk Zorn, Direktor für Bildung bei der Bertelsmann-Stiftung, über die Veränderungsfähigkeit des deutschen Schulsystems gelesen. Ein Gedanke daraus hat mich besonders beschäftigt: Gute Reformideen allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, ob die Menschen in einer Organisation gemeinsam Veränderungen gestalten können und ob die Bedingungen dafür stimmen.

Auf unsere Schule übertragen bedeutet das für mich, dass wir nicht nur darüber nachdenken sollten, wie Unterricht künftig aussehen soll, sondern auch darüber, wie wir unsere Schule gemeinsam weiterentwickeln wollen. Dafür müssen wir ein lernendes System werden.

Eine lernende Schule ist für mich eine Schule, in der wir Erfahrungen systematisch miteinander teilen, in der wir offen darüber sprechen können, wenn etwas nicht funktioniert, und in der wir bereit sind, Entscheidungen auf der Grundlage neuer Erkenntnisse zu verändern. Eine Schule, in der nicht jede Lehrkraft das Rad neu erfinden muss und in der erfolgreiche Ansätze nicht auf einzelne engagierte Kolleginnen und Kollegen beschränkt bleiben. Dazu gehört auch, unterschiedliche pädagogische Überzeugungen ernst zu nehmen und gemeinsam herauszufinden, was unseren Schülerinnen und Schülern tatsächlich hilft.

Das bedeutet nicht, dass wir bei jeder Frage einer Meinung sein müssen. Es bedeutet auch nicht, dass jede Entscheidung so lange diskutiert werden kann, bis alle einverstanden sind. Wir brauchen Orientierung, klare Verantwortlichkeiten und Verbindlichkeit. Aber wir brauchen ebenso die Gewissheit, dass Beteiligung mehr ist als die Möglichkeit, sich zu bereits feststehenden Entscheidungen zu äußern.

Unsere bestehenden Gruppen können dabei wichtige Aufgaben übernehmen. Die DNA-Gruppe gibt weiterhin Rückmeldungen zu pädagogischen Impulsen und reflektiert Entwicklungen. Die Schulentwicklungsgruppe koordiniert die Arbeit und organisiert Kommunikation, während die neue Steuerungsgruppe das Projekt- und Qualitätsmanagement unterstützt. Entscheidend ist jedoch, dass Schulentwicklung nicht auf diese Gruppen beschränkt bleibt. Sie muss in den Fachschaften, Jahrgangsteams und im Unterricht erfahrbar werden und von den Erfahrungen möglichst vieler Kolleginnen und Kollegen profitieren.

Deshalb möchte ich, dass wir uns in der nächsten Phase unserer Schulentwicklung auch mit unserem Entwicklungsprozess selbst beschäftigen. Wir sollten gemeinsam besser klären, welche Ziele wir vorrangig verfolgen, wie Entscheidungen zustande kommen, wie Beteiligung gelingen kann und woran wir erkennen, ob unsere Arbeit tatsächlich etwas verbessert. Dazu gehört für mich ausdrücklich auch die Frage, was wir künftig nicht mehr oder zumindest nicht gleichzeitig machen.

Mir ist bewusst, dass solche Überlegungen allein noch keine Entlastung schaffen. Im Gegenteil: Auch Veränderungen, die langfristig Arbeit erleichtern sollen, kosten zunächst Zeit und Kraft. Umso wichtiger ist es, dass wir sorgfältig mit unseren Ressourcen umgehen und uns auf das konzentrieren, was wirklich einen Unterschied macht. Ich möchte diese Gedanken zunächst als Einladung zum Nachdenken und zum Gespräch verstanden wissen. Mich interessiert, wie sie unsere bisherige Schulentwicklung erleben, was sie dabei unterstützt, was möglicherweise fehlt und welche Veränderungen sie sich für unsere Zusammenarbeit wünschen. Auch kritische Rückmeldungen sind ausdrücklich willkommen, weil sie wertvoll sind.

Vielleicht liegt eine unserer wichtigsten nächsten Aufgaben nicht darin, noch mehr neue Ideen zu entwickeln, sondern darin, besser miteinander und voneinander zu lernen.

Denn wenn wir wollen, dass unsere Schülerinnen und Schüler Verantwortung für ihr Lernen übernehmen, sollten wir uns auch selbst als Lernende verstehen. Nicht nur als einzelne Lehrkräfte, sondern als gesamte Schule.


Lesetipp: Dirk Zorn, „Das deutsche Schulsystem: Wie es funktioniert und warum Veränderungen so schwerfallen“, Change Learning, 8. Oktober 2026. https://www.change-learning.de/2026/10/08/das-deutsche-schulsystem-wie-es-funktioniert-und-warum-veraenderungen-so-schwerfallen/.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Am 29. September wurde zum 20. Mal der Deutsche Schulpreis verliehen, Infos zu den Preisträgerschulen gibt es hier: https://www.deutscher-schulpreis.de/nominierung-und-preisverleihung.
Wenn wir über das Wohlbefinden unserer Schülerinnen und Schüler sprechen, denken wir häufig an Präventionsprogramme, Schulsozialarbeit oder zusätzliche Unterstützungsangebote. Der Kinder- und Jugendpsychologe Julian Schmitz lenkt den Blick auf den Unterricht selbst. Gute Beziehungen, konstruktives Feedback, sichtbare Lernfortschritte und echte Mitbestimmung können Kinder stärken und psychische Belastungen reduzieren. Ein lesenswerter Beitrag, der zeigt, dass Unterrichtsentwicklung immer auch Gesundheitsförderung sein kann: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/wer-ueber-psychische-gesundheit-spricht-muss-auch-ueber-unterricht-sprechen/.
Die Testphase für das adaptive intelligente System hat begonnen. Mit dem Adaptiven Intelligenten System (AIS) erproben die Bundesländer eine KI-gestützte Lernumgebung, die Aufgaben an individuelle Lernstände anpasst und Schülerinnen und Schüler durch einen KI-Tutor begleitet. Zunächst wird das System in Deutsch und Mathematik getestet. Besonders spannend ist die Frage, ob adaptive Unterstützung langfristig auch selbstständiges Lernen fördert., mehr: https://ais.schule/pilotphase/. Dazu gibt es auch einen Podcast von „Schule macht Medien“: https://open.spotify.com/episode/5Uy5u2cXrSTX3xP4IVRCnC.

Schulentwicklung
Seit 20 Jahren zeigt der Deutsche Schulpreis, dass herausragende Schulen unter ganz unterschiedlichen Bedingungen entstehen können. Entscheidend ist nicht allein, welche Ressourcen zur Verfügung stehen, sondern auch, wie Schulen ihre Möglichkeiten nutzen, Unterricht weiterentwickeln und gemeinsam an ihrer Qualität arbeiten. Der Rückblick im Deutschen Schulportal macht Mut, bestehende Strukturen zu hinterfragen und von erfolgreichen Schulen zu lernen. Für unsere eigene Schulentwicklung ist dabei besonders interessant, wie aus guten Ideen einzelner Lehrkräfte und Teams Veränderungen entstehen können, die der gesamten Schule zugutekommen: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/schaut-her-und-traut-euch-euer-system-zu-veraendern.

Smartphone und Social-Media
Das Deutsche Schulportal stellt eine Prompt-Bibliothek für die Schulentwicklung zur Verfügung: https://campus.deutsches-schulportal.de/promptbibliothek.
Der „Medienzeit-Elternblog“ berichtet über die Gefahren von Social Media, wenn Partys dort bekannt werden: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/snapchat-snap-map-standort-partys-jugendliche.

KI
PISA 2025 zeigt, dass Jugendliche mit häufiger KI-Nutzung im Durchschnitt schlechtere Leistungen erzielen. Ob KI dafür verantwortlich ist, bleibt offen. Entscheidend ist offenbar weniger, wie oft KI genutzt wird, sondern wie. Gerade deshalb muss Schule selbstreguliertes Lernen und den kritischen Umgang mit KI fördern: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/was-die-pisa-studie-ueber-den-zusammenhang-von-ki-nutzung-und-lernerfolg-verraet.
PISA 2029 wird übrigens, wie ich letztes Jahr schon in einem Newsletter geschrieben habe (nachzulesen hier: https://www.schulmun.de/2026/05/13/newsletter-25-26-16-13-05-2026/), einen Fokus auf KI-Literacy legen, Informationen dazu: https://www.oecd.org/en/about/projects/pisa-2029-media-and-artificial-intelligence-literacy.html.
Die KMK hat ihren Kompetenzrahmen „Bildung in der digitalen Welt“ um KI-Kompetenzen erweitert. Schülerinnen und Schüler sollen KI nicht nur anwenden, sondern Ergebnisse kritisch beurteilen, verantwortungsvoll handeln und die Entwicklung von KI aktiv mitgestalten können. Damit rücken Selbstständigkeit und Urteilskraft stärker in den Mittelpunkt. Entscheidend wird nun sein, wie diese Ziele tatsächlich im Unterricht verankert werden: https://www.kmk.org/aktuelles/pressearchiv/mitteilung/was-schuelerinnen-und-schueler-im-umgang-mit-ki-koennen-sollen.html.
Wenn KI zunehmend ganze Arbeitsprozesse übernimmt, verändert sich auch die Rolle von Lehrkräften und Schulleitungen. Doris Weßels und Miriam Maibaum zeigen, warum AI Leadership weit über technische Kompetenzen hinausgeht. Entscheidend wird die Fähigkeit, KI sinnvoll zu steuern, Ergebnisse kritisch zu beurteilen und die Verantwortung für pädagogische Entscheidungen zu behalten: https://www.forumbd.de/magazin/ai-leadership-die-zentrale-fuehrungskompetenz-fuer-schulen-im-zeitalter-von-ki-agenten/.

Tipps für den Unterricht
Felix Urban stellt zwei interessante Modelle für den schulischen KI-Einsatz vor. Während PRISMA einen Rahmen für die systematische Schulentwicklung bietet, unterstützt RAKETE Schülerinnen und Schüler dabei, KI durch gezieltes Prompting als Lern- und Denkwerkzeug einzusetzen. Zwei praktische Ansätze, um KI reflektiert und pädagogisch sinnvoll zu nutzen: https://www.felixurban.com/k%C3%BCnstliche-intelligenz-1.

Leseempfehlung
Olaf-Axel Burow, Stefan Ruppaner, Johannes Zylka: Wenn Schule fliegen lernt. Schmetterlingspädagogik – Anleitung zur Schulrevolution, Weinheim 2026.
Wie kann Schule so gestaltet werden, dass Kinder und Jugendliche selbstständiger, motivierter und nachhaltiger lernen? Dieser Frage widmen sich Olaf-Axel Burow, Stefan Ruppaner und Johannes Zylka in ihrem Buch „Wenn Schule fliegen lernt“. Ausgangspunkt ist die Alemannenschule Wutöschingen, die mit ihrer Schmetterlingspädagogik bundesweit Aufmerksamkeit erregt hat. Das Konzept verbindet selbstorganisiertes Lernen mit dem Lernen durch Erleben. Kompetenzraster, individuelle Lernpläne und Lernbegleitung schaffen Orientierung, während Projekte, eigene Erfahrungen und die Übernahme von Verantwortung dem Lernen Sinn geben sollen. Besonders interessant ist, dass die Autoren nicht nur eine pädagogische Vision entwerfen, sondern auch konkrete Instrumente und Erfahrungen aus der schulischen Praxis vorstellen.
Für unsere Schulentwicklung an der Weibelfeldschule bietet das Buch zahlreiche Anknüpfungspunkte. Gerade das Zusammenspiel von klaren Strukturen, individuellen Lernwegen und projektorientiertem Lernen ist auch für unsere Überlegungen von Bedeutung. Dabei geht es nicht darum, das Modell einer anderen Schule zu kopieren, sondern Anregungen für unseren eigenen Weg zu gewinnen.
Eine Leseempfehlung für alle, die sich mit der Frage beschäftigen, wie wir Unterricht nicht nur verändern, sondern Lernen grundsätzlich neu gestalten können.
Nota bene: Professor Burow wird den Pädagogischen Tag am 10.02.2027 an der Weibelfeldschule mit einer Zukunftswerkstatt gestalten.

Hörempfehlung
Künstliche Intelligenz gehört für viele Jugendliche längst zum Schulalltag. Aber wie nutzen sie ChatGPT tatsächlich, wann hilft es beim Lernen und wann eher nicht? Darüber sprechen die Hosts mit der 17-jährigen Schülerin und Bildungsunternehmerin Linda Weise. Besonders interessant ist die Perspektive einer Jugendlichen, die nicht nur über KI spricht, sondern selbst mit ihr arbeitet. Ein guter Anlass, auch zu Hause über den sinnvollen Einsatz von KI ins Gespräch zu kommen: https://www.ardsounds.de/episode/urn%3Aard%3Aepisode%3A61a205444d2c8200/.

Sehempfehlung
Wie lange können wir uns eigentlich noch auf eine Sache konzentrieren? Ständige Benachrichtigungen, Smartphones und digitale Ablenkungen machen es uns nicht gerade leicht. Quarks geht in einem Kurzvideo der Frage nach, was die Forschung über unsere Aufmerksamkeit weiß und wie wir konzentriertes Arbeiten und Lernen fördern können. Sehenswert für alle, die sich gelegentlich dabei ertappen, schon wieder zum Handy zu greifen: https://www.ardmediathek.de/video/quarks/nach-8-sekunden-ist-schluss-koennen-wir-uns-nicht-mehr-konzentrieren/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtZWUzNmI1MjItZTkxOC00NzY0LWFhMzUtNTY2NGZmMTkzZGM4. 

Veranstaltungsempfehlung
Online-Veranstaltung des Deutschen Schulportals zur Förderung von selbstreguliertem Lernen: https://campus.deutsches-schulportal.de/event/908.

Spaß im Netz
https://neal.fun/spend-elon/.

Newsletter 26/27-04: 25.09.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

dies ist der letzte Newsletter vor den Herbstferien. Ich wünsche Ihnen allen gute Erholung und freue mich, Sie am 19. Oktober wiederzusehen! Vorher möchte ich mit Ihnen aber noch ein paar Gedanken zum ausgebliebenen PISA-Schock 2026 teilen.

Vor zwei Wochen wurden die Ergebnisse von PISA 2025 veröffentlicht. Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland sind erneut gesunken und liegen inzwischen auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Erhebungen. Im Lesen und in Mathematik erreicht etwa ein Drittel nicht einmal die grundlegende Kompetenzstufe, in den Naturwissenschaften ist es rund ein Viertel. Die Ergebnisse sind damit schlechter als zu Beginn der PISA-Studien, als der Begriff vom „PISA-Schock“ geprägt wurde und eine breite gesellschaftliche Debatte über Schule und Bildung begann. Die OECD fasst die Ergebnisse für Deutschland ausführlich zusammen.

Diesmal ist von einem solchen Schock wenig zu spüren. Es gab einige Tage lang Schlagzeilen, Interviews und die bekannten Forderungen nach mehr Sprachförderung, Basiskompetenzen, Verbindlichkeit oder einem neuen Bildungsgipfel. Inzwischen ist es außerhalb der üblichen Bildungsbubbles schon wieder erstaunlich ruhig geworden. Der Befund scheint sich einzureihen in die vielen schlechten Nachrichten, an die man sich irgendwann gewöhnt. Das finde ich fast beunruhigender als die erneut gesunkenen Punktwerte. Ein Bildungssystem, in dem ein wachsender Teil der Jugendlichen die Mindestanforderungen nicht erreicht, sollte eigentlich ein großes gesellschaftliches Thema sein und nicht nach wenigen Tagen wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.

Dabei lohnt es sich, die Studie genauer anzusehen. Denn die öffentliche Diskussion hat sich stark auf die gesunkenen Durchschnittswerte konzentriert. Einige andere Ergebnisse erzählen mindestens ebenso viel über den Zustand unseres Bildungssystems. Dazu gehört zunächst, dass Deutschland keineswegs nur ein Problem mit besonders leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern hat. Rund ein Fünftel der 15-Jährigen erreicht in keinem der drei untersuchten Bereiche ausreichende Basiskompetenzen. Gleichzeitig wird aber auch die Leistungsspitze kleiner. In Mathematik ist der Anteil besonders leistungsstarker Jugendlicher von 13 auf 8 Prozent gesunken, im Lesen von 12 auf 7 Prozent. Nur noch drei Prozent erreichen in allen drei Bereichen die höchsten Kompetenzstufen. Der Leistungsrückgang betrifft damit nicht nur eine bestimmte Gruppe, sondern zieht sich durch weite Teile der Schülerschaft. Eine ausführliche Einordnung der deutschen Ergebnisse findet sich beim DIPF.

Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang auch Ergebnisse, die mit den eigentlichen Leistungstests zunächst wenig zu tun zu haben scheinen. 33 Prozent der Jugendlichen in Deutschland stimmen der Aussage zu, Schule sei Zeitverschwendung. Im OECD-Durchschnitt sind es 24 Prozent. Gleichzeitig beschreiben sich 77 Prozent der Jugendlichen in Deutschland als neugierig auf viele verschiedene Dinge. Das passt nicht recht zu der gelegentlich zu hörenden Diagnose einer grundsätzlich desinteressierten oder lernunwilligen Generation. Es legt eher die Vermutung nahe, dass Schule vorhandene Neugier nicht immer in erfolgreiches Lernen übersetzen kann. Auch diese Befunde finden sich in der OECD-Ländernotiz zu Deutschland. Besonders bedrückend bleibt der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Bei sozioökonomisch benachteiligten Jugendlichen erreichen lediglich zwei Prozent hohe naturwissenschaftliche Kompetenzen, bei privilegierten Jugendlichen sind es rund 25 Prozent. Der sozioökonomische Status erklärt in Deutschland 19 Prozent der Leistungsunterschiede in den Naturwissenschaften, im OECD-Durchschnitt sind es 12 Prozent. Der Zusammenhang zwischen Herkunft und Leistung ist bei uns inzwischen stärker als jemals zuvor bei PISA. Das ist auch deshalb ernüchternd, weil genau dieser Befund bereits im Zentrum des ersten PISA-Schocks vor einem Vierteljahrhundert stand. Dass andere Länder mit ebenfalls heterogenen Schülerschaften deutlich geringere Zusammenhänge zwischen Herkunft und Leistung aufweisen, zeigt zudem, dass dieser Zustand keineswegs zwangsläufig ist.

Wenig Aufmerksamkeit haben bisher die Ergebnisse bekommen, die unmittelbar den Unterricht betreffen. Nur 56 Prozent der Jugendlichen in Deutschland berichten, dass sich ihre Lehrkraft in den meisten naturwissenschaftlichen Unterrichtsstunden für ihren individuellen Lernfortschritt interessiert. Im OECD-Durchschnitt sind es 69 Prozent. 55 Prozent erleben regelmäßig, dass etwas so lange erklärt wird, bis sie es verstanden haben, gegenüber 66 Prozent im OECD-Durchschnitt. Gleichzeitig geben 21 Prozent an, in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden nicht gut arbeiten zu können, und 34 Prozent berichten, dass Mitschülerinnen und Mitschüler der Lehrkraft nicht zuhören. Diese und weitere Befunde zur Unterrichtsqualität dokumentiert ebenfalls die OECD in ihrer Auswertung für Deutschland.

Solche Zahlen eignen sich nicht für einfache Schuldzuweisungen an Lehrkräfte. Unterricht findet unter Bedingungen statt, die Schule und einzelne Lehrkräfte nur teilweise beeinflussen können. Trotzdem berühren diese Ergebnisse einen Kern von Schule, über den erstaunlich selten gesprochen wird. Zwischen einem erteilten Unterricht und dem Lernen der Schülerinnen und Schüler besteht keine automatische Verbindung. Ein Thema kann behandelt worden sein, ohne dass es verstanden wurde. Eine Klassenarbeit kann geschrieben und benotet werden, ohne dass daraus eine gezielte Förderung entsteht. Fördermaßnahmen können durchgeführt werden, ohne dass wir wissen, ob sie tatsächlich etwas bewirken. Gerade deshalb sind Lernstandsdiagnostik, Rückmeldung und eine Umgebung, in der konzentriertes Lernen möglich ist, keine pädagogischen Nebenthemen.

Kai Maaz vom DIPF hat seine Einordnung der neuen Ergebnisse mit dem Satz überschrieben, der Engpass im Bildungssystem liege „zwischen Wissen und Wirkung“. Das trifft aus meiner Sicht einen wichtigen Punkt. Seit dem ersten PISA-Schock haben wir Bildungsstandards eingeführt, Vergleichsarbeiten entwickelt, Kompetenzmodelle erstellt und ein umfangreiches Bildungsmonitoring aufgebaut. Wir wissen heute wesentlich mehr über die Stärken und Schwächen unseres Bildungssystems als vor 25 Jahren. Trotzdem sind die Leistungen gesunken und der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist größer geworden.

Vielleicht liegt darin tatsächlich das zentrale Problem. Es fehlt uns nicht in erster Linie an Erkenntnissen. Schwieriger ist der Weg von der Erkenntnis zur Veränderung. Diagnostizierter Förderbedarf führt nicht automatisch zu wirksamer Förderung. Erfolgreiche Modellprojekte verändern nicht automatisch den schulischen Alltag. Erkenntnisse der Bildungsforschung kommen nicht automatisch im Unterricht an. Und auch guter Unterricht führt nicht automatisch bei allen Schülerinnen und Schülern zum gleichen Lernerfolg. Genau an diesen Übergängen entscheidet sich aber, ob ein Bildungssystem aus seinen eigenen Erkenntnissen lernen kann.

Für unsere eigene Schulentwicklung ist dieser Befund durchaus relevant. Wenn wir uns mit Kompetenzrastern, Lernbegleitung, selbstorganisiertem Lernen oder Lernruhe beschäftigen, sollte es nicht darum gehen, Schule um möglichst viele neue pädagogische Konzepte zu ergänzen. Entscheidend ist vielmehr, genauer zu wissen, wo Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernen stehen, ihnen verständliche Rückmeldungen zu geben, passende Unterstützung anzubieten und anschließend auch zu prüfen, ob diese Unterstützung erfolgreich war. Dazu gehört ebenso eine Lernumgebung, in der konzentriertes Arbeiten möglich ist.

PISA 2025 liefert dafür keine fertigen Lösungen. Die Studie zeigt aber ziemlich deutlich, dass ein einfaches „Weiter so“ keine besonders überzeugende Antwort sein kann. Umso erstaunlicher ist, wie schnell wir gesellschaftlich schon wieder beim Alltag angekommen sind. Vielleicht wäre es deshalb ganz gut, wenn uns diese PISA-Ergebnisse doch noch ein wenig länger beschäftigen würden.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

(Dieser Bereich fällt aktuell leider etwas knapper aus, weil meine zeitlichen Ressourcen im Moment nicht mehr hergeben)

Interessantes
Der „Pisaversteher“, Bildungsjournalist Christian Füller, schreibt in seinem neuen Blogartikel, dass das neue Abitur schon veraltet ist, bevor es überhaupt abgenommen wurde: https://pisaversteher.com/2026/09/17/das-neue-abitur-ist-veraltet-bevor-es-das-erste-mal-abgenommen-wird/.
Der Schulleiter Jonas Engler berichtet, wie er mit Vibe-Coding in kurzer Zeit eine Verwaltungssoftware für seine Schule erstellt hat: https://jonasengeler.de/blog/ki-assistent-schulorganisation/.

Schulentwicklung
Hauke Pölert macht sich Gedanken zu KI und Schulentwicklung und betont in diesem Kontext, dass diese ein zyklischer Prozess sein muss: https://unterrichten.digital/2026/09/20/ki-schule-kurs-prozess/.

Smartphone und Social-Media
Eigentlich auch eine Hörempfehlung, passt hier aber thematisch gut. Der Podcast „Smartphone Sprechstunde“ von Niki Löwenstein und Andrea Buhl-Aigner beschäftigt sich mit wichtigen Themen rund um das Smarthone für Eltern: https://open.spotify.com/show/0NW49OphxRj7rrrvE0g6yE.

KI
Noch einmal Hauke Pölert, er beschäftigt sich auf seiner Homepage mit vier aktuellen KI-Studien. Eine zentrale Kontur: Mit KI können sichtbare Leistungen steigen, ohne dass der Lernzuwachs im gleichen Maße wächst. Entscheidend ist offenbar weniger das verwendete Sprachmodell als die didaktische Gestaltung seiner Nutzung. Für Schule folgt daraus eine unbequeme Frage: Welche Denkprozesse dürfen wir an KI delegieren – und welche müssen Lernende weiterhin selbst durchlaufen, um später überhaupt kompetent mit KI arbeiten zu können? https://unterrichten.digital/2026/09/17/studien-ki-schule-lernen-infoposter/.
Bei Manuel Flick gibt es einen E-Mail-Kurs für Lehrkräfte zum Einstieg in „Claude“: https://www.manuelflick.de/claude-kurs. Ich habe mir jetzt auch Claude geholt und schon eine erste Übungs-App gebastelt.

Tipps für den Unterricht
Wie sagt Stefan Ruppaner: „Unterricht ist aller Übel Anfang“ 😉

Leseempfehlung
Aus der Upgrade-Reihe von Klett-Kallmayer: Sobel, Martina; Alpoguz; Leistungsmessung und Beurteilung. Wege in eine veränderte Prüfungskultur, Hannover 2024.

Hörempfehlung
Aladin El-Mafaalani im Podcast „Politik mit Anne Will“ zu PISA, Vernachlässigung, Kindern und Demokratie: https://podcasts.apple.com/de/podcast/pisa-was-macht-die-vernachl%C3%A4ssigung-von-kindern-mit/id1740744367?i=1000790176959

Sehempfehlung
Ein schöne Folge von Checker Tobi zum Thema KI: https://www.ardmediathek.de/video/checker-reportagen/wie-ki-unser-leben-verandert/ard/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9hM2ZjZGU3Yi0xMzU1LTQzMWQtOTYwZi00OTZkYzAyODBjZDNfb25saW5lYnJvYWRjYXN0?isChildContent.
ZDF 37 Grad-Doku zur Macht der Klicks bei Kindern:  https://www.zdf.de/play/reportagen/37-grad-104/37-klicks-um-jeden-preis-100.

Veranstaltungsempfehlung
Wer in den hessischen Herbstferien noch nichts vorhat, kann, wie ich, nach NRW zu den Kamener Schulgesprächen kommen. Termin ist der 12.10.26 im Schulzentrum in Kamen: Tickets hier: https://event-buddy.de/events/das-5-kamener-schulgespraech, Infos da: https://t1p.de/SG2026.

Spaß im Netz
https://neal.fun/wonders-of-street-view/.

Newsletter 26/27 -03: 11.09.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich möchte heute erklären, warum wir keine Kinderfotos auf der Homepage veröffentlichen

Wer in letzter Zeit auf unsere Homepage oder unsere Social-Media-Kanäle geschaut hat, wird vielleicht bemerkt haben, dass dort kaum noch erkennbare Fotos unserer jüngeren Schülerinnen und Schüler zu finden sind. Das ist kein Zufall. Wir haben uns entschieden, bis einschließlich Jahrgang 7 grundsätzlich keine Fotos mehr zu veröffentlichen, auf denen Schülerinnen und Schüler erkennbar sind.

Dabei geht es nicht darum, dass solche Fotos grundsätzlich verboten wären. Mit entsprechenden Einwilligungen könnten wir sie weiterhin veröffentlichen. Wir haben uns trotzdem dagegen entschieden, denn die entscheidende Frage lautet für uns heute nicht mehr nur, ob wir dieses Fotos veröffentlichen dürfen, sondern auch: Was kann mit diesem Fotos geschehen, wenn sie einmal öffentlich im Internet stehen?

Ein harmloses Foto muss nicht harmlos bleiben

Ein öffentlich zugängliches Foto kann gespeichert, kopiert, automatisiert gesammelt und mit weiteren Informationen verknüpft werden; das war grundsätzlich schon immer so. Durch Künstliche Intelligenz haben sich die Möglichkeiten des Missbrauchs jedoch erheblich verändert.

Heute können Bilder realer Menschen mit vergleichsweise geringem Aufwand manipuliert werden. Sogenannte „Nudification“-Anwendungen können beispielsweise aus einem normalen Foto künstliche Nacktaufnahmen oder sexualisierte Darstellungen erzeugen.

Die Internet Watch Foundation (IWF) und die britische National Crime Agency warnen inzwischen ausdrücklich davor, dass Täter frei zugängliche Bilder von Kindern nutzen, um daraus realistisch wirkende sexualisierte Inhalte zu erstellen.

Wie rasant diese Entwicklung verläuft, zeigen aktuelle Zahlen: Die IWF identifizierte im Jahr 2025 8.029 realistisch wirkende KI-generierte Bilder und Videos mit Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs. Besonders drastisch ist die Entwicklung bei Videos: 2024 registrierte die IWF 13 entsprechende KI-generierte Videos, 2025 waren es 3.443 – mehr als das 260-Fache innerhalb nur eines Jahres.

Auch die deutsche Medienkompetenzinitiative klicksafe warnt inzwischen ausdrücklich davor, Kinderbilder unbedacht öffentlich zu teilen: Mithilfe von KI können aus scheinbar harmlosen Bildern sexualisierte Darstellungen erzeugt und verbreitet werden. Die aktuelle Kampagne trägt einen bemerkenswert eindeutigen Titel: #KinderSindKeinContent.
Hinzu kommen weitere Risiken. Fotos, Namen, Schule, Alter, Hobbys und andere öffentlich verfügbare Informationen können zusammengeführt werden und Teile einer digitalen Identität ergeben. Sie können für Fake-Profile, Identitätsmissbrauch oder auch zur gezielten Kontaktaufnahme mit Kindern verwendet werden. Auch deshalb gehört der Schutz persönlicher Informationen zur Prävention von Cybergrooming.

Auch öffentliche Einrichtungen tragen Verantwortung

Diese Diskussion findet inzwischen auch auf politischer Ebene statt. Die unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ des Bundes hat im Juni 2026 ihre Handlungsempfehlungen unter dem Titel „Entwicklung stärken, Verantwortung übernehmen“ vorgelegt.

Darin geht es ausdrücklich um den Schutz der Privatsphäre von Kindern, um einen verantwortungsvollen Umgang öffentlicher Einrichtungen mit Kinderbildern und um einen besseren Schutz vor missbräuchlichen Deepfakes und Deepnudes. Die Frage, welche Bilder eine Schule von Kindern ins offene Internet stellt, ist damit für uns nicht lediglich eine Frage des Datenschutzes oder der Öffentlichkeitsarbeit, sie ist eine Frage des Kinder- und Jugendmedienschutzes.

Wir haben uns beraten lassen

Wir haben unsere Entscheidung deshalb auch nicht spontan getroffen. Frau Manzoni und ich haben uns in einer Videokonferenz ausführlich von Silke Müller beraten lassen. Die ehemalige Schulleiterin, Autorin und Expertin für digitale Ethik beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den digitalen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und hat zuletzt auch konkrete Empfehlungen zum Umgang von Schulen, Kitas und Vereinen mit Kinderbildern veröffentlicht.

Viele aus unserer Schulgemeinschaft kennen Silke Müller bereits. Sie war vergangenen Jahr auf Einladung des Fördervereins der Weibelfeldschule und von mir im Bürgerhaus Dreieich zu Gast und hat dort eindrücklich über die Chancen, aber auch die Schattenseiten der digitalen Welt unserer Kinder gesprochen.

Aus der Beratung ist für uns ein einfacher Grundsatz entstanden: Wir müssen nicht alles veröffentlichen, nur weil wir es dürfen.

Schutz und zunehmende Selbstbestimmung

Konkret bedeutet das: Bis einschließlich Jahrgang 7 veröffentlichen wir auf unserer Homepage und unseren Social-Media-Kanälen grundsätzlich keine Fotos mehr, auf denen Schülerinnen und Schüler erkennbar sind. Wir wollen diese Regel auch nicht durch Fotos von hinten oder ähnliche Konstruktionen umgehen.

Natürlich endet das Schutzbedürfnis nicht mit dem Wechsel von Jahrgang 7 in Jahrgang 8. Wir müssen im Schulalltag aber eine praktikable Grenze ziehen. Gleichzeitig verändert sich mit zunehmendem Alter etwas anderes. Jugendliche sollen immer stärker selbst darüber nachdenken und mitentscheiden, ob und wie sie in der digitalen Öffentlichkeit sichtbar sein möchten.

Der bewusste Umgang mit der eigenen digitalen Identität ist schließlich selbst Teil der Medienbildung. Kinder- und Jugendmedienschutz sollten deshalb aus unserer Sicht beides leisten, nämlich jüngere Kinder besonders schützen und Heranwachsende zunehmend zu selbstbestimmten Entscheidungen befähigen.

Ab Jahrgang 8 können wir daher weiterhin Fotos veröffentlichen, wenn die erforderlichen Einwilligungen vorliegen. Aber auch dann gilt: Eine Einwilligung verpflichtet uns nicht zur Veröffentlichung. Wir werden weiterhin sorgfältig überlegen, welche Bilder wirklich ins offene Internet gehören und wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler mitentscheiden, welche Bilder veröffentlicht werden. Das macht unsere Öffentlichkeitsarbeit nicht unbedingt einfacher. Schule lebt von Menschen, Begegnungen, Projekten, Aufführungen, Sport, Fahrten und gemeinsamem Lernen und natürlich möchten wir davon erzählen. Wir werden deshalb andere Wege finden, unser Schulleben sichtbar

zu machen, ohne dafür die Gesichter unserer jüngeren Schülerinnen und Schüler ins offene Internet zu stellen, dabei können auch Illustrationen von KI eine Rolle spielen, die natürlich entsprechend gekennzeichnet werden.

Denn am Ende bleibt für uns ein entscheidender Unterschied:

Wir können mit den Jugendlichen gemeinsam entscheiden, welches Foto wir ins Internet stellen. Wir können aber nicht mehr entscheiden, was andere anschließend mit diesem Foto machen.

Und deshalb gilt für uns im Zweifel: Kinderschutz geht vor Öffentlichkeitsarbeit.

All das gilt natürlich auch für die Veröffentlichung von Bildern auf den Social Media-Kanälen von Jugendlichen und denen ihrer Eltern.

Quellen und weiterführende Informationen

(Dieser Text ist mit Unterstützung von KI entstanden)

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

(Dieser Bereich fällt aktuell leider etwas knapper aus, weil meine zeitlichen Ressourcen im Moment nicht mehr hergeben)

Interessantes
Heute gibt es hier aus aktuellem Anlass einen kleinen PISA-Schwerpunkt.

Das „Deutsche Schulportal“ fasst die zehn wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/die-zehn-wichtigsten-ergebnisse-der-pisa-studie-2025/.
Wir wissen längst, wo die Probleme unseres Bildungssystems liegen. Trotzdem gelingt es zu selten, aus Diagnosen wirksame Förderung und aus erfolgreichen Projekten dauerhafte Strukturen zu entwickeln. Angesichts der alarmierenden Ergebnisse von PISA 2025 fordert DIPF-Direktor Kai Maaz deshalb einen entscheidenden Perspektivwechsel: Deutschland muss nicht nur seine Diagnosefähigkeit, sondern vor allem seine Wirkungsfähigkeit verbessern. Ein sehr lesenswerter Impuls über Unterrichtsqualität, bedarfsgerechte Ressourcen und die Lücke zwischen Wissen und Wirkung: https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell/mediathek-1/einblicke-und-denkanstoesse/pisa-2025-der-engpass-liegt-zwischen-wissen-und-wirkung. Außerdem gibt es ein Interview mit ihm in der FR: https://www.fr.de/politik/pisa-studie-deutsche-15-jaehrige-schlechter-als-beim-allerersten-test-94480924.html.
Hier gibt es einen Auszug aus der aktuellen Studie: https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2026/09/pisa-2025-results-volume-i_5265bfb1/1562a447-de.pdf.
Und hier gibt es Hintergründe zum Verfahren: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/wer-misst-hier-eigentlich-wen-so-funktioniert-die-pisa-studie/.
Die offizielle Landingpage der OECD: https://www.oecd.org/en/about/programmes/pisa.html.
Weitergehendes Hintergrundwissen bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/PISA-Studien.

Schulentwicklung
Hendrik Haverkamp im „Deutschen Schulportal“ zur De-Implementierung von Korrekturen: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/korrekturen-de-implementierung-einer-sinnlosen-praxis/.

Smartphone und Social-Media
„Klicksafe“ hat eine neue Infobroschüre zu Online-Spielen herausgebracht: https://www.klicksafe.de/materialien/digitale-spiele-tipps-fuer-eltern.

KI
Kehrt Skandinavien wirklich zu Buch und Stift zurück? Hauke Pölert räumt mit einer häufig zitierten, aber irreführenden Erzählung auf. Schweden stärkt angesichts sinkender Lesekompetenzen analoge Grundlagen in den jüngeren Jahrgängen. Dänemark schützt eigenständiges Denken in Prüfungssituationen. Norwegen setzt seine Digitalisierungsstrategie fort und führt altersbezogene Regeln für KI ein. Die entscheidende Frage lautet daher nicht analog oder digital, sondern welches Medium in welcher Lernphase welchen Kompetenzerwerb unterstützt. Ein wichtiger Beitrag für eine sachlichere Debatte über Digitalisierung, KI und zeitgemäße Prüfungsformate: https://unterrichten.digital/2026/09/03/skandinavien-ki-digitalisierung-schule/.
Lisa Born berichtet in einem Gastbeitrag auf der Homepage von Joscha Falck über eine Erfahrung mit KI im Latein-Unterricht: https://joschafalck.de/lernpartner-latein/.
Eine neue systematische Übersicht zeigt: Ob KI das Lernen unterstützt oder eigenständiges Denken verdrängt, hängt vor allem von Aufgabenstellung, Prüfungskultur und KI-Kompetenz ab. Besonders problematisch wird es, wenn Lernende nicht nur Arbeitsschritte, sondern auch Quellenprüfung, Interpretation und Urteilsbildung an die KI delegieren: https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2026.1878665/full.
Die American Psychological Association fasst den aktuellen Forschungsstand zur KI-Nutzung von Kindern und Jugendlichen zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wann KI sinnvoll entlastet und wann sie Denkprozesse, Selbstregulation und soziale Erfahrungen ersetzt, die junge Menschen erst noch entwickeln müssen: https://www.apa.org/monitor/2026/09/ai-brain-development-youth.

Tipps für den Unterricht
Wie selbstverständlich sind unsere Vorstellungen von Fleiß, Leistung, Disziplin oder angemessenem Verhalten wirklich? Der Beitrag über Habitussensibilität im „Deutschen Schulportal“ zeigt, wie die eigene soziale Herkunft den Blick von Lehrkräften prägt und unbewusst zur Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern beitragen kann. Eine anregende Einladung, die eigene pädagogische Haltung mit produktiver Skepsis zu betrachten und Bildungsgerechtigkeit auch als Aufgabe der Schul- und Beziehungskultur zu verstehen: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/habitussensibilitaet-warum-lehrkraefte-der-eigenen-haltung-mit-skepsis-begegnen-sollten/.

Leseempfehlung
Bob Blume: Warum noch lernen. Wie Schule in Zeiten von KI, Krisen und sozialer Ungerechtigkeit aussehen muss, Mosaik 2024.
Die ideale Vorbereitung auf den Vortrag am 23.09. Bob Blume beschäftigt sich mit vielen Aspekten den Bildungssystems, wo es knarzt und was man besser machen müsste. Im Kern steht die Frage: Was bedeutet Lernen im 21. Jahrhundert und welchen Bildungsbegriff brauchen wir dafür.

Hörempfehlung
Florian Nuxoll hat die 3. Folge seines mit KI generierten Podcast „Die Schule am Mühlbach“ veröffentlicht. In diesem werden auf unterhaltsame Weise aktuelle Trends aus der Jugend und Social Media vorgestellt und erklärt: https://www.podcast.de/podcast/3734929/die-schule-am-muehlbach.

Sehempfehlung
„KI macht Schule: Was wir von China lernen können – Tech, KI & Schmetterlinge“ mit Sascha Lobo: https://www.youtube.com/watch?v=U7mAEi2JkI0&t=33s.
Interview mit Felix Koleve, einem Schulleiter der sich mit Vibe-Coding seine eigene Schulsoftware gebaut hat: https://www.youtube.com/watch?v=KpyFA9GWLU8.

Veranstaltungsempfehlung

Außerdem:
Zwar nicht ganz unsere Region, aber dennoch eine spannende Veranstaltung mit interessanten Gästen von Andreas Schleicher über Margret Rasfeld bis Stefan Ruppaner. Die „4. Nacht der Redner Edition Zukunftsschule“ am 6. November in Hamburg. Tickets und weitere Infos gibt es hier: https://www.eventbrite.de/e/4-nacht-der-redner-edition-zukunftsschule-tickets-1991188749150.

Spaß im Netz
https://neal.fun/unusual-suspects

Newsletter 26/27 – 02: 28.08.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich will keine Spaßbremse sein und mir ist auch klar, dass etwas Risiko und Sorglosigkeit zum Aufwachsen gehören, dennoch mache ich mir Sorgen um den Umgang von E-Scootern bei unseren Schülerinnen und Schülern.

Ich beobachte sehr häufig, wie zwei, manchmal sogar drei, Schülerinnen und Schüler auf einem Scooter unterwegs sind. Gerne wird dabei auch noch mit dem Handy hantiert und wenig Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer genommen.

Klar, E-Scooter sind praktisch, schnell und unkompliziert. Leider zeigt sich inzwischen aber auch eine andere Seite. Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab es 2025 deutschlandweit 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. Das sind 38 Prozent mehr als noch 2024 und bereits damals waren die Unfallzahlen um fast 27 Prozent gestiegen. 38 Menschen kamen 2025 bei E-Scooter-Unfällen ums Leben, fast 1.900 wurden schwer verletzt. (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_N049_462.html)

Das hängt sicher auch mit den steigenden Nutzerzahlen zusammen, dennoch sind das beeindruckende Zahlen.

Besonders nachdenklich macht uns als Schule: Mehr als die Hälfte der verunglückten E-Scooter-Fahrenden war jünger als 25 Jahre. Auch aus Hessen kommen deutliche Zahlen: In Frankfurt erlitt 2025 nahezu jeder dritte verletzte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren seine Verletzungen im Zusammenhang mit einem E-Scooter-Unfall. (https://www.polizei.hessen.de/die-polizei/statistik/verkehrsunfallstatistiken/verkehrsunfallstatistik-des-polizeipraesidiums-frankfurt-am-main)

Dabei lassen sich viele Risiken vermeiden. E-Scooter dürfen nur von einer Person gefahren werden. Gehwege sind grundsätzlich tabu; wo vorhanden, müssen Radwege oder Schutzstreifen benutzt werden. Und auch wenn keine allgemeine Helmpflicht besteht: Ein Helm kann bei einem Sturz einen entscheidenden Unterschied machen.

Deshalb unsere Bitte, gerade zu Beginn des neuen Schuljahres: Sprechen Sie auch zu Hause über sicheres und rücksichtsvolles Fahren. Und an unsere Schülerinnen und Schüler: Ein E-Scooter ist ein tolles Verkehrsmittel, aber eben kein Spielzeug. Fahrt aufmerksam, fahrt nicht zu zweit und nehmt Rücksicht auf andere.

Denn das Wichtigste ist nicht, möglichst schnell zur Schule zu kommen, sondern sicher anzukommen.

Hier habe ich noch einmal die wichtigsten geltenden Regeln zusammengefasst:

  • Mindestalter 14 Jahre: Jüngere Kinder dürfen E-Scooter im öffentlichen Straßenverkehr nicht fahren.
  • Nur eine Person: Zu zweit auf einem E-Scooter zu fahren ist verboten – unabhängig davon, wie kurz die Strecke ist.
  • Radweg statt Gehweg: Wo Radwege oder Radfahrstreifen vorhanden sind, müssen diese benutzt werden. Fehlen sie, darf auf der Fahrbahn gefahren werden. Auf reinen Gehwegen ist das Fahren grundsätzlich nicht erlaubt.
  • Maximal 20 km/h: Für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassene E-Scooter dürfen bauartbedingt höchstens 20 km/h fahren.
  • Versicherung ist Pflicht: Der Scooter benötigt eine Betriebserlaubnis und eine gültige Versicherungsplakette.
  • Nicht freihändig fahren: Auch das Anhängen an andere Fahrzeuge ist verboten.
  • Rücksicht nehmen: Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen haben Fußgänger Vorrang und dürfen weder behindert noch gefährdet werden.
  • Alkohol ist keine gute Idee: Weil E-Scooter Kraftfahrzeuge sind, gelten die entsprechenden Alkoholgrenzen des Straßenverkehrsrechts – und für Fahranfänger sowie unter 21-Jährige die Null-Promille-Regel.
  • Handy weg während der Fahrt: Für die Nutzung von Mobiltelefonen gelten dieselben Grundregeln wie bei anderen Kraftfahrzeugen.

Und natürlich gilt auch das zentrale Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme aus der Straßenverkehrsordnung.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

(Dieser Bereich fällt aktuell leider etwas knapper aus, weil meine zeitlichen Ressourcen im Moment nicht mehr hergeben)

Interessantes
Mehr Bildschirmzeit = schlechtere Kognition? Eine neue achtjährige Langzeitstudie findet sogar den gegenteiligen Zusammenhang. Die wichtigere Frage ist offenbar nicht, wie lange Jugendliche vor einem Bildschirm sitzen, sondern was sie dort tun: https://journals.humankinetics.com/view/journals/pes/38/3/article-p268.xml.

Schulentwicklung
Jennifer Knellesen und Kristin van der Meer haben aufgeschrieben wie man sukzessive eine Lernkultur für selbstreguliertes Lernen aufbaut: https://vom-labor-ins-klassenzimmer.de/den-lernprozess-in-die-eigene-hand-nehmen-wege-in-eine-kultur-des-selbstregulierten-lernens/.
Alexander Brand ordnet im Gespräch mit Thorsten Bohl (Jurysprecher des Deutschen Schulpreises) im „Deutschen Schulportal“ Hatties Kritik an individualisiertem Lernen ein. Hatties Kritik am individualisierten Lernen ist kein Plädoyer für die Rückkehr zum Frontalunterricht, sondern für die richtige Balance: Guter Unterricht verbindet klare Instruktion, gemeinsamen fachlichen Austausch und selbstständiges Lernen mit so viel Freiheit wie möglich und so viel Unterstützung wie nötig: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/was-john-hatties-kritik-an-individualisiertem-lernen-fuer-deutsche-schulen-bedeutet/.
Martin Karacsony versucht, den OECD Learning Compass 2030 in ein Modell für Unterricht zu übersetzen: https://bildungssprit.de/blog/handlungsfaehigkeit-ermoeglichen.
Ist die Schule „too big to bail“? Peter Fratton stellt eine unbequeme Frage: Versuchen wir die Probleme von Schule mit immer neuen Programmen und Konzepten zu lösen, ohne ihre Grundstrukturen anzutasten? Sein Plädoyer: kleinere Lernwelten, mehr Eigenverantwortung und Strukturen, die Selbstständigkeit tatsächlich ermöglichen. Ein bewusst provokanter und lesenswerter Impuls zur Frage, wie viel Veränderung Schule eigentlich braucht: https://peterfratton.com/2026/08/15/ist-die-schule-too-big-to-bail/.

Smartphone und Social-Media
„Futurism“ über Mobbing mit Smartglasses: https://futurism.com/artificial-intelligence/teen-boys-meta-glasses-harass-bully-girls-school.

KI
Chris Schmitz hat auf seiner Seite zahlreiche Belege gesammelt, die zeige, wie KI-Anfragen Behörden fluten: https://chrisschmitz.ai/flooding/.

Tipps für den Unterricht
Christian Haake hat einen „Series Creator“ gebaut, mit dem Lernende ein Unterrichtsthema als fiktive Streaming-Serie erschließen können: https://seriescreator.haak3.de/.
Bei „AppCamps“ gibt es Unterrichtsmaterial zum Einstieg in das Thema KI: https://appcamps.de/2021/12/01/kuenstliche-intelligenz-im-unterricht-tipps-fuer-den-einstieg/.

Leseempfehlung
Bob Blume: Warum noch lernen. Wie Schule in Zeiten von KI, Krisen und sozialer Ungerechtigkeit aussehen muss, Mosaik 2024.
Die ideale Vorbereitung auf den Vortrag am 23.09. (siehe Veranstaltungsempfehlung). Bob Blume beschäftigt sich mit vielen Aspekten den Bildungssystems, wo es knarzt und was man besser machen müsste. Im Kern steht die Frage: Was bedeutet Lernen im 21. Jahrhundert und welchen Bildungsbegriff brauchen wir dafür.

Hörempfehlung
Ferdinand Stebner zu den Vorteilen von selbstreguliertem Lernen in einem WDR-Podcast: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:section:42b966c64cd83570/.

Sehempfehlung
Ausnahmsweise keine.

Veranstaltungsempfehlung

Außerdem:

Zwar nicht ganz unsere Region, aber dennoch eine spannende Veranstaltung mit interessanten Gästen von Andreas Schleicher über Margret Rasfeld bis Stefan Ruppaner. Die „4. Nacht der Redner Edition Zukunftsschule“ am 6. November in Hamburg. Tickets und weitere Infos gibt es hier: https://www.eventbrite.de/e/4-nacht-der-redner-edition-zukunftsschule-tickets-1991188749150.

Spaß im Netz
https://neal.fun/space-elevator/.

Newsletter 26/27 – 01: 14.08.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ein neues Schuljahr hat begonnen. Ein Jahr mit vielen Erwartungen, Hoffnungen und Träumen, vielleicht aber auch mit Ängsten und Widerständen.

Dabei ist eines ganz normal: Niemand startet mit den gleichen Voraussetzungen. Manche freuen sich darauf, Freundinnen und Freunde wiederzusehen. Andere sind gespannt auf die neue Klasse oder den nächsten Lebensabschnitt. Einige blicken voller Vorfreude auf das, was kommt und wieder andere würden die Ferien am liebsten noch ein wenig verlängern.

Ein neues Schuljahr ist immer auch ein Neustart. Er ist eine Einladung, neu anzufangen. Fehler aus dem vergangenen Jahr müssen nicht die Zukunft bestimmen und nicht wiederholt werden. Enttäuschungen dürfen zurückbleiben. Und kleine Schritte sind oft wichtiger als große Vorsätze.

Vielleicht gelingt in diesem Schuljahr nicht alles auf Anhieb. Das muss es auch nicht. Lernen bedeutet, Dinge auszuprobieren, Rückschläge auszuhalten und immer wieder aufzustehen. Genau darin liegt Entwicklung.

Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern Neugier, Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Den Eltern wünsche ich Gelassenheit und die Zuversicht, ihre Kinder auf ihrem Weg richtig zu begleiten. Und uns allen wünsche ich, dass wir freundlich miteinander umgehen, einander unterstützen und nie vergessen, dass Schule von den Menschen lebt, die sie jeden Tag gemeinsam gestalten.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten Start und ein Schuljahr mit vielen kleinen und großen Erfolgserlebnissen.

Ich würde sogar noch einen psychologischen Gedanken ergänzen, den ich sehr mag: Menschen überschätzen oft, wie perfekt sie starten müssen, und unterschätzen, was sie mit kleinen, kontinuierlichen Schritten erreichen können. Das ist wissenschaftlich gut belegt und passt hervorragend zum Schuljahresbeginn.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar wenige Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Der aktuelle „Brainrot“-Trend macht deutlich, dass die eigentliche Herausforderung digitaler Medien nicht einzelne Spiele oder Plattformen sind, sondern eine Aufmerksamkeitsökonomie, die auf schnelle Reize und permanente Belohnung setzt. Schule muss deshalb mehr denn je ein Ort sein, an dem konzentriertes Denken, Selbststeuerung und echte Lernprozesse bewusst gefördert werde. Ein Beitrag dazu bei „Medienzeit-Elternblog“: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/brainrot-stumpft-ab-roblox-echtes-problem.
Aus aktuellem Anlass: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/es-braucht-mehr-bewusstsein-fuer-den-hitzeschutz-an-schulen/.
Jan Martin Wiarda hat zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung gebloggt: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/08/03/ein-rechtsanspruch-der-die-schule-veraendern-wird.

Schulentwicklung
Das „Deutsche Schulportal“ zu professionellen Lerngemeinschaften, Spoiler: Lehrkräfte sollen gemeinsam am Lernen der Schülerinnen und Schüler arbeiten“: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/professionelle-lerngemeinschaften-wie-lehrkraefte-gemeinsam-unterricht-erproben/https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/professionelle-lerngemeinschaften-wie-lehrkraefte-gemeinsam-unterricht-erproben/.

Smartphone und Social Media
Der „SPIEGEL“ berichtet über die JIM-Plus-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest: https://www.spiegel.de/panorama/bildung/jim-plus-studie-jugendliche-erleben-social-media-als-drahtseilakt-a-72b56b57-6133-4502-bbce-e50e1f7defbd.
Einen weiteren Beitrag gibt es bei „Medienzeit-Elternblog“: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/jimplus-studie-2026-social-media-jugendliche. Und hier gibt es die Studie: https://mpfs.de/studie/jimplus-2026/.
Bei „Schau hin!“ gibt es interessante Tipps zur kreativen Mediennutzung für verschiedene Altersgruppen: https://www.schau-hin.info/tipps-regeln/ideen-fuer-kreative-mediennutzung.
„Netzpolitik.org“ zieht eine interessante Bilanz zum Social-Media-Verbot in Australien: https://netzpolitik.org/2026/australien-zieht-bilanz-fuenf-erste-lehren-aus-dem-social-media-verbot/.
„Heise online“ berichtet über die negativen Auswirkungen sozialer Medien auf schulische Leistungen. Eine aktuelle Studie mit über 5.000 Jugendlichen zeigt, dass ein früher Einstieg in soziale Medien mit schlechteren schulischen Leistungen zusammenhängt, selbst wenn soziale Herkunft und Bildungsniveau der Eltern berücksichtigt werden. Das spricht für klare altersgerechte Regeln und einen bewussten Aufbau von Medienkompetenz, statt allein auf Verbote oder unbegrenzte Freiheit zu setzen: https://www.heise.de/news/Social-Media-Nutzung-Fruehe-eigene-Accounts-druecken-Schulleistungen-11395830.html.
„heise online“ zu den Forderungen nach einem Verbot von Smart Glasses: https://www.heise.de/news/Kamerabrillen-Digitalrechtler-starten-Petition-gegen-Metas-Smart-Glasses-11410637.html.

KI
Manuel Flick hat seine Facharbeit von 2008 auf KI prüfen lassen: https://www.manuelflick.de/news/meine-facharbeit-ist-zu-47-prozent-ki.
Ein Artikel im „Guardian“ weißt noch einmal auf die Gefahr der Veröffentlichung von Kinderfotos im Netz hin. Britische Kinderschutzorganisationen empfehlen Schulen inzwischen, identifizierbare Fotos von Schülerinnen und Schülern möglichst nicht mehr zu veröffentlichen. Der Grund ist nicht der Datenschutz allein, sondern ein neues Risiko: Mit generativer KI können selbst harmlose Bilder für Deepfakes und Erpressungsversuche missbraucht werden. Schule muss deshalb den Schutz von Kindern im digitalen Raum neu denken. Deshalb schränken wir die Nutzung von Bildern auf unserer Homepage stark ein: https://www.theguardian.com/technology/2026/may/08/uk-schools-remove-pupils-photos-online-ai-blackmail-threat-grows.
„Ground Level AI“ ordnet das Ausbrechen der Agenten von OpenAI ein: https://www.groundlevel-ai.com/p/openai-gives-first-detailed-debrief.
Ein altes Browser-Spiel zeigt überraschend anschaulich, worin die eigentliche Herausforderung moderner KI liegt: Nicht einzelne Antworten werden automatisiert, sondern ganze Tätigkeiten. Die Bildungsfrage lautet deshalb nicht mehr nur, was Schülerinnen und Schüler lernen sollen, sondern welche Denk- und Arbeitsprozesse auch im Zeitalter intelligenter Agenten unverzichtbar bleiben: https://www.linkedin.com/pulse/old-browser-clicker-game-showing-what-currently-going-claudia-feiner-el1ue/.
OpenAI entwickelt KI zunehmend von einem Antwortsystem zu einem Arbeitssystem. Statt einzelne Fragen zu beantworten, übernehmen KI-Agenten ganze Arbeitsabläufe. Für Schule bedeutet das eine neue Herausforderung: Entscheidend wird künftig weniger das Ausführen einzelner Aufgaben als die Fähigkeit, komplexe Arbeitsprozesse zu planen, zu steuern und kritisch zu verantworten: https://www.forbes.com/sites/rayravaglia/2026/08/04/openai-education-plugins-move-ai-from-answers-to-workflows/.
Modelle, Praxisbeispiele und didaktische Konzepte zu KI gibt es inzwischen viele. Die eigentliche Herausforderung liegt heute weniger im Wissen über Veränderung als in ihrer Umsetzung. KI macht damit sichtbar, was Schulentwicklung schon lange begleitet: Gute Ideen verändern Schule nicht, erst konsequente Implementierung tut es: https://haak3.de/wir-haben-doch-die-modelle-warum-ki-transformation-an-schulen-trotzdem-stockt/.
Dänemark rüstet gegen KI-Schummelei auf, schreibt „t3n“: https://t3n.de/news/ki-schummelei-schulen-daenemark-massnahmen-1757064/.

Tipps für den Unterricht
Peter Fratton zu Selbstorganisiertem Lernen: https://peterfratton.com/2026/08/01/selbstorganisierter-minimalismus/.
Hendrik Haverkamp und Benedikt Wisniewski fordern auf dem „Deutschen Schulportal“ die De-Implementierung von Korrekturen: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/korrekturen-de-implementierung-einer-sinnlosen-praxis/.
Hauke Pölert beschreibt auf seinem Blog, wie man mit Vibe-Coding Lernspiele erstellt: https://unterrichten.digital/2026/07/13/ki-vibe-coding-schule-unterricht/.

Leseempfehlung
„Mut tut gut. Warum wir unseren Kindern mehr zutrauen können“ von Norbert F. Schneider und Maria M. Bellinger (Hamburg 2025). Das Buch war eine meiner Urlaubslektüren und erinnert daran, dass Kinder nicht an einem Mangel an Fürsorge scheitern, sondern manchmal an einem Mangel an Zutrauen. Eine lesenswerte Anregung für alle, die Kinder auf ihrem Weg begleiten in der Familie ebenso wie in der Schule.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit bezeichnet Selbstregulationskompetenz als eine „Superkraft“ des Lernens: Sie beeinflusst nicht nur schulische Leistungen, sondern auch psychische Gesundheit, soziale Entwicklung und langfristigen Lebenserfolg. Entscheidend ist dabei, dass Selbstregulation nicht als Zusatzprogramm verstanden wird, sondern als Leitprinzip guter Schule, getragen von hochwertigem Unterricht, klaren Strukturen, wirksamem Classroom Management und einer gemeinsamen Lernkultur: https://link.springer.com/article/10.1007/s10648-026-10190-z.

Hörempfehlung
https://bits-buffs-und-bildung.podigee.io/s1e51-neue-episode Hier geht es um „Offline (lokale) KI nutzen und nachhaltiger Umgang mit KI“, deshalb eine Empfehlung, weil wir im kommenden Schuljahr auch mit lokaler KI experimentieren wollen. Überhaut ist „Bits, Buffs und Bildung“ eine empfehlenswerte Podcast-Reihe.
Podcast zum Start ins Selbstgesteuerte Lernen von „Lehrer Off Duty“: https://open.spotify.com/episode/3nyze16KsEDysQfMwfsHxA.

Veranstaltungsempfehlung
Bob Blume am 23.09. im Bürgerhaus! Das zugehörige Plakat mit allen Infos gibt es im Anhang.
Bob Blume hat sich aktuell in seiner Kolumne auf dem „Deutschen Schulportal“ mit den Aufgaben von Schule in der Zukunft und „Flourishing“ beschäftigt.
Der international diskutierte „Flourishing“-Ansatz erinnert daran, dass Schule mehr ist als ein Ort des Kompetenzerwerbs: Bildung soll junge Menschen nicht nur auf Prüfungen oder den Arbeitsmarkt vorbereiten, sondern sie dabei unterstützen, ihre Persönlichkeit zu entfalten, Verantwortung zu übernehmen und ein gelingendes Leben zu führen. Fachliche Leistung und persönliche Entwicklung sind dabei keine Gegensätze, sondern bedingen einander: https://deutsches-schulportal.de/kolumnen/mehr-als-humankapital-wie-das-fundament-von-bildung-gerade-neu-gedacht-wird/.

Spaß im Netz
https://neal.fun/not-a-robot/.

Newsletter 25/26 – 19: 26.06.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

mein Teil des Newsletters fällt dieses Mal bewusst etwas kürzer aus, schließlich sind ja Ferien.

Nur ein paar Gedanken.

In den letzten Wochen habe ich viel über digitale Medien, künstliche Intelligenz und die Frage gesprochen, wie sich Lernen und Schule verändern. Dabei geht es aus meiner Sicht nie darum, Technik grundsätzlich abzulehnen, ganz im Gegenteil. Entscheidend ist aber, dass wir nicht vergessen, wer eigentlich wen steuern sollte.

Vielleicht sind die Ferien deshalb ein guter Moment für ein kleines Experiment: ein bisschen „Digital Detox“.

Ich nehme mich dabei ausdrücklich nicht aus. Ein Blick in meine eigene Bildschirmzeit zeigt: Im Durchschnitt verbringe ich rund zweieinhalb Stunden täglich am Smartphone, davon eine gute halbe Stunde bei Instagram. Nicht dramatisch, aber doch genug, um sich zu fragen: Hätte ich diese Zeit wirklich bewusst so eingeplant?

Gerade freie Zeit lebt von Momenten, in denen wir nicht erreichbar sind, nicht vergleichen, nicht scrollen und nicht ständig reagieren müssen. Langeweile, Gespräche, ein gutes Buch, Bewegung oder einfach einmal nichts tun.

Vielleicht gelingt es uns allen in den Ferien, das Handy etwas häufiger liegen zu lassen. Nicht, weil digitale Medien schlecht sind, sondern weil die besten Momente manchmal die sind, bei denen niemand daran denkt, sie zu posten. Die Ferien, vielleicht sogar ein Urlaub, bieten großartige Gelegenheiten, sich analog mit Kindern und der Familie auseinanderzusetzen, vielleicht ein Spiel zu spielen oder einfach miteinander zu sprechen. Das habe ich mir zumindest fest vorgenommen.

Ich wünsche der ganzen Schulgemeinschaft erholsame Ferien, echte Pausen und viele analoge Lieblingsmomente.

Ihr

Erik Grundmann

(Bild KI-generiert und mit Canva bearbeitet)

Und hier wieder als Angebot, ein paar wenige Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Letzte Woche ist der aktuelle Bildungsbericht erschienen, den man hier nachlesen kann: https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2026/pdf-dateien-2026/bildung_in_deutschland_2026_web.pdf. Im Blog von Jan Martin Wiarda gibt es zur Einordnung dazu ein Interview mit Kai Maaz, dem Direktor des DIPF: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/06/15/wir-sprechen-von-einem-blockierten-system.
m gleichen Blog wird auch der Bremer Versuch zur Erfassung der Lehrkräftearbeitszeit vorgestellt: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/06/16/bremer-flucht-nach-vorn.
Die Bildungsministerkonferenz hat eine Erklärung zum Umgang mit Social Media im schulischen Bereich abgegeben, viele gute Absicht, aber leider wenig Verbindlichkeit: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2026/2026_06_12-Social-Media-Erklaerung.pdf.
Susanne Burzel hat zur Frage „Wächst sich ADHS in der Pubertät aus?“ in ihrem Blog geschrieben: https://susanneburzel.de/wachst-sich-adhs-in-pubertaet-aus/.
Bob Blume setzt sich in einer Kolumne kritisch mit der aktuellen Diskussion um die Bundesjugendspiele auseinander: https://web.de/magazine/wissen/psychologie/bundesjugendspiele-gut-verstehen-jugend-42386854.
„Focus Online“ berichtet über „Italian Brainrot“: https://www.focus.de/familie/gaga-videos-treiben-kinder-in-wutausbrueche_8725e33f-2785-40eb-937b-ce8c97cdab01.html.


Und letztlich noch eine Hörempfehlung. „Unter Lehrern“ ein kokreativ mit KI erstellter Podcast, der alle zwei Wochen erscheinen soll. Laut Selbstbeschreibung handelt es sich um eine „Warmherzige Satire über Schule, Medienkompetenz und die Lücke zwischen den Generationen – zum Schmunzeln, Wiedererkennen und nebenbei Schlauerwerden.“ Zu hören auf den üblichen Podcastkanälen oder hier direkt im Browser: https://letscast.fm/podcasts/unter-lehrern-41278d94/feed.

Veranstaltungsempfehlung
Der Kartenverkauf für Bob Blume im Bürgerhaus am 23.09.2026 hat begonnen!

Spaß im Netz
https://zoomquilt.org/.

Der Newsletter geht jetzt in die Sommerpause, der nächste erscheint am 14.8.2026.

Newsletter 25/26 – 18: 12.06.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

In der letzten Gesamtkonferenz habe ich eine Positionsbestimmung unseres Schulentwicklungsprozesses vorgenommen, den ich hier in Teilen wiedergeben möchte, da ich finde, dass dieser Prozess für die ganze Schulgemeinschaft transparent und von Interesse sein sollte:

Wenn man mitten in Veränderungsprozessen steckt, sieht man manchmal vor allem das, was noch nicht funktioniert: offene Baustellen, Diskussionen, Unsicherheiten und Dinge, die noch nicht rundlaufen. Deshalb ist es mir wichtig, heute auch einmal deutlich zu sagen: Wir haben als Schule in den vergangenen Jahren enorm viel bewegt.

Wir haben gemeinsam begonnen, Unterricht weiterzuentwickeln, neue Lernformen zu erproben, stärker über Lernprozesse und nicht nur über Unterrichtsorganisation zu sprechen. Wir haben mit der DNA-Gruppe, der SEG, mit pädagogischen Tagen, mit vielen Initiativen und Projekten eine Dynamik geschaffen, die keineswegs selbstverständlich ist. Dabei haben wir außerdem noch die Partizipationsmöglichkeiten für Lehrkräfte, Lernende und Eltern ausgebaut.

In unseren Projekten und Aktivitäten der letzten zwei bis drei Jahre lassen sich mittlerweile klare Muster erkennen, die ich in zentralen Bereichen und an ausgewählten Beispielen kurz verdeutlichen will:

Wenn man auf diese vielen Entwicklungen schaut, könnte man zunächst denken: Das sind sehr viele einzelne Projekte.

Ich glaube aber, dass man inzwischen etwas anderes erkennen kann: Hinter diesen Entwicklungen stehen gemeinsame Linien. Es geht im Kern immer wieder um dieselben Fragen: Wie gelingt Lernen besser? Wie übernehmen Schülerinnen und Schüler mehr Verantwortung? Und wie entwickeln wir uns als Schule gemeinsam weiter?

Ich sehe dabei fünf zentrale Entwicklungen:

Erstens: Wir haben eine neue Lernkultur angestoßen.

Wir sprechen heute an vielen Stellen anders über Unterricht als noch vor einigen Jahren. Es geht nicht mehr nur um die Frage, was wir unterrichten, sondern stärker darum, wie Schülerinnen und Schüler lernen.

Mit der DNA-Gruppe und der SEG als Motor für Unterrichtsentwicklung, unseren pädagogischen Tagen, der Pilotklasse mit fächerverbindendem Lernen und dem Herausforderungsprojekt haben wir wichtige Erfahrungen gesammelt.
Wir haben mit dem Graduierungssystem erste Schritte erprobt, um Verantwortung und Selbstständigkeit sichtbarer zu machen, unsere Begabtenförderung weiterentwickelt und mit dem selbstorganisierten Lernen eine klare Perspektive für die kommenden Jahre formuliert.

Dabei geht es um zentrale Fragen moderner Lernkultur: Lernbegleitung, Feedback, Portfolioarbeit und neue Formen, Leistung sichtbar zu machen.

Zweitens: Wir haben Verantwortung und Partizipation gestärkt.

Schule verändert sich nicht durch einzelne Personen, sondern dadurch, dass viele Verantwortung übernehmen.

Unsere SV hat sich stark entwickelt, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern beteiligen sich zunehmend an Schulentwicklungsprozessen und mit Aula entsteht möglicherweise ein weiterer Raum echter Mitgestaltung.

Auch das Reallabor zeigt, was passiert, wenn Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen: Sie arbeiten an echten Problemen, entwickeln eigene Ideen und erleben, dass ihr Handeln Wirkung hat.

Wir reden nicht nur über Demokratiebildung, wir schaffen zunehmend Räume, in denen Demokratie erlebt wird.

Drittens: Wir haben Schule stärker geöffnet.

Eine moderne Schule kann nicht mehr als geschlossenes System funktionieren.

Wir haben die Zusammenarbeit mit Grundschulen intensiviert, Kooperationen ausgebaut und uns stärker mit anderen Schulen und Bildungsakteuren vernetzt.

Auch im Bereich KI merken wir, dass wir inzwischen nicht nur Impulse aufnehmen, sondern selbst Impulse geben und überregional wahrgenommen werden, sogar im Ministerium.

Wir lernen stärker mit und von anderen.

Viertens: Wir haben Schulkultur und Orientierung gestärkt.

Eine gute Lernkultur braucht Freiheit, aber Freiheit funktioniert nur mit gemeinsamen Regeln und Orientierung.

Deshalb gehören auch unser Präventionskonzept, die Handyregelung, die Arbeit am sozialen Lernen, Medienprävention, Gewaltprävention und die Diskussion über gemeinsame Haltung zu unserer Schulentwicklung.

Denn die Frage ist nicht nur: Wie wollen wir lernen?

Sondern auch: Wie wollen wir miteinander umgehen?

Fünftens: Wir haben Professionalität und Zusammenarbeit weiterentwickelt.

Auch wir als Organisation lernen.

Die SEG, die stärkere Arbeit in Teams, gemeinsame Entwicklungsprozesse, Evaluationen, externe Beratung und das Feedback an die Schulleitung zeigen:

Wir haben begonnen, nicht nur über die Entwicklung unserer Schülerinnen und Schüler zu sprechen, sondern auch über unsere eigene Entwicklung als Schule.

Und genau das ist der Kern einer lernenden Organisation.

Natürlich stehen viele dieser Entwicklungen noch am Anfang. Veränderung in Schule entsteht nicht durch einzelne Beschlüsse und Pilotprojekte, sondern durch gemeinsames Ausprobieren, Lernen und Weiterentwickeln. Entscheidend ist: Wir sind auf dem Weg und haben eine klare Richtung.

Wenn ich auf die letzten Jahre schaue, sehe ich eine Schule, die nicht stillsteht. Ich sehe eine Schule, die sich intensiv bewegt: Wir sind Selbstständige Schule geworden, haben Beteiligungsstrukturen aufgebaut, Unterrichtsentwicklung ins Zentrum gerückt, Digitalisierung pädagogisch diskutiert, Prävention gestärkt und begonnen, Lernen neu zu denken.
Der nächste Schritt besteht nicht darin, noch mehr Neues anzufangen. Der nächste Schritt besteht darin, das, was wir begonnen haben, in verlässliche Strukturen zu bringen.

Gleichzeitig erleben wir alle, dass Schule vor großen Veränderungen steht. Die Herausforderungen sind bekannt: zunehmende Heterogenität, veränderte Anforderungen der Gesellschaft, Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Fragen der Bildungsgerechtigkeit und der Motivation unserer Schülerinnen und Schüler.

Viele aktuelle Bildungsstudien zeigen dabei ein ähnliches Bild: Erfolgreiche Schulen unterscheiden sich nicht dadurch, dass sie möglichst viele Einzelprojekte starten. Entscheidend sind eine gemeinsame Lernkultur, klare Strukturen und die Fähigkeit, die eigene Arbeit systematisch weiterzuentwickeln.

Anders gesagt: Auch Schule selbst muss lernen.

Genau an diesem Punkt stehen wir gerade.

Mit der Anerkennung als selbstständige Schule haben wir zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten erhalten, aber auch die Verantwortung, unsere Entwicklung bewusster zu steuern. Deshalb werden wir im kommenden Schuljahr ein Projekt- und Qualitätsmanagementsystem aufbauen. Nicht, um zusätzliche Bürokratie zu schaffen, sondern um Klarheit zu gewinnen:

Welche Ziele verfolgen wir?

Wer übernimmt Verantwortung?

Woran erkennen wir, ob Maßnahmen wirken?

Ein gutes Qualitätsmanagement erkennt man nicht daran, dass mehr Papier entsteht, sondern daran, dass weniger Dinge gleichzeitig laufen und die wichtigen Dinge besser gelingen.

Es geht darum, aus vielen guten Einzelinitiativen ein gemeinsames System zu machen.

Dazu gehört aus meiner Sicht auch die Frage, wie wir uns als Schulleitung aufstellen. Dabei geht es nicht um Personen, sondern um Strukturen: Wie muss Schulleitung organisiert sein, damit sie unsere Entwicklung bestmöglich unterstützt?

Eine zweite wichtige Entscheidung betrifft unsere inhaltliche Schwerpunktsetzung.

Eine Rückmeldung, die ich ernst nehme, lautet: Es passiert sehr/zu viel gleichzeitig.

Und diese Rückmeldung stimmt. Diese Vielfalt war in der Such- und Entwicklungsphase richtig. Man muss Dinge ausprobieren, um herauszufinden, was trägt. Aber jede Entwicklungsphase braucht irgendwann den Moment, in dem man auswählt und vertieft.

Deshalb werden wir im kommenden Schuljahr bewusst fokussieren.

Internationale Vergleiche und Bildungsforschung zeigen auch hier: Erfolgreiche Schulen zeichnen sich nicht durch einzelne Programme aus, sondern durch gemeinsame professionelle Routinen. Entscheidend sind Klarheit über guten Unterricht, Zusammenarbeit im Kollegium, Feedback und die Fähigkeit, die eigene Praxis immer wieder anzupassen.

Gleichzeitig wird in einer Welt, in der Information jederzeit verfügbar ist und künstliche Intelligenz einfache Aufgaben zunehmend übernehmen kann, die Fähigkeit wichtiger, das eigene Lernen zu organisieren.

Dazu möchte ich eine kleine Anekdote erzählen: Ein Schulleiter hat berichtet, dass an seiner Schule für vier Wochen Selbstorganisiertes Lernen im Jahrgang 5 ausprobiert wurde und dies im kommenden Schuljahr flächendeckend eingeführt werden soll. Das Spannendste, was ihm aufgefallen ist, so hat er es berichtet, war, dass die üblichen Konflikte unter den Lernenden und mit den Lehrkräften fast verschwunden waren.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Selbstorganisiertes Lernen automatisch alle Probleme löst. Im Gegenteil: Selbstorganisiertes Lernen funktioniert nur mit sehr klaren Strukturen, guter Lernbegleitung und gemeinsamen Regeln.

Unser Schwerpunkt bei der Schulentwicklung wird also das selbstorganisierte Lernen sein. Hier wollen wir unsere Energie bündeln, Erfahrungen sammeln, Strukturen entwickeln und Kolleginnen und Kollegen unterstützen. Ziel ist es, im übernächsten Schuljahr eine entsprechende Themenklasse im Jahrgang 5 anbieten zu können.
Das bedeutet gleichzeitig: Andere Projekte und Experimente werden nicht verschwinden, aber sie treten bewusst etwas zurück. Gute Schulentwicklung bedeutet auch zu entscheiden, was man gerade nicht macht.

Neben selbstorganisiertem Lernen bleiben zwei schulkulturelle Themen entscheidend:

Haltung und Feedback.

Wenn wir möchten, dass Schülerinnen und Schüler Verantwortung für ihr Lernen übernehmen, müssen auch wir als Organisation eine lernende Haltung entwickeln.

Dazu gehört Feedback.

Die Rückmeldungen an die Mitglieder der Schulleitung und die Umfragen unter Eltern und Schülerinnen und Schüler waren insgesamt sehr wertvoll und helfen uns bei unserer Weiterentwicklung. Auch wir als Schulleitung lernen in solchen Prozessen dazu. Nicht alles läuft beim ersten Mal perfekt und wo Dinge nicht gut gelungen sind, übernehmen wir Verantwortung und verbessern sie.

Eine lernende Organisation entsteht nicht dadurch, dass niemand Fehler macht. Sie entsteht dadurch, dass man offen darüber sprechen kann und gemeinsam besser wird. Als lernende Organisation befinden wir uns auf allen Ebenen in einem permanenten Professionalisierungsprozess.

Als ich mit den beiden Schülern unserer Schule, die den europäischen Preis beim Börsenspiel gewonnen haben, nach Brüssel fahren durfte, hat eine Dame der Europäischen Kommission eine hervorragende Keynote gehalten. Es ging ihr darum, dass wir unser Bildungssystem neu denken müssen und uns noch stärker auf lebenslanges Lernen einstellen müssen. Die Fähigkeit zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich auf Neues einzustellen, wird entscheidend sein.

Besonders freue ich mich, dass auch unsere Schülerinnen und Schüler diese Entwicklung aktiv mitgestalten. Das Projekt Aula, das die SV vorantreibt, ist dafür ein starkes Beispiel. Demokratiebildung bedeutet nicht nur, über Beteiligung zu sprechen, sondern echte Verantwortung zu ermöglichen.

Mir ist am Ende noch eine Sache wichtig zu betonen! Wir haben viele engagierte Kolleginnen und Kollegen, die vieles in Bewegung setzen und möglich machen, das ist toll. Wir brauchen jede Unterstützung. Darum fordere ich sie alle auf, machen sie sich Gedanken, was sie beitragen können und wollen. Die nächsten Jahre bieten viele Möglichkeiten, die Zukunft dieser Schule aktiv mitzugestalten. Wir brauchen Sie alle bei der Entwicklung der Zukunft der Weibelfeldschule. Wer helfen will, kann mich oder ein anderes Schulleitungsmitglied gerne ansprechen.

Wenn ich also zusammenfasse, worum es im nächsten Abschnitt unserer Schulentwicklung geht, dann sind es drei Dinge:

Wir schaffen klare Strukturen.

Wir konzentrieren unsere Kräfte.

Wir entwickeln gemeinsam eine Kultur des Lernens für die ganze Schulgemeinschaft.

Die Weibelfeldschule hat viele Stärken. Jetzt geht es darum, diese Stärken noch besser miteinander zu verbinden.

Die kommende Phase ist keine Phase zusätzlicher Veränderung. Sie ist eine Phase der Bündelung.

Vielen Dank an alle, die diesen Weg mitgehen und mitgestalten.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:Interessantes
Der Deutsche Ethikrat hat seine, durchaus differenzierte, Ad-Hoc-Stellungnahme „Schutz, Teilhabe und Befähigung von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt“ veröffentlicht. Die Kernaussage ist: dass Kinder und Jugendliche nicht weniger digitale Welt, sondern eine bessere gestaltete digitale Welt brauchen. Die darin enthaltenen Forderungen sind sicher sinnvoll und wünschenswert, aber nicht ad hoc umzusetzen, zumal der politische Wille nicht vorhanden zu sein scheint. Die Forderung nach mehr Medienbildung ist wohlfeil, bedarf aber einer breiten Strategie und dem Willen zur Umsetzung. Das Papier gibt es hier: https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/kinder-und-jugendliche-in-der-digitalen-welt.pdf.
Das „Wall Street Journal“ berichtet über Anthropics Forderung nach einem Moratorium für KI-Entwicklung: https://www.wsj.com/tech/ai/anthropic-urges-global-pause-in-ai-development-flags-self-improvement-risk-99cefb73.
„Volunta“ hat eine Einordnung der „Trendstudie Jugend in Deutschland“ veröffentlicht: https://www.volunta.de/fileadmin/user_upload/kua_volunta.de/Volunta_fuer/Arbeitsagenturen_und_Jobcenter/Vertriebswege/Volunta_Impulse_Trendstudie-Jugend-in-Deutschland-2026.pdf. Meine Schlussfolgerung: Die Schule der Zukunft muss nicht weniger fordern, sondern anders stärken. Junge Menschen brauchen nicht nur Wissen, sondern Vertrauen in die eigene Fähigkeit, mit Veränderung umgehen und Zukunft gestalten zu können.

Schulentwicklung
Michael Drabe zu Medienbildung in der Schule: https://schule-in-der-digitalen-welt.de/aufgeklart-statt-aufgeregt/. Der Beitrag „Aufgeklärt statt aufgeregt“ zeigt: Die zentrale Aufgabe von Schule in der digitalen Welt besteht nicht darin, Kinder dauerhaft vor Technologie abzuschirmen, sondern sie durch klare Regeln, Reflexion und Begleitung Schritt für Schritt zu verantwortungsbewusstem und selbstreguliertem Handeln zu befähigen.

Smartphone und Social-Media
Der NDR zu Deepfakes und Mobbing in der Schule: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/deepfakes-in-der-schule-wenn-ki-fuer-mobbing-missbraucht-wird,kuenstlicheintelligenz-120.html. Hier gibt es auch Tipps, wie man damit umgehen soll und an wen man sich wenden kann (https://www.juuuport.de/hilfe/weitere-hilfsangebote). Überhaupt ist https://www.juuuport.de/ eine empfehlenswerte Seite bei Problemen im Netz.

KI
Der NDR zu KI-Betrug an Schulen: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/ki-betrug-an-schulen-wenn-lehrkraefte-zu-ermittlern-werden,kuenstlicheintelligenz-116.html.
KI stellt Schule vor eine neue Herausforderung: Nicht jede Entlastung ist ein Lerngewinn, denn manchmal ist genau die geistige Anstrengung, die KI uns abnimmt, der Ort, an dem Lernen entsteht. Spannender Artikel bei „Time“: https://time.com/article/2026/05/19/is-ai-making-our-brains-weaker/.
Auch die Hochschule verändern sich durch KI, dazu das ZDF: https://www.zdfheute.de/wissen/ki-universitaet-bildung-pruefung-studierende-100.html?at_specific=ZDFheute. Doris Weßels und Miriam Maibaum in „Forschung und Lehre“ über „Deskilling“ und „Newskilling“ durch KI und die Fähigkeit, eigene Denkprozesse im Zusammenspiel mit künstlicher Intelligenz bewusst zu steuern. Die entscheidende Frage im KI-Zeitalter ist nicht, ob KI Kompetenzen ersetzt oder erweitert, sondern ob wir Lernumgebungen schaffen, in denen aus bloßer Delegation neue Formen von Denken, Reflexion und Handlungsfähigkeit entstehen. https://www.forschung-und-lehre.de/lehre/vom-deskilling-zum-newskilling-mit-ki-7512.
Das „Deutsche Schulportal“ zeigt am Beispiel des Lehrers Felix Urban aus Wuppertal, wie eine zeitgemäße Aufgabenkultur mit KI funktioniert: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/ein-wuppertaler-lehrer-trotzt-der-denkfaulheit-durch-ki/. Im KI-Zeitalter bleibt Qualität entscheidend. Aber Schule muss stärker sichtbar machen, welche Denkprozesse hinter einem Ergebnis stehen, denn ein gutes Produkt allein beweist noch kein Lernen.
„exvitingedi“ beschäftigt sich mit einer wichtigen Frage, die zu oft in den Hintergrund gerät, dem „AI-Divide“: https://excitingedu.de/ai-divide-eine-neue-dimension-der-bildungsungleichheit/. KI könnte Bildung stärker individualisieren als je zuvor, aber ohne gezielte KI-Kompetenz entsteht eine neue Ungleichheit: zwischen denen, die mit KI besser denken lernen, und denen, die ihr Denken zunehmend an KI abgeben.
Eine aktuelle Analyse von sechs internationalen KI-Kompetenzmodellen (Chiu & Rospigliosi, 2026) zeigt, dass KI-Kompetenz künftig nicht nur bedeutet, Maschinen bedienen zu können, sondern in einer Welt intelligenter Systeme kritisch, reflektiert und handlungsfähig zu bleiben: https://www.tandfonline.com/doi/epdf/10.1080/10494820.2026.2648342?needAccess=true.

Tipps für den Unterricht
Wie gehen wir mit KI in Prüfungen um? Guter Blogbeitrag der Rechtsanwältin Sibylle Schwarz im FelloFish-Blog: https://www.fellofish.com/blog/ki-in-pruefungen. Dort ist auch das Video zum Vortrag verlinkt. KI stellt nicht nur Prüfungsformate infrage, sondern unser Verständnis von Leistung: Wenn Ergebnisse jederzeit erzeugbar werden, gewinnt die Fähigkeit an Bedeutung, Denk- und Arbeitsprozesse bewusst zu steuern und zu reflektieren. Hauke Pölert hat dazu ein brauchbares Plakat in Canva fürs Klassen- oder Lehrerzimmer erstellt: https://www.canva.com/design/DAHLmkL7THc/xWb-3DL3IcVs4Mfqy5qXvw/view?utm_content=DAHLmkL7THc&utm_campaign=designshare&utm_medium=link&utm_source=publishsharelink&mode=preview (abrufbar mit Canva-Account).
Jan Martin Klinge hat auf seinem „Halbtagsblog“ eine schöne Unterrichtsidee mit KI zum Thema „Wie stehst du zum Thema Kernkraft?“ beschrieben: https://halbtagsblog.de/2026/06/09/wie-stehst-du-zum-thema-kernkraft/.
Hauke Pölert hat per Vibe-Coding mit Claude Fable 5 ein browserbasiertes Reportage-Spiel zum Thema „09/11 und der ‚war on terror‘ – 25 Jahre später“ erstellt, das man hier ausprobieren kann: https://unterrichten.digital/lernspiele/.

Leseempfehlung
Nina Kolleck: Der Kampf in den Köpfen. Wie TikTok, Instagram und Co unsere Kinder manipulieren, Berlin 2026. Nina Kolleck zeigt eindrücklich, dass soziale Medien längst mehr sind als Unterhaltung: Algorithmen, Aufmerksamkeitsmechanismen und Plattformlogiken beeinflussen, wie Kinder und Jugendliche sich selbst und die Welt wahrnehmen. Das Buch ist keine pauschale Warnung vor Technik, sondern ein Plädoyer für eine zeitgemäße Medienbildung, die junge Menschen zu kritischem Denken, Selbstregulation und digitaler Mündigkeit befähigt. Eine wichtige Lektüre für Eltern und Lehrkräfte.

Hörempfehlung
„Sind Deutschland Kinder egal?“ Caroline von St. Ange im Podcast bei Anne Will: https://open.spotify.com/episode/7iSMwecHvMPd4aEW3kpdW8?si=jbcEzC48Tm-xyiz3Pd4BwA&nd=1&dlsi=7304a05130814da4.

Sehempfehlung
Dieser Beitrag von „:zeit“ des ZDF zeigt, wie Kinder und Jugendliche im Netz mit Pornografie konfrontiert werden: https://www.zdf.de/video/dokus/zdfzeit-106/was-unsere-kinder-online-sehen-104.

Veranstaltungsempfehlung
Immer wieder Bob Blume am 23.09.26 im Bürgerhaus Dreieich, der Ticketverkauf startet bald!

Spaß im Netz
Heute gibt es nicht nur eine Seite, sondern sieben. „Chip“ hat 2016 die hässlichsten Websites der Welt gesammelt: https://www.chip.de/news/Augenkrebs-Alarm-Die-7-haesslichsten-Webseiten-der-Welt_90829521.html. Leider sind nicht mehr alle Seiten erreichbar, ein Blick auf die Zusammenfassung lohnt sich dennoch. Oder nicht? Wenn nicht, kann man auf dieser Seite wieder alles in Ordnung bringen: https://make-everything-ok.com/.

Newsletter 25/26-17: 29.05.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

oft wird beklagt, und ich nehme mich dabei gar nicht aus, dass Schule sich nicht verändere. Dennoch gibt es natürlich Veränderungen, die sich gar nicht vermeiden lassen und auf die Schule zwangsläufig reagiert, weil sie Schule verändern, ohne dass diese etwas dafür kann.

Wenn ich zu meiner Schulzeit ein Referat oder eine Präsentation vorbereiten sollte, was selten vorkam, dann konnte die Lehrkraft davon ausgehen, dass ich zuhause vielleicht ein Lexikon habe, sonst konnte bestenfalls Schulbuchwissen abgefragt werden. Ich bin zwar einmal mit einem Mitschüler für ein Referat in die Universitätsbibliothek nach Frankfurt gefahren, war dort aber von den „Zettelkästen“ recht überfordert und war beim Inhalt besonders intrinsisch motiviert, aber das ist ein anderes Thema.

Dann kam das Internet. Plötzlich standen, weitgehend frei zugänglich, viel mehr Informationen und Quellen zur Verfügung. Also konnten mehr Themen in die Hausaufgaben verlegt werden und es konnte vor allem mehr erwartet werden. Das machte Schule für die Lernenden anspruchsvoller; für die Lehrenden natürlich auch. Gleichzeitig erweiterte sich die Wissensbasis, die Schulen vermitteln konnte. Mit dem Internet wurde aber auch die Bewertung von Fakten und die Verifizierung von Wissen bedeutsamer. Die Vertrauenswürdigkeit der genutzten Websites rückte in den Vordergrund. Das ließ sich aber noch in einem überschaubaren Rahmen abschätzen. Nebenbei wurde Wissen globalisiert und stand plötzlich in vielen verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Allerdings entstand auch hier schon ein „cultural bias“, weil nicht alle Sprachen und Kulturen gleichermaßen im WWW repräsentiert waren. Weitere Effekte waren das Verschwinden der gedruckten Enzyklopädien, eine neu entstehende Dateninfrastruktur, die Zunahme des Stromverbrauchs und der damit verbundenen Emissionen, das Entstehen sozialer Netzwerke mit allen Vor- und Nachteilen und eine Dominanz der USA auf dem Tech-Markt, um nur einige zu nennen. Und jetzt haben wir Künstliche Intelligenz. Jetzt wird das Wissen des Internets und darüber hinaus, Qualität spielt nur eine untergeordnete Rolle, so aufbereitet und immer wieder rekombiniert, sodass es zumindest den Anschein hat, dass (schulische) Fragen einfach direkt beantwortet werden. Auch damit vergrößert sich wieder die Wissensbasis für (Haus-)Aufgaben, auch dadurch wird Lehren und Lernen wieder anspruchsvoller. Aber nur, wenn es richtig gemacht wird. Schlimmstenfalls erstellen Lehrkräfte Aufgaben und Arbeitsblätter mit KI, die dann von Schülerinnen und Schülern mit KI bearbeitet werden und es kommt zu Kompetenzverlusten auf beiden Seiten, so genanntem Deskilling. Gleichzeitig wird es noch wichtiger Fakten und Wissen zu verifizieren. KI erfindet Fakten und Zusammenhänge, die dann auch noch plausibel dargestellt werden. Hier braucht es ganz neue und anspruchsvolle Kompetenzen für Lehrende und Lernende, wir erreichen also ein weiteres neues und höheres Anspruchslevel an Schulen. Außerdem steckt auch hier weiter ein bedeutsamer „cultural bias“ drin, da die Trainingsdaten wieder westlich dominiert sind. Mit China ist ein neuer bedeutender „Player“ hinzugekommen und der Ressourcenverbrauch steigt immens. KI flutet soziale Netzwerke mit „AI-Slop“, dessen Auswirkungen erst langsam deutlich werden (die Nutzung sozialer Netzwerke durch Jugendliche scheint zurückzugehen).
Ein nächster Entwicklungsschritt könnte dann agentische KI sein, die schulische Prozesse noch weiter automatisiert, was die Kombination von KI und Robotik mit Schulen machen wird ist schwer abzusehen. Vermutlich muss ich dann nicht einmal mehr meine KI-generierten Arbeitsblätter selbst aus dem Kopieren holen.
KI zu ignorieren oder zu verbieten ist natürlich keine Lösung, sie hat ja unsere Gesellschaft schon durchdrungen vom Chatbot auf der Homepage des Landkreises bis zum Gesprächspartner bei Snapchat oder WhatsApp, fast alle Lernenden nutzen KI für Hausaufgaben und weit darüber hinaus.
Eigentlich wollte ich mit dem Text hier enden, habe aber die KI um ein Feedback gebeten und den Vorschlag bekommen, den Text noch um folgenden Abschnitt zu ergänzen, der noch einmal die aktuellen Herausforderungen pointiert zusammenfasst:

„Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht darin, KI aus Schule herauszuhalten. Das wird ebenso wenig gelingen, wie es gelungen ist, das Internet aus Schule herauszuhalten. Die Technologie ist längst Teil der Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler geworden und wird in den kommenden Jahren noch stärker in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen präsent sein.
Viel wichtiger ist eine andere Frage: Was bedeutet das für das Lernen?
Über Jahrzehnte konnten wir stillschweigend davon ausgehen, dass die Bearbeitung einer Aufgabe selbst bereits einen Lernprozess auslöst. Wer einen Text schreibt, muss nachdenken. Wer eine Präsentation vorbereitet, muss Informationen recherchieren, auswählen und strukturieren. Wer ein Problem löst, setzt sich mit dem Problem auseinander.
Mit KI gerät diese Annahme erstmals ins Wanken.
Nicht, weil Lernen unmöglich würde. Sondern weil die Bearbeitung einer Aufgabe zunehmend delegierbar wird. Die Aufgabe kann erledigt werden, ohne dass der Lernprozess zwangsläufig beim Lernenden stattfindet. Damit steht nicht weniger als eine Grundlogik von Schule zur Diskussion.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI nutzen dürfen. Sie lautet auch nicht, welche App die beste ist oder welche Funktionen künftig noch hinzukommen werden.
Die entscheidende Frage lautet: Welche Aufgaben stellen wir in Zukunft, wenn Maschinen viele der bisherigen Aufgaben bereits lösen können?
Vielleicht ist das die eigentliche Revolution. Nicht die Technologie selbst. Sondern die Tatsache, dass sie uns zwingt, grundlegende pädagogische Fragen neu zu stellen:
• Warum lernen wir überhaupt?
• Woran erkennen wir, dass jemand etwas verstanden hat?
• Welche Rolle spielt Wissen in einer Welt, in der Informationen jederzeit verfügbar sind?
• Und wie gestalten wir Schule so, dass Lernen auch dann noch stattfindet, wenn Antworten auf Knopfdruck erzeugt werden können?
Auf diese Fragen haben wir derzeit noch keine abschließenden Antworten. Aber vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Die KI-Debatte ist keine Technologie-Debatte. Sie ist eine Debatte über Lernen, Bildung und die Zukunft von Schule.“ (erstellt mit ChatGPT, Formatierung angepasst und natürlich vor Veröffentlichung geprüft und für brauchbar befunden)

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Stephan Heinsius, ehemaliger Weibelfeld-Schüler und Sonnenfinsternis-Enthusiast, hat vor 50 Jahren seine erste Sonnenfinsternis in der Weibelfeldschule erlebt und ist jetzt nach exakt 50 Jahren wieder an den gleichen Ort zurückgekommen. Seinen Bericht können Sie hier lesen: https://www.eclipseland.com/pse-1976-50.html.
Bericht im „Deutschen Schulportal“ über dem Umgang mit Daten in Kanada: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/den-schul-code-knacken/.
Beitrag des „Medienzeit Elternlog“ über die Gefahren von Smartglasses in der Schule: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/smartglasses-neue-risiken-kinder-schule.Schultoiletten sind ein Dauerthema, die „Zeit“ berichtet über Verbesserungsmöglichkeiten: https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2026-05/schultoiletten-hygiene-handlungsempfehlungen-internetportal-gxe. Praktische Ratschläge gibt es im Hilfsportal der „German Toilet Organization“: https://toiletten-machen-schule.de/. In unserem Reallabor gibt es Überlegungen seitens der Schülerinnen und Schüler einen Wettbewerb zur besten Schultoilette in Dreieich zu organisieren.

Schulentwicklung
Bob Blume schreibt in seiner Kolumne auf dem „Deutschen Schulportal“, „Warum gute Schulentwicklung auch wehtut“: https://deutsches-schulportal.de/kolumnen/bob-blume-rollentausch-warum-gute-schulentwicklung-auch-wehtut/.
Alexander Brand schreibt im „Deutschen Schulportal“ differenziert über den Forschungsstand zur Frage: Handschrift oder Keyboard. Spoiler: Die Antwort ist nicht eindeutig: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/handschrift-oder-tastatur-was-beim-mitschreiben-wirklich-hilft.

Smartphone und Social-Media
Das IWM in Tübingen sucht Grundschul-Eltern als Teilnehmende für eine Studie über Kinder, die ihr erstes Smartphone bekommen: https://iwm-tuebingen.de/de/news/2026-05-19. Hier geht es zur Anmeldung: https://iwm-tuebingen.de/de/forschung/projekte/smartkids.

KI
Joscha Falck beschäftigt sich in seinem neuesten Blog-Beitrag mit der „Architektur der KI-Didaktik. Er verschiebt den Blick von der Technologie auf die Aufgabenkultur und erinnert daran, dass die entscheidende Frage im KI-Zeitalter nicht lautet, wie wir KI nutzen, sondern wie Lernen trotz KI lernwirksam bleibt: https://joschafalck.de/architektur-ki-didaktik/. Besonders spannend finde ich seine Idee der „Provokation durch Design“ von Aufgaben.
Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet über den Einfluss von KI in Schule: https://www.fr.de/panorama/macht-das-leben-zur-hoelle-lehrerin-warnt-vor-riskantem-trend-an-deutschen-schulen-94320261.html.
Im „FelloFish-Blog“ geht es um das PRISMA-Modell des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (KI-Schulpreisträger) zur Arbeit mit KI-Werkzeugen am Beispiel von „FelloFish“: https://www.fellofish.com/blog/warum-fellofish-prisma.
Podcast „Bits, Buffs und Bildung“ zu KI-Agenten und Vibe Coding: https://bits-buffs-und-bildung.podigee.io/s1e50-neue-episode.

Tipps für den Unterricht
Ulrike Ammermann schreibt in ihrer Kolumne auf dem Deutschen Schulportal über Unterricht, der aus dem Ruder läuft und was dagegen hilft: https://deutsches-schulportal.de/kolumnen/wenn-der-unterricht-aus-dem-ruder-laeuft/.
Die „Slot-Machine“ bei „Bildungsspirit“ liefert wichtige Impulse zur Lernhaltung: https://www.bildungsspirit.de/slotmachine.html.
Die „Frankfurter Rundschau“ über das Mathe-Tutorsystem „Bettermarks“, welches Hessen einführt: https://www.fr.de/hessen/hessen-fuehrt-online-lernsystem-bettermarks-fuer-mathe-unterricht-ein-94313314.html. Mehr zu „Bettermarks“: https://de.bettermarks.com/.

Leseempfehlung
Alexander Brand: Die Bildungsweltmeister. Eine Reise zu den besten Schulen der Welt und was wir von ihnen lernen können, Weinheim 2026.
Mit dem Buch legt der Bildungsjournalist und Lehrer Alexander Brand eine ebenso informative wie gut lesbare Bildungsreportage vor. Für das Buch bereiste er sechs Monate lang Schulen in Finnland, Estland, Japan und Singapur, den Ländern, die in internationalen Vergleichsstudien regelmäßig Spitzenplätze belegen. Dabei verbindet er Unterrichtsbeobachtungen, Gespräche mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie bildungswissenschaftliche Einordnungen zu einem spannenden Bild erfolgreicher Schulsysteme. Besonders überzeugend ist Brands Fähigkeit, komplexe bildungspolitische Fragen anhand konkreter Szenen aus dem Schulalltag greifbar zu machen. Er arbeitet heraus, welche kulturellen, gesellschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen hinter dem Erfolg der jeweiligen Systeme stehen. Themen wie adaptive Lernförderung, professionelle Lerngemeinschaften, Lehrkräftebildung, Bildungsgerechtigkeit und die Schule als Lebensraum ziehen sich als roter Faden durch das Buch.

Hörempfehlung
Prof. Saskia Fischer im „evido-Podcast” zum Thema Mobbing und was hilft: https://evido-magazin.de/artikel/evido-podcast-mobbing-wirksam-begegnen-mit-prof-saskia-fischer.
Podcast mit Prof. Josef Leifen zum Thema „Wie sich Lernen in Zeiten von KI verändern muss“: https://open.spotify.com/episode/2U88YkygpXFZXr0Dbk8CVa.
Podcast des „Deutschlandfunk“ zu moderner Prüfungskultur: https://www.deutschlandfunk.de/praesentation-statt-klausur-moderne-pruefungskultur-an-unseren-schulen-100.html.

Sehempfehlung
ZDF-Doku „Die Wahrheit über Social Media“: https://www.zdf.de/video/reportagen/die-wahrheit-ueber-100/die-wahrheit-ueber-social-media—mit-jochen-breyer-100.

Veranstaltungsempfehlung
Dieses Mal keine, die Ferien sind nah.

Spaß im Netz
http://patience-is-a-virtue.org/.

Newsletter 25/26-16: 13.05.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich habe am letzten Wochenende den Entwurf „Navigating an Evolving digital World“ der OECD für die nächste PISA-Studie 2029 gelesen, der für mich ein starkes Indiz für die Veränderung von Bildung ist und über den ich gerne hier berichten will. (Den Entwurf finden Sie hier: https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/about/projects/edu/the-pisa-2029-media-and-artificial-intelligence-(mail)-assessment-will-shed-light-on-whether-young-students-have-had-opportunities-to-learn-and-to-engage-proactively-and-critically-in-a-world-where-production,-participation,-and-social-networking-are-increasingly-mediated-by-digital-and-ai-tools-/PISA%202029%20MAIL%20Assessment%20Framework%20First%20Draft.pdf).

Leider habe ich im ursprünglichen Newsletter einen falschen Link zu der Draft-Version des OECD-Papiers zu PISA-2029 versendet. Doris Weßels hat mich dankenswerterweise darauf hingewiesen.
Der Link wurde korrigiert. Ich bitte um Entschuldigung. Wobei das ursprünglich verlinkte Papier durchaus auch interessant ist. Es zeigt, dass digitale und KI-Transformation immer weniger als reine Technologiefrage verstanden werden, sondern zunehmend als Herausforderung gesellschaftlicher Handlungs-, Steuerungs- und Orientierungsfähigkeit. Ursprünglicher Link: https://www.oecd.org/en/publications/the-oecd-going-digital-integrated-policy-framework-2026_0254ae07-en.html.


Der Entwurf markiert, nach meiner Einschätzung, einen bemerkenswerten Wendepunkt in der bildungspolitischen Diskussion. Mit „Media and Artificial Intelligence Literacy“ (MAIL) wird erstmals systematisch auch in den Blick genommen, ob Schülerinnen und Schüler sich in einer durch Medien, Plattformen und KI geprägten Wirklichkeit orientieren können und nicht nur, ob sie Wissen reproduzieren.
Das verweist auf eine tiefere Verschiebung. Lange Zeit bestand die zentrale Herausforderung von Schule darin, Zugang zu Wissen zu ermöglichen. Heute ist Wissen jederzeit verfügbar und zunehmend auch synthetisch erzeugt. Texte, Bilder und Argumente können von KI-Systemen generiert werden. Damit verändert sich die Bildungsfrage grundlegend: Nicht mehr der Zugang zu Information ist entscheidend, sondern die Fähigkeit, diese Information zu prüfen, einzuordnen und verantwortungsvoll zu nutzen.
Genau hier setzt das MAIL-Konzept an. Es beschreibt Kompetenzen wie das kritische Bewerten von Inhalten, das Erkennen von Manipulation und algorithmischen Verzerrungen sowie den reflektierten Umgang mit KI. Dahinter steht jedoch mehr als ein neuer Kompetenzbereich. Es ist eine Verschiebung des Bildungsverständnisses weg von der reinen Wissensaneignung hin zur Entwicklung von Urteilsfähigkeit.
Diese Entwicklung stellt zugleich die klassische Logik von Schule infrage. Über lange Zeit folgte Lernen einem relativ stabilen Muster: Aufgabe → Bearbeitung → Ergebnis → Lernen. Doch wenn KI-Aufgaben übernehmen und Ergebnisse erzeugen kann, verliert diese Logik an Eindeutigkeit. Die entscheidende Frage wird dann: Was bedeutet Lernen noch, wenn Ergebnisse nicht mehr zwingend an eigene kognitive Anstrengung gebunden sind?
Der OECD-Entwurf reagiert darauf, indem er weniger das Ergebnis als vielmehr den Umgang mit Information und Entscheidungssituationen in den Mittelpunkt stellt. PISA 2029 will diese Kompetenzen daher zunehmend in simulationsbasierten, digitalen Szenarien erfassen. Schülerinnen und Schüler sollen sich in komplexen Informationsumgebungen orientieren, Quellen bewerten und begründete Entscheidungen treffen. Damit wird anerkannt, dass die Lebenswelt, auf die Schule vorbereitet, selbst digital vermittelt ist.
Für Schule ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: KI ist kein Zusatzthema, das man in bestehende Strukturen integrieren kann. Sie verändert die Bedingungen von Lernen selbst. Wenn Informationen jederzeit verfügbar sind und KI als kognitiver Partner agiert, gewinnen andere Fähigkeiten an Bedeutung, insbesondere kritisches Denken, Reflexionsfähigkeit und ethisches Urteilsvermögen.
In diesem Sinne liegt die eigentliche Bedeutung von PISA 2029 weniger in der Einführung eines neuen Testbereichs als in der impliziten Neubestimmung von Bildung. Die zentrale Frage lautet nicht mehr: „Wie bringen wir KI in die Schule?“ Sondern: „Welche Form von Bildung braucht eine Gesellschaft, in der Wissen zunehmend durch KI erzeugt und vermittelt wird?“
Die Antwort, die sich im MAIL-Ansatz andeutet, ist klar: Urteilsfähigkeit wird zur Schlüsselkompetenz der Zukunft. Wir sind an der Weibelfeldschule recht weit und offen im Umgang mit KI, wir haben schon lange Schullizenzen für die Plattformen fobizz und Fellofish, mit denen die Lernenden datenschutzkonform mit LLMs arbeiten können, wir werden demnächst Schooltogo testen, ein weiteres KI-Tool und sind mit einigen Kolleginnen und Kollegen in ein weiteres spannendes Testprogramm eingebunden; dazu zu gegebener Zeit mehr.
Natürlich steht bei uns auch der Chatbot AIS-Chat zur Verfügung, der uns vom Land Hessen bereitgestellt wird und ich bin gespannt, was die Adaptiven Intelligenten Systeme (vgl. den vorletzten Newsletter vom 20.03.26) bringen werden.
Die Vorbereitungen auf die PISA-Studie 2029 zeigen, dass KI im Bildungssystem angekommen ist und wir uns weiter damit auseinandersetzen müssen. Natürlich ist da noch Luft nach oben, aber wir befinden uns auch erst seit zwei oder drei Jahren in der Situation, dass KI im Bildungssystem sichtbar geworden ist. Wir hatten an der Weibelfeldschule bereits 2024 einen Pädagogischen Tag mit dem Schwerpunkt KI- und Medienbildung, wir bieten immer wieder kleine Fortbildungssnacks oder Sessions im Rahmen des Bar-Dienstag an und werden das Thema sicher weiter auf der Agenda haben. Im letzten Newsletter habe ich geschrieben: „Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher angekommen“. Und das muss unser Antrieb sein, sich weiter mit diesem Thema auseinandersetzen, denn Schule gehört schließlich auch zum Alltag unserer Kinder.
„Telepolis“ ordnet den Standpunkt der OECD etwas weitergehend ein: https://www.telepolis.de/article/KI-im-Klassenzimmer-EU-und-OECD-treiben-die-Wende-voran-11165773.html.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Fobizz gibt es jetzt auch als App: https://fobizz.com/de/app/.
Udo Beckmann schreibt, leider ohne konkret zu werden, über das wichtige Thema der Deimplementierung im „Deutschen Schulportal“: https://www.news4teachers.de/2026/05/weniger-ist-mehr-warum-schulleitungen-den-mut-brauchen-bewusst-zu-verzichten/.
Das „Deutsche Schulportal“ beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen der geplanten Schüler-ID: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/schueler-id-was-ist-geplant-welche-chancen-und-risiken-gibt-es/.
Die Bundesregierung plant wohl Einsparungen bei Schulbegleitungen, Bericht aus dem „Merkur“: https://www.merkur.de/bayern/immer-mehr-kinder-brauchen-hilfe-um-die-schule-zu-bewaeltigen-94290236.html. Auch die Zeitschrift „Eltern“ beschäftigt sich mit dem Thema: https://www.eltern.de/schulkind/aus-fuer-die-schulbegleitung–das-ist-fuer-2028-geplant-14071314.html.

Schulentwicklung
Die großartige Astrid Kalantzis hat eine Video-Präsentation zum Thema „Schule darf gut tun – 7 Impulse für eine Grundschule, in der sich alle wohlfühlen“ veröffentlicht. Hier kann man sich kostenlos registrieren und die Präsentation ansehen: https://alfima.com/schulleiterin_mitvision/schule-darf-gut-tun-7-impulse-fur-eine-grundschule-in-der-sich-alle-wohlfuhlen?utm_content=link_in_bio&utm_medium=social&utm_source=ig.
Alexander Brand (siehe auch Hörempfehlung, die Empfehlung seines Buches kommt, wenn ich damit durch bin) hat sich beim „Deutschen Schulportal“ mit professionellen Lerngemeinschaften auseinandergesetzt: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/professionelle-lerngemeinschaften-wie-lehrkraefte-gemeinsam-unterricht-erproben/. Guter Unterricht entsteht nicht allein, sondern durch gemeinsame, systematische Weiterentwicklung im Kollegium.
Der „UNESCO Courier“ hat einen spannenden Beitrag zur Reduzierung digitaler Endgeräte in Schweden veröffentlich: https://courier.unesco.org/en/articles/sweden-unmet-promises-digital-classroom. Digitalisierung darf nicht als Selbstzweck verfolgt werden, sondern muss konsequent in eine starke Lernkultur eingebettet sein, mit klaren Regeln, verbindlichem Classroom Management und gezielter Förderung von Selbstregulation als eigentlichem Schlüssel für erfolgreiches Lernen. Die Zukunft der Schule entscheidet sich nicht an der Frage „digital oder analog“, sondern an der Qualität der Lernprozesse.

Smartphone und Social-Media
Der Schweizer „Tagesanzeiger“ berichtet über eine Studie, die keinen Zusammenhang zwischen Handynutzung und schlechteren Noten gefunden haben soll: https://www.tagesanzeiger.ch/handyverbot-an-schulen-us-studie-findet-kaum-verbesserungen-971214388721.

KI
„Futurism“ berichtet über eine spannende Gallup-Studie: https://futurism.com/artificial-intelligence/gen-z-attitude-ai. Gen-Z ist kritischer gegenüber KI als wir glauben. Vielleicht ist die eigentliche Bildungsfrage der KI-Ära nicht, wie wir KI in Schule integrieren, sondern wie Schule Menschen davor bewahrt, das eigene Denken an KI zu delegieren.
Die Vodafone Stiftung hat ein Policy Paper des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen veröffentlicht: Künstliche Intelligenz (KI) kann Lernprozesse wirksam unterstützen, birgt aber zugleich das Risiko von Kompetenzverlusten. Das Paper gibt es hier: https://www.vodafone-stiftung.de/ki-in-der-bildung-abhaengigkeit-zu-handlungsfaehigkeit/. Die vielleicht entscheidende Bildungsfrage im KI-Zeitalter ist imho nicht, ob Schüler und Schülerinnen KI nutzen, sondern ob sie dabei die Kontrolle über ihr eigenes Denken behalten.
Auch der „UNESCO Courier“ beschäftigt sich mit Fragen zu KI und Bildung und hält lesenswerte Artikel bereit: https://courier.unesco.org/en/latest.
Im Anschluss an den letzten Newsletter ist dieser Artikel von „telepolis“ interessant: https://www.telepolis.de/article/Die-Hausaufgaben-Falle-Wie-Schueler-sich-mit-KI-selbst-schaden-11163648.html.
Rechtliche Aspekte zu KI in der Bildung werden in einem FAQ von „iRIGHTS“ zusammengetragen: https://irights.info/artikel/ki-faq/32822.

Tipps für den Unterricht
Das „Deutsche Schulportal“ berichtet aus den Ergebnissen des US-Pädagogen Doug Lemov (siehe Buchempfehlung) zur Fehlerkultur im Unterricht: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/fehler-willkommen-drei-strategien-fuer-eine-bessere-fehlerkultur-im-unterricht/.

Leseempfehlung
Doug Lemov: Unterrichte wie ein Champion, 63 Techniken, die Schüler zum Lernen bringen, Weinheim 2023. Zu dem Buch gibt es über 100 Videos, in denen die Techniken in der Praxis gezeigt werden; wirklich hilfreich für Einsteiger im Lehrberuf, aber auch für Profis sicher hilfreich.

Hörempfehlung
Podcast von Benedikt Wisniewski mit Alexander Brand über dessen neues Buch „Die Bildungsweltmeister“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/spezial-die-bildungsweltmeister-gespr%C3%A4ch-mit-alexander/id1647804131?i=1000761040380.

Sehempfehlung
DAS HMKB veranstaltet aktuell eine Online-Vortragsreihe zu „Strategien zum Umgang mit externalisierenden Verhaltensweisen“, die Aufzeichnung der zweiten Veranstaltung mit der Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Dr. Martina Dort finde ich sehenswert: https://kultus.hessen.de/video/psychische-auffaelligkeiten-im-schulalltag-sicher-handeln.  

Veranstaltungsempfehlung
Großes Online- KI-Barcamp der TU-Dortmund mit vielen wichtigen Partnern und renommierten Expertinnen und Experten (u.a. mit Keynotes von Doris Weßels und Martin Fugmann) und drei Sessionschienen. Hier geht es zur Anmeldung: https://dapf.zhb.tu-dortmund.de/ki-barcamp/. Ich bin angemeldet.

Spaß im Netz
https://endedesinternets.de/.