Blog 2026-06: Vom Lexikon zum Chatbot – Wie sich die Bedingungen des Lernens verändert haben

Oft wird beklagt, und ich nehme mich dabei gar nicht aus, dass Schule sich nicht verändere. Dennoch gibt es natürlich Veränderungen, die sich gar nicht vermeiden lassen und auf die Schule zwangsläufig reagiert, weil sie Schule verändern, ohne dass diese etwas dafür kann.

Wenn ich zu meiner Schulzeit ein Referat oder eine Präsentation vorbereiten sollte, was selten vorkam, dann konnte die Lehrkraft davon ausgehen, dass ich zuhause vielleicht ein Lexikon habe, sonst konnte bestenfalls Schulbuchwissen abgefragt werden. Ich bin zwar einmal mit einem Mitschüler für ein Referat in die Universitätsbibliothek nach Frankfurt gefahren, war dort aber von den „Zettelkästen“ recht überfordert und war beim Inhalt besonders intrinsisch motiviert, aber das ist ein anderes Thema.

Dann kam das Internet. Plötzlich standen, weitgehend frei zugänglich, viel mehr Informationen und Quellen zur Verfügung. Also konnten mehr Themen in die Hausaufgaben verlegt werden und es konnte vor allem mehr erwartet werden. Das machte Schule für die Lernenden anspruchsvoller; für die Lehrenden natürlich auch. Gleichzeitig erweiterte sich die Wissensbasis, die Schulen vermitteln konnte. Mit dem Internet wurde aber auch die Bewertung von Fakten und die Verifizierung von Wissen bedeutsamer. Die Vertrauenswürdigkeit der genutzten Websites rückte in den Vordergrund. Das ließ sich aber noch in einem überschaubaren Rahmen abschätzen. Nebenbei wurde Wissen globalisiert und stand plötzlich in vielen verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Allerdings entstand auch hier schon ein „cultural bias“, weil nicht alle Sprachen und Kulturen gleichermaßen im WWW repräsentiert waren. Weitere Effekte waren das Verschwinden der gedruckten Enzyklopädien, eine neu entstehende Dateninfrastruktur, die Zunahme des Stromverbrauchs und der damit verbundenen Emissionen, das Entstehen sozialer Netzwerke mit allen Vor- und Nachteilen und eine Dominanz der USA auf dem Tech-Markt, um nur einige zu nennen.

Und jetzt haben wir Künstliche Intelligenz. Jetzt wird das „Wissen“ des Internets und darüber hinaus, Qualität spielt nur eine untergeordnete Rolle, so aufbereitet und immer wieder rekombiniert, sodass es zumindest den Anschein hat, dass (schulische) Fragen einfach direkt beantwortet werden. Auch damit vergrößert sich wieder die Wissensbasis für (Haus-)Aufgaben, auch dadurch wird Lehren und Lernen wieder anspruchsvoller. Aber nur, wenn es richtig gemacht wird. Schlimmstenfalls erstellen Lehrkräfte Aufgaben und Arbeitsblätter mit KI, die dann von Schülerinnen und Schülern mit KI bearbeitet werden und es kommt zu Kompetenzverlusten auf beiden Seiten, so genanntem Deskilling. Gleichzeitig wird es noch wichtiger Fakten und Wissen zu verifizieren. KI erfindet Fakten und Zusammenhänge, die dann auch noch plausibel dargestellt werden. Hier braucht es ganz neue und anspruchsvolle Kompetenzen für Lehrende und Lernende, wir erreichen also ein weiteres neues und höheres Anspruchslevel an Schulen. Außerdem steckt auch hier weiter ein bedeutsamer „cultural bias“ drin, da die Trainingsdaten wieder westlich dominiert sind. Mit China ist ein neuer bedeutender „Player“ hinzugekommen und der Ressourcenverbrauch steigt immens. KI flutet soziale Netzwerke mit „AI-Slop“, dessen Auswirkungen erst langsam deutlich werden (die Nutzung sozialer Netzwerke durch Jugendliche scheint zurückzugehen).

Ein nächster Entwicklungsschritt könnte dann agentische KI sein, die schulische Prozesse noch weiter automatisiert, was die Kombination von KI und Robotik mit Schulen machen wird ist schwer abzusehen. Vermutlich muss ich dann nicht einmal mehr meine KI-generierten Arbeitsblätter selbst aus dem Kopierer holen. KI zu ignorieren oder zu verbieten ist natürlich keine Lösung, sie hat ja unsere Gesellschaft schon durchdrungen vom Chatbot auf der Homepage des Landkreises bis zum Gesprächspartner bei Snapchat oder Whatsapp, fast alle Lernenden nutzen KI für Hausaufgaben und weit darüber hinaus.

Eigentlich wollte ich mit dem Text hier enden, habe aber die KI um ein Feedback gebeten und den Vorschlag bekommen, den Text noch um folgenden Abschnitt zu ergänzen, der noch einmal die aktuellen Herausforderungen pointiert zusammenfasst:

„Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht darin, KI aus Schule herauszuhalten. Das wird ebenso wenig gelingen, wie es gelungen ist, das Internet aus Schule herauszuhalten. Die Technologie ist längst Teil der Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler geworden und wird in den kommenden Jahren noch stärker in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen präsent sein.

Viel wichtiger ist eine andere Frage: Was bedeutet das für Lernen?

Über Jahrzehnte konnten wir stillschweigend davon ausgehen, dass die Bearbeitung einer Aufgabe selbst bereits einen Lernprozess auslöst. Wer einen Text schreibt, muss nachdenken. Wer eine Präsentation vorbereitet, muss Informationen recherchieren, auswählen und strukturieren. Wer ein Problem löst, setzt sich mit dem Problem auseinander.

Mit KI gerät diese Annahme erstmals ins Wanken.

Nicht, weil Lernen unmöglich würde. Sondern weil die Bearbeitung einer Aufgabe zunehmend delegierbar wird. Die Aufgabe kann erledigt werden, ohne dass der Lernprozess zwangsläufig beim Lernenden stattfindet. Damit steht nicht weniger als eine Grundlogik von Schule zur Diskussion.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI nutzen dürfen. Sie lautet auch nicht, welche App die beste ist oder welche Funktionen künftig noch hinzukommen werden.

Die entscheidende Frage lautet: Welche Aufgaben stellen wir in Zukunft, wenn Maschinen viele der bisherigen Aufgaben bereits lösen können?

Vielleicht ist das die eigentliche Revolution. Nicht die Technologie selbst. Sondern die Tatsache, dass sie uns zwingt, grundlegende pädagogische Fragen neu zu stellen:

  • Warum lernen wir überhaupt?
  • Woran erkennen wir, dass jemand etwas verstanden hat?
  • Welche Rolle spielt Wissen in einer Welt, in der Informationen jederzeit verfügbar sind?
  • Und wie gestalten wir Schule so, dass Lernen auch dann noch stattfindet, wenn Antworten auf Knopfdruck erzeugt werden können?

Auf diese Fragen haben wir derzeit noch keine abschließenden Antworten. Aber vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Die KI-Debatte ist keine Technologie-Debatte. Sie ist eine Debatte über Lernen, Bildung und die Zukunft von Schule.“

(erstellt mit ChatGPT, Formatierung angepasst und natürlich vor Veröffentlichung geprüft und für brauchbar befunden)

Newsletter 25/26-16: 13.05.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich habe am letzten Wochenende den Entwurf „Navigating an Evolving digital World“ der OECD für die nächste PISA-Studie 2029 gelesen, der für mich ein starkes Indiz für die Veränderung von Bildung ist und über den ich gerne hier berichten will. (Den Entwurf finden Sie hier: https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/about/projects/edu/the-pisa-2029-media-and-artificial-intelligence-(mail)-assessment-will-shed-light-on-whether-young-students-have-had-opportunities-to-learn-and-to-engage-proactively-and-critically-in-a-world-where-production,-participation,-and-social-networking-are-increasingly-mediated-by-digital-and-ai-tools-/PISA%202029%20MAIL%20Assessment%20Framework%20First%20Draft.pdf).

Leider habe ich im ursprünglichen Newsletter einen falschen Link zu der Draft-Version des OECD-Papiers zu PISA-2029 versendet. Doris Weßels hat mich dankenswerterweise darauf hingewiesen.
Der Link wurde korrigiert. Ich bitte um Entschuldigung. Wobei das ursprünglich verlinkte Papier durchaus auch interessant ist. Es zeigt, dass digitale und KI-Transformation immer weniger als reine Technologiefrage verstanden werden, sondern zunehmend als Herausforderung gesellschaftlicher Handlungs-, Steuerungs- und Orientierungsfähigkeit. Ursprünglicher Link: https://www.oecd.org/en/publications/the-oecd-going-digital-integrated-policy-framework-2026_0254ae07-en.html.


Der Entwurf markiert, nach meiner Einschätzung, einen bemerkenswerten Wendepunkt in der bildungspolitischen Diskussion. Mit „Media and Artificial Intelligence Literacy“ (MAIL) wird erstmals systematisch auch in den Blick genommen, ob Schülerinnen und Schüler sich in einer durch Medien, Plattformen und KI geprägten Wirklichkeit orientieren können und nicht nur, ob sie Wissen reproduzieren.
Das verweist auf eine tiefere Verschiebung. Lange Zeit bestand die zentrale Herausforderung von Schule darin, Zugang zu Wissen zu ermöglichen. Heute ist Wissen jederzeit verfügbar und zunehmend auch synthetisch erzeugt. Texte, Bilder und Argumente können von KI-Systemen generiert werden. Damit verändert sich die Bildungsfrage grundlegend: Nicht mehr der Zugang zu Information ist entscheidend, sondern die Fähigkeit, diese Information zu prüfen, einzuordnen und verantwortungsvoll zu nutzen.
Genau hier setzt das MAIL-Konzept an. Es beschreibt Kompetenzen wie das kritische Bewerten von Inhalten, das Erkennen von Manipulation und algorithmischen Verzerrungen sowie den reflektierten Umgang mit KI. Dahinter steht jedoch mehr als ein neuer Kompetenzbereich. Es ist eine Verschiebung des Bildungsverständnisses weg von der reinen Wissensaneignung hin zur Entwicklung von Urteilsfähigkeit.
Diese Entwicklung stellt zugleich die klassische Logik von Schule infrage. Über lange Zeit folgte Lernen einem relativ stabilen Muster: Aufgabe → Bearbeitung → Ergebnis → Lernen. Doch wenn KI-Aufgaben übernehmen und Ergebnisse erzeugen kann, verliert diese Logik an Eindeutigkeit. Die entscheidende Frage wird dann: Was bedeutet Lernen noch, wenn Ergebnisse nicht mehr zwingend an eigene kognitive Anstrengung gebunden sind?
Der OECD-Entwurf reagiert darauf, indem er weniger das Ergebnis als vielmehr den Umgang mit Information und Entscheidungssituationen in den Mittelpunkt stellt. PISA 2029 will diese Kompetenzen daher zunehmend in simulationsbasierten, digitalen Szenarien erfassen. Schülerinnen und Schüler sollen sich in komplexen Informationsumgebungen orientieren, Quellen bewerten und begründete Entscheidungen treffen. Damit wird anerkannt, dass die Lebenswelt, auf die Schule vorbereitet, selbst digital vermittelt ist.
Für Schule ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: KI ist kein Zusatzthema, das man in bestehende Strukturen integrieren kann. Sie verändert die Bedingungen von Lernen selbst. Wenn Informationen jederzeit verfügbar sind und KI als kognitiver Partner agiert, gewinnen andere Fähigkeiten an Bedeutung, insbesondere kritisches Denken, Reflexionsfähigkeit und ethisches Urteilsvermögen.
In diesem Sinne liegt die eigentliche Bedeutung von PISA 2029 weniger in der Einführung eines neuen Testbereichs als in der impliziten Neubestimmung von Bildung. Die zentrale Frage lautet nicht mehr: „Wie bringen wir KI in die Schule?“ Sondern: „Welche Form von Bildung braucht eine Gesellschaft, in der Wissen zunehmend durch KI erzeugt und vermittelt wird?“
Die Antwort, die sich im MAIL-Ansatz andeutet, ist klar: Urteilsfähigkeit wird zur Schlüsselkompetenz der Zukunft. Wir sind an der Weibelfeldschule recht weit und offen im Umgang mit KI, wir haben schon lange Schullizenzen für die Plattformen fobizz und Fellofish, mit denen die Lernenden datenschutzkonform mit LLMs arbeiten können, wir werden demnächst Schooltogo testen, ein weiteres KI-Tool und sind mit einigen Kolleginnen und Kollegen in ein weiteres spannendes Testprogramm eingebunden; dazu zu gegebener Zeit mehr.
Natürlich steht bei uns auch der Chatbot AIS-Chat zur Verfügung, der uns vom Land Hessen bereitgestellt wird und ich bin gespannt, was die Adaptiven Intelligenten Systeme (vgl. den vorletzten Newsletter vom 20.03.26) bringen werden.
Die Vorbereitungen auf die PISA-Studie 2029 zeigen, dass KI im Bildungssystem angekommen ist und wir uns weiter damit auseinandersetzen müssen. Natürlich ist da noch Luft nach oben, aber wir befinden uns auch erst seit zwei oder drei Jahren in der Situation, dass KI im Bildungssystem sichtbar geworden ist. Wir hatten an der Weibelfeldschule bereits 2024 einen Pädagogischen Tag mit dem Schwerpunkt KI- und Medienbildung, wir bieten immer wieder kleine Fortbildungssnacks oder Sessions im Rahmen des Bar-Dienstag an und werden das Thema sicher weiter auf der Agenda haben. Im letzten Newsletter habe ich geschrieben: „Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher angekommen“. Und das muss unser Antrieb sein, sich weiter mit diesem Thema auseinandersetzen, denn Schule gehört schließlich auch zum Alltag unserer Kinder.
„Telepolis“ ordnet den Standpunkt der OECD etwas weitergehend ein: https://www.telepolis.de/article/KI-im-Klassenzimmer-EU-und-OECD-treiben-die-Wende-voran-11165773.html.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Fobizz gibt es jetzt auch als App: https://fobizz.com/de/app/.
Udo Beckmann schreibt, leider ohne konkret zu werden, über das wichtige Thema der Deimplementierung im „Deutschen Schulportal“: https://www.news4teachers.de/2026/05/weniger-ist-mehr-warum-schulleitungen-den-mut-brauchen-bewusst-zu-verzichten/.
Das „Deutsche Schulportal“ beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen der geplanten Schüler-ID: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/schueler-id-was-ist-geplant-welche-chancen-und-risiken-gibt-es/.
Die Bundesregierung plant wohl Einsparungen bei Schulbegleitungen, Bericht aus dem „Merkur“: https://www.merkur.de/bayern/immer-mehr-kinder-brauchen-hilfe-um-die-schule-zu-bewaeltigen-94290236.html. Auch die Zeitschrift „Eltern“ beschäftigt sich mit dem Thema: https://www.eltern.de/schulkind/aus-fuer-die-schulbegleitung–das-ist-fuer-2028-geplant-14071314.html.

Schulentwicklung
Die großartige Astrid Kalantzis hat eine Video-Präsentation zum Thema „Schule darf gut tun – 7 Impulse für eine Grundschule, in der sich alle wohlfühlen“ veröffentlicht. Hier kann man sich kostenlos registrieren und die Präsentation ansehen: https://alfima.com/schulleiterin_mitvision/schule-darf-gut-tun-7-impulse-fur-eine-grundschule-in-der-sich-alle-wohlfuhlen?utm_content=link_in_bio&utm_medium=social&utm_source=ig.
Alexander Brand (siehe auch Hörempfehlung, die Empfehlung seines Buches kommt, wenn ich damit durch bin) hat sich beim „Deutschen Schulportal“ mit professionellen Lerngemeinschaften auseinandergesetzt: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/professionelle-lerngemeinschaften-wie-lehrkraefte-gemeinsam-unterricht-erproben/. Guter Unterricht entsteht nicht allein, sondern durch gemeinsame, systematische Weiterentwicklung im Kollegium.
Der „UNESCO Courier“ hat einen spannenden Beitrag zur Reduzierung digitaler Endgeräte in Schweden veröffentlich: https://courier.unesco.org/en/articles/sweden-unmet-promises-digital-classroom. Digitalisierung darf nicht als Selbstzweck verfolgt werden, sondern muss konsequent in eine starke Lernkultur eingebettet sein, mit klaren Regeln, verbindlichem Classroom Management und gezielter Förderung von Selbstregulation als eigentlichem Schlüssel für erfolgreiches Lernen. Die Zukunft der Schule entscheidet sich nicht an der Frage „digital oder analog“, sondern an der Qualität der Lernprozesse.

Smartphone und Social-Media
Der Schweizer „Tagesanzeiger“ berichtet über eine Studie, die keinen Zusammenhang zwischen Handynutzung und schlechteren Noten gefunden haben soll: https://www.tagesanzeiger.ch/handyverbot-an-schulen-us-studie-findet-kaum-verbesserungen-971214388721.

KI
„Futurism“ berichtet über eine spannende Gallup-Studie: https://futurism.com/artificial-intelligence/gen-z-attitude-ai. Gen-Z ist kritischer gegenüber KI als wir glauben. Vielleicht ist die eigentliche Bildungsfrage der KI-Ära nicht, wie wir KI in Schule integrieren, sondern wie Schule Menschen davor bewahrt, das eigene Denken an KI zu delegieren.
Die Vodafone Stiftung hat ein Policy Paper des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen veröffentlicht: Künstliche Intelligenz (KI) kann Lernprozesse wirksam unterstützen, birgt aber zugleich das Risiko von Kompetenzverlusten. Das Paper gibt es hier: https://www.vodafone-stiftung.de/ki-in-der-bildung-abhaengigkeit-zu-handlungsfaehigkeit/. Die vielleicht entscheidende Bildungsfrage im KI-Zeitalter ist imho nicht, ob Schüler und Schülerinnen KI nutzen, sondern ob sie dabei die Kontrolle über ihr eigenes Denken behalten.
Auch der „UNESCO Courier“ beschäftigt sich mit Fragen zu KI und Bildung und hält lesenswerte Artikel bereit: https://courier.unesco.org/en/latest.
Im Anschluss an den letzten Newsletter ist dieser Artikel von „telepolis“ interessant: https://www.telepolis.de/article/Die-Hausaufgaben-Falle-Wie-Schueler-sich-mit-KI-selbst-schaden-11163648.html.
Rechtliche Aspekte zu KI in der Bildung werden in einem FAQ von „iRIGHTS“ zusammengetragen: https://irights.info/artikel/ki-faq/32822.

Tipps für den Unterricht
Das „Deutsche Schulportal“ berichtet aus den Ergebnissen des US-Pädagogen Doug Lemov (siehe Buchempfehlung) zur Fehlerkultur im Unterricht: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/fehler-willkommen-drei-strategien-fuer-eine-bessere-fehlerkultur-im-unterricht/.

Leseempfehlung
Doug Lemov: Unterrichte wie ein Champion, 63 Techniken, die Schüler zum Lernen bringen, Weinheim 2023. Zu dem Buch gibt es über 100 Videos, in denen die Techniken in der Praxis gezeigt werden; wirklich hilfreich für Einsteiger im Lehrberuf, aber auch für Profis sicher hilfreich.

Hörempfehlung
Podcast von Benedikt Wisniewski mit Alexander Brand über dessen neues Buch „Die Bildungsweltmeister“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/spezial-die-bildungsweltmeister-gespr%C3%A4ch-mit-alexander/id1647804131?i=1000761040380.

Sehempfehlung
DAS HMKB veranstaltet aktuell eine Online-Vortragsreihe zu „Strategien zum Umgang mit externalisierenden Verhaltensweisen“, die Aufzeichnung der zweiten Veranstaltung mit der Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Dr. Martina Dort finde ich sehenswert: https://kultus.hessen.de/video/psychische-auffaelligkeiten-im-schulalltag-sicher-handeln.  

Veranstaltungsempfehlung
Großes Online- KI-Barcamp der TU-Dortmund mit vielen wichtigen Partnern und renommierten Expertinnen und Experten (u.a. mit Keynotes von Doris Weßels und Martin Fugmann) und drei Sessionschienen. Hier geht es zur Anmeldung: https://dapf.zhb.tu-dortmund.de/ki-barcamp/. Ich bin angemeldet.

Spaß im Netz
https://endedesinternets.de/.

Newsletter 25/26-15: 30.04.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

heute fällt der Newsletter etwas knapper aus, es ist mir aber wichtig, auch diesen Punkt einmal anzusprechen.

Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher angekommen und damit selbstverständlich auch bei den Hausaufgaben. Ob Texte erklären lassen, Vokabeln abfragen, Matheaufgaben Schritt für Schritt lösen oder Ideen für Referate sammeln: Die Möglichkeiten sind groß. Deshalb wäre es wenig sinnvoll, so zu tun, als gäbe es diese Werkzeuge nicht. Ein pauschales Verbot würde an der Lebensrealität unserer Schülerinnen und Schüler vorbeigehen und wäre weder kontrollierbar noch zukunftsorientiert.

Stattdessen steht Schule vor der Aufgabe, sich anzupassen. Wir müssen gemeinsam lernen, wie KI sinnvoll, kritisch und verantwortungsvoll genutzt werden kann. Dazu gehört, neue Formen von Hausaufgaben zu entwickeln, Lernprozesse stärker in den Mittelpunkt zu stellen und Schülerinnen und Schüler zu befähigen, digitale Werkzeuge reflektiert einzusetzen. Dieser Wandel geschieht nicht von heute auf morgen. Er ist ein Prozess, in dem wir Erfahrungen sammeln, Regeln entwickeln und immer wieder nachsteuern werden.

Gleichzeitig gilt: KI ist kein Ersatz für eigenes Denken und Lernen. Wer sich Aufgaben vollständig von einer Maschine erledigen lässt, lernt oft weniger. Fachleute sprechen hier von „Deskilling“ – dem Verlust eigener Fähigkeiten, weil man sie nicht mehr ausreichend trainiert. Hinzu kommt: KI liefert nicht immer richtige oder passende Ergebnisse. Antworten können oberflächlich, fehlerhaft oder überzeugend formuliert und trotzdem falsch sein. Ohne eigenes Wissen, ohne Grundlagen und ohne kritisches Prüfen lassen sich gute von schlechten Ergebnissen kaum unterscheiden.

Unser Ziel muss daher sein, beides zusammenzubringen: Offenheit für neue Möglichkeiten und Klarheit über ihre Grenzen. KI kann Lernen unterstützen, darf es aber nicht ersetzen. Entscheidend bleiben Neugier, Anstrengungsbereitschaft, Fachwissen und die Fähigkeit, selbstständig zu denken. Daran werden wir als Schule weiter arbeiten. Was wir da machen und wie wir es machen wird sicher in einem der nächsten Newsletter Gegenstand sein.

Hier noch ein kleines Beispiel, was KI kann. Ich bat den aktualisierten Bildgenerator von Chat-GPT diesen Text zu visualisieren. Das Ergebnis finden Sie auf der nächsten Seite.

Ich wünsche der Schulgemeinschaft einen schönen Maifeiertag!

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
„Netzpolitik.org“ berichtet über die Schattenseiten von KI und Social Media, es geht um Verletzungen der Privatsphäre durch Metas Kamera-Brille und Klickworker in Kenia, die jetzt entlassen werden: https://netzpolitik.org/2026/nach-enthuellungen-zur-ueberwachungsbrille-meta-kuendigt-outsourcing-firma-die-entlaesst-daraufhin-1000-menschen/.
Andreas Schleicher im Interview im „Deutschen Schulportal“ zum Thema Berufsorientierung: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/berufsvorbereitung-pisa-andreas-schleicher-es-fehlt-an-gelegenheiten-echte-arbeitswelten-zu-erleben.
Ebendort klärt das „Deutsche Schulportal“ über die Rolle von Lehrkräften bei Kindeswohlgefährdungen auf: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/kindeswohlgefaehrdungen-nehmen-zu-wie-schulen-reagieren-koennen/.
Und noch etwas für die Praxis aus dem „Deutschen Schulportal“. Im Interview erklärt Stephan Rademacher die Frage „Dürfen Lehrkräfte Kinder anfassen oder festhalten?“: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/schulrecht-duerfen-lehrkraefte-kinder-anfassen-oder-festhalten/.
In einem der letzten Newsletter hatte ich den 10. Pioneers of Change Online Summit als Veranstaltung empfohlen. Hier gibt es eine knappe Zusammenfassung der dort besprochenen Themen: https://pioneersofchange.org/summit-essenzen-wurzeln-fuer-morgen/.
Jan Martin Wiarda wertet auf seinem Blog den neuen ifo-„Chancenmonitor aus: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/04/28/jungs-im-abseits. Spoiler: Die Ungleicheit im Bildungssystem bleibt groß und Jungs sind die Verlierer.

Schulentwicklung
Schulleiter Jochen Nossek fordert auf dem „Deutschen Schulportal“ einen Paradigmenwechsel bei der Berufsorientierung von der Berufswahl zur Talententwicklung. Berufsorientierung ist im Grunde angewandtes selbstorganisiertes Lernen: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/berufsorientierung-neu-gedacht-talente-entdecken-statt-auf-berufe-festlegen/.
Susanne Posselt berichtet in ihrem Blog von einem Erasmus+-Austausch in Island: https://susanneposselt.de/emerging-leaders-mit-erasmus-in-island/. Eine wichtige Erkenntnis: Schulleitung wirksam zu gestalten bedeutet vor allem: die eigene Rolle reflektieren, Beziehungen stärken und Schulentwicklung als gemeinsamen Prozess verstehen. Schule muss Teil eines größeren sozialen Systems mit Vertrauen und Kooperation in der Kommune sein.
Michael Drabe hat ein Curriculum zur Schulentwicklung für eine Schule der Zukunft entwickelt: https://schule-in-der-digitalen-welt.de/schule-2026-ein-curriculum-als-navigationssystem/

Smartphone und Social-Media
Der „Medienzeit-Elternblog“ beleuchtet die Manosphere in sozialen Medien kritisch: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/lexikon-manosphere-codes-und-bedeutung. Die Manosphere ist weniger ein einzelnes Phänomen als ein Deutungsangebot für junge Männer; mit einfachen Antworten, aber oft problematischen Konsequenzen.
In Österreich wird die Challenge „3 Wochen ohne Smartphone“ immer prominenter. Hier geht es zur Homepage: https://handyexperiment.at/. Der „Fokus“ berichtet über das spannende Experiment und die weitgehend positiven Folgen: https://www.focus.de/politik/deutschland/in-oesterreich-nach-einem-handy-experiment-kippt-die-stimmung-an-einer-schule-total_136b0c44-aa95-4834-b67c-8d52fabc0d95.html.
Unter dem Link https://9etqr.r.ag.d.sendibm3.com/mk/mr/sh/OycXxko2a8zXNsWPDzlZCDgb/eMVPZ2FVQVit. klärt „Smartphone-Coach“ Andrea Buhl-Aigner über WhatsApp-Kanäle auf.

KI
Wenn KI Aufgaben zuverlässig erledigt, verlieren traditionelle Bildungsformate ihre Funktion – und Schule muss neu definieren, was überhaupt noch „Lernen“ bedeutet. Die Krise der Schule durch KI ist keine technologische – sondern eine funktionale: Das, was Schule bisher getan hat, wird nicht mehr gebraucht. Dies zeigt dieser Beitrag in Alexanders Substack: https://alessandroaledo.substack.com/p/wenn-das-schottische-reiseburo-nicht?utm_campaign=post-expanded-share&utm_medium=web&triedRedirect=true. (Gleichzeitig ein Tipp für den Unterricht)
Martin Fugmann berichtet im FelloFish-Blog über die Entwicklung von KI und Schule in China: https://www.fellofish.com/blog/ki-bildung-und-der-neue-blick-nach-china. Deutschland und China reagieren auf KI im Bildungssystem völlig unterschiedlich: Während Deutschland didaktisch denkt, denkt China systemisch und genau darin liegt der eigentliche Unterschied. KI verändert nicht nur Lernen, sondern den Bildungsbegriff selbst. Natürlich lassen sich China und Deutschland politisch und kulturell nur begrenzt vergleichen. Dennoch: Während wir in Deutschland darüber diskutieren, wie KI Unterricht verbessern kann, stellt man in China längst die größere Frage: Wie muss ein Bildungssystem aussehen, das von KI ausgeht?
Tipp: Wenn ein Chat in einem LLM zu lang und damit langsam wird, lasse ich mir eine „Masterzusammenfassung“ machen und kopiere diese in einen neuen Chat und prompte, damit weiterzuarbeiten.

Tipps für den Unterricht
Jan Hartwig hat auf seiner Homepage einen interaktiven „Ideologie-Atlas: Nationalsozialismus“ erstellt: https://hartificial.de/wp-content/uploads/2026/04/ideologie-atlas-nationalsozialismus.html.
Joscha Falck hat elf KI-Bewertungsraster für den Unterricht entwickelt: https://joschafalck.github.io/ki-raster-builder/index.html.

Leseempfehlung
Silke Müller analysiert in ihrem neuen Buch „Schule gegen Kinder“ den Ist-Zustand des deutschen Schulsystems, den sie als „Ruinen-Verwaltung“ bezeichnet und entwirft recht konkret ein mögliches Gegenbild (München 2026).

Hörempfehlung
Heute gibt es nicht nur eine Hörempfehlung. Das „Deutsche Schulportal“ stellt 10 Podcasts rund um Schule und Bildung vor: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/die-zehn-besten-podcasts-rund-um-schule-und-bildung/.

Sehempfehlung
Auf dem YouTube-Kanal von FelloFish kann man alle FelloFish-Foren anschauen: https://www.youtube.com/@FelloFish.  

Veranstaltungsempfehlung
Vom 5. bis 7. Mai findet in Karlsruhe die LEARNTEC statt, laut eigener Auskunft „Europas bedeutendste Fachmesse für digitale Bildung in Schule, Hochschule und Beruf“. Weitere Infos: https://www.learntec.de/de/.
Innovationskongress Oberstufe 2026 vom 18. bis 19. September in Berlin unter dem Titel „Kollaps oder Kurswechsel? Schule im Stresstest“. Anmeldung und Informationen gibt es hier: https://www.buendnis-zukunft-abitur.de/innovationskongress-2026/.

Spaß im Netz
„Geo Guesser“ schickt sie an zufällig ausgewählte Orte bei Google Streetview. Dort kann man sich umschauen und muss dann raten, wo auf der Welt man gelandet ist (Anmeldung erforderlich, free trial möglich): https://www.geoguessr.com/.

Newsletter 25/26-14: 17.04.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

manchmal habe ich das Gefühl, dass wir gerade nicht nur unterrichten – sondern selbst lernen. Und zwar ziemlich viel, ziemlich schnell und oft auch ziemlich gleichzeitig. Künstliche Intelligenz, Social Media, mentale Gesundheit und Leistungsentwicklung sind längst keine Zukunftsthemen mehr, sondern mitten in unserem Schulalltag angekommen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht mehr, ob sich Schule verändert, sondern wie bewusst wir diese Veränderung gestalten. In den letzten Wochen habe ich mich intensiver mit sogenannten adaptiven intelligenten Systemen beschäftigt, also mit KI, die Lernen individuell steuern kann (siehe letzter Newsletter).
Das ist nicht einfach ein weiteres digitales Werkzeug, sondern hat das Potenzial, Schule grundlegend zu verändern. Wenn ein System in der Lage ist, jedem Kind passgenaue Aufgaben zu geben, unmittelbare Rückmeldungen zu liefern und Lernwege dynamisch anzupassen, dann stellt sich eine zentrale Frage: Was ist dann eigentlich noch die Rolle von Schule?
Unsere Antwort darauf ist klar: nicht weniger Schule, sondern eine andere Schule. Eine Schule, in der es weniger um reine Wissensvermittlung geht und mehr um Reflexion, Bewertung und Einordnung. Eine Schule, die stärker auf Beziehung, Orientierung und Verantwortung setzt. Denn genau das sind die Bereiche, in denen menschliches Lernen unersetzlich bleibt.
Gleichzeitig erleben wir im Alltag, und das wird durch zahlreiche Studien gestützt, dass Konzentration schwerer fällt, Konflikte zunehmen und Unsicherheiten wachsen. Das ist kein individuelles Problem einzelner Schülerinnen und Schüler, sondern Ausdruck eines gesellschaftlichen Kontextes, der Schule unmittelbar betrifft. Deshalb gehört es zu unserem Auftrag, nicht nur Lernen zu ermöglichen, sondern auch Menschen zu stärken.
Vor diesem Hintergrund arbeiten wir aktuell intensiv daran, Unterricht weiter zu öffnen und Lernprozesse stärker zu individualisieren. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, aber die Richtung ist klar: mehr selbstständiges Arbeiten, mehr Verantwortung für den eigenen Lernprozess und mehr Raum für unterschiedliche Lernwege. Gleichzeitig bleibt bestehen, dass Schule ein sozialer Ort ist, ein Ort der Begegnung, an dem man nicht nur lernt, was man denkt, sondern wie man denkt.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis in dieser Zeit: Wir müssen nicht auf jede Entwicklung sofort eine perfekte Antwort haben. Aber wir sollten uns bewusst machen, welche Fragen wir stellen wollen. Denn genau darin liegt die Zukunft von Schule.

Ich möchte noch einen weiteren Gedanken teilen und es ist ehrlich gesagt ein heikler: Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte heimlich filmen. Ein aktueller Bericht der britischen Zeitung Daily Mirror (https://www.mirror.co.uk/news/politics/pupils-secretly-recording-videos-teachers-36923252) zeigt, dass solche Aufnahmen nicht nur entstehen, sondern gezielt weiterverbreitet und teilweise sogar mit Hilfe von KI verändert werden. Lehrkräfte werden dabei in falsche Zusammenhänge gestellt, mit erheblichen persönlichen und beruflichen Folgen. Ich beziehe mich hier nicht auf einen konkreten Fall an unserer Schule, sondern aus Gründen der Prävention.
Was hier entsteht, ist mehr als ein „Handyproblem“. Es ist eine neue Qualität von Öffentlichkeit im Klassenzimmer – und gleichzeitig eine neue Form von Unsicherheit.
Denn wir müssen uns klarmachen: Unterricht ist ein geschützter Raum. Ein Raum, in dem Fehler erlaubt sind, in dem ausprobiert wird, in dem auch mal „gerungen“ wird, mit Gedanken, mit Positionen, manchmal auch miteinander. Wenn dieser Raum jederzeit potenziell aufgezeichnet, geteilt und verzerrt dargestellt werden kann, verändert das etwas Grundlegendes.
Nicht nur für Lehrkräfte.
Auch für Schülerinnen und Schüler.
Eine Schule, in der ständig mitgedacht werden muss, ob ein Moment heimlich aufgenommen wird, ist keine gute Lernumgebung.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch einen klaren Appell an Sie als Eltern richten:
Sprechen Sie mit Ihren Kindern über den verantwortungsvollen Umgang mit Smartphones und KI. Machen Sie deutlich, dass heimliches Filmen kein Kavaliersdelikt ist, sondern ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte anderer. Schule kann und wird Regeln setzen, aber die Haltung dazu entsteht vor allem im Elternhaus. Gleichzeitig ist es mir wichtig, auch unser Kollegium für diese Entwicklung zu sensibilisieren – ohne Alarmismus, aber mit der nötigen Klarheit:
Wir bewegen uns in einem veränderten Kontext. Situationen im Unterricht können heute anders wahrgenommen, aufgezeichnet und aus dem Zusammenhang gerissen werden. Das bedeutet nicht, dass wir unseren Unterricht grundlegend verändern oder uns ständig selbst kontrollieren müssen. Aber es bedeutet, dass wir uns dieser Realität bewusst sein sollten. Sprechen Sie mit den Klassen darüber und machen sie den Schülerinnen und Schülern klar, dass wir solches Verhalten keinesfalls tolerieren und es ernsthafte Konsequenzen hat.

Professionelles Handeln, Transparenz und gegenseitige Unterstützung im Kollegium werden damit noch wichtiger.

Am Ende steht eine einfache, aber entscheidende Einsicht: Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch richtig.

Und genau deshalb ist auch das eine zentrale Bildungsaufgabe unserer Zeit.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
„ZDF heute“ über die Studie „Jugend in Deutschland“, die die Unzufriedenheit junger Menschen in Deutschland zeigt. 41% der 14- bis 29-Jährigen können sich vorstellen, künftig lieber in einem anderen Land zu leben: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/jugend-studie-2026-deutschland-100.html. Auch das „Deutsches Schulportal“ berichtet über die Studie: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/stress-schulden-unsicherheit-junge-menschen-blicken-skeptisch-in-die-zukunft/.
Die „Frankfurter Rundschau“ hat Sanem Kleff interviewt, die 25 Jahre „Schule ohne Rassismus“ geleitet hat: https://www.fr.de/panorama/rassistische-vorurteile-werden-viel-ungehemmter-ausgelebt-94236157.html. Die Weibelfeldschule gehört auch dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ an und unterstützt dessen Idee mit einer Arbeitsgemeinschaft und zahlreichen Aktionen.
Im „Wiarda-Blog“ spricht Jan-Martin Wiarda mit dem Soziologen Marc Helbig über den Zusammenhang von Noten, familiärer Unterstützung und sozialer Herkunft: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/03/11/wen-pruefen-lehrkraefte-da-eigentlich-das-kind-oder-die-eltern.

Schulentwicklung
Bei „evido“ ist ein Interview mit Prof. Karlen zum sebstregulierten Lernen veröffentlicht worden: https://evido-magazin.de/artikel/selbstreguliertes-lernen-vom-einzelprojekt-zur-schulkultur. Fazit: Selbstreguliertes Lernen wird erst dann wirksam, wenn es nicht als Projekt, sondern als gemeinsame, langfristige Schulentwicklung verstanden wird.
Auf derselben Plattform ist auch ein Interview mit Prof. Hertwig zum Thema Selbstregulation erschienen: https://evido-magazin.de/artikel/selbstregulation-gegen-kontrollverlust-so-koennen-schulen-auf-dem-weg-zur-digitalen-muendigkeit-unterstuetzen. Fazit: Digitale Bildung ist nicht primär ein Technikthema, sondern ein Selbstregulationsthema: Wer sich nicht selbst steuern kann, verliert im digitalen Raum die Kontrolle.
Auf dem „Deutschen Schulportal“ berichtet Alexandra Mankarios über die Forderung der SWK nach mehr einheitlichen Tests und klareren Standards zur datengestützten Schulentwicklung: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/swk-gutachten-datengestuetzte-schulentwicklungexpertengremium-mehr-einheitliche-tests-fuer-bessere-foerderung-in-der-schule.

Smartphone und Social-Media
Die KI-Übersichten bei Google-Suchen enthalten viele Fehlinformationen, wie „Futurism“ berichtet: https://futurism.com/artificial-intelligence/google-ai-overviews-misinformation.
Klicksafe hat seine Video-Reihen übersichtlicher gestaltet: https://www.klicksafe.de/video-reihen.
Das „Deutsche Schulportal“ hat ein Interview mit der Medienwissenschaftlerin Leonie Alatassi zur TikTok-Nutzung von Jugendlichen geführt. Spoiler: Jugendliche wissen zu wenig über den Algorithmus: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/studie-jugendliche-wissen-zu-wenig-ueber-den-tiktok-algorithmus/.

KI
Spannend! In der PISA-Studie 2029 wird erstmals auch Media- und AI-Literacy von Schülerinnen und Schülern erfasst. D.h. mit PISA 2029 wird erstmals international sichtbar, ob Schule junge Menschen darauf vorbereitet, sich in einer von KI erzeugten Wirklichkeit zu orientieren – oder ob sie lediglich Wissen vermittelt, das längst automatisiert verfügbar ist. Informationen dazu: https://www.zib.education/media-and-artificial-intelligence-mail-bei-pisa-2029/.
„404 Media“ beschäftigt sich mit den afrikanischen Klickworkern, die KI trainieren und beginnen sich zu wehren: https://www.404media.co/ai-is-african-intelligence-the-workers-who-train-ai-are-fighting-back/.
Auf der Seite https://theyseeyourphotos.com/ kann man sehen, welche Informationen KI, in diesem Fall Google Vision, aus Fotos herauslesen. Spoiler: Das ist zwar nicht präzise, zeigt aber anschaulich, was aktuell mit unseren Bilddaten passiert und wie sie kommerzialisiert werden.
Die Plattform https://www.magmamath.com/de ist ein adaptives intelligentes System für den Mathematikunterricht. Sie erlaubt Einblicke in Lernprozesse und unterstützt lernen
individuell.
Bernhard Gmeiner schreibt in seinem Blog bei „Der Standard“ über ein Gespräch mit Barbara Geyer über den Einfluss von KI-Agenten auf Aufgaben und die Folgen. Wenn KI-Agenten nicht nur helfen, sondern lernen an unserer Stelle übernehmen, steht Schule vor einer existenziellen Frage: Nicht mehr, wie wir lernen – sondern warum überhaupt noch.: https://www.derstandard.at/story/3000000314084/die-hausuebung-macht-mein-ki-agent?ref=article.
„t3n“ konstatiert das Ende des KI-Hypes bei der Gen-Z, eine völlig normale Entwicklung. Entscheidend ist nicht, dass junge Menschen KI nicht mehr nutzen – sondern dass sie ihr dabei immer weniger vertrauen.https://t3n.de/news/das-ende-des-hypes-gen-z-verliert-zunehmend-das-vertrauen-in-ki-1737994/.

Tipps für den Unterricht

Das „Deutsche Schulportal“ hat ein Dossier zu datengestützter Diagnose und Förderung zusammengestellt: https://deutsches-schulportal.de/dossiers/datengestuetzte-diagnose-und-foerderung-in-der-schule-aber-wie.
Mit https://bouncy-balls.org/de, kann man den Lärmpegel im Klassenraum visualisieren.

Leseempfehlung
Ben Furman: Lösungsorientiert Schule machen. Wie Unterricht wieder mit mehr Freude gelingt, Heidelberg 2024.
Der finnische Psychiater und Psychotherapeut zeigt anschaulich und praxisnah, wie der Umgang mit Herausforderungen in Schule gelingen kann. Das Buch hat nur 100 Seiten und ist schnell zu lesen.

Hörempfehlung
Mal wieder eine Folge „Psychologie im Klassenzimmer“ Benedikt Wisniewski spricht mit dem Bildungsjournalisten Alexander Brand über dessen Buch „Die Bildungsweltmeister“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/spezial-die-bildungsweltmeister-gespr%C3%A4ch-mit-alexander/id1647804131?i=1000761040380

Sehempfehlung
In der Mediathek der ARD gibt es die sehenswerte Doku „Inside Klassenchats“: https://www.ardmediathek.de/video/doku-und-reportage/inside-klassenchats/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtYmUyMTAxMTAtNWViZC00MmNhLWFhYzItZmEzNDZiMTIyMGNh.

Veranstaltungsempfehlung
Vom 5. bis 7. Mai findet in Karlsruhe die LEARNTEC statt, laut eigener Auskunft „Europas bedeutendste Fachmesse für digitale Bildung in Schule, Hochschule und Beruf“. Weitere Infos: https://www.learntec.de/de/.

Spaß im Netz
Wenn Sie mal wieder am Rad drehen (wollen), empfehle ich diese Website: https://www.leduchamp.com/.

Newsletter 25/26-13: 20.03.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

letzten Freitag war ich auf der Didacta, um mich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und weiter zu vernetzen. Zwei Dinge möchte ich besonders hervorheben.

Zum einen waren wir zum dritten Mal in Folge mit einer Schülergruppe vertreten, die selbst eine Präsentation gehalten hat. Dieses Mal ging es darum, wie Schülerinnen und Schüler im Rahmen unseres Reallabors selbst aktiv werden und Schule verändern. Der großartige Vortrag stieß auf entsprechende Resonanz und hat unter anderem zu einer Vernetzung mit dem Reallabor in Leipzig geführt, da bahne sich spannende Kooperationen an. Es ist immer wieder großartig zu sehen, zu was Jugendliche in der Lage sind, wenn man sie nur lässt.

Zum anderen habe ich ein Panel zu Adaptiven Intelligenten Systemen (AIS) besucht. Das „FWU Institut für Film und Bild gGmbh war Veranstalter, teilgenommen haben Prof. Dr. Ulrike Cress (Direktorin Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor Tübingen AI Center), Prof. Dr. Andreas Lachner (Co-Director Tübingen Center for Digital Education), Dr. Wieland Brendel (Forschungsgruppenleiter ELLIS Institute Tübingen), Dr. Almut Steinlein (Projektleiterin AIS am FWU). Moderiert wurde das Panel von Dr. Anika Limburg, Leiterin des Bildungscampus Saarland. Im Panel wurde deutlich:

Mehrfach wurde das disruptive Potenzial eines AIS für Unterricht betont. Es entstehe eine Lehr-Lern-Plattform, die gleichzeitig Lernende individuelle und adaptiv im eigenen Tempo unterstützen soll und Lehrende bei der Lernentwicklung der Lernenden auf dem Laufenden halte. Dadurch könne eine individuelle Förderung gelingen. Das System werde entsprechend mit Curricula etc. trainiert und soll für kommerzielle Anbieter offen sein, natürlich alles konform mit DSGVO und EU-AI-Act. So soll ein offenes, nicht proprietäres lernendes System entstehen, dass den Kindern gerecht werde und Lehrkräfte entlaste, die dann wieder mehr Raum für echte Lernbegleitung bei denen bekämen, die sie nötig haben. Dadurch soll mehr Bildungsgerechtigkeit entstehen. Dafür bedürfe es natürlich auch neuer Unterrichtsformen und Lernräume. Der Gefahr des Deskilling werde durch die Adaptivität und didaktisch elaborierte Sequenzierung vorgebeugt. Ziel seien verstärkte Selbstregulierung und Kompetenzorientierung bei den Lernenden, die mit dem AIS Lernen lernen. Natürlich bedeute das nicht, dass nur noch digital und vereinzelt gelernt werde, sondern eine Ergänzung zur Unterstützung individueller Lernprozesse zur Verfügung gestellt werde, natürlich müsse weiter auch analog und kollaborativ gelernt werden.

Ausgerollt werden soll das System schon nach den Sommerferien in ersten Pilotschulen, im Herbst soll es weiter in die breite gehen und im Winter soll es Fortbildungen für Lehrkräfte geben. Wohlgemerkt: 2026! Ein ambitioniertes Programm, entwickelt von deutschen Institutionen unter dem Dach der FWU. Die zentrale Kompetenz-Schnittstelle bildet das ellis-Institut Tübingen (ELLIS Institute Tübingen). Auf persönliche Nachfrage nach der Verbindlichkeit der Umsetzung wurde mir versichert, dass Schulen freiwillig teilnehmen könnten und man darauf setze, dass der Erfolg des AIS dazu führe, dass alle Schulen nicht darum herum kämen.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite des AIS: https://ais.schule/ und hier: https://www.kmk.org/bildungsministerkonferenz/bildungsthemen/bildung-in-der-digitalen-welt.html (bei „Länderübergreifende Vorhaben“ / „Adaptives Intelligentes System“ (hier erfährt man auch, dass AIS-Chat (durch die Umbenennung im Mai 2026, wird das natürlich offensichtlicher) ein Teilprojekt von AIS ist und dessen weiterbetrieb von dem Fortschritt bei AIS abhängt.) Persönlich bin ich vom disruptiven Potenzial von AIS oder vergleichbaren Tutorsystemen überzeugt, schließlich war es unter anderem der TED-Talk von Sal Khan zu Khanmigo im April 2023, der mich zur intensiven Beschäftigung mit KI gebracht hat. Schon Benjamin Bloom (ja, das ist der mit den Taxonomien) hat ja 1984 erforscht, dass individuelle Unterstützung Lernende um zwei Notenstufen besser machen kann. Ohne KI war es natürlich nicht denkbar, jedem und jeder Lernenden eine Lehrkraft zur Verfügung zu stellen. Bloom nannte das das „2-Sigma-Problem“. KI hat jetzt das Potenzial, dieses Problem zu lösen. Wenn es denn gut gemacht wird.

Ich sehe aktuell zwei Schwierigkeiten. Bisher haben es staatliche/halbstaatliche Unternehmungen eher nicht geschafft, sinnvolle digitale Systeme zu etablieren (vgl. Logineo, AIS-Chat mit Einschränkungen). Und, zweitens, habe ich meine Zweifel, ob eine freiwillige Implementierung in den Schulen funktionieren kann. Wir sehen aktuell bei der Implementierung von KI-Anwendungen in Unterricht und Lehre schon einen wachsenden digital-divide, weil viele Schulen und Lehrkräfte sich schlicht nicht damit beschäftigen. Ähnliches können wir bei der Anwendung von digitalen Tafeln oder Tabletts im Unterricht beobachten. Ähnliches konnte ich auch schon bei der Einführung der Kompetenzorientierung in den 2010er Jahren beobachten, damals mussten sich Lehrkräfte zwar fortbilden lassen, haben das zum Teil aber nur halbherzig getan und wenig umgesetzt. Da ist es wieder, das Implementierungsproblem in der deutschen Bildungslandschaft. Ich plädiere daher für eine deutlich verbindlichere Umsetzung im Rahmen strukturierter Schulentwicklungsprogramme mit entsprechenden Entlastungen (Pilotierung, Begleitforschung, Fortbildung), um eine weitere Heterogenisierung der deutschen Bildungslandschaft zu verhindern und das Potenzial von AIS zur Stärkung der Bildungsgerechtigkeit zu nutzen. Außerdem plädiere ich für ein starkes europäisches System in Kooperation mit etablierten und neuen Stakeholdern auf dem europäischen Bildungsmarkt, um weiteren Einfluss von US-Big-Tech oder chinesischen Anbietern auf dem europäischen Bildungsmarkt zu verhindern.

AIS könnte das wichtigste schulische Infrastrukturprojekt seit Einführung der Schulpflicht werden, wenn Deutschland diesmal das Implementierungsproblem löst.

Funfact für alle KI-Skeptiker, besonders für Mathe: In Schweden gibt es ein gut funktionierendes AIS für Mathematik: Magma Math, auch das war auf der Didacta zu sehen: https://www.magmamath.com/de.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:Interessantes
„Medium“ zum 2-Sigma-Problem: https://medium.com/@lern360_official/the-2-sigma-problem-was-never-about-teaching-it-was-about-scale-80c846b3e5b5.
Die Bosch Stiftung hat das „Deutsche Schulbarometer 2026“ zu Schülerinnen und Schülern veröffentlicht, hier gibt es eine Zusammenfassung auf dem „Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/deutsches-schulbarometer-schuelerbefragung-2026-die-wichtigsten-ergebnisse/. Die ganze Studie gibt es hier: https://www.bosch-stiftung.de/de/publikation/deutsches-schulbarometer-befragung-schuelerinnen. Spoiler: Es ist nicht besser geworden.
Ulrike Linz bloggt zu Deep Skills im Zeitalter von KI. Deep Skills sind die tiefen, menschlichen Fähigkeiten wie Selbstregulation, Empathie und Reflexion, die im Zeitalter von KI besonders wichtig werden und durch sinnvolle Lernräume statt durch reines Training entstehen: https://linzspiration.de/deep-skills/.
Eine Studie des „LIfBi“ hat eine umfangreiche Studie zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungsungleichheit veröffentlicht: https://www.lifbi.de/de-de/Start/Aktuelles-Medien/Neuigkeiten/details/gleiche-leistung-ungleiche-chancen.
Die Uni Hildesheim hat die JuCo V-Studie zum Wohlbefinden Jugendlicher und junger Erwachsener in Krisenzeiten in Krisenzeiten veröffentlicht: https://hilpub.uni-hildesheim.de/server/api/core/bitstreams/b79bd9ec-5bde-46e3-b657-f42e27224a97/content.

Schulentwicklung
In einem Interviews für das „Deutsche Schulportal“ erklärt die US-Bildungsforscherin und Autorin Julia Freeland Fisher, „Warum Schulen Jugendliche auch beim Netzwerken unterstützen sollten“: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/vitamin-b-warum-schulen-jugendliche-auch-beim-netzwerken-unterstuetzen-sollten/.

Smartphone und Social-Media
Die NZZ zeigt, wie man Soziale Medien technisch besser gestalten könnte und dass diese Möglichkeiten den Tech-Firmen durchaus bewusst sind. Das Problem ist, dass sie Gewinne schmälern würden: https://www.nzz.ch/technologie/zehn-ideen-fuer-bessere-soziale-netzwerke-die-tech-firmen-verschwiegen-haben-ld.1926585.
Im aktuellen Newsletter von Smartphone-Coach Andrea Bugl-Aigner gehet es um die Manosphere; mit interessanten Links (vgl. letzten Newsletter): https://9etqr.r.a.d.sendibm1.com/mk/mr/sh/OycXxko2a8zXNsWPDzlZCDgb/i_thqfETzt8o.

KI
Joscha Falck hat sich von KI-Agenten ein Escape-Game bauen lassen, wie kann man hier nachlesen: https://joschafalck.de/archiv-45/.
Kling zeigt hier eindrücklich, was KI im Bereich Film mittlerweile möglich macht: https://www.youtube.com/watch?v=eZeZ7EM1GY0.
Die „Initiative digitale Bildungschancen“ hat ein Diskussionspapier zum Einsatz von KI in Schulen entwickelt: https://cloud.medienzentrum.rocks/s/G8e5fsDReryDpK5?dir=/&editing=false&openfile=true.

Tipps für den Unterricht
Auf https://politiktest.de/ kann man testen wie stark politische Einstellungen mit populistischem Denken zu tun haben.
Der Psychologe und Bildungsforscher Manfred Holodynski erklärt in einem Interview mit dem „Deutschen Schulportal“, warum Classroom Management so zentral für die Unterrichtsqualität ist, welche Fehler Lehrkräfte vermeiden sollten und wie eine bessere Ausbildung Abhilfe schaffen könnte: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/wir-haben-ein-massives-problem-mit-classroom-management/.

Leseempfehlung
Leonard Sommer: Wenn Schule auf Ideen bringt, München 2023. Eine wundervolle Sammlung mit Ideen aus der Schulpraxis.

Hörempfehlung
Ferdinand Stebner bei WDR 5 über selbstreguliertes Lernen: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:section:42b966c64cd83570/.
Ich gestatte mir mal etwas Eigenwerbung. Hannes Kannes hat einen Podcast mit mir aufgenommen: https://www.youtube.com/watch?v=PCMCbpLc_TQ bei Youtube. Wer es ohne Bild mag, wird hier fündig: https://open.spotify.com/episode/4GgqCyJmZMNB2NwiuqL6IG. .

Sehempfehlung
Aktuell keine, wem langweilig ist empfehle ich aber gerne „Treibhäuser der Zukunft“ oder Clips mit Ken Robinson auf YouTube.

Veranstaltungsempfehlung
Aktuell keine, natürlich Bob Blume am 23.09. im Bürgerhaus.Spaß im Netz
Heute gibt es mal eine Website, die sie per Zufallsgenerator auf unnütze Seiten bringt: https://theuselessweb.com/.   

Blog 2026-04: Die Disruption durch Adaptive Intelligente Systeme

Bild: ChatGPT

Mich hat auf der Didacta 2026 ein Aspekt besonders beschäftigt. Ich habe dort ein Panel zu Adaptiven Intelligenten Systemen (AIS) besucht. Das „FWU Institut für Film und Bild gGmbh war Veranstalter, teilgenommen haben Prof. Dr. Ulrike Cress (Direktorin Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor Tübingen AI Center), Prof. Dr. Andreas Lachner (Co-Director Tübingen Center for Digital Education), Dr. Wieland Brendel (Forschungsgruppenleiter ELLIS Institute Tübingen), Dr. Almut Steinlein (Projektleiterin AIS am FWU). Moderiert wurde das Panel von Dr. Anika Limburg, Leiterin des Bildungscampus Saarland. Im Panel wurde deutlich:

Mehrfach wurde das disruptive Potenzial eines AIS für Unterricht betont. Es entstehe eine Lehr-Lern-Plattform, die gleichzeitig Lernende individuell und adaptiv im eigenen Tempo unterstützen soll und Lehrende bei der Lernentwicklung der Lernenden auf dem Laufenden halte. Dadurch könne eine individuelle Förderung gelingen. Das System werde entsprechend mit Curricula etc. trainiert und soll für kommerzielle Anbieter offen sein, natürlich alles konform mit DSGVO und EU-AI-Act. So soll ein offenes, nicht proprietäres lernendes System entstehen, dass den Kindern gerecht werde und Lehrkräfte entlaste, die dann wieder mehr Raum für echte Lernbegleitung bei den Lernenden bekämen, die sie nötig haben. Dadurch soll mehr Bildungsgerechtigkeit entstehen. Dafür bedürfe es natürlich auch neuer Unterrichtsformen und Lernräume. Der Gefahr des Deskilling werde durch die Adaptivität und didaktisch elaborierte Sequenzierung vorgebeugt. Ziel seien verstärkte Selbstregulierung und Kompetenzorientierung bei den Lernenden, die mit dem AIS Lernen lernen. Natürlich bedeute das nicht, dass nur noch digital und vereinzelt gelernt werde, sondern eine Ergänzung zur Unterstützung individueller Lernprozesse zur Verfügung gestellt werde; natürlich müsse weiter auch analog und kollaborativ gelernt werden.

Ausgerollt werden soll das System schon nach den Sommerferien in ersten Pilotschulen, im Herbst soll es weiter in die breite gehen und im Winter soll es Fortbildungen für Lehrkräfte geben. Wohlgemerkt: 2026! Ein ambitioniertes Programm, entwickelt von deutschen Institutionen unter dem Dach der FWU. Die zentrale Kompetenz-Schnittstelle bildet des ellis-Institut Tübingen (ELLIS Institute Tübingen). Auf persönliche Nachfrage nach der Verbindlichkeit der Umsetzung wurde mir versichert, dass Schulen freiwillig teilnehmen könnten und man darauf setze, dass der Erfolg des AIS dazu führe, dass alle Schulen nicht darum herum kämen.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite des AIS: https://ais.schule/ und hier: https://www.kmk.org/bildungsministerkonferenz/bildungsthemen/bildung-in-der-digitalen-welt.html (bei „Länderübergreifende Vorhaben“ / „Adaptives Intelligentes System“. Hier erfährt man auch, dass telli ein Teilprojekt von AIS ist und dessen weiterbetrieb von dem Fortschritt bei AIS abhängt.) Persönlich bin ich vom disruptiven Potenzial von AIS oder vergleichbaren Tutorsystemen überzeugt, schließlich war es unter anderem der TED-Talk von Sal Khan zu Khanmigo im April 2023, der mich zur intensiven Beschäftigung mit KI gebracht hat. Schon Benjamin Bloom (ja, das ist der mit den Taxonomien) hat ja 1984 erforscht, dass individuelle Unterstützung Lernende um zwei Notenstufen besser machen kann. Ohne KI war es natürlich nicht denkbar, jedem und jeder Lernenden eine Lehrkraft zur Verfügung zu stellen. Bloom nannte das das „2-Sigma-Problem“. KI hat jetzt das Potenzial, dieses Problem zu lösen. Wenn es denn gut gemacht wird.

Ich sehe aktuell zwei Schwierigkeiten. Bisher haben es staatliche/halbstaatliche Unternehmungen eher nicht geschafft, sinnvolle digitale Systeme zu etablieren (vgl. Logineo, telli mit Einschränkungen). Und, zweitens, habe ich meine Zweifel, ob eine freiwillige Implementierung in den Schulen funktionieren kann. Wir sehen aktuell bei der Implementierung von KI-Anwendungen in Unterricht und Lehre schon einen wachsenden digital-divide, weil viele Schulen und Lehrkräfte sich schlicht nicht damit beschäftigen. Ähnliches können wir bei der Anwendung von digitalen Tafeln oder Tablets im Unterricht beobachten. Ähnliches konnte ich auch schon bei der Einführung der Kompetenzorientierung in den 2010er Jahren beobachten, damals mussten sich Lehrkräfte zwar fortbilden lassen, haben das zum Teil nur widerwillig getan und nichts umgesetzt. Da ist es wieder, das Implementierungsproblem in der deutschen Bildungslandschaft. Ich plädiere daher für eine deutlich verbindlichere Umsetzung im Rahmen strukturierter Schulentwicklungsprogramme (Pilotierung, Begleitforschung, Fortbildung), um eine weitere Heterogenisierung der deutschen Bildungslandschaft zu verhindern und das Potenzial von AIS zur Stärkung der Bildungsgerechtigkeit zu nutzen. Außerdem plädiere ich für ein starkes europäisches System in Kooperation mit etablierten und neuen Stakeholdern auf dem europäischen Bildungsmarkt, um weiteren Einfluss von US-Big-Tech oder chinesischen Anbietern auf dem europäischen Bildungsmarkt zu verhindern.

AIS könnte das wichtigste schulische Infrastrukturprojekt seit Einführung der Schulpflicht werden, wenn Deutschland diesmal das Implementierungsproblem löst.

Funfact für alle KI-Skeptiker, besonders für Mathe: In Schweden gibt es ein gut funktionierendes AIS für Mathematik: Magma Math, auch das war auf der Didacta zu sehen: https://www.magmamath.com/de.

Ergänzung vom 04.04.2026:
Bei aller berechtigten Faszination für das Potenzial Adaptiver Intelligenter Systeme lohnt sich ein Blick auf die Bedingungen, unter denen diese Systeme entstehen. KI ist kein rein technologisches Produkt, sondern basiert in weiten Teilen auf menschlicher Arbeit, häufig ausgelagert in den Globalen Süden. Tausende sogenannte Data Labeler trainieren, überprüfen und moderieren Inhalte, oft unter prekären Bedingungen und mit hoher psychischer Belastung. Die „Intelligenz“ der Systeme ist damit nicht nur künstlich, sondern auch sozial produziert.

Diese Perspektive verändert den Blick auf KI grundlegend: Wenn Bildungssysteme künftig verstärkt auf solche Technologien setzen, greifen sie zugleich auf globale Arbeitsstrukturen zurück, die bislang weitgehend unsichtbar bleiben. Die Frage nach der didaktischen Integration von KI muss daher ergänzt werden um eine zweite: Unter welchen Bedingungen entsteht diese Technologie, und welche Verantwortung tragen wir als Bildungssystem in ihrer Nutzung?

Wer über Bildungsgerechtigkeit im Kontext von KI spricht, darf deshalb nicht nur die Wirkung im Klassenzimmer betrachten, sondern muss auch die Produktionsbedingungen im Blick behalten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass eine Technologie, die im Inneren auf Ungleichheit basiert, nach außen als Lösung für eben diese Ungleichheit erscheint.

Newsletter 25/26-12: 06.03.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

Frau Hartmann, Elternsprecherin an unserer Schule, hat sich mit einem Thema auseinandergesetzt und die Eltern darüber informiert, das auch an der Weibelfeldschule zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sie hat mir, vielen Dank dafür, die Erlaubnis erteilt ihren Text zu veröffentlichen und ihren Namen zu nennen, was ich sehr gerne tue. Es geht um die Frage, wie die Schule mit Straftaten umgeht. Im Folgenden zitiere ich ihren Originaltext und ergänze danach noch etwas:

„In welchen Fällen ist die Schulleitung verpflichtet, eine Strafanzeige zu stellen – insbesondere im Zusammenhang mit extremistischen Symbolen oder Parolen, Cybermobbing und problematischen Text- oder Sprachnachrichten in Klassenchats.
Zudem möchte ich Ihnen einen Überblick über die Folgen für minderjährige Zeugen sowie den Ablauf von Zeugenvernehmungen geben.

1. Wann muss die Schule eine Strafanzeige stellen?
Die Schule ist verpflichtet, eine Strafanzeige zu erstatten, wenn der Verdacht auf eine Straftat besteht, die nicht mehr allein durch schulische Maßnahmen geklärt werden kann. Dazu gehören unter anderem:

– Körperverletzungen, Bedrohungen oder Erpressung
– Diebstahl oder Sachbeschädigung
– Cybermobbing, insbesondere wenn Beleidigungen, Bedrohungen oder die Verbreitung sensibler Inhalte vorliegen
– die Verwendung, Verbreitung oder Darstellung von Worten, Parolen, Symbolen oder Gesten, die extremistischen oder in Deutschland verbotenen Organisationen zugeordnet werden
– strafbare Inhalte in Klassenchats, z. B. beleidigende Sprachnachrichten, diskriminierende Aussagen oder das Teilen verbotener Symbole

Gerade digitale Kommunikationswege wie Klassenchats spielen eine immer größere Rolle. Auch Inhalte, die außerhalb der Schulzeit verschickt werden, können strafrechtlich relevant sein, wenn sie Mitschüler bzw. Lehrer betreffen oder das schulische Miteinander beeinträchtigen.

Nach dem Erstellen einer Anzeige erfolgt durch die Schule keine allgemeine Information an Eltern, die nicht direkt und unmittelbar betroffenen sind. Dies wird zum Schutz unterlassen. Elternsprecher können davon gegebenenfalls ausgenommen sein, um im Falle eines Falles und in Abstimmung mit der Schule besser reagieren oder Fragen beantworten zu können.

2. Folgen und Auswirkungen für minderjährige Zeugen
Wenn Schülerinnen oder Schüler Zeugen eines solchen, von der Schule zu Anzeige gebrachten Vorfalls sind, kann es sein, dass sie von der Polizei zu einer Aussage eingeladen werden. Minderjährige Zeugen sind nicht beschuldigt, sondern sollen helfen, den Sachverhalt aufzuklären.

Wichtig zu wissen:
– Zeugen müssen wahrheitsgemäß aussagen.
– Sie sind nicht verpflichtet, sich selbst zu belasten.
– Die Polizei ist verpflichtet, altersgerecht und besonders schonend vorzugehen.

3. Einladung und Ablauf einer Zeugenvernehmung

Eine Zeugenvernehmung wird in der Regel schriftlich angekündigt, z. B. durch einen Brief von der zuständigen Polizeidienststelle. Die Einladung enthält Ort, Datum und ein Aktenzeichen. Häufig findet die Vernehmung in der Polizeidienststelle statt, manchmal auch in der Schule.

Der Ablauf sieht typischerweise so aus:
– Die Eltern werden über den Termin informiert.
– Eltern dürfen in der Regel anwesend sein, außer dies könnte die Aussage beeinflussen.
– Die Polizei erklärt den Ablauf und stellt Fragen, die das Kind in eigenen Worten beantwortet.
– Die Aussage wird protokolliert und anschließend gemeinsam durchgegangen und unterzeichnet.

4. Rechte und Pflichten der Eltern
Als Eltern haben Sie das Recht:

– über den Termin und Zweck der Vernehmung informiert zu werden,
– Ihr Kind zu begleiten (sofern zulässig),
– Rückfragen zu stellen, wenn etwas unklar ist.

Gleichzeitig haben Sie die Pflicht:
– Ihr Kind zur wahrheitsgemäßen Aussage anzuhalten,
– die Teilnahme an der Vernehmung zu ermöglichen,
– die Schule über relevante Informationen zu informieren, sofern diese zur Klärung beitragen.

Mir ist bewusst, dass solche Situationen für Kinder und Eltern belastend sein können. Bitte zögern Sie nicht, bei Unsicherheiten das Gespräch mit der Klassenleitung, der Schulleitung oder auch mit mir als Elternvertretung zu suchen.“

Die Polizei hat in diesem Zusammenhang eine gute Handreichung für Lehrkräfte erstellt, die natürlich auch für Eltern von Interesse sein kann: https://www.polizei-beratung.de/fileadmin/Medien/299-HR-Schule-fragt-Polizei-antwortet.pdf.

Warum dieser Beitrag?
Weil es in der letzten Zeit leider wieder häufiger zur Verwendung verbotener Symbole oder extremistischen Gesten oder Sachbeschädigungen kommt. Wir sind zum Glück noch weit davon entfernt, dass das ein Massenphänomen an unserer Schule ist, sind uns im Kollegium aber auch einig, dass wir das nicht tolerieren und im Keim ersticken wollen. Deshalb werden wir als Schule konsequent bei solchen Vorfällen vorgehen, um deutlich zu machen, dass hier Grenzen überschritten werden. Ein Teil der Gegenmaßnahmen ist dieser Newsletter, der alle Mitglieder der Schulgemeinschaft informieren und sensibilisieren soll. Ich bitte Eltern und Lehrkräfte mit ihren Kindern und Schülerinnen und Schülern zu sprechen und ihnen klar zu machen, dass extremistische Gesten kein Spaß sind und Konsequenzen haben.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:Interessantes
Hier gibt es eine Zusammenfassung zu INSIDE, einer Langzeitstudie zu Inklusion, der dazu erschienene Sammelband kann komplett heruntergeladen werden. Spoiler: Es hängt von den Lehr- und Förderkräften ab: https://www.lifbi.de/de-de/Start/Aktuelles-Medien/Neuigkeiten/details/langzeitstudie-inside-zieht-bilanz-wie-inklusion-an-weiterfuehrenden-schulen-gelingt-und-wo-sie-an-grenzen-stoesst. (Danke Frau Zuppke für den Hinweis).
Das Verwaltungsgericht Kassel hat ein Urteil zu Täuschungsversuchen mit KI an der Uni gefällt. Ist das ggf. auf Schule übertragbar? https://verwaltungsgerichtsbarkeit.hessen.de/presse/unzulaessige-nutzung-kuenstlicher-intelligenz-bei-studentischen-pruefungsleistungen.
Die Uni Hildesheim hat die JuCo V-Studie veröffentlicht, die sich mit dem Wohlbefindne von Jugendlichen befasst: https://hilpub.uni-hildesheim.de/entities/publication/7c0efae6-c11a-4eed-adf0-4636c68ff009.
Susanne Alles setzt sich in ihrem Blog klug mit der Abwertung von digitaler Schulentwicklung als „Knöpfchenkunde“ auseinander, sie fordert eine andere Fehlerkultur und die Anerkennung von Bedienwissen zur Technik: https://teacherette-total.blogspot.com/2026/03/knopfchenkunde-und-klickkompetenz-warum.html.
Rahel Tschopp schreibt in einer Kolumne für „Lernetz Schule“ über das Schul-WC als wichtigen sozialen Ort: https://lernetz.schule/magazin/was-das-stille-oertchen-ueber-die-schule-sagt/.
Eine internationale Generationenumfrage hat ergeben, so berichtet „Der Standard“, dass die Männer der GenZ rückständige Rollenbilder haben (Vgl. Newsletter 09: https://www.schulmun.de/2025/08/12/newsletter-2025-2026/): https://www.derstandard.at/story/3000000311154/generationen-umfrage-gen-z-hat-r252ckst228ndigstes-rollendenken.

Schulentwicklung
Ich mache hier mal eine neue Rubrik zu Schulentwicklung auf. Ich wundere mich selbst, dass es diese noch nicht gibt, wo das doch eines meiner zentralen Themen ist.
„Spektrum.de“ hat mit 17 führenden Expertinnen und Experten 15 Denkanstöße für die Schule der Zukunft entwickelt: https://reportage.spektrum.de/die-schule-der-zukunft#uebersicht.
Torsten Larbig kritisiert in seinem Blog den Fokus auf 4K und Future-Skills, die sich zu sehr an ökonomischer Verwertbarkeit orientieren. Die 4K sind wichtig, aber nicht ausreichend.
Bildung darf nicht nur auf Kompetenzen für Funktionieren zielen, sondern muss Orientierung im Leben ermöglichen: https://herrlarbig.de/2026/02/16/jenseits-der-4k-was-bildung-wirklich-bedeutet/.

Smartphone und Social-Media
„Netzpolitik.org“ hat kritische Standpunkte zur Debatte um das Social-Media-Verbot für Jugendliche zusammengefasst: https://netzpolitik.org/2026/von-kinderhilfswerk-bis-lehrerverband-so-breit-ist-die-kritik-am-social-media-verbot/.
Michael Drabe hat ein Mini-Curriculum zur Medienbildung im Zuge der Debatte um das Social-Media-Verbot entwickelt: https://schule-in-der-digitalen-welt.de/sollte-es-ein-social-media-verbot-fur-alle-unter-14-geben/.
„Der Standard“ zeigt, dass viele Tech-Manager bei ihren Kindern Social-Media stark reglementieren: https://www.derstandard.at/story/3000000309692/tech-manager-pflegen-strenge-social-media-limits-fuer-ihre-kinder?ref=article.
Jan Martin Wiarda beschreibt in seinem Blog wie sich seine Haltung zu einem Social-Media-Verbot wandelte: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/02/12/bitte-verbieten.

KI
Bernhard Gmeiner berichtet in seinem KI-Blog bei „Der Standard“ darüber, wie er mit Vibe-Coding Apps für seinen Unterricht baut, ohne Programmierkenntnisse. Ich bin auch gerade dabei das auszuprobieren: https://www.derstandard.at/story/3000000309176/ich-habe-eine-app-gebaut-ich-kann-nicht-programmieren?ref=article.
„Frontiers in Education“ hat sich mit Lehrkräftefortbildungen zu KI auseinandergesetzt. Spoiler: Nicht „KI zeigen“, sondern „KI verstehen und pädagogisch nutzen“ ist entscheidend für wirksame Schulentwicklung: https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2025.1671306/full.
Benedikt Wisniewski schreibt im FelloFish-Blog „Über den problematischen Diskurs zum Einsatz von KI in der Schule“, Spoiler: Die eigentliche Herausforderung ist nicht Technologie, sondern Didaktik; KI zwingt Schule, zwischen Wissen, Können und Verstehen neu zu unterscheiden.: https://www.fellofish.com/blog/zwischen-hype-und-panik.
Die Hamburg-Open-Online-University hat zu ihrem zehnjährigen bestehen ein Papier zu KI, Urheberrecht und OER veröffentlicht: https://portal.hoou.de/wp-content/uploads/HOOU-KI-und-Recht-RZ-Digital-02-Doppel.pdf?_ga=2.187007278.728171147.1750668388-452765661.1747647146.
Hauke Pölert hat auf LinkedIN auf diese Studie aufmerksam gemacht, die untersucht, ob es einen Unterschied macht, ob Feedback von einem Menschen oder einer KI kommt: https://arxiv.org/pdf/2602.11311. Spoiler: Ja.
Joscha Falck schreibt auf „Deutsches Schulportal“ über KI als Lernressource: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/wie-wird-ki-zur-lernressource-statt-zur-abkuerzung/.
Review zur Harvard-Studie zu KI-Tutoring (Kestin et al. 2025), gut designte KI-Tutoren können in bestimmten Lernphasen besser wirken als sehr guter Unterricht — aber nur unter streng didaktischen Bedingungen: https://etcjournal.com/2025/11/10/review-of-kestin-et-al-s-june-2025-harvard-study-on-ai-tutoring/.
Greenpeace hat ein gutes Paket mit Unterrichtsmaterial zu KI und Klima erstellt, in dem Chancen und Kritik zusammengefasst werden: https://www.greenpeace.de/ueber-uns/umweltbildung/unterrichtsmaterial-kuenstliche-intelligenz-ki-und-klima.
Ein schönes Spiel zum Üben von Prompten in einer Beta-Version: https://store.steampowered.com/app/4258720/Promptables__Das_KIDuell/.

Tipps für den Unterricht
Eine praktische Anwendung von KI im Sportunterricht entwickeln Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen: https://www.mz.de/panorama/wie-jugendliche-mit-ki-sportunterricht-fairer-machen-wollen-4203186.
Das „Online Praxishandbuch Unterrichtsgestaltung mit Medien“ der Uni Bremen bietet zahlreiche Anleitungen und Unterrichtsszenarien für mediengestützte Bildung: https://unterrichtsgestaltung-mit-medien.de/.

Leseempfehlung
Pavle Madzirov: KI-Kompetenz für Schulleitungen; Grundlgen, Praxis und Integration von Künstlicher Intelligenz in Schulleitungshandeln und Unterricht, Hürth 2026.

Hörempfehlung
Im Podcast „Education Minds“ von Yvo Wüest ist Stefan Lesser zu Gast, hörenswert:  https://open.spotify.com/episode/4tsaSFfIQ58vuREm5bESfE.

Sehempfehlung
Arte Doku zur Frage ob Schule Druck braucht: https://www.youtube.com/watch?v=dTPL08Z3HKk.

Veranstaltungsempfehlung
Die Pioneers of Education haben die Videos ihres Bildungsgipfels noch bis Montagabend freigeschaltet, wer möchte kann sich hier noch anmelden: https://pioneersofeducation.online/. Spaß im Netz
Die Seite https://r74n.com/ bietet zahlreiche spannende und wichtige Features, zum Beispiel eine Liste mit allen Ameisenarten auf der Erde: https://r74n.com/ants/.  

Blog 2026-03: Schule nach dem Wissen

Präambel (KI-Transparenzhinweis)
Dieser Beitrag ist mit Unterstützung einer KI entstanden.
Er ist jedoch nicht automatisiert erzeugt worden, sondern Ergebnis eines längeren Arbeitsprozesses: Sammlung von Studien, Blogtexten und Artikeln, Diskussion und Klärung von Gedanken sowie wiederholte Überarbeitung im Dialog. Die KI diente dabei als Denk- und Strukturierungspartner, nicht als Ersatz eigener Positionen. Der Text spiegelt daher eine entwickelte Perspektive wider, nicht eine automatisch erzeugte Meinung. Natürlich ist der KI-Stil für Kennende erkennbar.


Schule nach dem Wissen

Warum KI nicht unser größtes Problem ist – sondern unsere größte Klärungschance

In den letzten Monaten habe ich viele Texte über KI und Bildung gelesen.
Sie kamen aus ganz unterschiedlichen Richtungen: Forschung, Unterrichtspraxis, Medien, Philosophie. Manche warnen vor Kontrollverlust, andere feiern eine neue Lernfreiheit.
Erstaunlich war weniger, wie unterschiedlich die Positionen sind, sondern wie ähnlich ihr Kern ist. Viele beschreiben dieselbe Verschiebung: keine technologische Revolution, sondern eine Bedeutungsverschiebung von Wissen.

Was sich gerade wirklich verändert

Schule war über Jahrhunderte logisch aufgebaut. Wissen war knapp. Also organisierte man Institutionen, die Wissen vermitteln. Lehrkräfte erklärten. Schüler lernten. Später konnte man das Gelernte anwenden. Diese Logik war stabil, weil sie funktionierte.
Nun ist Wissen jederzeit verfügbar und mit KI sogar generierbar. Texte, Programme, Zusammenfassungen und Lösungen entstehen auf Knopfdruck. Damit bricht nicht Lernen zusammen, sondern die alte Funktion von Lernen.

Schule kann nicht mehr primär der Ort sein, an dem Menschen erfahren, was richtig ist.

Warum plötzlich so viele Aufgaben nicht mehr funktionieren

Die erste Reaktion vieler Schulen war ein Verdacht: Schüler nutzen KI, um sich Arbeit zu ersparen. Die zweite Reaktion war häufig: Verbieten oder Ignorieren.
Doch vielleicht zeigt uns die Situation etwas anderes. Wenn ein Werkzeug eine Aufgabe vollständig übernehmen kann, war die Aufgabe möglicherweise nie ein guter Lernindikator.
Hausaufgaben verlieren ihre Aussagekraft. Reproduktionstests verlieren ihre Aussagekraft. Selbst viele klassische Prüfungsformate verlieren ihre Aussagekraft, nicht weil Schüler weniger leisten, sondern weil Ergebnisse nicht mehr zeigen, wer etwas verstanden hat.

Bewertbar bleibt nur noch:

  • Entscheidungen
  • Begründungen
  • Qualitätseinschätzungen
  • gedankliche Wege

Plötzlich interessiert nicht mehr nur die Antwort, sondern das Denken.

Die verbreitete, aber zu kurze Antwort: Kompetenzen

Als Reaktion entstehen neue Schlagworte: Future Skills, 4K, Kompetenzen. Sie sind nicht falsch, aber sie bleiben im alten Muster. Sie beschreiben weiterhin, was Menschen können sollen.

Die eigentliche Frage ist inzwischen eine andere:

Wozu lernen Menschen, wenn Wissen jederzeit verfügbar ist?

Die Antwort verschiebt sich von Können zu Verantwortung.
Nicht mehr Informationen besitzen, sondern mit Informationen umgehen.
Nicht mehr Probleme lösen, sondern Lösungen beurteilen.
Nicht mehr Antworten geben, sondern Entscheidungen vertreten.

Die Rolle der Lehrkraft verändert sich nicht – sie wird klarer

Oft wird gefragt, ob KI Lehrkräfte ersetzt. Tatsächlich passiert etwas anderes.
Die klassische Rolle war Wissensquelle und Kontrolle. Diese Rolle wird technisch leichter ersetzbar. Die eigentliche Rolle wird dadurch sichtbarer:

  • Orientierung geben
  • Denken strukturieren
  • Qualität beurteilen helfen
  • Verantwortung einfordern

Lehrkräfte werden nicht überflüssig. Sie werden erkennbar notwendig; nicht mehr, weil sie mehr wissen als andere, sondern weil sie Bedeutung herstellen helfen.

Die eigentliche Bildungsfrage

Wenn Information jederzeit erzeugbar ist, entsteht eine neue Grundfrage: Warum lernen Menschen überhaupt?
Nicht mehr, um vorbereitet zu sein. Nicht mehr, um später anwenden zu können. Sondern um urteilsfähig zu werden.
Bildung wird damit weniger Vorbereitung auf Zukunft und mehr Orientierung in Gegenwart.

Was das organisatorisch bedeutet

Diese Verschiebung ist größer als Digitalisierung. Sie betrifft die Architektur von Schule.
Eine Schule, die auf gleichzeitige Stoffvermittlung ausgerichtet ist, passt schlecht zu einer Welt, in der jeder jederzeit Zugang zu Informationen hat.

Lernen braucht mehr:

  • Zeit zum Verstehen
  • Austausch zum Einordnen
  • Rückmeldung zum Verbessern
  • Verantwortung für Ergebnisse

Nicht weniger Struktur, sondern eine andere Struktur. Nicht weniger Leistung, sondern sichtbarere Leistung.

Die eigentliche Chance

KI zwingt Schule nicht, moderner zu werden. Sie zwingt Schule, ehrlicher zu werden. Viele Routinen haben lange funktioniert, weil ihre Voraussetzungen stabil waren. Diese Voraussetzungen verschwinden gerade.
Das kann man als Krise sehen. Man kann es aber auch als seltene Gelegenheit begreifen, Schule neu vom Zweck her zu denken.
Vielleicht geht es künftig weniger darum, Antworten zu lernen, sondern darum, mit Antworten verantwortungsvoll umgehen zu können. Und dazu Bedarf es Wissen, Kompetenz und Urteilskraft.

Und vielleicht war das immer schon Bildung.

Epilog (ohne KI)
Ist dieser Beitrag jetzt ein Beispiel für verantwortlichen Umgang mit Wissen? Ich habe das Wissen anderer kompiliert und um eigene Gedanken ergänzt, das passiert in der Wissenschaft auch. Ich habe dadurch etwas Neues geschaffen, mir ein Urteil gebildet und auf etwas aufmerksam gemacht, was mir wichtig ist, nämlich Bildung und Schule in Zeiten von KI. Wie kann oder muss ich als Schulleiter Schule entwickeln, um unsere Kinder sinnvoll auf die Zukunft vorzubereiten und so eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu erhalten.

Newsletter 25/26-10: 06.02.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

dieser Newsletter erreicht Sie aus dem Schnee, als ich diese Zeilen schreibe, schneit es schon den ganzen Tag und ich sitze im Wintersport-Home-Office in Uttenheim in Südtirol.
Ich habe lange gezögert, ob ich mir es überhaupt erlauben kann an der Wintersportwoche unseres 8. Jahrgangs teilzunehmen, habe mich dann aber „überreden“ lassen und bereue es kein Stück.
Natürlich bleibt eine Menge Arbeit liegen, natürlich kann ich eine Menge Termine nicht wahrnehmen, natürlich fällt im LK Unterricht aus (gibt aber einen Arbeitsauftrag) und natürlich werde ich in den nächsten Wochen Liegengebliebenes aufarbeiten müssen. Aber das ist es wert. Außerhalb des unterrichtlichen Kontexts entsteht eine andere Welt. Für einige Schülerinnen und Schüler ist es die erste Erfahrung mit Urlaub in den Bergen, Schnee und Wintersport; für wenige ist es die erste Erfahrung mit Urlaub überhaupt und das zu beobachten erdet und erfreut zugleich. Es entsteht eine besondere Atmosphäre, man erlebt die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Kolleginnen und Kollegen in einem anderen Kontext. Es findet keine Bewertung statt, kein Zwang zum Unterricht in der Enge des Klassenraums im Takt der Schulstunde. Es gibt Freiheit, natürlich in einem pädagogisch angemessenen Rahmen.
Diese Freiheit wirkt. Sie schafft Vertrauen, ermöglicht Gespräche, die im Schulalltag oft keinen Raum finden, und sie lässt Beziehungen wachsen, die später auch im Unterricht tragen. Man teilt Erfolge und Misserfolge auf der Piste, lacht gemeinsam, tröstet, ermutigt, hilft sich gegenseitig. Schule wird hier ganz konkret als Lebensraum erfahrbar.
Gleichzeitig zeigt sich, wie wertvoll solche Fahrten für die Persönlichkeitsentwicklung unserer Schülerinnen und Schüler sind. Verantwortung füreinander, Durchhaltevermögen, das Überwinden eigener Grenzen, Rücksichtnahme und Gemeinschaft werden nicht theoretisch besprochen, sondern praktisch gelebt. Das sind Erfahrungen, die bleiben; oft länger als mancher Unterrichtsinhalt.
Auch für uns Lehrkräfte ist diese Woche ein Perspektivwechsel. Sie erinnert daran, warum wir diesen Beruf ergriffen haben, und daran, dass Bildung mehr ist als Stoffvermittlung, Noten und Abschlüsse. Sie ist Beziehung, Haltung und gemeinsames Erleben.
Zu dieser besonderen Woche gehören natürlich auch Konflikte. Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, wo Müdigkeit, Kälte, ungewohnte Anforderungen und Emotionen aufeinandertreffen, bleibt Reibung nicht aus. Bei wenigen zeigt sich auch ein mangelndes Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz oder die Schwierigkeit, eigene Grenzen auszuhalten. Auch das ist Realität und kein Scheitern, sondern Teil eines Lernprozesses.
Gerade in diesen Momenten zeigt sich der pädagogische Wert solcher Fahrten. Konflikte werden nicht ausgeblendet, sondern begleitet, ausgehalten und so gut es geht gemeinsam gelöst. Schülerinnen und Schüler erfahren, dass Herausforderungen dazugehören, dass man nicht alles sofort können oder mögen muss und dass Unterstützung da ist, wenn es schwierig wird. Auch diese Erfahrungen sind prägend und wirken oft nachhaltiger als jede gut gemeinte Ermahnung im Klassenzimmer.
Mein Dank gilt daher allen Kolleginnen und Kollegen, die diese Fahrten mit großem Engagement ermöglichen, Verantwortung übernehmen und sich auf diese besondere Form von Schule einlassen. Ebenso danke ich den Eltern für ihr Vertrauen.
Ich werde mit müden Knochen, aber klarem Kopf, vielen Eindrücken und neuer Energie zurückkehren und ja, der Schreibtisch wird voll sein. Aber auch das gehört dazu und ist es wert.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
Silke Müller behauptet, das Schulsystem sei insolvent. Warum erklärt „News4Teachers“: https://www.news4teachers.de/2026/01/wir-sind-insolvent-warum-ex-schulleiterin-silke-mueller-das-deutsche-bildungssystem-fuer-bankrott-erklaert-und-ausgestiegen-ist/.
Susanne Posselt hat auf ihrer Website einen Vortrag von Andreas Schleicher zum Thema „Zukunftsschule 2041“ (aus Gewerkschaftsperspektive) zusammengefasst: https://susanneposselt.de/zukunftsschule-2041/.
Das „Deutsche Schulportal“ setzt sich kritisch mit dem Trend zu „Dark Romance-Literatur“ bei kritischen Jugendlichen auseinander, darüber sollten Lehrkräfte Bescheid wissen (Spannender Twist: TikTok(BookTok/Social-Media fördert Leselsut): https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/dark-romance-im-jugendzimmer-was-lehrkraefte-jetzt-wissen-muessen/.
„Kappan“ beschäftigt sich mit Schumeln mit KI: KI-Schummeln ist kein völlig neues Problem, sondern eine neue Form eines alten Problems. Erfolgreiche Reaktionen brauchen klare Definitionen, gemeinsame Regeln, KI-Kompetenz und dialogische Schulentwicklung statt rein technischer Detektion oder Verbote. https://kappanonline.org/cheating-the-ai-elephant-in-the-classroom/ (auf Englisch).
JMS (Transparenzhinweis: Ich bin Mitglied) hat ein Impulspapier zu einem weltweiten Vergleich von Schulsystemen in Bezug auf die Vermittlung von Nachrichten- und Informationskompetenz veröffentlicht: https://journalismus-macht-schule.org/wp-content/uploads/2026/01/Impulspapier-JmS-1.pdf.
Wer sich mit Growth Mindset in der Schule beschäftigt, sollte mal auf diese Seite von Martin Karacsony, Ruth Stocker und Falk Szyba schauen: https://bildungsspirit.de/index.html.
Der LehrLernKompass von Uta Hauck-Thum und Micha Pallesche (OER, CC BY-NC 4.0) ist ein Assistent in CHatGPT und unterstützt Lehrkräfte dabei, Lehren und Lernen gemeinsam weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen Lernsettings, die Basiskompetenzen sichern und zukunftsrelevantes Lernen ermöglichen: https://chatgpt.com/g/g-6968caf825d08191930942f34592bf61-lehrlernkompass.

Smartphone und Social-Media
Nachtrag zum Schwerpunktthema des letzten Newsletters: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/brainrot-stumpft-ab-roblox-echtes-problem.
Auch „netzpolitik.org“ setzt sich jetzt kritisch mit Roblox auseinander: https://netzpolitik.org/2026/gaming-plattform-roblox-gewalt-und-bauchfreie-oberteile/.

KI
Kritischer Artikel aus „Wired“ zu KI-Agenten: https://www.wired.com/story/ai-agents-math-doesnt-add-up/.
Pressemitteilung der TU-Berlin zu einer Studie über romantische Beziehungen zu Chat-Bots: https://www.tu.berlin/nachrichtendetails/ich-werde-ihn-nicht-aus-irgendeinem-grund-loeschen-ich-liebe-ihn.
RA Franziska Mauritz schreibt auf dem FelloFish Blog über rechtliche Leitplanken zum Einsatz von KI in der Schule: https://www.fellofish.com/blog/rechtliche-leitplanken-fuer-den-ki-einsatz.
Hauke Pöhlert plädiert für mehr Professionalität im Kontext von KI und Schule. Spoiler: Wir sehen im internationalen Vergleich in Sachen Teamwork, Regeldurchsetzung, Hospitationen, Fortbildung, Netzwerken nicht gut aus. Er macht 10 Vorschläge zur Professionalisierung: https://unterrichten.digital/2026/01/30/fortbildung-professionalisierung-ki-schule/.
Einführung in das Vibe-Coding (programmieren mit KI) auf „lernsachen.blog“: https://lernsachen.blog/2026/01/23/vibe-coding-was-ist-das-und-kann-ich-das-auch/.
Andrea Buhl-Aigner („Smartphone-Coach“) bloggt zum Thema KI-Councelling (ein zunehmendes Phänomen, vgl. letzter Newsletter) bei Kindern über Social Media, zum Beispiel WhatsApp: https://www.smartphonecoach.org/fragt-dein-kind-die-ki-um-rat/.
Manuel Flick hat eine „3×3-Modell“ für KI-resilientere Aufgaben entwickelt: https://www.manuelflick.de/blog/das-3×3-modell-fuer-ki-resilientere-aufgaben.
Die FR berichtet über den Trend, dass gute Arbeiten vermehrt unter KI-Generalverdacht stehen: https://www.fr.de/panorama/beaengstigend-entwicklung-an-deutschen-schulen-stellt-gute-schueler-unter-generalverdacht-zr-94135510.html.

Tipps für den Unterricht
Auf dem LernSachen-Blog gibt es eine Silben-Lesehilfe, die Silben in Texten automatisch einfärbt, mit Bildern versieht oder vorliest: https://lernsachen.blog/2026/01/20/silben-lesehilfe-silbenfarbung-und-wortbilder-per-klick/.
(Nicht nur) Für den Geschichtsunterricht gibt es unter https://shoahstories.video/de/ kuratierte Kurzvideos, produziert von Gedenkstätten und Zeitzeugen, zum Holocaust.
(Könnte auch unter „KI“ stehen, tut es aber nicht) Tolles Material zu KI für die Unterrichtspraxis von „Klicksafe“: https://www.klicksafe.de/materialien/ki-and-me-wie-kuenstliche-intelligenz-unser-leben-praegt.
Dr. Johannes Hellenbrand hat für Telli den KI‑Lernbegleiter für selbstreguliertes Lernen (SRL) Sid erstellt, hier gibt es die nötigen Informationen zur Einrichtung: https://github.com/drjhellenbrand/sid.

Leseempfehlung
Dieses Buch hat mir Sjef Drummen von der Agora-Schule in Roermond empfohlen und ich empfehle es gerne weiter: Rutger Bregmann: Im Grunde gut; Eine neue Geschichte der Menschheit, Hamburg 2025. Bregmann legt überzeugend dar, warum der Mensch eher nicht dem Hobbesschen Weltbild entspricht und nicht des Menschen Wolf ist, sondern eher hilfsbereit und kooperativ, eben im Grunde gut ist.

Hörempfehlung
Podcast des SR mit Silke Müller zu ihrem neuen Buch: https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:38f10bc4efd8d5a7/.
Der KI-Podcast der ARD geht der Frage nach „Woran hakt die KI-Revolution in den Schulen?“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/woran-hakt-die-ki-revolution-in-den-schulen/id1698961192?i=1000739223328.

Sehempfehlung
Ich bin auf eine Playlist mit Videos von und zu Ken Robinson gestoßen, dessen Erkenntnisse und Beiträge zur Bildung unvergessen und inspirierend sind: https://www.youtube.com/playlist?list=PL8A48D7DAFBAF140A.

Veranstaltungsempfehlung
Am 25. Und 26. September findet wieder Vision@Schule an der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar statt. Wie im vergangenen Jahr gibt es interessante Vorträge, Workshops und mehr rund um die zukunftsfähige Schule.
Und kurz vorher, am 23. September, natürlich Bob Blume im Bürgerhaus Dreieich.

Spaß im Netz
Heute gibt es mal einen Persönlichkeitstest anhand der Handschrift, natürlich reliabel, objektiv und valide wie eine Schulnote: https://r74n.com/mini/handwriting.

Newsletter 25/26-08, 19.12.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

ein aufregendes Jahr neigt sich dem Ende zu.

Wir leben in einer Zeit rasanter Veränderung. Traditionen, Strukturen, liebgewordene Muster brechen auf und werden in Frage gestellt, es ist in vielen Bereichen noch unklar, wohin die Reise geht. Auch unsere Weibelfeldschule ist von diesen Entwicklungen und Veränderungen betroffen. Der Umgang der Schulgemeinschaft untereinander und mit unserem Bildungsauftrag verändert sich und auch wir wissen nicht, wo die Reise hingeht.

Wir haben uns auf den Weg gemacht, mit diesen Veränderungen umzugehen. Natürlich dauert es etwas, bis die Veränderungen sichtbar werden. Ich denke, im Rückblick wird 2025 ein entscheidendes Jahr in unserem Schulentwicklungsprozess sein. In den letzten beiden Schuljahren haben wir uns Strukturen gegeben (DNA-Gruppe, Weiterentwicklung SEG, AGs der SEG), um die Schule agil und mit der ganzen Schulgemeinschaft weiterzuentwickeln und in den nächsten beiden Jahren werden die Veränderungen dann sichtbar werden.

Kleine Dinge sind schon sichtbar, so wurden in den Flurbereichen mehr Möglichkeiten für offenes Arbeiten geschaffen, indem mehr Tische, Bänke und Stühle aufgestellt wurden. Das ist aber erst der Anfang, seien Sie gespannt, was noch kommt.

Jetzt ist aber nicht die Zeit vieler Worte, jetzt ist die Zeit der Besinnung und Ruhe. Genießen Sie die Winterferien, gewinnen Sie etwas Abstand vom Alltagsstress und lassen Sie Schule etwas in den Hintergrund treten.

Wir brauchen im kommenden Jahr viel Kraft und Leidenschaft, um unsere Weibelfeldschule zu einem noch besseren Ort für uns alle zu machen.

In diesem Sinne:

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
Nachtrag zum Thema des letzten Newsletters: Auf dem „Deutschen Schulportal“ gibt es einen ausführlichen Beitrag zu psychischen Belastungen in der Schule: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/psychische-gesundheit-aengste-depressionen-essstoerungen-wie-koennen-schulen-auf-psychische-belastungen-reagieren/.
Edutopia stellt die zehn wichtigsten Studien zur Bildung 2025 vor: https://www.edutopia.org/visual-essay/the-10-most-significant-education-studies-of-2025.
Jan-Martin Wiarda berichtet in seinem Blog über den Abschluss der Verhandlungen zum Digitalpakt 2.0: https://www.jmwiarda.de/blog/2025/12/11/es-soll-losgehen.
Studie zum Zusammenhang von Bildschirmzeit und kindlichem Spracherwerb, frühkindlicher Bildung und sozialen Fähigkeiten: https://psycnet.apa.org/fulltext/2025-64115-001.pdf.

Smartphone und Social-Media
Laut einer neuen Studie der Postbank steigen zunehmend Jugendliche wegen Hass, Aggression, Unwahrheiten und Suchtgefahren aus Social Media aus: https://www.deutschlandfunk.de/zahlreiche-jugendliche-steigen-einer-befragung-zufolge-aus-sozialen-medien-aus-wegen-hass-aggression-102.html. Mehr Informationen: https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2025/august/studie-smartphone-im-grundschulalter-viele-eltern-erlauben-fruehe-nutzung-und-setzen-klare-regeln.html. Die Studie selbst habe ich leider nicht gefunden.
„INVED“ warnt vor einer Zuspitzung der Lage bei visuellen Fake-Inhalten: https://inved.eu/insight/visuelle-ki-inhalte-die-lage-spitzt-sich-weiter-zu/.

KI
Die Hessische Lehrkräfteakademie hat eine Edumap zu telli mit Promptbeispielen, Handreichungen und Tipps, zum Beispiel zu Prüfungsformaten und mehr veröffentlicht: https://he.edumaps.de/81732/250705/ifsid7yl3h/58uagx58w2.
Hauke Pöhlert hat sich intensiv mit Feedback auseinandergesetzt und dabei Mensch und KI verglichen: https://unterrichten.digital/2025/11/19/feedback-mensch-ki-studie-schule/. Er bezieht sich dabei auf die (empfehlenswerte) Folge 7 des Podcasts „Kompass KI“ von Hendrik Haverkamp und Benedikt Wisniewski: https://open.spotify.com/episode/3IBZ7Kq3qNGvx9wOj7tp7K.
Der BR berichtet über Psychosen, die durch KI entstehen können, wie diese dazu neigt die Ideen der Nutzenden zu bestärken: https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/ki-psychose-was-dahintersteckt-und-welche-warnsignale-es-gibt,V59CK69.
Der ORF zeigt, dass die Propaganda russischer Desinformationskampagnen darauf ziel LLM zu kontaminieren: https://science.orf.at/stories/3233329/. Spoiler: Dazu braucht es gar nicht viele Daten.
Die Hopp-Foundation hat einen sehr brauchbaren KI-Wegweiser für Schulleitungen, Lehrkräfte und Lernende erstellt: https://www.hopp-foundation.de/ki-wegweiser/.
Ronald Purser schreibt in „Curent Affairs“ darüber, wie KI das Lernen an Universitäten zerstört: https://www.currentaffairs.org/news/ai-is-destroying-the-university-and-learning-itself.
„IP CloseUp“ zeigt, wie Menschen KI nutzen und wie sich die Nutzung seit letztem Jahr verändert hat: https://ipcloseup.com/2025/06/25/harvard-business-review-research-finds-the-top-use-of-gen-a-i-in-2025-is-companionship-therapy/. Spoiler: Der neue Platz 1 ist „Therapie und Begleitung“.

Tipps für den Unterricht
Der Kompetenzverbund lernen:digital hat eine 2. Auflage seiner fachspezifischen Broschüren zu digital gestütztem Unterricht veröffentlicht: https://lernen.digital/2025/12/09/broschuren-zu-fachlichen-unterrichtskonzepten-und-fortbildungen-2-auflage/.
Ferdinand Stebner, einer der führenden Experten für selbstreguliertes Lernen, stellt auf seiner Homepage zahlreiche Informationen dazu und zum Lernen der Zukunft vor: https://www.ferdinand-stebner.de/.
Bei „4teachers“ gibt es eine Internet Rallye zu Weihnachten: https://www.4teachers.de/?action=material&id=61783.

Leseempfehlung
Wer sich aus einer Laienperspektive intensiver mit KI beschäftigen will, dem sei das buch „Künstliche Intelligenz für dummies“ von Ralf Otte (Weinheim 2023) empfohlen.

Hörempfehlung
Vielleicht sollten wir über die Festtage mehr mit echten Menschen reden als einen Podcast zu hören.

Sehempfehlung
Hier empfehle ich mal wieder einen TED-Talk und zwar von Aylon Samouha, der eine dringende Neuordnung des Schulsystems fordert: https://www.ted.com/talks/aylon_samouha_schools_urgently_need_a_redesign_here_s_how.
ARD-Wissen Doku zum Glücklichsein, am Beispiel Finnland: https://www.ardmediathek.de/video/auf-spurensuche-oder-ard-wissen/was-macht-uns-gluecklich-er/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9lMmU5OTMzZS1mYmQwLTQ4ODEtOGFmNS0zNjA1MWY4YzU5ODhfb25saW5lYnJvYWRjYXN0. Darin auch wichtige Informationen zum Schulsystem.

Veranstaltungsempfehlung
Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.

Spaß im Netz
Mach den Würfel glücklich: https://chrismckenzie.com/.