Newsletter 26/27 -03: 11.09.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich möchte heute erklären, warum wir keine Kinderfotos auf der Homepage veröffentlichen

Wer in letzter Zeit auf unsere Homepage oder unsere Social-Media-Kanäle geschaut hat, wird vielleicht bemerkt haben, dass dort kaum noch erkennbare Fotos unserer jüngeren Schülerinnen und Schüler zu finden sind. Das ist kein Zufall. Wir haben uns entschieden, bis einschließlich Jahrgang 7 grundsätzlich keine Fotos mehr zu veröffentlichen, auf denen Schülerinnen und Schüler erkennbar sind.

Dabei geht es nicht darum, dass solche Fotos grundsätzlich verboten wären. Mit entsprechenden Einwilligungen könnten wir sie weiterhin veröffentlichen. Wir haben uns trotzdem dagegen entschieden, denn die entscheidende Frage lautet für uns heute nicht mehr nur, ob wir dieses Fotos veröffentlichen dürfen, sondern auch: Was kann mit diesem Fotos geschehen, wenn sie einmal öffentlich im Internet stehen?

Ein harmloses Foto muss nicht harmlos bleiben

Ein öffentlich zugängliches Foto kann gespeichert, kopiert, automatisiert gesammelt und mit weiteren Informationen verknüpft werden; das war grundsätzlich schon immer so. Durch Künstliche Intelligenz haben sich die Möglichkeiten des Missbrauchs jedoch erheblich verändert.

Heute können Bilder realer Menschen mit vergleichsweise geringem Aufwand manipuliert werden. Sogenannte „Nudification“-Anwendungen können beispielsweise aus einem normalen Foto künstliche Nacktaufnahmen oder sexualisierte Darstellungen erzeugen.

Die Internet Watch Foundation (IWF) und die britische National Crime Agency warnen inzwischen ausdrücklich davor, dass Täter frei zugängliche Bilder von Kindern nutzen, um daraus realistisch wirkende sexualisierte Inhalte zu erstellen.

Wie rasant diese Entwicklung verläuft, zeigen aktuelle Zahlen: Die IWF identifizierte im Jahr 2025 8.029 realistisch wirkende KI-generierte Bilder und Videos mit Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs. Besonders drastisch ist die Entwicklung bei Videos: 2024 registrierte die IWF 13 entsprechende KI-generierte Videos, 2025 waren es 3.443 – mehr als das 260-Fache innerhalb nur eines Jahres.

Auch die deutsche Medienkompetenzinitiative klicksafe warnt inzwischen ausdrücklich davor, Kinderbilder unbedacht öffentlich zu teilen: Mithilfe von KI können aus scheinbar harmlosen Bildern sexualisierte Darstellungen erzeugt und verbreitet werden. Die aktuelle Kampagne trägt einen bemerkenswert eindeutigen Titel: #KinderSindKeinContent.
Hinzu kommen weitere Risiken. Fotos, Namen, Schule, Alter, Hobbys und andere öffentlich verfügbare Informationen können zusammengeführt werden und Teile einer digitalen Identität ergeben. Sie können für Fake-Profile, Identitätsmissbrauch oder auch zur gezielten Kontaktaufnahme mit Kindern verwendet werden. Auch deshalb gehört der Schutz persönlicher Informationen zur Prävention von Cybergrooming.

Auch öffentliche Einrichtungen tragen Verantwortung

Diese Diskussion findet inzwischen auch auf politischer Ebene statt. Die unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ des Bundes hat im Juni 2026 ihre Handlungsempfehlungen unter dem Titel „Entwicklung stärken, Verantwortung übernehmen“ vorgelegt.

Darin geht es ausdrücklich um den Schutz der Privatsphäre von Kindern, um einen verantwortungsvollen Umgang öffentlicher Einrichtungen mit Kinderbildern und um einen besseren Schutz vor missbräuchlichen Deepfakes und Deepnudes. Die Frage, welche Bilder eine Schule von Kindern ins offene Internet stellt, ist damit für uns nicht lediglich eine Frage des Datenschutzes oder der Öffentlichkeitsarbeit, sie ist eine Frage des Kinder- und Jugendmedienschutzes.

Wir haben uns beraten lassen

Wir haben unsere Entscheidung deshalb auch nicht spontan getroffen. Frau Manzoni und ich haben uns in einer Videokonferenz ausführlich von Silke Müller beraten lassen. Die ehemalige Schulleiterin, Autorin und Expertin für digitale Ethik beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den digitalen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und hat zuletzt auch konkrete Empfehlungen zum Umgang von Schulen, Kitas und Vereinen mit Kinderbildern veröffentlicht.

Viele aus unserer Schulgemeinschaft kennen Silke Müller bereits. Sie war vergangenen Jahr auf Einladung des Fördervereins der Weibelfeldschule und von mir im Bürgerhaus Dreieich zu Gast und hat dort eindrücklich über die Chancen, aber auch die Schattenseiten der digitalen Welt unserer Kinder gesprochen.

Aus der Beratung ist für uns ein einfacher Grundsatz entstanden: Wir müssen nicht alles veröffentlichen, nur weil wir es dürfen.

Schutz und zunehmende Selbstbestimmung

Konkret bedeutet das: Bis einschließlich Jahrgang 7 veröffentlichen wir auf unserer Homepage und unseren Social-Media-Kanälen grundsätzlich keine Fotos mehr, auf denen Schülerinnen und Schüler erkennbar sind. Wir wollen diese Regel auch nicht durch Fotos von hinten oder ähnliche Konstruktionen umgehen.

Natürlich endet das Schutzbedürfnis nicht mit dem Wechsel von Jahrgang 7 in Jahrgang 8. Wir müssen im Schulalltag aber eine praktikable Grenze ziehen. Gleichzeitig verändert sich mit zunehmendem Alter etwas anderes. Jugendliche sollen immer stärker selbst darüber nachdenken und mitentscheiden, ob und wie sie in der digitalen Öffentlichkeit sichtbar sein möchten.

Der bewusste Umgang mit der eigenen digitalen Identität ist schließlich selbst Teil der Medienbildung. Kinder- und Jugendmedienschutz sollten deshalb aus unserer Sicht beides leisten, nämlich jüngere Kinder besonders schützen und Heranwachsende zunehmend zu selbstbestimmten Entscheidungen befähigen.

Ab Jahrgang 8 können wir daher weiterhin Fotos veröffentlichen, wenn die erforderlichen Einwilligungen vorliegen. Aber auch dann gilt: Eine Einwilligung verpflichtet uns nicht zur Veröffentlichung. Wir werden weiterhin sorgfältig überlegen, welche Bilder wirklich ins offene Internet gehören und wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler mitentscheiden, welche Bilder veröffentlicht werden. Das macht unsere Öffentlichkeitsarbeit nicht unbedingt einfacher. Schule lebt von Menschen, Begegnungen, Projekten, Aufführungen, Sport, Fahrten und gemeinsamem Lernen und natürlich möchten wir davon erzählen. Wir werden deshalb andere Wege finden, unser Schulleben sichtbar

zu machen, ohne dafür die Gesichter unserer jüngeren Schülerinnen und Schüler ins offene Internet zu stellen, dabei können auch Illustrationen von KI eine Rolle spielen, die natürlich entsprechend gekennzeichnet werden.

Denn am Ende bleibt für uns ein entscheidender Unterschied:

Wir können mit den Jugendlichen gemeinsam entscheiden, welches Foto wir ins Internet stellen. Wir können aber nicht mehr entscheiden, was andere anschließend mit diesem Foto machen.

Und deshalb gilt für uns im Zweifel: Kinderschutz geht vor Öffentlichkeitsarbeit.

All das gilt natürlich auch für die Veröffentlichung von Bildern auf den Social Media-Kanälen von Jugendlichen und denen ihrer Eltern.

Quellen und weiterführende Informationen

(Dieser Text ist mit Unterstützung von KI entstanden)

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

(Dieser Bereich fällt aktuell leider etwas knapper aus, weil meine zeitlichen Ressourcen im Moment nicht mehr hergeben)

Interessantes
Heute gibt es hier aus aktuellem Anlass einen kleinen PISA-Schwerpunkt.

Das „Deutsche Schulportal“ fasst die zehn wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/die-zehn-wichtigsten-ergebnisse-der-pisa-studie-2025/.
Wir wissen längst, wo die Probleme unseres Bildungssystems liegen. Trotzdem gelingt es zu selten, aus Diagnosen wirksame Förderung und aus erfolgreichen Projekten dauerhafte Strukturen zu entwickeln. Angesichts der alarmierenden Ergebnisse von PISA 2025 fordert DIPF-Direktor Kai Maaz deshalb einen entscheidenden Perspektivwechsel: Deutschland muss nicht nur seine Diagnosefähigkeit, sondern vor allem seine Wirkungsfähigkeit verbessern. Ein sehr lesenswerter Impuls über Unterrichtsqualität, bedarfsgerechte Ressourcen und die Lücke zwischen Wissen und Wirkung: https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell/mediathek-1/einblicke-und-denkanstoesse/pisa-2025-der-engpass-liegt-zwischen-wissen-und-wirkung. Außerdem gibt es ein Interview mit ihm in der FR: https://www.fr.de/politik/pisa-studie-deutsche-15-jaehrige-schlechter-als-beim-allerersten-test-94480924.html.
Hier gibt es einen Auszug aus der aktuellen Studie: https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2026/09/pisa-2025-results-volume-i_5265bfb1/1562a447-de.pdf.
Und hier gibt es Hintergründe zum Verfahren: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/wer-misst-hier-eigentlich-wen-so-funktioniert-die-pisa-studie/.
Die offizielle Landingpage der OECD: https://www.oecd.org/en/about/programmes/pisa.html.
Weitergehendes Hintergrundwissen bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/PISA-Studien.

Schulentwicklung
Hendrik Haverkamp im „Deutschen Schulportal“ zur De-Implementierung von Korrekturen: https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/korrekturen-de-implementierung-einer-sinnlosen-praxis/.

Smartphone und Social-Media
„Klicksafe“ hat eine neue Infobroschüre zu Online-Spielen herausgebracht: https://www.klicksafe.de/materialien/digitale-spiele-tipps-fuer-eltern.

KI
Kehrt Skandinavien wirklich zu Buch und Stift zurück? Hauke Pölert räumt mit einer häufig zitierten, aber irreführenden Erzählung auf. Schweden stärkt angesichts sinkender Lesekompetenzen analoge Grundlagen in den jüngeren Jahrgängen. Dänemark schützt eigenständiges Denken in Prüfungssituationen. Norwegen setzt seine Digitalisierungsstrategie fort und führt altersbezogene Regeln für KI ein. Die entscheidende Frage lautet daher nicht analog oder digital, sondern welches Medium in welcher Lernphase welchen Kompetenzerwerb unterstützt. Ein wichtiger Beitrag für eine sachlichere Debatte über Digitalisierung, KI und zeitgemäße Prüfungsformate: https://unterrichten.digital/2026/09/03/skandinavien-ki-digitalisierung-schule/.
Lisa Born berichtet in einem Gastbeitrag auf der Homepage von Joscha Falck über eine Erfahrung mit KI im Latein-Unterricht: https://joschafalck.de/lernpartner-latein/.
Eine neue systematische Übersicht zeigt: Ob KI das Lernen unterstützt oder eigenständiges Denken verdrängt, hängt vor allem von Aufgabenstellung, Prüfungskultur und KI-Kompetenz ab. Besonders problematisch wird es, wenn Lernende nicht nur Arbeitsschritte, sondern auch Quellenprüfung, Interpretation und Urteilsbildung an die KI delegieren: https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2026.1878665/full.
Die American Psychological Association fasst den aktuellen Forschungsstand zur KI-Nutzung von Kindern und Jugendlichen zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wann KI sinnvoll entlastet und wann sie Denkprozesse, Selbstregulation und soziale Erfahrungen ersetzt, die junge Menschen erst noch entwickeln müssen: https://www.apa.org/monitor/2026/09/ai-brain-development-youth.

Tipps für den Unterricht
Wie selbstverständlich sind unsere Vorstellungen von Fleiß, Leistung, Disziplin oder angemessenem Verhalten wirklich? Der Beitrag über Habitussensibilität im „Deutschen Schulportal“ zeigt, wie die eigene soziale Herkunft den Blick von Lehrkräften prägt und unbewusst zur Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern beitragen kann. Eine anregende Einladung, die eigene pädagogische Haltung mit produktiver Skepsis zu betrachten und Bildungsgerechtigkeit auch als Aufgabe der Schul- und Beziehungskultur zu verstehen: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/habitussensibilitaet-warum-lehrkraefte-der-eigenen-haltung-mit-skepsis-begegnen-sollten/.

Leseempfehlung
Bob Blume: Warum noch lernen. Wie Schule in Zeiten von KI, Krisen und sozialer Ungerechtigkeit aussehen muss, Mosaik 2024.
Die ideale Vorbereitung auf den Vortrag am 23.09. Bob Blume beschäftigt sich mit vielen Aspekten den Bildungssystems, wo es knarzt und was man besser machen müsste. Im Kern steht die Frage: Was bedeutet Lernen im 21. Jahrhundert und welchen Bildungsbegriff brauchen wir dafür.

Hörempfehlung
Florian Nuxoll hat die 3. Folge seines mit KI generierten Podcast „Die Schule am Mühlbach“ veröffentlicht. In diesem werden auf unterhaltsame Weise aktuelle Trends aus der Jugend und Social Media vorgestellt und erklärt: https://www.podcast.de/podcast/3734929/die-schule-am-muehlbach.

Sehempfehlung
„KI macht Schule: Was wir von China lernen können – Tech, KI & Schmetterlinge“ mit Sascha Lobo: https://www.youtube.com/watch?v=U7mAEi2JkI0&t=33s.
Interview mit Felix Koleve, einem Schulleiter der sich mit Vibe-Coding seine eigene Schulsoftware gebaut hat: https://www.youtube.com/watch?v=KpyFA9GWLU8.

Veranstaltungsempfehlung

Außerdem:
Zwar nicht ganz unsere Region, aber dennoch eine spannende Veranstaltung mit interessanten Gästen von Andreas Schleicher über Margret Rasfeld bis Stefan Ruppaner. Die „4. Nacht der Redner Edition Zukunftsschule“ am 6. November in Hamburg. Tickets und weitere Infos gibt es hier: https://www.eventbrite.de/e/4-nacht-der-redner-edition-zukunftsschule-tickets-1991188749150.

Spaß im Netz
https://neal.fun/unusual-suspects

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