WfS-11: Es wird ernst.

Nachdem wir in den letzten beiden Jahren Rahmenbedingungen und Strukturen für moderne Schulentwicklung geschaffen haben (siehe andere Beiträge in diesem Blog), wird es jetzt konkreter und damit ernster.
Konkret habe ich mir eine Kladde zu selbstreguliertem Lernen angelegt. Der Grund dafür ist ein Auftakttreffen vom vergangenen Dienstag in unserer neuen Zukunftsschmiede, bei dem sich ein Gruppe von Kolleginnen und Kollegen auf den Weg gemacht hat das selbstregulierte Lernen zu ergründen, um im übernächsten Schuljahr im Jahrgang 5, bzw. in Teilen von diesem, damit anzufangen.
Im Protokoll heißt es dazu in einer Art Präambel: „Die Teilnehmenden betonten das grundsätzliche Interesse am gemeinsamen Austausch und an innovativen Konzepten für zukünftiges Lernen. Dabei wurde hervorgehoben, dass es sinnvoll sei, Schule von Grund auf neu zu denken und über den Rahmen einzelner Klassen hinauszugehen. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass eine fächerübergreifende und ggf. jahrgangsübergreifende Zusammenarbeit wichtig ist, insbesondere in Verbindung mit Teamteaching und regelmäßigem Austausch im Kollegium.“ Basis dafür wird selbstreguliertes Lernen sein, auch wenn dieser Begriff für unsere Schule inhaltlich noch ausgeschärft werden muss. Laut Protokoll ist die Ausgangsbasis für den Diskussionsbegriff zur Begriffsschärfung: „Selbstreguliertes Lernen wird verstanden als eigenständiges Arbeiten an Projekten und Themen, begleitet durch Reflexion und Lernentwicklungsgespräche. Zentrale Elemente sind Methodenkompetenz, Strukturierung des Lernprozesses und Stärkung der Eigenverantwortung.“
Das entspricht dem Mandat für unseren Schulentwicklungsprozess und muss nun im Rahmen der oben erwähnten Strukturen in die DNA-Gruppe und ins Kollegium gespiegelt werden. Das Projekt „WfS 2030“ ist auf Kurs!
Ich muss gestehen, ich bin schon etwas stolz auf diese Entwicklung, die die Weibelfeldschule eingeschlagen hat. Ich bin aber nicht nur stolz, sondern auch voll Hoffnung und ja, auch voller Enthusiasmus, dass es uns gelingen kann, hier bei uns einen Beitrag zur Modernisierung des Schulsystems zu leisten.
Ich werde weiter berichten.

Thorsten Möller (Stv. Sl.) zu Schulentwicklung

Liebe Leserinnen und Leser,

manchmal sind es die beiläufigen Fragen, die sich im Kopf festsetzen.
„Magst du nicht einen Beitrag für den Blog schreiben – aus Sicht des Stellvertreters?“ fragte mich mein Schulleiter vor einigen Tagen.

Mein erster Gedanke? „Jetzt? Sein Ernst? Vielleicht in den nächsten Ferien…?“ Die Liste der anstehenden Aufgaben glich eher einem Buch als einem Zettel.

Und doch blieb die Frage in mir hängen. Einige Tage später saß ich in der Bahn – zwei längere Fahrten. Stunden, in denen sich Gedanken lösen können, während draußen Felder, Wälder und Bahnhöfe vorbeiziehen. Stunden, in denen man nicht nur die Landschaft an sich vorbeigleiten sieht, sondern auch Pläne schmiedet, Dinge reflektiert und Fragen nachhängt.

Immer wieder tauchten sie auf: Bilder meines Schulalltags. Unterrichtsverteilung. Stundenpläne. Die bevorstehende Dienstversammlung. Und über allem die Frage: Wie wird sich die Weibelfeldschule weiterentwickeln?

Seit 2006 bin ich Teil der Schule. Alles begann mit einem Orientierungspraktikum zu Beginn meines Studiums. Als ehemaliger Schüler eines klassischen Gymnasiums war mir die Welt einer Gesamtschule völlig fremd. Doch schon nach kurzer Zeit war ich fasziniert von der Vielfalt, der Unterschiedlichkeit, dem gemeinsamen Lernen unter einem Dach – trotz ganz verschiedener Ausgangspunkte.

Viele Jahre habe ich in der Kinder- und Jugendarbeit in Kirche und Sportverein verbracht. Diese Zeit hat meinen Blick geschärft, mich gelehrt, früh über den Tellerrand zu schauen und Bildung nicht nur aus der Perspektive des Klassenzimmers zu denken.

Die Weibelfeldschule habe ich aus fast allen Perspektiven kennengelernt: als VSS-Kraft (früher „U+“), im Referendariat, als Lehrkraft, Stufenleiter und nun als stellvertretender Schulleiter. Hätte mir das vor zehn Jahren jemand prophezeit, ich hätte wohl herzlich gelacht. Heute aber kenne ich wohl jeden Winkel des Hauses wie meine eigene Hosentasche.

Mein Supervisor hat es einmal so formuliert: „Der Schulleiter ist der Außenminister, der Stellvertreter der Innenminister.“
Das trifft es ziemlich genau. Während der Schulleiter die großen Linien nach außen vertritt, kümmere ich mich um das Innenleben: Unterrichtsverteilung, Stunden- und Vertretungspläne, Personalfragen, Budget, Ganztag.

Kurz gesagt: Ich halte das operative Geschäft am Laufen. Doch genau hier beginnt für mich auch Schulentwicklung – nicht in fernen, wolkigen Zukunftsvisionen, sondern in klaren, konkreten Aufträgen für das Hier und Jetzt.

Visionen haben einen schönen Klang. Aber die Realität verändert sich schneller, als man manchmal denkt. Was heute noch Sinn ergibt, kann morgen schon überholt sein. Zu allgemeine Visionen wirken beliebig, zu konkrete können durch veränderte Rahmenbedingungen rasch an Relevanz verlieren.

Darum glaube ich: Wir brauchen weniger ein perfektes Zukunftsbild, kein Wunsch einer Utopie, sondern smarte Ziele. Meilensteine, die erreichbar sind und gemeinsam gefeiert werden können.
So kann man auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten, nächste Schritte gehen, behält Raum für Anpassung und stellt die entscheidende Frage: Was tun wir jetzt?

Hier passt für mich das biblische Bild vom Senfkorn:
Ein Mann sät das kleinste aller Samenkörner auf seinen Acker. Es ist winzig, unscheinbar. Doch mit Zeit, Nährstoffen und Licht wächst es zu einem großen Baum heran, der alle anderen Pflanzen überragt. In seinen Zweigen finden sogar die Vögel des Himmels Platz.

Schulentwicklung funktioniert genauso: Wir müssen das kleine Korn säen, hegen und pflegen. Wir brauchen Geduld, Ausdauer und ein klares Ziel – so wie Pflanzen dem Licht entgegenwachsen. Der Baum entsteht nicht über Nacht, sondern durch stetige und vor allem verlässliche Arbeit.

Bevor wir über Entwicklung sprechen, müssen wir uns bewusst machen, welche Rolle wir als Lehrkräfte im Leben der Schülerinnen und Schüler spielen.
Denken Sie an Ihre eigene Schulzeit zurück: Vielleicht fällt Ihnen sofort ein Geruch im Gebäude ein, ein Klassenraum, ein Ausflug, ein bestimmtes Gespräch. Und mit Sicherheit gibt es ein paar Lehrkräfte, die Sie bis heute nicht vergessen haben – im Positiven wie im Negativen.

Wir prägen junge Menschen weit über den Unterricht hinaus. Wir begleiten sie in einer entscheidenden Phase ihres Lebens. Diese Verantwortung kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Der Jesuitenpater Alfred Delp, der von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde, formulierte einen Satz, der mich seit vielen Jahren begleitet:
„Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte, ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war, dann hat sein Leben einen Sinn gehabt.“

Für mich ist das mehr als ein schönes Zitat – es ist ein Kompass. Äußere Strukturen wie Gesetze, Verordnungen und Prüfungsordnungen sind wichtig. Aber sie allein bringen weder Bildungserfolg noch einen echten Schulabschluss. Entscheidend sind Haltung, Begleitung und der gemeinsame Weg.

Stellen Sie sich nun eine Kutsche mit vier Pferden vor. Wenn jedes in eine andere Richtung zieht, zerreißt es die Kutsche – oder sie bewegt sich keinen Zentimeter.
So ist es auch mit Schulentwicklung. Unsere Aufgabe als Leitung ist es, diese Kräfte zu bündeln, ihnen eine gemeinsame Richtung zu geben und das Ziel im Blick zu halten. Erst dann kann sich die Kutsche wirklich in Bewegung setzen.

Gute Schulentwicklung lebt nicht von starren, in Stein gemeißelten Zukunftsvisionen. Sie lebt davon, dass wir im Hier und Jetzt die richtigen Dinge tun – konsequent, gemeinschaftlich, mit klarem Blick und der Bereitschaft, Kurskorrekturen vorzunehmen.

Aus einem kleinen Senfkorn kann ein großer Baum werden, unter dessen Ästen viele Platz finden – wenn wir ihn pflegen, ihm Zeit geben und gemeinsam daran arbeiten.

Blog 2025-17: Schulentwicklung: Sollte wer Visionen hat zum Arzt gehen?

Grafik: ChatGPT 5; Prompt: Visualisierung des Beitrags

Das Thema „Visionen in Schulentwicklungsprozessen“ beschäftigt mich als Praktiker schon länger und ist auch immer wieder Gegenstand von Diskussionen in unserer Schulgemeinschaft und in unserem Schulleitungsteam.

Viele Schulentwicklungsprozesse beginnen mit der Entwicklung einer Vision oder eines Leitbildes. So soll, zumindest in der Theorie, ein gemeinsames Fundament, ein Konsens, ein Ziel entwickelt werden, welches dann die Mitglieder der Schulgemeinschaft zu einem Zustand leitet, der von möglichst allen gewünscht wird.
Ich kann das grundsätzlich nachvollziehen, habe aber doch auch meine Probleme damit, die ich gerne erläutern und in den Diskurs einbringen will.

Ex-Kanzler Helmut Schmidt soll, vermutlich im Bundestagswahlkampf 1980, gesagt haben: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Ich antworte für gewöhnlich darauf, dass ich beim Arzt gewesen sei und dieser bestätigt habe, dass alles in Ordnung sei. Aber braucht Schulentwicklung tatsächlich eine Vision oder ist das vielleicht sogar schädlich? Der Duden definiert Vision als:
a) übernatürliche Erscheinung als religiöse Erfahrung
b) optische Halluzination
c) in jemandes Vorstellung besonders in Bezug auf Zukünftiges entworfenes Bild.
Etymologisch spielen eher a) und b) eine Rolle, für unseren Kontext aber wohl eher c): Eine Vorstellung in Bezug auf eine Zukunft. Jetzt bin ich aber der Überzeugung, mein Blog und die Newsletter belegen das immer wieder, dass unsere Zukunft volatil und unsicher ist, dass wir in Zeiten exponentieller Veränderungen leben. Wie soll in diesem Kontext eine tragfähige Vision für die Zukunft einer Schule entstehen? Ist nicht jede Vision unter Umständen nach einem Jahr schon wieder obsolet, weil sich Rahmenbedingungen fundamental verändert haben.
Dem kann man natürlich entgehen, indem man eine Vision möglichst wenig konkret verfasst: „Wir wollen eine Schule sein, an der sich alle wohlfüllen“. Das ist dann aber schon wieder ziemlich beliebig und ein Allgemeinplatz, dem alle zustimmen würden, der in seiner Konkretisierung aber konfliktbehaftet ist, weil jeder sich anders wohlfühlt. Wird man auf der anderen Seite zu konkret und fasst die Vision zu eng, kann es passieren, dass ein Ziel ganz schnell nicht mehr als erstrebenswert gilt, zum Beispiel „Wir wollen unseren Unterricht an kybernetischen Lerntheorien orientieren“ oder wir wollen die Methode „Lesen durch Schreiben“ implementieren.
Diesem Dilemma kann man vielleicht entkommen, indem man eben kein Leitbild oder keine Vision für eine Zukunft entwickelt, die immer schlechter vorhersehbar ist, sondern indem man einen Auftrag für das jetzt entwickelt, so wie wir es mit dem Mandat für unsere DNA-Gruppe gemacht haben, das mit großer Zustimmung von der Gesamtkonferenz abgestimmt wurde:

Auch dort steht, dass wir eine Schule haben wollen, auf die alle wieder mehr Lust haben. Aber das wird konkretisiert, wir wollen das erreichen, indem wir Unterricht öffnen und neu denken, an anderen Schulen hospitieren, mehr Sinn und Selbstwirksamkeit stiften, mutig sind, gemeinsam mit der gesamten Schulgemeinschaft daran arbeiten wollen und sogar schon Rahmenbedingungen festgelegt haben. Das ist hinreichend offen und hinreichend konkret. Es gibt Leitplanken oder Eckpfeiler, wie Öffnung von Unterricht und einen Kerngedanken von pädagogisch anderem Handeln und Systemtransformation, der sich an anderen Schulen (Best Practice) orientiert und die gesamte Schulgemeinschaft einbindet.

Ich finde, damit ist hinreichend klar, wohin der Weg führen soll. Es ist ein Rahmen gesteckt und nächste Schritte werden konkret. Dennoch ist Flexibilität, moderner gesagt: Agilität, möglich, da wir ja unseren eigenen Weg finden müssen, der sich an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler in unserem Umfeld orientiert.

Fazit: Wir brauchen keine Vision für die Zukunft, wir brauchen einen Auftrag für die Gegenwart. (Und die Diskussion um den Arzt können wir uns sparen)

Blog 2025-16: Guerilla-Schulentwicklung

Vorbemerkung: Dieser Beitrag kommt ohne echte wissenschaftliche Evidenz daher. Ich habe natürlich Bücher zu Schul- und Organisationsentwicklung gelesen, Fortbildungen und Workshops dazu besucht und gehalten, aber ich will hier keinen wissenschaftlichen Artikel veröffentlichen. Mir geht es um eine Idee, eine Erfahrung, die ich gerne in den Diskurs einbringe.
Mir ist auch bewusst, dass man den Begriff „Guerilla“ durchaus kritisch sehen kann, aber ich finde ihn in dem Kontext durchaus sinnvoll, nicht weil er etwas Militärisches hat, sondern weil er den Kerngedanken meiner Idee gut trifft. Ich könnte auch von Ninja-Schulentwicklung sprechen, aber das würde es nur begrenzt besser machen. Und wie jede Metapher hat auch der Begriff „Guerilla“ in diesem Kontext seine Grenzen. In der Schule werden natürlich keine „Feinde“ mit klandestinen Militäroperationen empfindlich getroffen, aber es geht um viele kleine punktuelle Aktionen, die Entwicklung verändern.

Das ist dann nämlich auch schon der Kerngedanke der Guerilla-Schulentwicklung. Es gibt kein feststehendes großes Ziel, auf das dann hingearbeitet wird, bei dem der Schulleiter die Richtung vorgibt und den Lehrkräften sagt, wo es lang geht (ich verzichte hier jetzt bewusst auf militärische Metaphern). Solche Entwicklungsprozesse sind in der Regel zum Scheitern verurteilt. Dennoch braucht Schulleitung eine Vision, die im Idealfall im Dialog mit der Schulgemeinschaft entsteht. (Zum Thema Vision wird bald ein weiterer Blogartikel erscheinen.) Diese Vision muss hinreichend, aber nicht sonderlich konkret sein, sie muss eine Richtung haben, aber kein klares Ziel. Schulentwicklung ist eine zentrale Aufgabe der Schulleitung, aber kein Prozess der sinnvoll angeordnet werden kann, der aber gesteuert werden muss. Wie kann das aber gelingen?
Wie kann ich als Schulleiter Einfluss auf Schulentwicklung nehmen ohne zu diktieren und wie kann ich die Schulgemeinschaft mitnehmen?

Es ist nicht ratsam, und da hinkt der Guerilla-Vergleich, Schulentwicklung als Geheimoperation oder Täuschungsmanöver (schon wieder eine Militär-Metapher) durchzuführen. Schulentwicklung muss transparent sein. Aber sie darf, und da passt der Vergleich wieder, überraschend sein, sie darf Spuren hinterlassen, von denen unklar ist, wo sie herkommen. Ganz konkret heißt das, dass man an einer prominenten Stelle ein Plakat, eine Karikatur oder einen Zeitungsartikel aufhängen oder platzieren kann, der zum Nachdenken anregt.
Ich hänge manchmal so etwas ans Schwarze Brett oder „vergesse“ Kopien im Lehrerzimmer.
Ich weise bestimmte Kolleginnen und Kollegen auf bestimmte Fortbildungen hin oder werbe für bestimmte Bücher oder Filme. Zum Beispiel habe ich drei Exemplare des Buchs von Stefan Ruppaner angeschafft und ins Kollegium verliehen.
Wir haben außerdem innovative Konferenzformate wie Barcamps oder Open Spaces eingeführt, die ganz viel Raum zur Ideenentwicklung bieten, die dann langsam in die Schulgemeinschaft sickern (Schulentwicklung ist ja kein Sprint, sondern ein Marathon). Überhaupt geht es ganz viel darum den Mitgliedern der Schulgemeinschaft Möglichkeitsräume zu schaffen, ihnen Vertrauen zu schenken und sie bei Innovationen zu unterstützen, auch im Scheitern. Innovative Lehrkräfte haben einen starken Instinkt für die richtige Richtung von Schulentwicklung, sie, aber auch die Lernenden, spüren am Ende besser als die Schulleitung was die Schule braucht. So kam die Initiative zehn Lehrkräfte bei BeWirken an einer Lernbegleiter-Fortbildung teilzunehmen aus dem Kollegium und wurde von der Schulleitung natürlich sofort unterstützt.

Zur Guerilla-Schulentwicklung gehört auch Ideen und Erkenntnisse aus der Bildungswissenschaft oder aus der Bildungsbubble auf Social-Media in die Schulgemeinschaft zu transportieren. Das passiert im alle zwei Wochen erscheinenden Newsletter oder in Statements auf Konferenzen, Sessions in Barcamps, Einzelgesprächen und überhaupt bei jeder Gelegenheit. Bestenfalls als Denkanstoß oder Angebot auf keinen Fall als Belehrung.

Sinnvoll ist es natürlich auch externe Berater oder Teilgeber für Barcamps einzuladen, die Innovationen unterstützen.

All diese Maßnahmen führen zu sichtbaren Veränderungen. Am deutlichsten wird das in der Art, wie mittlerweile über Schulentwicklung in der Schule gesprochen wird. Vor zwei Jahren waren Begriffe wie Lernbegleitung, Freiday, Alemannenschule, Lernbüro, Barcamp usw. allenfalls einer kleinen Minderheit bekannt und spielten im Diskurs keine Rolle. Jetzt können fast alle Kolleginnen und Kollegen damit etwas anfangen und entwickeln ihre eigenen Vision von einer modernen Schulkultur. Und das ist ein beachtlicher Erfolg!
In nur zwei Jahren ist es gelungen durch ganz viele kleine Aktionen an ganz vielen Orten und zu unterschiedlichen Anlässen und Zeiten einen neuen Möglichkeitsraum zu schaffen, in dem Schulentwicklung stattfinden kann. Jetzt ist hoffentlich der Boden bereitet, konkrete Maßnahmen zu ergreifen und Schule neu zu denken. Nicht durch Diktat oder Überwältigung, sondern durch Information, Angebot und Empowerment. Und das ist das, was ich mit Guerilla-Schulentwicklung meine.

(Mehr dazu hier)

WfS-08: Mit Tempo weiter – das zweite Jahr

Anknüpfend an den 6. Blogbeitrag muss festgehalten werden, dass die DNA-Gruppe arbeitet und erste Ergebnisse liefert. Gemäß dem Mandat für die DNA-Gruppe, welches von der Gesamtkonferenz nahezu einstimmig beschlossen wurde, haben sich zwei Themenschwerpunkte herausgebildet, an denen aktuell schwerpunktmäßig gearbeitet wird. Bevor ich dazu komme, hier zur Illustration das Mandat:

Die beiden Arbeitsschwerpunkte haben beide mit Teamarbeit zu tun, die daher im Fokus der Schulentwicklung im kommenden Schuljahr stehen muss. Teamarbeit ist kein überraschendes Thema für Schulentwicklung, aber ganz sicher auch nicht trivial. Die Forschung belegt, dass Teamarbeit wichtig ist und Ressourcen und Salutogenese schafft, gleichzeitig aber auch schwer zu implementieren ist, da das System traditionell eher auf „Einzelkämpfertum“ ausgerichtet ist.
Zu den beiden Arbeitsschwerpunkten haben sich Arbeitsgruppen gebildet. Die eine beschäftigt sich mit Teamstrukturen und einer Reform der Förderstufe (Jahrgänge 5 und 6), hier wird über Individualisierung von Lernprozessen, Lernbegleitung, Projektarbeit und vieles mehr diskutiert.
Die andere Gruppe beschäftigt sich mit der Schaffung von Freiräumen zum Austausch und zur pädagogischen Entwicklung. Hier geht es um die Möglichkeit eines Konferenztages (verbindlich oder freiwillig?), möglicherweise in Form von Barcamps, mehr Verbindlichkeit in Jahrgangs-, Fach- und Fachbereichsteams, Multiprofessionalität und vieles mehr.

Das klingt jetzt alles, als wäre die Entwicklung reibungslos verlaufen und das Ergebnis stünde schon fest. Dem ist natürlich mitnichten so. Die oben beschriebenen Diskussionspunkte sind eben genau das: Punkte, die diskutiert werden. Diese sind weder unumstritten noch beschlossen. Ein Gedanke der DNA-Gruppe ist ja, das Ideen und Diskussionen immer wieder gespiegelt werden, um sie im System zu verankern. Das heißt, eine Idee, ein Konzept wird zunächst in der DNA-Gruppe gespiegelt, die ja einen Querschnitt der verschiedenen Positionen der Schulgemeinschaft abbilden soll. Hier wird schon in einer ersten Rückmeldung klar, ob Ideen oder Projekte von Teilen der Schulgemeinschaft kritisch gesehen werden und daher eventuell nachgeschärft oder verworfen werden müssen. In einem zweiten Schritt werden Ideen und Projekte dann in der Gesamtkonferenz präsentiert und diskutiert. Hier wird dann entschieden, ob eine Idee weiter verfolgt wird oder eher nicht.
Eine größere und schwierigere Diskussion entstand um das Verhältnis von neuer DNA-Gruppe und bestehender Schulentwicklungsgruppe. Dazu wird ein gesonderter Blogbeitrag erscheinen.

Was ist noch passiert?
Im Rahmen des Mandates konnten zwei Gruppen aus dem Kollegium an der KGS-Niederrad und der IGS-Süd in Frankfurt hospitieren, um Eindrücke von deren Arbeit zu bekommen, dabei ging es besonders um individualisiertes und selbstreguliertes Lernen und die zugehörigen Feedback-Prozesse.
Ein weitere Gruppe aus dem Kollegium hat eine Lernbegleiter-Fortbildung bei BeWirken gemacht.
Im Jahrgang 7 haben wir in einer Klasse erste Erfahrungen im fächerübergreifenden Lernen und in der Projektarbeit gemacht.
Wir haben gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und Eltern ein Konzept zur Handynutzung und ein Schutzkonzept entwickelt.
Außerdem haben wir uns auf den Weg gemacht am Projekt „einfach bewegen(d)“ des Ministeriums teilzunehmen, um mehr Bewegung in den Unterrichtsalltag zu bringen.
Schließlich haben wir als Schulleitung erstmals ein Feedback des Kollegiums eingeholt.
Und wir haben endlich unsere Zukunftsschmiede Trendhub eingeweiht. Impressionen dazu:

Wenn ich mich manchmal zurücklehne, reflektiere und die letzten beiden Jahre als neuer Schulleiter der Weibelfeldschule Revue passieren lasse, bin ich immer wieder begeistert, was wir schon alles geschafft, angebahnt und bewegt haben. Im kommenden Schuljahr wollen wir schwerpunktmäßig an den oben beschriebenen Teamstrukturen arbeiten, weiter an anderen Schulen hospitieren, das Feedbacksystem ausbauen und mehr Bewegung in den Schulalltag bringen. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Förderung der SV-Arbeit sein. Da beginnen wir mit einem Workshop nach den Sommerferien auf dem Hofgut Neuhof, der von den „Feuerfreunden“ aus Dreieich begleitet wird, dazu auch bei anderer Gelegenheit mehr.

Newsletter 24/25-15: 25.04.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

heute geht es, Achtung Überraschung, um Schulentwicklung.
Nach einem halben Jahr als Schulleiter, also vor ca. 1,5 Jahren, hat das Ministerium alle neuen Schulleiter zu einer Zwischenbilanz eingeladen. Ein Programmpunkt war der Austausch untereinander. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele Schulen aus allen Schulformen begonnen haben, sich mit selbstreguliertem Lernen zu beschäftigen. Viele Schulen haben Teile des Unterrichts aufgebrochen und in Lernbüros, Lernateliers, Lernzeiten oder ähnliches überführt.
Ende März durfte ich einen Workshop bei Vision@Schule in Wetzlar halten und habe dort Stefan Ruppaner und Prof. Ferdinand Stebner kennengelernt und von beiden Keynotes gehört, die sich ebenso mit selbstreguliertem Lernen beschäftigt haben und kürzlich habe ich in der Zeitung gelesen, dass die Adolf-Reichwein-Schule in Langen ein Pilotprojekt zum selbstregulierten Lernen startet. Ich weiß, dass die Nell-Breuning-Schule in Rödermark schon länger mit selsbstreguliertem Lernen arbeitet und spreche immer häufiger mit Kolleginnen und Kollegen über das Thema.
Vor den Ferien hat Stefan Ruppaner mit der Kultusministerin aus Niedersachsen Julia Willie Hamburg über das Thema gesprochen und es werden immer mehr Webinare und Fortbildungen dazu angeboten.
Das heißt, das Thema Veränderung von Lehr- und Lernprozessen nimmt Fahrt auf.
Angesichts einer sich immer stärker verändernden Welt, der zunehmenden Individualisierung und der immensen Herausforderungen und der bereits begonnenen Transformationsprozesse, beginnt das Bildungssystem nachzuziehen.
Wir haben an der Weibelfeldschule in den letzten beiden Jahren unsere Hausaufgaben gemacht und Strukturen geschaffen, diesen Transformationsprozess mit der gesamten Schulgemeinschaft zu steuern und unser System so resilient gemacht und wir haben erste Pilotprojekte gestartet. Gleichzeitig haben wir begonnen uns mit KI, Sozialen Medien und Changemanagement zu beschäftigen, wir haben Fortbildungen angestoßen und erste Hospitationen an anderen Schulen gestartet, wir haben einen Vernetzungsprozess ins Umfeld gestartet und begonnen unsere Schule zu demokratisieren, kurz: Wir haben uns auf den Weg gemacht.
Jetzt gilt es weiter mutig voranzuschreiten, unsere Strukturen zu nutzen und die ganze Schulgemeinschaft in den Entwicklungsprozess einzubinden. Die Weibelfeldschule war schon immer eine progressive Gesamtschule, an der Dinge möglich wurden und das muss so bleiben. Nur, wenn wir uns immer weiterentwickeln, können wir das sein, was wir alle sein wollen und auch sein müssen: Eine gute Schule für unsere Schülerinnen und Schüler, die diese bestmöglich auf das Leben vorbereitet.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
„Auf TüDi-BASE werden aktuelle Forschungsbefunde basierend auf systematischen Übersichtsarbeiten kompakt und verständlich aufbereitet und im Kontext der Schulpraxis diskutiert.“ Die Schwerpunkte bilden „Lernen mit digitalen Medien“ und „Medienbildung“ https://www.tuedilb-tuebingen.de/tuedi-base.html#pane-1.
Die Studienlage zu unangekündigten Tests ist wohl recht eindeutig: https://www.br.de/nachrichten/wissen/exen-laut-studien-spricht-nichts-fuer-unangekuendigte-tests,UhO6UKG.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung belegt in einer aktuellen Studie erneut den Zusammenhang von Sprach- und Mathekompetenzen von der sozialen Herkunft und weist auf die Bedeutung der frühkindlichen Bildung hin: https://www.diw.de/de/diw_01.c.944401.de/publikationen/wochenberichte/2025_14_1/sprach-_und_mathekompetenzen_haengen_in_deutschland_bei_schu___rt_staerker_von_sozialer_herkunft_ab_als_in_anderen_laendern.html.
Das Interview mit Seeber und Köller auf dem Blog von Jan Martin Wiarda zeigt imho die Hilflosigkeit der deutschen Bildungspolitik, die Probleme sind erkannt und nach Jahrzehnten deuten sich Lösungsmöglichkeiten an. Manche Bundesländer schaffen es, andere nicht und der Datenschutz verhindert ein Arbeiten über Stufengrenzen: https://www.jmwiarda.de/2025/04/08/curricula-die-durchgepeitscht-werden/.
News4teachers kommentiert den Koalitionsvertrag: https://www.news4teachers.de/2025/04/kommt-jetzt-der-grosse-wumms-fuer-die-bildung-der-koalitionsvertrag-laesst-hoffen-dazu-werden-wir-massiv-investieren/.
Das RND berichtet über „Lehrerin Frankes Kampf gegen die Schulschwänzer“. Fazit: „Tatsächlich gibt es viele Wege, eine Schule so zu gestalten, dass Kinder gern dort hingehen. Aber von der Haltung, auf Möglichkeiten statt auf die Defizite zu schauen, Ziele mess- und bewertbar zu machen und auf Team statt auf Einzelkampf zu setzen, kann sicher jede Schule profitieren.“ https://www.rnd.de/beruf-und-bildung/schulschwaenzer-berliner-schulleiterin-halbiert-fehlzeiten-mit-radikalem-konzept-TASL6QZ5XNDNLJXRGDXFTY66SM.html.
Die COPSY-Studie des UKE weist auf die zunehmende psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen hin: https://www.uke.de/allgemein/presse/pressemitteilungen/detailseite_160448.html.
Michael Gisiger zu „Handschrift und Digitalisierung: Was die Forschung wirklich zeigt“: https://text.tchncs.de/gisiger/handschrift-und-digitalisierung-was-die-forschung-wirklich-zeigt.
Kristina Wahl („Die Frau mit dem Dromedar“) hat sich im Rahmen unserer Blogparade sehr ausführlich und lesenswert mit dem Thema Demokratiebildung auseinandergesetzt: https://diefraumitdemdromedar.de/demokratiebildung-fuer-lehrkraefte-alles-ist-politisch/.

Smartphone und Social Media
Thomas Felzmann hat sich sehr ausführlich mit der bei Kindern beliebten Spieleplattform „Roblox“ auseinandergesetzt, deren Nutzung mit bestimmten Risiken verbunden ist, die man kennen sollte: https://www.thomasfelzmann.at/roblox-was-eltern-und-lehrkraefte-darueber-wissen-sollten/.
Ein weiterer kritischer Beitrag zur beliebten Spieleplattform „Roblox“: https://www.derstandard.at/story/3000000265878/zutiefst-verstoerend-forschende-warnen-davor-kinder-auf-plattform-roblox-spielen-zu-lassen.
Ole Horn, Ina Samel, Bea Krause und Nele Hirsch haben bei der edunautika 2025 ein differenziertes Papier zu Smartphoneverboten verfasst (Ja, bei dem Thema ist wirklich Ambiguitätstoleranz gefragt…): https://smartphoneverbot.de/.
Die DAK-Suchtstudie weist auf den problematischen Medienkonsum von Kindern hin: https://www.dak.de/presse/bundesthemen/kinder-jugendgesundheit/dak-suchtstudie-millionen-kinder-haben-probleme-durch-medienkonsum-_91832.
Eine umfassende Studie zur Handynutzung, die in den sozialen Medein bereits heftig diskutiert wird, liefert Victoria A. Goodyear in „The Lancet“: https://www.thelancet.com/journals/lanepe/article/PIIS2666-7762(25)00003-1/fulltext. Professorin Katarina Scheiter von der Uni Potsdam fasst die Studie auf LinkedIn so zusammen: „Über Handyverbote in der Schule reguliert man an der Oberfläche das Verhalten, erzielt aber keine tiefgreifenden Wirkungen. Diese würden voraussetzen, dass gezielt ein alternatives Verhalten aufgebaut wird (Stichwort: Medienkompetenz), welches auch außerhalb von Schule angewendet wird. Dazu müssen sowohl die Schüler*innen als auch das außerschulische Umfeld (hier v.a. die Eltern) stärker adressiert werden.“

KI
Interessanter Beitrag auf t3n zum „Denken“ von LLMs am Beispiel von Claude (Spoiler: Teilweise wirklich kurios und immer noch sehr mysteriös): https://t3n.de/news/ki-blackbox-anthropic-geknackt-1680603/.
Hier werden Beispiele für Prompts gesammelt: https://www.prompt-cards.eu/ (ist noch am Anfang).
Die Hochschule Darmstadt hat eine Studie zu KI-Nutzung bei Studierenden gemacht (Spoiler: Mehr als 90% nutzen KI-Tools): https://h-da.de/meldung-einzelansicht/bundesweite-studie-mehr-als-90-der-studierenden-nutzen-ki-basierte-tools-wie-chatgpt-fuers-studium.
Umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Thema KI und Schulleitung von Hauke Pöhlert (3I-Modell: Integration, Investition, Innovation): https://unterrichten.digital/2024/05/22/schule-chatgpt-ki-3i-modell/.
Einen sehr dystopischen Blick auf KI gibt es in „How AI Takeover Might Happen in 2 Years“ von joshc auf: https://www.lesswrong.com/posts/KFJ2LFogYqzfGB3uX/how-ai-takeover-might-happen-in-2-years.

Tipps für den Unterricht
Eine Seite voller Daten und Grafiken zu allen möglichen Themen: https://ourworldindata.org/.
Eine ausführliche Taskcard mit Material zu „Erklärvideos als Alternative Leistungsfeststellung“ von Ann Katrin Schäfer (den Podcast bei Edufunk dazu gibt es als Hörempfehlung weiter unten): https://smz-ka.taskcards.app/#/board/641e25b9-22fe-42bb-821e-f0fe3e20eeb6/view?token=488db4e7-f8be-4670-9d58-40b0a8d5ebec.
„Play Green ist ein Webportal, das analoge und digitale Spiele zum Thema Nachhaltigkeit bündelt und bewertet. Spielerisches Lernen in der Bildung für Nachhaltigkeit (BNE) soll so gestärkt und das Potenzial von Spielen für die Vermittlung von Nachhaltigkeit verdeutlicht werden.“: https://www.play-green.net/.
Wichtiger Beitrag zu Reflexion und selbstreguliertem Lernen von Jennifer Knellesen und Kristin van der Meer: https://vom-labor-ins-klassenzimmer.de/reflexion-und-srl/.
Der Hessische Rundfunk bietet mit dem „Creator Room“ ein neues Konzept zur Aufklärung über Fakenews für Schulklassen, dort können auch direkt Termine gebucht werden: https://www.hr.de/bildungsbox/neues-medienkompetenzstudio-im-hr-creator-room–dein-studio–dein-coach–dein-content-v1,creator-room-102.html.
Melanie Hoffmann hat eine umfangreiche Taskcard mit zahlreichen „Virtual Tours“ und Tipps dazu für den Englischunterricht zusammengestellt: https://www.taskcards.de/#/board/a0fb90a6-6473-42bd-a287-58fbb559d038/view.
(Nicht nur?) Für Geschichtslehrer gibt es eine Website, die historische Währungen inflationsbereinigt umrechnet oder grafisch darstellt: https://inflationhistory.com/.

Leseempfehlung
Zuboff; Shoshana: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus, Frankfurt 2019. Zuboff zeigt in dem dicken Wälzer sehr ausführlich wie Big-Teck einen Überwachungskapitailsmus etabliert, dem wir kaum entkommen können. Könnte das Projekt „Starlink“ etwas damit zu tun haben?
Ein überschaubareres Essay der Autorin zu dem Thema gibt es in der APuZ: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/292337/surveillance-capitalism-ueberwachungskapitalismus-essay/.

Hörempfehlung
Ann Katrin Schäfer bei Edufunk zu Erklärvideos als neu gedachtes Prüfungsformat: https://open.spotify.com/episode/38L1oK51VK1JrIKfTvQfQh.
Micha Pallesche bei EduFunk: https://open.spotify.com/episode/1MWM4JnWtLBRRcXpJMcEDv.

Sehempfehlung
keine

Veranstaltungsempfehlung
Stefan Ruppaner ist am 03.06.2025 online von 17 bis 18:00 Uhr im FelloFish Forum bei Hendrik Haverkamp zu Gast. Anmeldung über https://events.teams.microsoft.com/event/e243d7a6-13b6-42c7-b716-d091ee902eda@ff01bb0d-f0c8-45cf-9655-d9a3f88b1fcc.

Spaß im Netz
Ein herrliches Browsergame ist „Baguette Sprint“: https://artsandculture.google.com/experiment/baguette-sprint/ZQFQrRgrvmOImQ?hl=en.

WfS-06: Auf in das 2. Jahr! Die DNA arbeitet.

Ich habe vorgestern meinem Stellvertreter gegenüber die Sorge geäußert, dass jetzt der anstrengende Teil des Schulentwicklungsprozesses beginnt, dass wir jetzt durch das berühmte „Tal der Tränen“ in der Change-Kurve nach Kübler-Ross müssten. Er hat das verneint und ist der Meinung, dass wir das schon hinter uns hätten und schon im Aufstieg des „Berges der Veränderung“ seien. Ich wollte erst noch widersprechen, habe dann aber gemerkt, dass der Wahrnehmungsfehler auch bei mir liegen könnte. Er meinte, dass ich da wohl im ersten Jahr zu sehr in meinem persönlichen Ankommensprozess gefangen war, dass ich das überhaupt nicht so richtig mitbekommen habe. Der Vorsitzende des Personalrates hat das heute bestätigt und ich beginne das jetzt auch zu glauben und zu hoffen.
In der Tat haben wir ja, wie in diesem Blog beschrieben, schon viel erreicht, vor allem haben wir die Idee der Veränderung in die Breite getragen und vermutlich viele Denkprozesse ausgelöst. Wir arbeiten gleichzeitig an mehreren produktiven Baustellen und beginnen erste Erfolge einzufahren. Wir haben Prozesse demokratisiert und sind dabei eine gemeinsame Vision von Schule zu entwickeln. Natürlich haben wir noch Einiges an Weg vor uns, aber eben auch schon hinter uns.

Heute fand das erste Treffen der DNA-Gruppe statt. Diese soll ein Spiegel der Schulgemeinschaft sein und Entwicklungsprozesse vorentlasten, indem diese dort diskutiert werden und wir so erkennen können, wie die Schulgemeinschaft auf geplante Veränderungen reagieren wird. In der Gruppe sind drei Schülerinnen und Schüler, zwei Eltern und 15 Lehrkräfte aus verschiedenen Zweigen und mit verschiedenen Vorstellungen. Die Stimmung war gelassen und konstruktiv und in den ersten Sitzungen geht es darum Werkzeuge zur Steuerung des Entwicklungsprozesses kennenzulernen und ein Selbstverständnis zu entwickeln. Ein erstes Brainstorming hat gezeigt, dass sehr viele interessante Entwicklungsideen vorhanden sind, die im letzten Jahr aufgekommen sind. Bei uns wissen mittlerweile alle, was ein „Freiday“ oder ein Lernatelier ist, es ist denkbar partiell auf Noten zu verzichten oder Unterricht zu öffnen, wir diskutieren über Deimplementierung, Qualitäts- und Projektmanagement, professionelle Haltung uvm. Das ist nicht selbstverständlich und ist in vielen Systemen leider tabuisiert. Es ist also ein deutlicher Professionalisierungsprozess im Bereich moderner Schulentwicklung zu erkennen.
Ich freue mich, dass wir so viele tolle Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schüler und Eltern haben, die so viel Engagement und Kraft aufbringen, die bereit sind ein paar Extrameilen zu gehen, um unsere Schule voran zu bringen, das motiviert mich ungemein. Bei all den Zweifeln und all dem Unbill die mit dem Jahresstart über uns kamen und die mich etwas schwermütig zurückgelassen haben, stimmt mich die Entwicklung an der Schule positiv, trotz alledem! Eine Kollegin hat wohl gesagt, dass 2025 unser Jahr werde. Ich kann es mir vorstellen!

Newsletter 24/25-08, 13.12.2024

Liebe Schulgemeinschaft,

manchmal sind Dinge für einen selbst so selbstverständlich, dass man davon ausgeht, dass alle wüssten, wovon man redet. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen meiner ersten Unterrichtsbesuche in Geschichte, in dem mein Ausbilder mir erklärte, dass ich nicht davon ausgehen kann, dass alle Achtklässler wüssten, was ein Kompass sei. Neulich hatte ich wieder so einen Moment, als es um die SDG und BNE ging.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist seit 2017 besonderer Bildungs- und Erziehungsauftrag laut Hessischem Schulgesetz (§2 Abs (2)8.) und in zahlreichen Resolutionen und einem Orientierungsrahmen der KMK verankert (https://www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/weitere-unterrichtsinhalte-und-themen/bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung.html). Zurück geht BNE auf die Agenda 21, die auf der UN-Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 beschlossen wurde. Das war die Zeit, in der durch die zunehmenden Erkenntnisse zur Klimakrise und der Zerstörung der Umwelt der, eigentlich aus der mittelalterlichen Forstwirtschaft stammende, Begriff der Nachhaltigkeit (englisch: sutainability) in den öffentlichen Fokus rückte. Von 2005 bis 2014 fand die Weltdekade BNE statt und im Anschluss startete das UNESCO-Weltaktionsprogramm BNE. 2015 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen dann auch die 17 Sustainable Development Goals (SDG, dt: Nachhaltige Entwicklungsziele) beschlossen, die bis 2030 erfüllt werden sollen (vgl.: https://unric.org/de/17ziele/).

Quelle: Von UNDP (United Nations Development Programme) – https://unric.org/https://unric.org/de/17ziele/gdrive: SDG Icons German. Eigenes Werk mittels: gdrive: SDG Material_DE_Ohne UN-Emblem.zip -> SDG_Poster_DE_No UN Emblem.pdf, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=125994232

2017 verabschiedete die „Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung“ einen Aktionsplan für Deutschland, der zahlreiche Ziele und konkrete Handlungsfelder umfasst. BNE wird dabei nicht als ein weiteres Themenfeld in einzelnen Fächern verstanden, sondern braucht einen fächerübergreifenden Ansatz, der auch die Didaktik und Methodik betrifft.
Natürlich machen wir als Umweltschule oder mit der Umwelt-Themenklasse schon sehr viel gut und richtig in dieser Richtung, aber BNE und die SDG beziehen sich nicht nur auf Umwelt, sondern erkennen an, dass die 17 Ziele alle miteinander zusammenhängen. Staaten müssen sich Klimaschutz leisten können und dafür bedarf es frieden und guter Bildung usw.
Angesichts der aktuellen ökologischen, ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen rücken diese Ziele leider wieder in den Hintergrund. Genau deshalb ist es aber so wichtig, dass wir als Schule umso mehr Wert auf die SDG legen. Viele Kinder und Jugendliche spüren instinktiv, dass wir mehr für die Umwelt tun müssten und es ist unsere Aufgabe als Schulgemeinschaft sie dabei zu unterstützen. Wir müssen ihnen das theoretische Rüstzeug und das agile Mindset mitgeben, Dinge zum Guten zu verändern, was uns aktuell scheinbar schwer gelingt.
Wir gehen im kommenden Jahr auf jeden Fall einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Mit dem Reallabor Weibelfeldschule, Zukunftsschmiede „TrendHub“ (Think-/Do-Tank) schaffen wir Möglichkeiten für die ganze Schulgemeinschaft lernendenzentriert und BNE-orientiert selbstwirksame und nachhaltige Lernerfahrungen zu sammeln (und ja, die ganzen Buzzwords müssen sein). Nähere Erläuterungen dazu finden Sie im Schulentwicklungsblog.
Nach diesem kurzen Input möchte ich nun aber auch noch ein paar persönliche Worte loswerden.

Wieder neigt sich ein langes und anstrengendes Jahr dem Ende zu, mein erstes vollständiges Kalenderjahr als Schulleiter der Weibelfeldschule. Ich wurde in diesem Jahr bewährt und bin jetzt fest ernannt. Es war nicht immer leicht, aber das ist auch nicht zu erwarten, es gab sehr anstrengende Phasen, Meinungsverschiedenheiten und kontroverse Idee, aber auch das ist normal. Es kommt auch immer wieder zu Konflikten zwischen einzelnen Menschen oder Gremien der Schulgemeinschaft, aber auch das ist normal. All das ist normal. Ich würde sogar behaupten das ist gut, denn es zeigt: das System lebt, es ist in Bewegung und das ist gut so, Stillstand ist Rückschritt und mittlerweile ist, glaube ich, fast allen klar geworden, dass ich Veränderung will. Veränderung von Haltung, von Unterricht, von Schulentwicklung. Wir können es uns nicht leisten nichts zu ändern, die Welt verändert sich rasant und wir müssen eine Balance finden aus notwendiger, womöglich bisweilen disruptiver, Veränderung und notwendiger Bewahrung von Bewährtem und Gutem, das wird nicht leicht, aber ich glaube wir sind auf dem richtigen Weg, wir stellen die richtigen Fragen, wir haben die richtigen Arbeitsgruppen und wir entwickeln die richtigen Strukturen. Und vor allem haben wir die richtigen Menschen in allen Teilen der Schulgemeinschaft, deren zunehmendes Engagement in diesen ohnehin anstrengenden Zeiten mein Antrieb ist.
Ich bin dankbar und glücklich, Schulleiter dieser Weibelfeldschule mit Ihnen und Euch allen zu sein und wünsche Ihnen und Euch allen eine schöne Ferien- und/oder Weihnachtszeit, einen friedlichen und glücklichen Start in das neue Jahr und freue mich auf ein weiteres im positiven Sinne anstrengendes Jahr mit Ihnen und Euch an der Weibelfeldschule!

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

TikTok-Challenge Warnung!

Als Erstes muss ich einmal wieder vor einer neuen TikTok-Challenge warnen, die schon zu ersten schweren Verletzungen geführt hat. Bei der s.g. „Supermann-Challenge“ springen Kinder in die Arme zweier Freunde und werden von diesen zurückgeworfen; klingt harmlos, ist es aber nicht. Reden Sie darüber mit den Schülerinnen und Schülern, bzw. Ihren Kindern. Weitere Infos gibt es hier: https://www.mimikama.org/superman-challenge-auf-tiktok-2-kinder-verletzt/.

Warnen muss man auch vor character.ai. Mit diesem LLM kann man sich, nach kostenloser Registrierung üb er eine Mailadresse, einen persönlichen Chatpartner erstellen. Dieser wird u.a. beschuldigt im Oktober einen Teenager in Kanada bei einem Suizid bestärkt zu haben und einen 17-jährigen in Texas ermutigt haben, sich selbst zu verletzen oder seine Eltern umzubringen, weil diese seine Bildschirmzeit begrenzten. https://www.spiegel.de/netzwelt/character-ai-chatbot-soll-teenager-ermutigt-haben-seine-eltern-umzubringen-a-c0ffbb6f-95f4-4c62-830a-cd95dbfb7f3c?sara_ref=re-so-app-sh. Es ist natürlich grundsätzlich eine schwierige Frage ob und für was wir KI Chatbots nutzen. Viele Jugendliche nutzen diese bereits, u.a. für psychologische Beratung, sehr beliebt ist dafür zum Beispiel „My AI“ von Snapchat (https://www.klicksafe.de/news/was-muessen-eltern-zum-neuen-chatbot-my-ai-bei-snapchat-wissen).

Interessantes
Mir ist, Dank an Georg Schlamp, ein sehr interessanter Artikel aus der „Welt“ aus 2012 untergekommen, der die Vorbehalte gegenüber neuen Medien humorvoll relativiert. Wirklich eines meiner besten Leseerlebnisse der letzten Monate: https://www.welt.de/kultur/history/article110549077/Als-die-Lesesucht-die-Menschen-krank-machte.html.
Bei LehrerNews wird eine Liste von sieben Büchern, die 2024 die Bildungswelt bewegt haben vorgestellt: https://www.lehrer-news.de/blog-posts/buecher-die-2024-die-bildungswelt-bewegt-haben. Ich finde die Liste recht sinnvoll, aber viel zu kurz.
Edutopia hat eine Liste der 10 wichtigsten Studien zu Bildung 2024 zusammengestellt: https://www.edutopia.org/article/the-10-most-significant-education-studies-of-2024/.
Jan Martin Wiarda zum aktuellen Stand des Digitalpakt 2.0: https://www.jmwiarda.de/2024/12/06/so-soll-der-digitalpakt-2-0-aussehen/.
Niedersachsen reformiert das Abitur in zukunftsweisenden Ansätzen (und veröffentlicht die PM unter der wahrscheinlich längsten URL der Welt): https://www.mk.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/niedersachsens-abitur-soll-zeitgemass-und-zukunftsfest-aufgestellt-werden-kultusministerium-stellt-eckpunkte-fur-die-qualifizierungsphase-der-oberstufe-vor-und-gibt-damit-schulerinnen-und-schulern-mehr-wahlfreiheit-schulen-mehr-freiraume-und-entla-237807.html.
Aktuell kam ja kurz mal wieder eine Diskussion auf, on in Deutschland Energy Drinks für Jugendliche, wie in vielen Ländern, verboten werden sollten. Hier warnt das BfR schon 2019 vor dem Konsum von Energy Drinks durch Kinder und Jugendliche: https://www.bfr.bund.de/cm/343/kinder-und-jugendliche-uebermaessiger-konsum-von-energy-drinks-erhoeht-gesundheitsrisiko-fuer-herz-und-kreislauf.pdf.

Smartphone und Social Media
Wer sich mal etwas genauer mit einem der perfiden Mechanismen zur „Kundenbindung“ bei Handygames auseinandersetzen will, dem sei dieser Artikel zu „Tapping“ aus Cyberia empfohlen: https://www.cyberia.media/p/tapping-altbekanntes-aus-der-dark.
Interview mit Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger u.a. zu den Auswirkungen von KI auf Cybermobbing bei der GdP: https://www.gdp.de/sachsen/de/stories/2024/11/241128-dp-gespraech-mit-prof.-dr.-thomas-gabriel-ruediger.
„Die Tagespresse“ aus Österreich hat einen, sicher nicht repräsentativen, aber doch aufschlussreichen, Selbstversuch zur Radikalisierung von Teenagern durch TikTok durchgeführt: https://dietagespresse.com/selbstversuch-so-radikalisiert-tiktok-oesterreichische-teenager/.
Netzpolitik.org setzt sich kritisch mit den Social Media-Verbot für Jugendliche in Australien auseinander: https://netzpolitik.org/2024/social-media-verbot-in-australien-jugendschutz-nach-dem-prinzip-ohrfeige/.
Und Philippe Wampfler setzt sich kritisch mit Jonathan Haidt auseinander: https://schulesocialmedia.com/2024/09/19/das-problem-mit-generation-von-angst-von-jonathan-haidt/.
„Wired“ fordert das Internet sicherer für Kinder zu machen: https://www.wired.com/story/digital-social-media-safeguards-children-policy/.
Die TUM hat in einer Studie herausgefunden, dass russische SoMe-Kampagnen weniger wirksam sind als gedacht: https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/wirkung-russischer-social-media-kampagne-geringer-als-oft-angenommen.

KI
Der Kollege Jan Hartwig hat eine wunderbare und knappe Einführung in Sprachmodelle erstellt: https://hartificial.de/wp-content/uploads/2024/12/LLM-Basics.html.
Leonie Meyer stellt sich bei der bpb die spannende Frage „Was wäre, wenn mit KI auf TikTok Geschichte umgeschrieben würde?“ https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/552550/was-waere-wenn-mit-ki-auf-tiktok-geschichte-umgeschrieben-wuerde/. Spoiler: Das passiert bereits.
Mit dem KI-Kompass kann man über 100 verschiedene LLMs ohne Anmeldung testen und vergleichen https://www.buzzwoo.de/kuenstliche-intelligenz.
Der immer wieder gute Joscha Falck, zu KI-Bildern im Unterricht: https://joschafalck.de/ki-bilder/.
Nele Hirsch nennt fünf gute Gründe, warum man sich mit KI beschäftigen sollte: https://ebildungslabor.de/now/vortrags-vorbereitung-warum-sollte-ich-mich-mit-ki-beschaeftigen/.

Tipps für den Unterricht
Fällt dieses Mal etwas kürzer aus, es sind ja bald Ferien.
Eine Plattform für Augmented Reality (AR), Mixed Reality (MR) oder Virtual Reality (VR) im Unterricht bietet „schule mal digital“: https://www.schule-mal-digital.de/.

Leseempfehlung
Ich habe es zwar noch nicht selbst gelesen, das Buch wird aber von so vielen klugen Menschen empfohlen, dass ich es jetzt hier quasi mit „Vorschusslorbeeren“ empfehle: Yuval Noah Harar: Nexus. Eine kurze Geschichte der Informationsnetzwerke von der Steinzeit bis zur künstlichen Intelligenz, München 2024. Ist jedenfalls meine Ferienlektüre Nummer eins.

Hörempfehlung
Saskia Ebels und Andreas Hofmanns Bildungs-Podcastreihe „Am Tisch mit…“ besteht aus vielen hörenswerten Folgen, besonders empfehlen möchte ich die aktuelle Folge mit Jan Vedder: https://open.spotify.com/episode/00hVy78wvIvvYffcPGTBgJ.
Florian Emrich hat mit KI einen wunderbaren Song zum Thema Schulleitung „komponiert“: https://www.youtube.com/watch?v=2FPq7ElCqOs.

Sehempfehlung
Deepfake-Pornografie ist auch das Thema einer ZDF-Dokumentation, erschreckend anzusehen, unterstreicht aber noch einmal, auch wenn der Schwerpunkt hier ein anderer ist, warum Bilder von Kindern nichts im Netz zu suchen haben, da mittlerweile ein halbwegs vernünftiges Profilbild in WhatsApp ausreicht, um solche Filme herzustellen: https://www.zdf.de/dokumentation/die-spur/deepfake-pornos-jagd-nach-taetern-collien-ulmen-fernandes-100.html. Im Netz scheint gerade eine ganze Industrie zu entstehen, die für relativ wenig Geld und anonym hochwertige Deepfakes herstellt.
Hatte ich schon einmal in einem der ersten Newsletter empfohlen, ist aber einfach sehr gut und auch mit deutschen Untertiteln bei der BpB erschienen. Gemeint ist der großartige TED-Talk über die Veränderung von Bildungsparadigmen des leider zu früh verstorbenen Ken Robinson. Vielleicht bietet sich ja in der besinnlichen Zeit die Gelegenheit mal reinzuschauen: https://www.bpb.de/mediathek/video/158066/ken-robinson-bildung-voellig-neu-denken/. Auf YouTube gibt es noch mehr großartige Talks von ihm.

Veranstaltungsempfehlung
Die didacta findet vom 11. bis 15. Februar 2025 auf dem Messegelände Stuttgart statt. Die Weibelfeldschule wir dort auch wieder präsent sein. Der Ticketverkauf läuft.

Spaß im Netz
https://www.koalastothemax.com/. Zu Ende spielen lohnt sich.

WfS-03: Habemus DNA-Gruppe (fast)

Heute hatten wir unsere (vorerst?) letzte Sitzung mit Enenpro, unseren externen Schulentwicklungsbegleitern, mit denen wir einen wertschätzenden, konstruktiven und lohnenswerten Prozess erlebt haben.
Als Resultat haben wir jetzt fast eine DNA-Gruppe. „Fast“, weil noch einige Personen gefragt werden müssen, ob sie überhaupt mitmachen wollen. Sinn der DNA-Gruppe ist es dort Vertreter aller relevanten Gruppen aus der Schulgemeinschaft zu versammeln, also innovative und bewahrende Lehrkräfte, Eltern, Lernende, Personalrat, Schulleitung usw. Durch diese heterogene Zusammensetzung soll ein Querschnitt, ein Spiegelbild der Schulgemeinschaft, immerhin ca. 130 Lehrkräfte und 1.700 Schülerinnen und Schüler und deren Eltern, abgebildet werden. Die Aufgabe dieses Gremiums ist es Entwicklungsprozesse, die von allen Menschen aus der Schulgemeinschaft angestoßen werden können, vorzuentlasten, indem sie dort diskutiert werden. So soll schon bevor über Ideen entschieden wird, erkannt werden, ob Vorhaben einfach umzusetzen sind oder, ob mit Widerstand zu rechnen ist. Eine DNA-Gruppe trifft keine Entscheidungen, leistet aber wertvolle Vorarbeit und Vorentlastung.
Mit diesem ersten Zyklus im Schulentwicklungsprozess haben wir also ein entlastendes und beratendes Gremium geschaffen und zahlreiche Methoden und Werkzeuge für die Arbeit an die Hand bekommen, die jetzt auch in der DNA-Gruppe zum Einsatz kommen. Das ist sehr hilfreich.
Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass wir immer noch am Anfang stehen, tiefgreifende Veränderungen sind damit noch nicht geschaffen und der in den vorherigen Blogbeiträgen avisierte Haltungsveränderungsprozess ist auch erst angestoßen. Aber das ist auch völlig in Ordnung so, wir haben viel erreicht, aber noch mehr liegt vor uns. Es gibt auch immer noch tieferliegende Konflikte im Kollegium, deren Aufarbeitung erst begonnen hat, aber auch das ist normal. Sascha von Enenpro hat heute zurecht betont, dass wir schon ganz viel erreicht haben, indem wir in der Initialgruppe gelernt haben hierarchiefrei zu diskutieren und zu arbeiten und da hat er wohl recht. Das müssen wir jetzt auf die DNA-Gruppe übertragen, ich werde berichten, wenn diese ihre Arbeit aufgenommen hat.

Haltungen, vor allem Haltungen in Systemen wie Schulen, zu verändern ist ein komplexer, langwieriger und anstrengender Prozess. Silke Müller, Schulleiterin der Waldschule in Hatten, hat einmal in einem LinkedIn-Beitrag geschrieben, dass es an ihrer Schule einen einjährigen, professionell von Metaplan begleiteten, Entwicklungsprozess gegeben hat, bei dem das Kollegium „runter auf den Erd- bzw Schulkern gehen“ musste, „deren Antwort auch schmerzhafte Selbsterkenntnis sein mussten- all das war im Prozess aufreibend, emotional, schwierig.“, schreibt sie und das steht uns wohl in dieser Intensität noch bevor. Wir sind aber wild entschlossen, diesen Weg zu gehen. Zum Thema Haltung hatte ich auch im letzten Newsletter geschrieben.

Wie in den letzten Blogbeiträgen beschrieben, gehen wir den Schulentwicklungs- und Haltungsveränderungsprozess auf mehreren Ebenen an. Daher will ich hier auch ein kurzes Update zur Selbstständigen Schule (SES) und dem Präventionskonzept geben.
Alle Gremien (SV, SEB und Schulkonferenz) haben dem Antrag auf SES einstimmig zugestimmt, der Antrag wurde über das Staatliche Schulamt an das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen weitergeleitet. Von dort gab es ein paar Rückfragen und bitten um Präzisierungen, die hoffentlich heute abschließend beantwortet werden konnten. Jetzt heißt es warten auf die Entscheidung. Stay tuned.
Unser dort anzugebender Entwicklungsschwerpunkt dreht sich ja um eine Reform des Hauptschulzweiges, darüber werde ich in einem der nächsten Beiträge berichten.

Das Präventionskonzept, das ich für einen wichtigen Schritt zur Haltungsänderung halte, liegt in einem ersten Entwurf vor und muss noch etwas ausgeschärft werden. Ziel ist es im Moment dieses auf der Gesamtkonferenz im Dezember vorzustellen und möglicherweise schon abzustimmen.

Was ist sonst noch passiert? Vieles natürlich, jeden Tag passiert etwas.
Herauszuheben ist noch das Projekt „Think- und Do-Tank“, welches unsere fantastische Seiteneinsteigerin Kirsten Riedl angestoßen hat. Hier geht es um mehr Verantwortung für und Partizipation von Lernenden, einen kreativen Think-Tank und einen Makerspace; alles orientiert an den SDGs. Aber auch dazu mehr in einem der nächsten Beiträge.

Auch wenn die Belastungen im Moment wieder sehr groß sind, wenn ich kontemplativ an meinem Schreibtisch an einem solchen Blogbeitrag schreibe, merke ich doch, dass wir auf einem guten Weg sind und mein Job großartig ist. Trotz aller Widrigkeiten, bin ich von zahlreichen Menschen umgeben, die für ihren Job als Lehrkraft brennen und ein kreatives Potenzial zur Weiterentwicklung entfalten, was mir immer wieder den allergrößten Respekt abverlangt.

WfS-01: Prolog – Wie alles begann

An dieser Stelle ist es vielleicht angebracht kurz zu erläutern, warum ich Schule verändern will und wie es zu dieser Einsicht kam:

2007 habe ich nach einem Gymnasiallehramtsstudium mein Referendariat an einer Gesamtschule mit einem typischen Mindset begonnen. Ich kannte Schule aus meiner eigenen Schulzeit und erwartete, dass Schule auch genau so sein müsste. Das heißt im Wesentlichen Frontalunterricht, gelegentlich vielleicht mal eine Gruppenarbeit, Klassenarbeiten und Tests und das „Eintrichtern“ von Wissen; ich stehe vorne und die Schülerinnen und Schüler machen was ich sage. Bis auf Letzteres haben meine anfänglichen Erfahrungen und das Referendariat dieses „fixed“ Mindset nicht verändert.
Nach ein paar Jahren im Job und ein paar Jahren Teilabordnung zur Lehrkräfteausbildung habe ich immer deutlicher ein diffuses Gefühl bekommen, dass das Schulsystem dysfunktionaler wird. Ich spürte, dass das System der Wissensvermittlung, das „Teaching to the Test“ und das Korsett aus Stunden und Fächern nicht mehr passten, konnte das aber noch nicht konkretisieren und fassen.
Der Wendepunkt begann mit der Corona-Pandemie. Ich war zwar schon immer technik- und medienaffin, aber durch Corona begann ich mich stärker online zu vernetzen (Twitter) und es gab plötzlich viele Webinare und andere digitale Veranstaltungen. So wurde ich zu einem der Treiber der Digitalisierung an meiner „alten“ Schule und unsere Bemühungen wurden nicht zuletzt mit dem Preis „genial digital 2020″ gekrönt. Der eigentliche Wendepunkt war dann aber der digitale Deutsche Schulleitungskongress im Mai 2021. Ich wollte mir einen Vortrag von Margret Rasfeld anschauen, der mit einem Hinweis auf den desolaten Zustand unseres Planeten begann. Ich dachte mir: „Das kenne ich schon…“ und habe zum nächsten Vortrag gezappt, den ich dann aber noch langweiliger fand, also zurück zu Margret Rasfeld, die nach den einleitendenden Worten von der von ihr aufgebauten Evangelischen Gemeinschaftsschule Berlin-Mitte und vom Freiday sprach und danach war für mich alles klar. Meine vorher noch diffusen Reformgedanken waren einigermaßen sortiert und ich bekam eine Vorstellung von Schule im 21. Jahrhundert, d.h. die Lernenden müssen mehr Verantwortung für ihren Lernprozess übernehmen und die Lerngegenstände müssen relevanter werden, Lernen muss individualisiert und in Projekten stattfinden. Fächer, Klassenarbeiten, Noten treten in den Hintergrund, der Mensch und der Lernprozess in den Vordergrund.
Danach begann ich mich aktiver mit Schulreform zu beschäftigen, ich hörte und las vom Dalton-Plan, von der Alemannenschule, von Schule in Skandinavien, auf dem Baltikum, in Singapur und Neuseeland. Ich vertiefte meine Social-Media-Aktivitäten, kam ins Lesen (Empfehlungen hier) und besuchte zahlreiche Online-Veranstaltungen. Und so wurde mir immer klarer das, aber auch wie sich Schule verändern muss.

Ich begann dann diese Ideen auch in meinem Kollegium in Dietzenbach zu kommunizieren und lernte dort schnell, dass nicht alle Lehrkräfte meiner Meinung waren, fand aber auch Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Anfang 2023 habe ich mich dann allerdings auf die Schulleiterstelle in der Weibelfeldschule beworben und wurde damit im Juli beauftragt, sodass ich meine Reformideen nun nach Dreieich verlegt habe.

Am 19. Juli 2023 wurde ich dann, kurz vor den Sommerferien, dem Kollegium der Weibelfeldschule als neuer Schulleiter vorgestellt (korrekterweise muss es heißen, dass ich mit den Dienstobliegenheiten beauftragt wurde). In meiner kurzen Ansprache hatte ich damals betont, dass ich als Lernender komme und mir zunächst die bestehenden Prozesse und Strukturen anschauen will. Das war ein Learning aus meiner letzten Schule: Man darf bei Veränderungsprozessen nicht zu forsch sein.
Ich merkte allerdings schnell, dass es in der Schule einen Wunsch nach Veränderung gab und ich habe gerne immer wieder angedeutet, dass ich dafür offen bin. Wie es dann im ersten Jahr an der Weibelfeldschule weiterging, ist Thema des nächsten Blogbeitrags.