Newsletter 26/27 – 02: 28.08.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

ich will keine Spaßbremse sein und mir ist auch klar, dass etwas Risiko und Sorglosigkeit zum Aufwachsen gehören, dennoch mache ich mir Sorgen um den Umgang von E-Scootern bei unseren Schülerinnen und Schülern.

Ich beobachte sehr häufig, wie zwei, manchmal sogar drei, Schülerinnen und Schüler auf einem Scooter unterwegs sind. Gerne wird dabei auch noch mit dem Handy hantiert und wenig Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer genommen.

Klar, E-Scooter sind praktisch, schnell und unkompliziert. Leider zeigt sich inzwischen aber auch eine andere Seite. Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab es 2025 deutschlandweit 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. Das sind 38 Prozent mehr als noch 2024 und bereits damals waren die Unfallzahlen um fast 27 Prozent gestiegen. 38 Menschen kamen 2025 bei E-Scooter-Unfällen ums Leben, fast 1.900 wurden schwer verletzt. (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_N049_462.html)

Das hängt sicher auch mit den steigenden Nutzerzahlen zusammen, dennoch sind das beeindruckende Zahlen.

Besonders nachdenklich macht uns als Schule: Mehr als die Hälfte der verunglückten E-Scooter-Fahrenden war jünger als 25 Jahre. Auch aus Hessen kommen deutliche Zahlen: In Frankfurt erlitt 2025 nahezu jeder dritte verletzte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren seine Verletzungen im Zusammenhang mit einem E-Scooter-Unfall. (https://www.polizei.hessen.de/die-polizei/statistik/verkehrsunfallstatistiken/verkehrsunfallstatistik-des-polizeipraesidiums-frankfurt-am-main)

Dabei lassen sich viele Risiken vermeiden. E-Scooter dürfen nur von einer Person gefahren werden. Gehwege sind grundsätzlich tabu; wo vorhanden, müssen Radwege oder Schutzstreifen benutzt werden. Und auch wenn keine allgemeine Helmpflicht besteht: Ein Helm kann bei einem Sturz einen entscheidenden Unterschied machen.

Deshalb unsere Bitte, gerade zu Beginn des neuen Schuljahres: Sprechen Sie auch zu Hause über sicheres und rücksichtsvolles Fahren. Und an unsere Schülerinnen und Schüler: Ein E-Scooter ist ein tolles Verkehrsmittel, aber eben kein Spielzeug. Fahrt aufmerksam, fahrt nicht zu zweit und nehmt Rücksicht auf andere.

Denn das Wichtigste ist nicht, möglichst schnell zur Schule zu kommen, sondern sicher anzukommen.

Hier habe ich noch einmal die wichtigsten geltenden Regeln zusammengefasst:

  • Mindestalter 14 Jahre: Jüngere Kinder dürfen E-Scooter im öffentlichen Straßenverkehr nicht fahren.
  • Nur eine Person: Zu zweit auf einem E-Scooter zu fahren ist verboten – unabhängig davon, wie kurz die Strecke ist.
  • Radweg statt Gehweg: Wo Radwege oder Radfahrstreifen vorhanden sind, müssen diese benutzt werden. Fehlen sie, darf auf der Fahrbahn gefahren werden. Auf reinen Gehwegen ist das Fahren grundsätzlich nicht erlaubt.
  • Maximal 20 km/h: Für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassene E-Scooter dürfen bauartbedingt höchstens 20 km/h fahren.
  • Versicherung ist Pflicht: Der Scooter benötigt eine Betriebserlaubnis und eine gültige Versicherungsplakette.
  • Nicht freihändig fahren: Auch das Anhängen an andere Fahrzeuge ist verboten.
  • Rücksicht nehmen: Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen haben Fußgänger Vorrang und dürfen weder behindert noch gefährdet werden.
  • Alkohol ist keine gute Idee: Weil E-Scooter Kraftfahrzeuge sind, gelten die entsprechenden Alkoholgrenzen des Straßenverkehrsrechts – und für Fahranfänger sowie unter 21-Jährige die Null-Promille-Regel.
  • Handy weg während der Fahrt: Für die Nutzung von Mobiltelefonen gelten dieselben Grundregeln wie bei anderen Kraftfahrzeugen.

Und natürlich gilt auch das zentrale Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme aus der Straßenverkehrsordnung.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

(Dieser Bereich fällt aktuell leider etwas knapper aus, weil meine zeitlichen Ressourcen im Moment nicht mehr hergeben)

Interessantes
Mehr Bildschirmzeit = schlechtere Kognition? Eine neue achtjährige Langzeitstudie findet sogar den gegenteiligen Zusammenhang. Die wichtigere Frage ist offenbar nicht, wie lange Jugendliche vor einem Bildschirm sitzen, sondern was sie dort tun: https://journals.humankinetics.com/view/journals/pes/38/3/article-p268.xml.

Schulentwicklung
Jennifer Knellesen und Kristin van der Meer haben aufgeschrieben wie man sukzessive eine Lernkultur für selbstreguliertes Lernen aufbaut: https://vom-labor-ins-klassenzimmer.de/den-lernprozess-in-die-eigene-hand-nehmen-wege-in-eine-kultur-des-selbstregulierten-lernens/.
Alexander Brand ordnet im Gespräch mit Thorsten Bohl (Jurysprecher des Deutschen Schulpreises) im „Deutschen Schulportal“ Hatties Kritik an individualisiertem Lernen ein. Hatties Kritik am individualisierten Lernen ist kein Plädoyer für die Rückkehr zum Frontalunterricht, sondern für die richtige Balance: Guter Unterricht verbindet klare Instruktion, gemeinsamen fachlichen Austausch und selbstständiges Lernen mit so viel Freiheit wie möglich und so viel Unterstützung wie nötig: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/was-john-hatties-kritik-an-individualisiertem-lernen-fuer-deutsche-schulen-bedeutet/.
Martin Karacsony versucht, den OECD Learning Compass 2030 in ein Modell für Unterricht zu übersetzen: https://bildungssprit.de/blog/handlungsfaehigkeit-ermoeglichen.
Ist die Schule „too big to bail“? Peter Fratton stellt eine unbequeme Frage: Versuchen wir die Probleme von Schule mit immer neuen Programmen und Konzepten zu lösen, ohne ihre Grundstrukturen anzutasten? Sein Plädoyer: kleinere Lernwelten, mehr Eigenverantwortung und Strukturen, die Selbstständigkeit tatsächlich ermöglichen. Ein bewusst provokanter und lesenswerter Impuls zur Frage, wie viel Veränderung Schule eigentlich braucht: https://peterfratton.com/2026/08/15/ist-die-schule-too-big-to-bail/.

Smartphone und Social-Media
„Futurism“ über Mobbing mit Smartglasses: https://futurism.com/artificial-intelligence/teen-boys-meta-glasses-harass-bully-girls-school.

KI
Chris Schmitz hat auf seiner Seite zahlreiche Belege gesammelt, die zeige, wie KI-Anfragen Behörden fluten: https://chrisschmitz.ai/flooding/.

Tipps für den Unterricht
Christian Haake hat einen „Series Creator“ gebaut, mit dem Lernende ein Unterrichtsthema als fiktive Streaming-Serie erschließen können: https://seriescreator.haak3.de/.
Bei „AppCamps“ gibt es Unterrichtsmaterial zum Einstieg in das Thema KI: https://appcamps.de/2021/12/01/kuenstliche-intelligenz-im-unterricht-tipps-fuer-den-einstieg/.

Leseempfehlung
Bob Blume: Warum noch lernen. Wie Schule in Zeiten von KI, Krisen und sozialer Ungerechtigkeit aussehen muss, Mosaik 2024.
Die ideale Vorbereitung auf den Vortrag am 23.09. (siehe Veranstaltungsempfehlung). Bob Blume beschäftigt sich mit vielen Aspekten den Bildungssystems, wo es knarzt und was man besser machen müsste. Im Kern steht die Frage: Was bedeutet Lernen im 21. Jahrhundert und welchen Bildungsbegriff brauchen wir dafür.

Hörempfehlung
Ferdinand Stebner zu den Vorteilen von selbstreguliertem Lernen in einem WDR-Podcast: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:section:42b966c64cd83570/.

Sehempfehlung
Ausnahmsweise keine.

Veranstaltungsempfehlung

Außerdem:

Zwar nicht ganz unsere Region, aber dennoch eine spannende Veranstaltung mit interessanten Gästen von Andreas Schleicher über Margret Rasfeld bis Stefan Ruppaner. Die „4. Nacht der Redner Edition Zukunftsschule“ am 6. November in Hamburg. Tickets und weitere Infos gibt es hier: https://www.eventbrite.de/e/4-nacht-der-redner-edition-zukunftsschule-tickets-1991188749150.

Spaß im Netz
https://neal.fun/space-elevator/.