WfS 14: Positionsbestimmung – das dritte Jahr

Grafik mit KI erstellt.

In der letzten Gesamtkonferenz habe ich eine Positionsbestimmung unseres Schulentwicklungsprozesses vorgenommen, den ich hier in Teilen wiedergeben möchte, da ich finde, dass dieser Prozess für die ganze Schulgemeinschaft transparent und von Interesse sein sollte:

Wenn man mitten in Veränderungsprozessen steckt, sieht man manchmal vor allem das, was noch nicht funktioniert: offene Baustellen, Diskussionen, Unsicherheiten und Dinge, die noch nicht rundlaufen. Deshalb ist es mir wichtig, heute auch einmal deutlich zu sagen: Wir haben als Schule in den vergangenen Jahren enorm viel bewegt.

Wir haben gemeinsam begonnen, Unterricht weiterzuentwickeln, neue Lernformen zu erproben, stärker über Lernprozesse und nicht nur über Unterrichtsorganisation zu sprechen. Wir haben mit der DNA-Gruppe, der SEG, mit pädagogischen Tagen, mit vielen Initiativen und Projekten eine Dynamik geschaffen, die keineswegs selbstverständlich ist. Dabei haben wir außerdem noch die Partizipationsmöglichkeiten für Lehrkräfte, Lernende und Eltern ausgebaut.

In unseren Projekten und Aktivitäten der letzten zwei bis drei Jahre lassen sich mittlerweile klare Muster erkennen, die ich in zentralen Bereichen und an ausgewählten Beispielen kurz verdeutlichen will:

Wenn man auf diese vielen Entwicklungen schaut, könnte man zunächst denken: Das sind sehr viele einzelne Projekte.

Ich glaube aber, dass man inzwischen etwas anderes erkennen kann: Hinter diesen Entwicklungen stehen gemeinsame Linien. Es geht im Kern immer wieder um dieselben Fragen: Wie gelingt Lernen besser? Wie übernehmen Schülerinnen und Schüler mehr Verantwortung? Und wie entwickeln wir uns als Schule gemeinsam weiter?

Ich sehe dabei fünf zentrale Entwicklungen:

Erstens: Wir haben eine neue Lernkultur angestoßen.

Wir sprechen heute an vielen Stellen anders über Unterricht als noch vor einigen Jahren. Es geht nicht mehr nur um die Frage, was wir unterrichten, sondern stärker darum, wie Schülerinnen und Schüler lernen.

Mit der DNA-Gruppe und der SEG als Motor für Unterrichtsentwicklung, unseren pädagogischen Tagen, der Pilotklasse mit fächerverbindendem Lernen und dem Herausforderungsprojekt haben wir wichtige Erfahrungen gesammelt.

Wir haben mit dem Graduierungssystem erste Schritte erprobt, um Verantwortung und Selbstständigkeit sichtbarer zu machen, unsere Begabtenförderung weiterentwickelt und mit dem selbstorganisierten Lernen eine klare Perspektive für die kommenden Jahre formuliert.

Dabei geht es um zentrale Fragen moderner Lernkultur: Lernbegleitung, Feedback, Portfolioarbeit und neue Formen, Leistung sichtbar zu machen.

Zweitens: Wir haben Verantwortung und Partizipation gestärkt.

Schule verändert sich nicht durch einzelne Personen, sondern dadurch, dass viele Verantwortung übernehmen.

Unsere SV hat sich stark entwickelt, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern beteiligen sich zunehmend an Schulentwicklungsprozessen und mit Aula entsteht möglicherweise ein weiterer Raum echter Mitgestaltung.

Auch das Reallabor zeigt, was passiert, wenn Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen: Sie arbeiten an echten Problemen, entwickeln eigene Ideen und erleben, dass ihr Handeln Wirkung hat.

Wir reden nicht nur über Demokratiebildung, wir schaffen zunehmend Räume, in denen Demokratie erlebt wird.

Drittens: Wir haben Schule stärker geöffnet.

Eine moderne Schule kann nicht mehr als geschlossenes System funktionieren.

Wir haben die Zusammenarbeit mit Grundschulen intensiviert, Kooperationen ausgebaut und uns stärker mit anderen Schulen und Bildungsakteuren vernetzt.

Auch im Bereich KI merken wir, dass wir inzwischen nicht nur Impulse aufnehmen, sondern selbst Impulse geben und überregional wahrgenommen werden, sogar im Ministerium.

Wir lernen stärker mit und von anderen.

Viertens: Wir haben Schulkultur und Orientierung gestärkt.

Eine gute Lernkultur braucht Freiheit, aber Freiheit funktioniert nur mit gemeinsamen Regeln und Orientierung.

Deshalb gehören auch unser Präventionskonzept, die Handyregelung, die Arbeit am sozialen Lernen, Medienprävention, Gewaltprävention und die Diskussion über gemeinsame Haltung zu unserer Schulentwicklung.

Denn die Frage ist nicht nur: Wie wollen wir lernen?

Sondern auch: Wie wollen wir miteinander umgehen?

Fünftens: Wir haben Professionalität und Zusammenarbeit weiterentwickelt.

Auch wir als Organisation lernen.

Die SEG, die stärkere Arbeit in Teams, gemeinsame Entwicklungsprozesse, Evaluationen, externe Beratung und das Feedback an die Schulleitung zeigen:

Wir haben begonnen, nicht nur über die Entwicklung unserer Schülerinnen und Schüler zu sprechen, sondern auch über unsere eigene Entwicklung als Schule.

Und genau das ist der Kern einer lernenden Organisation.

Natürlich stehen viele dieser Entwicklungen noch am Anfang. Veränderung in Schule entsteht nicht durch einzelne Beschlüsse und Pilotprojekte, sondern durch gemeinsames Ausprobieren, Lernen und Weiterentwickeln. Entscheidend ist: Wir sind auf dem Weg und haben eine klare Richtung.

Wenn ich auf die letzten Jahre schaue, sehe ich eine Schule, die nicht stillsteht. Ich sehe eine Schule, die sich intensiv bewegt: Wir sind Selbstständige Schule geworden, haben Beteiligungsstrukturen aufgebaut, Unterrichtsentwicklung ins Zentrum gerückt, Digitalisierung pädagogisch diskutiert, Prävention gestärkt und begonnen, Lernen neu zu denken.

Der nächste Schritt besteht nicht darin, noch mehr Neues anzufangen. Der nächste Schritt besteht darin, das, was wir begonnen haben, in verlässliche Strukturen zu bringen.

Gleichzeitig erleben wir alle, dass Schule vor großen Veränderungen steht. Die Herausforderungen sind bekannt: zunehmende Heterogenität, veränderte Anforderungen der Gesellschaft, Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Fragen der Bildungsgerechtigkeit und der Motivation unserer Schülerinnen und Schüler.

Viele aktuelle Bildungsstudien zeigen dabei ein ähnliches Bild: Erfolgreiche Schulen unterscheiden sich nicht dadurch, dass sie möglichst viele Einzelprojekte starten. Entscheidend sind eine gemeinsame Lernkultur, klare Strukturen und die Fähigkeit, die eigene Arbeit systematisch weiterzuentwickeln.

Anders gesagt: Auch Schule selbst muss lernen.

Genau an diesem Punkt stehen wir gerade.

Mit der Anerkennung als selbstständige Schule haben wir zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten erhalten, aber auch die Verantwortung, unsere Entwicklung bewusster zu steuern. Deshalb werden wir im kommenden Schuljahr ein Projekt- und Qualitätsmanagementsystem aufbauen. Nicht, um zusätzliche Bürokratie zu schaffen, sondern um Klarheit zu gewinnen:

Welche Ziele verfolgen wir?

Wer übernimmt Verantwortung?

Woran erkennen wir, ob Maßnahmen wirken?

Ein gutes Qualitätsmanagement erkennt man nicht daran, dass mehr Papier entsteht, sondern daran, dass weniger Dinge gleichzeitig laufen und die wichtigen Dinge besser gelingen.

Es geht darum, aus vielen guten Einzelinitiativen ein gemeinsames System zu machen.

Dazu gehört aus meiner Sicht auch die Frage, wie wir uns als Schulleitung aufstellen. Dabei geht es nicht um Personen, sondern um Strukturen: Wie muss Schulleitung organisiert sein, damit sie unsere Entwicklung bestmöglich unterstützt?

Eine zweite wichtige Entscheidung betrifft unsere inhaltliche Schwerpunktsetzung.

Eine Rückmeldung, die ich ernst nehme, lautet: Es passiert sehr/zu viel gleichzeitig.

Und diese Rückmeldung stimmt. Diese Vielfalt war in der Such- und Entwicklungsphase richtig. Man muss Dinge ausprobieren, um herauszufinden, was trägt. Aber jede Entwicklungsphase braucht irgendwann den Moment, in dem man auswählt und vertieft.

Deshalb werden wir im kommenden Schuljahr bewusst fokussieren.

Internationale Vergleiche und Bildungsforschung zeigen auch hier: Erfolgreiche Schulen zeichnen sich nicht durch einzelne Programme aus, sondern durch gemeinsame professionelle Routinen. Entscheidend sind Klarheit über guten Unterricht, Zusammenarbeit im Kollegium, Feedback und die Fähigkeit, die eigene Praxis immer wieder anzupassen.

Gleichzeitig wird in einer Welt, in der Information jederzeit verfügbar ist und künstliche Intelligenz einfache Aufgaben zunehmend übernehmen kann, die Fähigkeit wichtiger, das eigene Lernen zu organisieren.

Dazu möchte ich eine kleine Anekdote erzählen: Ein Schulleiter hat berichtet, dass an seiner Schule für vier Wochen Selbstorganisiertes Lernen im Jahrgang 5 ausprobiert wurde und dies im kommenden Schuljahr flächendeckend eingeführt werden soll. Das Spannendste, was ihm aufgefallen ist, so hat er es berichtet, war, dass die üblichen Konflikte unter den Lernenden und mit den Lehrkräften fast verschwunden waren.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Selbstorganisiertes Lernen automatisch alle Probleme löst. Im Gegenteil: Selbstorganisiertes Lernen funktioniert nur mit sehr klaren Strukturen, guter Lernbegleitung und gemeinsamen Regeln.

Unser Schwerpunkt bei der Schulentwicklung wird also das selbstorganisierte Lernen sein. Hier wollen wir unsere Energie bündeln, Erfahrungen sammeln, Strukturen entwickeln und Kolleginnen und Kollegen unterstützen. Ziel ist es, im übernächsten Schuljahr eine entsprechende Themenklasse im Jahrgang 5 anbieten zu können.

Das bedeutet gleichzeitig: Andere Projekte und Experimente werden nicht verschwinden, aber sie treten bewusst etwas zurück. Gute Schulentwicklung bedeutet auch zu entscheiden, was man gerade nicht macht.

Neben selbstorganisiertem Lernen bleiben zwei schulkulturelle Themen entscheidend:

Haltung und Feedback.

Wenn wir möchten, dass Schülerinnen und Schüler Verantwortung für ihr Lernen übernehmen, müssen auch wir als Organisation eine lernende Haltung entwickeln.

Dazu gehört Feedback.

Die Rückmeldungen an die Mitglieder der Schulleitung und die Umfragen unter Eltern und Schülerinnen und Schüler waren insgesamt sehr wertvoll und helfen uns bei unserer Weiterentwicklung. Auch wir als Schulleitung lernen in solchen Prozessen dazu. Nicht alles läuft beim ersten Mal perfekt und wo Dinge nicht gut gelungen sind, übernehmen wir Verantwortung und verbessern sie.

Eine lernende Organisation entsteht nicht dadurch, dass niemand Fehler macht. Sie entsteht dadurch, dass man offen darüber sprechen kann und gemeinsam besser wird. Als lernende Organisation befinden wir uns auf allen Ebenen in einem permanenten Professionalisierungsprozess.

Als ich mit den beiden Schülern unserer Schule, die den europäischen Preis beim Börsenspiel gewonnen haben, nach Brüssel fahren durfte, hat eine Dame der Europäischen Kommission eine hervorragende Keynote gehalten. Es ging ihr darum, dass wir unser Bildungssystem neu denken müssen und uns noch stärker auf lebenslanges Lernen einstellen müssen. Die Fähigkeit zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich auf Neues einzustellen, wird entscheidend sein.

Besonders freue ich mich, dass auch unsere Schülerinnen und Schüler diese Entwicklung aktiv mitgestalten. Das Projekt Aula, das die SV vorantreibt, ist dafür ein starkes Beispiel. Demokratiebildung bedeutet nicht nur, über Beteiligung zu sprechen, sondern echte Verantwortung zu ermöglichen.

Mir ist am Ende noch eine Sache wichtig zu betonen! Wir haben viele engagierte Kolleginnen und Kollegen, die vieles in Bewegung setzen und möglich machen, das ist toll. Wir brauchen jede Unterstützung. Darum fordere ich sie alle auf, machen sie sich Gedanken, was sie beitragen können und wollen. Die nächsten Jahre bieten viele Möglichkeiten, die Zukunft dieser Schule aktiv mitzugestalten. Wir brauchen Sie alle bei der Entwicklung der Zukunft der Weibelfeldschule. Wer helfen will, kann mich oder ein anderes Schulleitungsmitglied gerne ansprechen.

Wenn ich also zusammenfasse, worum es im nächsten Abschnitt unserer Schulentwicklung geht, dann sind es drei Dinge:

Wir schaffen klare Strukturen.

Wir konzentrieren unsere Kräfte.

Wir entwickeln gemeinsam eine Kultur des Lernens für die ganze Schulgemeinschaft.

Die Weibelfeldschule hat viele Stärken. Jetzt geht es darum, diese Stärken noch besser miteinander zu verbinden.

Die kommende Phase ist keine Phase zusätzlicher Veränderung. Sie ist eine Phase der Bündelung.

Vielen Dank an alle, die diesen Weg mitgehen und mitgestalten.

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