Newsletter 24/25-10, 31.01.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

ich habe noch nie so lange überlegt, über was ich in einem Newsletter schreiben soll. Meistens habe ich schon Wochen oder zumindest Tage im Voraus ein Thema im Kopf, welches dann gärt und sich konkretisiert, doch dieses Mal fällt es mir schwer.
Ich mag mich eigentlich nicht mit aktuellen weltpolitischen Entwicklungen oder denen in unserem Land auseinandersetzen. Hierzu gibt es am Ende auch nur einen zentralen Aspekt festzuhalten:

„(2) Die Schulen sollen die Schülerinnen und Schüler befähigen, in Anerkennung der Wertordnung des Grundgesetzes und der Verfassung des Landes Hessen

1. die Grundrechte für sich und andere wirksam werden zu lassen, eigene Rechte zu wahren und die Rechte anderer auch gegen sich selbst gelten zu lassen,

2. staatsbürgerliche Verantwortung zu übernehmen und sowohl durch individuelles Handeln als auch durch die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen mit anderen zur demokratischen Gestaltung des Staates und einer gerechten und freien Gesellschaft beizutragen,

3. die christlichen und humanistischen Traditionen zu erfahren, nach ethischen Grundsätzen zu handeln und religiöse und kulturelle Werte zu achten,

4. die Beziehungen zu anderen Menschen nach den Grundsätzen der Achtung und Toleranz, der Gerechtigkeit und der Solidarität zu gestalten,

5. die Gleichberechtigung von Mann und Frau auch über die Anerkennung der Leistungen der Frauen in Geschichte, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft zu erfahren,

6. andere Kulturen in ihren Leistungen kennen zu lernen und zu verstehen,

7. Menschen anderer Herkunft, Religion und Weltanschauung vorurteilsfrei zu begegnen und somit zum friedlichen Zusammenleben verschiedener Kulturen beizutragen sowie für die Gleichheit und das Lebensrecht aller Menschen einzutreten,

8. die Auswirkungen des eigenen und gesellschaftlichen Handelns auf die natürlichen Lebensgrundlagen zu erkennen und die Notwendigkeit einzusehen, diese Lebensgrundlagen für die folgenden Generationen zu erhalten, um der gemeinsamen Verantwortung dafür gerecht werden zu können,

9. ihr zukünftiges privates und öffentliches Leben sowie durch Maßnahmen der Berufsorientierung ihr berufliches Leben auszufüllen, bei fortschreitender Veränderung wachsende Anforderungen zu bewältigen und die Freizeit sinnvoll zu nutzen.“

Das ist der §2 des Hessischen Schulgesetzes und daran sind wir Lehrkräfte gebunden, wir sind zur Mäßigung verpflichtet, Neutralität bedeutet nicht, dass wir Verstöße gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung hinnehmen müssen, im Gegenteil, wir sind sogar aufgefordert, diesen entgegenzutreten.
In der Schule läuft es gut, wir sind weiter auf einem guten Weg, heute erscheint unsere neue Schülerzeitung (online abrufbar unter: https://www.wfs-dreieich.de/wp-content/uploads/2025/01/Fomo-Heft1.pdf) , wir hatten die erste Sitzung der DNA-Gruppe (Mehr Informationen dazu gibt es hier: https://www.schulmun.de/2025/01/16/wfs-06-auf-in-das-2-jahr-die-dna-arbeitet/), die Stimmung scheint mir im Großen und Ganzen gut zu sein. Sicher gilt das nicht in jedem Detail, die vielen Lehrkräftewechsel sind zum Beispiel für alle Teile der Schulgemeinschaft ein Ärgernis, lassen sich aber leider nicht vermeiden. Nächste Woche stehen die Zeugnisse an, denken Sie daran, dass die Kinder mehr sind als die Noten auf den Zeugnissen! Das werde ich im nächsten Newsletter noch etwas vertiefen, womit das Themenfindungsproblem in zwei Wochen schon einmal gelöst ist.
Ich bitte um Nachsicht, dass ich dieses mal im Wesentlichen „nur“ ein Gesetz zitiert habe, wenn auch ein wichtiges.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Aktuell: Gerade kam noch eine weiter Warnung vor einer TikTok-Challenge rein, dieses Mal geht es wohl darum große Mengen Paracetamol zu nehmen:
https://www.swissinfo.ch/ger/%22paracetamol-challenge%22-auf-tiktok-beunruhigt-%c3%84rzte/88803551

Interessantes
Michael Drabe hat eine, mittlerweile vierteilige, Serie zur datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung gestartet, hier geht es zu Teil eins: https://schule-in-der-digitalen-welt.de/1-evaluation/.
Lesenswertes Interview mit Raúl Krauthausen über Inklusion: https://www.news4teachers.de/2025/01/es-sind-ja-nicht-die-behinderten-kinder-schuld-dass-lehrerinnen-immer-mehr-machen-muessen-raul-krauthausen-ueber-inklusion/.
Die Verbraucherzentrale Hessen hat ein umfangreiches Glossar zum Thema Datenschutz erstellt: https://www.verbraucherzentrale-hessen.de/wissen/digitale-welt/datenschutz/datenschutzrecht-wichtige-begriffe-zum-datenschutz-erklaert-55444.
Nach einer repräsentativen Forsa-Befragung im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) ist Gewalt gegen Lehrkräfte auf einem hohen Niveau: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/gewalt-lehrer-studie-100.html.
Bob Blume appelliert in seiner Kolumne beim Deutschen Schulportal für mehr Unterstützung der Lehrkräfte beim Umgang mit Hass und Fakenews: https://deutsches-schulportal.de/kolumnen/wenn-lehrkraefte-mit-dem-hass-allein-gelassen-werden/.
Jan Martin Wiarda setzt sich auf seinem Blog mit den Vorschlägen von Schopper, Prien und Hubig auseinander, die u.a. mehr messbare Bildungsziele fordern: https://www.jmwiarda.de/2025/01/20/neue-ambitionen-auf-dem-weg-zur-bildungsrepublik/.
Nature schreibt darüber, warum Kinder mehr Risiko beim Spielen eingehen müssen: https://www.nature.com/articles/d41586-024-04215-2.
Die Montag Stiftung hat eine tolle Website zum Thema Schulbau gestartet: https://schulbauopensource.de/.

Smartphone und Social Media
Eine Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung zeigt, dass Junge Menschen und TikTok-Nutzer besonders anfällig für Desinformation sind: https://www.zeit.de/digital/internet/2025-01/studie-desinformation-tiktok-junge-menschen.
Andrea Buhl-Aigner, renommierte Smartphone-Coach, stellt acht Tipps für einen bewussten Umgang mit Smartphones in der Familie und zwanzig Maßnahmen dazu zur Verfügung (Voraussetzung ist Registrierung beim abbestellbaren Newsletter): https://www.smartphonecoach.org/8-tipps-fuer-einen-bewussten-umgang-mit-smartphones/.
Ein Bericht des NDR über ein erfolgreiches Präventionsprogramm gegen Cybermobbing in Hamburg: https://www.ndr.de/kultur/Cybermobbing-Jedes-sechste-Schulkind-in-Deutschland-betroffen,cybermobbing406.html.
TikTok macht mal wieder mit einer Challenge von sich reden: https://www.srf.ch/news/schweiz/amokdrohungen-an-schulen-ein-tiktok-trend-der-fuer-aufwand-und-aerger-sorgt.

KI
Manuel Flick, Philipp Sölken & Niels Winkelmann haben einen empfehlenswerten Leitfaden zu KI und Facharbeiten erarbeitet: https://digilog.blog/2025/01/22/ki-und-facharbeiten-ein-leitfaden-fuer-den-unterricht/.
Joscha Falck hat einen sehr guten Blogbeitrag zum Thema „Prompting verstehen“ geschrieben: https://joschafalck.de/prompting-verstehen/.
Die Vodafone-Stiftung hat Schüler zum Thema „KI an europäischen Schulen“ befragt: https://www.vodafone-stiftung.de/europaeische-schuelerstudie-kuenstliche-intelligenz/.
Ab Februar tritt eine neue Stufe des AI Act der EU in Kraft, was das für Schulen bedeutet, ist allerdings noch umstritten, dazu der Standard: https://www.derstandard.de/story/3000000253344/ki-kompetenzen-ai-act-strafe. Fobizz bietet dazu schon Webinare an.
In diesem Video zeigt Hauke Pölert, wie man mit Napkin.ai Grafiken aus Texten erstellt: https://www.youtube.com/watch?v=y1pMMWjlepo.
Die Weltbank bloggt über den erfolgreichen Einsatz von KI in Nigeria: https://blogs.worldbank.org/en/education/From-chalkboards-to-chatbots-Transforming-learning-in-Nigeria.

Tipps für den Unterricht
Wer es noch nicht kennt: https://simpleshow.com/de/ ist ein einfaches und praktisches Tool zur Erstellung von Erklärvideos.
Für Informatiker eine Variante des Brettspiels »Turing Machine – Der Lochkarten-Computer«: https://apfelfreunde.de/2025/01/25/lochkarten/.
Taskcard zu „Deeper Learning“ von Cornelia Stenschke: https://www.taskcards.de/#/board/448fe454-5b72-4832-8e6c-9a7cc321d16c/view?token=b4b74cb3-0588-4aea-9be5-77fd65f90f4a.
Etwas für den PoWi-Unterricht; Simon Meier-Vieracker hat Heatmaps mit den wichtigsten Worten aus den aktuellen Wahlprogrammen erstellt: https://btw25heatmaps.streamlit.app/, sehr interessant.
Frank Ehspanner hat einen Geschichtenwürfel programmiert, mit dem man kleine Piktogramme aus einem Zufallsgenerator geriert, die dann als Schreib- oder Erzählanlass dienen können: https://geschichtenwuerfel.de/.

Leseempfehlung
Ich empfehle dieses Mal das neue Buch von Aladin El Mafaalani: Kinder; Minderheit ohne Schutz; Aufwachsen in der alternden Gesellschaft, Köln 2025. Mit Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier beschreibt er, warum Kinder für die Politik kaum eine Rolle spielen (Spoiler: Sie sind keine relevante Wählerschicht) und was zu tun wäre.

Hörempfehlung
Romy Kopsch und Markus Väth sprechen im „Radikalen Salon“ mit Stefan Ruppaner: https://radikalarbeiten.podbean.com/e/revolutionare-schulkonzepte-im-gesprach/.
Bei mobile.schule gibt es eine kleine und feine Übersicht zu Podcasts aus dem Bildungsbereich: https://mobileschule.net/podcast.

Sehempfehlung
Der Hase der Hoffnung, der die ERS Karlsruhe schon durch die Pandemie begleitet hat, meldet sich wieder einmal zu Wort: https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=uDsulCXfq1k.
KI beeinflusst unser Leben auf vielen Ebenen, in der ARD Mediathek gibt es ein Doku zu einer Frau, deren toter Mann als KI weiterlebt: https://www.ardmediathek.de/film/mein-mann-lebt-als-ki-weiter-oder-doku/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kZXJlaWhlbi8zMGUxZjlmYi0yN2YzLTRhZGQtYmU4Ny0yMWM4OGU0OTE3N2UvMzI3MDM2MzYtMjZjMC00YzA1LWI2ZTctNzQzNDU1YzI4YTVm.

Veranstaltungsempfehlung
Die didacta findet vom 11. bis 15. Februar 2025 auf dem Messegelände Stuttgart statt. Die Weibelfeldschule wird dort auch wieder präsent sein.

Spaß im Netz
Schon was älter, aber gut:
https://www.youtube.com/watch?v=nPrWo5pEvyk&t=241s.

2024-28: Open-Book-Klausur mit KI Nutzung, ein Erfahrungsbericht

Ich unterrichte auch Geschichte an einem Abendgymnasium, zurzeit eine E-Phase. Die Besonderheit dieser Lerngruppen ist die einerseits ausgesprochene Heterogenität der Lernenden, da diese aus den verschiedenen beruflichen Kontexten kommen und in der Regel noch im Berufsleben stehen, teils schon älter sind, andererseits aber eigenständig den Wunsch sich am Abitur zu versuchen entwickelt haben und daher entsprechend motiviert sind. Erfahrungsgemäß tun sich viele der Lernenden in Geschichte etwas schwer, weil sie hier durch intensive Textarbeit, Textverständnis und Schreibarbeit gefordert sind, was viele so nicht kennen. Deshalb habe ich hier schon häufiger, gerade bei der ersten Klausur mit Open-Book-Formaten gearbeitet, das heißt, die Schülerinnen und Schüler durften ihre Aufzeichnungen und das Schulbuch benutzen, was eigentlich immer als positiv empfunden wurde, da es die Lernenden mental entlastet hat. Dieses Mal bin ich einen Schritt weiter gegangen und habe in der Klausur vom 08.11.2024 die Nutzung von mobilen Endgeräten erlaubt (die Lernenden haben alle ein solches und auch Zugang zu einem W-LAN), was explizit die Nutzung von KI einschloss.

Wir haben im Vorfeld bereits darüber gesprochen, dass die Nutzung des Internets und der KI zwar eine Erleichterung sein kann, dass aber der Faktor Zeit dadurch entscheidender wird. Es war also allen klar, dass ohne rudimentäre Kenntnis der Inhalte nicht genug Zeit vorhanden sein würde, um die Inhalte nachzulesen. Außerdem lag der Klausurtext, Die Verfassungsdebatte aus Herodots „Bücher der Geschichte“ (3, 80-83), nicht elektronisch vorliegt und auch nicht bekannt war, sodass dieser dennoch erst sinnerfassend gelesen und verstanden werden musste. Der Text war bewusst gekürzt und knapp gehalten und durch wenige Annotationen und biografische Angaben zu Herodot entlastet.

Die Aufgabenstellung war typisch für eine Klausur in der E-Phase:
1. Fassen Sie die im Text genannten drei Positionen zu einer zukünftigen Staatsform in eigenen Worten knapp zusammen (Konjunktiv!). (25BE)
2. Analysieren Sie die Quelle anhand eines ihnen vorliegenden Analyseschemas. (50BE)
3. Nehmen Sie Stellung zu der Aussage: „Denn Besseres kann man nicht finden als den einen Mann, der der Beste ist. (…)“ (Z. 40f.) Argumentieren Sie mit historischen und aktuellen Argumenten. (25BE)

Zusätzlich habe ich folgende Arbeitsanweisung gegeben:
Die Klausur ist eine „Open-Book-Klausur“, das heißt, Sie dürfen alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel (Aufzeichnungen, Bücher, Internet, KI usw.) benutzen. Allerdings müssen Sie am Ende angeben, welche Hilfsmittel sie für welche Teile benutzt haben (z.B. durch Quellenangaben mit Fußnoten).

Was waren die Learnings für mich (natürlich alle im Bereich der anekdotischen Evidenz)?

  • Wie schon bei den Open-Book-Klausuren ohne KI, werden die Leistungen mit KI auch nicht schlagartig deutlich besser. Auffällig war allerdings, dass es im Vergleich zu den Klausuren ohne Hilfsmittel und ohne KI, weniger Minderleistungen gab.
  • Schülerinnen und Schüler mit sprachlichen Schwierigkeiten konnten eher nicht von der KI-Nutzung profitieren. Die Auswertung und Bewertung dieser Klausuren, sowie die Beobachtung während der Klausur zeigt, dass diese Lernenden viel zu lange damit beschäftigt sind, den Quellentext zu verstehen und so kaum Zeit haben sich mit den anderen Aufgaben zu beschäftigen oder dazu, mangels inhaltlichem Verständnis, dazu nicht in der Lage sind. Das ist übrigens eine Beobachtung, die ich nicht nur im Abendgymnasium mache. Das heißt aber, dass das ein Bereich ist, in dem eine KI nicht hilfreich ist, bzw. sogar vorhandene Defizite noch verstärkt. Ich würde daraus zwei Schlüsse ziehen:
    1. Sinnerfassendes Lesen und der Umgang mit (auch schwierigeren) Texten, müssen, auch in der Oberstufe, stärker gefördert werden. Im Grunde benötigt es dazu zusätzliche Stunden und Übungen. Dass die Vermittlung von Literacy ein großes Problem im deutschen Schulsystem ist, wissen wir ja seit dem ersten großen Pisa-Schock zu Beginn des Jahrtausends.
    2. Wenn leseschwache Lernende von der KI-Nutzung profitieren sollen, müssen die Quellentexte digital zur Verfügung stehen, damit sie von KI übersetzt, zusammengefasst und erklärt werden können. Das löst aber nicht das Problem aus 1., könnte aber das Problem einer sprachlichen Barriere mindern.
  • Die Lernenden sollten ja angeben, wo und wie sie Hilfsmittel genutzt haben, das hat eher mäßig funktioniert und muss noch geübt werden. Das Problem kenn ich allerdings schon aus dem Umgang mit klassischer Zitation, das bedarf Übung. Außerdem ist aufgefallen, dass gar nicht alle Schülerinnen und Schüler mit KI gearbeitet haben, manche sogar nicht einmal das Internet genutzt haben. Das ließ sich jetzt allerdings nicht mit bestimmten Leistungen verbinden.
  • Auffällig war außerdem, das war eigentlich zu erwarten, dass innerhalb der Klausuren einzelne Textabschnitte große stilistische und orthografische Unterschiede aufwiesen. Es war also gut zu erkennen, wo KI genutzt wurde und wo nicht. Und da wird es noch einmal interessant: Bei der Analyse der KI-generierten Textstellen hatte ich das Gefühl, dass die Schülerinnen und Schüler KI eher als Suchmaschine nutzen und dann einfach Ergebnisse übertragen. Hier bietet sich ein Ansatz zur Weiterarbeit, weil wir hier gut an konkreten Beispielen an Promptingkompetenzen arbeiten und über Chancen und Grenzen von LLM diskutieren können, was ich dann nach den Ferien aufgreifen will. Natürlich habe ich mit den Schülerinnen und Schülern schon darüber gesprochen und ich habe auch einschlägige Tipps dazu in unserer den Unterricht begleitenden Taskcard, aber das scheint mir noch nicht ganz angekommen, bzw. wurde von mir unzulänglich unterrichtet.

Wie haben die Lernenden die Klausur empfunden?

Ich habe die Schülerinnen und Schüler um ein Feedback in einer Zielscheibe über oncoo gebeten (leider hat sich nur knapp die Hälfte beteiligt).

  • Es zeigt sich, dass die Lernenden das Open-Book-Format eher gut fanden, es gibt einen „Ausreißer“ und es vor allem Sicherheit gegeben hat, was den grundsätzlichen Erfahrungen mit diesem Format entspricht.
  • Zwar fanden fünf bis sechs Lernende die Nutzung von KI bei der Bearbeitung der Teilaufgaben eher hilfreich, es gab aber doch auch einige, die das nicht ganz so empfanden. Hier zeigen sich vermutlich die oben beschriebenen Phänomene der sprachlich/zeitlichen Einschränkung und der fehlenden Prompingtkompetenz. Das muss noch weiter ergründet werden.
  • Unabhängig vom Open-Book-Format zeigt sich, dass die Herausforderung im Umgang mit Quellentexten, sehr unterschiedlich wahrgenommen wird, womit wir wieder bei Literacy-Kompetenzen sind.

Fazit

Es zeigt sich, dass der Umgang mit KI in Klassenarbeiten und Klausuren weitgehend Neuland ist und zwar für die Lernenden UND die Lehrenden. Wir alle müssen in diesem Bereich noch Erfahrungen sammeln und diese reflektieren. Wir müssen Mut haben auszuprobieren und Fehler zu machen. Ich werde jedenfalls weiter an diesem Format arbeiten, aber sicher nicht in jeder Klausur, dafür ist das Format noch zu experimentell.
Für mich hat sich gezeigt, dass eine große Gefahr darin besteht, dass die unterschiedlichen Fähigkeiten der Lernenden im Umgang mit KI die Gefahr einer Vergrößerung der Heterogenität beinhalten. Das darf uns aber nicht dazu verleiten KI zu verdammen und zu verbannen, das wäre sträflich fahrlässig, weil KI unsere Lebenswelt durchdringt und Schule sich dem nicht entziehen kann. Vielmehr muss es unser Ziel als Lehrende sein, den Umgang mit KI zu Lehren und der Heterogenität entgegen zu wirken.
Und damit hängt eine zweite Gefahr eng zusammen. Der Umgang mit KI hebt die Bedeutung von Literacy-Kompetenzen weiter hervor und da liegt ja bereits eine große Schwachstelle unseres Schulsystems, die wir nun noch stärker in den Fokus rücken müssen. Wer kompetent mit einem LLM arbeiten will, muss exzellent mit Sprache umgehen können.

Es wird für uns alle also nicht einfacher, sondern schwieriger. Packen wir es an.

Wie schwierig der Umgang mit Sprache ist zeigt hier auch wieder einmal die KI in Form von DALL-E 😉

Bob Blume hat auch bei einer Klassenarbeit die Nutzung von KI zugelassen und schildert hier seine Erfahrungen: https://deutsches-schulportal.de/kolumnen/bob-blume-kuenstliche-intelligenz-in-klassenarbeiten-ein-schritt-in-die-zukunft/.

Newsletter 24/25-07, 29.11.2024

Liebe Schulgemeinschaft,

wir hatten neulich einen Pädagogischen Tag unter dem Motto „einfach bewegen(d)“, den ich in mindestens zweierlei Hinsicht bemerkenswert fand. Leider konnte ich wegen einer Schulleiter-Dienstversammlung am Nachmittag nicht mehr teilnehmen, mir wurde aber berichtet, dass in den Arbeitsgruppen gute Ideen zur Weiterarbeit entwickelt wurden.
Bemerkenswert fand ich zum einen, das ist allerdings fast eine Binsenweisheit, dass noch einmal klar wurde, dass Bewegung Lernprozesse und Konzentration fördert. Gut war, dass das noch einmal mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen unterfüttert wurde. Das hat bei mir dazu geführt, dass ich bei meinen Kindern nun anders auf den Bewegungsdrang während der Hausaufgaben schaue, womit ich beim zweiten und bemerkenswerteren Punkt wäre.
Als professionelle Lehrkräfte und Pädagogen sind wir reflektierte Praktikerinnen und Praktiker, das heißt, wir müssen unsere professionellen Haltungen immer wieder in Frage stellen. Dies wurde besonders deutlich, als in der Keynote gezeigt wurde, welche Settings in Klassenräumen modern und bewegungsfördernd sind. Darin steckt natürlich auch die implizite Botschaft, dass permanenter instruierender Frontalunterricht mit Reihenbestuhlung nicht sonderlich sinnvoll ist. Wir brauchen stärker individualisierte Lernformen und müssen noch mehr Wert auf den Lernprozess, also auf Kompetenzentwicklung und Feedbackprozesse legen. Deutschland ist bei der Entwicklung einer modernen Lernkultur in den letzten Jahrzehnten und im Vergleich zu vielen anderen Ländern zunehmend ins Hintertreffen geraten und das können wir uns eigentlich nicht leisten, weil Bildung ja unsere wichtigste, vielleicht sogar einzige, zukunftsfähige Ressource ist.
Ich wünsche mir, dass wir an der Weibelfeldschule weiter entschlossen den Weg einer zukunftsfähigen professionellen pädagogischen Haltung gehen. Ich bin zwar erst knapp 1 1/2 Jahre an unserer Schule, mir ist aber schon positiv aufgefallen, dass die meisten Kolleginnen und Kollegen professionelle pädagogische Praktiker sind, die bereit sind, sich weiterzuentwickeln und sich veränderten Bedingungen anpassen wollen und können. Das ist etwas, was viele Gesamtschulen auszeichnet, aber meiner Meinung nach bei uns besonders stark in unserer DNA verankert ist. Das ist eine Stärke, die es weiter zu stärken gilt.
Was wir dafür brauchen, ist ein analytischerer Blick auf die Prozesse und Ergebnisse unserer Arbeit. An verschiedenen Stellen wurde und wird immer wieder festgestellt, dass Deutschland im Bereich der evidenzbasierten Schul- und Unterrichtsentwicklung hochgradig defizitär ist. Wir pflegen schulisches und unterrichtliches Handeln aus Traditionsgründen und wider jegliche Evidenz (Sitzenbleiben, frühe Selektion, Hausaufgaben usw.); in all diesen Bereichen müssen wir beginnen unsere Haltung zu hinterfragen und Veränderungsprozesse einleiten.
John Hattie hat in einem Interview in der FAZ (https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/lehrer-muessen-den-schuelern-mehr-rueckmeldungen-geben-110123306.html, leider Bezahlschranke) neulich gesagt: „Das Lehrerkollegium habe die Lernentwicklung aller Schüler zu analysieren und die geeigneten Schritte zur Förderung zu bestimmen. Schulleiter sollten sich durch unangekündigte Unterrichtsrundgänge regelmäßig einen Eindruck über das Lernen und Lehren verschaffen“. Darin steckt genau das. Mit „analysieren“ meint er die Schaffung einer validen und evidenzbasierten Basis für die Entwicklung von Kompetenzen der Lernenden. Außerdem ist er der Überzeugung, dass es dafür eine Schulleitung braucht, die diese Prozesse professionell begleitet und auch wertschätzend überprüft. Mir ist klar, dass wir im Moment noch in einer Schulkultur leben (nicht nur bei uns, sondern landesweit), in der unangekündigte Unterrichtsbesuche des Schulleiters angstbesetzt sind und als Affront aufgefasst werden, ich würde mir aber wünschen, dass sich das ändert, dass Hospitationen, nicht nur durch den Schulleiter, sondern kollegial, zum Normalfall würden und als Lernchance durch professionellen Austausch gesehen werden. Auch ich sehe mich als professionellen evidenzorientierten Praktiker, der permanent an seinem Handeln und an seiner Haltung arbeitet, ich bin offen für Feedback und konstruktive Kritik. Im Buch „Der tanzende Direktor“ von Verena Friederike Hasel wird beschrieben, dass in Neuseeland die Klassenzimmer immer offen für Eltern und das Kollegium sind, dort wird die wiederkehrende Schulinspektion freudig empfangen, weil man sich so über Innovationen für den Unterricht austauschen kann und wertschätzendes Feedback zum eigenen unterrichtlichen Handeln erhält. Eine solche Schul- und Lernkultur würde ich mir auch für unser Land wünschen.
Wenn ich die aktuellen Studienergebnisse aus ICILS oder dem Schulbarometer (vgl. Links unten unter „Interessantes“) betrachte, in denen deutlich wird, dass unsere Schülerinnen und Schüler viel zu wenig Medienkompetenz besitzen und Schule und den damit verbundenen Druck als zunehmende Belastung empfinden, der sie krank macht, finde ich, dass wir das reflektieren und darauf reagieren müssen. Die Ergebnisse der Studien, und das gilt ja auch für PISA, IGLU, VERA, IQB und wie sie alle heißen, sind ja keine Momentaufnahmen, sondern zeigen einen Abwärtstrend bei den Leistungen, beim Wohlbefinden und beim Erwerb zukunftsrelevanter Kompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler. Ich finde, dass wir das nicht hinnehmen können und wir deshalb Schule und Unterricht verändern müssen, wir alle müssen Teile unserer Komfortzone verlassen, wenn wir, auch angesichts der globalen Entwicklungen (vgl. letzter Newsletter) unseren Kindern und Jugendlichen eine lebenswerte und enkelfähige Welt hinterlassen wollen. Packen wir es an! Machen ist wie wollen, nur krasser!

Um den Bogen zum Anfang des Newsletters zu schließen, verweise ich auf die Links zu „Unterricht“ weiter unten, in denen digitale Adventskalender mit 24 Bewegungstipps verlinkt sind.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Zwei Studien haben in den vergangenen Tagen die Bildungsrepublik beschäftigt. Zum Einen die ICILS 2023-Studie zu digitalen Kompetenzen im internationalen Vergleich und das aktuelle Schulbarometer der Robert Bosch-Stiftung.
Eine Zusammenfassung von ICILS (International Computer and Information Literacy Study) gibt es beim Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/icils-2023-eickelmann-digitale-kompetenzen-40-prozent-der-jugendlichen-sind-abgehaengt. Die Studie selbst gibt es hier: https://kw.uni-paderborn.de/institut-fuer-erziehungswissenschaft/arbeitsbereiche/schulpaedagogik/forschungsprojekte/icils-2023.
Das Schulbarometer hat erstmals auch Daten zum Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern erfasst, mit alarmierenden Ergebnisse, dazu eine Zusammenfassung: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/deutsches-schulbarometer-schueler-2024-jeder-fuenfte-junge-mensch-berichtet-von-psychischen-problemen/. Die ganze Studie gibt es hier: https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf/2024-11/241112_rbs_studie_schulbarometer_Q4-2024_V3_0.pdf.
Ähnliches berichtet auch eine Studie der WHO: https://www.who.int/europe/de/news/item/13-11-2024-rising-school-pressure-and-declining-family-support-especially-among-girls–finds-new-who-europe-report.
Eine weitere interessante Studie zur Digitalisierung im Schulleitungsalltag gibt es hier (nach Registrierung und Einverständnis zu Werbung!): https://www.wolterskluwer.com/de-de/know/zukunftsstudie-schulmanagement-2024#download.
Der „Forschungsmonitor Schule“ veröffentlicht Rezensionen zu bildungswissenschaftlichen Studien, um diese mit der Bildungspraxis zu verknüpfen: https://www.forschungsmonitor-schule.de/hintergrund.php. Ein tolles länderübergreifendes Projekt mehrerer Institute von Kultusministerien.
Finnland kann in vielen Bereichen ein Vorbild sein, sehr interessant ist, dass Finnland Fakenews erfolgreich den Kampf angesagt hat und, dass (natürlich) Schulen dabei eine zentrale Rolle spielen: https://edition.cnn.com/interactive/2019/05/europe/finland-fake-news-intl/.
Susanne Posselt hat auf ihrem lesenswerten Blog einen inspirierenden Beitrag zur Frage der letzten Blogparade der Lehrerbubble („Warum sollte man Lehrerin oder Lehrer werden?“) geschrieben, dessen Haltung ich uneingeschränkt unterstütze. Lehrkraftsein, schreibt sie, ist „eine Lebenseinstellung. Eine Haltung zu den großen Fragen der Welt.“ https://susanneposselt.de/vom-glueck-lehrerin-zu-sein/.

Smartphone und Social Media
Auf dem Deutschen Schulportal gibt es ein schönes Dossier zu Medienkompetenz: https://deutsches-schulportal.de/dossiers/dossier-medienkompetenz-wie-machen-wir-schueler-fit-fuer-die-digitale-welt/.
Die taz zum geplanten Social Media-Verbot unter 16 Jahren in Australien: https://taz.de/Social-Media-Verbot-fuer-Jugendliche/!6048934/.
Hier gibt es die Cyberlife-Studien zu Cybermobbing: https://buendnis-gegen-cybermobbing.de/aktivitaeten/studien.html.
Eine sehr gute und sehr umfangreiche Taskcard-Sammlung von Tools um Fake News, Verschwörungstheorien oder „Bullshit“ aufzudecken: https://www.taskcards.de/#/board/4e9fb693-e08b-43d5-99a8-69bc7554977e/view.
Netzpolitik.org zur zunehmenden Problematik von Deepfake-Nudes, die im Netz immer einfacher zu produzieren sind: https://netzpolitik.org/2024/ki-nacktbilder-wie-online-shops-mit-sexualisierten-deepfakes-abkassieren/.

KI
Jennifer Knellesen hat auf ihrer interessanten Seite „Vom Labor ins Klassenzimmer“, die sich auf die Fahnen geschrieben hat Theorie und Praxis zu verbinden, einen wichtigen Beitrag zur „GenAI-Revolution im Bildungsbereich“ geschrieben, in dem es um die Veränderung der Rolle der Lehrenden geht: https://vom-labor-ins-klassenzimmer.de/die-genai-revolution-im-bildungsbereich/.
Dr. Till Kreutzer von iRights.law erklärt in diesem Video wissenswertes zu OER, Urheberrecht und KI: https://www.youtube.com/watch?v=tBseRLl8268.
„Kompetenzen für den Unterricht mit und über Künstliche Intelligenz: Perspektiven, Orientierungshilfen und Praxisbeispiele für die Lehramtsausbildung in den Naturwissenschaften“ ist ein kostenloser Download von Waxmann, gefördert von der Telekom-Stiftung mit ganz vielen KI-Anwendungsmöglichkeiten speziell für NaWi: https://www.waxmann.com/index.php?eID=download&buchnr=4931.
In diesem Artikel aus dem „Business Insider“ nehmen verschiedene Protagonisten der KI-Szene höchst unterschiedlich Stellung zum Thema AGI: https://www.businessinsider.com/agi-predictions-sam-altman-dario-amodei-geoffrey-hinton-demis-hassabis-2024-11. Wir werden sehen…
KI-resistente Aufgaben sind eine aktuell größer werdende Herausforderung, hier gibt es Tipps:: https://www.edu-ai-alliance.org/post/wie-man-ki-resistente-aufgaben-mit-einem-chatbot-erstellt.

Tipps für den Unterricht
Da der Advent bevorsteht, konzentriere ich mich schwerpunktmäßig in dieser Rubrik in dieser Ausgabe auf verschiedene digitale Adventskalender-Angebote:
Das ZSL BaWü bietet, passend zum Schwerpunktthema des Newsletters, einen bewegten Adventskalender differenziert für verschiedene Altersstufen: https://lis.kultus-bw.de/,Lde/Startseite/Schulsport/Bewegte++Adventskalender.
Einen weiteren bewegenden Adventskalender gibt es auf dem Schweizer Portal schulebewegt.ch: https://www.schulebewegt.ch/de/specials-sets/8a734f29-9fc5-4756-9023-470f0e8a5d43.
Der Bildungsserver Hessen bietet als „exklusives Angebot für Mitarbeitende des Landes Hessen“ täglich einen neuen Podcast mit „digitale(n) Lösungsideen rund um alltägliche Herausforderungen im Schulalltag“: https://schulportal.hessen.de/veranstaltungen/adventskalender-medienbildung-2024-der-podcast-fuer-ihren-schulalltag/.
Für Schülerinnen und Schüler (in Klassen oder einzeln mit Gewinnmöglichkeiten) mit Spaß an Mathematik gibt es: https://www.mathe-im-advent.de/de/.
Auch für Physik-Interessierte gibt es einen Adventskalender mit Gewinnmöglichkeiten: https://www.physik-im-advent.de/.
Unsere Fortbildungsplattform fobizz hat auch einen Adventskalender mit Inspirationen für den Unterricht im Angebot: https://plattform.fobizz.com/fortbildungen/1959-der-fobizz-adventskalender-2024-inspirationen-fuer-deinen-unterricht?search_id=9347614.
Viele Materialien für „Digitales im Unterricht“ gibt es bei: https://coding-for-tomorrow.de/materialsammlungen/.
Für Geschichte gibt es einen spielerischen Einstieg in Berufe einer mittelalterlichen Stadt bei https://www.planet-schule.de/mm/stadt-im-mittelalter/.
In unregelmäßigen Abständen muss immer mal wieder auf das ZUM-Portal hingewiesen werden, wo es (seit 1995!) Unterrichtsmaterialien, Apps, ein Etherpad und so vieles mehr gibt: https://www.zum.de/portal.
Tipps zum Einsatz von „Mentimeter“ im Unterricht: https://www.lehrer-news.de/blog-posts/vom-monolog-zur-mitmach-stunde-wie-mentimeter-deinen-unterricht-veraendert.

Leseempfehlung
Weil wir in Zeiten von KI verstärkt über eine neue Prüfungskultur nachdenken müssen, empfehle ich das neue Bändchen aus der „Upgrade-Reihe“: Sobel, Martina und Alpogus, Murat: Upgrade: Leistungsmessung und Beurteilung. Wege in eine veränderte Prüfungskultur, Hannover 2024.

Hörempfehlung
Dana Weber von der „Glückspraxis“ aus Dreieich hat einen Podcast für Eltern gestartet: https://open.spotify.com/show/34ouRDUOnwD8LMUoLA5JRM?si=NC82-YmTRd6Yz0t6sBSC3g&nd=1&dlsi=57709166790a4e6a.
Das MSB in NRW hostet den Podcast „Nachgefragt“, in Folge 5 geht es um „Der Mythos Demokratieneutralität – Was darf ich als Lehrkraft in der Schule?“ https://www.schulministerium.nrw/nachgefragt-der-msb-podcast-mythos-demokratieneutralitaet-was-darf-ich-als-lehrkraft-der-schule.  

Sehempfehlung
In der Mediathek von 3Sat gibt es noch bis zum 28.02.25 den wunderbaren Dokumentarfilm „Bratsch – Ein Dorf macht Schule“ über eine kleine besondere Dorfschule in der Schweiz. Sehenswert: https://www.3sat.de/film/dokumentarfilmzeit/bratsch—ein-dorf-macht-schule-100.html.
Schönes Video (nur 1 Min.) zum Thema Handynutzung: „Where did the day go?“ (und nebenbei noch eine schöne Demonstration für „Gaussian splatting“: https://www.youtube.com/watch?v=X4oh_6DjF1M. Wer sich für Hintergründe dazu interessiert: https://radiancefields.com/3dgs-short-film-where-did-the-day-go.

Veranstaltungsempfehlung
„Vision@Schule“ am 28. und 29. März an der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar.
Es gibt jetzt (nicht ganz günstige) Tickets für „FUTUROMUNDO EDU. Das Internationale Zukunftsfestival des Lernens. 3.-4. Juli 2025, Stuttgart“ https://www.futuromundo.com/edu.

Spaß im Netz
https://www.mapcrunch.com/.

Newsletter 24/25-06, 15.11.2024

Liebe Schulgemeinschaft,

ich habe das Gefühl, dass ich mal wieder etwas weiter ausholen muss und knüpfe damit an den 2. Newsletter aus dem letzten Schuljahr an (https://www.schulmun.de/2023/10/24/newsletter-02-29-09-2023/).
In den letzten Wochen ist wieder einmal sehr deutlich geworden, dass wir uns global in einem rasanten und unvorhersehbaren Veränderungsprozess befinden (Stichwort: VUCA/BANI-Welt). Die Situation ist einerseits bedrohlich, unsere Demokratie und unser Wirtschaftsmodell, ja unsere ganze Lebensweise ist bedroht. Der SPIEGEL hat vom „Ende des Westens“ geschrieben. Das ist durchaus furchteinflößend und führt verständlicherweise zu Verunsicherung.
So wie es aussieht, stehen uns größere Disruptionen bevor, nehmen wir als Beispiel nur die Autoindustrie, bei der das besonders deutlich wird. Deren Geschäftsmodell wird aus dem Ausland, besonders China, bedroht, drohender Protektionismus (USA) schließt Absatzmärkte und außerdem wurde zu spät und zu halbherzig auf notwendige technologische Anpassungen verzichtet (E-Autos und Klimawandel).
Ähnliches droht unserem Bildungssystem, auch hier verharren wir an einigen Stellen zu lange in einem veralteten und überkommenen Modell, auch hier überholt uns das Ausland, obwohl wir einst einer der „Weltmarktführer“ waren, auch hier sind Reformschritte und Anpassungen an die veränderte Welt unabdingbar. Im Guardian habe ich neulich einen sehr interessanten Kommentar gelesen (https://www.theguardian.com/business/article/2024/sep/01/germany-economy-problem-analogue-industries), in dem Larry Elliott beschreibt, wie Deutschland versuche sein analoges Modell in einer digitalen Welt beizubehalten.
Diese krassen und rasanten Veränderungen, die man mit Recht als Disruptionen bezeichnen kann, betreffen uns alle, unser aller Leben wird sich verändern und da haben wir noch gar nicht über KI, Kriege, Populismus, Spaltung der Gesellschaft usw. gesprochen. Gleichzeitig stecken in solchen Disruptionen auch Chancen. Die Menschheit hat sich in solchen Phasen rasanten Wandels in der Geschichte eigentlich immer als anpassungsfähig und innovativ gezeigt.
Es gibt ja, wenn man sie sehen will, auch positive Entwicklungen, die auf eine bessere Zukunft hindeuten, es gibt medizinischen Fortschritt, KI kann unsere Arbeitswelt positiv verändern, zumal in Kombination mit immer fortschrittlicherer Robotik, der unregulierte und gesellschaftsgefährdende Aufstieg der sozialen Medien scheint seinen Zenit überschritten zu haben und auch im Bildungssystem machen sich immer mehr Menschen und Schulen auf den Weg zukunftsfähigere und menschlicher Schulen zu entwickeln.
Der Veränderungsdruck nimmt also zu und führt dazu, dass Veränderungen beschleunigt werden, so ist das bei allen Veränderungsprozessen. Es geht durch ein „Tal der Tränen“ und dann wird es nachhaltig besser.
Ich fürchte, da müssen wir alle früher oder später durch. Ich gehöre zu den Menschen, die es dann lieber früher hinter sich haben und im Prozess gestaltend eingreifen. Was da in der Welt im Großen vor sich geht, spiegelt sich auch in unserem Schulkosmos im Kleinen. Wir haben es in der Hand, die Zukunft mitzugestalten, denn: Bildung ist der Schlüssel um mit den Problemen der VUCA/BANI-Welt klarzukommen. Wir müssen unsere Kinder zu resilienten und agilen Menschen ausbilden, die sich der Problemlage bewusst sind und kreative Lösungen entwickeln die Probleme zu lösen.
Wer unseren Schulentwicklungsprozess verfolgt, merkt, dass wir schon mittendrin sind.
Wir sind mitten in einem ergebnisoffenen Transformationsprozess. Ich bin zuversichtlich, dass wir zum neuen Jahr Selbstständige Schule werden, was unsere Handlungsspielräume finanziell und pädagogisch erweitert. Wir haben mit der Schulentwicklungsgruppe und externer Begleitung eine Initiativgruppe gebildet, die Werkzeuge für die weitere Schulentwicklung an die Hand bekommen hat und aus der in einem nächsten Schritt eine DNA-Gruppe hervorgeht. Diese DNA-Gruppe umfasst 20 Personen. Sie soll möglichst alle Gruppierungen und Strömungen der Schulgemeinschaft abbilden, um dort auf Augenhöhe Schulentwicklungsprozesse, gerne auch kontrovers, zu diskutieren, um auszuloten, wie diese in der Schulgemeinschaft ankommen. In diesem Zusammenhang befindet sich die „alte“ Schulentwicklungsgruppe in einem Findungsprozess und muss vielleicht ihre Rolle etwas neu justieren. Die Initialgruppe hat damit ihre Arbeit getan und wird aufgelöst. Vielen Dank für das fantastische Engagement!
Ein weiterer Aspekt ist das Medienkonzept, das der letzten Gesamtkonferenz abgestimmt worden ist und in dem wir einen weiteren Schritt in Richtung einer Kultur der Digitalität gehen. Aus diesem Entwicklungsprozess ist die Arbeitsgruppe zur Handynutzung entstanden, welche begonnen hat unseren Umgang mit digitalen Endgeräten einem Revisionsprozess zu unterziehen, bei dem natürlich auch Schülerinnen und Schüler sowie Eltern eingebunden sind.
Auch Teil des Schulentwicklungsprozesses ist das Konzept gegen sexualisierte Gewalt. Dessen Entwicklung ist eine Vorgabe des Ministeriums, wir haben es aber auch genutzt, um damit einen Prozess zu starten, der sich ernsthaft mit der Haltung der und den Beziehungen zwischen den Teilen der Schulgemeinschaft auseinandersetzt. Auch dafür haben wir externe Expertise in Anspruch genommen und erkannt, dass dieses Konzept wichtig ist und wir ein funktionierendes Beschwerdemanagement und eine Verständigung über professionelle Grundhaltungen brauchen. Auch dieses Konzept wird gemeinsam mit Lernenden und Eltern entwickelt.
Man sieht also, dass wir dabei sind die demokratischen Strukturen der Schule zu stärken, indem wir bei Entwicklungsprozessen Eltern und Schülerinnen und Schüler verstärkt einbeziehen, möglichst versuchen, allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft Teilhabe und Teilgabe zu ermöglichen. Die neu gewählte SV ist gut aufgestellt und bereit, ihre Rolle verstärkt wahrzunehmen.
Nicht zuletzt entstehen gerade, federführend von Schülerinnen und Schülern, der Think-Tank und der Do-Tank, die Ideenschmieden und Zukunftshub, Reallabor und Experimentierwerkstatt für die Partizipation der Schülerinnen und Schüler werden sollen. Hier entsteht die Schülerzeitung, hier docken Medien- und Social Media-AGs an, hier entstehen neue und offene Lernräume für Selbstwirksamkeitserfahrungen, die sich an den 17 Sustainable Development Goals (SDG) der UNESCO orientieren, also an den nachhaltigen Entwicklungszielen. Gute Bildung ist das SDG Nr. 4, aber nur der Ausgangspunkt für die Verwirklichung einer besseren und nachhaltigeren Welt. Diese Ziele sind durch die KMK auch mehrfach als Bildungsziele für deutsche Schulen festgelegt worden und relevanter Teil unseres Bildungsauftrages. Seit 2017 ist Bildung für nachhaltige Entwicklung besondere Bildungs- und Erziehungsaufgabe laut Hessischem Schulgesetz.
Sie sehen also und erleben es ja auch jeden Tag, auch in unserer Schule findet allenthalben Transformation statt und wir kommen unseren prominentesten Pflichten nach, wie sie das Hessische Schulgesetz vorsieht. Wir vermitteln Wissen und Kompetenzen, erziehen aber auch Kinder und Jugendliche zu mündigen Demokraten, um ihnen die Mittel an die Hand zu geben zu resilienten und agilen Menschen zu werden, die sich der Problemlage bewusst sind und kreative Lösungen entwickeln die Probleme zu lösen. Dafür lohnt es sich in schweren Zeiten zu kämpfen, niemand hat wohl etwas gegen eine bessere Zukunft und wir arbeiten daran, jeden Tag.

Ihr

Erik Grundmann


Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Im Interview mit dem Online-Magazin Schulmanagement spricht der weltweit renommierte Bildungsforscher über das, was Lehrkräfte bewirken können und äußert sich kritisch zum deutschen Bildungssystem: https://www.campus-schulmanagement.de/magazin/deutsches-bildungssystem-john-hattie-schulleitungssymposium-baden-wuerttemberg-heilbronn.
Aktuell geistert die neue ICILS-Studie durch die Medien, die belegt, dass im Jahrgang 8 nur rudimentäre digitale Kompetenzen vorhanden sind, einen Artikel dazu gibt es auf dem Dt. Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/icils-2023-eickelmann-digitale-kompetenzen-40-prozent-der-jugendlichen-sind-abgehaengt/. Die Studie gibt es hier: https://kw.uni-paderborn.de/institut-fuer-erziehungswissenschaft/arbeitsbereiche/schulpaedagogik/forschungsprojekte/icils-2023. Interessant ist, dass Deutschland noch etwas besser ist als der europäische Durchschnitt.
Spannender Artikel bei Lehrer-News zu Klassismus und dem Mythos Leistungsprinzip: https://www.lehrer-news.de/blog-posts/klassenzimmer-oder-klassenkampf-die-unsichtbare-barriere-zur-chancengleichheit. Auch dort, ein Artikel, der sich kritisch mit den Privatschulen auseinandersetzt: https://www.lehrer-news.de/blog-posts/privatschulen-rettung-fur-das-bildungssystem-oder-symptome-seiner-probleme.
Ego-FM hat einige Informationen über verschiedene Bildungssysteme der Welt zusammengetragen: https://www.egofm.de/blog/schulsysteme-der-welt.
News4teachers stellt das neue Buch „Gute Bildung sieht anders aus“ von Harald Lesch und Klaus Zierer vor: https://www.news4teachers.de/2024/11/von-einem-lernort-zu-einem-bildungsraum-wie-harald-lesch-und-klaus-zierer-sich-eine-gute-schule-vorstellen/.
Im Leibniz-Magazin interviewt Jan-Martin Wiarda Olaf Köller zum Problemkomplex der Bildungspolitik und den schwindenden Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, spannender und komprimierter Überblick über die Bildungsgeschichte seit PISA: https://www.leibniz-magazin.de/alle-artikel/magazindetail/newsdetails/kein-land-in-sicht.
Neues zum Thema Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte (Spoiler: Nichts Gutes…): https://www.news4teachers.de/2024/11/erfolgreich-ausgesessen-die-kultusminister-brauchen-ein-gesetz-zur-arbeitszeiterfassung-das-lehrkraefte-betrifft-erstmal-nicht-mehr-zu-fuerchten/?amp.
Es gibt eine Aufzeichnung des Livestreams zum 1. Schulleitungssymposium in BW, darin ein sehr interessanter Vortrag von John Hattie (ab ca. 51:45 Min.): https://www.youtube.com/watch?v=-uSt9QLhNuw.

Smartphone und Social Media
Australien plädiert für eine Freigabe von Social Media ab 16: https://www.tagesschau.de/ausland/ozeanien/australien-soziale-medien-altersbeschraenkung-100.html.
The Decoder über eine Studie zur Verbreitung von Fakenews bei X: https://the-decoder.de/studie-untersucht-welche-inhalte-x-accounts-mit-ki-fake-bildern-verbreiten/ und darüber, wie ChatGPT zur Verbreitung von Fakenews genutzt wird: https://the-decoder.de/iranische-kampagne-wollte-us-wahlen-mit-ki-nachrichten-beeinflussen/.
https://www.soundswrong.de/ kämpft gegen die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen im Netz und klärt darüber auf; Motto: Melden statt teilen!
Bei Andrea Buhl-Aigner gibt es kostenloses Unterrichtsmaterial zur frei zugänglichen Doku „Das Dilemma mit den sozialen Medien“. Empfehlenswert: https://www.smartphonecoach.org/netflix-dokus-im-unterricht-das-dilemma-mit-den-sozialen-medien/.
„Coding for tomorroe“ ruft mit der Vodafone Stiftung Schülerinnen und Schüler zur Challenge „True Story statt Fake & Hate“ auf. Ziel ist es innovative Lösungen gegen Fakenews und Hate im Netz zu entwickeln. Mehr Infos: https://coding-for-tomorrow.de/aktuelles/true-story-statt-fake-hate-schuelerwettbewerb/.
Die taz zu Handyverboten in der Schule: https://taz.de/Handyverbote-an-Schulen/!6044189/.
Ein Lehrer berichtet auf Focus-Online von einem Handy-Experiment: https://m.focus.de/panorama/welt/handyverbot_id_260461067.html.

KI
Wieder einmal eine großartige Zusammenstellung von Joscha Falck, ein Must Read für alle Lehrkräfte im 21. Jahrhundert: „KI-Einsatz im Unterricht reflektieren und bewerten“ https://joschafalck.de/ki-bewertung/.
Axel Krommer zieht einen interessanten Vergleich zwischen KI und kybernetischer Pädagogik aus den 1960er Jahren: https://axelkrommer.com/2024/11/04/edtech-aus-dem-letzten-jahrtausend-kybernetische-paedagogik-und-kuenstliche-intelligenz/.
Lehrer News hat 10 Tipps zur Erstellung von Unterrichtsmaterial mit KI und zum richtigen Prompten: https://www.lehrer-news.de/blog-posts/chatgpt-im-klassenzimmer-so-erstellst-du-mit-ki-effektive-unterrichtsmaterialien.
Aus dem Deutschen Schulportal gibt es ein Dossier zur Veränderung von Unterricht durch KI: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/wie-chatgpt-bei-der-unterrichtsvorbereitung-helfen-kann/.
Die taz zu Einkaufen mit KI: https://taz.de/Ueberwachtes-Einkaufen-in-Hamburg/!6045235/. Erinnert etwas an Orwell „1984“ oder Eggers „The Circle“…

Tipps für den Unterricht
Jördis Dörner hat 100 Methoden zum Kennenlernen gesammelt: https://www.learningarchitects.de/100-kennenlernmethoden/.
Bildungssprit setzt sich intensiv mit den Möglichkeiten von digitalen Lehr- und Lernprozessen auseinander: https://bildungssprit.de/blog/moodle-im-unterricht-12-szenarien-fuer-den-digitalen-lehr-und-lernprozess.
Bei PiA (Physik im Advent) gibt es ab dem 1. Dezember wieder einen physikalischen Adventskalender mit 24 kleinen Experimenten und Rätseln und einem dazugehörigen Gewinnspiel, die Anmeldung ist seit dem 01. November möglich: https://www.physik-im-advent.de/.
Das LMZ BW hat einen Leitfaden für Audio und Radioarbeit im Unterricht erstellt (u.a. mit Urheberrecht und Datenschutz): https://www.kindermedienland-bw.de/fileadmin/redaktion/kml/publikationen/LFK_Leifaden_Audio-_Radioarbeit_Web.pdf.

Leseempfehlung
Heute mal ein Roman: Marc-Uwe Kling: Views, München 2024. Der bekannte Autor der Känguru-Chroniken, entwickelt sich seit Qualityland zu einem der bedeutenden Dystopiker Deutschlands. Bei Views geht es um die Gefahren von KI für die gesellschaftliche Ordnung. Kurzweilig.

Hörempfehlung
Sebastian Staack hat eine beeindruckende Sammlung von über 1.500 Podcasts zu Bildungsthemen zusammengetragen: https://raindrop.io/HerrStaack/podcast-box-41932935.

Sehempfehlung
Tolles Video von Schülerinnen und Schülern der ERS-Karlsruhe zur Vernissage der Ausstellung „Wo fängt Unrecht an?“: https://vimeo.com/1025182779/4e8b62ac82?share=copy.
Reuters präsentiert den KI-Avatar Liv für Menschen mit Demenz, ein beeindruckendes Beispiel dafür, was mit KI möglich ist: https://www.youtube.com/watch?v=qd6v6FxeSIA.

Veranstaltungsempfehlung
„Vision@Schule“ am 28. und 29. März an der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar.

Spaß im Netz
https://www.youtube.com/watch?v=hYMRepK_aqw&t=96s.

Newsletter 24/25-04, 11.10.2024

Liebe Schulgemeinschaft,

nicht zuletzt durch das Buch „Generation Angst“ (etwas schwache, bzw. reißerische Übersetzung; im Original „The Anxious Generaion“) von Jonathan Haidt  hat die Diskussion um Smartphones und sozialen Medien in Schulen Fahrt aufgenommen (seine Position hat er vor Erscheinen des Buchs bereits in einem Blogbeitrag vorgelegt: https://www.afterbabel.com/p/phone-free-schools). In den Niederlanden, Frankreich, Italien oder Finnland und in einigen anderen Ländern, sind Smartphones in den Schulen mittlerweile weitgehend verboten. In Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung, vielmehr entscheidet das jede Schulgemeinschaft für sich.
An unserer Schule ist aus der Arbeitsgruppe zum Medienkonzept eine Arbeitsgruppe zur Smartphone- und Tabletnutzung hervorgegangen, die im Austausch innerhalb der Schulgemeinschaft die bei uns geltenden Regeln überarbeiten will. Dies ist notwendig, weil an vielen Stellen immer wieder Unmut über die bestehenden Regularien geäußert wird und weil diese Diskussion ein Teil der notwendigen Kultur der Digitalität an unserer Schule ist.
Denkbar sind dabei viele Lösungen, von einem Totalverbot bis zur totalen Freigabe, wir können die Nutzung vom Alter abhängig machen oder ein Graduierungssystem erarbeiten, bei dem man sich die Nutzung durch Kurse und/oder entsprechendes Verhalten erarbeiten kann.
Im Wesentlichen gibt es mittlerweile zwei Denkschulen, die eine fordert ein Verbot von Smartphones an Schulen und argumentiert mit der mittlerweile auch in Studien nachgewiesenen verminderten Konzentrationsfähigkeit, smartphonebasiertem Mobbing und dessen Folgen und dem erhöhten generellen Konfliktpotenzial. Die andere Denkschule verweist auf die grundsätzliche Problematik von Verboten, darauf, dass das Smartphone und social media integraler Bestandteil von Jugendlichen ist und fordert eine aufklärende Begleitung statt eines Verbotes.
Laut aktuellen Studien lenkt ein Handy ab und verringert die Konzentration, auch wenn es nur auf dem Tisch liegt oder in der Tasche steckt (https://www.uni-paderborn.de/nachricht/123972). Eine Studie der Universität Augsburg hält ein pädagogisch begleitetes Smartphoneverbot an Schulen für sinnvoll: https://www.uni-augsburg.de/de/campusleben/neuigkeiten/2024/09/04/smartphone-verbot-an-schulen-sinnvoll-wenn-padagogisch-begleitet/. Silke Müller, Spiegel-Bestseller-Autorin, Schulleiterin und erste Digitalbotschafterin Niedersachsens, hat an ihrer Schule ein Smartphoneverbot durchgesetzt (allerdings gibt es dort ab der 7. Klasse Tablets für alle).
Ich denke, es ist unbestritten, dass Schule im Rahmen von Medienbildung über Smartphones, soziale Medien und Algorithmen aufklären muss. Schule ist der Ort an dem über Fluch und Segen der Kultur der Digitalität diskutiert und gearbeitet werden muss. Wir müssen uneingeschränkt anerkennen, dass Smartphones, soziale Medien und die damit verbundenen Anwendungen Teil der Alltagskultur, nicht nur der Kinder und Jugendlichen, geworden sind. Uns muss auch klar sein, dass unsere Kinder damit fast zwangsläufig mit Gewalt, Mobbing, Pornographie, Extremismus usw. konfrontiert werden und wir sie nur begrenzt schützen können. Dabei spielen die Nutzungsmodalitäten in der Schule keine Rolle, da der größere Teil des Medienkonsums zuhause und in der Peergroup stattfindet. Umso wichtiger ist es, dass in der Schule darüber aufgeklärt wird, was aber nur funktioniert, wenn auch die Eltern im Boot sind und Bescheid wissen. All das meint die erwähnte Studie der Uni Augsburg mit pädagogischer Begleitung.
Lassen Sie uns also gemeinsam, mit der gesamten Schulgemeinschaft, einen Diskussionsprozess starten, wie wir den Herausforderungen durch Smartphones und soziale Medien als Schule begegnen wollen. Wer Interesse hat, an diesem Prozess teilzunehmen, darf sich gerne an mich wenden.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Am 2. Oktober wurde der Deutsche Schulpreis 2024 verliehen, alles wichtige zu den Preisträgern findet sich hier: https://www.deutscher-schulpreis.de/nominierung-und-preisverleihung.
Lehrer-News bietet einen knappen Überblich über die wichtigsten regelmäßigen Studien zum Thema Bildung: https://www.lehrer-news.de/blog-posts/bildung-auf-dem-pruefstand—die-relevanten-studien-im-ueberblick.
News4Teachers setzt sich mit dem Thema Erfassung der Lehrkräftearbeitszeit auseinander und sieht das Aus für das Deputatsmodell: https://www.news4teachers.de/2024/10/gutachten-erfassung-der-arbeitszeit-von-lehrkraeften-ist-unausweichlich-was-zwangslaeufig-das-ende-des-deputatsmodells-bedeutet/. Hintergrund ist ein Gutachten der FES: https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/21452.pdf.
Die Stadt Nürnberg hat einen interessanten Strategieprozess für eine Vision Schule 2040 angestoßen: https://www.nuernberg.de/internet/paedagogisches_institut/strategieprozess.html.

Smartphone und Social Media
Auf TikTok gehen KI-generierte Audioclips mit der Stimme von Adolf Hitler viral: https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/tiktok-hitler-videos-viral-100.html?at_specific=ZDFheute&at_content=iOS.
Der BR beschäftigt sich mit der Problematik von Klassenchats: https://www.br.de/nachrichten/wissen/gefaehrliche-chatgruppen-wenn-klassenchats-zum-problem-werden,UPw2woo.
Philippe Wampfler setzt sich, gewohnt kontrovers, mit dem Menschenbild hinter der Notengebung auseinander, das er mit der berühmten Karotte vor der Eselsschnauze vergleicht: https://beurteilung.ghost.io/wie-man-menschen-sehen-muss-damit-man-auf-noten-verzichtet/.
Der bereits eingangs erwähnte Jonathan Haidt scheint eine Bewegung zur smartphonefreien Schule zu starten und stellt Material zur Implementierung einer solchen zur Verfügung: https://www.anxiousgeneration.com/phone-free-schools.
Jonas Wagner fordert in diesem Zusammenhang Regeln statt Verbote: https://jonaswagner.de/medien-in-der-schule/.
Im letzten Newsletter schon erwähnt, hier aber auch noch einmal in einem Artikel aus der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/instagram-kuendigt-jugendschutz-massnahmen-an-mehr-kontrolle-fuer-eltern-19989912.html.
Auf heise.de ist eine interessante Nachricht aus den USA erschienen, wo der Gegenwind für Social Media stärker wird: https://www.heise.de/news/Tiktok-beutet-Kinder-aus-14-US-Staaten-verklagen-Tiktok-9974196.html.

KI
Joscha Falck hat neun KI-Paradoxien in der Schule formuliert: https://joschafalck.de/ki-paradoxien/ und Martin Karacsony (bildungssprit.de) hat diese ergänzt und illustriert: https://bildungssprit.de/blog/ki-paradoxien-by-joscha-falck-eine-bildhafte-ergaenzung-by-bildungssprit.
Wer sehen will, was KI mittlerweile im Filmbereich kann, dem sei der Kurzfilm „The Barrier“ empfohlen: https://www.youtube.com/watch?v=Bpwbtmmmb4I.
KI schreibt mittlerweile Malware: https://www.chip.de/news/kuenstliche-intelligenz/betrueger-nutzen-ki-zum-erstellen-von-malware_e712460b-a95f-4ead-9e23-525fdc55c22e.html?utm_medium=Social&utm_source=Facebook#Echobox=1728152976.
Manuel Flick hat seinen fast schon legendären ChatGPT-Guide für Lehrkräfte aktualisiert; dieser kann hier kostenlos heruntergeladen werden: https://www.manuelflick.de/chatgpt-guide.

Tipps für den Unterricht
Verena Knoblauch hat ein schöne Taskcard mit Unterrichtsmaterial zu Medienkompetenz erstellt: https://mz-nuernberg.taskcards.app/#/board/c7785072-c13f-46db-af29-d27d5550226a/view?token=4eaf7324-2432-4af5-ba2e-852de3cc091c.
Die BBC bietet eine Datenbank mit zahlreichen Soundeffekten: https://sound-effects.bbcrewind.co.uk/ für die freie nicht-kommerzielle Nutzung.

Leseempfehlung
Konsequenterweise zwei Empfehlungen, die das Spektrum des Schwerpunktthemas dieses Newsletters abdecken. Für ein Smartphoneverbot an Schulen: Haidt, Jonathan: Generation Angst; Wie wir unsere Kinder an die virtuelle Welt verlieren und ihre psychische Gesundheit aufs Spiel setzen, Hamburg 2024. Eine andere Position (nicht ganz auf Schule bezogen): Lutz, Leonie; Osthoff, Anika: Begleiten statt verbieten; Als Familie kompetent und sicher in die digitale Welt, München 2022.

Hörempfehlung
Dieses mal wieder Benedikt Wisniewski im Interview mit John Hattie zum Thema De-Implementierung: https://podcasters.spotify.com/pod/show/dr-benedikt-wisniewski/episodes/Spezial-De-Implementierung–Gesprch-mit-John-Hattie-OV-e2md1r6. Funfact: Die deutsche KI-Übersetzung zeigt auch an dieser Stelle, was KI kann.

Sehempfehlung
Schöner Ausschnitt aus einer Dokumentation über den „Lehrberuf im Jahre 1959“, interessanterweise ist das hier in der Gegend aufgenommen: https://www.youtube.com/watch?v=1pGC-thN1Oc.

Veranstaltungsempfehlung
„Vision@Schule“ am 28. und 29. März an der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar: https://albertschweitzerschule-wetzlar.de/index.php/informationen-fuer-teilnehmende.

Spaß im Netz
https://findtheinvisiblecow.com/.  

Newsletter 19, 12.07.2024

Liebe Schulgemeinschaft,

nachdem ich nun im letzten Newsletter schon Bilanz gezogen habe und mich bedankt habe, halte ich dieses Mal meinen Einführungstext etwas kürzer, gebe Ihnen aber wieder eine paar Links, Tipps und Empfehlungen mit in die unterrichtsfreie Zeit.
Wir haben uns jetzt alle etwas Ruhe und Erholung verdient, ich habe das Gefühl, das Leben und die Schule werden jedes Jahr schneller und damit herausfordernder. Bei mir dauert es immer ein paar Tage, bis ich realisiere, dass es Zeit für Erholung ist und ich wirklich abschalten kann. Dabei ist das so wichtig. Wir brauchen mindestens drei Wochen, damit ein wirksamer Erholungseffekt eintritt. Ich habe am Montag in der Schulleitungsrunde gesagt, dass es sich für mich so anfühlt, dass ich in einem Jahr Weibelfeldschule mehr erlebt hätte als in 15 Jahren in Dietzenbach. Das ist natürlich etwas zugespitzt und ich bin jetzt auch in ganz anderer Verantwortung, aber ein wahrer Kern steckt wohl doch in dieser Aussage.
Die Weibelfeldschule ist eine große Schule, die größte des Kreises und vermutlich eine der größten in Hessen. Da ist es eigentlich logisch, dass viel passiert. Viel Positives, aber natürlich auch Negatives. In der Summe überwiegt für mich aber das Positive, wir haben viel bewegt und entscheidende Weichen gestellt. Die Abstimmung über die Selbstständige Schule in der Ferienkonferenz ist der nächste bedeutende Meilenstein.
Ich bin zwar erschöpft, freue mich aber gleichzeitig auf das neue Schuljahr. Im nächsten Schuljahr können wir anfangen Ideen in Prototypen umzusetzen, im nächsten Schuljahr erreicht der extern begleitete Schulentwicklungsprozess einen ersten Höhepunkt, indem wir ein Mandat für die Schulentwicklung abstimmen und die „DNA-Gruppe“ bilden, die ein Zentrum für die großen Linien in der Schulentwicklung bilden soll, im nächsten Schuljahr beginnen wir mit der Implementierung des Präventionskonzeptes und entwickeln das Medienkonzept weiter und wir werden bewegen(d). Das sind alles Dinge, die ich wahnsinnig spannend und wichtig finde und die uns resilient machen für die kommenden Herausforderungen. Ich freue mich aber auch auf das Kollegium, die Schulleitung und natürlich die Schülerinnen und Schüler, die neuen 5er, die neue E-Phase. Unsere Schule ist auf vielen Ebenen lebendig und beweglich, das finde ich richtig gut.

Erholen Sie sich gut, das nächste Schuljahr wird toll!

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Die Taskcard mit einer Projektdokumentation mit allen Werken zur fantastischen Awareness Ausstellung „Art’n‘Vielfalt“ der Weibelfeldschule am 01. Juli in der Stadtbücherei gibt es hier: https://wfs.taskcards.app/#/board/6c7f996b-5c99-44af-b257-02725b5068e7/view?token=57f358ea-aa15-4e6e-8b53-2ac97b56baf7.

Interessantes
Vor gut zwei Wochen ist der nationale Bildungsbericht mit ernüchternden Erkenntnissen erschienen: https://www.bildungsbericht.de/de.
Dazu ein Kommentar aus der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/schulen-in-singapur-in-asien-ist-bildung-etwas-heiliges-19802246.html.
Eine großartige Übersicht zu wichtigen Metastudien zu Unterricht in einem Genially von Sebastian Eisele: https://view.genially.com/66740ce8c86fc30014676718/interactive-content-clearing-house-unterricht-metaanalysen.
Vorstellung des spanischen Schulsystems: https://www.lehrer-news.de/blog-posts/wenn-dreijaehrige-schreiben-lernen—was-ist-anders-in-spaniens-schulen.
Informationen von Jörg Droste zum zukunftsfähigen Abitur: https://schule21.blog/2024/06/19/zukunftsfaehiges-abitur/.
Der Blog von teachino bietet interessante Themen: https://www.teachino.io/blog.
Mal wieder etwas zu Mythen in der Bildung vom Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/von-lerntypen-lernpyramiden-und-anderen-paedagogischen-mythen/.
Über 90 Organisationen fordern eine Bildungsreform: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2024/mai/ein-neustart-fuer-deutschlands-bildung-buendnis-aus-94-organisationen-legt-konzept-fuer-einen-bildungsdialog-fuer-deutschland-vor.
Kritik am Bildungssystem in der Zeit: https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2024-06/bildung-beruf-nationaler-bildungsbericht-arbeitsmarkt.
Joscha Falck bloggt zu seinen Erfahrungen mit dem Freiday: https://joschafalck.de/erfahrungen-freiday/.

Smartphone und Social Media
Tolle Taskcardsammlung zu Cybermopping:  https://www.taskcards.de/#/board/c97d3d40-511d-4e5e-be4c-a19b1e09955a/view.
Aufklärung zu Cybergrooming bei Klicksafe: https://www.klicksafe.de/news/livestream-aus-dem-kinderzimmer-klicksafe-begleitet-strg-f-reportage-ueber-cybergrooming-auf-likee.
The Decoder zu Deepfake-Nudes: https://the-decoder.de/deepfake-nudes-eltern-ahnungslos-lehrer-misstrauisch-schueler-gespalten/?amp=1.
Die Washington Post über eine Schule, die Smartphones verbannt hat: https://www.washingtonpost.com/nation/2024/05/01/school-cellphones-confiscate/.
Die BBC zu den Bemühungen zur gesetzlichen Einschränkung von Social Media für Jugendliche durch den Staat New York.: https://www.bbc.com/future/article/20240626-can-a-law-make-social-media-less-addictive.
Bericht des SWR über eine Schule mit Handyverbot: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/handyverbot-an-schule-in-blaustein-100.html.

KI
Ein positiver Blick aus dem Standard:  https://www.derstandard.at/story/3000000224535/ki-macht-uns-zu-besseren-lehrerinnen-und-lehrern.
Ergebnisse einer größeren Studie zum Prompten, vorgestellt von The Decoder: https://the-decoder.de/der-prompt-report-ist-ein-umfassender-prompting-ueberblick-mit-kuriosen-erkenntnissen/?amp=1.
Und ein kritischer Blick auf KI bei The Decoder: https://the-decoder.de/zahlreiche-ki-experten-fuehrender-unternehmen-warnen-vor-den-risiken-fortgeschrittener-ki/?amp=1.
Ein Überblick zu Studien zum Thema KI und Schule von Joscha Falck auf einer Taskcard: https://www.taskcards.de/#/board/7d96a7c1-2c0d-4438-bbbf-3cfd942d1adb/view.
Tom Mittelbach hat bei der BpB einen lesenswerten Artikel zur Rolle von KI in der Schuile geschrieben: https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/256629/ideen-zur-rolle-von-kuenstlicher-intelligenz-im-klassenzimmer-der-zukunft/.
Bill Gates in seinem Blog zur KI-Revolution durch Sal Khan: https://www.gatesnotes.com/Brave-New-Words?utm_source=fb.
Niels Winkelmann zum Thema Facharbeit und KI: https://digilog.blog/2024/01/13/facharbeit-als-prozess-mit-ki-2024/.
Broschüre der Telekom-Stiftung zur Nutzung von KI in der Schule: https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/files/Leitfaden-kompakt-KI-Schule.pdf.
Ein kritischer Blick auf KI und ein Plädoyer für mehr Medienbildung: https://www.heise.de/blog/Kuenstliche-Intelligenz-ist-unser-Untergang-9744682.html.

Hörempfehlung
Bob Blume interviewt in seinem Podcast den Bildungsjournalsiten Christian Füller: https://www.ardaudiothek.de/episode/die-schule-brennt-der-bildungspodcast-mit-bob-blume/christian-fueller-chancengleichheit-und-exzellenz-welche-schulform-braucht-es-dafuer/swr/13468493/.  

Tipps für den Unterricht
Die Seite Living-Democracy der PH Zürich bietet zahlreiche Informationen, Tipps und Spiele zum Thema Demokratie: https://www.living-democracy.com/de/ und das auch noch in zahlreichen Sprachen. Besonderer Tipp: Das Bleistiftspiel, einfach und lehrreich: https://www.living-democracy.com/de/textbooks/teaching-democracy/chapter-8-dealing-with-conflict/8-9-das-bleistiftspiel/.
Tolles Projekt (nicht nur) für den Geschichtsunterricht mit über 350 Stunden Zeitzeugeninterviews zu 100 Jahren Geschichte: https://www.ardaudiothek.de/sendung/100-jahre-erlebte-geschichte-unter-dem-gras-darueber/13487353/.
Hilfreiche Grafik mit zahlreichen weiterführenden QR-Codes zum Einsatz von iPads im Unterricht von Hanno Kenst: https://www.dropbox.com/scl/fi/ly97jlow9wxyl1k2vlzen/ipAd-Grundlagen.pptx?rlkey=hbczmgfhl1hfrjqyuvfbectip&e=3&st=zeh41zpx&dl=0.
Tolles Tool zum Spracherwerb zur Erstellung von zweisprachigen Bildern zu Alltagsthemen: https://babadada.com/topic/school/eng/ger.
Padlet mit Tipps zur Arbeit mit dem Greenscreen: https://imediasiwbph.padlet.org/imedias_iwb_ph/greenscreen-videos-mit-greenscreen-erstellen-tdb5xossc64amsoj.

Sehempfehlung
Herr K rappt für seine Abschlussklasse „auf lock“ (passt auch nach „Spaß im Netz“): https://www.tiktok.com/@herrn.k/video/7383346398592322849?_r=1&_t=8nUyMbQ2Px3.
Forderung nach einem radikalen Paradigmenwechsel in der Bildungsarbeit von Christoph Schmidt: https://www.youtube.com/watch?v=aE56lUdRvaw.

Spaß im Netz
Die Nothing University:  https://www.youtube.com/watch?v=0lhmKOR8Www.
https://asiersanz.com/2020/11/17/inteligencia-artificial/
Satire ist oft bitter, darf aber alles: https://www.ardmediathek.de/video/extra-3/klassismus-das-spiel-zur-sozialen-ungleichheit/das-erste/Y3JpZDovL25kci5kZS8yMGZmYTI0Yi02NWQxLTQwODAtYWQ3ZS1iNTkzYmRkZjYxZGQ.



Newsletter 17, 14.06.2024

Liebe Schulgemeinschaft,

in unserer Schule tut sich was.

Bevor allerdings die in der letzten Gesamtkonferenz versprochene Zusammenfassung der Rahmenbedingungen zur Selbstständigen Schule kommt, möchte ich noch etwas anderes los werden. Ich weiß, dass diese letzten Wochen vor den Ferien immer eine große Herausforderung darstellen. Es finden Abschlussprüfungen und das Abitur statt, Noten müssen gemacht werden und Konferenzen abgehalten werden und vieles mehr. Zusätzlich wird unser Job ohnehin immer herausfordernder.
Deswegen bin ich umso mehr beeindruckt und freue mich, dass viele von Ihnen trotzdem die Energie für Schulentwicklungsprozesse aufbringen, sei es durch die Mitarbeit in entsprechenden Gremien oder in den Open Spaces der Gesamtkonferenz. Hier entstehen beeindruckende Ideen, die unsere Schule zukunftsfähig machen können, dafür möchte ich mich an dieser Stelle gerne einmal ausdrücklich bedanken! Ich freue mich auf die kommenden Jahre an der Weibelfeldschule!

Jetzt aber zur Selbstständigen Schule:
Wir wollen versuchen zum 01.01.2025 Selbstständige allgemeinbildende Schule (SES) nach §127d HSchG zu werden.
Formal heißt das, dass wir auf einer Gesamtkonferenz am letzten Ferientag über einen Entwicklungsschwerpunkt abstimmen müssen, danach müssen SV und SEB diesem zustimmen und auf einer Schulkonferenz direkt nach den Sommerferien muss dann endgültig darüber abgestimmt werden, ob wir den Antrag stellen. Der Antrag geht dann zum 1. September ans Staatliche Schulamt.
Die Schulentwicklungsgruppe hatte die Idee zur Umwandlung in eine SES bereits im letzten Jahr aufgegriffen, in ihren Treffen diskutiert und sich dafür ausgesprochen den Plan zur Umwandlung zu verfolgen. Auf den letzten Gesamtkonferenzen wurde darüber informiert und es wurden Informations- und Gesprächsangebote gemacht. Die Mitglieder der Schulentwicklungsgruppe und ich standen und stehen auch weiter gerne für Fragen und Anregungen zur Verfügung.
Ich möchte diesen Newsletter nutzen, um noch einmal zusammenfassend zusammenzustellen, was wir neben dem oben beschriebenen Gremienverfahren für die Umwandlung in eine SES leisten müssen und was wir davon haben. Was wir leisten müssen: Der Grundgedanke der SES ist es ein modernes Schulentwicklungskonzept zu etablieren. Dieses beinhaltet ein zu etablierendes Qualitäts- und Projektmanagement, welches auf dem Hessischen Referenzrahmen Schulqualität basiert. Beides

halte ich für eine moderne Schule ohnehin für wichtig und bietet bereits jetzt Rahmenbedingungen für unsere Arbeit. Qualitätsmanagement (QM) meint, dass Schulentwicklungsprojekte und die Arbeit der Schule regelmäßig evaluiert, angepasst und möglichst verbessert wird. Dabei unterstützt dann auch die externe Evaluation durch die Lehrkräfteakademie, die alle zwei Jahre stattfindet. Ziel ist es zeitgemäße Bildung von hoher Qualität zu erreichen.
Projektmanagement (PM) bedeutet, dass eine Entwicklungs- oder Steuergruppe, vermutlich in Kooperation mit der aus dem laufenden Schulentwicklungsprozess entstehenden DNA-Gruppe, Schulentwicklungsprojekte organisatorisch begleitet. Das heißt, dass für Projekte Zeitpläne erstellt werden, die benötigten Ressourcen definiert werden und Verantwortlichkeiten festgelegt werden.
Sowohl PM und QM sorgen für Transparenz, da die Prozesse visualisiert und der Schulgemeinschaft zugänglich gemacht werden müssen. Sowohl PM als auch QM werden von allen Teilen der Schulgemeinschaft begleitet und Entscheidungen werden partizipativ getroffen.
Die Planung und Verausgabung der Budgets wird ebenfalls demokratisch beschlossen und kontrolliert.

Was wir davon haben: Im Wesentlichen sind es zwei Bereiche, in denen wir als SES profitieren, zum einen durch mehr Flexibilität im finanziellen Bereich und zum anderen durch mehr Flexibilität im pädagogischen Bereich.
Finanziell kann eine SES nicht besetzte Lehrerstunden zu quartalsmäßigen Stichtagen kapitalisieren, das heißt, dass wir Geld bekommen, wenn wir nicht alle Stellen besetzt haben, was eigentlich der Normalfall ist und sich eher noch verschärfen wird. Dieses Geld können wir dann im Rahmen des bisherigen Schulbudgets für Landesmittel (Lehrmittel, IT-Support, Vertretungsmittel und Fortbildung) und für „freie Personalmittel“ aufwenden (= „Großes Schulbudget“). Damit können wir dann zum Beispiel Dienstleistungsverträge für Projekte mit externen Partnern abschließen oder befristete Einstellungen vornehmen. Nicht möglich ist die Beschaffung von Dingen, für die der Schulträger zuständig ist, wie zum Beispiel digitale Endgeräte oder Möbel.
Der zentrale Vorteil einer SES ist aber, meiner Meinung nach, der pädagogische Spielraum. Eine SES kann, bei sinnvoller pädagogischer Begründung und nach Genehmigung durch die übergeordneten Behörden, von Vorschriften bis auf Verordnungsebene abweichen. Abweichungen von bestehenden Rechtsvorschriften bei der Unterrichtsorganisation und -gestaltung sind insbesondere bei der Bildung von Lerngruppen, bei Formen der äußeren Differenzierung, der Ausgestaltung der Leistungsnachweise sowie bei den Lehrplänen und Stundentafeln zulässig, sofern die Standards der Bildungsgänge eingehalten werden. Möglich sind aber auch Abweichungen bei der Leistungsfeststellung oder den Versetzungsbestimmungen uvm.

Wenn unser Antrag auf SES genehmigt werden sollte, bekommen wir außerdem durch die Lehrkräfteakademie noch einmal zusätzliche Fortbildungen zu den relevanten Bereichen, unter anderem zu PM und QM.

Wichtig ist zu betonen, dass die Festlegung eines Entwicklungsschwerpunktes weder eine Festlegung auf diesen für alle Ewigkeit bedeutet noch, dass es keine anderen Entwicklungsschwerpunkte geben darf. Wir müssen uns lediglich auf einen für den Antrag verständigen. Zusammenfassend bedeutet das, dass durch die SES Prozesse transparenter und partizipativer werden. Neben dem für den Antrag abgestimmten Entwicklungsschwerpunkt sind damit keinerlei konkrete Veränderungen in der Schulstruktur oder Schulentwicklung verbunden. Die SES ist vielmehr ein Werkzeug zur professionellen Weiterentwicklung von Schule im von uns gewählten Tempo und mit von uns gesetzten Schwerpunkten mit mehr pädagogischem und mehr finanziellem Spielraum im Vergleich zu nicht-selbstständigen Schulen. Das heißt aber auch, dass

die Umwandlung in eine SES zunächst von selbst keine „Wunder“ bewirkt, das bleibt dann unserer Kreativität und unserem Wollen überlassen.

Rahmenbedingungen / zum Weiterlesen:
§127d HSchG: https://www.rv.hessenrecht.hessen.de/perma?j=SchulG_HE_!_127d.
Erlass zur Umwandlung in eine SES: https://kultus.hessen.de/sites/kultusministerium.hessen.de/files/2021-10/erlass_ses_2021_endversion.pdf.
Weitere Informationen auf der Website des HMKB: https://kultus.hessen.de/schulsystem/selbststaendige-schulen/selbststaendige-allgemeinbildende-schulen-ses.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

  • Tipps für den Unterricht
    Probieren Sie unser KI-Tools aus 😉
    (Prompt mit DALL-E: Lehrkräfte, die begeistert mit KI-Tools arbeiten. Die Bilder zeigen eine moderne Klassenzimmerumgebung, in der die Lehrer und Schüler aktiv und engagiert sind. Die Lehrer nutzen verschiedene KI-Tools und Technologien, um den Unterricht zu verbessern und die individuellen Lernbedürfnisse der Schüler zu unterstützen.)

Newsletter 16, 29.05.2024

Liebe Schulgemeinschaft,

eigentlich hatte ich geplant über ein anderes Thema zu schreiben, das musste ich allerdings vertagen Daher hat aus zeitökonomischen Gründen heute die KI die Aufgabe übernommen, einen Textbeitrag zu leisten. Ich habe ChatGPT 4o mit folgendem Prompt gefüttert: „Schreibe einen Artikel als Fließtext zu Chancen und Gefahren von KI-Tutorsystemen in der Schule mit Beispielen für sinnvolle Anwendungen und mit Links ins Internet“. Das ist das Ergebnis:

Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Bildungsbereich bietet aufregende Möglichkeiten, den Lernprozess zu revolutionieren. KI-Tutorsysteme, die maßgeschneiderte Unterstützung und individuelle Lernpfade bieten, gewinnen an Bedeutung und versprechen, das Lernen effizienter und zugänglicher zu machen. Doch neben den vielen Chancen, die diese Technologie mit sich bringt, gibt es auch Risiken, die sorgfältig abgewogen werden müssen.

Eine der größten Chancen von KI-Tutorsystemen liegt in der Personalisierung des Lernens. KI-Tutoren analysieren die Stärken und Schwächen der Schüler und passen den Lehrplan entsprechend an. Beispielsweise kann ein Schüler, der Schwierigkeiten mit Algebra hat, zusätzliche Übungen und Erklärungen erhalten, während ein fortgeschrittener Schüler schneller zu komplexeren Themen übergeht. Durch Echtzeitanalysen können Schüler sofortiges Feedback zu ihren Aufgaben erhalten, was das Lernen effizienter und effektiver gestaltet.

Ein weiterer Vorteil ist der Zugang zu einer Vielzahl von Ressourcen. KI-Systeme können auf eine immense Menge an Lehrmaterialien zugreifen und diese den Schülern bereitstellen. Dies umfasst interaktive Videos, Übungen und Quizze, die das Lernen abwechslungsreich und spannend machen. Schüler können KI-Tutoren auch nutzen, um Hilfe bei ihren Hausaufgaben zu erhalten, was besonders für Schüler mit begrenztem Zugang zu zusätzlichen Bildungsressourcen wertvoll ist.

Darüber hinaus können KI-Tutorsysteme Lehrer entlasten, indem sie administrative Aufgaben übernehmen, wie die automatische Bewertung von Tests und die Erstellung individueller Lernpläne. Dies gibt Lehrern mehr Zeit, sich auf den Unterricht und die individuelle Betreuung der Schüler zu konzentrieren. Außerdem können KI-Systeme frühzeitig Lernschwierigkeiten oder -störungen erkennen und entsprechende Maßnahmen vorschlagen.

Trotz dieser Vorteile gibt es auch Gefahren, die mit der Nutzung von KI-Tutorsystemen verbunden sind. Eine der größten Herausforderungen ist der Datenschutz und die Privatsphäre. Die Nutzung von KI-Tutoren erfordert die Erhebung und Verarbeitung großer Mengen an Daten über die Schüler. Dies stellt ein erhebliches Risiko für den Datenschutz dar, wenn die Daten nicht sicher verwaltet und geschützt werden. Zudem besteht die Gefahr, dass gesammelte Daten missbraucht oder ohne Zustimmung der Betroffenen weitergegeben werden. Ein weiteres Risiko ist die mögliche Reduzierung der sozialen Interaktion. Der verstärkte Einsatz von KI-Tutoren könnte zu einer Verringerung der sozialen Interaktionen zwischen Schülern und

Lehrern führen, die für die Entwicklung sozialer Kompetenzen und emotionaler Intelligenz unerlässlich sind. Außerdem könnten Schüler eine zu starke Abhängigkeit von Technologie entwickeln und Schwierigkeiten haben, selbstständig zu lernen und Probleme zu lösen.

Zudem besteht die Gefahr, dass nicht alle Schüler gleichermaßen Zugang zu den notwendigen Technologien und Internetverbindungen haben, was zu einer Verschärfung der Bildungsungleichheit führen kann.

Trotz dieser Gefahren gibt es zahlreiche sinnvolle Anwendungen von KI-Tutorsystemen. Adaptive Lernplattformen wie Khan Academy nutzen KI, um den Fortschritt der Schüler zu verfolgen und personalisierte Übungen anzubieten, die auf den individuellen Lernbedarf zugeschnitten sind. Sprachlernprogramme wie Duolingo verwenden KI, um personalisierte Sprachlernpläne zu erstellen, die auf dem Fortschritt und den Lerngewohnheiten der Nutzer basieren. Mathematik-Übungsprogramme wie DreamBox bieten adaptives Mathematiktraining, das auf die Fähigkeiten und den Fortschritt der Schüler abgestimmt ist und helfen dabei, Verständnislücken zu schließen.

Insgesamt bieten KI-Tutorsysteme erhebliche Vorteile für das moderne Lernen, indem sie personalisierte Unterstützung und Zugang zu einer Vielzahl von Ressourcen bieten. Allerdings müssen Datenschutzbedenken und die potenziellen negativen Auswirkungen auf die soziale Interaktion und Gleichheit sorgfältig berücksichtigt werden. Eine ausgewogene und verantwortungsvolle Integration von KI in den Bildungsbereich kann dazu beitragen, die Bildungserfahrungen zu verbessern und gleichzeitig die Risiken zu minimieren.

Für weitere Informationen und vertiefende Artikel zu diesem Thema besuchen Sie bitte EdTech Magazine, die International Society for Technology in Education (ISTE) oder Educational Technology and Mobile Learning.

Ihr

Erik Grundmann (in Kooperation mit Chat-GPT 4o)

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen (von Hand gesammelt, zusammengestellt und geschrieben):

Interessantes
Lesenswerte Kolumne von Florian Nuxoll zu Reformen in der Schule bei „Campus Schulmanagement“ und der bevorstehenden größten Veränderung durch KI: https://www.campus-schulmanagement.de/magazin/kolumne/zu-viele-reformen-und-veraenderungen-in-den-schulen-die-groesste-veraenderung-kommt-erst-noch.
kits ist ein Projekt des niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung und versteht sich als Netzwerkplattform für gute Ideen zu Medien- und Sprachbildung, hier werden Ideen und Tools vor- und bereitgestellt: https://kits.blog/.
Eine Broschüre für Lehrende mit Tipps zum Umgang mit AD(H)S in der Schule gibt es hier file:///C:/Users/Admin/Downloads/Ein%20Kind%20mit%20ADHS%20-%20Tipps%20f%C3%BCr%20P%C3%A4dagogen_PI_112022_Ansicht.pdf. Die Broschüre wurde von der Pharmaindustrie gesponsert, gibt aber brauchbare Tipps außerhalb von Medikation.
Es ist noch schwer umstritten, ob AR, MR und VR (zusammen XR) die nächsten heißen Innovationen in der Bildung sind. Einen guten Einblick in Potenziale, neben zahlreichen grundsätzlichen Anmerkungen zur Bildung der Zukunft, gibt Stephanie Wössner hier https://mixed.de/next-level-learning-die-potenziale-von-xr-als-wegbereiter-fuer-eine-zukunft-des-lernens/.
Wer es gerne etwas wissenschaftlicher hat, dem sei die Beschäftigung mit multimodalem Enrichment empfohlen: https://tu-dresden.de/mn/psychologie/ifap/kknw/die-professur/news/mit-allen-sinnen-lernen-multimodales-enrichment-als-optimale-lernstrategie-der-zukunft.
Der immer wieder erfrischend provokante Philippe Wampfler hat sich wieder einmal Gedanken zur Notengebung gemacht: https://beurteilung.ghost.io/beurteilungen-nachvollziehbar-machen-oder-widerstand-verunmoglichen/.

Open Access-Buch von BELTZ zu dem großen Komplex Digitalisierung in der Schule: https://www.beltz.de/fachmedien/paedagogik/produkte/details/52157-digitalisierung-in-der-schule.html.

Smartphone- und Social Media
Die Debatte um die Nutzung von Handys an Schulen beschäftigt ja nicht nur unsere Schule, sondern die Edu-Community weltweit. Da in allen letzten Newslettern Beiträge dazu verlinkt wurden, gibt es ab diesem eine eigene Kategorie.
Eine Studie der OECD plädiert für einen sinnvollen Einsatz von Handys im Unterricht: https://www.lehrer-news.de/blog-posts/oecd-studie-plaedoyer-fur-den-bedachten-einsatz-von-handys-im-unterricht.
Eine traurige TikTok-Geschichte will ich im Zuge der Aufklärung über Medien nicht vorenthalten: https://www.hessenschau.de/panorama/13-jaehrige-aus-landkreis-kassel-stirbt-bei-blackout-challenge-auf-tiktok-v1,tod-nach-tiktok-blackout-challenge-100.html?s=09. Im aktuellem Newsletter „Schule aktuell“ des Kultusministeriums wird nun auch offizielle vor der Challenge gewarnt: https://kultus.hessen.de/warnhinweis-gefaehrlicher-internet-trend-wuergespiele.

KI
Michael Steiner von der PH Wien hat eine Padlet-Sammlung für KI im Fachunterricht erstellt: https://padlet.com/eis/k-nstliche-intelligenz-im-fach-unterricht-nljhe9esamxq3zrv.  
Joscha Falck zur Arbeit mit KI-Bildern im Unterricht: https://joschafalck.de/ki-bilder/.
Tolles Plakat mit fünf Prompting-Tipps von Manuel Flick: https://static1.squarespace.com/static/610d33500ff0387e0fd6a99b/t/664ab03b5789162d72d5217e/1716170811359/5+Prompting-Tipps+%28Manuel+Flick%29.pdf.
Studie der Vodafone Stiftung zum Einsatz Intelligenter Tutorieller Systeme (ITS) an Schulen: https://www.vodafone-stiftung.de/its-studie/.
Drei kostenlose Webinare von teachino zu KI-Tool zur Erleichterung des Lebens von Lehrkräften: https://www.teachino.io/webinar-ki-tools.

Alicia Bankhofer hat eine umfassende Canva-Präsentation zu KI in der S-I zusammengestellt: https://www.canva.com/design/DAGFOU-HisA/unqXc2HuPOw4LX_TVgdHBQ/edit.
Wer immer noch glaubt, dass es KI-Detektoren zur Plagiatserkennung geben wird, der sollte sich das anschauen: https://aihumanizer.ai/.

Und so langsam erhält KI immer mehr Einzug in den sichtbaren Alltag: https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/stadt-in-kanagawa-nutzt-ki-basierten-avatar-um-den-buergermeister-zu-vertreten-342275/.

Hörempfehlung
Nele Hirsch betreibt eine wunderbare Podcastreihe, in der sie pädagogische Grundbegriffe in dreiminütigen Folgen erklärt: https://ebildungslabor.de/podcast/.
Der Bildungsjournalist und „Pisaversteher“ Christian Füller hat für diese Podcastfolge, meiner Meinung nach zurecht, einen „Hörbefehl“ ausgesprochen. Viola Patricia Herrmann und Gert Mengel sprechen mit dem großartigen Prof. Dr. Olaf-Axel Burow über Schulentwicklung, KI und die Schule der Zukunft: https://www.podcast.de/episode/632240459/folge-2-einfach-selbstaendig-lernen-mit-prof-dr-olaf-axel-burow.

Tipps für den Unterricht
Bei kits (s.o. „Interessantes“) gibt es frei zugängliche und DSGVO-Konforme Tools für den Einsatz im Unterricht (Mindmaps, Etherpads, QRStorage und mehr): https://kits.blog/tools/
Auf https://mathekrake.de/ werden täglich neue KI-generierte Übungsaufgaben mit Lösungen für den Mathematikunterricht für die Sek-I erstellt.
Interessant für den Geschichtsunterricht ist das https://shoah-lerntool.de/. Nach der kostenlosen Beantragung eines Passwortes kann man zahlreiche Fragen an Zeitzeugen der Shoah abrufen und im Unterricht verwenden.
Ein Brettspiel zum Vokabellernen in Englisch und Französisch gibt es hier: https://www.taptapklick.de/material/2024/05/20/zahlenschatz-vokabelspiel.
Frank Ehspanner hat eine große und bemerkenswerte kommentierte Sammlung mit konkreten Einsatzmöglichkeiten von digitalen Medien in der Schule zusammengestellt: https://praktisch-digital.de/.
Wer für die Unterrichtsgestaltung Social Media simulieren will, wird bei diesem Wakelet von Steffen Siegert fündig: https://wakelet.com/wake/jtQQ3Hz4_sADxKr-mhYip.
Das Spiel „Augen auf“ (Registrierung erforderlich) der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit ist für den Einsatz im Unterricht und zur Aufklärung über Strategien von rechtsextremistischen Gruppierungen in den sozialen Medien in den Klassen 8 bis 10 gemacht: https://www.game-augen-auf.de/.

Sehempfehlung
Ich empfehle immer gerne TED-Talks von Sugata Mitra (auf Englisch), zum Beispiel diesen, in dem er einen Vorschlag für die Verwendung eines TED-Preisgeldes macht und seine Arbeit zusammenfasst, u.a. wie 12jährige Kinder, die kein Englisch sprechen in wenigen Monaten Aspekte der DNA-Replikation auf Englisch lernen oder was die „Methode der Großmutter“ oder eine SOLE ist (faszinierend): https://www.ted.com/talks/sugata_mitra_build_a_school_in_the_cloud?language=de. Er gewinnt den Preis am Ende. Überhaupt finde ich, dass Sugata Mitra in Deutschland zu wenig rezipiert wird: https://www.schulmun.de/2023/10/25/mehr-sugata-mitra/.

Leseempfehlung
Eine gute und kompakte Einführung für die Nutzung von KI im Unterricht bietet Joscha Falck: Effektiv unterrichten mit Künstlicher Intelligenz; Wie Lehrkräfte und Lernende ChatGPT und andere KI-Tools in der Schule erfolgreich einsetzen können, Hamburg 2024.       

Spaß im Netz
Wers mag: https://www.youtube.com/watch?v=3qD5ExClRmg.

Newsletter 14, 03.05.2024

Liebe Schulgemeinschaft,

in unserer Schule tut sich was.
ich halte es für wichtig an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt eine Zwischenbilanz zur Entwicklung unserer Schule zu ziehen.
Aus meiner Perspektive gibt es im Moment drei zentrale Felder, die zusammengehören und Entwicklungsschwerpunkte bilden: Die extern begleitete Schulentwicklungsgruppe und die daraus entstehende DNA-Gruppe, der Bereich des Medienkonzeptes und das Präventionskonzept.
Unsere Schule ist ein großes (und wachsendes) System. Wir haben einige Schwerpunkte und sehr viele Angebote und Tätigkeitsfelder. Das ist grundsätzlich gut, führt aber auch zu Unübersichtlichkeit und erschwert die Steuerung.

Deshalb ist es sinnvoll sich von außen Expertise zu holen und in Kooperation mit Experten eine Struktur zu entwickeln, die das System steuerbar und vor allem entwicklungsfähig macht. Mit Miklas Flamm und Sacha Teufel von enenpro (https://enenpro.de/visionen-bildungseinrichtung-zukunft-entwicklung-transformation/) haben wir kompetente Unterstützung dafür gefunden. Nach Vorgesprächen und einem offenen Treffen im März mit vielen begeisterten und begeisternden Kolleginnen und Kollegen aus unserer Schulgemeinschaft, findet jetzt im Mai das erste Treffen der Initialgruppe statt. Aufgabe der Initialgruppe ist es in einem begleiteten Entwicklungsprozess eine DNA-Gruppe zu bilden, die die „DNA“ der Schule abbildet, d.h. in dieser Gruppe sollen dann Vertreterinnen und Vertreter sitzen, die die verschiedenen Interessengruppen innerhalb der Lehrkräfte und in der gesamten Schulgemeinschaft spiegeln und so Schulentwicklungsvorhaben diskutieren und vorentlasten können, indem in der DNA-Gruppe deutlich wird, ob bei Veränderungen Diskussionsbedarf besteht oder ob mit Konsens zu rechnen ist. Neben dieser eher strukturellen Arbeit geht es bei diesem Prozess auch um die Etablierung von Kommunikationsstrukturen innerhalb des Kollegiums und mit der Schulleitung, die einen wertschätzenden, partizipativen und kollaborativen Transformationsprozess ermöglichen sollen.

Mit dem in der letzten Gesamtkonferenz abgestimmten Medienkonzept haben wir eine tragfähige Basis geschaffen. Am Medienkonzept wird aber auch besonders deutlich, dass zukunftsfähige Konzepte agiler sein müssen. Die Diskussion um die Handynutzung und die Auswirkungen von KI zeigen, dass wir hier einen permanenten Anpassungsprozess starten müssen, bei dem die ganze Schulgemeinschaft einbezogen werden muss. Außerdem ist das Medienkonzept eng verbunden mit dem Präventionskonzept.

Bei der Erstellung des Präventionskonzepts haben wir uns bewusst für einen breiten und aufwändigen Ansatz entschieden. Ziel ist es auch hier unter Mitwirkung der gesamten Schulgemeinschaft und mit Hilfe von externer Expertise in einem ergebnisoffenen und agilen Prozess ein Konzept zu entwickeln, das von allen Teilen der Schulgemeinschaft getragen werden kann. Eigentlich liegt es auf der Hand, dass alle Bereiche der Prävention (Sucht, Gewalt, Medien, sexualisierte Gewalt usw.) zusammen gedacht werden müssen. Genau wie Digitalität, Literacy oder Demokratielernen ist Prävention eine Querschnittsaufgabe aller an Schule Beteiligten. Eine sinnvolle Umsetzung ist nur möglich, wenn eine pädagogische Grundhaltung dahinter steht, die von allen gelebt und eingefordert wird.

Strukturelle Grundlage für diese Entwicklungen soll die Umwandlung in eine Selbstständige Schule (SES) sein, die wir angestoßen haben. Wenn wir eine Umwandlung zum 01.01.2025 anstreben, müssen wir auf der nächsten Gesamtkonferenz darüber abstimmen. Als SES hätten wir wichtige finanzielle und pädagogische Spielräume, um Schulentwicklung effektiv voranzutreiben.

Die Klammer bei all diesen Entwicklungen besteht aus der Schulentwicklungsgruppe und dem Schulleiter, der ja laut Schulgesetz für Schulentwicklung verantwortlich ist. In diesem Rahmen stoßen wir auch schon einzelne Prozesse im Sinne eines „Prototyping“ an, um Erfahrungen zu sammeln. „Prototyping“ stammt aus dem „Design Thinking“ und ist Teil eines agilen Mindsets. Die Idee dahinter ist, dass man schnellere Erfolge und brauchbare Erfahrungen macht, wenn man auf einen allzu ausgedehnten Konzeptionierungsprozess verzichtet, der viel Mühe macht und doch selten perfekt funktioniert. Stattdessen beginnt man einen Prozess und steuert nach, wenn es zu Schwierigkeiten kommt: „fail fast, fail forward, learn fast“. Ich wünsche mir, dass unsere Schule ein Ort wird, an dem wir innovative Ideen entwickeln und ausprobieren können. Wir brauchen eine positive Fehlerkultur und ein Growth Mindset.
Eine erste Idee aus der letzten Sitzung der Schulentwicklungsgruppe ist es, ein Team zu bilden, das sich in ein oder zwei Klassen eines Jahrgangs zusammentut, um in der Praxis eng zusammenzuarbeiten und Ideen zu entwickeln. Wer daran Interesse hat und/oder mehr wissen will, kann gerne die Kolleginnen und Kollegen der Schulentwicklungsgruppe ansprechen.

Ziel des (nie endenden) Schulentwicklungsprozesses muss es am Ende sein, unsere Schule so zu gestalten, dass sie zukunftsfähig wird, dass sie ein Ort wird, an dem Lernende und Lehrende gerne sind, an dem Bildung gelebt wird, die auf eine Welt vorbereitet, die immer herausfordernder wird, die sich permanent verändert und wahnsinnige Möglichkeiten bietet. Wir Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler müssen uns und das System resilient machen und dafür den Weg für unsere Schule finden. Dafür müssen wir eine gemeinsame und wertschätzende Haltung entwickeln. Und das tun wir nicht, weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist!
Es geht um die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler und den Ort, an dem wir arbeiten, das sollte es uns Wert sein.

Abschließend möchte ich noch etwas zum Umgang mit den KI-Tools von Fobizz und Fiete sagen. Wie bereits im letzten Newsletter beschrieben, fordere ich Sie auf die neuen Tools gemeinsam mit den Lernenden auszuprobieren, Hinweise und Anleitungen für den Unterricht waren dort auch zu finden. Wir lassen diese „Probierphase“ bis zu den Sommerferien laufen. Vorher wird es noch ein digitales Angebot von Fobizz geben, in dem die Funktionen dieser Plattform noch einmal für uns vorgestellt werden; ein Termin folgt. Für die Zugänge zu den Tools hängen die Listen im Lehrerzimmer aus, zuständig dafür ist Herr Döring. Nach den Ferien werden wir dann beginnen uns systematischer auszutauschen und fortzubilden.

In der Summe habe ich das Gefühl, dass wir in vielerlei Hinsicht auf einem guten und richtigen Weg in die Zukunft sind, ich für meinen Teil arbeite sehr gerne an unserer Schule!

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:


2024-13: Mehr Medienbildung jetzt!

Pics: DALL-E, Sound: suno.ai, Video: Clipchamp.

Wir brauchen mehr Medienbildung in den Schulen, in allen Fächern, in allen Jahrgängen und zwar jetzt.

Dieses Thema beschäftigt mich schon länger und ich habe dazu auch schon gebloggt und mich in meinen Newslettern beschäftigt, insbesondere hier:
https://www.schulmun.de/2023/11/18/2023-04-verlieren-wir-unsere-kinder/
https://www.schulmun.de/2024/01/21/2024-03-mehr-ki-in-die-schule-die-2/
https://www.schulmun.de/2024/02/20/2024-06-ki-ist-der-gamechanger-in-der-bildung/
https://www.schulmun.de/2024/03/28/2024-11-kibedenken-als-teil-einer-blogparade/
https://www.schulmun.de/2024/03/21/newsletter-12-22-03-2024/.
Zahlreiche weiterführende Links habe ich hier zusammengetragen: https://www.schulmun.de/2024/01/04/social-media/.

Ich bin eigentlich kein Freund von Alarmismus und möchte auch nicht so klingen, muss aber feststellen, dass wir Pädagogen, wir Erwachsenen, wir Bildungsverantwortlichen im Bereich der Medienbildung unserer Kinder und Jugendlichen größtenteils versagt haben.
Viele von uns haben keine Vorstellung, was im Bereich der (sozialen) Medien unserer nachfolgenden Generationen wirklich passiert, manche wollen es vielleicht auch lieber nicht wissen. Es gibt gute Bücher (mehr dazu hier: https://www.schulmun.de/buchtipps/), es gibt gute Fortbildungen, Vorträge oder Workshops von verschiedenen Trägern oder auch der Polizei. Leider werden diese zu wenig genutzt und erreichen nicht die Familien, in denen es wichtig wäre; Elternabende zu solchen Themen sind leider oft nicht gut besucht.
Was ist denn nun aber das „Schlimme“ was den Kindern und Jugendlichen im Netz passiert? Früher gab es auch Mobbing, Gewalt oder Pornografie. Das Neue ist allerdings die ständige Verfügbarkeit, die leichte (auch ungewollte) Verbreitung, der multimediale Zugang und die ewige Verfügbarkeit von gewollten und ungewollten Fehltritten, das Netz vergisst (fast) nichts. Die Schilderungen sind hier bewusst drastisch, aber nicht dramatisiert. Silke Müller beschreibt in ihrem Buch „Wir verlieren unsere Kinder“ zum Beispiel wie Mädchen aus einer 8. Klasse morgens im Bus per Airdrop ein Video auf ihr Smartphone übermittelt bekommen, auf dem ein Mann mit einem Skalpell kastriert wird. In Klassengruppen werden immer wieder Nazi-Memes verschickt. Die beliebten Plattformen Twitch, Discord oder auch Reddit und viele andere werden für Cybergrooming missbraucht, auf Youtube finden sich unzählige Fakenews, Verschwörungstheorien oder Propaganda. Auf Instagram und im Klassenchat findet massives Cybermobbing statt und mit Künstlicher Intelligenz sind Deep Fakes mittlerweile ein „Kinderspiel“.
Besonders tut sich immer wieder TikTok hervor. Diese Plattform mit kurzen, oft lustigen Videoclips hat es in sich. Nicht nur, dass sich dort überproportional viel extremistische Propaganda tummelt, die durch den Algorithmus immens verstärkt wird, hier finden auch zahlreiche fatale Contests statt, die schon Todesopfer gefordert haben, hier werden Kinder aufgefordert Stühle in der Schule zu zersägen, Schultoiletten anzuzünden oder Deo zu inhalieren. Auf TikTok oder auch auf Twitch gibt es Nischen, in denen Jugendliche Selbstmordgedanken austauschen. In den sozialen Netzwerken werden unerfüllbare Schönheitsideale propagiert, dort teilen zehnjährige Mädchen Beautyvideos, in denen sie Anti-Aging-Cremes empfehlen.


Hinzu kommt, dass hinter den (sozialen) Medien eine Multi-Milliarden-Dollarindustrie steckt, deren Anwälte und Lobbyisten eine strenge Regulierung zu verhindern wissen und deren Entwickler und Vermarkter genau wissen, wie sie die Gehirne der Kinder und Jugendlichen (und natürlich auch der Erwachsenen) erreichen. Alle sozialen Netzwerke leben von der Sichtbarkeit ihrer Akteure, die sich in Likes und Followern ausdrückt. Die Jagd nach Likes spricht Urinstinkte des Gehirns an, die über Dopaminausschüttungen Glücksgefühle verursachen, die drogenähnliche Rauschzustände verursachen. Wie bei Drogen fordert das Gehirn aber eine immer stärkere Dosis oder Frequenz um den Glückszustand aufrechtzuerhalten. Auf die Spitze treibt das zum Beispiel Snapchat, wo die Likes durch Flammen ausgedrückt werden, die wieder verschwinden, wenn nicht schnell genug „nachgelegt“ wird. Ähnliches gilt auch für die zahlreichen bei Kindern und Jugendlichen beliebten Browsergames von Subwaysurfer bis Forge of Empires mit ihren Gadgets und Levels. Auch die Verkaufsplattform Temu arbeitet mit diesen Mechanismen. Der Vollständigkeit halber soll hier auch noch auf die Effekte von Bubbles und Echokammern hingewiesen werden, die durch die Algorithmen Fehlverhalten verstärken und normalisieren.

Interessant ist in diesem Kontext auch ein Interview mit dem Soziologen Jonathan Haidt in der NZZ zum Einfluss von sozialen Medien auf die Generation Z (https://www.nzz.ch/feuilleton/interview-jonathan-haidt-covid-war-nichts-im-vergleich-zu-dem-was-wir-unseren-kindern-mit-sozialen-medien-und-smartphones-antun-ld.1824924). Er sieht hier einen Zusammenhang zwischen der massenhaften Verbreitung von Smartphones unter Kindern und Jugendlichen seit den Jahren um 2010 und einem gleichzeitig beginnenden Leistungsabfall in der Schule. Gleichzeitig nehmen auch die psychischen Erkrankungen unter Kindern und Jugendlichen seit dieser Zeit massiv zu.

Was können Schulen tun?
Schulen und Eltern haben beide einen Erziehungsauftrag. Leider kommen beide im Bereich der Medienbildung- und -erziehung diesem nur unzureichend nach. Die Gründe dafür sind in Schule und Elternhaus ähnlich. Fehlende Kompetenzen, fehlendes Interesse oder Zeitmangel sind wohl die wesentlichen Gründe. Wir können es uns als Gesellschaft aber nicht leisten unsere Kinder zu verlieren, um den oben genannten Buchtitel noch einmal aufzugreifen.
Für mich kommt naturgemäß den Schulen bei der Medienbildung eine zentrale Rolle zu. Theoretisch ist sie diesen ja sogar schon zugewiesen. Medienbildung ist curricular verankert, Teil von sozialen Lernkonzepten, wird von Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern oder anderen externen Experten in die Schule getragen und von den Lehrkräften unterrichtet. Schulen müssen Medienkonzepte erarbeiten usw.
All das trägt aber leider nur sehr beschränkt, weil es nicht als zentrale Aufgabe wahrgenommen wird, sehr fragmentiert und punktuell stattfindet und Zeit und Raum nicht wirklich vorhanden sind.
Wenn wir nicht bald und massiv handeln, wird sich aber der Leistungsabfall in den Bildungseinrichtungen verschärfen, werden psychische Erkrankungen weiter zunehmen und letztlich unsere pluralistische Gesellschaft und unsere Demokratie aufs Spiel gesetzt.
Wir brauchen also schnell eine radikale Veränderung in der Schule. Wir müssen umgehend Zeit, Raum und Expertise schaffen. Wenn uns das nicht gelingt, sind all unsere aktuellen schulischen Ambitionen ziemlich nutzlos, weil wir unsere Gesellschaft und unsere Demokratie nicht mehr aufrecht erhalten können.
Ich spitze hier bewusst etwas zu und will damit wachrütteln, glaube aber ernsthaft, dass wir die Lehrpläne massiv entschlacken müssen, dass Lehrkräfte den Raum und die Zeit bekommen müssen sich verbindlich in diesem Bereich fortzubilden. Dazu Bedarf es der Unterstützung der politisch und behördlich Verantwortlichen. Wahrscheinlich müssen wir bei Fächern Stunden kürzen oder Fächer sogar ganz streichen, um mehr Medienkompetenz in einer Kultur der Digitalität zu vermitteln. Außerdem muss Medienbildung eine ernsthaft getragene Querschnittsaufgabe in allen Fächern sein. Ein kompetenter Umgang mit (sozialen) Medien ist heutzutage eine zentrale Kulturtechnik, gleichbedeutend mit Lesen, Schreiben und Rechnen. Idealerweise ist dieser Prozess in einen größeren schulischen Reformprozess eingebettet, aber das ist ein anderes Thema.


Was können Eltern tun?
Viele Eltern müssen sich zunächst, genau wie viele Lehrkräfte, weiterbilden und mit der Medienwelt der Kinder vertraut machen, um mit diesen auf Augenhöhe in einen Dialog treten zu können. Sinnvoll ist es, gemeinsam mit den Kindern Erfahrungen im Netz und im Umgang mit Medien zu sammeln. Zur Weiterbildung gibt es Bücher, zahlreiche Angebote im Internet, Veranstaltungen in der Schule und nicht zuletzt die eigenen Kinder, die ihre Eltern meist stolz und gerne aufklären. Außerdem ist es die Aufgabe und Pflicht der Eltern sich um Privatsphäre-Einstellungen, Datenschutz, Online-Verhaltensregeln und den rechtlichen Rahmen zu kümmern, viele Apps sind zum Beispiel erst ab 14 oder gar 16 Jahren erlaubt. Ganz wichtig ist es, dass Eltern gemeinsam mit den Kindern verbindliche Nutzungsregeln erarbeiten und diese auch durchsetzen (hilfreich hierbei: https://www.mediennutzungsvertrag.de/).

Wir haben viel zu lange darauf gehofft, dass schon irgendwie alles gut werden werden wird und dass Schule das schon irgendwie hinbekommt. Ich fürchte, auch aufgrund meiner Erfahrungen in Schulleitungsfunktion in den letzten Jahren und meiner intensiven Beschäftigung mit dem Thema, dass wir es mit einem „Weiter so“ nicht hinbekommen. Wir müssen aufwachen und aktiv werden. Es hilft dabei nicht, die (sozialen) Medien zu verteufeln oder verbieten zu wollen. Diese gehen nicht mehr weg und haben zweifelsohne auch eine enorm positive Seite, die hier nicht thematisiert wird. Wir müssen unsere Verantwortung gegenüber unseren Kindern wahrnehmen und sie bei der Mediennutzung wohlwollend und wertschätzend begleiten und sie stark machen, um den Versuchungen im Netz zu widerstehen. Wir brauchen sicher auch mehr Regulierung und deren Durchsetzung durch den Staat. Der erste Schritt ist aber, dass wir das hier ausführlich beschriebene Problem überhaupt als solches wahrnehmen und ihm den Kampf ansagen. Weniger für uns Erwachsene, mehr für die Zukunft unserer Kinder. Diese sollte es uns wert sein!

Ein paar weiterführende Links zum Thema:

Eine gute erste Anlaufstelle ist immer: https://www.klicksafe.de/. Hier gibt es Informationen und Tipps zum Umgang zu nahezu allen relevanten Themen.

Zur Gefährdung von Kindern durch digitale Medien gibt die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz einen Gefährdungsatlas heraus, der 43 Medienphänomene genauer unter die Lupe nimmt: https://www.bzkj.de/bzkj/zukunftswerkstatt/gefaehrdungsatlas.

Hier gibt es einen prämierten Kurzfilm, der sich kritisch mit dem Suchtfaktor Handy und „Likes“ auseinandersetzt: https://www.youtube.com/watch?v=ioaY1z2trx4. Sehens- und zeigenswert!

Rechtsextreme Ideologien, versteckt hinter Hashtags: Extremisten umgarnen mit TikTok-Videos gezielt Kinder und Jugendliche. Experten warnen vor schleichender Radikalisierung. Beitrag von ZDF heute: https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/tiktok-radikalisierung-kinder-jugendliche-rechtsextremismus-100.html#xtor=CS5-281.

In dieser Taskcard des Kreismedienzentrums Zollernalbkreis gibt es Hinweise zu TikTok allgemein und dem Umgang damit im Unterricht sowie zu den Challenges und deren Gefahren: https://kmz-zak.taskcards.app/#/board/4121c28c-dc17-47d7-a1c0-52da55f6557b/view?token=ded6d524-05a1-4c25-ba64-f0e89e2040c5.

Finanzpodcasts sprechen gezielt Jugendliche an und verbreiten rechtes Gedankengut, Blogbeitrag von Bob Blume:  https://bobblume.de/2024/01/24/digital-finanzpodcasts-als-einfallstor-in-rechtes-gedankengut/

Einen sehr langen, kritischen und sehr guten Artikel auf Englisch zum Smartphone und Kindheit gibt es bei The Atlantic: https://www.theatlantic.com/technology/archive/2024/03/teen-childhood-smartphone-use-mental-health-effects/677722/?utm_source=native-share&utm_medium=social&utm_campaign=share.

Viele weitere Informationen, Gedanken und Links finden sich in zahlreichen weiteren Beiträgen auf dieser Homepage.