Blog 2026-10: Nachlese zum 2. Dreieicher Bildungsgespräch mit Bob Blume

Ein gelungener Abend für die Zukunft der Bildung (Bild: Erik Grundmann)

Rund 400 Menschen waren am 23.09.2026 ins Bürgerhaus Dreieich gekommen, um mit Bob Blume und einem Podium aus Schülerschaft, Eltern, Schulaufsicht und Schulträger über die Zukunft von Schule zu diskutieren. Es war eine tolle Veranstaltung, für die es viel positives Feedback gab, der Landrat des Kreises Offenbach, Oliver Quilling, und die Amtsleiterin des Staatlichen Schulamts, Susanne Meißner, haben sich explizit für den Abend bei mir bedankt. Der Dank gebührt aber auch dem Förderverein für die organisatorische und finanzielle Unterstützung, den Schülerinnen und Schülern des WP-Kurses von Marianela Manzoni, die am Abend vor Ort unterstützt haben und natürlich den Förderern, den Stadtwerken Dreieich, der Sparkasse Langen-Seligenstadt und der Langener Volksbank. Im Publikum saßen, wie ich später erfahren habe, Gäste die bis zu 100 Kilometer Anfahrt in Kauf genommen haben, die Partnerbuchhaltung „Gut gegen Nordwind“ konnte fast alle Bücher verkaufen (Bob hat fleißig signiert) und die andauernden Reaktionen in den sozialen Medien zeigen, dass der Abend ein Erfolg wird. Mal schauen, was nach Silke Müller im letzten Jahr, Bob Blume in diesem im nächsten Jahr folgt; zumal dieses ein Jubiläumsjahr ist (50 Jahre Weibelfeldschule und 50 Jahre Stadt Dreieich). Ich persönlich bin jedenfalls dankbar für diesen Abend, der für mich ein weiterer Mosaikstein auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Bildung und Schule war. Ich möchte auch noch Bob Blume explizit danken, der nicht nur eine brillante Keynote gehalten hat (siehe Link unten), sondern auch extra früher nach Dreieich gekommen ist, um am Nachmittag mit Schülerinnen, Schülern, Lehrkräften und Eltern in der Weibelfeldschule in lockerer Runde zu diskutieren. Lieber Bob, vielen Dank dafür!

Die Offenbach-Post hat den Abend sehr treffend als eine Diskussion über die Reibung zwischen dem Anspruch an eine andere Schule und ihren tatsächlichen Bedingungen beschrieben. Auf der einen Seite stehen Individualisierung, Digitalisierung, Demokratiebildung, Inklusion und Lebensnähe, auf der anderen Seite berichten Lehrkräfte von Bürokratie, fehlendem Material und Schulentwicklung, die zusätzlich zum vollen Deputat geleistet wird. Den ganzen Artikel finden sie hier: OP-Online

Was vom zweiten Dreieicher Schulgespräch übrig geblieben ist

Vieles von dem, was an diesem Abend gesagt wurde, wirkt bei mir noch nach. Besonders interessant finde ich im Rückblick aber auch die Fragen, die wir nicht mehr beantworten konnten.

Während der Podiumsdiskussion konnten die Besucherinnen und Besucher über Mentimeter Fragen stellen, wir haben in der Pause Fragen auf Stellwänden gesammelt und Fragen direkt aus dem Publikum diskutiert. Einige davon konnte ich aufgreifen, andere blieben am Ende stehen. Nicht weil sie weniger wichtig gewesen wären, sondern weil auch ein langer Abend irgendwann zu Ende geht. Beim späteren Durchsehen fiel mir auf, dass diese offenen Fragen ziemlich genau beschreiben, wo die Diskussion über die Zukunft von Schule gerade steht. Gesammelt und geclustert hat die Fragen übrigens der Vorstand des Fördervereins (danke auch dafür!).

Die offenen Fragen aus dem Mentimeter.

Da ist die scheinbar einfache Frage: „Was hältst du von Hausaufgaben?“ An anderer Stelle steht die Frage, „wie zukünftige Prüfungsformen aufgrund von KI am besten aussehen“ sollen. Jemand möchte wissen, warum es immer noch kein flächendeckendes gegenseitiges Feedback gibt, jemand anderes, warum Frontalunterricht so verbreitet ist, obwohl Schülerinnen und Schüler häufig beschreiben, dass sie damit nicht gut lernen. Wieder andere fragen nach selbstreguliertem und sozialem Lernen, Bildungsgerechtigkeit, Geschlechterunterschieden, Lehrkräftebildung, Schulbau, Ganztag und der Rolle von Schulaufsicht und Beamtentum.

Man könnte jede dieser Fragen einzeln beantworten. Interessanter finde ich, sie zusammenzudenken, was ich im Folgenden tue. Denn genau dann wird sichtbar, dass wir es nicht mit sechzehn einzelnen Problemen zu tun haben. Viele dieser Fragen hängen unmittelbar miteinander zusammen. Schule ist eine komplexe Institution und Bildung ein komplexer Prozess. (Dazu zum Beispiel: Blog 2024-17)

Unterricht, Aufgaben und Prüfungen gehören zusammen

Eine der Fragen aus dem Publikum lautete:

„Wie sollen zukünftige Prüfungsformen aufgrund von KI am besten aussehen?“

Generative KI kann inzwischen viele der Produkte erstellen, die wir traditionell als schulische Leistung betrachten. Eine Präsentation, eine Erörterung, eine Zusammenfassung oder die Beantwortung einer Reihe von Fragen sind für ein leistungsfähiges Sprachmodell keine große Herausforderung mehr. (Dazu auch: Blog 2026-09 und im noch nicht erschienenen nächsten Blogbeitrag)

Die OECD beschreibt im Digital Education Outlook 2026 genau das dahinterliegende Problem. Schülerinnen und Schüler können mithilfe allgemeiner KI-Systeme bessere Ergebnisse produzieren, ohne deshalb zwangsläufig mehr zu lernen. Werden wesentliche Denkprozesse ausgelagert, drohen kognitives Offloading und eine geringere geistige Beteiligung. Anders sieht es aus, wenn KI gezielt für Lernprozesse eingesetzt wird. Dann kann sie beispielsweise als Tutor oder Gesprächspartner durchaus Lernfortschritte unterstützen. Link dazu: OECD.

Damit führt uns KI zu einer Frage, die älter ist als ChatGPT. Welchen Lernprozess wollen wir mit einer Aufgabe eigentlich auslösen? Erst wenn das geklärt ist, lässt sich sinnvoll entscheiden, ob KI dabei hilfreich, hinderlich oder schlicht irrelevant ist.

Das gilt auch für die scheinbar harmlose Mentimeterfrage „Was hältst du von Hausaufgaben?“ Eine Hausaufgabe ist nicht deshalb sinnvoll, weil Hausaufgaben nun einmal zur Schule gehören. Sie braucht einen pädagogischen Zweck. Soll etwas geübt, vorbereitet oder vertieft werden? Und ist die Aufgabe dafür tatsächlich geeignet? Wenn eine KI sie in wenigen Sekunden erledigen kann, ist das zumindest ein Anlass, noch einmal über diese Frage nachzudenken. Auch empirisch ist die Sache weniger eindeutig, als es die Selbstverständlichkeit vermuten lässt, mit der Hausaufgaben noch immer zum Schulalltag gehören. Positive Effekte zeigen sich durchaus, insbesondere bei regelmäßigem Üben in höheren Jahrgangsstufen; viel hilft dabei keineswegs automatisch viel. Problematisch ist darüber hinaus die Verlagerung des Lernens ins Elternhaus. Laura Fuhrmann beschreibt Hausaufgaben als „schulisches Entgrenzungsphänomen“: Schulische Anforderungen werden in den privaten Raum ausgelagert und damit auch von den dort vorhandenen zeitlichen, materiellen und kulturellen Ressourcen abhängig. Hausaufgaben können auf diese Weise zur Reproduktion sozialer Ungleichheit beitragen. Link: pedocs.

Dazu passt eine weitere Wortmeldung:

„Warum gibt es immer noch kein flächendeckendes gegenseitiges Feedback? Eine so einfach umzusetzende Sache, oder nicht?“

Ganz so einfach ist gutes Feedback leider nicht, das ist nicht zuletzt eine Frage von Schulkultur. Aber hinter der Frage steckt ein wichtiger Gedanke. Wenn wir Lernen stärker als Prozess verstehen, braucht es Gelegenheiten, Zwischenergebnisse wahrzunehmen, Rückmeldungen zu geben und das eigene Vorgehen zu verändern; und zwar für Lernende und Lehrende. Eine Kultur, die vor allem das fertige Produkt bewertet, setzt andere Anreize als eine Kultur, die Lernwege sichtbar macht.

Auch die Frage „Warum wird der Frontalunterricht hier verteufelt? Wenn Schüler oft beschreiben, dass man damit gut lernt“ verdient dabei eine ernsthafte Antwort. Frontalunterricht ist nicht per se schlechter Unterricht und soll schon gar nicht verteufelt werden; wie sagt Hattie: „The teacher matters“. Gute Instruktion hat ihren Platz, gerade wenn neue Inhalte erklärt, Zusammenhänge strukturiert oder gemeinsame Grundlagen geschaffen werden sollen. Problematisch wird es erst, wenn aus einer sinnvollen Unterrichtsphase das nahezu ausschließliche Organisationsprinzip des Lernens wird. Die interessante Debatte verläuft deshalb nicht zwischen Frontalunterricht und offenem Unterricht, sondern darum, welche Form des Lernens zu welchem Ziel passt.

Selbstständigkeit fällt nicht vom Himmel

Eine weitere Frage bringt für mich einen zentralen Widerspruch auf den Punkt:

„Wie soll soziales Lernen oder Lernen lernen integriert werden, ohne dass Zeit dafür gegeben wird? Selbstreguliertes Lernen braucht Freiräume und Zeit.“

Das trifft ziemlich genau einen Schwerpunkt unserer eigenen Schulentwicklung.

Selbstreguliertes Lernen bedeutet eben nicht, Schülerinnen und Schüler mit einem Wochenplan allein zu lassen. Die aktuelle Forschungsübersicht der Education Endowment Foundation beschreibt Metakognition und Selbstregulation als einen gut belegten Ansatz, betont aber gleichzeitig die Bedeutung expliziter Anleitung. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, ihr Lernen zu planen, zu beobachten und auszuwerten. Lehrkräfte modellieren solche Prozesse und übertragen Verantwortung schrittweise. Link: Education Endowment Foundation

Genau deshalb ist die Forderung nach mehr Selbstständigkeit anspruchsvoller, als sie zunächst klingt. Sie verändert die Rolle der Lehrkraft, sie braucht andere Lernarrangements und sie benötigt Zeit. Offener Unterricht ist hochgradig strukturiert!

Der Kreisschülersprecher Leander Denker hat diesen Punkt auf dem Podium aus Schülerperspektive sehr deutlich gemacht. Schule müsse nicht nur Lernstoff vermitteln, sondern auch „Lernen lehren“. Selbst in der Oberstufe gebe es Jugendliche, die nach vielen Schuljahren nicht wüssten, wie sie sich Wissen sinnvoll aneignen können.

Damit sind wir bei einem grundsätzlichen Problem von Schulentwicklung. Immer neue Aufgaben kommen hinzu, ohne dass im gleichen Maße etwas wegfällt. Medienbildung, Demokratiebildung, Prävention, KI-Kompetenz, Selbstregulation und soziales Lernen sind jeweils sinnvoll begründbar. Werden sie einfach zusätzlich in bestehende Strukturen gepackt, wird aus Schulentwicklung irgendwann Aufgabenverdichtung.

Eine Mentimeterfrage formulierte das noch breiter: „Stichwort Ganztägige Bildung, Wellbeing, nonformale Bildungsprozesse provozieren Problem: Qualifizierung des Personals. Woher kommt die Professionalität?“ Auch das lässt sich nicht durch ein zusätzliches Modul im Stundenplan lösen. Wenn Schule zunehmend Lern- und Lebensort wird, verändert sich nicht nur Unterricht. Es verändern sich Professionen, Zusammenarbeit und die Frage, welche unterschiedlichen Fachlichkeiten und welche Rhythmisierung Schule braucht.

Dazu passt auch die Frage aus dem Publikum, ob es in den nächsten Jahren zu Ganztagsschulen kommen wird. Ganztag ist jedenfalls weit mehr als Unterricht, der bis in den Nachmittag verlängert wird. Wenn Schülerinnen und Schüler einen größeren Teil ihres Tages in Schule verbringen, müssen Lernen, Freizeit, Bewegung, Rückzug, Beratung und soziales Miteinander neu und zusammengedacht werden. Persönlich bin ich für längeres gemeinsames Lernen in gebundenen Ganztagsschulen am, wie es Aladin El Mafaalani einmal formuliert hat „Gymnasium für alle“, aber das ist eine andere Diskussion, zu der aber auch der nächste Fragenkomplex passt.

Bildungsgerechtigkeit bleibt der große Prüfstein

Mehrere Fragen drehten sich um Bildungsgerechtigkeit. Eine davon war sehr direkt:

„Frühe Selektion nach Klasse 4 zementiert Ungleichheit: Warum ignoriert die Bildungspolitik die Forschung?“

Eine andere lautete:

„Ich finde eines der größten Probleme ist die (Chancen-)Ungleichheit im Bildungssystem. Was können wir da tun? Wie kann die Politik da unterstützen (und will sie das überhaupt)?“

Die Formulierungen sind zugespitzt, das dahinterliegende Problem ist es nicht. Die gerade veröffentlichten PISA-Ergebnisse zeigen für Deutschland erneut einen starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leistung. In Naturwissenschaften lagen sozioökonomisch privilegierte 15-Jährige im Durchschnitt 125 Punkte vor benachteiligten Jugendlichen. Der OECD-Durchschnitt betrug 85 Punkte. Der Abstand ist in Deutschland gegenüber 2015 sogar gewachsen. Link: OECD

Bereits frühere OECD-Analysen haben zudem darauf hingewiesen, dass die frühe Aufteilung auf unterschiedliche Schulformen soziale Segregation verstärken kann. Das bedeutet nicht, dass eine einzelne Strukturveränderung automatisch Bildungsgerechtigkeit herstellen würde. Es bedeutet aber, dass man den Zusammenhang zwischen Schulstruktur und sozialer Herkunft nicht einfach ausblenden kann. Link: OECD

Gerade wenn wir über Individualisierung sprechen, sollten wir deshalb nicht der Illusion erliegen, mit der richtigen Unterrichtsmethode gesellschaftliche Ungleichheit beseitigen zu können. Schule kann Unterschiede ausgleichen und Chancen eröffnen. Sie kann aber nicht allein kompensieren, was außerhalb von Schule an unterschiedlichen materiellen, sozialen und kulturellen Voraussetzungen entsteht. Warum setzen die in Bildungsstudien erfolgreichen Länder wohl auf längeres gemeinsames Lernen?

In diesem Zusammenhang verdient auch eine weitere Frage mehr Aufmerksamkeit, die wir an diesem Abend gar nicht behandelt haben:

„Wie soll auf die Entwicklung von männlichen und weiblichen Schüler/innen geachtet werden? In Hinsicht darauf, dass es mehr Lehrerinnen als Lehrer gibt.“

Ich würde die Frage nicht vorschnell auf das Geschlecht der Lehrkräfte reduzieren. Sie verweist aber auf einen wichtigen Punkt: Wenn wir von Bildungsgerechtigkeit sprechen, müssen wir unterschiedliche Gruppen und ihre tatsächlichen Bildungsverläufe genauer betrachten. Dazu gehören soziale Herkunft und Zuwanderungsgeschichte ebenso wie Geschlecht. Die Antworten darauf dürften allerdings komplizierter sein als die Forderung nach mehr männlichen oder weiblichen Lehrkräften. Wir brauchen auf jeden Fall mehr Lehrkräfte, die biografisch die Heterogenität der Schülerschaft abbilden.

Schule der Zukunft braucht mehr als gute Pädagogik

Besonders konkret wurde eine Frage an den Schulträger:

„Was tut der Landkreis, um den Lebensraum Schule zu gestalten? Aktuelle Anbauten sind aufgebaut wie klassische Flur-Schulen, obwohl Schulen darum gebeten haben mitzuarbeiten.“

Das passt bemerkenswert gut zu einem Punkt, den Landrat Oliver Quilling selbst auf dem Podium gemacht hat. Schule entwickle sich vom Lernort zum Lebensort. Wenn Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit dort verbringen, müssten auch Schulgebäude anders gedacht werden. Für den Kreis Offenbach ist das mit rund 4.000 Unterrichtsräumen keine kleine Aufgabe. Link: OP-Online

Trotzdem bleibt der Widerspruch bestehen. Wir reden über Kooperation, selbstreguliertes Lernen, flexible Lerngruppen, Rückzugsmöglichkeiten und Projektarbeit und bauen anschließend häufig dann doch einen Flur mit Klassenräumen rechts und links, auch wenn diese Logik zum Glück langsam aufbricht. Ein Beispiel aus der ganz anderen Richtung gibt es hier: Blog 2025-20.

Räume machen noch keine gute Pädagogik. Sie können bestimmte Formen des Lernens aber erleichtern oder erschweren. Schon eine OECD-Arbeit zu Lernumgebungen beschreibt Flexibilität und Veränderbarkeit deshalb als wichtige Merkmale von Räumen, die unterschiedliche Lehr- und Lernprozesse unterstützen sollen. Link: OECD

Die Frage aus dem Mentimeter sollte deshalb auch nach der Veranstaltung nicht einfach verschwinden. Wenn Schulentwicklung und Schulbau getrennt geplant werden, besteht die Gefahr, mit einem Neubau für Jahrzehnte genau jene Unterrichtsorganisation räumlich festzuschreiben, die gleichzeitig pädagogisch weiterentwickelt werden soll.

Veränderung braucht Strukturen und Menschen

Vielleicht am grundsätzlichsten waren die Fragen, die sich mit den Menschen und Institutionen beschäftigten, die Schule verändern sollen.

Eine lautete:

„Welche Rolle spielt das Beamtentum bzgl. der Frage, wie Schule zukünftig gestaltet sein soll? Wie hoch ist tatsächlich der Veränderungswille oder geht es doch nur um den Erhalt des Status Quo?“

Eine andere fragte sehr konkret:

„Alle im Podium fanden den ‚Funken zu wecken‘ gut. Frage an Frau Meißner, was macht das Schulamt Offenbach dazu konkret? Ideen für nächste Schritte?“

Auf dem Podium gab Susanne Meißner darauf eine bemerkenswert klare Antwort. Ihr „Machen Sie es doch“ und die Betonung von §127 HSchG war ein Hinweis darauf, dass Schulen nach ihrer Einschätzung vorhandene Gestaltungsspielräume häufig noch nicht ausschöpfen. Unterricht könne anders organisiert, Fächer und Lernphasen könnten neu gedacht und offenere Konzepte ausprobiert werden.

Dem gegenüber stehen die Erfahrungen von Lehrkräften, die sich an diesem Abend aus dem Publikum meldeten. Sie berichteten von Material, das aus eigener Tasche bezahlt werde, von Bürokratie und davon, dass Schulentwicklung zusätzlich zum regulären Unterricht bis in den Abend hinein stattfinde. Bob Blume warnte in diesem Zusammenhang davor, strukturelle Defizite dauerhaft durch besonders engagierte Einzelne ausgleichen zu lassen und forderte ordentliche Arbeitsplätze für Lehrkräfte in seinem Abschlussstatement.

Beides kann gleichzeitig richtig sein. Schulen haben Gestaltungsspielräume, die sie mutiger nutzen könnten, und Veränderung braucht Bedingungen, unter denen Menschen diese Spielräume auch tatsächlich nutzen können.

Genau deshalb ist eine weitere unbeantwortete Frage so wichtig:

„Was wenn Lehrkräfte so wie vorgestellt Unterricht machen und von Schulleitung beurteilt werden nach ‚alter Schule‘? Was lernen Studierende/Lehrer in Vorbereitung (LiV)?“

Schulentwicklung funktioniert nicht, wenn unterschiedliche Ebenen gegensätzliche Signale senden. Wenn Lehrkräfte Selbstständigkeit ermöglichen, Unterricht öffnen und neue Formen der Leistungsbewertung erproben sollen, müssen Lehrkräftebildung, Schulleitung und Schulaufsicht solche Entwicklungen verstehen und unterstützen. Menschen verlassen vertraute Routinen eher, wenn sie darauf vertrauen können, dass genau das institutionell gewollt ist.

Ähnlich grundsätzlich ist die letzte noch offene Frage aus dem Mentimeter:

„Schule ist ja wie ein mittelständisches Unternehmen: Warum gibt es fast nur Lehrkräfte statt interdisziplinärer Teams für die VUCA-Welt? Warum verharren wir im traditionellen ‚Nur-Lehrer-System‘?“

Über den Unternehmensvergleich kann man streiten, die Frage nach den Professionen in Schule halte ich dagegen für ausgesprochen berechtigt. Wenn Schule zugleich Lernort, Lebensort, sozialer Raum, Ort der Prävention, der Berufsorientierung, der Inklusion und zunehmend auch der ganztägigen Bildung sein soll, wird man darüber reden müssen, ob all diese Aufgaben im Wesentlichen von einer Profession getragen werden können. Multiprofessionelle Teams sind dann kein zusätzliches pädagogisches Extra, sondern eine organisatorische Antwort auf einen deutlich breiter gewordenen Auftrag.

Vielleicht sind die offenen Fragen das eigentliche Ergebnis

Damit sind fast alle Fragen, die am Ende auf unserem Mentimeter standen, zumindest noch einmal zu Wort gekommen. Einige lassen sich vergleichsweise konkret beantworten, andere führen tief in die Struktur unseres Bildungssystems. Manches würde ich heute anders formulieren, bei anderen bin ich selbst unsicher, was die richtige Antwort ist.

Gerade deshalb möchte ich sie nicht einfach mit dem Ende der Veranstaltung verschwinden lassen.

Die Offenbach-Post hat als Reibungsfläche des Abends beschrieben, dass Schule immer mehr leisten soll, während die Menschen, die diese Veränderungen umsetzen sollen, vielerorts bereits stark belastet sind. Gleichzeitig hat die Diskussion gezeigt, dass fehlende Ressourcen nicht jede ausbleibende Veränderung erklären können. Schulen verfügen über Freiräume, Schülerinnen und Schüler fordern mehr Beteiligung, Schulträger müssen Räume anders denken, Schulaufsicht muss Entwicklung ermöglichen und Politik muss entscheiden, welche Priorität Bildung tatsächlich erhält. Am Ende sind es aber die Schulgemeinschaften vor Ort, die Veränderung erdenken, ermöglich und erarbeiten müssen.

Die Mentimeterfragen zeigen dabei etwas, das mir für die weitere Diskussion wichtig erscheint. Unterricht, Prüfungen, KI, Selbstregulation, Bildungsgerechtigkeit, Ganztag, Schulbau, Lehrkräftebildung, Schulaufsicht und Ressourcen sind keine voneinander unabhängigen Baustellen. Wer an einer Stelle ernsthaft etwas verändert, wird ziemlich schnell bei den anderen landen. Nur gemeinsam machen wir Schule besser.

Vielleicht war deshalb gerade die Tatsache, dass am Ende Fragen offen geblieben sind, kein schlechtes Ergebnis für ein Bildungsgespräch. Es wäre eher problematisch, wenn wir nach einem solchen Abend den Eindruck hätten, die Schule der Zukunft ließe sich mit fünf Punkten auf einer Abschlussfolie erklären.

Das Mentimeter ist geschlossen. Die Fragen sind es nicht.


Quellen und zum Weiterlesen

Die Keynote und viele weitere Informationen von Bob Blume gibt es hier: https://padlet.com/bobblumefr/warum-noch-lernen-33e2nuddhatq8fqo.

Den sehr gelungenen Bericht über den Abend gibt es bei der Offenbach-Post: „400 Gäste beim Schulgespräch“. Er enthält auch einige der Wortmeldungen aus dem Publikum, die für den Text wichtig sind.

Zur Frage von KI, Lernen und kognitivem Offloading ist der OECD Digital Education Outlook 2026 besonders hilfreich. Die OECD unterscheidet dort ausdrücklich zwischen besseren Arbeitsergebnissen durch allgemeine KI-Werkzeuge und tatsächlichen Lernfortschritten.

Für selbstreguliertes Lernen empfehle ich die aktualisierte EEF-Handreichung zu Metakognition und Selbstregulation. Sie ist gerade deshalb interessant, weil sie Selbstständigkeit nicht als Rückzug der Lehrkraft versteht, sondern die Bedeutung von expliziter Anleitung und Lernbegleitung hervorhebt.

Die aktuellen Zahlen zur sozialen Ungleichheit stammen aus der deutschen Länderübersicht zu PISA 2025 der OECD. Der Abstand zwischen sozioökonomisch privilegierten und benachteiligten Jugendlichen ist in Deutschland weiterhin besonders groß.

Und natürlich gibt es auf dieser Website noch ganz viele Gedanken und Ideen zu Schulentwicklung, KI, (Bildungs-)Räumen, Vernetzung uvm.

Newsletter 26/27-04: 25.09.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

dies ist der letzte Newsletter vor den Herbstferien. Ich wünsche Ihnen allen gute Erholung und freue mich, Sie am 19. Oktober wiederzusehen! Vorher möchte ich mit Ihnen aber noch ein paar Gedanken zum ausgebliebenen PISA-Schock 2026 teilen.

Vor zwei Wochen wurden die Ergebnisse von PISA 2025 veröffentlicht. Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland sind erneut gesunken und liegen inzwischen auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Erhebungen. Im Lesen und in Mathematik erreicht etwa ein Drittel nicht einmal die grundlegende Kompetenzstufe, in den Naturwissenschaften ist es rund ein Viertel. Die Ergebnisse sind damit schlechter als zu Beginn der PISA-Studien, als der Begriff vom „PISA-Schock“ geprägt wurde und eine breite gesellschaftliche Debatte über Schule und Bildung begann. Die OECD fasst die Ergebnisse für Deutschland ausführlich zusammen.

Diesmal ist von einem solchen Schock wenig zu spüren. Es gab einige Tage lang Schlagzeilen, Interviews und die bekannten Forderungen nach mehr Sprachförderung, Basiskompetenzen, Verbindlichkeit oder einem neuen Bildungsgipfel. Inzwischen ist es außerhalb der üblichen Bildungsbubbles schon wieder erstaunlich ruhig geworden. Der Befund scheint sich einzureihen in die vielen schlechten Nachrichten, an die man sich irgendwann gewöhnt. Das finde ich fast beunruhigender als die erneut gesunkenen Punktwerte. Ein Bildungssystem, in dem ein wachsender Teil der Jugendlichen die Mindestanforderungen nicht erreicht, sollte eigentlich ein großes gesellschaftliches Thema sein und nicht nach wenigen Tagen wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.

Dabei lohnt es sich, die Studie genauer anzusehen. Denn die öffentliche Diskussion hat sich stark auf die gesunkenen Durchschnittswerte konzentriert. Einige andere Ergebnisse erzählen mindestens ebenso viel über den Zustand unseres Bildungssystems. Dazu gehört zunächst, dass Deutschland keineswegs nur ein Problem mit besonders leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern hat. Rund ein Fünftel der 15-Jährigen erreicht in keinem der drei untersuchten Bereiche ausreichende Basiskompetenzen. Gleichzeitig wird aber auch die Leistungsspitze kleiner. In Mathematik ist der Anteil besonders leistungsstarker Jugendlicher von 13 auf 8 Prozent gesunken, im Lesen von 12 auf 7 Prozent. Nur noch drei Prozent erreichen in allen drei Bereichen die höchsten Kompetenzstufen. Der Leistungsrückgang betrifft damit nicht nur eine bestimmte Gruppe, sondern zieht sich durch weite Teile der Schülerschaft. Eine ausführliche Einordnung der deutschen Ergebnisse findet sich beim DIPF.

Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang auch Ergebnisse, die mit den eigentlichen Leistungstests zunächst wenig zu tun zu haben scheinen. 33 Prozent der Jugendlichen in Deutschland stimmen der Aussage zu, Schule sei Zeitverschwendung. Im OECD-Durchschnitt sind es 24 Prozent. Gleichzeitig beschreiben sich 77 Prozent der Jugendlichen in Deutschland als neugierig auf viele verschiedene Dinge. Das passt nicht recht zu der gelegentlich zu hörenden Diagnose einer grundsätzlich desinteressierten oder lernunwilligen Generation. Es legt eher die Vermutung nahe, dass Schule vorhandene Neugier nicht immer in erfolgreiches Lernen übersetzen kann. Auch diese Befunde finden sich in der OECD-Ländernotiz zu Deutschland. Besonders bedrückend bleibt der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Bei sozioökonomisch benachteiligten Jugendlichen erreichen lediglich zwei Prozent hohe naturwissenschaftliche Kompetenzen, bei privilegierten Jugendlichen sind es rund 25 Prozent. Der sozioökonomische Status erklärt in Deutschland 19 Prozent der Leistungsunterschiede in den Naturwissenschaften, im OECD-Durchschnitt sind es 12 Prozent. Der Zusammenhang zwischen Herkunft und Leistung ist bei uns inzwischen stärker als jemals zuvor bei PISA. Das ist auch deshalb ernüchternd, weil genau dieser Befund bereits im Zentrum des ersten PISA-Schocks vor einem Vierteljahrhundert stand. Dass andere Länder mit ebenfalls heterogenen Schülerschaften deutlich geringere Zusammenhänge zwischen Herkunft und Leistung aufweisen, zeigt zudem, dass dieser Zustand keineswegs zwangsläufig ist.

Wenig Aufmerksamkeit haben bisher die Ergebnisse bekommen, die unmittelbar den Unterricht betreffen. Nur 56 Prozent der Jugendlichen in Deutschland berichten, dass sich ihre Lehrkraft in den meisten naturwissenschaftlichen Unterrichtsstunden für ihren individuellen Lernfortschritt interessiert. Im OECD-Durchschnitt sind es 69 Prozent. 55 Prozent erleben regelmäßig, dass etwas so lange erklärt wird, bis sie es verstanden haben, gegenüber 66 Prozent im OECD-Durchschnitt. Gleichzeitig geben 21 Prozent an, in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden nicht gut arbeiten zu können, und 34 Prozent berichten, dass Mitschülerinnen und Mitschüler der Lehrkraft nicht zuhören. Diese und weitere Befunde zur Unterrichtsqualität dokumentiert ebenfalls die OECD in ihrer Auswertung für Deutschland.

Solche Zahlen eignen sich nicht für einfache Schuldzuweisungen an Lehrkräfte. Unterricht findet unter Bedingungen statt, die Schule und einzelne Lehrkräfte nur teilweise beeinflussen können. Trotzdem berühren diese Ergebnisse einen Kern von Schule, über den erstaunlich selten gesprochen wird. Zwischen einem erteilten Unterricht und dem Lernen der Schülerinnen und Schüler besteht keine automatische Verbindung. Ein Thema kann behandelt worden sein, ohne dass es verstanden wurde. Eine Klassenarbeit kann geschrieben und benotet werden, ohne dass daraus eine gezielte Förderung entsteht. Fördermaßnahmen können durchgeführt werden, ohne dass wir wissen, ob sie tatsächlich etwas bewirken. Gerade deshalb sind Lernstandsdiagnostik, Rückmeldung und eine Umgebung, in der konzentriertes Lernen möglich ist, keine pädagogischen Nebenthemen.

Kai Maaz vom DIPF hat seine Einordnung der neuen Ergebnisse mit dem Satz überschrieben, der Engpass im Bildungssystem liege „zwischen Wissen und Wirkung“. Das trifft aus meiner Sicht einen wichtigen Punkt. Seit dem ersten PISA-Schock haben wir Bildungsstandards eingeführt, Vergleichsarbeiten entwickelt, Kompetenzmodelle erstellt und ein umfangreiches Bildungsmonitoring aufgebaut. Wir wissen heute wesentlich mehr über die Stärken und Schwächen unseres Bildungssystems als vor 25 Jahren. Trotzdem sind die Leistungen gesunken und der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist größer geworden.

Vielleicht liegt darin tatsächlich das zentrale Problem. Es fehlt uns nicht in erster Linie an Erkenntnissen. Schwieriger ist der Weg von der Erkenntnis zur Veränderung. Diagnostizierter Förderbedarf führt nicht automatisch zu wirksamer Förderung. Erfolgreiche Modellprojekte verändern nicht automatisch den schulischen Alltag. Erkenntnisse der Bildungsforschung kommen nicht automatisch im Unterricht an. Und auch guter Unterricht führt nicht automatisch bei allen Schülerinnen und Schülern zum gleichen Lernerfolg. Genau an diesen Übergängen entscheidet sich aber, ob ein Bildungssystem aus seinen eigenen Erkenntnissen lernen kann.

Für unsere eigene Schulentwicklung ist dieser Befund durchaus relevant. Wenn wir uns mit Kompetenzrastern, Lernbegleitung, selbstorganisiertem Lernen oder Lernruhe beschäftigen, sollte es nicht darum gehen, Schule um möglichst viele neue pädagogische Konzepte zu ergänzen. Entscheidend ist vielmehr, genauer zu wissen, wo Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernen stehen, ihnen verständliche Rückmeldungen zu geben, passende Unterstützung anzubieten und anschließend auch zu prüfen, ob diese Unterstützung erfolgreich war. Dazu gehört ebenso eine Lernumgebung, in der konzentriertes Arbeiten möglich ist.

PISA 2025 liefert dafür keine fertigen Lösungen. Die Studie zeigt aber ziemlich deutlich, dass ein einfaches „Weiter so“ keine besonders überzeugende Antwort sein kann. Umso erstaunlicher ist, wie schnell wir gesellschaftlich schon wieder beim Alltag angekommen sind. Vielleicht wäre es deshalb ganz gut, wenn uns diese PISA-Ergebnisse doch noch ein wenig länger beschäftigen würden.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

(Dieser Bereich fällt aktuell leider etwas knapper aus, weil meine zeitlichen Ressourcen im Moment nicht mehr hergeben)

Interessantes
Der „Pisaversteher“, Bildungsjournalist Christian Füller, schreibt in seinem neuen Blogartikel, dass das neue Abitur schon veraltet ist, bevor es überhaupt abgenommen wurde: https://pisaversteher.com/2026/09/17/das-neue-abitur-ist-veraltet-bevor-es-das-erste-mal-abgenommen-wird/.
Der Schulleiter Jonas Engler berichtet, wie er mit Vibe-Coding in kurzer Zeit eine Verwaltungssoftware für seine Schule erstellt hat: https://jonasengeler.de/blog/ki-assistent-schulorganisation/.

Schulentwicklung
Hauke Pölert macht sich Gedanken zu KI und Schulentwicklung und betont in diesem Kontext, dass diese ein zyklischer Prozess sein muss: https://unterrichten.digital/2026/09/20/ki-schule-kurs-prozess/.

Smartphone und Social-Media
Eigentlich auch eine Hörempfehlung, passt hier aber thematisch gut. Der Podcast „Smartphone Sprechstunde“ von Niki Löwenstein und Andrea Buhl-Aigner beschäftigt sich mit wichtigen Themen rund um das Smarthone für Eltern: https://open.spotify.com/show/0NW49OphxRj7rrrvE0g6yE.

KI
Noch einmal Hauke Pölert, er beschäftigt sich auf seiner Homepage mit vier aktuellen KI-Studien. Eine zentrale Kontur: Mit KI können sichtbare Leistungen steigen, ohne dass der Lernzuwachs im gleichen Maße wächst. Entscheidend ist offenbar weniger das verwendete Sprachmodell als die didaktische Gestaltung seiner Nutzung. Für Schule folgt daraus eine unbequeme Frage: Welche Denkprozesse dürfen wir an KI delegieren – und welche müssen Lernende weiterhin selbst durchlaufen, um später überhaupt kompetent mit KI arbeiten zu können? https://unterrichten.digital/2026/09/17/studien-ki-schule-lernen-infoposter/.
Bei Manuel Flick gibt es einen E-Mail-Kurs für Lehrkräfte zum Einstieg in „Claude“: https://www.manuelflick.de/claude-kurs. Ich habe mir jetzt auch Claude geholt und schon eine erste Übungs-App gebastelt.

Tipps für den Unterricht
Wie sagt Stefan Ruppaner: „Unterricht ist aller Übel Anfang“ 😉

Leseempfehlung
Aus der Upgrade-Reihe von Klett-Kallmayer: Sobel, Martina; Alpoguz; Leistungsmessung und Beurteilung. Wege in eine veränderte Prüfungskultur, Hannover 2024.

Hörempfehlung
Aladin El-Mafaalani im Podcast „Politik mit Anne Will“ zu PISA, Vernachlässigung, Kindern und Demokratie: https://podcasts.apple.com/de/podcast/pisa-was-macht-die-vernachl%C3%A4ssigung-von-kindern-mit/id1740744367?i=1000790176959

Sehempfehlung
Ein schöne Folge von Checker Tobi zum Thema KI: https://www.ardmediathek.de/video/checker-reportagen/wie-ki-unser-leben-verandert/ard/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9hM2ZjZGU3Yi0xMzU1LTQzMWQtOTYwZi00OTZkYzAyODBjZDNfb25saW5lYnJvYWRjYXN0?isChildContent.
ZDF 37 Grad-Doku zur Macht der Klicks bei Kindern:  https://www.zdf.de/play/reportagen/37-grad-104/37-klicks-um-jeden-preis-100.

Veranstaltungsempfehlung
Wer in den hessischen Herbstferien noch nichts vorhat, kann, wie ich, nach NRW zu den Kamener Schulgesprächen kommen. Termin ist der 12.10.26 im Schulzentrum in Kamen: Tickets hier: https://event-buddy.de/events/das-5-kamener-schulgespraech, Infos da: https://t1p.de/SG2026.

Spaß im Netz
https://neal.fun/wonders-of-street-view/.

Newsletter 26/27 -03: 11.09.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich möchte heute erklären, warum wir keine Kinderfotos auf der Homepage veröffentlichen

Wer in letzter Zeit auf unsere Homepage oder unsere Social-Media-Kanäle geschaut hat, wird vielleicht bemerkt haben, dass dort kaum noch erkennbare Fotos unserer jüngeren Schülerinnen und Schüler zu finden sind. Das ist kein Zufall. Wir haben uns entschieden, bis einschließlich Jahrgang 7 grundsätzlich keine Fotos mehr zu veröffentlichen, auf denen Schülerinnen und Schüler erkennbar sind.

Dabei geht es nicht darum, dass solche Fotos grundsätzlich verboten wären. Mit entsprechenden Einwilligungen könnten wir sie weiterhin veröffentlichen. Wir haben uns trotzdem dagegen entschieden, denn die entscheidende Frage lautet für uns heute nicht mehr nur, ob wir dieses Fotos veröffentlichen dürfen, sondern auch: Was kann mit diesem Fotos geschehen, wenn sie einmal öffentlich im Internet stehen?

Ein harmloses Foto muss nicht harmlos bleiben

Ein öffentlich zugängliches Foto kann gespeichert, kopiert, automatisiert gesammelt und mit weiteren Informationen verknüpft werden; das war grundsätzlich schon immer so. Durch Künstliche Intelligenz haben sich die Möglichkeiten des Missbrauchs jedoch erheblich verändert.

Heute können Bilder realer Menschen mit vergleichsweise geringem Aufwand manipuliert werden. Sogenannte „Nudification“-Anwendungen können beispielsweise aus einem normalen Foto künstliche Nacktaufnahmen oder sexualisierte Darstellungen erzeugen.

Die Internet Watch Foundation (IWF) und die britische National Crime Agency warnen inzwischen ausdrücklich davor, dass Täter frei zugängliche Bilder von Kindern nutzen, um daraus realistisch wirkende sexualisierte Inhalte zu erstellen.

Wie rasant diese Entwicklung verläuft, zeigen aktuelle Zahlen: Die IWF identifizierte im Jahr 2025 8.029 realistisch wirkende KI-generierte Bilder und Videos mit Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs. Besonders drastisch ist die Entwicklung bei Videos: 2024 registrierte die IWF 13 entsprechende KI-generierte Videos, 2025 waren es 3.443 – mehr als das 260-Fache innerhalb nur eines Jahres.

Auch die deutsche Medienkompetenzinitiative klicksafe warnt inzwischen ausdrücklich davor, Kinderbilder unbedacht öffentlich zu teilen: Mithilfe von KI können aus scheinbar harmlosen Bildern sexualisierte Darstellungen erzeugt und verbreitet werden. Die aktuelle Kampagne trägt einen bemerkenswert eindeutigen Titel: #KinderSindKeinContent.
Hinzu kommen weitere Risiken. Fotos, Namen, Schule, Alter, Hobbys und andere öffentlich verfügbare Informationen können zusammengeführt werden und Teile einer digitalen Identität ergeben. Sie können für Fake-Profile, Identitätsmissbrauch oder auch zur gezielten Kontaktaufnahme mit Kindern verwendet werden. Auch deshalb gehört der Schutz persönlicher Informationen zur Prävention von Cybergrooming.

Auch öffentliche Einrichtungen tragen Verantwortung

Diese Diskussion findet inzwischen auch auf politischer Ebene statt. Die unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ des Bundes hat im Juni 2026 ihre Handlungsempfehlungen unter dem Titel „Entwicklung stärken, Verantwortung übernehmen“ vorgelegt.

Darin geht es ausdrücklich um den Schutz der Privatsphäre von Kindern, um einen verantwortungsvollen Umgang öffentlicher Einrichtungen mit Kinderbildern und um einen besseren Schutz vor missbräuchlichen Deepfakes und Deepnudes. Die Frage, welche Bilder eine Schule von Kindern ins offene Internet stellt, ist damit für uns nicht lediglich eine Frage des Datenschutzes oder der Öffentlichkeitsarbeit, sie ist eine Frage des Kinder- und Jugendmedienschutzes.

Wir haben uns beraten lassen

Wir haben unsere Entscheidung deshalb auch nicht spontan getroffen. Frau Manzoni und ich haben uns in einer Videokonferenz ausführlich von Silke Müller beraten lassen. Die ehemalige Schulleiterin, Autorin und Expertin für digitale Ethik beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den digitalen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und hat zuletzt auch konkrete Empfehlungen zum Umgang von Schulen, Kitas und Vereinen mit Kinderbildern veröffentlicht.

Viele aus unserer Schulgemeinschaft kennen Silke Müller bereits. Sie war vergangenen Jahr auf Einladung des Fördervereins der Weibelfeldschule und von mir im Bürgerhaus Dreieich zu Gast und hat dort eindrücklich über die Chancen, aber auch die Schattenseiten der digitalen Welt unserer Kinder gesprochen.

Aus der Beratung ist für uns ein einfacher Grundsatz entstanden: Wir müssen nicht alles veröffentlichen, nur weil wir es dürfen.

Schutz und zunehmende Selbstbestimmung

Konkret bedeutet das: Bis einschließlich Jahrgang 7 veröffentlichen wir auf unserer Homepage und unseren Social-Media-Kanälen grundsätzlich keine Fotos mehr, auf denen Schülerinnen und Schüler erkennbar sind. Wir wollen diese Regel auch nicht durch Fotos von hinten oder ähnliche Konstruktionen umgehen.

Natürlich endet das Schutzbedürfnis nicht mit dem Wechsel von Jahrgang 7 in Jahrgang 8. Wir müssen im Schulalltag aber eine praktikable Grenze ziehen. Gleichzeitig verändert sich mit zunehmendem Alter etwas anderes. Jugendliche sollen immer stärker selbst darüber nachdenken und mitentscheiden, ob und wie sie in der digitalen Öffentlichkeit sichtbar sein möchten.

Der bewusste Umgang mit der eigenen digitalen Identität ist schließlich selbst Teil der Medienbildung. Kinder- und Jugendmedienschutz sollten deshalb aus unserer Sicht beides leisten, nämlich jüngere Kinder besonders schützen und Heranwachsende zunehmend zu selbstbestimmten Entscheidungen befähigen.

Ab Jahrgang 8 können wir daher weiterhin Fotos veröffentlichen, wenn die erforderlichen Einwilligungen vorliegen. Aber auch dann gilt: Eine Einwilligung verpflichtet uns nicht zur Veröffentlichung. Wir werden weiterhin sorgfältig überlegen, welche Bilder wirklich ins offene Internet gehören und wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler mitentscheiden, welche Bilder veröffentlicht werden. Das macht unsere Öffentlichkeitsarbeit nicht unbedingt einfacher. Schule lebt von Menschen, Begegnungen, Projekten, Aufführungen, Sport, Fahrten und gemeinsamem Lernen und natürlich möchten wir davon erzählen. Wir werden deshalb andere Wege finden, unser Schulleben sichtbar

zu machen, ohne dafür die Gesichter unserer jüngeren Schülerinnen und Schüler ins offene Internet zu stellen, dabei können auch Illustrationen von KI eine Rolle spielen, die natürlich entsprechend gekennzeichnet werden.

Denn am Ende bleibt für uns ein entscheidender Unterschied:

Wir können mit den Jugendlichen gemeinsam entscheiden, welches Foto wir ins Internet stellen. Wir können aber nicht mehr entscheiden, was andere anschließend mit diesem Foto machen.

Und deshalb gilt für uns im Zweifel: Kinderschutz geht vor Öffentlichkeitsarbeit.

All das gilt natürlich auch für die Veröffentlichung von Bildern auf den Social Media-Kanälen von Jugendlichen und denen ihrer Eltern.

Quellen und weiterführende Informationen

(Dieser Text ist mit Unterstützung von KI entstanden)

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

(Dieser Bereich fällt aktuell leider etwas knapper aus, weil meine zeitlichen Ressourcen im Moment nicht mehr hergeben)

Interessantes
Heute gibt es hier aus aktuellem Anlass einen kleinen PISA-Schwerpunkt.

Das „Deutsche Schulportal“ fasst die zehn wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/die-zehn-wichtigsten-ergebnisse-der-pisa-studie-2025/.
Wir wissen längst, wo die Probleme unseres Bildungssystems liegen. Trotzdem gelingt es zu selten, aus Diagnosen wirksame Förderung und aus erfolgreichen Projekten dauerhafte Strukturen zu entwickeln. Angesichts der alarmierenden Ergebnisse von PISA 2025 fordert DIPF-Direktor Kai Maaz deshalb einen entscheidenden Perspektivwechsel: Deutschland muss nicht nur seine Diagnosefähigkeit, sondern vor allem seine Wirkungsfähigkeit verbessern. Ein sehr lesenswerter Impuls über Unterrichtsqualität, bedarfsgerechte Ressourcen und die Lücke zwischen Wissen und Wirkung: https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell/mediathek-1/einblicke-und-denkanstoesse/pisa-2025-der-engpass-liegt-zwischen-wissen-und-wirkung. Außerdem gibt es ein Interview mit ihm in der FR: https://www.fr.de/politik/pisa-studie-deutsche-15-jaehrige-schlechter-als-beim-allerersten-test-94480924.html.
Hier gibt es einen Auszug aus der aktuellen Studie: https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2026/09/pisa-2025-results-volume-i_5265bfb1/1562a447-de.pdf.
Und hier gibt es Hintergründe zum Verfahren: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/wer-misst-hier-eigentlich-wen-so-funktioniert-die-pisa-studie/.
Die offizielle Landingpage der OECD: https://www.oecd.org/en/about/programmes/pisa.html.
Weitergehendes Hintergrundwissen bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/PISA-Studien.

Schulentwicklung
Hendrik Haverkamp im „Deutschen Schulportal“ zur De-Implementierung von Korrekturen: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/korrekturen-de-implementierung-einer-sinnlosen-praxis/.

Smartphone und Social-Media
„Klicksafe“ hat eine neue Infobroschüre zu Online-Spielen herausgebracht: https://www.klicksafe.de/materialien/digitale-spiele-tipps-fuer-eltern.

KI
Kehrt Skandinavien wirklich zu Buch und Stift zurück? Hauke Pölert räumt mit einer häufig zitierten, aber irreführenden Erzählung auf. Schweden stärkt angesichts sinkender Lesekompetenzen analoge Grundlagen in den jüngeren Jahrgängen. Dänemark schützt eigenständiges Denken in Prüfungssituationen. Norwegen setzt seine Digitalisierungsstrategie fort und führt altersbezogene Regeln für KI ein. Die entscheidende Frage lautet daher nicht analog oder digital, sondern welches Medium in welcher Lernphase welchen Kompetenzerwerb unterstützt. Ein wichtiger Beitrag für eine sachlichere Debatte über Digitalisierung, KI und zeitgemäße Prüfungsformate: https://unterrichten.digital/2026/09/03/skandinavien-ki-digitalisierung-schule/.
Lisa Born berichtet in einem Gastbeitrag auf der Homepage von Joscha Falck über eine Erfahrung mit KI im Latein-Unterricht: https://joschafalck.de/lernpartner-latein/.
Eine neue systematische Übersicht zeigt: Ob KI das Lernen unterstützt oder eigenständiges Denken verdrängt, hängt vor allem von Aufgabenstellung, Prüfungskultur und KI-Kompetenz ab. Besonders problematisch wird es, wenn Lernende nicht nur Arbeitsschritte, sondern auch Quellenprüfung, Interpretation und Urteilsbildung an die KI delegieren: https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2026.1878665/full.
Die American Psychological Association fasst den aktuellen Forschungsstand zur KI-Nutzung von Kindern und Jugendlichen zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wann KI sinnvoll entlastet und wann sie Denkprozesse, Selbstregulation und soziale Erfahrungen ersetzt, die junge Menschen erst noch entwickeln müssen: https://www.apa.org/monitor/2026/09/ai-brain-development-youth.

Tipps für den Unterricht
Wie selbstverständlich sind unsere Vorstellungen von Fleiß, Leistung, Disziplin oder angemessenem Verhalten wirklich? Der Beitrag über Habitussensibilität im „Deutschen Schulportal“ zeigt, wie die eigene soziale Herkunft den Blick von Lehrkräften prägt und unbewusst zur Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern beitragen kann. Eine anregende Einladung, die eigene pädagogische Haltung mit produktiver Skepsis zu betrachten und Bildungsgerechtigkeit auch als Aufgabe der Schul- und Beziehungskultur zu verstehen: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/habitussensibilitaet-warum-lehrkraefte-der-eigenen-haltung-mit-skepsis-begegnen-sollten/.

Leseempfehlung
Bob Blume: Warum noch lernen. Wie Schule in Zeiten von KI, Krisen und sozialer Ungerechtigkeit aussehen muss, Mosaik 2024.
Die ideale Vorbereitung auf den Vortrag am 23.09. Bob Blume beschäftigt sich mit vielen Aspekten den Bildungssystems, wo es knarzt und was man besser machen müsste. Im Kern steht die Frage: Was bedeutet Lernen im 21. Jahrhundert und welchen Bildungsbegriff brauchen wir dafür.

Hörempfehlung
Florian Nuxoll hat die 3. Folge seines mit KI generierten Podcast „Die Schule am Mühlbach“ veröffentlicht. In diesem werden auf unterhaltsame Weise aktuelle Trends aus der Jugend und Social Media vorgestellt und erklärt: https://www.podcast.de/podcast/3734929/die-schule-am-muehlbach.

Sehempfehlung
„KI macht Schule: Was wir von China lernen können – Tech, KI & Schmetterlinge“ mit Sascha Lobo: https://www.youtube.com/watch?v=U7mAEi2JkI0&t=33s.
Interview mit Felix Koleve, einem Schulleiter der sich mit Vibe-Coding seine eigene Schulsoftware gebaut hat: https://www.youtube.com/watch?v=KpyFA9GWLU8.

Veranstaltungsempfehlung

Außerdem:
Zwar nicht ganz unsere Region, aber dennoch eine spannende Veranstaltung mit interessanten Gästen von Andreas Schleicher über Margret Rasfeld bis Stefan Ruppaner. Die „4. Nacht der Redner Edition Zukunftsschule“ am 6. November in Hamburg. Tickets und weitere Infos gibt es hier: https://www.eventbrite.de/e/4-nacht-der-redner-edition-zukunftsschule-tickets-1991188749150.

Spaß im Netz
https://neal.fun/unusual-suspects

Blog 2026-09: KI ist kein Digitalisierungsprojekt – sie stellt die Grundlogik von Schule infrage

Das Bild wurde mit KI generiert.

Wenn Schulen über Künstliche Intelligenz sprechen, dauert es meist nicht lange, bis wir bei den Tools landen. Welches Sprachmodell dürfen wir verwenden? Welche Plattform ist datenschutzkonform? Wie schreibe ich einen guten Prompt? Wie erkenne ich, ob eine Hausaufgabe mit ChatGPT geschrieben wurde? Und natürlich: Wie kann KI Lehrkräfte entlasten?

Das sind alles berechtigte Fragen. Trotzdem beschleicht mich zunehmend das Gefühl, dass wir damit am eigentlichen Problem vorbeireden. Denn Künstliche Intelligenz ist nicht einfach die nächste digitale Technologie, die wir nun – nach Whiteboards, Tablets und Lernplattformen – irgendwie auch noch in Schule integrieren müssen. Sie verändert etwas Grundsätzlicheres: die Bedingungen, unter denen Lernen, Leistung und letztlich Schule funktionieren.

Dass wir darüber reden müssen, ist ohnehin keine freiwillige Entscheidung mehr. Generative KI ist längst Teil des Alltags von Jugendlichen, und auch unter Lehrkräften ist sie kein Nischenphänomen mehr. Die OECD berichtet im Digital Education Outlook 2026, dass bereits 2024 37 Prozent der Lehrkräfte der Sekundarstufe I KI beruflich eingesetzt haben. Vor allem aber weist die OECD auf einen Befund hin, der für Schule viel interessanter ist als jede Nutzungsstatistik: Mit generativer KI lassen sich bessere Ergebnisse erzielen, ohne dass deshalb zwangsläufig mehr gelernt wird.

Genau dort beginnt für mich die eigentliche Diskussion.

Die stillschweigende Vereinbarung von Schule

Schule beruht seit langer Zeit auf einer stillschweigenden Vereinbarung. Wir stellen Schülerinnen und Schülern Aufgaben, weil wir davon ausgehen, dass deren Bearbeitung Lernprozesse auslöst. Jemand liest einen Text, recherchiert Informationen, löst ein mathematisches Problem, schreibt einen Aufsatz oder entwickelt eine Präsentation. Am Ende steht ein Ergebnis, aber pädagogisch interessiert uns natürlich nicht nur dieses Ergebnis. Uns interessiert vor allem das, was auf dem Weg dorthin passiert ist.

Die Aufgabe war gewissermaßen unser Vehikel für das Lernen.

Generative KI stellt diese Verbindung infrage. Ein überzeugender Text, eine gute Zusammenfassung, ein Programmcode oder eine Präsentation können heute entstehen, ohne dass derjenige, der das Ergebnis abgibt, die damit verbundenen Denkprozesse tatsächlich selbst vollzogen hat. Das ist keine moralische Aussage über Schülerinnen und Schüler. Es ist zunächst einmal eine technische Tatsache.

Die OECD bringt das inzwischen ziemlich nüchtern auf den Punkt: Allgemeine KI-Systeme können die Performanz bei einer Aufgabe erhöhen, ohne entsprechende Lerngewinne hervorzubringen. Werden kognitive Tätigkeiten ausgelagert, droht vielmehr „metacognitive laziness“, geringere Auseinandersetzung und langfristig ein schwächerer Kompetenzerwerb. Anders sieht es aus, wenn KI bewusst pädagogisch gestaltet wird, beispielsweise als Tutor, der nicht einfach Antworten liefert, sondern Fragen stellt, Hinweise gibt und Lernende zum Weiterdenken zwingt.

Das ist ein ziemlich entscheidender Unterschied: Performanz ist nicht Lernen.

Und damit haben wir ein Problem mit unseren Aufgaben.

Die Aufgabenkrise

Ich nenne dieses Problem inzwischen die Aufgabenkrise. Viele Aufgaben, die wir in Schule über Jahrzehnte ganz selbstverständlich gestellt haben, sind heute delegierbar. Das betrifft längst nicht nur die klassische Hausaufgabe „Schreibe einen Text über …“. KI kann recherchieren, strukturieren, zusammenfassen, übersetzen, argumentieren, programmieren, visualisieren und Feedback geben. Mit agentischen Systemen wird diese Entwicklung noch weitergehen, weil nicht mehr nur einzelne Produkte, sondern zunehmend ganze Arbeitsprozesse delegiert werden können.

Die naheliegende Reaktion darauf ist der Versuch, Aufgaben „KI-sicher“ zu machen. Ich glaube inzwischen, dass uns das nicht besonders weit bringt. Interessanter ist die Frage, warum eine Schülerin oder ein Schüler eine bestimmte Tätigkeit überhaupt noch selbst ausführen soll.

Die Antwort „weil man das in der Schule eben lernen muss“ reicht dabei nicht. Wir müssen wieder genauer benennen können, welcher Denkprozess durch eine Aufgabe ausgelöst werden soll und warum dieser Denkprozess für Bildung wichtig ist.

Vielleicht ist KI deshalb gar nicht das Problem guter Aufgaben. Vielleicht macht sie nur die Schwächen schlechter Aufgaben besonders sichtbar. Eine Aufgabe, die sich weitgehend in Informationsbeschaffung und Reproduktion erschöpft, verliert unter KI-Bedingungen besonders schnell ihren Sinn. Joscha Falck beschreibt KI-Didaktik deshalb zu Recht als Gestaltungsaufgabe: Lehrkräfte können über Haltung, Regeln, Aufgabendesign und Formen der Eigenleistung Bedingungen schaffen, unter denen KI Denken unterstützt, statt es zu ersetzen. Seine „Architektur der KI-Didaktik“ ist dafür ein hilfreicher Orientierungsrahmen.

Die zentrale Frage lautet also nicht: Wie verhindere ich KI bei dieser Aufgabe? Sondern: Welche geistige Anstrengung ist für das Lernen so wichtig, dass ich möchte, dass ein junger Mensch sie selbst vollzieht?

Wenn das Ergebnis nicht mehr reicht

Aus der Aufgabenkrise folgt noch ein zweites Problem. Über lange Zeit konnten wir zumindest einigermaßen plausibel vom Ergebnis einer Arbeit auf die dahinterliegende Kompetenz schließen. Ein guter Text war zwar nie ein perfekter Beweis dafür, dass jemand gut schreiben kann, aber die Verbindung war stark genug, um unser System darauf aufzubauen.

Diese Gewissheit wird brüchiger. Wenn zwei äußerlich ähnlich gute Produkte aus völlig unterschiedlichen Arbeitsprozessen hervorgehen können, reicht das Produkt allein als Nachweis zunehmend nicht mehr aus.

Ich würde deshalb auch von einer Nachweiskrise sprechen.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Ergebnisse unwichtig werden. Ein schlechter Text wird nicht dadurch gut, dass viel Mühe in ihm steckt. Aber ein guter Text sagt künftig weniger zuverlässig aus, welche Kompetenzen sein Autor oder seine Autorin tatsächlich besitzt.

Für die Prüfungskultur ist das eine erhebliche Herausforderung. Wir werden vermutlich stärker auf Entstehungsprozesse schauen müssen und häufiger ins Gespräch kommen: Warum wurde dieser Weg gewählt? Welche Quellen wurden verworfen? Welche Entscheidungen wurden getroffen? Wo wurde KI eingesetzt? Kann das Ergebnis erklärt, verteidigt, auf einen neuen Zusammenhang übertragen oder weiterentwickelt werden?

Interessanterweise verschiebt sich damit möglicherweise auch unser Verständnis von Eigenleistung. Die entscheidende Frage wird nicht immer sein können, ob jeder Satz eines Produktes eigenhändig formuliert wurde. Wichtiger könnte werden, wer den geistigen Prozess steuert und für sein Ergebnis Verantwortung übernehmen kann.

Die eigentliche Gefahr ist nicht die Nutzung von KI

An dieser Stelle wird die Debatte schnell grundsätzlich. Wenn KI immer mehr kann, was müssen Menschen dann überhaupt noch können?

Eine mögliche Antwort wäre: weniger. Wenn die Maschine schreibt, muss ich eben nicht mehr so gut schreiben können. Wenn sie übersetzt, brauche ich weniger Fremdsprachenkenntnisse. Wenn sie Informationen jederzeit bereitstellt, muss ich weniger wissen.

Ich halte diese Schlussfolgerung für gefährlich. Gerade wer wenig weiß, kann schwer beurteilen, ob eine KI gerade eine brillante Antwort oder plausibel formulierten Unsinn produziert. Grundlagenwissen, Lesen, Schreiben, mathematisches Verständnis und fachliche Kompetenz werden durch KI nicht überflüssig. Sie werden zur Voraussetzung dafür, KI überhaupt souverän nutzen zu können.

Gleichzeitig verschieben sich die Gewichte. Neben Wissen wird Orientierung wichtiger, neben der Antwort die Urteilskraft, neben der Ausführung die Entscheidung. Wer mit KI arbeitet, muss zunehmend entscheiden können, was delegiert werden kann, welche Ergebnisse brauchbar sind und wann ein System besser gerade nicht eingesetzt wird.

Das Policy Paper des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung und der Vodafone Stiftung trifft diesen Gedanken für mich schon mit seinem Titel ziemlich gut: „Von Abhängigkeit zu Handlungsfähigkeit“. Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass KI Lernprozesse wirksam unterstützen kann, zugleich aber Kompetenzverluste drohen, wenn Lernende sie vor allem zur Erledigung von Aufgaben und zur Produktion von Ergebnissen einsetzen. Selbstreguliertes Lernen wird deshalb gerade unter KI-Bedingungen zur Schlüsselkompetenz.

Vielleicht ist Handlungsfähigkeit (Agency) tatsächlich ein besseres Leitbild als die nächste Liste von KI-Kompetenzen. Ein handlungsfähiger Mensch kann KI nutzen, ohne ihr ausgeliefert zu sein. Er kann entscheiden, wann Unterstützung sinnvoll ist und wann er selbst denken muss. Er kann Ergebnisse prüfen, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen.

Mit KI, über KI – und manchmal eben auch ohne

Für Unterricht folgt daraus keine besonders spektakuläre Forderung. Wir müssen weder KI aus Schule verbannen noch sie in jede Unterrichtsstunde hineintragen.

Wir müssen mit KI lernen. Ein gut gestaltetes KI-System kann Tutor, Feedbackgeber, Sparringspartner oder Lernbegleiter sein. Gerade bei individualisierter Unterstützung liegen Möglichkeiten, die wir nicht leichtfertig ignorieren sollten. Die OECD kommt in ihrem aktuellen Überblick ebenfalls zu dem Ergebnis, dass pädagogisch gezielt eingesetzte generative KI Lernen fördern kann. Entscheidend ist gerade nicht die Technologie allein, sondern ihr didaktischer Zweck.

Wir müssen gleichzeitig über KI lernen. Wer mit diesen Systemen aufwächst, sollte verstehen, wie sie funktionieren, warum sie Fehler machen, welche Daten und Interessen hinter ihnen stehen und welche gesellschaftlichen Folgen ihr Einsatz hat.

Und wir brauchen weiterhin Situationen, in denen ohne KI gelernt wird. Vielleicht kann man sogar von einem Lernen trotz KI sprechen: bewusst selbst lesen, schreiben, rechnen, argumentieren, erinnern, ausprobieren, scheitern und noch einmal anfangen. Nicht aus Technikfeindlichkeit, sondern weil Lernen Anstrengung benötigt. Die OECD warnt ausdrücklich davor, dass KI den für Lernen wichtigen „productive struggle“ beseitigen und damit Ausdauer, vertieftes Lesen und nachhaltige Aufmerksamkeit schwächen kann.

Auch Joscha Falcks Modell ist hier hilfreich, weil es die Alternative „KI einsetzen oder verbieten“ hinter sich lässt. Seine Überlegungen umfassen Lernen mit, über, durch, trotz und ohne KI. Das scheint mir wesentlich näher an der schulischen Realität zu sein als die Suche nach einer allgemeinen Regel, wann KI „gut“ oder „schlecht“ ist.

Und plötzlich sind wir bei Schulentwicklung

Spätestens hier wird deutlich, warum mir der Begriff „KI im Unterricht“ inzwischen zu eng ist. Wenn sich Aufgaben verändern, wenn Leistungsnachweise neu gedacht werden müssen, wenn andere Kompetenzen wichtiger werden und Lehrkräfte gemeinsam entscheiden müssen, wo KI eingesetzt und wo bewusst auf sie verzichtet wird, dann reden wir nicht mehr über ein Unterrichtstool.

Wir reden über Lernkultur, Prüfungskultur und Professionalisierung. Wir reden über Datenschutz, Infrastruktur, Zugänge und Regeln. Wir reden darüber, wie Eltern und Schülerinnen und Schüler informiert und beteiligt werden. Und irgendwann reden wir zwangsläufig über Führung und Organisationsentwicklung.

Die entscheidende Frage für eine Schule lautet deshalb nicht: Welches KI-Tool führen wir ein? Sie lautet: Welche Schule wollen wir unter Bedingungen allgegenwärtiger KI sein?

Das klingt größer und unangenehmer, weil es keine schnelle Antwort gibt. Es bedeutet beispielsweise, gemeinsam zu klären, was Schülerinnen und Schüler auch künftig unbedingt selbst können sollen. Welche Denk- und Arbeitsprozesse sie sinnvoll an KI delegieren dürfen. Wie Eigenleistung sichtbar wird. Welche gemeinsamen Regeln gelten. Welche Kompetenzen Lehrkräfte benötigen. Und nicht zuletzt, wie wir verhindern, dass KI zwar Effizienz erhöht, gleichzeitig aber Handlungsfähigkeit reduziert.

An diesem Punkt finde ich einen aktuellen Beitrag von HAAK3 zur KI-Transformation an Schulen bemerkenswert. Die These lautet im Kern: Das Modell ist längst nicht mehr der Engpass. Transformation benötigt gleichzeitig tragfähige Prozesse, Fortbildung, Kulturarbeit und Governance – auf einem Fundament aus Ressourcen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Ein Tool-Rollout allein verändert noch keine Schule.

Das deckt sich ziemlich genau mit meiner Erfahrung aus Schulentwicklung insgesamt. Wir haben erstaunlich selten ein Erkenntnisproblem. Meist wissen wir recht gut, was wir eigentlich verändern müssten. Schwierig wird es beim Übergang von der guten Idee zur gemeinsamen Praxis.

Vielleicht ist KI insofern gar kein Sonderfall. Sie legt nur besonders schonungslos offen, dass Innovation noch keine Transformation ist.

Aber müssen wir uns wirklich an all das anpassen?

Bei all diesen Überlegungen steckt allerdings eine Gefahr in der Argumentation. Wenn wir ständig sagen, KI sei nun einmal da und Schule müsse sich deshalb verändern, klingt es schnell so, als gäbe es nur noch eine mögliche Zukunft: Die Technologie entwickelt sich – und Bildung hat sich gefälligst anzupassen.

Nele Hirsch hat diese Haltung treffend als „TINA-KI“ kritisiert: There is no alternative. Ich halte diesen Einwand für wichtig.

Ja, KI ist gesellschaftliche Realität. Aber daraus folgt nicht, dass jede Form ihrer Nutzung alternativlos ist. Wir können entscheiden, wo wir KI einsetzen, welche Geschäftsmodelle wir akzeptieren, welche Daten wir preisgeben, welche Entscheidungen wir Maschinen überlassen und welche Räume wir bewusst menschlich halten wollen.

Damit bekommt Agency noch eine weitere Dimension. Handlungsfähigkeit bedeutet nicht nur, KI kompetent bedienen zu können. Sie bedeutet auch, ihre gesellschaftliche Gestaltung nicht als Naturgesetz hinzunehmen.

Vielleicht lässt sich die Aufgabe von Bildung deshalb in einem Satz zusammenfassen:

KI verändert die Bedingungen von Bildung. Aber sie bestimmt nicht ihre Ziele.

Die müssen wir weiterhin selbst setzen.

Und wer hat jetzt diesen Text geschrieben?

Zum Schluss wird es ein wenig selbstreferenziell. Dieser Text ist mit KI entstanden. Ziemlich intensiv sogar.

Seit längerer Zeit sammle ich Studien, Artikel, Interviews, Beobachtungen aus der Schule und Gedanken zur Entwicklung von KI. Viele davon diskutiere ich anschließend mit einem Sprachmodell. Ich lasse mir Texte zusammenfassen, frage nach Zusammenhängen, widerspreche, verwerfe Antworten, lasse Gegenargumente formulieren und stoße dabei manchmal auf Verbindungen, die ich vorher nicht gesehen hatte. Aus diesen Gesprächen sind nach und nach auch die Begriffe entstanden, die in diesem Text vorkommen: Aufgabenkrise, Nachweiskrise, Kompetenzverschiebung und Agency.

Die KI hat dabei einiges geleistet. Sie hat sortiert, verdichtet, verglichen und formuliert. Sie hat aber auch Dinge falsch verstanden und überzeugend klingenden Unsinn produziert. Ich musste auswählen, prüfen, korrigieren und entscheiden, was zu meiner eigenen Erfahrung mit Schule und Schulentwicklung passt.

Wer hat diesen Text also geschrieben – ich oder die KI?

Ich glaube inzwischen, dass das die falsche Frage ist. Und vielleicht ist genau das auch ein Hinweis darauf, wie wir künftig auf die Arbeiten unserer Schülerinnen und Schüler schauen sollten.

Interessanter ist die Frage, welche geistige Leistung der Mensch in einem Mensch-KI-Prozess erbracht hat. Wer hat die Frage gestellt? Wer hat Entscheidungen getroffen? Wer hat Widersprüche erkannt? Wer hat beurteilt, was brauchbar ist? Wer kann das Ergebnis erklären und dafür Verantwortung übernehmen?

Vielleicht besteht eine der wichtigsten Aufgaben von Schule im KI-Zeitalter genau darin: jungen Menschen nicht beizubringen, KI für sich denken zu lassen, sondern mit KI besser selbst zu denken.

Newsletter 26/27 – 02: 28.08.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich will keine Spaßbremse sein und mir ist auch klar, dass etwas Risiko und Sorglosigkeit zum Aufwachsen gehören, dennoch mache ich mir Sorgen um den Umgang von E-Scootern bei unseren Schülerinnen und Schülern.

Ich beobachte sehr häufig, wie zwei, manchmal sogar drei, Schülerinnen und Schüler auf einem Scooter unterwegs sind. Gerne wird dabei auch noch mit dem Handy hantiert und wenig Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer genommen.

Klar, E-Scooter sind praktisch, schnell und unkompliziert. Leider zeigt sich inzwischen aber auch eine andere Seite. Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab es 2025 deutschlandweit 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. Das sind 38 Prozent mehr als noch 2024 und bereits damals waren die Unfallzahlen um fast 27 Prozent gestiegen. 38 Menschen kamen 2025 bei E-Scooter-Unfällen ums Leben, fast 1.900 wurden schwer verletzt. (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_N049_462.html)

Das hängt sicher auch mit den steigenden Nutzerzahlen zusammen, dennoch sind das beeindruckende Zahlen.

Besonders nachdenklich macht uns als Schule: Mehr als die Hälfte der verunglückten E-Scooter-Fahrenden war jünger als 25 Jahre. Auch aus Hessen kommen deutliche Zahlen: In Frankfurt erlitt 2025 nahezu jeder dritte verletzte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren seine Verletzungen im Zusammenhang mit einem E-Scooter-Unfall. (https://www.polizei.hessen.de/die-polizei/statistik/verkehrsunfallstatistiken/verkehrsunfallstatistik-des-polizeipraesidiums-frankfurt-am-main)

Dabei lassen sich viele Risiken vermeiden. E-Scooter dürfen nur von einer Person gefahren werden. Gehwege sind grundsätzlich tabu; wo vorhanden, müssen Radwege oder Schutzstreifen benutzt werden. Und auch wenn keine allgemeine Helmpflicht besteht: Ein Helm kann bei einem Sturz einen entscheidenden Unterschied machen.

Deshalb unsere Bitte, gerade zu Beginn des neuen Schuljahres: Sprechen Sie auch zu Hause über sicheres und rücksichtsvolles Fahren. Und an unsere Schülerinnen und Schüler: Ein E-Scooter ist ein tolles Verkehrsmittel, aber eben kein Spielzeug. Fahrt aufmerksam, fahrt nicht zu zweit und nehmt Rücksicht auf andere.

Denn das Wichtigste ist nicht, möglichst schnell zur Schule zu kommen, sondern sicher anzukommen.

Hier habe ich noch einmal die wichtigsten geltenden Regeln zusammengefasst:

  • Mindestalter 14 Jahre: Jüngere Kinder dürfen E-Scooter im öffentlichen Straßenverkehr nicht fahren.
  • Nur eine Person: Zu zweit auf einem E-Scooter zu fahren ist verboten – unabhängig davon, wie kurz die Strecke ist.
  • Radweg statt Gehweg: Wo Radwege oder Radfahrstreifen vorhanden sind, müssen diese benutzt werden. Fehlen sie, darf auf der Fahrbahn gefahren werden. Auf reinen Gehwegen ist das Fahren grundsätzlich nicht erlaubt.
  • Maximal 20 km/h: Für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassene E-Scooter dürfen bauartbedingt höchstens 20 km/h fahren.
  • Versicherung ist Pflicht: Der Scooter benötigt eine Betriebserlaubnis und eine gültige Versicherungsplakette.
  • Nicht freihändig fahren: Auch das Anhängen an andere Fahrzeuge ist verboten.
  • Rücksicht nehmen: Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen haben Fußgänger Vorrang und dürfen weder behindert noch gefährdet werden.
  • Alkohol ist keine gute Idee: Weil E-Scooter Kraftfahrzeuge sind, gelten die entsprechenden Alkoholgrenzen des Straßenverkehrsrechts – und für Fahranfänger sowie unter 21-Jährige die Null-Promille-Regel.
  • Handy weg während der Fahrt: Für die Nutzung von Mobiltelefonen gelten dieselben Grundregeln wie bei anderen Kraftfahrzeugen.

Und natürlich gilt auch das zentrale Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme aus der Straßenverkehrsordnung.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

(Dieser Bereich fällt aktuell leider etwas knapper aus, weil meine zeitlichen Ressourcen im Moment nicht mehr hergeben)

Interessantes
Mehr Bildschirmzeit = schlechtere Kognition? Eine neue achtjährige Langzeitstudie findet sogar den gegenteiligen Zusammenhang. Die wichtigere Frage ist offenbar nicht, wie lange Jugendliche vor einem Bildschirm sitzen, sondern was sie dort tun: https://journals.humankinetics.com/view/journals/pes/38/3/article-p268.xml.

Schulentwicklung
Jennifer Knellesen und Kristin van der Meer haben aufgeschrieben wie man sukzessive eine Lernkultur für selbstreguliertes Lernen aufbaut: https://vom-labor-ins-klassenzimmer.de/den-lernprozess-in-die-eigene-hand-nehmen-wege-in-eine-kultur-des-selbstregulierten-lernens/.
Alexander Brand ordnet im Gespräch mit Thorsten Bohl (Jurysprecher des Deutschen Schulpreises) im „Deutschen Schulportal“ Hatties Kritik an individualisiertem Lernen ein. Hatties Kritik am individualisierten Lernen ist kein Plädoyer für die Rückkehr zum Frontalunterricht, sondern für die richtige Balance: Guter Unterricht verbindet klare Instruktion, gemeinsamen fachlichen Austausch und selbstständiges Lernen mit so viel Freiheit wie möglich und so viel Unterstützung wie nötig: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/was-john-hatties-kritik-an-individualisiertem-lernen-fuer-deutsche-schulen-bedeutet/.
Martin Karacsony versucht, den OECD Learning Compass 2030 in ein Modell für Unterricht zu übersetzen: https://bildungssprit.de/blog/handlungsfaehigkeit-ermoeglichen.
Ist die Schule „too big to bail“? Peter Fratton stellt eine unbequeme Frage: Versuchen wir die Probleme von Schule mit immer neuen Programmen und Konzepten zu lösen, ohne ihre Grundstrukturen anzutasten? Sein Plädoyer: kleinere Lernwelten, mehr Eigenverantwortung und Strukturen, die Selbstständigkeit tatsächlich ermöglichen. Ein bewusst provokanter und lesenswerter Impuls zur Frage, wie viel Veränderung Schule eigentlich braucht: https://peterfratton.com/2026/08/15/ist-die-schule-too-big-to-bail/.

Smartphone und Social-Media
„Futurism“ über Mobbing mit Smartglasses: https://futurism.com/artificial-intelligence/teen-boys-meta-glasses-harass-bully-girls-school.

KI
Chris Schmitz hat auf seiner Seite zahlreiche Belege gesammelt, die zeige, wie KI-Anfragen Behörden fluten: https://chrisschmitz.ai/flooding/.

Tipps für den Unterricht
Christian Haake hat einen „Series Creator“ gebaut, mit dem Lernende ein Unterrichtsthema als fiktive Streaming-Serie erschließen können: https://seriescreator.haak3.de/.
Bei „AppCamps“ gibt es Unterrichtsmaterial zum Einstieg in das Thema KI: https://appcamps.de/2021/12/01/kuenstliche-intelligenz-im-unterricht-tipps-fuer-den-einstieg/.

Leseempfehlung
Bob Blume: Warum noch lernen. Wie Schule in Zeiten von KI, Krisen und sozialer Ungerechtigkeit aussehen muss, Mosaik 2024.
Die ideale Vorbereitung auf den Vortrag am 23.09. (siehe Veranstaltungsempfehlung). Bob Blume beschäftigt sich mit vielen Aspekten den Bildungssystems, wo es knarzt und was man besser machen müsste. Im Kern steht die Frage: Was bedeutet Lernen im 21. Jahrhundert und welchen Bildungsbegriff brauchen wir dafür.

Hörempfehlung
Ferdinand Stebner zu den Vorteilen von selbstreguliertem Lernen in einem WDR-Podcast: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:section:42b966c64cd83570/.

Sehempfehlung
Ausnahmsweise keine.

Veranstaltungsempfehlung

Außerdem:

Zwar nicht ganz unsere Region, aber dennoch eine spannende Veranstaltung mit interessanten Gästen von Andreas Schleicher über Margret Rasfeld bis Stefan Ruppaner. Die „4. Nacht der Redner Edition Zukunftsschule“ am 6. November in Hamburg. Tickets und weitere Infos gibt es hier: https://www.eventbrite.de/e/4-nacht-der-redner-edition-zukunftsschule-tickets-1991188749150.

Spaß im Netz
https://neal.fun/space-elevator/.

Blog 2026-08: Der gute Geist der Weibelfeldschule – Rede zur Einschulung

Da ich recht gutes Feedback zu meiner Einschulungsrede bekommen habe und einige Eltern diese vielleicht nachlesen wollen, habe ich mich entschieden, diese auf meinem Blog zu veröffentlichen.

Rede Einschulung 2026

Bild mit KI generiert.

Neulich spät am Abend bin ich durch die Schule gelaufen und habe Albert, den guten Geist der Weibelfeldschule getroffen.

Er hat mir das hier gegeben!

(Den Schlüssel hochhalten.)

Das hier ist ein Schlüssel.

Ein ganz besonderer Schlüssel.

Zumindest hat er mir das erzählt.

Als ich gefragt habe, wofür er ist, bekam ich eine geheimnisvolle Antwort:

„Das ist der Schlüssel zur Weibelfeldschule.“

Da habe ich natürlich gefragt:

„Ach, der passt bestimmt zur Eingangstür? Den habe ich doch schon“

„Nein.“

„Zur Sporthalle?“

„Nein.“

„Zum Musikraum?“

„Auch nicht.“

„Zur Cafeteria?“ Den habe ich nämlich wirklich nicht.

„Wäre schön“, hat er gelacht, „aber nein.“

Ich habe also weitergerätselt.

Zur Bibliothek?

Zum Computerraum?

Zum Lehrerzimmer?

Immer hieß es:

„Nein.“

Irgendwann habe ich gesagt:

„Dann funktioniert der Schlüssel wohl gar nicht.“

Da hat Albert gelächelt und gesagt:

„Doch. Aber er öffnet keine Türen.“

Jetzt war ich völlig verwirrt.

Ein Schlüssel, der keine Türen öffnet?

Wozu soll der denn gut sein?

Dann habe ich auf einmal verstanden.

Die meisten Türen an unserer Schule stehen nämlich längst offen.

Die Tür zum Musikraum.

Die Tür zum Kunstraum.

Die Tür zur Sporthalle.

Die Tür zur Bibliothek.

Die Türen zu den Klassenräumen.

Und vor allem die Türen zu den Menschen, die hier arbeiten und lernen.

Was also öffnet dieser Schlüssel?

Er öffnet etwas, das man nicht sehen kann.

Er öffnet den Mut, etwas Neues auszuprobieren.

Den Mut, jemanden anzusprechen.

Den Mut, eine Frage zu stellen.

Den Mut, einen Fehler zu machen und es danach noch einmal zu versuchen.

Den Mut, eine AG auszuprobieren, obwohl man niemanden kennt.

Den Mut, auf jemanden zuzugehen, der gerade allein auf dem Schulhof steht.

Den Mut zu sagen:

„Das kann ich noch nicht.“

Oder:

„Kannst du mir helfen?“

Denn wisst ihr was?

Die spannendsten Dinge beginnen oft genau in so einem Moment.

Nicht, wenn man schon alles kann.

Sondern wenn man sich traut, anzufangen.

In den nächsten Jahren werdet ihr viele Dinge entdecken.

Vielleicht entdeckt ihr ein neues Hobby.

Vielleicht ein Talent.

Vielleicht Freunde fürs Leben.

Vielleicht merkt ihr, dass euch etwas begeistert, von dem ihr heute noch gar nichts ahnt.

All das können wir euch nicht schenken.

Aber wir können euch viele Möglichkeiten dafür geben.

Und deshalb glaube ich:

Jeder von euch bekommt heute diesen Schlüssel.

Nicht aus Metall.

Sondern hier.

(Auf das Herz zeigen.)

Oder vielleicht hier.

(Auf den Kopf zeigen.)

Denn der wichtigste Schlüssel ist nicht der, den man in der Tasche trägt.

Sondern der, mit dem man sich traut, eine Chance zu nutzen.

Ich wünsche euch, dass ihr diesen Schlüssel in den nächsten Jahren ganz oft benutzt.

Herzlich willkommen an der Weibelfeldschule. Schön, dass ihr jetzt da seid.

Wir freuen uns alle auf euch!

Last mich noch ein paar Worte sagen, auch für eure Eltern.

Für mich ist die Einschulung immer genauso aufregend und spannend wie für sie und euch! Was kommen da für Kinder? Was bringen die für Eltern mit?

Mir ist es ganz wichtig, dass wir uns alle als Partner und Schulgemeinschaft sehen!

Vielleicht gibt es Eltern, die sich engagieren wollen und können?

Der Förderverein und der SEB suchen immer Unterstützung, aber auch die Schule freut sich, wenn Eltern in Arbeitsgruppen mitarbeiten oder AGs anbieten. Das haben wir in den letzten Jahren intensiviert und möchten wir auch in Zukunft weiter verstärken. Wir haben zum Beispiel eine ganz tolle Zukunftsschmiede eingerichtet. Das ist ein Makerspace zum Experimentieren und Ausprobieren für Video, Tonaufnahmen, 3-D-Druck, Textilarbeiten, Kunst, Musik usw. Wer Lust hat uns da zu unterstützen ist herzlich eingeladen, sprechen sie mich an.

Unsere Welt ist im Wandel, so auch die Schule. Wir haben zahlreiche Arbeitsgruppen, zum Beispiel zur Schulentwicklung, Handynutzung, Präventionskonzepten, Medienbildung, Demokratielernen, Bewegung und vieles mehr. Auch hier freuen wir uns über Mitarbeit und Expertise von Eltern. Sprechen Sie mich einfach an.

Uns sind noch zwei weitere Dinge wichtig und die möchte ich Euch, aber auch den Eltern noch mitgeben.

  1. Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft. Die zunehmenden Konflikte in der Gesellschaft übertragen sich auch auf die Schule. Wir möchten das aber nicht. Schule muss ein geschützter Raum sein, die Kinder aller Jahrgänge sollen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Aussehen usw. gerne hierherkommen und wir erwarten, dass uns die Eltern dabei unterstützen. Wir dulden keine Gewalt, keine körperliche, keine seelische oder sonstige Gewalt und wir gehen dagegen vor. Erster Ansprechpartner für Kinder und Eltern ist immer die Klassenlehrkraft. Informieren Sie uns möglichst umgehend, wenn Konflikte auftauchen. Je früher wir informiert sind, umso besser und schneller können wir reagieren. Dafür benötigen wir das Vertrauen der Eltern und der Kinder in unsere pädagogische Arbeit.
  2. Das Zweite, was uns noch wichtig ist, ist das, was viele von Euch jetzt neu in der Tasche haben, das Smartphone. Wir haben in einem langen Prozess und in einer Arbeitsgruppe mit Eltern und Schülerinnen und Schülern eine Neuregelung hier an der Schule diskutiert. Die Details gibt es im Heftchen mit der Schulordnung, das nachher verteilt wird. Kurz zusammengefasst, ist die Handynutzung außerhalb der Mittagspause verboten und dann nur an bestimmten Orten erlaubt. Das Handy ist ein zunehmender Quell von Ärger. Ein Großteil der Nutzung findet allerdings außerhalb der Schule statt, deswegen ist es wichtig, dass die Eltern die Nutzung kontrollieren.

Ihr seht und sie sehen, es wird und bleibt aufregend. Und das ist auch gut so. Wir wollen keinen Stillstand, wir wollen Entwicklung. Wir wollen mit euch und ihnen Schule besser machen.

Am Ende wollen wir ja alle das Gleiche: Wir wollen die bestmögliche Ausbildung für die Kinder im bestmöglichen Umfeld und, dass es uns allen dabei gut geht. Dafür arbeiten wir alle, jeden Tag.

Und darauf und vor allem auf euch Kinder freue ich mich!

Noch einmal: Herzlich Willkommen an der Weibelfeldschule!

Newsletter 26/27 – 01: 14.08.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ein neues Schuljahr hat begonnen. Ein Jahr mit vielen Erwartungen, Hoffnungen und Träumen, vielleicht aber auch mit Ängsten und Widerständen.

Dabei ist eines ganz normal: Niemand startet mit den gleichen Voraussetzungen. Manche freuen sich darauf, Freundinnen und Freunde wiederzusehen. Andere sind gespannt auf die neue Klasse oder den nächsten Lebensabschnitt. Einige blicken voller Vorfreude auf das, was kommt und wieder andere würden die Ferien am liebsten noch ein wenig verlängern.

Ein neues Schuljahr ist immer auch ein Neustart. Er ist eine Einladung, neu anzufangen. Fehler aus dem vergangenen Jahr müssen nicht die Zukunft bestimmen und nicht wiederholt werden. Enttäuschungen dürfen zurückbleiben. Und kleine Schritte sind oft wichtiger als große Vorsätze.

Vielleicht gelingt in diesem Schuljahr nicht alles auf Anhieb. Das muss es auch nicht. Lernen bedeutet, Dinge auszuprobieren, Rückschläge auszuhalten und immer wieder aufzustehen. Genau darin liegt Entwicklung.

Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern Neugier, Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Den Eltern wünsche ich Gelassenheit und die Zuversicht, ihre Kinder auf ihrem Weg richtig zu begleiten. Und uns allen wünsche ich, dass wir freundlich miteinander umgehen, einander unterstützen und nie vergessen, dass Schule von den Menschen lebt, die sie jeden Tag gemeinsam gestalten.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten Start und ein Schuljahr mit vielen kleinen und großen Erfolgserlebnissen.

Ich würde sogar noch einen psychologischen Gedanken ergänzen, den ich sehr mag: Menschen überschätzen oft, wie perfekt sie starten müssen, und unterschätzen, was sie mit kleinen, kontinuierlichen Schritten erreichen können. Das ist wissenschaftlich gut belegt und passt hervorragend zum Schuljahresbeginn.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar wenige Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Der aktuelle „Brainrot“-Trend macht deutlich, dass die eigentliche Herausforderung digitaler Medien nicht einzelne Spiele oder Plattformen sind, sondern eine Aufmerksamkeitsökonomie, die auf schnelle Reize und permanente Belohnung setzt. Schule muss deshalb mehr denn je ein Ort sein, an dem konzentriertes Denken, Selbststeuerung und echte Lernprozesse bewusst gefördert werde. Ein Beitrag dazu bei „Medienzeit-Elternblog“: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/brainrot-stumpft-ab-roblox-echtes-problem.
Aus aktuellem Anlass: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/es-braucht-mehr-bewusstsein-fuer-den-hitzeschutz-an-schulen/.
Jan Martin Wiarda hat zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung gebloggt: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/08/03/ein-rechtsanspruch-der-die-schule-veraendern-wird.

Schulentwicklung
Das „Deutsche Schulportal“ zu professionellen Lerngemeinschaften, Spoiler: Lehrkräfte sollen gemeinsam am Lernen der Schülerinnen und Schüler arbeiten“: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/professionelle-lerngemeinschaften-wie-lehrkraefte-gemeinsam-unterricht-erproben/https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/professionelle-lerngemeinschaften-wie-lehrkraefte-gemeinsam-unterricht-erproben/.

Smartphone und Social Media
Der „SPIEGEL“ berichtet über die JIM-Plus-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest: https://www.spiegel.de/panorama/bildung/jim-plus-studie-jugendliche-erleben-social-media-als-drahtseilakt-a-72b56b57-6133-4502-bbce-e50e1f7defbd.
Einen weiteren Beitrag gibt es bei „Medienzeit-Elternblog“: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/jimplus-studie-2026-social-media-jugendliche. Und hier gibt es die Studie: https://mpfs.de/studie/jimplus-2026/.
Bei „Schau hin!“ gibt es interessante Tipps zur kreativen Mediennutzung für verschiedene Altersgruppen: https://www.schau-hin.info/tipps-regeln/ideen-fuer-kreative-mediennutzung.
„Netzpolitik.org“ zieht eine interessante Bilanz zum Social-Media-Verbot in Australien: https://netzpolitik.org/2026/australien-zieht-bilanz-fuenf-erste-lehren-aus-dem-social-media-verbot/.
„Heise online“ berichtet über die negativen Auswirkungen sozialer Medien auf schulische Leistungen. Eine aktuelle Studie mit über 5.000 Jugendlichen zeigt, dass ein früher Einstieg in soziale Medien mit schlechteren schulischen Leistungen zusammenhängt, selbst wenn soziale Herkunft und Bildungsniveau der Eltern berücksichtigt werden. Das spricht für klare altersgerechte Regeln und einen bewussten Aufbau von Medienkompetenz, statt allein auf Verbote oder unbegrenzte Freiheit zu setzen: https://www.heise.de/news/Social-Media-Nutzung-Fruehe-eigene-Accounts-druecken-Schulleistungen-11395830.html.
„heise online“ zu den Forderungen nach einem Verbot von Smart Glasses: https://www.heise.de/news/Kamerabrillen-Digitalrechtler-starten-Petition-gegen-Metas-Smart-Glasses-11410637.html.

KI
Manuel Flick hat seine Facharbeit von 2008 auf KI prüfen lassen: https://www.manuelflick.de/news/meine-facharbeit-ist-zu-47-prozent-ki.
Ein Artikel im „Guardian“ weißt noch einmal auf die Gefahr der Veröffentlichung von Kinderfotos im Netz hin. Britische Kinderschutzorganisationen empfehlen Schulen inzwischen, identifizierbare Fotos von Schülerinnen und Schülern möglichst nicht mehr zu veröffentlichen. Der Grund ist nicht der Datenschutz allein, sondern ein neues Risiko: Mit generativer KI können selbst harmlose Bilder für Deepfakes und Erpressungsversuche missbraucht werden. Schule muss deshalb den Schutz von Kindern im digitalen Raum neu denken. Deshalb schränken wir die Nutzung von Bildern auf unserer Homepage stark ein: https://www.theguardian.com/technology/2026/may/08/uk-schools-remove-pupils-photos-online-ai-blackmail-threat-grows.
„Ground Level AI“ ordnet das Ausbrechen der Agenten von OpenAI ein: https://www.groundlevel-ai.com/p/openai-gives-first-detailed-debrief.
Ein altes Browser-Spiel zeigt überraschend anschaulich, worin die eigentliche Herausforderung moderner KI liegt: Nicht einzelne Antworten werden automatisiert, sondern ganze Tätigkeiten. Die Bildungsfrage lautet deshalb nicht mehr nur, was Schülerinnen und Schüler lernen sollen, sondern welche Denk- und Arbeitsprozesse auch im Zeitalter intelligenter Agenten unverzichtbar bleiben: https://www.linkedin.com/pulse/old-browser-clicker-game-showing-what-currently-going-claudia-feiner-el1ue/.
OpenAI entwickelt KI zunehmend von einem Antwortsystem zu einem Arbeitssystem. Statt einzelne Fragen zu beantworten, übernehmen KI-Agenten ganze Arbeitsabläufe. Für Schule bedeutet das eine neue Herausforderung: Entscheidend wird künftig weniger das Ausführen einzelner Aufgaben als die Fähigkeit, komplexe Arbeitsprozesse zu planen, zu steuern und kritisch zu verantworten: https://www.forbes.com/sites/rayravaglia/2026/08/04/openai-education-plugins-move-ai-from-answers-to-workflows/.
Modelle, Praxisbeispiele und didaktische Konzepte zu KI gibt es inzwischen viele. Die eigentliche Herausforderung liegt heute weniger im Wissen über Veränderung als in ihrer Umsetzung. KI macht damit sichtbar, was Schulentwicklung schon lange begleitet: Gute Ideen verändern Schule nicht, erst konsequente Implementierung tut es: https://haak3.de/wir-haben-doch-die-modelle-warum-ki-transformation-an-schulen-trotzdem-stockt/.
Dänemark rüstet gegen KI-Schummelei auf, schreibt „t3n“: https://t3n.de/news/ki-schummelei-schulen-daenemark-massnahmen-1757064/.

Tipps für den Unterricht
Peter Fratton zu Selbstorganisiertem Lernen: https://peterfratton.com/2026/08/01/selbstorganisierter-minimalismus/.
Hendrik Haverkamp und Benedikt Wisniewski fordern auf dem „Deutschen Schulportal“ die De-Implementierung von Korrekturen: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/korrekturen-de-implementierung-einer-sinnlosen-praxis/.
Hauke Pölert beschreibt auf seinem Blog, wie man mit Vibe-Coding Lernspiele erstellt: https://unterrichten.digital/2026/07/13/ki-vibe-coding-schule-unterricht/.

Leseempfehlung
„Mut tut gut. Warum wir unseren Kindern mehr zutrauen können“ von Norbert F. Schneider und Maria M. Bellinger (Hamburg 2025). Das Buch war eine meiner Urlaubslektüren und erinnert daran, dass Kinder nicht an einem Mangel an Fürsorge scheitern, sondern manchmal an einem Mangel an Zutrauen. Eine lesenswerte Anregung für alle, die Kinder auf ihrem Weg begleiten in der Familie ebenso wie in der Schule.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit bezeichnet Selbstregulationskompetenz als eine „Superkraft“ des Lernens: Sie beeinflusst nicht nur schulische Leistungen, sondern auch psychische Gesundheit, soziale Entwicklung und langfristigen Lebenserfolg. Entscheidend ist dabei, dass Selbstregulation nicht als Zusatzprogramm verstanden wird, sondern als Leitprinzip guter Schule, getragen von hochwertigem Unterricht, klaren Strukturen, wirksamem Classroom Management und einer gemeinsamen Lernkultur: https://link.springer.com/article/10.1007/s10648-026-10190-z.

Hörempfehlung
https://bits-buffs-und-bildung.podigee.io/s1e51-neue-episode Hier geht es um „Offline (lokale) KI nutzen und nachhaltiger Umgang mit KI“, deshalb eine Empfehlung, weil wir im kommenden Schuljahr auch mit lokaler KI experimentieren wollen. Überhaut ist „Bits, Buffs und Bildung“ eine empfehlenswerte Podcast-Reihe.
Podcast zum Start ins Selbstgesteuerte Lernen von „Lehrer Off Duty“: https://open.spotify.com/episode/3nyze16KsEDysQfMwfsHxA.

Veranstaltungsempfehlung
Bob Blume am 23.09. im Bürgerhaus! Das zugehörige Plakat mit allen Infos gibt es im Anhang.
Bob Blume hat sich aktuell in seiner Kolumne auf dem „Deutschen Schulportal“ mit den Aufgaben von Schule in der Zukunft und „Flourishing“ beschäftigt.
Der international diskutierte „Flourishing“-Ansatz erinnert daran, dass Schule mehr ist als ein Ort des Kompetenzerwerbs: Bildung soll junge Menschen nicht nur auf Prüfungen oder den Arbeitsmarkt vorbereiten, sondern sie dabei unterstützen, ihre Persönlichkeit zu entfalten, Verantwortung zu übernehmen und ein gelingendes Leben zu führen. Fachliche Leistung und persönliche Entwicklung sind dabei keine Gegensätze, sondern bedingen einander: https://deutsches-schulportal.de/kolumnen/mehr-als-humankapital-wie-das-fundament-von-bildung-gerade-neu-gedacht-wird/.

Spaß im Netz
https://neal.fun/not-a-robot/.

Blog 2026-07: Auch früher war die Zukunft schon schlimm. Rede zum Abitur 2026.

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, liebe Eltern, liebe Angehörige, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wieder geht ein Schuljahr zu Ende, wieder verlässt ein Abiturjahrgang die Weibelfeldschule.

Für uns Lehrkräfte müsste das eigentlich Routine sein, allerdings ist dieser Moment doch immer wieder ein ganz besonderer. Jeder Jahrgang ist anders und in jedem Jahrgang sind die Bedingungen andere und in diesem Jahrgang durfte ich sogar wieder als Lehrkraft wirken.

Mein Anspruch an meine Abirede ist immer, Ihnen etwas mit auf den Weg zu geben, eine, natürlich subjektive, Analyse der Zeitläufte und möglichst noch einen Rat. Das wird in unseren Zeiten immer schwerer.

In den vergangenen Jahren habe ich hier über Aufklärung, gesellschaftlichen Wandel und exponentielle Entwicklungen gesprochen. Der Versuch war immer derselbe: einen Moment innezuhalten und zu fragen: In welche Welt entlassen wir sie eigentlich?

Auch in diesem Jahr möchte ich über Zukunft sprechen, ihre Zukunft.

Wir leben in einer sich rasant verändernden Welt, die Veränderung beschleunigt sich scheinbar exponentiell. Das führt zu Verunsicherung, gesellschaftlichen Spannungen und manchmal auch zu dem Gefühl, kaum noch Schritt halten zu können.

Dabei ist Veränderung natürlich nicht neu, sondern ewiger Begleiter in der Menschheitsgeschichte. Schon Platon beschäftigte sich mit der Verbreitung der Schrift. In seinem Dialog „Phaidros“ lässt er Sokrates eine Fundamentalkritik an der Schrift vortragen, ich zitiere: „Denn diese Erfindung wird der Lernenden Seelen vielmehr Vergessenheit einflößen aus Vernachlässigung des Gedächtnisses, weil sie im Vertrauen auf die Schrift sich nur von außen vermittelst fremder Zeichen, nicht aber innerlich sich selbst und unmittelbar erinnern werden.“ Schrift führt also zur Schwächung des Gedächtnisses und zu Oberflächlichkeit. Wenn man in diesem Zitat das Wort Schrift durch KI ersetzt, könnte es fast aus einer aktuellen Talkshow stammen…

Quelle: ChatGPT 5.5, Prompt: Ich brauche ein schönes Bild zu: Platon zu Schrift (Phaidros 274e-275b): „Denn diese Erfindung wird der Lernenden Seelen vielmehr Vergessenheit einflößen aus Vernachlässigung des Gedächtnisses, weil sie im Vertrauen auf die Schrift sich nur von außen vermittelst fremder Zeichen, nicht aber innerlich sich selbst und unmittelbar erinnern werden.“ Ausschärfung: „Bitte noch eine andere Variante, in der die Warnung vor Schrift deutlicher wird“

Noch ein Beispiel gefällig? Im 19. Jahrhundert wurde es möglich Bücher in Massen zu drucken und so Informationen der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. Natürlich ging es auch hier schon nicht nur um seriöse Informationen. Auch damals gab es das, was wir heute vielleicht „Fake News“ nennen würden und seichte Unterhaltungsliteratur. Auch hier standen gleich wieder die Mahner auf dem Plan. Zum Beispiel findet sich diese Karikatur aus einer schweizerischen Satirezeitschrift zum „leselustigen Kindermädchen“. Wir finden hier die immer wiederkehrende Grundüberzeugung, dass „moderne“ Medien zu Ablenkung führen. Auch hier begegnet uns ein Muster, das wir bis heute kennen: Das neue Medium fasziniert und gleichzeitig entsteht die Sorge, dass es uns von dem entfernt, was eigentlich wichtig ist. Ebenso finden wir den Hinweis darauf, dass dies Kindern schadet, dort allerdings noch in einem mittelbaren Kontext.

https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=psh-001%3A1863%3A19%3A%3A108#74

Ein drittes, wiederkehrendes Motiv ist das der Mediensucht. Vermutlich hätte man diese auch dem Kindermädchen unterstellt, eindrücklicher finde ich allerdings dieses Bild. Übrigens ein Fundstück aus der Schule, das beim Ausmisten des AV-Studios entdeckt wurde. Herr Möller hatte es unter eine Tür geklemmt, um diese offen zu halten, dort ist es mir in die Hände gefallen. Vielleicht ist das schon eine schöne Metapher: Was eine Generation für gefährlich hält, benutzt die nächste ganz selbstverständlich als Werkzeug.
Hier sehen wir den „Programmhungrigen“ um 1980, dessen Verhalten so beschrieben wird: „Sein Medienkonsum ist suchtgefährdet. Wo er steht, sitzt oder liegt ist er auf Empfang. Video kam ihm gerade recht – seine Abende drohten leer zu werden.“ Hier tauchen die Motive der Vereinsamung und der Reizüberflutung auf, die wir auch aus der Social-Media-Debatte kennen.

Quelle: „Der Programmhungrige“ Aus: Müller-Neuhof/Schiphorst: Audiovision in der Praxis. Heim-Video von A-Z, Pflaum-Verlag München 1979/80, S. 38.

Und heute diskutieren wir über KI. Und da sind sie wieder die Warnungen: KI mache uns dumm, führe zu Vereinsamung und schade unserer Intelligenz und unserem Gedächtnis und vor allem unseren Kindern.
Verstehen sie mich nicht falsch. Ich will hier nichts verharmlosen und wer mich kennt weiß, dass ich vor den Gefahren von Social Media und KI warne und dafür plädiere diese, auch in der Schule, stärker in den Blick zu nehmen. Ich will aber auch darauf hinweisen, dass weder die Schrift, noch der Roman und schon gar nicht der Videorekorder dazu geführt haben, dass die Menschheit verblödet ist oder ausgerottet wurde.

Bei KI ist das allerdings noch nicht so ganz klar…

Aber als Optimist glaube ich, dass wir auch diese Neuerung in den Griff bekommen. Wir müssten nur endlich mal die richtigen Debatten führen und die richtigen Maßnahmen ergreifen, aber das ist ein anderes Thema.

Jetzt komme ich aber wieder auf die zurück, um die es hier geht, unsere Abiturientinnen und Abiturienten.

Ich glaube nicht, dass Ihre wichtigste Fähigkeit in Zukunft darin bestehen wird, möglichst viel Wissen abzuspeichern, natürlich abgesehen von unverzichtbarem Grundlagenwissen, das ist ja auch schon reichlich genug. Das kann die Schrift besser. Ich glaube auch nicht, dass es darum geht, möglichst schnell Informationen zu finden. Das kann das Internet besser. Und vielleicht wird es bald nicht einmal mehr darum gehen, möglichst perfekte Antworten zu produzieren. Das kann KI möglicherweise besser.

Entscheidend wird etwas anderes sein: gute Fragen zu stellen. Zu beurteilen. Verantwortung zu übernehmen. Zu entscheiden, wofür man seine Fähigkeiten einsetzen möchte.

Ich vermute mal, dass hier nur wenige Schülerinnen und Schüler im Saal sitzen, die nicht irgendwann KI für eine Antwort im Unterricht, eine Hausaufgabe oder die Vorbereitung auf das Abitur genutzt haben. Zumindest wären Sie vermutlich schlecht beraten gewesen, wenn nicht. Das finde ich in Ordnung und das gehört eigentlich auch schon zu den viel gerühmten „Future-Skills“. Wichtig ist mir aber, dass Ihnen klar wird, wo die Gefahren liegen. Wenn KI uns das Denken dauerhaft abnimmt, besteht tatsächlich die Gefahr, dass Fähigkeiten verloren gehen, die wir nicht mehr nutzen. Das nennt man „Deskilling“, Platon hätte gesagt: Wir vernachlässigen unser inneres Erinnern. Bei richtiger Nutzung kann KI uns schlauer und besser machen, aber nur wenn wir in der Lage sind ihre Antworten zu überprüfen, zu hinterfragen und einzuordnen und ich hoffe, dass wir ihnen dazu nötige Fähigkeiten mitgegeben haben.

Quelle: ChatGPT 4o. Prompt: Eine Karikatur, in der deutlich wird, dass KI gefährlich ist, dumm macht und Menschen negativ beeinflusst.

Der Zukunftsforscher Jamais Cascio beschreibt unsere Gegenwart als BANI-Welt: brüchig, verunsichernd, nicht-linear und oft schwer verständlich. Vielleicht klingt das zunächst düster. Aber interessanter finde ich die Antwort darauf: Eine solche Welt braucht Menschen mit Resilienz, Empathie, Beweglichkeit und gesundem Menschenverstand. Diese Fähigkeiten werden Sie in Zukunft brauchen. Diese Fähigkeiten lernt man allerdings nicht nur aus Büchern, Klausuren oder Lehrplänen. Man lernt sie durch Herausforderungen, durch Erfahrungen, durch Gemeinschaft – und davon hatten Sie reichlich. Dennoch sollten gerade sie diese Fähigkeiten erlernt haben.

Sie sind die Generation, in deren Geburtsjahren sich das Smartphone durchgesetzt hat, sie sind mit sozialen Medien aufgewachsen und haben die Corona-Pandemie erlebt. Sie werden, mehr als die vorangegangenen Generation, damit konfrontiert, dass unsere Gesellschaft und unser Planet keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern, dass wir diese behüten müssen. Sie sind nicht die Generation, die alle Probleme lösen muss, die andere hinterlassen haben. Aber Sie sind die Generation, die mitentscheiden wird, welche Lösungen wir finden. Und ich bin da optimistisch.

In meinem PoWi-LK habe ich immer wieder gesehen, dass das nötige Problembewusstsein und die nötige Reflexionsfähigkeit bei vielen vorhanden sind.

Gut, Platon hätte bei der Schriftsprachkompetenz einiger vielleicht sogar Hoffnung geschöpft…

Aber das ist nicht das Entscheidende. Entscheidend ist, dass Sie sich jetzt mutig auf den Weg machen und die große Welt für sich entdecken. Das meine ich nicht nur räumlich, sondern intellektuell. Finden sie Betätigungsfelder, die zu ihnen passen, tauchen sie tief ein in diese. Nutzen sie alle Möglichkeiten, die ihnen dazu zur Verfügung stehen und bleiben sie dabei Mensch. Machen sie die Welt besser, machen sie sie enkelfähig.

Vielleicht hatte Platon ja recht und gleichzeitig unrecht. Ja, jede neue Technik nimmt uns etwas ab. Aber die entscheidende Frage ist nicht, was Maschinen, Bücher oder Programme für uns übernehmen.

Die entscheidende Frage ist die, die niemand für sie übernehmen kann: Ihr Urteil, Ihre Haltung und Ihre Verantwortung.

Sie verlassen heute die Schule nicht, weil Sie ausgelernt haben. Ganz im Gegenteil. Sie verlassen die Schule, weil wir Ihnen zutrauen, selbst lebenslang weiterzulernen.

Denken Sie immer daran: Auch früher war die Zukunft schon schlimm. Und trotzdem sitzen wir heute hier.

Vielleicht ist Zukunft also nicht etwas, das uns einfach passiert. Vielleicht ist Zukunft etwas, das Menschen gestalten.

Und ab heute noch ein Stück mehr: etwas, das Sie gestalten.

Alles Gute für Ihren Weg.

Newsletter 25/26 – 19: 26.06.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

mein Teil des Newsletters fällt dieses Mal bewusst etwas kürzer aus, schließlich sind ja Ferien.

Nur ein paar Gedanken.

In den letzten Wochen habe ich viel über digitale Medien, künstliche Intelligenz und die Frage gesprochen, wie sich Lernen und Schule verändern. Dabei geht es aus meiner Sicht nie darum, Technik grundsätzlich abzulehnen, ganz im Gegenteil. Entscheidend ist aber, dass wir nicht vergessen, wer eigentlich wen steuern sollte.

Vielleicht sind die Ferien deshalb ein guter Moment für ein kleines Experiment: ein bisschen „Digital Detox“.

Ich nehme mich dabei ausdrücklich nicht aus. Ein Blick in meine eigene Bildschirmzeit zeigt: Im Durchschnitt verbringe ich rund zweieinhalb Stunden täglich am Smartphone, davon eine gute halbe Stunde bei Instagram. Nicht dramatisch, aber doch genug, um sich zu fragen: Hätte ich diese Zeit wirklich bewusst so eingeplant?

Gerade freie Zeit lebt von Momenten, in denen wir nicht erreichbar sind, nicht vergleichen, nicht scrollen und nicht ständig reagieren müssen. Langeweile, Gespräche, ein gutes Buch, Bewegung oder einfach einmal nichts tun.

Vielleicht gelingt es uns allen in den Ferien, das Handy etwas häufiger liegen zu lassen. Nicht, weil digitale Medien schlecht sind, sondern weil die besten Momente manchmal die sind, bei denen niemand daran denkt, sie zu posten. Die Ferien, vielleicht sogar ein Urlaub, bieten großartige Gelegenheiten, sich analog mit Kindern und der Familie auseinanderzusetzen, vielleicht ein Spiel zu spielen oder einfach miteinander zu sprechen. Das habe ich mir zumindest fest vorgenommen.

Ich wünsche der ganzen Schulgemeinschaft erholsame Ferien, echte Pausen und viele analoge Lieblingsmomente.

Ihr

Erik Grundmann

(Bild KI-generiert und mit Canva bearbeitet)

Und hier wieder als Angebot, ein paar wenige Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Letzte Woche ist der aktuelle Bildungsbericht erschienen, den man hier nachlesen kann: https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2026/pdf-dateien-2026/bildung_in_deutschland_2026_web.pdf. Im Blog von Jan Martin Wiarda gibt es zur Einordnung dazu ein Interview mit Kai Maaz, dem Direktor des DIPF: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/06/15/wir-sprechen-von-einem-blockierten-system.
m gleichen Blog wird auch der Bremer Versuch zur Erfassung der Lehrkräftearbeitszeit vorgestellt: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/06/16/bremer-flucht-nach-vorn.
Die Bildungsministerkonferenz hat eine Erklärung zum Umgang mit Social Media im schulischen Bereich abgegeben, viele gute Absicht, aber leider wenig Verbindlichkeit: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2026/2026_06_12-Social-Media-Erklaerung.pdf.
Susanne Burzel hat zur Frage „Wächst sich ADHS in der Pubertät aus?“ in ihrem Blog geschrieben: https://susanneburzel.de/wachst-sich-adhs-in-pubertaet-aus/.
Bob Blume setzt sich in einer Kolumne kritisch mit der aktuellen Diskussion um die Bundesjugendspiele auseinander: https://web.de/magazine/wissen/psychologie/bundesjugendspiele-gut-verstehen-jugend-42386854.
„Focus Online“ berichtet über „Italian Brainrot“: https://www.focus.de/familie/gaga-videos-treiben-kinder-in-wutausbrueche_8725e33f-2785-40eb-937b-ce8c97cdab01.html.


Und letztlich noch eine Hörempfehlung. „Unter Lehrern“ ein kokreativ mit KI erstellter Podcast, der alle zwei Wochen erscheinen soll. Laut Selbstbeschreibung handelt es sich um eine „Warmherzige Satire über Schule, Medienkompetenz und die Lücke zwischen den Generationen – zum Schmunzeln, Wiedererkennen und nebenbei Schlauerwerden.“ Zu hören auf den üblichen Podcastkanälen oder hier direkt im Browser: https://letscast.fm/podcasts/unter-lehrern-41278d94/feed.

Veranstaltungsempfehlung
Der Kartenverkauf für Bob Blume im Bürgerhaus am 23.09.2026 hat begonnen!

Spaß im Netz
https://zoomquilt.org/.

Der Newsletter geht jetzt in die Sommerpause, der nächste erscheint am 14.8.2026.