Blog 2026-11: KI kann die Arbeit übernehmen. Aber wer verantwortet das Lernen?

Über die Verantwortung von Lernenden und Lehrkräften in einer Schule unter KI-Bedingungen

Bild: KI-generiert mit ChatGPT. Ich habe im Prompt-Dialog bewusst vorgegeben, kein typisches KI-Bild mit den üblichen Robotern und Köpfen mit „KI-Gehirn“ zu erstellen.

Eine Schülerin gibt eine hervorragend formulierte Analyse ab. Der Text ist differenziert, die Argumentation überzeugend, die Sprache anspruchsvoll. Die Lehrkraft bewertet die Arbeit entsprechend. Was sie nicht weiß, ist, dass die Schülerin die Aufgabe weitgehend von einer KI bearbeiten ließ, das Ergebnis überflogen und einige Formulierungen verändert hat. Mit dem eigentlichen Gegenstand hat sie sich kaum auseinandergesetzt.

Die Schülerin hat ein gutes Ergebnis abgegeben, aber möglicherweise wenig gelernt. Dieses Beispiel verdeutlicht eine grundlegende Herausforderung, vor der Schule durch generative KI steht. Wir können zunehmend hochwertige Ergebnisse erzeugen, ohne die geistige Arbeit zu leisten, die bislang mit ihrer Entstehung verbunden war. Damit gerät eine Annahme schulischen Lernens ins Wanken, die lange Zeit kaum hinterfragt werden musste. Die erfolgreiche Bearbeitung einer anspruchsvollen Aufgabe galt zumindest als Hinweis darauf, dass dabei auch etwas gelernt wurde.

Generative KI verändert diesen Zusammenhang. Sie kann uns immer mehr Arbeit abnehmen, die bislang mit Lernen verbunden war. Die Verantwortung dafür, dass tatsächlich gelernt wird, bleibt jedoch bei den beteiligten Menschen. Das betrifft Schülerinnen und Schüler ebenso wie Lehrkräfte, allerdings auf unterschiedliche Weise.

Wenn gute Ergebnisse nicht mehr auf gutes Lernen schließen lassen

Dass die Unterscheidung zwischen sichtbarer Leistung und tatsächlichem Lernen mehr ist als eine theoretische Überlegung, zeigen neuere Untersuchungen.

In einer viel diskutierten Studie von Bastani und Kollegen verbesserten Schülerinnen und Schüler mit KI-Unterstützung zunächst ihre Leistungen bei mathematischen Übungsaufgaben deutlich. Als sie anschließend ohne KI arbeiten mussten, schnitt die Gruppe mit weitgehend unbeschränktem KI-Zugang jedoch schlechter ab als die Kontrollgruppe. Eine andere Gruppe, die einen didaktisch gestalteten KI-Tutor nutzte, zeigte diesen signifikanten Nachteil nicht.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass KI zwar die Bearbeitung von Aufgaben erleichtern kann, daraus aber nicht zwangsläufig ein entsprechender Lernzuwachs entsteht. Gleichzeitig hängt die Wirkung wesentlich davon ab, wie die Unterstützung gestaltet wird.

Hauke Pölert hat im September 2026 in seinem Beitrag „4 KI-Studien und erste Konturen: Lernen unter KI-Bedingungen“ verschiedene aktuelle Untersuchungen zusammengeführt und durch Einordnungen des Schulpsychologen und Bildungsforschers Benedikt Wisniewski ergänzt. Dabei wird auch deutlich, wie vorsichtig wir mit Verallgemeinerungen umgehen müssen. Die Studien unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Methoden, untersuchten Gruppen und Lernumgebungen erheblich. Dennoch lassen sich erste Hinweise erkennen, dass sichtbarer Fortschritt und tatsächliches Lernen auseinanderfallen können und die didaktische Gestaltung der KI-Nutzung eine entscheidende Rolle spielt.

Auch ein systematisches Review in „Frontiers in Education“ kommt zu einem differenzierten Ergebnis. Generative KI kann Metakognition, Feedback und selbstreguliertes Lernen unterstützen. Gleichzeitig zeigen die ausgewerteten Untersuchungen Risiken einer unkritischen Übernahme von KI-Ergebnissen. Die Autorinnen und Autoren betonen allerdings, dass die Forschungslage noch jung ist und insbesondere langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten bislang nicht hinreichend untersucht sind. Zudem beziehen sich die Ergebnisse auf die Hochschulbildung und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Schülerinnen und Schüler übertragen.

Für Schule bleibt dennoch eine wichtige Erkenntnis. Ein guter Text, eine richtige Lösung oder eine überzeugende Präsentation sind weiterhin wertvolle Ergebnisse. Sie lassen aber immer weniger zuverlässig erkennen, welche Kompetenzen die Lernenden tatsächlich erworben haben.

Die Verantwortung der Lernenden

Für Schülerinnen und Schüler verändert sich damit die Art der Entscheidungen, die sie während des Lernens treffen müssen. Sie können nicht mehr nur zwischen unterschiedlichen Bearbeitungswegen wählen, sondern zunehmend auch darüber entscheiden, welche Teile einer Aufgabe sie überhaupt selbst übernehmen.

Ein schwieriger Text lässt sich innerhalb weniger Sekunden zusammenfassen. Eine mathematische Aufgabe kann vollständig gelöst und erklärt werden, ohne dass zuvor ein eigener Lösungsversuch stattgefunden hat. Auch eine politische Argumentation lässt sich von einer KI entwickeln, überprüfen und sprachlich verbessern. All das kann sinnvoll sein, wenn die Unterstützung das eigene Verständnis erweitert. Es kann aber ebenso dazu führen, dass die Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand weitgehend entfällt.

Lernen ist nicht immer angenehm oder effizient. Irrtümer, Unsicherheit, gedankliche Umwege und das Ringen um eine eigene Formulierung gehören häufig zu den Prozessen, durch die Verständnis entsteht. Wenn KI genau diese Anstrengungen beseitigt, kann sie kurzfristig entlasten und gleichzeitig den Kompetenzaufbau erschweren.

In der Forschung wird in diesem Zusammenhang von Cognitive Offloading oder Deskilling (Florian Nuxoll) gesprochen, also der Auslagerung geistiger Arbeit. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Menschen nutzen seit jeher Werkzeuge, um ihr Denken zu entlasten. Problematisch kann es werden, wenn nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern auch die Bewertung von Informationen, die Prüfung von Argumenten und das eigene Urteil an ein System abgegeben werden. Das bereits erwähnte Frontiers-Review beschreibt diese Entwicklung unter anderem mit dem Begriff der epistemischen Delegation.

Eine verantwortungsvolle KI-Nutzung bedeutet deshalb nicht, möglichst wenig KI einzusetzen. Sie setzt vielmehr voraus, bewusst entscheiden zu können, welche Unterstützung sinnvoll ist, welche Ergebnisse überprüft werden müssen und wann eigenständiges Denken notwendig bleibt.

Diese Fähigkeit wird häufig mit dem Begriff Agency (Handlungsfähigkeit) beschrieben. Gemeint ist die Fähigkeit, das eigene Denken und Handeln selbstbestimmt zu steuern und auch im Zusammenspiel mit leistungsfähigen KI-Systemen die Kontrolle über Ziele, Entscheidungen und Bewertungen zu behalten.

Allerdings können wir nicht erwarten, dass Schülerinnen und Schüler diese Fähigkeit bereits mitbringen. Sie muss selbst zum Gegenstand schulischen Lernens werden.

Eigenverantwortung muss gelernt werden

Damit rückt die Verantwortung der Lehrkräfte in den Mittelpunkt. Es reicht nicht, Schülerinnen und Schüler zur verantwortungsvollen KI-Nutzung aufzufordern und anschließend davon auszugehen, dass sie schon wissen werden, was darunter zu verstehen ist.

Gerade jüngere Lernende verfügen häufig noch nicht über die fachlichen und selbstregulativen Kompetenzen, um die Folgen ihrer Entscheidungen zuverlässig einzuschätzen. Wer ein Thema noch nicht verstanden hat, kann auch nicht beurteilen, ob eine KI-Erklärung fachlich richtig ist. Wer die Qualität einer Argumentation nicht einschätzen kann, wird Schwierigkeiten haben, eine überzeugend klingende KI-Antwort kritisch zu hinterfragen.

Darin liegt ein pädagogisches Problem, das mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit von KI an Bedeutung gewinnt. Wir möchten junge Menschen befähigen, komplexe Tätigkeiten sinnvoll an KI zu delegieren. Die Fähigkeit zur kompetenten Delegation setzt aber voraus, dass sie diese Tätigkeiten zuvor selbst ausgeführt und verstanden haben.

Deshalb brauchen wir auch unter KI-Bedingungen Lernphasen, in denen Schülerinnen und Schüler eigenständig lesen, schreiben, rechnen, argumentieren, recherchieren und Probleme lösen. Nicht, um an überholten Unterrichtsformen festzuhalten, sondern weil diese Tätigkeiten Fähigkeiten entwickeln, die später für einen souveränen Umgang mit KI benötigt werden.

Joscha Falck hat sich in seiner „Architektur der KI-Didaktik“ mit der Frage beschäftigt, wie Lernen unter diesen Bedingungen gestaltet werden kann. Dabei geht es nicht allein um den sinnvollen Einsatz von KI, sondern auch um kognitive Aktivierung, selbstreguliertes Lernen und die Sichtbarkeit eigenständiger Leistungen. Falck betont, dass die Nutzung von KI didaktisch begründet werden muss und nicht jede technisch mögliche Unterstützung automatisch lernförderlich ist.

Für mich lässt sich daraus eine wichtige Konsequenz ableiten. Unterricht muss Lernende zunehmend dazu befähigen, selbst zu entscheiden, wann sie mit KI arbeiten, wann sie sich kritisch mit KI auseinandersetzen und wann sie bewusst ohne diese Unterstützung lernen. Diese unterschiedlichen Formen des Lernens ergänzen sich. Eigenständige geistige Anstrengung und die kompetente Nutzung von KI sind keine Gegensätze.

Allerdings setzt das voraus, dass Schülerinnen und Schüler echte Möglichkeiten erhalten, ihre Lernprozesse mitzugestalten. Wer ausschließlich vorgegebene Aufgaben abarbeitet, deren Sinn und Ziel weitgehend unklar bleiben, wird kaum lernen, die eigene Arbeit selbstständig zu planen und zu verantworten.

Eine Schule, die Eigenverantwortung fordert, muss deshalb Lernprozesse ermöglichen, in denen Eigenverantwortung tatsächlich entstehen kann.

Die Verantwortung der Lehrkräfte endet nicht beim Prompt

In der öffentlichen Debatte richtet sich die Aufmerksamkeit häufig darauf, ob Schülerinnen und Schüler KI unerlaubt einsetzen. Deutlich seltener wird darüber gesprochen, welche Verantwortung Lehrkräfte für ihre eigene KI-Nutzung tragen.

Dabei verändert KI längst auch die professionelle Arbeit. Unterrichtsreihen, Arbeitsblätter, Erwartungshorizonte, Differenzierungsmaterialien, Rückmeldungen und ganze Unterrichtsplanungen lassen sich inzwischen innerhalb kurzer Zeit generieren. Zur Nutzung von KI durch Lehrkräfte gibt es eine gute Übersicht beim Deutschen Schulportal.

Das eröffnet erhebliche Möglichkeiten. Lehrkräfte können unterschiedliche Lernzugänge entwickeln, Materialien anpassen, alternative Erklärungen formulieren oder neue Unterrichtsideen erproben. Gerade angesichts wachsender Heterogenität kann das eine wertvolle Unterstützung sein.

Die Geschwindigkeit der Erstellung sagt allerdings wenig über die pädagogische Qualität aus.

Ein KI-generiertes Arbeitsblatt kann fachliche Fehler enthalten, ungeeignete Vereinfachungen vornehmen oder Anforderungen stellen, die nicht zum Lernstand der Schülerinnen und Schüler passen. Eine vermeintlich differenzierte Unterrichtsplanung kann lediglich unterschiedliche Schwierigkeitsgrade produzieren, ohne die eigentlichen Lernhindernisse zu berücksichtigen. Ein automatisch erstellter Erwartungshorizont kann plausible, aber fachlich fragwürdige Kriterien enthalten, auch ein sprachlich überzeugendes Feedback muss noch lange nicht pädagogisch hilfreich sein.

Wer solche Materialien einsetzt, übernimmt Verantwortung für ihre Qualität und ihre Wirkung. Diese Verantwortung endet nicht mit dem Hinweis, dass das Material von einer KI erstellt wurde. Lehrkräfte müssen fachliche Richtigkeit, didaktische Angemessenheit, die Passung zur Lerngruppe und mögliche Verzerrungen prüfen. Hinzu kommen Fragen des Datenschutzes und des Urheberrechts.

Die Verantwortung reicht dabei über die Kontrolle einzelner Fehler hinaus. Wer eine vollständige Unterrichtsplanung von einer KI erstellen lässt, übernimmt möglicherweise auch didaktische Entscheidungen, ohne sich ausreichend mit ihnen auseinandergesetzt zu haben. Das betrifft die Auswahl von Lernzielen ebenso wie die Gestaltung von Aufgaben, die Strukturierung von Lernprozessen und die Entscheidung darüber, welche Unterstützung Lernende benötigen.

Die Gefahr einer unkritischen Delegation geistiger Arbeit besteht somit nicht nur auf der Seite der Schülerinnen und Schüler. Auch Lehrkräfte können durch KI zwar effizienter arbeiten, dabei aber zunehmend Teile ihrer professionellen Urteilsbildung auslagern.

Doris Weßels beschreibt die sich verändernde Rolle von Lehrkräften im Zusammenspiel mit KI-Systemen mit dem Begriff AI Leadership. Lehrkräfte werden stärker zu Gestaltenden von Lernumgebungen, die unterschiedliche Formen menschlicher und technischer Unterstützung miteinander verbinden. Zugleich bleiben Beziehungsarbeit, pädagogische Haltung und professionelle Verantwortung unverzichtbar.

Das ist ein anspruchsvolleres Verständnis von KI-Kompetenz als die Fähigkeit, gute Prompts zu formulieren. Professioneller KI-Einsatz bedeutet, die Möglichkeiten der Technologie zu nutzen, ohne die Verantwortung für die eigenen pädagogischen Entscheidungen abzugeben.

Gemeinsame Verantwortung, unterschiedliche Aufgaben

Verantwortung für das Lernen liegt somit auf beiden Seiten, allerdings nicht in gleicher Weise.

Schülerinnen und Schüler müssen lernen, ihre eigenen Lernprozesse zunehmend selbst zu steuern. Sie sollen einschätzen können, welche Unterstützung ihnen hilft, welche Abkürzungen ihnen möglicherweise schaden und wie sie mit KI-Ergebnissen kritisch umgehen.

Lehrkräfte tragen dagegen die professionelle Verantwortung dafür, geeignete Lernbedingungen zu schaffen, Lernfortschritte wahrzunehmen, notwendige Unterstützung anzubieten und die Entwicklung dieser Selbstständigkeit zu ermöglichen.

Das bedeutet nicht, dass Lehrkräfte für jeden individuellen Lernerfolg verantwortlich gemacht werden können. Lernen lässt sich nicht erzwingen und bleibt eine aktive Leistung der Lernenden. Die Verantwortung für die Gestaltung geeigneter Lerngelegenheiten lässt sich aber ebenso wenig auf Schülerinnen und Schüler übertragen wie die Verantwortung für die Qualität von Unterrichtsmaterialien auf eine KI.

Gerade deshalb sollten wir vermeiden, die Debatte auf Verbote, Täuschungsversuche und Kontrollmechanismen zu verengen. Wenn wir Schülerinnen und Schüler ausschließlich daran messen, ob sie ein Produkt ohne unerlaubte Unterstützung erstellt haben, bleibt die Frage nach ihrem tatsächlichen Lernen weitgehend unbeantwortet.

KI verändert die Grundlogik von Schule

In meinem früheren Beitrag auf SchulMUN zur Veränderung der Grundlogik von Schule habe ich argumentiert, dass KI nicht lediglich ein weiteres Werkzeug für den Unterricht darstellt. Sie verändert vielmehr die Bedingungen, unter denen schulische Aufgaben, Leistungen und Lernprozesse funktionieren; wir befindne uns in einer Aufgaben- und Nachweiskrise.

Traditionell war die Bearbeitung einer Aufgabe eng mit der Erarbeitung eines Ergebnisses verbunden. Mit KI kann das Ergebnis entstehen, ohne dass der dafür notwendige Lernprozess stattgefunden hat. Damit geraten unsere Aufgabenkultur und die Aussagekraft vieler Leistungsnachweise unter Druck.

Wenn künftig zunehmend ganze Arbeitsprozesse durch KI-Agenten übernommen werden können, wird sich diese Entwicklung weiter verstärken. Menschen werden häufiger Ziele formulieren, Prozesse steuern, Ergebnisse beurteilen und Entscheidungen verantworten, statt jeden einzelnen Arbeitsschritt selbst auszuführen.

Diese Entwicklung betrifft auch die pädagogische Diagnostik, mit der ich mich im Rahmen einer Fortbildung der HIBB-Praxisakademie beschäftigt habe. KI kann Lehrkräfte dabei unterstützen, Lernstände auszuwerten, Lernprozesse adaptiv erweitern, unterschiedliche Lernzugänge zu entwickeln und bislang möglicherweise übersehene Lernbedarfe sichtbar zu machen. Sie kann aber nicht die pädagogische Verantwortung dafür übernehmen, wie solche Informationen interpretiert werden und welche Konsequenzen daraus folgen.

Der Einsatz von KI fordert uns deshalb heraus, grundsätzlicher über Unterricht und Kompetenzen nachzudenken. Es reicht nicht, die neuen technischen Möglichkeiten in bestehende Aufgabenformate zu integrieren. Wir müssen Lernprozesse so gestalten, dass fachliches Verständnis, eigenständiges Denken und verantwortliches Handeln weiterhin entwickelt werden können.

Damit wird KI auch zu einer Frage der Schulentwicklung.

Eine Schule, die weiterhin vor allem fertige Ergebnisse einfordert und bewertet, wird durch KI zunehmend Schwierigkeiten bekommen, tatsächliches Lernen zu erkennen. Eine Schule dagegen, die Selbststeuerung, Feedback, Reflexion, fachliche Vertiefung und eigenständige Urteilsbildung in den Mittelpunkt stellt, kann KI nutzen, um genau diese Prozesse zu unterstützen.

Die Verfügbarkeit von KI zwingt uns nicht, unsere Bildungsziele aufzugeben. Sie fordert uns aber heraus, die Bedingungen zu überdenken, unter denen wir sie erreichen wollen.

Verantwortung für das Lernen bleibt menschlich

Die zunehmende Leistungsfähigkeit von KI verändert die Verantwortung für Lernprozesse. Sie verschiebt den Blick von der bloßen Erstellung und Bewertung von Ergebnissen stärker auf die bewusste Gestaltung, Begleitung und Steuerung des Lernens.

Für Lernende bedeutet das, nicht jede technisch mögliche Abkürzung zu nehmen, sondern zunehmend selbst entscheiden zu können, welche geistige Anstrengung für das eigene Lernen notwendig ist.

Für Lehrkräfte bedeutet es, Lernprozesse so zu gestalten, dass Eigenständigkeit wachsen kann und zugleich die fachliche und pädagogische Verantwortung für den eigenen KI-Einsatz zu übernehmen.

Für Schule als Organisation bedeutet es schließlich, eine Lernkultur zu entwickeln, in der Selbstständigkeit nicht nur gefordert, sondern systematisch ermöglicht wird.

Wir müssen dafür nicht auf die Möglichkeiten von KI verzichten. Gerade wenn KI immer leistungsfähiger wird, müssen wir lernen, sinnvoll mit ihr zusammenzuarbeiten. Entscheidend bleibt, dass Menschen die Ziele bestimmen, Ergebnisse beurteilen und Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen.

Die vielleicht wichtigste Aufgabe von Schule im Zeitalter der KI besteht deshalb nicht darin, das Delegieren zu verhindern, sondern junge Menschen dazu zu befähigen, Verantwortung für das eigene Denken zu übernehmen.

Und diese Verantwortung beginnt bei uns Lehrkräften.

Epilog

Auch dieser Text ist gemeinsam mit KI entstanden. Ich habe Gedanken, Erfahrungen und Quellen eingebracht, mit ChatGPT diskutiert, Argumente geschärft und manches wieder verworfen. Die KI hat mir geholfen, meine Gedanken weiterzuentwickeln, aber sie hat mir das Denken nicht abgenommen.

Welche Quellen ich für überzeugend halte, welche Positionen ich vertrete und was am Ende hier steht, habe ich entschieden. Und wenn etwas nicht stimmt, kann ich mich nicht auf die KI herausreden. Die Verantwortung liegt bei mir. Genau das ist der Punkt.