Newsletter 25/26-09: 23.01.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

es gab schon immer Trends, Codes und eine spezielle Sprache von Jugendlichen. Das ist kein Grund zur Sorge und dient auch der Distanzierung von anderen Generationen. Wenn ältere Generationen das adaptieren, wird es oft peinlich und das ist im Grunde auch unnötig.
Dennoch ist es wichtig, dass sich gerade Eltern und Lehrkräfte mit der Lebenswelt von Jugendlichen beschäftigen, nicht um diese vollständig zu verstehen und zu durchdringen, sondern um wenigstens ein Gefühl dafür zu bekommen, was Kinder und Jugendliche umtreibt. Das gilt für elektronische Spiele, vor allem aber für soziale Medien.
Soziale Medien sind definitiv integrale Bestandteil der Jugendkultur, sie dienen der Kommunikation und Vernetzung und sind damit auch ein Teil der Sozialisation in die Gesellschaft. Schließlich nutzen ja auch viele Erwachsene soziale Medien, um vernetzt zu bleiben, sich zu informieren oder zu amüsieren.
Es gibt aber auch die negative Seite. Neben der Polarisierung, der Spaltung und den Fakenews, die schon den Erwachsenen schwer zusetzen, sind Kinder und Jugendliche diesen Gefahren hilfloser ausgeliefert, da ihre Urteilskompetenz noch in der Entwicklung ist. Das nutzen Extremisten jeglicher Couleur aus. Das ist weitgehend bekannt und wird gelegentlich sogar in der Öffentlichkeit diskutiert.
Ich möchte in diesem Newsletter für etwas unbekanntere Phänomene sensibilisieren, von denen Eltern und Lehrkräfte zumindest wissen sollten.
Vermutlich haben einige schon von Jugendlichen gehört, die sich von TikTok zum Selbstmord haben inspirieren lassen oder von anderen Nutzern in den Tod getrieben wurde, wie zum Beispiel von dem Hamburger „White Tiger“, der einen 13jährigen Jungen in den USA dazu gebracht hat sich aufzuhängen. Es gibt in den sozialen Medien ganze Netzwerke, die sich damit brüsten andere zu Selbstverletzungen oder Selbstmord zu bringen (https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/white-tiger-com-764-gefahr-kinder). Es gibt Handbücher in diesen Kreisen, in denen Manipulationstechniken erklärt werden und es gibt Foren und Chats in denen man sich austauscht. Das findet nicht nur auf TikTok statt, auch Discord, Telegram oder Roblox spielen dabei eine Rolle. Begehrte Opfer sind (psychisch labile) Teenager, weil diese in der Identitätsfindungsphase besonders vulnerabel sind.
Ein noch häufiger vorkommendes Phänomen sind Challenges, bei denen es eher zu unfallbedingten Todesfällen kommt, wie bei der 13jährigen aus Kassel, die bei der sogenannten Blackout-Challenge, inspiriert auf TikTok, zu Tode kam (https://www.hessenschau.de/panorama/blackout-challenge-auf-tiktok-13-jaehrige-aus-landkreis-kassel-stirbt-bei-mutprobe-v1,tod-nach-tiktok-blackout-challenge-100.html). Bei dieser Challenge geht es darum, durch kurzzeitiges Strangulieren kurz in Ohnmacht zu fallen. Andere Challenges fordern Deospray einzuatmen, Rasierklingen zu schlucken oder Waschmittel-Kapseln zu essen. Klicksafe hat dazu Informationen bereit gestellt: https://www.klicksafe.de/news/gefaehrliche-tiktok-challenges-das-muessen-eltern-und-lehrkraefte-jetzt-wissen. Auch das HMKB hat Informationen zusammengestellt: https://digitale-schule.hessen.de/digitale-kompetenzen/beratungsstelle-jugend-und-medien-hessen/online-challenges.
Neben diesen Challenges gibt es aber auch bestimmte Foren und Hashtags unter denen sich Jugendliche austauschen, zum Beispiel, wie bereits erwähnt, über Selbstmordmethoden oder aber auch zu Themen wie Abnehmen bis zur Magersucht. Triebkraft sind dabei oft Likes, also Anerkennung von anderen Nutzern und das Fehlen von Ansprechpersonen in der realen Welt. Unter anderem deshalb ist es so wichtig Vertrauensverhältnisse zu Kindern und Jugendlichen zu pflegen.
Andere Challenges haben eine sexuelle Konnotation, wie die Pantyhose-Challenge oder andere, bei denen Kinder und Jugendliche Videos veröffentlichen, in denen sie leicht bekleidet posieren oder tanzen. Die Konsequenzen für einen Vierjährigen aus einer anderen Challenge werden hier beschrieben: https://www.spiegel.de/netzwelt/oberbayern-vierjaehriger-veraetzt-sich-an-spuren-von-tiktok-experiment-a-842bbbb5-316f-4d48-a2b1-86148c20113e?sara_ref=re-so-app-sh. Aber nicht nur Challenges oder Foren bergen gefahren, auch die Algorithmen haben es in sich. Diese lernen ja aus dem Interesse der Nutzer und verstärken Inhalte mit großer Reichweite, welche oft polarisierend oder empörend sind, also zu Reaktionen animieren. Reaktionen und Interaktionen, clicks und likes sind die Währung in den sozialen Medien. Erreicht man hohe Aufrufzahlen für seine Inhalte, lassen sich diese zu Geld machen oder für manipulative Zwecke nutzen. Dies können extremistische Inhalte jeglicher Couleur sein oder auch Fakenews, die zur Destabilisierung der Gesellschaft beitragen. Ein weiteres Beispiel für solche Blasen, ist die so genannte „Manosphere“ (Hierhin gehören Andrew Tate oder der so genannte „Sigma-Boy“, verfilmt wurde das Phänomen in der Netflix-Serie „Adolescence“). Dort werden archaische Männlichkeitsbilder kultiviert und zur Unterdrückung von Frauen aufgerufen: https://taz.de/Umgang-mit-Maennlichkeitsbildern/!6132595/. Ein anderes Beispiel ist die „Tradwife-Szene“, dort werden traditionelle Frauenbilder gepflegt, also Frauen, die nicht arbeiten und den Haushalt führen und sich alleine um Kinder kümmern.

Lesenswert in diesem Zusammenhang ist das in einem früheren Newsletter schon einmal empfohlene Buch „Radikalisierungsmachinen“ von Julia Ebner (Berlin 2019). Eine weitere Leseempfehlung sind die beiden Bücher von Silke Müller zu dem Thema („Wir verlieren unsere Kinder“ und „Wer schützt unsere Kinder“).

KI hebt all dies noch einmal auf ein neues Level. Inhalte sind einfacher zu erstellen und Algorithmen lassen sich durch KI-Bots manipulieren, ganz zu schweigen von den Möglichkeiten für Mobbing durch Nudifier-Apps (Apps, die aus normalen Fotos Nacktbilder erzeugen). Kinder werden oft schon sehr früh in sozialen Medien mit extremer Gewalt oder Pornografie, egal ob KI-generiert oder echt, konfrontiert, solche Inhalte werden in den Feed gespült oder von anderen Nutzern geteilt oder sogar zufällig per Airdrop aufgefangen.

Ich möchte hier keine Panik machen. Soziale Medien haben viele positive Seiten, ich nutze sie auch gerne und intensiv. Sie sind eine zentrale Kommunikations- und Vernetzungsinstanz für Jugendliche. Es ist aber wichtig, dass Eltern und Lehrkräfte wissen, was in sozialen Medien passiert und möglich ist, um auf Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen vorbereitet zu sein. Das Schlechteste, was sie tun können, wenn ein Kind mit einer Horrorgeschichte aus den sozialen Medien zu Ihnen kommt, ist diese oder das Handy zu verbieten. Damit erreichen Sie nur, dass das Kind das nächste Mal nicht mehr kommt und mit seinen Erlebnissen dann alleine ist. Reden Sie, trösten Sie, bieten Sie einen Schutzraum, klären Sie auf, am besten präventiv und machen Sie ihr Kind stark, damit es sich auch im digitalen Raum wehren kann.

Ihr

Erik Grundmann

Aus aktuellem Anlass noch eine weitere Warnung. Aktuell werden von Jugendlichen zunehmend Zahnstocher mit Geschmack genutzt. Diese sind jedoch nicht alle harmlos, es gibt diese auch in Nikotin getränkt, teilweise in hoher Dosierung: https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/rauchstopp/was-nikotinzahnstocher-so-gefaehrlich-macht-1455619.html.

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
„News4Teachers“ beschäftigt sich mit der Lehrerarbeitszeit: https://www.news4teachers.de/2025/12/wie-viel-lehrkraefte-arbeiten-und-was-die-reine-unterrichtszeit-macht-nur-noch-ein-drittel-der-arbeitszeit-aus/.
Der SWR stellt eine Schule ohne Noten und Klassenarbeiten in Stuttgart vor: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/schickhardt-gemeinschaftsschule-lernkonzept-pilot-schule-100.html.
Auf der Homepage der Zeitschrift „Eltern“ findet eine kritische Auseinandersetzung mit dem „Adult Only“-Trend statt: https://www.eltern.de/familie-urlaub/familienleben/-adult-only–trend–symptom-einer-gesellschaft–die-kinder-zum-stoerfaktor-erklaert-14046272.html.
„News4Teachers“ setzt sich kritisch mit dem „Startchancen-Programm“ auseinander. Spoiler: Zu viel Bürokratie, zu viel Top-Down und Intransparenz: https://www-news4teachers-de.cdn.ampproject.org/c/s/www.news4teachers.de/2025/12/schulleitungen-zum-startchancen-programm-geld-das-den-schulen-helfen-soll-blaeht-die-verwaltung-auf-und-fehlt-in-den-klassenzimmern/?amp=1.

Smartphone und Social-Media
Spannende Studienergebnisse zu Short-Videos auf TikTok. Spoiler: Diese haben einen negativen Einfluss auf die Erinnerungsfähigkeit: https://arxiv.org/pdf/2302.03714. (Siehe dazu auch die „Sehempfehlung“ zu „brain rot“)
Mini-Studie von „use the news“ zum Nutzungsverhalten Jugendlicher auf TikTok: https://www.usethenews.de/de/dokumente/tik-tok-studie-2025. Ein Kernergebnis: „Die Teilnehmenden wissen sehr wenig über die Sammlung und Verarbeitung von Informationen durch TikTok. Sie haben geringe Bedenken bei der Preisgabe personenbezogener Daten, aber mit steigendem Alter wächst das Verständnis für die Funktionsweise der Plattform.“
Das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration hat eine Seite zu Desinformationen und Verschwörungstheorien erstellt: https://www.lass-dich-nicht-manipulieren.de/de?category=.
Metastudie zum „Brain-Drain“ durch Smartphones https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10525686/.
Der Standard beschreibt, wie vor allem Frauen mit Smart-Watches gegen ihren Willen gefilmt werden und diese Videos dann im Netz landen: https://www.derstandard.at/story/3000000303757/smart-brillen-werden-genutzt-um-videos-von-frauen-gegen-ihren-willen-ins-netz-zu-stellen.

KI
Interessanter Beschluss des Verwaltungsgerichts Hamburg zu einem Betrugsversuch mit KI bei einer Hausarbeit im Fach Englisch, die Beschwerde gegen die Wertung als Betrugsversuch wird abgelehnt: https://justiz.hamburg.de/resource/blob/1128534/4a02d061e1d2a47e4ff1449241831117/2-e-8786-25-beschluss-vom-15-12-25-data.pdf.
Starke und fundamentale KI-Kritik von Cory Doctorow (sehr lang und auf Englisch): https://pluralistic.net/2025/12/05/pop-that-bubble/#u-washington.
Barbara Geyer, Professorin an der University of Applied Sciences Burgenland, hat ein tolles Padlet mit KI Tools für wissenschaftliches Arbeiten zusammengestellt: https://padlet.com/barbarageyer/ki-tools-f-r-wissenschaftliches-arbeiten-jrgdcpc7xajs66nx. Barbara Geyer hat auch einen lesenswerten Blog zu KI-Agenten geschrieben. Spoiler: KI-Agenten können Online-Kurse absolvieren, das Problem ist, dabei lernt man nichts: https://barbarageyer.substack.com/p/wenn-ki-agenten-fur-uns-lernen.
„ars Technica“ berichtet, wie OpenAI Informationen in einem Selbstmord-Fall unterdrückt: https://arstechnica.com/tech-policy/2025/12/openai-refuses-to-say-where-chatgpt-logs-go-when-users-die/.
Im FelloFish-Blog schreibt die Rechtsanwältin Franziska Mauritz zum KI-Einsatz in Schulen: https://www.fellofish.com/blog/rechtliche-leitplanken-fuer-den-ki-einsatz.
Auch die DKJS hat ein Papier zu KI-Anwendungen in Schulen veröffentlicht, hier geht es um den Schwerpunkt Leistungsbewertung: https://www.dkjs.de/publikation/einsatz-von-ki-anwendungen-fuer-die-leistungsbewertung-an-schulen/.
Die OECD hat einen Report zur Effektivität von KI-Nutzung im Unterricht veröffentlicht: https://www.oecd.org/en/publications/oecd-digital-education-outlook-2026_062a7394-en.html. Eine knappe Zusammenfassung gibt es hier: https://theeconomyofmeaning.com/2026/01/21/after-the-warnings-when-ai-in-education-can-work-possibly/.

Tipps für den Unterricht
Zwei Lehrerinnen aus Belgien berichten in der „Frankfurter Rundschau“ über ihre Strategien bei herausfordernden Lernenden:  https://www.fr.de/panorama/strategien-koennten-altmodisch-erscheinen-lehrerin-mit-klarer-ansage-an-schueler-zr-94102480.html?. Klaus Hurrelmann spricht in einem Interview des „Deutschen Schulportals“ über Lernchancen in der Pubertät: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/klaus-hurrelmann-warum-die-pubertaet-so-viele-chancen-bietet-und-wie-schule-sie-besser-nutzt/.
(Schlechtes) Feedback Teil 2 auf dem FelloFish-Blog von Hendrik Haverkamp: https://www.fellofish.com/blog/richtig-schlechtes-feedback.
„WARUM … SOL, autonomes Lernen und Agilität nicht ausreichen“ von „Die Lernbegleiterin“: https://dielernbegleiterin.substack.com/p/warum-sol-autonomes-lernen-und-agilitat.

Leseempfehlung
Anders Indset: Das infizierte Denken, Berlin 2021. Der sich selbst als „Wirtschaftsphilosoph“ bezeichnende Indset, ehemaliger Handballprofi, Autor und erfolgreicher Unternehmer, analysiert unsere Gesellschaft und entwirft Szenarien für eine bessere Welt, indem wir unser Denken wieder auf wesentliche Aspekte richten. Keine leichte Kost, aber sehr
(er-)kenntnisreich.

Hörempfehlung
Schwieriges Thema und deshalb erst recht eine Hörempfehlung, der „Israel-Palästine-Podcast“ mit mittlerweile über 50 Folgen von fünf Schülerinnen und Schülern aus Berlin-Neukölln mit zahlreichen Experten als Gästen: https://www.katholische-akademie-berlin.de/veranstaltungen/veranstaltungsreihen/berliner-oberstufenforum/israel-palestine-podcast/.
Der Podcast „Potenzialverstärker“ des SPIEGEL-Bildungsjournalisten Armin Himmelrath bietet interessante Gäste, im Dezember 2025 zum Beispiel Leonard Sommer: https://potenzialverstaerker.podigee.io/.
Die Keynote von Prof. Lewandowsky „Fake News erkennen ist zu wenig: Welche Medienkompetenzen Schüler:innen lernen müssen“ vom letzten Netzwerktreffen von „Journalismus macht Schule“ ist hörenswert: https://open.spotify.com/episode/2KLKa22Q0YOW92Z2Cnweaa.

Sehempfehlung
Aktuelle Studienergebnisse zu „brain rot“ auf dem You-Tube-Kanal von „Howtown“: https://www.youtube.com/watch?v=tdIUMkXxtHg&t=909s.
Immer eine jährliche Sehempfehlung ist das „Sekundenglück-Video“ der ERS Karlsruhe: https://vimeo.com/1147913613/6fa19cb5df?share=copy.
Video von „Topfvollgold“ (Mats Schönauer). Hier wird auf die zunehmende Manipulation auf YouTube eingegangen: https://www.youtube.com/watch?v=FgVbNktCUzs.

Veranstaltungsempfehlung
Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.

Spaß im Netz
Wer die Hufe des Pferdes findet, bekommt den nächsten Newsletter gratis: http://endless.horse/.

Blog 2026-01: Mein persönlicher Jahresrückblick 2025

Wieder ist ein ereignisreiches Jahr zu Ende gegangen. In meinem Jahresrückblick 2023 habe ich mich intensiv mit KI auseinandergesetzt. Diese Auseinandersetzung dauert nach wie vor an, ich gebe mittlerweile Workshops zu diesem Thema oder halte Vorträge zu KI. Trotz großer Fortschritte mit fobizz oder der im Herbst erfolgten Einführung von telli in Hessen ist bei vielen Lehrkräften die Auseinandersetzung mit und der Einsatz von KI immer noch nicht angekommen (bei den Schülerinnen und Schülern allerdings sehr wohl). Auch wenn noch viele Fragen offen sind, bin ich nach wie vor überzeugt, dass KI Schule und Unterricht grundsätzlich verändert.
2024 habe ich mich mit meinen ersten 1,5 Jahren als Schulleiter auseinandergesetzt. Mittlerweile fühle ich mich in meiner Rolle sicher und liebe meinen Job, es wird aber auch immer offensichtlicher, dass das Schulsystem, nicht nur wegen KI, vor großen Herausforderungen steht und die Arbeit als Schulleiter anspruchsvoller wird. Bob Blume hat einmal bei Markus Lanz das Bild bemüht, dass wir im Flug eine Propellermaschine in einen Düsenjet umbauen müssen. Ich würde das mittlerweile um die Sorge ergänzen, dass uns die Kraft und das Personal dafür auszugehen drohen, weil das System zunehmend von den Herausforderungen überrollt wird. Schließlich leben wir ja in Zeiten sich exponentiell beschleunigender Veränderungen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, dürfte das begonnene Jahr ein in vielerlei Hinsicht entscheidendes werden. Und das gilt nicht nur für Bildungsthemen, mit denen ich mich hier befasse.
Was unsere Schulentwicklung angeht, habe ich im letzten Jahr davon gesprochen, dass wir Strukturen geschaffen haben, die anfangen zu arbeiten. Das ist geschehen und es haben sich einige Arbeitsgruppen gebildet, die an Konzepten zur Veränderung arbeiten. Ziel ist es im Schuljahr 2027/28 mit den ersten 5. Klassen mit selbstreguliertem Lernen zu starten.

Als ich begonnen habe, diesen Beitrag vorzubereiten, ist mir deutlich geworden, was in diesem Jahr alles passiert ist, an welchen Veranstaltungen ich teilnehmen und teilgeben durfte, mit wem ich mich alles neu vernetzen konnte oder welche Vernetzung ich vertieft habe. Bevor ich noch ein paar allgemeine Entwicklungen und Beobachtungen zusammenfasse, will ich wesentliche Ereignisse des Jahres 2025 chronologisch wiedergeben.

Am 29. Januar fand unser erstes Bildungsbier an der Weibelfeldschule statt. Eine gelungene Vernetzungsveranstaltung von Schulen und außerschulischen Bildungsträgern aus der Region. Leider ist eine Wiederholung zum Jahresende an mangelndem Interesse gescheitert, wir bleiben aber dran.

Im Februar fanden zwei wichtige Veranstaltungen statt. Am 14. Februar hat eine Schülergruppe der Weibelfeldschule auf der Didacta einen Vortrag zur Entwicklung unserer Zukunftsschmiede „Trendhub“ gehalten und ich durfte zum Thema „Demokratie braucht Bildung – Bildung braucht Demokratie! Die Rolle von KI & Social Media in Schulen“ referieren.
Am 21. Februar durfte ich dann in Berlin beim fobizz-Klassentreffen einen Workshop zu „Neue Lern- und Prüfungskultur mit KI. Warum KI in Schule alles verändert? Oder auch nicht?“ halten. Diese beiden Veranstaltungen haben mich darin bestärkt, dass ich mit meinen Herzensthemen Demokratie- und Medienbildung sowie KI zwei wichtige Themen besetze und ich dazu auch etwas zu sagen und zu vermitteln habe. Neben Schulentwicklung werden mich diese beiden Themen auch in den nächsten Jahren begleiten, erste Veranstaltungen sind schon terminiert und in der Planung.

Der März brachte die großartige Veranstaltung Vision@Schule an der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar, wo ich einen Workshop zu Schulentwicklung aus der Leitungsperspektive halten durfte. Eine großartige Veranstaltung mit Begegnungen mit zahlreichen wunderbaren und bildungsbegeisterten Menschen: Stefan Ruppaner, Ferdinand Stebner, Astrid Kalantzis, Daniel Füller, Steven Bauer, Kristin und Ulrike van der Meer, Daniel Steh, Susanne Burzel, Andreas Fischer und viele mehr.
Außerdem wurde die Weibelfeldschule am 18. März offiziell von Kultusminister Armin Schwarz als Selbstständige Schule zertifiziert.

April, Mai und Juni waren dann von den üblichen Aktivitäten wie Osterferien (mit Abnahme 1. Staatsexamina an der Uni), Abitur und 2. Staatsexamina geprägt. Übrigens dienen Teile der Ferien mittlerweile nicht mehr der nötigen Regeneration und Erholung, sondern dem Aufarbeiten der Desiderate aus der Zeit davor, so zumindest meine Beobachtung aus dem vergangenen Jahr. Im Juni fand dann noch das von einer E-Phase organisierte Tonali-Konzert in der Alten Oper in Frankfurt statt, die Kreisschüler*innenvertretung Offenbach feierte 55jähriges Bestehen, die Stadtwerke haben den Vincent-Preis verliehen und eine unserer DSP-Gruppen wurde bei den Hessischen Schultheatertagen ausgezeichnet. Am 30.06. startete dann die letzte Schulwoche mit der Abschlussfeier der Mittelstufe.

Vor den Ferien ging es im Juli noch einmal hoch her, mit der akademischen Abiturfeier und dem Abiball, zu dem parallel noch unser Do-Tank in der Zukunftsschmiede mit einer Vernissage eröffnet wurde. Ich durfte erstmals am Premiereabend der Burgfestspiele teilnehmen, unsere erste Ausgabe der Schülerzeitung „4omo“ kam heraus und am letzten Schultag habe ich natürlich die Schülerinnen und Schüler in die verdienten Sommerferien verabschiedet.

In den Sommerferien stellte sich dann tatsächlich zum ersten Mal im Jahr etwas Erholung ein und ich konnte mit meinem Sohn die Platte für eine Modelleisenbahn aufbauen; leider sind wir aber über die Platte bisher nicht hinausgekommen.

Die letzte Ferienwoche starteten wir mit einer Schulleitungsklausur auf dem Hofgut Neuhof im Rahmen des Knistern-Festivals der Feuerfreunde. An der selben Location durfte ich dann auch noch einem Vernetzungstreffen für Stiftungen und Firmen aus der Region teilnehmen, an dem ich wertvolle Kontakte zur Flughafenstiftung, Hahn-Air oder Celina von Collect-it knüpfen konnte. Am 20. August bekamen wir dann von unserem Ministerpräsidenten Boris Rhein einen Scheck mit einer beachtlichen Fördersumme der Flughafen-Stiftung für unsere Zukunftsschmiede überreicht. Am 27. August habe ich einen Vortrag zu KI für Anfänger auf dem Oberstufentag der hessischen Waldorfschulen gehalten. Der Monat endete dann mit meiner Geburtstagsparty, auf der ich meinen 50. aus dem Vorjahr nachgeholt habe.

Der September war wieder sehr ereignisreich und startete mit der mobile.schule-Tagung in Hannover, wo ich viele bekannte Gesichter treffen konnte, zum Beispiel Silke, Jochen, Daniel und Jan, aber auch Georg, Hauke, Niels und viele mehr.
Vom 4. bis zum 6. September erfolgte dann eines meiner Persönlichen Highlights, der Besuch der Agora-Schule in Roermond. Ein weiteres Highlight waren die Kamener Schulgespräche am 22. September. Auch das ein Wiedersehen mit vielen Bildungsenthusiasten, neben den meisten, die schon in Wetzlar dabei waren, war es schön Katja Glasmachers und Anika Osthoff persönlich kennenzulernen. Einen krönenden Monatsabschluss bildete dann der von mir organisierte Abend mit Vortrag von Silke Müller und anschließender von mir moderierter Podiumsdiskussion im Bürgerhaus Dreieich.

Im Oktober war es dann etwas ruhiger, in den arbeitsreichen Herbstferien gab es wieder Staatsexamina an der Uni und danach in der Schule. Besonders schön war der Besuch von Susanne Posselt am 28. Oktober, der ich unsere schöne Weibelfeldschule zeigen durfte und mit der immer ein interessanter Austausch stattfindet.

Im November war ich dann wieder etwas unterwegs. Am 05. fand die jährliche Tagung von Bildungsfaktor Abitur in Friedberg statt. Als Mitglied des Vorstandes hatte ich die Ehre Diana Knodel von fobizz als Keynote-Speaker zu gewinnen und mit ihr gemeinsam einen Workshop zu gestalten. Am 15. fand erstmals die Edunautika-Süd statt, ich hoffe das war der Auftakt und es geht nächstes Jahr weiter, auch hier durfte ich zwei Sessions zu meinen Themen anbieten. Abgerundet wurde der November durch eine Hospitation am Gymnasium in Mainz-Mombach (Bericht folgt).
Außerdem habe ich im November den mir sehr wichtigen Blogbeitrag „Vom Scheitern“ veröffentlicht, der auf sehr positive Resonanz gestoßen ist.

Im Dezember bekam eine unserer Intensivklassen einen Demokratiepreis des Hessischen Justizministeriums verliehen und ich konnte ein Selfie mit Sebastian Rode abstauben. Zum Jahresabschluss war ich beim Netzwerktreffen von „Journalismus macht Schule“ in der Landesvertretung von Mecklenburg-Vorpommern in Berlin. Dort gab es spannende Vorträge und Workshops rund um Journalismus und Medienbildung. Das Ziel ist es hier in den nächsten Jahren, gemeinsam mit Florian Nuxoll, mehr Expertise seitens der Lehrkräfte einzubringen. Besonders hat mich gefreut Kerstin Butenhoff und Leonard Sommer persönlich zu treffen. Außerdem konnte ich mich auch dort weiter vernetzen und ich habe ein Selfie mit der Bundesbildungsministerin ergattert.

Natürlich war das nur eine Auswahl meiner Aktivitäten und Begegnungen, die zeigen wie wichtig es ist, sich immer weiter zu vernetzen. Außerdem sind diese Veranstaltungen immer wieder ein Motivationsfaktor, der einen aus dem Alltag holt und neue Perspektiven eröffnet, der zeigt, was Andere tun und was alles möglich ist. Danke an alle, die mir immer wieder diese Möglichkeiten bieten!
Zu diesen Begegnungen gehören zum Beispiel auch noch die regelmäßigen Treffen mit meinem ehemaligen Chef, Hans Peter Löw, mit dem ich die Austausche zu schul- und weltpolitischen Entwicklungen sehr schätze. Toll war es auch Sascha Eschmann von „Nur Mut“ oder Christian Weiß und Susanne Mombers von den Feuerfreunden kennenzulernen oder Celina Schwarz von collect-it, wir werden sicher in Zukunft noch gemeinsam Dinge bewegen. Ein besonderer Dank geht auch an die Unterstützung aus der Politik, besonders an den Landrat Oliver Quilling, den ehemaligen Bürgermeister Bernd Abeln und Frau, sowie den aktuellen Bürgermeister Martin Burlon die uns immer wieder unterstützen und ohne die unsere Zukunftsschmiede nicht so schnell und so schön umgesetzt worden wäre. Zu den Unterstützern dafür zählen natürlich auch die schon erwähnte Flughafen-Stiftung, aber auch die Eisel- und die Düncher-Stiftung, die Sparkassen-Stiftung und viele mehr. Ich habe sicher leider wichtige Förderer unserer schulischen Arbeit vergessen, bin aber allen dankbar, die die Weibelfeldschule und meine Bildungsaktivitäten unterstützen. Dazu zählt natürlich der Förderverein, aber auch die KiJuFö der Stadt Dreieich, die Stadtwerke, der Paritätische und der Kreis Offenbach, die die Veranstaltung mit Silke Müller unterstützt haben, Danke auch an die Teilnehmenden an der Podiumsdiskussion von der LSV, dem LEB, DSS und der GMK.

Viel Freude bereitet mir über das Jahr auch immer mein ehrenamtliches Engagement bei DigitalSchoolStory, der Europa Union, der Dreieicher Stolpersteininitiative, als Mentor für das GROW-Programm der Goethe-Universität Frankfurt und bei Bildungsfaktor Abitur.Hessen.

Auch meine Nebentätigkeit beim Abendgymnasium Offenbach in der Erwachsenenbildung ist immer noch eine Bereicherung. Hier ist allerdings ein Ende absehbar. Weil ich meinen Workload im Blick haben muss, werde ich hier nur noch meinen aktuellen Kurs zum Abitur 2027 begleiten und dann aufhören, auch wenn ich das AGO vermissen werde.

Eine wichtige Bereicherung ist auch meine Mitgliedschaft im Think-Tank „Lehren und Lernen im Kontext von Künstlicher Intelligenz“ im Rahmen von VK:KIWA, einem Netzwerk wichtiger Personen in der KI-Bildungsblase.

Ich bin immer wieder fasziniert, was in einem Jahr alles passieren kann. All diese Aktivitäten fordern mich und bereichern mich. Die Kunst ist Überforderung zu vermeiden. Ich merke, wie mir zunehmende Vernetzung und damit Professionalisierung gut tun, mich aber auch Kraft kosten.
Die Herausforderung im kommenden Jahr wird sein, eine Balance aus weiterer Vernetzung und Pflege des Netzwerks, den wachsenden täglichen Aufgaben als Schulleiter und den notwendigen Aufgaben in der Schulentwicklung zu finden. Ich glaube, dass 2026 ein herausforderndes und wegweisendes Jahr in vielen Bereichen wird.
Für mich persönlich wird der Schwerpunkt im nächsten Jahr darauf liegen, bestehende Netzwerke zu pflegen und moderat zu erweitern, in der Schule müssen Kompetenzen für individualisierte Lernprozesse aufgebaut und Lösungen zum Umgang mit herausfordernden Schülerinnen und Schülern gefunden werden. Wir müssen unseren Transformationsprozess vorantreiben, um Schule zukuntsfest und die Welt enkelfähig zu machen. Ich werde weiter spannende Schulen besuchen, fest gebucht ist ein zweiter Besuch in der Richtsbergschule in Marburg und ein Besuch bei der IGS-Süd in Frankfurt, geplant sind Besuche bei Susanne Posselt in Pforzheim, Daniel Steh in Frechen, Andreas Fischer in Köln und bei Jonas Wagner in Hannover, ein Traum wäre es irgendwie bei der Alemannenschule in Wutöschingen reinzukommen.

Wir haben gesamtgesellschaftlich und schulisch wichtige Weichen zu stellen. 2026 wird ein wichtiges Jahr für die Zukunft der Bildung in Deutschland, ich bin bereit.

Newsletter 25/26-08, 19.12.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

ein aufregendes Jahr neigt sich dem Ende zu.

Wir leben in einer Zeit rasanter Veränderung. Traditionen, Strukturen, liebgewordene Muster brechen auf und werden in Frage gestellt, es ist in vielen Bereichen noch unklar, wohin die Reise geht. Auch unsere Weibelfeldschule ist von diesen Entwicklungen und Veränderungen betroffen. Der Umgang der Schulgemeinschaft untereinander und mit unserem Bildungsauftrag verändert sich und auch wir wissen nicht, wo die Reise hingeht.

Wir haben uns auf den Weg gemacht, mit diesen Veränderungen umzugehen. Natürlich dauert es etwas, bis die Veränderungen sichtbar werden. Ich denke, im Rückblick wird 2025 ein entscheidendes Jahr in unserem Schulentwicklungsprozess sein. In den letzten beiden Schuljahren haben wir uns Strukturen gegeben (DNA-Gruppe, Weiterentwicklung SEG, AGs der SEG), um die Schule agil und mit der ganzen Schulgemeinschaft weiterzuentwickeln und in den nächsten beiden Jahren werden die Veränderungen dann sichtbar werden.

Kleine Dinge sind schon sichtbar, so wurden in den Flurbereichen mehr Möglichkeiten für offenes Arbeiten geschaffen, indem mehr Tische, Bänke und Stühle aufgestellt wurden. Das ist aber erst der Anfang, seien Sie gespannt, was noch kommt.

Jetzt ist aber nicht die Zeit vieler Worte, jetzt ist die Zeit der Besinnung und Ruhe. Genießen Sie die Winterferien, gewinnen Sie etwas Abstand vom Alltagsstress und lassen Sie Schule etwas in den Hintergrund treten.

Wir brauchen im kommenden Jahr viel Kraft und Leidenschaft, um unsere Weibelfeldschule zu einem noch besseren Ort für uns alle zu machen.

In diesem Sinne:

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
Nachtrag zum Thema des letzten Newsletters: Auf dem „Deutschen Schulportal“ gibt es einen ausführlichen Beitrag zu psychischen Belastungen in der Schule: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/psychische-gesundheit-aengste-depressionen-essstoerungen-wie-koennen-schulen-auf-psychische-belastungen-reagieren/.
Edutopia stellt die zehn wichtigsten Studien zur Bildung 2025 vor: https://www.edutopia.org/visual-essay/the-10-most-significant-education-studies-of-2025.
Jan-Martin Wiarda berichtet in seinem Blog über den Abschluss der Verhandlungen zum Digitalpakt 2.0: https://www.jmwiarda.de/blog/2025/12/11/es-soll-losgehen.
Studie zum Zusammenhang von Bildschirmzeit und kindlichem Spracherwerb, frühkindlicher Bildung und sozialen Fähigkeiten: https://psycnet.apa.org/fulltext/2025-64115-001.pdf.

Smartphone und Social-Media
Laut einer neuen Studie der Postbank steigen zunehmend Jugendliche wegen Hass, Aggression, Unwahrheiten und Suchtgefahren aus Social Media aus: https://www.deutschlandfunk.de/zahlreiche-jugendliche-steigen-einer-befragung-zufolge-aus-sozialen-medien-aus-wegen-hass-aggression-102.html. Mehr Informationen: https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2025/august/studie-smartphone-im-grundschulalter-viele-eltern-erlauben-fruehe-nutzung-und-setzen-klare-regeln.html. Die Studie selbst habe ich leider nicht gefunden.
„INVED“ warnt vor einer Zuspitzung der Lage bei visuellen Fake-Inhalten: https://inved.eu/insight/visuelle-ki-inhalte-die-lage-spitzt-sich-weiter-zu/.

KI
Die Hessische Lehrkräfteakademie hat eine Edumap zu telli mit Promptbeispielen, Handreichungen und Tipps, zum Beispiel zu Prüfungsformaten und mehr veröffentlicht: https://he.edumaps.de/81732/250705/ifsid7yl3h/58uagx58w2.
Hauke Pöhlert hat sich intensiv mit Feedback auseinandergesetzt und dabei Mensch und KI verglichen: https://unterrichten.digital/2025/11/19/feedback-mensch-ki-studie-schule/. Er bezieht sich dabei auf die (empfehlenswerte) Folge 7 des Podcasts „Kompass KI“ von Hendrik Haverkamp und Benedikt Wisniewski: https://open.spotify.com/episode/3IBZ7Kq3qNGvx9wOj7tp7K.
Der BR berichtet über Psychosen, die durch KI entstehen können, wie diese dazu neigt die Ideen der Nutzenden zu bestärken: https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/ki-psychose-was-dahintersteckt-und-welche-warnsignale-es-gibt,V59CK69.
Der ORF zeigt, dass die Propaganda russischer Desinformationskampagnen darauf ziel LLM zu kontaminieren: https://science.orf.at/stories/3233329/. Spoiler: Dazu braucht es gar nicht viele Daten.
Die Hopp-Foundation hat einen sehr brauchbaren KI-Wegweiser für Schulleitungen, Lehrkräfte und Lernende erstellt: https://www.hopp-foundation.de/ki-wegweiser/.
Ronald Purser schreibt in „Curent Affairs“ darüber, wie KI das Lernen an Universitäten zerstört: https://www.currentaffairs.org/news/ai-is-destroying-the-university-and-learning-itself.
„IP CloseUp“ zeigt, wie Menschen KI nutzen und wie sich die Nutzung seit letztem Jahr verändert hat: https://ipcloseup.com/2025/06/25/harvard-business-review-research-finds-the-top-use-of-gen-a-i-in-2025-is-companionship-therapy/. Spoiler: Der neue Platz 1 ist „Therapie und Begleitung“.

Tipps für den Unterricht
Der Kompetenzverbund lernen:digital hat eine 2. Auflage seiner fachspezifischen Broschüren zu digital gestütztem Unterricht veröffentlicht: https://lernen.digital/2025/12/09/broschuren-zu-fachlichen-unterrichtskonzepten-und-fortbildungen-2-auflage/.
Ferdinand Stebner, einer der führenden Experten für selbstreguliertes Lernen, stellt auf seiner Homepage zahlreiche Informationen dazu und zum Lernen der Zukunft vor: https://www.ferdinand-stebner.de/.
Bei „4teachers“ gibt es eine Internet Rallye zu Weihnachten: https://www.4teachers.de/?action=material&id=61783.

Leseempfehlung
Wer sich aus einer Laienperspektive intensiver mit KI beschäftigen will, dem sei das buch „Künstliche Intelligenz für dummies“ von Ralf Otte (Weinheim 2023) empfohlen.

Hörempfehlung
Vielleicht sollten wir über die Festtage mehr mit echten Menschen reden als einen Podcast zu hören.

Sehempfehlung
Hier empfehle ich mal wieder einen TED-Talk und zwar von Aylon Samouha, der eine dringende Neuordnung des Schulsystems fordert: https://www.ted.com/talks/aylon_samouha_schools_urgently_need_a_redesign_here_s_how.
ARD-Wissen Doku zum Glücklichsein, am Beispiel Finnland: https://www.ardmediathek.de/video/auf-spurensuche-oder-ard-wissen/was-macht-uns-gluecklich-er/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9lMmU5OTMzZS1mYmQwLTQ4ODEtOGFmNS0zNjA1MWY4YzU5ODhfb25saW5lYnJvYWRjYXN0. Darin auch wichtige Informationen zum Schulsystem.

Veranstaltungsempfehlung
Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.

Spaß im Netz
Mach den Würfel glücklich: https://chrismckenzie.com/.

Newsletter 25/26-07, 05.12.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

Im Vorletzten Newsletter hatte ich mich ja schon mit mentaler Gesundheit beschäftigt und einen Schwerpunkt auf die Resolution der Bundesschülerkonferenz dazu gelegt (https://www.schulmun.de/2025/11/07/newsletter-25-26-05-07-11-2025/). Im letzten Newsletter wollte ich dann Tomoni vorstellen, eine neue Kooperation zu diesem Thema, die wir als Schule eingegangen sind. Vorher aber noch ein paar allgemeine Anmerkungen dazu. Etwa einer oder eine von fünf Jugendlichen und jungen Erwachsenen (13 bis 21 Jahre) berichten über Anzeichen von Angst, etwa 10% zeigen depressive Symptome. So die aktuelle Copsy-Studie der UKE (https://www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik/forschung/arbeitsgruppen/child-public-health/forschung/copsy-studie.html). Laut BiPsy-Monitor warten Jugendliche fast 20 Wochen auf einen Therapieplatz (https://bipsy.de/wp-content/uploads/Fact-Sheet_BiPsy-Monitor_T2.pdf). Laut dem aktuellen Deutschen Schulbarometer zeigen sich bei 21% der Schülerinnen und Schüler psychische Auffälligkeiten. Weiter heißt es dort: „Ein Viertel der Jugendlichen schätzt die eigene Lebensqualität als gering ein. Zwei Drittel bewerten sie als mittel und nur sechs Prozent als hoch. Ungefähr ein Fünftel der Schüler:innen bezeichnet sich selbst als psychisch belastet.  Ebenso viele klagen über ein geringes schulisches Wohlbefinden, bei Kindern aus Familien mit niedrigem Einkommen sogar knapp jedes Dritte. Die Kriege in der Welt, der Leistungsdruck in der Schule, die globale Klimakrise und die Ängste vor der eigenen Zukunft bereiten ihnen die meisten Sorgen.“ (https://www.bosch-stiftung.de/de/storys/kriege-leistungsdruck-und-klimakrise-belasten-schuelerinnen). Laut einer Analyse des BARMER-Instituts für Gesundheitsforschung stieg die Anzahl der Depressionsdiagnosen bei 5- bis 24-Jährigen von 2018 bis 2023 um 30% auf 409.000. Überdurchschnittlich sind Mädchen betroffen, bei denen die Zahl der Diagnosen im Betrachtungszeitraum um 38% auf 282.500 stieg (https://www.barmer.de/presse/presseinformationen/pressearchiv/diagnose-depression-bei-immer-mehr-jungen-menschen-1288264).

Diese Entwicklungen sollten uns zu denken geben. Im Grunde ist es müßig über die Ursachen zu streiten, was am Ende zählt ist der Ist-Zustand und der ist besorgniserregend.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
Bei Jugendlichen ist „Roblox“ sehr beliebt und nur wenige Erwachsenen ist bekannt, dass die Seite ein Einfallstor für Kriminelle und Pädophile ist: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/roblox-passt-auf-eure-kinder-auf (siehe auch die Sehempfehlung!).
Auf der selben Seite wird auch vor einem Hack der Anton-App gewarnt: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/anton-app-der-coin-hack.
Philippe Wampfler berichtet über millionenfache Bewertung von Kunstwerken für eine Aufnahmeprüfung: https://beurteilung.ghost.io/industrielle-noten-in-china-3-millionen-kunstwerke-benoten/.
Die „Financial Times“ berichtet über eine zunehmende Spaltung der Weltsicht von jungen Männern und Frauen: https://www.ft.com/content/29fd9b5c-2f35-41bf-9d4c-994db4e12998.
Susanne Burzel hat einen digitalen Adventskalender für Eltern hochbegabter Kinder erstellt. Eine schöne Idee: https://susanneburzel.de/adventskalender/.
„News4Teachers“ stellt ein Buch der Soziologen Schneider und Bellinger vor, in dem es um die Auswirkungen des Spektrums von Überbehütung und Vernachlässigung von Kindern auf die Gesellschaft geht. Spannendes Thema, habe das Buch mal bestellt: https://www.news4teachers.de/2025/12/erziehung-wenn-eltern-zu-viel-schuetzen-und-zu-wenig-fuehren-was-das-fuer-kita-und-schule-bedeutet/.

Smartphone und Social-Media
Wer mit einem Meme oder Personen aus Social Media nichts anfangen kann, wird oft hier fündig: https://knowyourmeme.com/.
Es gibt immer wieder Hinweise, dass besonders polarisierende Accounts in Social Media von ausländischen Botfarmen stammen, zum Beispiel hier bei „t3n“: https://t3n.de/news/feature-x-anhaenger-trump-maga-1718178/.
Verbotsdebatte: „heise online“ berichtet über die Aussage des Geschäftsführers des Kinderhilfswerks, der sich gegen Social Media- Verbote ausspricht: https://www.heise.de/news/Kinderhilfswerk-Entschieden-gegen-Social-Media-Verbot-fuer-Kinder-11080073.html. Auch Klaus Zierer fordert auf dem „Deutschen Schulportal“ mehr Verbote, u.a. auch für KI: https://deutsches-schulportal.de/meinung/klaus-zierer-warum-schulen-jetzt-vier-verbote-brauchen/. Eine Replik darauf zu KI gibt es dort von Kristin van der Meer: https://deutsches-schulportal.de/meinung/kristin-van-der-meer-gestalten-statt-verbieten-ki-gehoert-in-die-grundschule/. Das EU-Parlament hat sich ja jüngst für Altersgrenzen für soziale Medien ausgesprochen (https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-mindestalter-soziale-medien-100.html). Die „taz“ hält dagelegen: https://taz.de/Jugend-ohne-Social-Media/!6128575/.
Kläger werfen Meta vor, Profit über Sicherheit gestellt und Risiken für Kinder und Jugendliche bewusst verschleiert zu und Studien unterdrückt zu haben, darüber berichtet das Magazin „Time“: https://time.com/7336204/meta-lawsuit-files-child-safety/.

KI
Spiegel-Redakteur Armin Himmelrath fordert auf dem „Deutschen Schulportal“, dass KI ins Abitur gehört:  https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/65092/.
„Medienzeit Elternblog“ klärt über den Sexismus von KI auf: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/ki-ist-sexistisch.
Die „Deutsche Telekom-Stiftung“ hat den „Trendmonitor KI in der Bildung“ veröffentlicht: https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/files/media/publications/trendmonitor-ki-in-der-bildung-25.pdf.
Jan Schoenemakers sieht uns im „Cicero“ bei KI am Scheideweg zwischen Souveränität und digitalem Feudalismus: https://www.cicero.de/kultur/umgang-mit-kunstlicher-intelligenz-emanzipation-oder-feudalismus. Sein Fazit: „Es ist höchste Zeit, endlich ernsthaft zu beginnen, souverän mit KI zu interagieren, bevor wir durch die Köder niederschwelliger Black-Box-Produkte und ihrer spirituellen Versuchungen zu ersetzbaren Vasallen geworden sind.“
„The Decoder“ berichtet über ein neues Lernmodell für KI von Google: https://the-decoder.de/neues-lernmodell-von-google-soll-katastrophales-vergessen-in-ki-systemen-stoppen/. Ein Beleg dafür, dass die Entwicklung sich auf die Optimierung der Modelle konzentriert und das sammeln von Daten in den Hintergrund. Damit beschäftigt sich auch „The Decoder“: https://the-decoder.de/drei-faktoren-machen-ki-agenten-deutlich-intelligenter/.  
Ein kurzes KI-Video, das zeigt, was aktuell (mit Google-Veo) möglich ist, wer genau hinschaut erkennt noch kleinere Fehler: https://www.youtube.com/watch?v=YRVvFtTO86w&t=10s.
Spannende Gedanken zur Frage „Can LLMs be personal tutors?“ im Substack von Daisy Christodoulou: https://substack.nomoremarking.com/p/llm-tutors-are-they-any-good. Mit diesem Thema beschäftigt sich auch Carl Hendrick, für den die Frage offen ist, ob algorithmisches Lernen mit einem KI-Tutor zu Bildung führt: https://carlhendrick.substack.com/p/the-algorithmic-turn-the-emerging.
Open-AI hat eine kostenlose Version für Lehrkräfte in den USA veröffentlicht: https://openai.com/index/chatgpt-for-teachers/.

Tipps für den Unterricht
Das „Deutsche Schulportal“ weist auf Bedeutung von und Defizite beim Classroom Management hin, insbesondere beim Umgang mit Störungen: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/wir-haben-ein-massives-problem-mit-classroom-management/.

Leseempfehlung
Aladin El Mafaalani: Misstrauensgemeinschaften. Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien, Köln 2025. In diesem knappen Büchlein erklärt der von mir sehr geschätzte El Mafaalani, wie zunehmendes Misstrauen in den Staat in einer komplexer werdenden Gesellschaft zur Erstarkung von Populismus und Verschwörungsideologien führt.

Hörempfehlung
Jonas Wagner hat in der Leonore-Goldschmidt-Schule in Hannover eine Schule in der Schule aufgebaut, in der Lernende individualisiert lernen können. Vielleicht auch ein Vorbild für die Weibelfeldschule. Jonas Wagner war kürzlich bei Bob Blume zu Gast:  https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ab46a1310a64227e/. Und davor bei der „Bildungsbaustelle“: https://open.spotify.com/episode/5vg86Euna7Qxr7sG34rMHV.

Sehempfehlung
Reportage des ZDF zu den Gefahren auf der Spieleplattform „Roblox“: https://www.zdf.de/video/reportagen/die-spur-224/roblox-kinderspiel-online-gefahr-100.
Auf „Joyn“ gibt es die Folge von „Linda Zervakis. Dumm, dümmer, Deutschland? Raus aus der Bildungskrise!“ in der sie sich mit Bildung in Deutschland befasst, als Lösungsansatz kommen u.a. Stefan Ruppaner und die Alemannenschule vor: https://www.joyn.de/serien/linda-zervakis/3-3-linda-zervakis-dumm-duemmer-deutschland-raus-aus-der-bildungskrise.
Chris Wilson berichtet auf Youtube über „Dark Patterns: Are Your Games Playing You?“: https://www.youtube.com/watch?v=OCkO8mNK3Gg&t=1s. Dark Patterns sind manipulativ gestaltete Elemente in Benutzeroberflächen, hier bei Spielen, die Nutzer gezielt zu Entscheidungen drängen, die sie sonst nicht getroffen hätten.

Veranstaltungsempfehlung
Save the Date: Am 23. September 2026 kommt Bob Blume (https://bobblume.de/) ins Bürgerhaus Dreieich, weitere Informationen folgen.

Spaß im Netz
Wer einen Namen für eine Alien-Baby sucht, wir hier fündig: https://www.scifiideas.com/alien-baby-name-generator/.
Lifehack: https://www.swr.de/swrkultur/wissen/wissenschaftlich-geprueft-so-gewinnt-ihr-bei-schere-stein-papier-100.html.

Blog 2025-25: Vom Scheitern

Mein Professor sah mich an und sagte: „Ihre Leistungen reichen nicht aus. Suchen Sie sich besser etwas anderes.“ Das war der Moment, in dem mein Plan im Kopf zerbrach – und ich zum ersten Mal wirklich scheiterte.
Heute bin ich in meinen 50ern, Schulleiter der größten Schule im Kreis, habe ein solides virtuelles und reales Netzwerk und eine glückliche Familie.
Man kann sagen, ich habe es geschafft, das war bestimmt eine glatte Nummer, gute Schulnoten, konsequentes Studium, sehr gute Examina und dann Karriere im Staatsdienst. Was will man mehr?

Aber so war das nicht. Dass ich dort ankomme, wo ich jetzt bin, war weder durchgeplant noch vorhersehbar. Meine „Karriere“ ist durchzogen von Zweifeln, Unentschlossenheit, Rückschlägen und – ja auch das – echtem Scheitern.
Jan-Martin Klinge hat auf „Halbtagsblog“ Ende Oktober über „Lernen durch Schmerz“ geschrieben und dabei von eigenen Rückschlägen berichtet, Susanne Posselt ist auf „Bildungsweise“ am 01. November gefolgt und hat über „Geschichten über Schmerz und Versagen“ geschrieben. Nele Hirsch hat kürzlich „Über persönliche Krisen in der pädagogischen Tätigkeit“ gebloggt. Dieser Beitrag ist auch schon etwas länger in Planung und natürlich fällt mir das nicht leicht, wer schreibt schon gerne über Misserfolge und veröffentlicht das dann auch noch in der Bling-Bling-Social-Media-Bildungsbubble, wo es um Erfolge geht, reformierte Schulen, lernwirksamen Unterricht, perfekt didaktisiertes Material, das Ganze am besten noch garniert mit hippem Lifestyle.

Warum schreibe ich also vom Scheitern?
Als Schulleiter habe ich eine ganz besondere Vorbildfunktion. Ich stehe im Fokus von Schülerinnen und Schülern, von Kolleginnen und Kollegen, von Eltern, ja sogar ein wenig im Fokus der lokalen Öffentlichkeit und, in meinem Fall, auch im Fokus der Bildungsblase in der nationalen Netz-Öffentlichkeit. Dort sind in der Regel Erfolge zu sehen, die ich mit der Schulgemeinschaft oder persönlich erreicht habe und die ich feiere. Dort agiere ich meist meinungsstark und planvoll, es sieht so aus, als hätte ich mein Leben, meinen Job und mein Bild in der Öffentlichkeit fest im Griff. Und das ist ja auch wichtig und entspricht den Erwartungen an mich als Person und meine Funktion.
Von außen wirkt es oft, als sei ich souverän, planvoll und sicher in meinen Entscheidungen. Doch das Bild kennt nur die Ergebnisse, nicht den Weg dorthin.
In Wahrheit bin ich häufig ein eher grüblerischer und zögerlicher Mensch, ich reflektiere Entscheidungen wenn ich kann und wäge ab, versuche andere Perspektiven einzunehmen und weiß, dass es oft nicht nur ein Ja oder Nein gibt, sondern, dass die Wahrheit oft in Graubereichen einer Zwischenwelt liegt. Als Gesellschaftswissenschaftler weiß ich, dass Probleme multikausale Ursachen haben und es Interdependenzen gibt, dass Entscheidungen oft eine dilemmatischen Charakter haben, gerade wenn es um Menschen und deren Zukunft geht. Auch wenn es vielleicht manchmal so aussieht, es ist nicht einfach und bereitet schon gar kein Vergnügen, einer Schülerin das Handy abzunehmen oder einen Schulverweis in einer Klassenkonferenz zu beantragen. Doch das gehört zu meinem Job und zu meinem pädagogischen Erziehungsauftrag.
Aber ich wollte ja eigentlich über das Scheitern schreiben.

Mein erster Scheiternsmoment
Für mich und mein Umfeld war eigentlich schon recht früh klar, dass ich mich in Richtung Naturwissenschaften entwickle. Ich hatte als Kind schon Chemie- und Elektrobaukästen, habe experimentiert und gelötet, entsprechende Bücher gelesen und mich mit naturwissenschaftlichen Themen beschäftigt. Folgerichtig hatte ich Leistungskurs Chemie und mein Lehrer hatte mir einmal gesagt, dass ich der einzige Schüler in dem Kurs sei, dem er ein Chemiestudium zutraue. Also habe ich mich für das Gymnasiallehramt mit den Fächern Politik und Chemie an der Universität eingeschrieben. Der Start verlief auch recht gut, anorganische und, mit mehr Schwierigkeiten, organische Chemie habe ich gemeistert, doch die physikalische Chemie sollte meine Nemesis werden. Hier zeigte sich, was ich vielleicht sogar schon vorher hätte wissen können, dass meine Mathekenntnisse nicht ausreichten. Ich bin gnadenlos durch die Kolloquien gefallen, bekam von meinem Professor gesagt, dass meine Leistungen nicht ausreichten und ich mir alternative Gedanken machen sollte. Das fiel mir nicht leicht, da ich mich ja schon lange für einen Naturwissenschaftler hielt und auch diese Erwartung an mich bestand, außerdem hatte ich eher etwas später mit dem Studium begonnen und anscheinend Zeit für einen Irrweg verschwendet. Ich hielt mich für jemanden, der Naturwissenschaften kann – und plötzlich gehörte ich nicht mehr dazu. Das war nicht nur ein Studienabbruch. Es war ein Identitätsbruch.
Ich musste mir das Scheitern eingestehen und einen alternativen Weg gehen. Dieser führte mich dann zu meinem Geschichtsstudium, dass ich zu keiner Zeit bereut habe. Vermutlich entsprechen die Gesellschaftswissenschaften sogar eher meinem Talent und Naturell, das wurde mir jedoch erst später klar.

Ich war auch nicht immer ein brillanter Schüler, auch wenn ich ein gutes Abitur gemacht habe, so bin ich in der 8. und 9. Klasse knapp um eine Wiederholung herumgekommen. Mein Studium ging weit über die Regelstudienzeit hinaus, unter anderem weil ich als Baseballfunktionär sehr aktiv war (siehe CV) und weil ich gerne viele Vorlesungen besucht habe und in andere Fachbereiche, wie Philosophie, Kunst- und Kirchengeschichte, reingeschnuppert habe. Am Ende waren dann aber alle meine Freunde mit der Uni fertig, in Jobs und konnten sich Dinge leisten, die für mich nicht drin waren, also musste ich schnell aus meiner studentischen Komfortzone raus. Doch halt, eigentlich sollte ich ja sogar in Geschichte promovieren, ich hatte sogar schon einen Doktorvater, aber die finanzierende Stiftung hat mich abgelehnt, weil ich zu alt war.

Ich kam also in einem leicht fortgeschrittenen Alter ins Referendariat, welches ich passabel bewältigt habe, meine 2. Staatsexamen war keine Glanzleistung, ich wollte wohl in den beiden Examensstunden zu viel.

Ein weiterer Moment des Scheiterns war mein Versuch Schulleiter an meiner vorherigen Schule zu werden. Ich wurde nicht ausgewählt, ein beamtenrechtlich normaler Vorgang.
Dazu kommen natürlich unzählige kleine Alltagsniederlagen. Wenn man etwas bewegen will, erleidet man immer wieder Zweifel, Unentschlossenheit, Rückschläge und Scheitern.

Scheitern als Chance
All diese Momente sind aber auch, wenn man sie reflektiert, Lerngelegenheiten, um es beim nächsten Mal besser zu machen.
Ich habe gelernt Rückschläge und Scheitern als Chance zu sehen und rückblickend kann ich meine Momente des Scheiterns auch so interpretieren. Ich bin heute froh, dass ich Geschichte und nicht Chemie studiert habe. In Kombination mit Politik kann ich so gesellschaftliche und historische Zusammenhänge viel tiefer durchdringen und besser erkennen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Die lange Studiendauer und der Blick über den Tellerrand unterstützen das. Trotz meines eher schwachen zweiten Staatsexamens bin ich dann recht schnell für ein paar Jahre in der Lehrkräfteausbildung tätig gewesen, so schlecht kann ich also als Lehrer nicht gewesen sein. Und im Rückblick war der Wechsel an die Weibelfeldschule für mich sehr positiv und ich bereue den Schritt nicht, im Gegenteil, auch hier folgte auf die Enttäuschung des Scheiterns eine neue und vermutlich bessere Perspektive.

Fazit
Biografien verlaufen also selten gradlinig, man muss offen für Veränderungen sein, wenn sich Türen schließen, öffnen sich andere, wenn sich Gelegenheiten bieten, soll man zugreifen. Vorstellungen und Mindsets dürfen sich ändern. Als junger Mensch war für mich keineswegs klar, dass ich Schulleiter werde. Ich erinnere mich mindestens an die, neben irgendetwas mit Naturwissenschaften, ernsthaften Wünsche Jurist, Bibliothekswissenschaftler, Baseballfunktionär oder Feinwerktechniker zu werden. Jetzt bin ich eben Schulleiter und das auch sehr gerne, aber das war weder durchgeplant noch vorhersehbar. Meine „Karriere“ ist durchzogen von Zweifeln, Unentschlossenheit, Rückschlägen und – ja auch das – echtem Scheitern. Das war im Moment des Scheiterns natürlich hart, aber in der Rückschau kann ich jeden Moment des Scheiterns feiern, den er hat mich dort hingebracht, wo ich jetzt bin.
Scheitern ist kein Makel in einer Biografie, sondern oft ein verborgener Wendepunkt. In meinem Fall war es nie das Ende – sondern immer der Anfang von etwas Richtigerem. Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft, die ich als Schulleiter weitergeben kann.

P.S.: Natürlich weiß ich, dass meine Erfahrungen des Scheiterns keine existenziellen Krisen waren. Umso mehr hoffe ich, dass mein Beitrag jungen Menschen ein kleiner Trost sein kann – wenn Versetzung, Studienwahl oder Ausbildung einmal nicht wie geplant laufen. Es geht weiter. Und es kann gut werden.

Newsletter 25/26-06, 21.11.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

eigentlich hatte ich ja versprochen, in diesem Newsletter das Thema Mental-Health und Tomoni zu vertiefen, muss das aber vertagen. Stattdessen möchte ich gerne von der Edunautika vom 15.11. in Hanau berichten.

Am 15. November durfte ich bei der Edunautika in Hanau als Teilnehmer und Teilgeber dabei sein. Warum das einen Blogbeitrag wert ist, möchte ich hier darlegen.

Was ist überhaupt eine Edunautika?
Die Edunautika ist ein seit 2018 in Hamburg etabliertes Barcamp, das von der Agentur Jöran & Konsorten organisiert wird. Ein Barcamp ist eine „Unkonferenz“ bei der die Beteiligten spontan entscheiden, welche Themen sie anbieten (teilgeben) oder an welchen Themen sie in so genannten Sessions teilnehmen. So entstehen vielfältige Austauschformate bei denen neue Ideen entwickelt, Dinge gelernt oder diskutiert werden können, Anregungen gefunden werden, Kontakte geknüpft werden und vieles mehr.
Dankenswerterweise hat die Heraeus-Bildungsstiftung dieses wunderbare Austauschformat in den Süden nach Hanau an die Karl-Rehbein-Schule geholt.

Und warum schreibe ich darüber im Newsletter?
Weil ich möglichst weiteren Menschen vermitteln will, dass sich der Besuch gelohnt hat und weil ich hoffe, dass die Edunatika auch nächstes Jahr wieder nach Hanau kommt!
Neben der Tatsache, dass ich viele Menschen aus meiner Bildungsbubble erstmals im „Real-life“ kennenlernen durfte, zum Beispiel Nele Hirsch, Jöran Muuß-Merholz, Martin Fugmann oder Thomas Masztalerz oder andere endlich einmal wieder getroffen habe, wie Andreas Fischer oder Gratian Riter, habe ich zahlreiche neue Menschen kennengelernt, Kontakte geknüpft und vernetzt und letztlich natürlich viel Neues gelernt. All das stellt einen unglaublichen Mehrwert dar und dazu kommt dann noch der motivierende Effekt. Der Austausch über innovative Ansätze im Bildungssystem zeigt, was möglich ist und dass es viele Menschen gibt, die ähnlich denke und das System für die Lernenden verändern wollen. Das motiviert.
In der ersten Session an der ich teilgenommen habe, ging es um Agency und kollektive Wirksamkeit. Teilgeber waren Nele Hirsch vom eBildungslabor und Gratian Riter, der SEagent. Inhalt und Methode hate Nele hier hervorragend zusammengefasst.
Die zweite Session, an der ich teilgenommen habe, drehte sich um das Bildungshaus Riesenklein in Halle an der Saale, einer innovativen Schule, die wunderbar von der zwölfjährigen Schülerin Rica vorgestellt wurde.
Nach einer vernetzungswirksamen Mittagspause durfte ich selbst noch Teilgeber für zwei Sessions zu zwei meiner Herzensthemen sein, nämlich KI und Demokratie- und Medienbildung.

In der ersten Session „KI für Anfänger“ ging es darum, welche Rolle KI in Schule spielt zu erörtern und um den Appell, sich mit KI zu befassen, da diese eine zunehmend wichtige Rolle spielt (laut der brandaktuellen JIM-Studie nutzen 74% der Lernenden KI für Hausaufgaben). Nach einem kurzen Input von mir, orientiert an meinem Vortrag zu KI-Basics, den es hier gibt, diskutierten wir angeregt über die Auswirkungen von KI auf Hausaufgaben, Prüfungskultur und Unterricht. Wir überlegten, welche Chancen und Risiken mit KI verbunden sind und wie wir über diese aufklären und sie in den Unterricht einbinden. Ich glaube, es war allen klar, dass KI nicht mehr weggeht und wir uns damit befassen müssen und dass dies am Ende zu einer anderen Unterrichts- und Prüfungskultur führen wird. Wir müssen uns letztlich darauf einlassen und aufklären, ausprobieren, akzeptieren und aktiv werden müssen, getreu der 4-a von Doris Weßels.
In der zweiten von mir abgehaltenen Session ging es um die provokante Frage, manche werfen mir sogar, vielleicht nicht ganz zu unrecht, „Rage Bait“ vor: „Wenn wir Demokratie- und Medienbildung nicht ernst nehmen, können wir Mathe und Deutsch bald vergessen!“. Auch hier gab es wieder einen kurzen Input von mir, der auf einem meiner Workshops bei den Kamener Schulgesprächen im September basierte, die Folien dazu gibt es hier.
Die einigende Klammer beider Sessions war, dass wir Schule komplexer denken und grundlegend verändern müssen. Wir brauchen nicht noch ein Konzept, das im Schrank verstaubt, sondern einen ganzheitlichen pädagogikzentrierten Bildungsbegriff. Demokratie- und Medienbildung, und dazu gehört KI, müssen als Querschnittaufgabe für Schule verstanden werden und können nicht an einzelne Fächer oder bestimmte Projekttage ausgelagert werden. Ich fordere schon länger mehr Demokratie- und Medienbildung. KI macht diese Forderung noch dringlicher, da sie die Beeinflussung des demokratischen Kurses und die Generierung von Fake auf ein neues Level hebt.

Vielen Dank für all die interessanten Begegnungen, Impulse, Diskurse, Kontroversen und Austausche auf der Edunautika in Hanau.
Ich hoffe sehr, dass wir uns nächstes Jahr unter dem gleichen Banner am gleichen Ort wiedersehen können!

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Heute ist Aktionstag gegen Cybermobbing!
„Juuuport“ hat dazu Informationen zusammengetragen: https://www.juuuport.de/aktionstag-gegen-cybermobbing.

Interessantes
Am 14.11. wurde die neue JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) des mpfs veröffentlicht. Den Download gibt es hier: https://www.lfk.de/fileadmin/PDFs/Publikationen/Studien/JIM-Studie/jim-studie-2025.pdf und die wichtigsten Ergebnisse sind hier zusammengefasst: https://www.lfk.de/forschung/mediennutzungsstudien/jim-studie-2025. Nur ein Ergebnis: 74% der Jugendlichen nutzen KI für Hausaufgaben.
Das „Deutsche Schulportal“ hat sich intensiv mit psychischen Belastungen von Schülerinnen und Schülern auseinandergesetzt: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/psychische-gesundheit-aengste-depressionen-essstoerungen-wie-koennen-schulen-auf-psychische-belastungen-reagieren/.
„News4Teachers“ schreibt über die Krise der Demokratie und die Folgen für Schule auf der Basis der Forschungsergebnisse von Aladin El Mafaalani: https://www.news4teachers.de/2025/11/wenn-vertrauen-schwindet-warum-die-krise-der-demokratie-in-den-klassenzimmern-beginnt-und-wie-schule-sich-aendern-muesste-um-dem-zu-begegnen/.
Das „Institut für zeitgemäße Prüfungskultur“ hat ein neues „Mission Statement“ erarbeitet und Veröffentlicht: https://pruefungskultur.de/.
Kai Maaz, Direktor des DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, fordert in einem Interview zu Veränderungen der Lern- und Prüfungskultur auf: https://www.news4teachers.de/2025/11/neue-lern-und-pruefungskultur-wir-muessen-einfach-anfangen-dipf-direktor-maaz-ruft-schulen-zum-handeln-auf/. Basis ist eine von der Bertelsmann Stiftung initiierte Expertinnengruppe um Dr. Martina Diedrich und Prof. Dr. Kai Maaz mit Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Lern- und Prüfungskultur.
Interessanter Beitrag von Stefan Kühl, das ist der mit dem Buch zur „brauchbaren Illegalität“, hat sich mit „Veränderungsblockaden in Schulen“, trotz wachsender Autonomie, befasst:
https://sozialtheoristen.de/2021/11/25/zu-den-veraenderungsblockaden-in-schulen/. Spoiler: „Das Problem ist in der Organisationssoziologie bekannt. Das Paradox besteht darin, dass  Organisationen, denen ein höheres Maß an Autonomie zugestanden wird, in ihrer Selbstorganisation jene Strukturen reproduzieren, die allen vertraut sind – und das sind in der Regel die fremd organisierten Strukturen, die bereits vor der Einführung der Selbstorganisation bekannt waren“.
Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet über den Zuwachs der Privatschulen: https://www.fr.de/panorama/nicht-ihre-aufgabe-problem-an-deutschen-schulen-breitet-sich-aus-zr-94027373.html.
Wolters Kluwer hat die „Zukunftsstudie Schulmanagement 2025 – Digitalisierung im Schulleitungsalltag“ veröffentlicht: https://www.wolterskluwer.com/de-de/know/zukunftsstudie-schulmanagement-2025.
Die Hopp-Foundation hat ein an Design-Thinking orientiertes Handbuch zur Schulentwicklung herausgegegben:

Smartphone und Social-Media
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, forderte bereits im August ein Mindestalter für die Nutzung von Social Media und erntete dafür reichlich Kritik: https://www.rnd.de/politik/zu-viel-tiktok-und-co-experten-debattieren-ueber-altersvorgaben-fuer-kinder-SEHYDWS7CRCJLLEBSPCZLZ2QGA.html. „heise.de“ berichtete nun über den Geschäftsführer des Kinderschutzbundes, Kai Hanke, der sich ebenso gegen Verbote ausspricht, da diese Kinder in ihrem Recht auf digitale Teilhabe nach der VN-Kinderrechtskonvention einschränkten: https://www.heise.de/news/Kinderhilfswerk-Entschieden-gegen-Social-Media-Verbot-fuer-Kinder-11080073.html?wt_mc=sm.red.ho.bluesky.bluesky.bs_beitraege.bs_beitraege. Der Kinderschutzbund hat sich bereits in einer Pressemitteilung im Februar gegen Verbote positioniert und fordert mehr Medienbildung für Kinder und Eltern: https://kinderschutzbund.de/smartphones-und-kinder-bildung-und-begleitung-vor-verboten-und-kontrolle/.

KI
Das Schulministerium NRW hat eine tolle Übersicht zu formativem Feedback durch KI zusammengestellt: https://www.schulministerium.nrw/einsatzmoeglichkeiten-von-ki-beim-formativen-feedback.
Susanne Alles, Joscha Falck, Manuel Flick und Regina Schulz haben eine wunderbare Taskcard zum Thema „KI-Kompetenzen für Lehrende und Lernende. Aus der Praxis für die Praxis – eine adaptierbare Basis.“ Zusammengestellt. Dort findet sich fast alles, was man als Lehrkraft im Kontext KI braucht: https://essen.taskcards.app/#/board/ba6226b4-e617-4134-8d6d-dc733dae8d9c/view?token=b490fc09-f845-4d6d-9ef7-9cc0ec548182.
Der Elternblog „Medienzeit“ über die Gefahren von Chat-GPT für Kinder: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/chatgpt-kinder-suchen-antworten-von-maschinen. „Futurism“ warnt (auf Englisch) vor KI-Spielzeug, da dieses Kindern erklärt, wie sie einen Brand legen oder wie gewisse sexuelle Praktiken funktionieren: https://futurism.com/artificial-intelligence/ai-toys-danger.
Frau Stier hat zum Thema „Mit dem THINK-Prinzip zum verantwortungsvollen KI-Umgang“ gebloggt: https://www.fraustier.de/think-prinzip-zum-verantwortungsvollen-ki-umgang/. Ziel ist es grundlegende KI-Kompetenzen für alle Schülerinnen und Schüler zu entwickeln.
Hauke Pöhlert: „Feedback – Mensch vs. KI: Was sagt die Forschung und was bedeutet das für Schule, Unterricht & Lernen?“. Lesenswert: https://unterrichten.digital/2025/11/19/feedback-mensch-ki-studie-schule/.
KI verändert Schule, Forscher fordern Veränderung: https://www.mdr.de/wissen/bildung/ki-in-der-schule-forscher-fordern-umdenken-anderes-lernen100.html.
Ein wunderbares Beispiel für das Haluzinieren von KI aus der SZ: https://www.sueddeutsche.de/bayern/schirnding-chatbot-waffen-grenz-kontrolle-tschechien-li.3339989.

Tipps für den Unterricht
Bob Blume spricht sich in seiner Kolumne auf „t-online“ für den Einsatz der Lebensgeschichte des Offenbacher Rappers „Haftbefehl“ im Unterricht aus: https://www.t-online.de/leben/kolumne-bob-blume/id_100984494/haftbefehl-im-unterricht-teil-der-kulturellen-dna-unserer-generation-.html. Natürlich ist das umstritten und das HMKB lehnt die Forderung ab (https://www.deutschlandfunk.de/ministerium-lehnt-schueler-wunsch-nach-haftbefehl-im-lehrplan-ab-102.html). Ich habe meine Schülerinnen und Schüler zu dem Thema befragt und sie sind da geteilter Meinung.
Es gibt ein Portal der Max-Planck-Gesellschaft für den Transfer von Forschung in Schule mit vielen Anregungen für den MINT-Unterricht, zum Beispiel einen Comic zu Quantenkryptographie: https://www.max-wissen.de/.
Die Uni Bremen hat Anregungen und Konzepte für eine mediengestützte Berufsbildung in einer Online-Datenbank gesammelt. Wirklich interessante Anregungen: https://unterrichtsgestaltung-mit-medien.de/.
Die Karg-Stiftung betreibt ein Portal zu Hochbegabung: https://www.fachportal-hochbegabung.de/.
Springer hat ein Open.Access Buch „Künstliche Intelligenz in DaF/DaZ“ veröffentlicht: https://link.springer.com/book/10.57088/978-3-7329-8749-8.
Der belgische Bildungswissenschaftler Pedro de Bruyckere setzt sich kritisch mit Lernendenautonomie auseinander: https://theeconomyofmeaning.com/2025/11/20/does-autonomy-really-improve-learning-new-timss-analysis-challenges-a-popular-assumption/. Spoiler: „The study does not claim that autonomy is bad. It does suggest that autonomy should not be treated as a universal good that automatically boosts learning.“
Joscha Falck hat ausführlich zu „Classroom-Management mit digitalen Endgeräten“ gebloggt: https://joschafalck.de/classroom-management-digital/.

Leseempfehlung
Jöran Muuß-Meerholz: Schule 2035. Lernen nach Digitalisierung und KI, Weinheim 2025. Jöran entwirft eine protypische Vision für fünf sehr unterschiedliche Schulen im Jahr 2035 und zeigt Methoden zur Schulentwicklung auf. Nicht nur lesenswert, sondern auch unterhaltsam. Bemerkenswert finde ich, dass das Buch auf der Annahme basiert, dass es nur zehn Jahre für die imaginierten Transformationen braucht, das passt zu meinen Vorstellungen von beschleunigter Veränderung.

Hörempfehlung
Wieder mal eine Folge der „Bildungsbaustelle“ Dieses Mal mit Jonas Wagner („Edu Twist“) aus Hannover über den Transformationsprozess an seiner Schule: https://open.spotify.com/episode/5vg86Euna7Qxr7sG34rMHV.
Der SEagent hat, basierend auf den Zitatsammlungen von Tom Mittelbach, KI-Lieder zur Schulentwicklung generiert: https://seagent.de/se-hits/.

Sehempfehlung
Auf diese YouTube-Short sieht man ein kleines verzweifeltes Mädchen in China, dessen KI-Lernhilfegerät kaputt gegangen ist. Es zeigt eindrücklich die Gefahr der Vermenschlichung von KI (Ein Fall von Anthropomorphisierung): https://www.youtube.com/shorts/18U9pN6eDJ8. Darüber müssen wir uns im Klaren sein.

Veranstaltungsempfehlung
Im Moment ist nichts los… 😉 Außer vielleicht dem Deutschen Schulleitungskongress vom 27. bis  29. November in Düsseldorf.

Spaß im Netz
Wer schon immer einmal „Schere, Stein, Papier“ gegen den Computer spielen wollte, kann das hier tun: https://rockpaperscissoronline.com und bekommt sogar noch ein paar Hintergrundinformationen.

Blog 2025-24: Edunautika-Süd

Am 15. November durfte ich bei der Edunautika in Hanau als Teilnehmer und Teilgeber dabei sein. Warum das einen Blogbeitrag wert ist, möchte ich hier kurz darlegen.

Was ist überhaupt eine Edunautika?
Die Edunautika ist ein seit 2018 in Hamburg etabliertes Barcamp, das von der Max-Brauer Schule, der Winterhuder Reformschule und der Agentur Jöran & Konsorten organisiert wird. Ein Barcamp ist eine „Unkonferenz“ bei der die Beteiligten spontan entscheiden, welche Themen sie anbieten (teilgeben) oder an welchen Themen sie in so genannten Sessions teilnehmen. So entstehen vielfältige Austauschformate bei denen neue Ideen entwickelt, Dinge gelernt oder diskutiert werden können, Anregungen gefunden werden, Kontakte geknüpft werden und vieles mehr.
Dankenswerterweise hat die Heraeus-Bildungsstiftung dieses wunderbare Austauschformat in den Süden nach Hanau an die Karl-Rehbein-Schule geholt.

Und warum ist das jetzt einen Blogbeitrag wert?
Weil ich möglichst weiteren Menschen vermitteln will, dass sich der Besuch gelohnt hat und weil ich hoffe, dass die Edunatika auch nächstes Jahr wieder nach Hanau kommt!
Neben der Tatsache, dass ich viele Menschen aus meiner Bildungsbubble erstmals im „Real-life“ kennenlernen durfte, zum Beispiel Nele Hirsch, Jöran Muuß-Merholz, Martin Fugmann oder Thomas Masztalerz oder andere endlich einmal wieder getroffen habe, wie Andreas Fischer oder Gratian Riter, habe ich zahlreiche neue Menschen kennengelernt, Kontakte geknüpft und vernetzt und letztlich natürlich viel Neues gelernt. All das stellt einen unglaublichen Mehrwert dar und dazu kommt dann noch der motivierende Effekt. Der Austausch über innovative Ansätze im Bildungssystem zeigt, was möglich ist und dass es viele Menschen gibt, die ähnlich denke und das System für die Lernenden verändern wollen. Das motiviert.
In der ersten Session an der ich teilgenommen habe, ging es um Agency und kollektive Wirksamkeit. Teilgeber waren Nele Hirsch vom eBildungslabor und Gratian Riter, der SEagent. Inhalt und Methode hate Nele hier hervorragend zusammengefasst.
Die zweite Session, an der ich teilgenommen habe, drehte sich um das Bildungshaus Riesenklein in Halle an der Saale, einer innovativen Schule, die wunderbar von der zwölfjährigen Schülerin Rica vorgestellt wurde.
Nach einer vernetzungswirksamen Mittagspause durfte ich selbst noch Teilgeber für zwei Sessions zu zwei meiner Herzensthemen sein, nämlich KI und Demokratie- und Medienbildung.

In der ersten Session „KI für Anfänger“ ging es darum, welche Rolle KI in Schule spielt zu erörtern und um den Appell, sich mit KI zu befassen, da diese eine zunehmend wichtige Rolle spielt (laut der brandaktuellen JIM-Studie nutzen 74% der Lernenden KI für Hausaufgaben). Nach einem kurzen Input von mir, orientiert an meinem Vortrag zu KI-Basics, den es hier gibt, diskutierten wir angeregt über die Auswirkungen von KI auf Hausaufgaben, Prüfungskultur und Unterricht. Wir überlegten, welche Chancen und Risiken mit KI verbunden sind und wie wir über diese aufklären und sie in den Unterricht einbinden. Ich glaube, es war allen klar, dass KI nicht mehr weggeht und wir uns damit befassen müssen und dass dies am Ende zu einer anderen Unterrichts- und Prüfungskultur führen wird. Wir müssen uns letztlich darauf einlassen und aufklären, ausprobieren, akzeptieren und aktiv werden müssen, getreu der 4-a von Doris Weßels.
In der zweiten von mir abgehaltenen Session ging es um die provokante Frage, manche werfen mir sogar, vielleicht nicht ganz zu unrecht, „Rage Bait“ vor: „Wenn wir Demokratie- und Medienbildung nicht ernst nehmen, können wir Mathe und Deutsch bald vergessen!“. Auch hier gab es wieder einen kurzen Input von mir, der auf einem meiner Workshops bei den Kamener Schulgesprächen im September basierte, die Folien dazu gibt es hier.

Die einigende Klammer beider Sessions war, dass wir Schule komplexer denken und grundlegend verändern müssen. Wir brauchen nicht noch ein Konzept, das im Schrank verstaubt, sondern einen ganzheitlichen pädagogikzentrierten Bildungsbegriff. Demokratie- und Medienbildung, und dazu gehört KI, müssen als Querschnittaufgabe für Schule verstanden werden und können nicht an einzelne Fächer oder bestimmte Projekttage ausgelagert werden. Ich fordere schon länger mehr Demokratie- und Medienbildung. KI macht diese Forderung noch dringlicher, da sie die Beeinflussung des demokratischen Kurses und die Generierung von Fake auf ein neues Level hebt.

Vielen Dank für all die interessanten Begegnungen, Impulse, Diskurse, Kontroversen und Austausche auf der Edunautika in Hanau.
Ich hoffe sehr, dass wir uns nächstes Jahr unter dem gleichen Banner am gleichen Ort wiedersehen können!

Newsletter 25/26-05: 07.11.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

die Bundesschülerkonferenz hat am 30. Oktober ihren Call-to-Action präsentiert (https://bundesschuelerkonferenz.com/call-to-action/). Dort wird eine Krise der mentalen Gesundheit junger Menschen konstatiert, die durch zahlreiche Studien belegt wird, zum Beispiel durch die COPSY-Studie (https://www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik/forschung/arbeitsgruppen/child-public-health/forschung/copsy-studie.html) oder im aktuellen Deutschen Schulbarometer (https://www.bosch-stiftung.de/de/projekt/das-deutsche-schulbarometer) oder im BiPsy-Monitor (https://bipsy.de/). Laut Schulbarometer geben nur 8% der Schülerinnen und Schüler ein hoch ausgeprägtes schulisches Wohlbefinden an. Auf der Instagram-Seite der Copsy-Studie heißt es: „Im Herbst 2023 fühlte sich etwa die Hälfte der jungen Erwachsenen durch verschiedene Krisen belastet. Rund ein Fünftel zeigte Anzeichen von Angst, und etwa ein Zehntel berichtete von depressiven Symptomen.“ (https://www.instagram.com/p/DONj9fDjFZG/?img_index=1).

Die Studienlage ist eigentlich eindeutig, vielen Jugendlichen geht es nicht gut und der Trend ist negativ. Gleichzeitig wird es immer schwieriger ambulante und stationäre Therapieplätze zu finden, die Wartezeiten sind sehr lang.

Die Studien zeigen auch, dass Leistungsdruck, Mobbing, mangelnde Unterstützung und vieles mehr in der Schule einen Teil zu dieser Situation beiträgt. Also liegt es auch in der Verantwortung der Schule, einen Teil zur Verbesserung der Situation, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, beizutragen.

Dazu gehört als erster Schritt, das Problem und die Verantwortung dafür anzuerkennen.

Mit der im letzten Newsletter (https://www.schulmun.de/2025/10/24/newsletter-25-26-04-24-10-2025/) vorgestellten Verpflichtung des Hessischen Schulgesetzes „zur Wohlfahrt der Schülerinnen und Schüler und zum Schutz ihrer seelischen und körperlichen Unversehrtheit, geistigen Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit“ (§3 Abs. 9) und dem damit etablierten Schutzkonzept gehen wir einen Schritt in die richtige Richtung, sind aber auch erst am Anfang. Auch das Medienkonzept und die Module zum sozialen Lernen sind Bausteine auf dem Weg zu mehr Salutogenese von Lernenden und Lehrenden. Unser Ziel ist ja, so sieht es das von der Gesamtkonferenz beschlossene Mandat für die DNA-Gruppe vor, eine Schule zu sein, in die alle Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gerne gehen. Und dazu braucht es einen respektvollen Umgang und ein von jeglicher Gewalt freies Schulklima.
Dafür tun wir schon Einiges, sind uns aber auch bewusst, dass wir dafür die Unterstützung der Familien, eigentlich der gesamten Gesellschaft brauchen.

Die Bundesschülerkonferenz hat in dem erwähnten Call-to-Action zehn unterstützenswerte Forderungen aufgestellt, die ich hier vollumfänglich wiedergebe:
„Unser 10-Punkte-Plan:

  1. Mehr Personal in Schulsozialarbeit und im schulpsychologischen Dienst
  2. Bessere Schulstrukturen: individuelle Förderung, mehr Pausen, Entlastung der Lehrkräfte, gute Ganztagsmodelle
  3. Förderung von Medienkompetenz in allen Unterrichtsfächern
  4. Mentale Gesundheit als Querschnittsaufgabe für alle Schularten und Unterrichtsfächer
  5. Fortbildungen, die Lehrkräfte und pädagogisches Personal befähigen, sich den Herausforderungen psychischer Belastungen zu stellen
  6. Gesundheitsförderung als Teil der Schulkultur etablieren mit Strategien zur Prävention und Früherkennung von psychischen und physischen Krankheiten (z.B. Angebote für mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Einsatz schulgerechter digitaler Tools zur Unterstützung von mentaler Gesundheit)
  7. Verbindliche Schutzkonzepte gegen Mobbing und Diskriminierung
  8. Vermittlung von Schlüsselkompetenzen wie Selbstregulation und Stressbewältigung im Unterricht und in außerunterrichtlichen Angeboten
  9. Schulbauten mit Rückzugsräumen, guter Akustik, viel Licht und ausreichend Platz
  10. Umfassende Begleitung, Unterstützung und Nachteilsvermeidung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sowie für junge Menschen in risikobehafteten Lebenssituationen

Was wir brauchen, sind gesunde, medienkompetente und resiliente junge Menschen! Wir fordern die Politik auf, denen zuzuhören, die es betrifft!“

An einigen der Punkte sind wir dran, zum Beispiel auch mit dem Projekt „einfach bewegen(d)“, an anderen müssen wir noch arbeiten. Ein nächster Schritt wird es sein, „Tomoni“ an der Schule anzubieten (https://www.tomonimentalhealth.org/). Dazu demnächst mehr.

Mir persönlich ist es wichtig, dieses Thema in den Fokus zu rücken und damit, neben Medien- und Demokratiebildung, einen weiteren persönlichen Entwicklungsschwerpunkt zu setzen, um unseren Schülerinnen und Schülern die nötige Resilienz für die Herausforderungen der Zukunft mitzugeben.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
Die „Berliner Morgenpost“ wagt sich an einen Erklärungsversuch, warum junge Menschen wütend auf die Politik sind: https://www.morgenpost.de/politik/article410332309/wir-muessen-sehr-laut-werden-darum-macht-die-politik-die-jungen-wuetend.html.

In der „Frankfurter Rundschau“ wird sich mit der Frage, warum Schüler es hassen Romane zu lesen, befasst: https://www.fr.de/panorama/lesen-sie-hassen-es-schueler-koennen-keine-romane-mehr-zr-94004845.html. Auch der „Deutschlandfunk“ befasst sich mit dem Thema: https://www.deutschlandfunk.de/leseforscher-christian-dawidowski-ueber-gegenwart-und-zukunft-des-lesens-100.html.
Der geschätzte Jan-Martin Klinge hat sich auf seinem „halbtagsblog“ mit der Bildungsforschung auseinandergesetzt, lesenswert: https://halbtagsblog.de/2025/11/02/bildungsforschung-nervt-und-ist-wichtig/. Auslöser für diesen Blogbeitrag war wohl dieser Beitrag von John Hattie auf dem Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/john-hattie-warnt-vor-falsch-verstandener-individualisierung-des-lernens/.
In meiner Social-Media-Bubble ploppt immer mal wieder die Debatte um die Rolle von Empirie in der Schul- und Unterrichtsentwicklung auf. Dazu zwei interessante Beiträge von Stephanie Wössner und Gratian Riter: https://www.petiteprof79.eu/mehr-als-nur-wirksam-warum-hatties-visible-learning-fuer-die-zukunft-des-lernens-nicht-ausreicht/ und https://seagent.de/jenseits-des-positivismus-ein-plaedoyer-fuer-experimentellen-mut/.

Smartphone und Social-Media

Die „taz“ berichtet über den neuen TikTok-Trend „PingTok“ bei dem sich Jugendliche unter dem Einfluss von Drogen in Shorts (die Videos, nicht die Hosen) präsentieren: https://taz.de/PingTok-Trend-Teeanger-feiern-auf-TikTok-ihren-Konsum/!6125287/.
Der „Medienzeit-Elterblog“ warnt vor der App PolyBuzz, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/polybuzz-verstehen-app-fr-kinder-gefhrlich.

KI
Die „Internet Watch Foundation“ berichtet (auf Englisch) über den rasanten Anstieg von KI-generierter Kinderpornografie im Netz und fordert dazu auf dagegen aktiv zu werden: https://www.iwf.org.uk/news-media/news/full-feature-length-ai-films-of-child-sexual-abuse-will-be-inevitable-as-synthetic-videos-make-huge-leaps-in-sophistication-in-a-year/.
In der „taz“ wird ein Mann vorgestellt, der eine Beziehung mit einer KI führt: https://taz.de/Verliebt-in-eine-KI/!6121372/. Das ist übrigens keine witzige Schrulle, sondern ein zunehmendes Phänomen. Dazu auch: https://t3n.de/news/wegen-ki-jungen-koennten-durch-ki-verlernen-grenzen-zu-respektieren-1714681/, https://www.informationsethik.net/die-simulierte-freundschaft/ und die Studie (Me, myself and AI“: https://www.internetmatters.org/wp-content/uploads/2025/07/Me-Myself-AI-Report.pdf.

Tipps für den Unterricht
Bei „Liberating Structures“ gibt es eine tolle Methodenseite zur Kollaboration, die auch im Unterricht anwendbar ist: https://liberatingstructures.de/liberating-structures-menue/. Überhaupt ist die Seite empfehlenswert!
Das ZDF hat eine eigene Seite mit Material für Schulen: https://schule.zdf.de/.
Hier gibt es, nur für den Unterricht, verschiedene Vorlagen zur Erstellung von Social-Media-Content für Arbeitsblätter, zum Beispiel Insta-Posts oder WhatsApp-Dialoge: https://zeoob.com/.

Leseempfehlung
Weil ich ja immer Medienbildung so sehr in den Vordergrund stelle (und natürlich auch ein klein wenig, weil ein kurzer Beitrag von mir zur Medienbildung an der Weibelfeldschule drin ist), gerade erst veröffentlicht: Florian Nuxoll: Upgrade: Medienkompetenz. Informationen einordnen, kritisch reflektieren, verantwortungsvoll handeln, Hannover 2025.

Hörempfehlung
In einem Podcast auf WDR 5 erläutert Ferdinand Stebner „Die Vorteile von selbstreguliertem Lernen“: https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:section:42b966c64cd83570/.

Sehempfehlung
Das ZDF-Magazin „frontal“ zeigt einen kurzen Beitrag „Sprache, Motorik, Sozialverhalten: Kinder scheitern schon in der Grundschule“: https://www.zdfheute.de/video/frontal/sprache-motorik-sozialverhalten-kinder-scheitern-in-grundschule-100.html.

Veranstaltungsempfehlung
Leider nur noch Warteliste, ich freue mich aber sehr auf die Edunautika-Süd am 15. November: https://heraeus-bildungsstiftung.de/seminare/lehrkraefte/edunautika-ein-barcamp-zu-zukunftsfaehiger-paedagogik-im-digitalen-wandel/.

Spaß im Netz
The Blob: https://oimo.io/works/blob/

Newsletter 25/26-04: 24.10.2025

Liebe Schulgemeinschaft,

seit der Änderung des § 3 Abs. 9 im Hessischen Schulgesetz am 7. Dezember 2022 sind alle Schulen dazu verpflichtet, Schutzkonzepte „gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch“ zu entwickeln.

In diesem Paragrafen des HSchG heißt es:

„Die Schule ist zur Wohlfahrt der Schülerinnen und Schüler und zum Schutz ihrer seelischen und körperlichen Unversehrtheit, geistigen Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit verpflichtet. Darauf ist bei der Gestaltung des Schul- und Unterrichtswesens Rücksicht zu nehmen. Jede Schule erstellt ein Schutzkonzept gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch. Rauchen einschließlich der Benutzung von elektronischen Zigaretten und Tabakerhitzern ist im Schulgebäude und auf dem Schulgelände nicht gestattet. Die Anforderungen und die Belastungen der Schülerinnen und Schüler durch Unterricht, Hausaufgaben und sonstige Schulveranstaltungen müssen altersgemäß und zumutbar sein und ihnen ausreichend Zeit für eigene Aktivitäten lassen..“

Auf der Homepage des Ministeriums heißt es dazu:

„Ziel ist es, eine Schulkultur des Vertrauens und der Achtsamkeit zu etablieren und ein sicheres Umfeld für alle Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Schulen sollen zu sicheren Orten für die gesamte Schulgemeinde werden und dadurch möglichst keinen Raum für sexualisierte und jedwede andere Form von Gewalt bieten.“

Mit Schreiben vom 02. Juni 2023 wurden die Schulen aufgefordert ein solches Konzept zu entwickeln und bekamen dazu Hilfestellungen in Form von Fortbildungen und Handreichungen.

Ziel eines solchen Konzeptes ist es u.a. verbindliche Verfahren im Umgang mit Gewalt und Missbrauch zu etablieren. Die Entwicklung des Konzeptes hat Frau Herrera verantwortet und mit tatkräftiger Unterstützung von Herrn Weidmann vorangetrieben. Auf der letzten Gesamtkonferenz wurde das Konzept nahezu einstimmig verabschiedet. Warum hat das so lange gedauert?

Weil wir diesem wichtigen Thema den Raum geben wollten, den es braucht. Bei der Entstehung des Konzeptes wurden Schülerinnen, Schüler und Eltern einbezogen, es fanden mehrere Treffen zur Diskussion und Abstimmung statt und es fand eine Befragung schulischer Gruppen durch eine externe Moderatorin statt, um die Entwicklung des Konzeptes auf eine solide Basis zu stützen.

Wir haben uns außerdem bewusst dazu entschlossen, das verbindlich zugehörige Beschwerde- und Meldeverfahren sehr offen zu gestalten und erhoffen uns dadurch ein niedrigschwelliges System jeglicher Gewalt an unserer Schule gegenüber zu treten.

Am Ende geht es um die grundlegende Haltungsfrage: Wie wollen wir an der Weibelfeldschule miteinander umgehen?

Dabei geht es nicht nur um das Verhältnis von Lernenden und Lehrkräften, sondern zwischen allen Teilen der Schulgemeinschaft. Ziel muss es sein, wie oben zitiert „eine Schulkultur des Vertrauens und der Achtsamkeit zu etablieren“ und Schule zu einem sicheren Ort zu machen. Einem Ort, an dem wir uns mit Respekt und Anerkennung begegnen, der frei von jeglicher Art von Gewalt ist, keine Beleidigungen, kein Rassismus, kein Mobbing usw.

Mir ist durchaus bewusst, dass das aktuell eine Wunschvorstellung ist. Aber es ist auch unsere Vision für eine Schule, an der wir alle gerne sind und bleibt unser Ziel.

Dazu passt auch, sich immer einmal wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass Deutschland die VN-Kinderrechtskonvention ratifiziert und Hessen Kinderrechte sogar in der Landesverfassung verankert hat (mehr Informationen dazu: https://soziales.hessen.de/kinder-und-jugendliche/kinder-und-jugendrechte).

Zum Schluss möchte ich noch einen kurzen Nachtrag zur Veranstaltung mit Silke Müller am 30.09. im Bürgerhaus liefern. Silke Müller hat in ihrem Vortrag deutlich gezeigt, welche Gefahren für Kinder und Jugendliche im Netz und den sozialen Medien lauern. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde zwar kontrovers diskutiert, ob Verbote von sozialen Medien hilfreich sind, es herrschte aber auch Einigkeit, dass die gefahren im Netz, genauso wie Medien- und Demokratiebildung deutlich mehr in den Vordergrund gehören.

Auf jeden Fall war es eine gelungene und informative Veranstaltung, vielleicht der Auftakt zu einer jährlichen Reihe?

Im Nachgang zu der Veranstaltung finden sich in diesem Newsletter auch wieder ein paar Links, die zu Gefahren im Netz aufklären, außerdem gibt es dieses Mal viel KI-Kritik.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen, das naturgemäß nach den Ferien etwas ausführlicher ausfällt:

Interessantes
„brand eins“ hat ein lesenswertes Porträt über Bianca Thies, außergewöhnliche Leiterin einer Hamburger Stadtteilschule veröffentlicht:  https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2025/fuehrung/bianca-thies-role-model.
Die Montag-Stiftung hat ein kostenloses eBook zum Thema Schulbau veröffentlicht:  https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/9783986122249/html.
„Das Portal der Kinder- und Jugendhilfe“ setzt sich mit der Rolle der UN-Kinderrechtskonvention im Koalitionsvertrag auseinander: https://jugendhilfeportal.de/artikel/welche-kinderrechtlichen-pflichten-greift-der-koalitionsvertrag-auf.
Die neue TALIS-Studie der OECD zur Lage des Lehrens und Lernens gibt es hier: https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2025/10/results-from-talis-2024_28fbde1d/90df6235-en.pdf. Ein Interview zur Studie mit Andreas Schleicher hat der Deutschlandfunk durchgeführt (hörenswert): https://www.deutschlandfunk.de/talis-studie-zur-situation-von-lehrkraeften-interview-andreas-schleicher-oecd-100.html. Und das „Deutsche Schulportal“ hat die Studienergebnisse zusammengefasst: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/deutsche-lehrer-liegen-bei-teamarbeit-und-fortbildung-international-weit-zurueck.
Stephanie Wössner zur Wirkmächtigkeit von Sprache in Schulentwicklungsprozessen: https://www.petiteprof79.eu/sprache-als-wirklichkeit/.

Smartphone und Social-Media
Das BSI hat hervorragende Materialien für Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern und andere Bezugspersonen zu „Cybersicherheit in der Schule, in Bildungseinrichtungen und zuhause“ herausgebracht: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Informationen-und-Empfehlungen/Sicher-im-digitalen-Schulalltag/digitaler-schulalltag_node.html.
Das Deutsche Kinderhilfswerk hat eine wichtige Broschüre für den Umgang mit Kinderfotos im Netz („Sharenting“) unter Betonung von Kinderrechten herausgegeben: https://dossier.kinderrechte.de/sharenting-und-kinderrechte. Die Broschüre kann hier heruntergeladen werden: https://shop.dkhw.de/de/medien/265-sharing-is-not-caring.html.
Klaus Hurrelmann hat in der „Zeit“ einen Gastbeitrag zu Social-Media-Verboten geschrieben (Zitat: „Nicht Jugendliche müssen drangsaliert werden, sondern die Plattformen.“: https://www.zeit.de/2025/43/social-media-verbot-jugendliche-regulierung-digitalisierung
Der BR berichtet über eine aktuelle Studie der Vodafone-Stiftung zur „Nutzung und Selbstregulation von sozialen Medien“ (Spoiler: Jugendliche fühlen sich durch Social-Media belastet und wünschen sich mehr Anleitung, das sollen auch die Schulen leisten): https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/studie-jugendliche-wuenschen-anleitung-fuer-social-media-nutzung,UxbbqVW. Die Studie gibt es hier: https://www.vodafone-stiftung.de/jugendstudie-2025-social-media/.
Andrea Buhl-Aigner hat zu dem wichtigen Thema „Zuhause über Pornos sprechen? Entweder du klärst deine Kinder auf, oder das Internet erledigt das für dich“ ein Interview mit Katharina Marschall von safersurfing.org geführt: https://www.smartphonecoach.org/zuhause-ueber-pornos-sprechen-entweder-du-klaerst-deine-kinder-auf-oder-das-internet-erledigt-das-fuer-dich/. Hier gibt es auch weiterführende Links und Material.
Eine erschreckende Reportage zum sadistischen Online-Netzwerk 764, in dem Kinder online zu Selbstverletzungen und bis in den Tod getrieben wurden (nichts für schwache Nerven): https://www.zvw.de/rems-murr-kreis/sie-qu%C3%A4len-kinder-treiben-sie-in-den-tod-das-sadistische-online-netzwerk-764_arid-1010760.

KI
Joscha Falck hat sich in seinem Blog hat sich ausführlich mit „Lernen mit KI als didaktisch verschränkter Prozess“ beschäftig, sein Fazit: „Lernen mit KI erfordert keine völlig neue Didaktik, wohl aber eine bewusste Verschränkung von Zielen, Inhalten, Strategien und (KI-)Tools. Entscheidend ist, dass Lehrkräfte den Prozess reflektiert gestalten und Lernende Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen können. So wird KI nicht zum Selbstzweck, sondern zu einem Medium, das Selbststeuerung, Kompetenzentwicklung und Erfahrungen von Wirksamkeit unterstützt.“: https://joschafalck.de/lernen-mit-ki/
In Hessen kann an den Schulen jetzt, nach entsprechender Fortbildung, der KI-Chatbot „telli“ genutzt werden. Nele Hirsch hat dazu eine Kurzeinschätzung gebloggt (Spoiler: Nele sieht hier auch die Gefahr der von ihr geprägten „Zementmischer-Logik“, zumindest von der Anlage des Tools her): https://ebildungslabor.de/now/kurzeinschaetzung-zum-ki-chatbot-telli/.
KI hat eine Seite mit kindgerechten Informationen zu Technologie erstellt: https://emtech4kids.manus.space/.
Leon Furze zur Gefahr des Platzens der AI-Bubble: https://leonfurze.com/2025/10/17/what-happens-when-the-ai-bubble-bursts/.
„t3n“ räumt wieder einmal mit dem Mythos der KI-Detektoren auf: https://t3n.de/news/uni-setzt-ki-gegen-ki-schummler-ein-1712056/.
Das „Alan Turing Institute“ hat einen Blogbeitrag zu „Data Poisoning“ in LLMs veröffentlicht: https://www.turing.ac.uk/blog/llms-may-be-more-vulnerable-data-poisoning-we-thought.
„Der Standard“ zu AI-Slop (s. auch Sehempfehlung!): https://www.derstandard.at/story/3100000292110/ai-slop-und-social-media-hochzeit-aus-der-hoelle?ref=rss.
„404 Media“ beschreibt, wie KI Wikipedia bedroht (kostenloses Abo nötig): https://www.404media.co/wikipedia-says-ai-is-causing-a-dangerous-decline-in-human-visitors/.
Zu was KI in den Händen von unbesonnenen Jugendlichen führen kann beschreibt „The Verge“ anhand es „homeless man prank“: https://www.theverge.com/news/798681/police-stop-pulling-ai-homeless-man-tiktok-prank.
Der „Medienzeit“-Elternblog beschäftigt sich mit der Gefahr, dass KI zunehmend Freundschaften ersetzt: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/digital-ai-companions-studie. Die zugehörige Studie gibt es hier: https://www.commonsensemedia.org/research/talk-trust-and-trade-offs-how-and-why-teens-use-ai-companions.

Tipps für den Unterricht
Für Geschichte und Erdkunde:  https://www.oldmapsonline.org/de#position=5/49.99/8.67 bietet eine großartige und interaktive historische Weltkarte, die sich über einen Zeitstrahl steuern lässt und Grenzen, Herrschende und mehr interaktiv anzeigt.
Das Deutsche Schulportal hat eine Themenseite mit Handlungsempfehlung zu Mobbing erstellt: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/mobbing-in-der-schule-so-reagieren-lehrkraefte-richtig/. Präventionsmaterial gibt es beim Deutschen Bildungsserver: https://www.bildungsserver.de/schule/praevention-von-gewalt-und-mobbing-788-de.html.
Die Seite https://vomkindaus.de/ von Ruth Stocker und Matthias Förtsch bietet tolle Ideen zu Schulentwicklung und Projekten mit Lernenden, zum Beispiel: https://vomkindaus.de/praxis-impulse/schuelerinnen-und-schueler-machen-schule/.

Leseempfehlung
Heute mal etwas für Jugendliche. Julia Freudenberg und Matthias Feldmann haben ein Jugendsachbuch zum Thema KI in der „Was ist was“-Reihe veröffentlicht: Schlau, schlauer, KI? Künstliche Intelligenz erleben, Nürnberg 2025.

Hörempfehlung
In einem Podcast von WDR 5 spricht Prof. Ferdinand Stebner über sein Fachgebiet, das selbstregulierte Lernen:  https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:section:42b966c64cd83570/.
Und noch eine Empfehlung, der „Bildungsbaustelle-Podcast“ spricht mit Sandra Scheffel, der Schulleiterin der Maria-Leo-Grundschule, die gerade den Deutschen Schulpreis gewonnen hat: https://www.youtube.com/watch?v=mLjoMf5QTPI.
In der Folge vom 01.10. von „Kompass-KI“ geht es um die Frage: „Verdummung durch KI?“ (Spoiler: Es ist differenzierter): https://open.spotify.com/episode/4550gSoiLuCJmWhBxYAY5d.

Sehempfehlung
Frau Manzoni hat mich auf eine sehenswerte Arte-Doku aufmerksam gemacht. In „KI: Der Tod des Internets“ geht es um den so genannten „AI-Slop“, über den man unbedingt Bescheid wissen muss: https://www.arte.tv/de/videos/122187-000-A/ki-der-tod-des-internets/. Danke für die Empfehlung!
Der YouTube-Kanal AUIO bietet aufbereitete Informationen zum Thema Autismus: https://www.youtube.com/@auio9461. Hier wird die Reizüberflutung bei Autismus visualisiert: https://www.youtube.com/watch?v=6VgB5OcQ6XE.

Veranstaltungsempfehlung
Das Bildungsbier am 27. Oktober muss leider mangels Teilnehmer entfallen.

Spaß im Netz
Wussten Sie, dass in den USA die Anzahl der Masterabschlüsse mit der Popularität des Vornamens Benny korreliert? Mehr interessante Korrelationen gibt es unter:  https://tylervigen.com/spurious-correlations.