Newsletter 26/27-06: 06.11.2026

Liebe Schulgemeinschaft,

was hat eigentlich Lasagne mit Schulentwicklung zu tun?

Letzten Freitag gab es bei uns im Lehrerzimmer leckere Lasagne. Vegetarisch, glutenfrei, mit Fleisch, mit und ohne Erbsen, dazu Salat und anschließend noch Tiramisu.

Gekocht hat unsere „Projektklasse“. Nicht die, die im kommenden Schuljahr mit selbstreguliertem Lernen beginnt, sondern die, die wir im vorletzten Schuljahr gestartet haben und die jetzt im 9. Jahrgang ist. In dieser Klasse haben wir Lehrkräfte eingesetzt, die Lust auf Ausprobieren und Veränderung haben. Seitdem sind dort spannende Ideen und Projekte entstanden.

Hier wird auch mal fächerübergreifend gearbeitet, in Projekten gedacht und zunehmend Verantwortung in die Hände der Schülerinnen und Schüler übertragen.

Ein besonderes Projekt bestand beispielsweise darin, einen Tag mit einer selbst gewählten Herausforderung zu planen. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich überlegen, was für sie herausfordernd ist, und sich dann in einer Gruppe dieser Herausforderung stellen. Herausgekommen sind Projekte wie eine Fahrradtour nach Aschaffenburg, eine Joggingtour nach Frankfurt, das Bauen von Palettenmöbeln für den Klassenraum, das Erledigen von 50 selbst gestellten Aufgaben in Langen, eine Wanderung nach Darmstadt mit Challenges oder die Verteilung selbst gebackener Muffins an obdachlose Menschen in Frankfurt; mehr Details gibt es in unserer letzten Schülerzeitung. Die Projekte mussten eigenständig organisiert, dokumentiert und reflektiert werden. Dabei entstehen echte Lerngelegenheiten, in denen die Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen und Selbstwirksamkeit erfahren können.

Bemerkenswert ist, dass zu diesen Lerngelegenheiten auch der Umgang mit dem Scheitern gehört. Eine Gruppe wollte gerne ein Fußballturnier in einem Frauengefängnis durchführen, ist letztlich aber an den bürokratischen Hürden gescheitert. Auch das ist ein Lernprozess.

In dieser Klasse wird sogar der Mathematikunterricht zum Demokratielernen. Die Schülerinnen und Schüler haben Mitspracherechte, die in einer demokratischen Versammlung organisiert werden. Dort können Anträge gestellt, diskutiert und demokratisch abgestimmt werden. Und es ist keinesfalls so, dass diese Möglichkeiten ausgenutzt werden, um den Mathematikunterricht zu torpedieren. Im Gegenteil, die Lernenden fordern Unterricht sogar selbst ein.

Was mir bei den Schülerinnen und Schülern dieser Klasse inzwischen besonders auffällt, ist ihre große Selbstständigkeit. Sie organisieren ihre Lernprozesse zunehmend eigenverantwortlich und übernehmen Verantwortung für die Gemeinschaft. Natürlich lässt sich nicht jede Entwicklung unmittelbar auf die pädagogische Arbeit in dieser Klasse zurückführen. Aber die Erfahrungen machen deutlich, welches Potenzial darin liegt, jungen Menschen tatsächlich etwas zuzutrauen. Womit wir wieder bei der Lasagne wären. Einkauf, Kochen und Verteilung im Lehrerzimmer wurden komplett selbst organisiert. Es gab verschiedene Varianten für unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten und die Schülerinnen und Schüler sind erst gegangen, als die Küche wieder sauber und das Geschirr gespült war. Diese Selbstständigkeit zeigt sich auch in der Rückmeldung der begleitenden Lehrkräfte, die meinten, dass sie einen ausgesprochen entspannten „Unterricht“ hatten und eigentlich nichts zu tun hatten, außer lecker zu essen. Dass sie sich dabei so entspannt zurücklehnen konnten, ist natürlich auch das Ergebnis ihrer vorherigen pädagogischen Arbeit. Selbstständigkeit entsteht schließlich nicht von allein.

Für mich steckt darin eine wichtige Erkenntnis: Selbstständigkeit lernt man nicht, indem man ständig gesagt bekommt, dass man selbstständiger werden soll. Man lernt sie, indem man echte Verantwortung übernehmen darf. Das gilt für das eigene Lernen ebenso wie für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft. Demokratielernen muss genauso gelebt werden wie Verantwortungsübernahme und Selbstwirksamkeit. Und manchmal beginnt diese Erfahrung eben damit, für fast das ganze Lehrerzimmer Lasagne zu kochen.

Solche Erfahrungen sind auch für unsere weitere Schulentwicklung wertvoll. Wenn wir im kommenden Schuljahr eine neue Projektklasse mit dem Schwerpunkt selbstreguliertes Lernen starten, beginnen wir schließlich nicht bei null. Wir können auf Erfahrungen zurückgreifen, die Kolleginnen und Kollegen bereits an unserer Schule gesammelt haben.

Ihr

Erik Grundmann

Und hier wieder als Angebot, ein paar Links, Tipps und Empfehlungen:

Interessantes
Das HMKB hat die ersten Informationen zum fürs nächste Schuljahr ab Jahrgang 5 geplanten neuen Fach „KI und Digitale Welt“ veröffentlicht. Hier gibt es die Entwurfsfassungen für die Curricula und ein Beteiligungsverfahren: https://kultus.hessen.de/unterricht/kerncurricula-und-lehrplaene/kerncurricula/informelles-beratungsverfahren. Die Frankfurter Rundschau hat mit Kultusminister Schwarz ein Interview dazu geführt: https://www.fr.de/politik/armin-schwarz-ueber-neues-pflichtfach-ki-und-digitale-welt-zr-94528219.html. 
Wie viel informatische Bildung Jugendliche erhalten, hängt in Deutschland stark vom Wohnort ab. Der neue Informatik-Monitor zeigt Fortschritte, aber auch erhebliche Lücken beim verpflichtenden Unterricht. Der Ländervergleich bietet einen interessanten Hintergrund für die Diskussion um das geplante hessische Fach „KI und Digitale Welt“: https://informatik-monitor.de/2026-27.
Professorin Stephanie Wössner setzt sich kritisch mit dem aktualisierten KMK-Kompetenzrahmen „Bildung in der digitalen Welt“ auseinander. Sie begrüßt die Ergänzung um KI-Kompetenzen, hält das Festhalten an der bisherigen Struktur jedoch für unzureichend. Aus ihrer Sicht erfordert KI eine grundlegendere Auseinandersetzung mit Lernen, Leistungsbewertung und gesellschaftlicher Mitgestaltung durch junge Menschen. https://www.petiteprof79.eu/ki-in-alten-schubladen-warum-der-neue-kmk-kompetenzrahmen-nicht-reicht/.
Laut der „Zukunftsstudie Schulmanagement 2026“ von Wolters Kluwer nutzen rund 91 Prozent der befragten Schulleitungen KI für ihre Leitungsarbeit, vor allem für Texte, Recherche und Organisation. Eine klare gemeinsame Strategie für den Einsatz in Schulleitung und Verwaltung haben dagegen nur rund sechs Prozent. Die auf News4teachers veröffentlichte Pressemitteilung berichtet außerdem über rechtliche Unsicherheiten und einen hohen Bedarf an praxisnahen Fortbildungen: https://www.news4teachers.de/2026/11/zukunftsstudie-schulmanagement-2026-von-wolters-kluwer-schon-neun-von-zehn-schulleitungen-nutzen-kuenstliche-intelligenz/. Die Studie gibt es hier: https://www.wolterskluwer.com/de-de/know/zukunftsstudie-schulmanagement-2026.

Schulentwicklung
Im Interview mit Alexander Brand vom „Deutschen Schulportal“ erläutert der ehemalige englische Schulleiter und Schulinspektor Neil Fazackerley Veränderungen im englischen Schulsystem. Im Mittelpunkt stehen hohe Erwartungen an alle Lernenden, gezielte Förderung und strukturierter Unterricht. Seine Kritik an „Differenzierung“ richtet sich gegen dauerhaft vereinfachte Lernangebote. Stattdessen plädiert er dafür, anspruchsvolle Inhalte durch passende Hilfestellungen für alle zugänglich zu machen: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/der-begriff-differenzierung-ist-in-england-zu-einem-schimpfwort-geworden/.

Smartphone und Social-Media
Die JIMplus-Studie 2026 untersucht, wie Jugendliche Social Media erleben. Drei Viertel berichten, dass die Plattformen sie von anderen Aufgaben ablenken. Zugleich sehen 82 Prozent darin einen wichtigen Zugang zu Wissen. klicksafe fasst die Ergebnisse zu Vergleichsdruck, belastenden Inhalten und positiven Erfahrungen zusammen und zeigt, welche Bedeutung Familie und Freundschaften für das Wohlbefinden haben. Eine Zusammenfassung gibt es bei „Klicksafe“: https://www.klicksafe.de/news/social-media-nutzung-laut-jugendlichen-sowohl-inspiration-als-auch-belastung, die Studie hier: https://mpfs.de/studie/jimplus-2026/.

KI
Hauke Pölert erläutert die KI-bezogenen Ergänzungen des KMK-Kompetenzrahmens „Bildung in der digitalen Welt“ und ihre Bedeutung für die schulische Konzeptarbeit. Er sieht darin eine hilfreiche Grundlage, benennt aber auch offene Fragen zu Umsetzung, Ausstattung und Fortbildung. Für die Arbeit im Kollegium stellt er ein Übersichtsplakat sowie Reflexions- und Impulskarten zum Download bereit: https://unterrichten.digital/kmk-digital-kompetenzrahmen-ki-update/. Hier gibt es das Papier der KMK: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2026/2026_10_16-KI-Kompetenzrahmen.pdf.
KI ist im Schulalltag angekommen, doch die Voraussetzungen halten vielerorts nicht Schritt. Eine Bitkom-Befragung zeigt, dass viele Lehrkräfte Chancen sehen und KI bereits nutzen, sich im Umgang damit aber noch unsicher fühlen. Für die Schulentwicklung unterstreicht das, wie wichtig verlässliche Zugänge, Fortbildung und gemeinsame pädagogische Verständigung sind: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Schule-und-KI-Grosse-Chancen-ungleiche-Voraussetzungen.
Wann hilft KI beim Lernen und wann nimmt sie entscheidende Denkarbeit ab? 30 renommierte Lernforscherinnen und Lernforscher haben 65 Lernprozesse systematisch bewertet. Ihr Ergebnis spricht für einen gezielten Einsatz vor allem beim Üben und Festigen. Beim ersten Verstehen und beim selbstständigen Übertragen auf neue Probleme ist deutlich mehr Zurückhaltung geboten: https://www.cehd.umn.edu/AI-expert-consensus-report-2026.
Wer eine Fähigkeit noch nicht besitzt, kann oft auch nicht zuverlässig prüfen, ob eine KI sie richtig ausgeführt hat. Ein neuer Fachbeitrag entwickelt daraus ein hilfreiches Modell für Unterricht und Leistungsbewertung. Entscheidend ist nicht nur, ob KI erlaubt ist, sondern ob Lernende die übertragene Denkarbeit bereits selbst beherrschen und kontrollieren können: https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2026.1982690/full.

Tipps für den Unterricht
Für den Musikunterricht: KI-Musikgeneratoren können aus Textvorgaben Songs mit Gesang oder instrumentale Musik erzeugen. Dieser Beitrag von René Lutz stellt zehn Anbieter vor und vergleicht Funktionen, Kosten und Nutzungsbedingungen: https://ki-spot.de/ki-musikgeneratoren/.

Leseempfehlung
Matthias Horx: Zukunftskompetenz. Alles, was wir über morgen wissen (können), Frankfurt 2026.
Der Zukunftsforscher Matthias Horx liefert in seinem neuen Buch alles Wichtige rund um das Thema Zukunft und macht damit Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Zum Beispiel schreibt er, dass jeder Renaissance eine Krise voranging. Das lässt hoffen. Ein schön illustriertes und lehrreiches Buch zum Thema Zukunft. Mehr zur „Zukunftsforscherfamilie“ Horx, wie zum Beispiel zum „Future Project“ gibt es hier: https://www.horx.com/.

Hörempfehlung
In der Podcastfolge „Lehrseits und lernseits – Unterricht neu denken“ spricht Bob Blume mit dem Bildungswissenschaftler Michael Schratz darüber, wie Unterricht aus der Perspektive der Lernenden betrachtet werden kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum auch durchdachte Unterrichtskonzepte nicht immer die erhofften Lernprozesse auslösen. Rund 32 Minuten: https://www.swr.de/swrkultur/wissen/lehrseits-und-lernseits-unterricht-neu-denken-michael-schratz-100.html.

Sehempfehlung
Die dreiteilige SWR-Dokumentation „Schule ohne Smartphone – Das Experiment mit Tobi Krell“ begleitet rund 100 Jugendliche, die drei Wochen auf ihr Smartphone verzichten. Ein Forschungsteam untersucht Veränderungen bei Schlaf, Bewegung, Konzentration und Stimmung. Die Reihe zeigt außerdem, wie Jugendliche und ihre Familien den ungewohnten Alltag erleben. Drei Folgen von jeweils etwa 26 bis 28 Minuten: https://www.ardmediathek.de/sendung/schule-ohne-smartphone-das-experiment/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9zZGIvc3RJZC8xOTIz.

Veranstaltungsempfehlung
Am Mittwoch, 25. November 2026, von 15:30 bis 17:00 Uhr stellt die Hans-Leipelt-Schule Donauwörth ihr Unterrichtskonzept „BOS Vision“ vor. Unter dem Titel „Selbstorganisiertes Lernen mit Struktur und Eigenverantwortung“ geht es darum, wie Instruktion, Coaching, Differenzierung und Feedback zusammenwirken. Die kostenlose Online-Veranstaltung der Robert Bosch Stiftung richtet sich unter anderem an Lehrkräfte und Schulleitungen und bietet Gelegenheit zum Austausch: https://campus.deutsches-schulportal.de/event/selbstorganisiertes-lernen-mit-struktur-und-eigenverantwortung-cgoromac76k467o2dalglo0x.

Spaß im Netz
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